1000 Antworten

SWR
730
14.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Rhein hat sehr geringes Gefälle Steht man in Mannheim am Rhein, fließt der Fluss erstaunlich schnell an einem vorbei – immerhin mit 6 bis 7 km/h: Schneller als ein zügiger Fußgänger! Und das, obwohl es in der Rheinebene kaum wirklich bergab geht: Basel liegt 250 Meter über dem Meeresspiegel, von dort bis zur Rheinmündung sind es 1.000 Kilometer – so ergibt sich ein durchschnittliches Gefälle von 25 cm pro Kilometer. Das entspricht 0,025 Prozent – also fast nichts. Würden wir mit dem Fahrrad auf einer Straße mit so geringer Neigung fahren, würden wir von einem "Gefälle" nichts merken. Wir würden sie als ebene Fläche wahrnehmen und müssten ganz normal treten, um vorwärts zu kommen. Da ist nichts mit "rollen lassen". Reibungswiderstand ist im Wasser gering Warum aber fließt dann der Fluss im Vergleich dazu so schnell? Intuitiv könnte man meinen: weil so viel Wasser von oben nachkommt und das Ganze anschiebt– aber das hat damit überhaupt nichts zu tun. Oder nur insofern, als natürlich, wenn ein Fluss sozusagen an einer Stelle stehen bleiben würde und von oben Wasser nachkommt, sich ein Wasserberg bilden würde. Dazu kommt es gar nicht erst, weil jeder Niveauunterschied an der Oberfläche sofort wieder ausgeglichen wird. Aber das hat nichts mit "Anschieben" zu tun, sondern mit dem geringen Reibungswiderstand im Wasser. Nochmal der Vergleich mit dem Fahrrad: Dass ein Reifen bei 0,025 Prozent Neigung nicht von alleine rollt, hat vor allem mit der Reibung zu tun. Die Reibung zwischen Reifen und Boden wirkt der Gravitation entgegen und verhindert bei sehr flachem Gefälle, dass man das Fahrrad einfach rollen lassen kann. Die Wassermoleküle dagegen üben gegenseitig einen viel geringeren Widerstand aus als ein Reifen auf Asphalt. Deshalb reicht schon eine geringe Neigung, um das Wasser abwärts fließen zu lassen. Trotzdem gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen Gefälle und Fließgeschwindigkeit. In den Alpen hat der Rhein ein starkes Gefälle – auf 400 Meter geht es im Schnitt einen Meter abwärts. Da fließt er schnell. Am Niederrhein dagegen beträgt das Gefälle nur ungefähr 1 Meter auf 8 Kilometer – dort fließt er langsamer. Am Oberrhein ist er an manchen Abschnitten steiler, an manchen flacher. Zum Beispiel hat der Rhein bei Mannheim, aber auch weiter flussabwärts bei Koblenz, ein steileres Gefälle als dazwischen im Rheingau. Und entsprechend schnell oder langsam fließt der Fluss jeweils. Wasser fließt in der Flussmitte schneller Aber wenn man so am Flussufer steht, sieht man auch: Der Fluss bewegt sich in der Mitte schneller vorwärts als am Rand – denn am Ufer wird das Wasser wiederum durch die Reibung und durch Verwirbelungen gebremst. Kurz: Je weiter weg vom Ufer und je tiefer das Flussbett, desto schneller fließt das Wasser. Aus demselben Grund fließt ein Fluss bei Hochwasser auch schneller als bei Niedrigwasser, denn bei Hochwasser liegt das Flussbett noch tiefer. Danke an: Matthias Adler, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz

  2. 28.03.2025
    3 min

    Darreichungsform "dünner Faden" Weil es sonst keine Spaghetti wären! Spaghetti ist der Plural von Spaghetto. Das wiederum ist eine Verkleinerungsform von Spago, was "dünner Faden" bedeutet. Daneben gibt es für Nudeln viele weitere Darreichungsformen: Rigatoni, Maccheroni, Spinelli, Fettuccine, Farfalle usw. Die lange, fadenförmige Variante hat man Spaghetti genannt. Spaghetti – Inbegriff der Nudel Trotzdem ist es eine berechtigte Frage, warum ausgerechnet diese Variante zum Inbegriff aller Pasta-Speisen geworden ist. Es ist auf jeden Fall die Variante, die Kinder als erstes kennenlernen. Ich kenne kein Kind, das als sein Lieblingsessen Rigatoni nennt. Aber ich habe eine Menge Kinder kennengelernt, die von Spaghetti schwärmen. Warum nun also ausgerechnet Spaghetti? Das hängt sicher damit zusammen, dass die Fadenform bei der Herstellung ziemlich praktisch ist. In dieser langen dünnen Form trocknet der Teig nämlich schnell. Das war früher noch wichtiger als heute, denn den getrockneten Teig konnte man lange aufbewahren – und Spaghetti halten sich bekanntlich lange. Historische Belege aus dem 12. Jahrhundert Die langen Nudeln tauchen bereits ab dem 12. Jahrhundert in historischen Quellen auf, insbesondere in einem Bericht des arabischen Geografen al-Idrisi (um 1100 - 1166). Der hat damals Sizilien bereist und hielt es für berichtenswert, dass in Trabia – einem Ort östlich von Palermo – solche langen getrockneten Nudeln nicht nur hergestellt, sondern auch exportiert wurden. al-Idrisi dokumentierte die Existenz dieser Speise also, noch bevor Marco Polo (1254 - 1324) nach China reiste – und dort ebenfalls mit der langen Nudel konfrontiert wurde. Die Chinesen stellten ja ebenfalls lange Nudeln her, allerdings vermutlich aus Reismehl oder zumindest einem Reis-Weizen-Gemisch. Die waren aus dem gleichen Grund lang und dünn: Man konnte sie mithilfe einer Presse einfach herstellen und schnell trocknen. Insofern haben die langen dünnen Spaghetti einfach Tradition; im Handel gibt es sogar eine extralange Variante. Trotzdem: Tradition rechtfertigt nicht alles, und bei den heutigen Produktionstechniken spielen diese Form-Vorteile der Spaghetti keine große Rolle mehr. Vielleicht ist heute also eher die Lagerung von Bedeutung: Spaghetti lassen sich dichter packen als Rigatoni oder Spinelli und beanspruchen daher weniger Platz im Regal oder im Transporter. Kleckeralarm! Richtig ist: Beim Essen stellen die langen Nudeln eine gewisse Gefahr dar, genauer: Die Nudeln in Kombination mit farbenfrohen Soßen. Doch wären kürzere Spaghetti wirklich praktischer? Die lange Form hat immerhin den Vorteil, dass man sie gut um die Gabel wickeln kann und sie dort auch bleiben. Mit kürzeren – zum Beispiel halbierten oder geviertelten Spaghetti – geht das nicht mehr so leicht; die fallen dann eher mal runter. Insofern ist eine gewisse Mindestlänge schon sinnvoll. Wir halten fest: Andere Pasta-Formen, die sich aufspießen lassen – wie eben Rigatoni – sind für weiße Hemden die sicherere Variante. Aber dann sind es eben keine Spaghetti mehr.

  3. Geburtstag von Judas als Erklärung Für die Scherze am 1. April gibt es unterschiedliche Erklärungen. Die meist genannte ist die, dass im April der Geburtstag des Judas sei. Und weil Judas so unverlässlich gewesen sei und Christus verraten habe, würde man die Leute am 1. April auch täuschen. Ob das eine wirklich stichhaltige Erklärung ist, weiß ich nicht. Monat April: unzuverlässig wie das Aprilwetter Wir schicken die Leute auch nicht zuletzt deswegen in den April, weil der April so ein wenig verlässlicher Monat ist; das Wetter ist überhaupt nicht vorhersehbar. Marzo pazzo: In Italien ist es der verrückte März In Italien übrigens ist die ganze Geschichte rein meteorologisch einen Monat früher. Die Italiener sagen Marzo pazzo dazu. Dort ist der März so wechselhaft, und die Italiener feiern in besonderer Weise den 1. März. Vor allem aber feiert man das zum Beispiel im Engadin. Nicht so, dass man jemanden in den März schickt, sondern man erinnert an den altrömischen Jahresbeginn. Das altrömische Jahr hat nämlich im März begonnen, am 1. März. Der Kriegsgott Mars war ja auch der Schutzpatron Roms; deswegen begann dort das Jahr.

  4. Apotropäische Handlung: sich mit Spucke den Teufel vom Leib halten Man spuckte aus, wenn man Dämonen und ungute Einflüsse abwenden wollte. Und noch besser war es natürlich, wenn man dreimal ausgespuckt hat. Also sagen wir, jemand hat zu jemandem gesagt: "Du, hoffentlich fällst du nicht vom Pferd!“ – Und dann hat der gesagt: "Na, hoffentlich nicht!“ – und hat dreimal ausgespuckt. Onomatopoeia – Lautmalerei Jetzt stellen Sie sich vor, unter Bürgern war sowas natürlich ganz unmöglich, man kann ja nicht dreimal ausspucken. Also hat man etwas gemacht, was mein Vater auch noch tat: Er hat ein Spuckgeräusch gemacht, nämlich: t, t, t. Das klingt fast wie toi, toi, toi. Es handelt sich hierbei um Onomatopoeia, also um einen lautmalerischen Ausdruck. Das "Toi, toi, toi“ ist eine Hüllformel für das Ausspucken. Und das dreimalige Ausspucken soll bedeuten: Kein Unglück! – Und im Umkehrschluss dann eben: Viel Glück wünsche ich Ihnen natürlich auch.

  5. Erste menschliche Sonde landete 1970 erfolgreich auf der Venus Rein vom Abstand her läge die Venus tatsächlich näher. Sie ist 38 Millionen Kilometer entfernt, der Mars dagegen 55 Millionen Kilometer. Da Strecke und Reisezeit ein kritisches Moment in der ganzen Raumfahrt sind – zum Mars dauert es zwei Jahre – würde man natürlich Fahrzeit sparen, wenn der Flug stattdessen zur Venus ginge. Und doch hört man fast nur von Mars-Missionen und Mars-Robotern. Die Venus dagegen steht im Schatten der Aufmerksamkeit. Blickt man in die Vergangenheit, war das nicht immer so. Der erste fremde Planet, auf dem eine menschliche Sonde landete, war 1970 die Venus – nicht der Mars. Und es folgten weitere Missionen, auch erfolgreiche Landungen, bei denen die Sonden sogar Signale von der Oberfläche zur Erde geschickt haben. Das Problem: Das taten sie nie länger als knapp 2 Stunden – dann war es vorbei. Venus ist verdammt heiß und hat sehr mächtige Atmosphäre Der Haken ist nämlich: Auf der Venus ist es verdammt heiß, über 400 °C. Das liegt zum einen daran, dass sie viel näher an der Sonne ist, zum anderen herrscht auf ihr ein enorm hoher Luftdruck. Der Mars dagegen hat eine ziemlich dünne Atmosphäre und es ist eher kalt – im Schnitt -50 °C, auf der sonnenabgewandten Seite können es auch mal -120 °C sein. Diese Kälte stellt hohe Anforderungen an die Astronauten und ihre Geräte. Doch ist es immer noch leichter, sich vor dieser Kälte zu schützen als sich vor Temperaturen von über 400 °C, wie sie auf der Venus herrschen. Während der Mars fast seine ganze Atmosphäre verloren hat, dort also ein extrem niedriger Druck herrscht, ist die Venus das komplette Gegenteil – sie hat eine sehr dichte Atmosphäre und dort herrscht ein 90-mal höherer Druck als auf unserem Heimatplaneten. Der Druck auf der Venus entspricht somit dem Druck in einer irdischen Meerestiefe von 900 Metern. Man kann in solchen Druckverhältnissen irgendwie zurechtkommen. Das hat u.a. auch der Regisseur James Cameron 2012 mit seiner Tiefseefahrt zum Marianengraben bewiesen, der mehr als zehnmal tiefer ist. Trotzdem tun sich Astronauten in der sehr dünnen Marsatmosphäre leichter als in der sehr dichten Venusatmosphäre. Mars ist für Menschen geeigneter als die Venus So ist der Weg zum Mars zwar weiter, aber der Mars ist nicht ganz so unwirtlich. Und wenn man langfristig denkt, geht es nicht nur darum, dort Sonden hinzuschicken, sondern vielleicht auch mal Menschen – für die ist der Mars immer noch wesentlich geeigneter als die Venus.

  6. Schwalben sehen mehr Bilder pro Sekunde als Menschen Vögel haben ein anderes Sehsystem als Menschen. Gerade beim Jagen von Mücken aus der Luft haben sie einen entscheidenden Vorteil, auf den mich Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell hingewiesen hat. Schwalben sehen zwar nicht unbedingt schärfer, aber ihr Sehsystem hat eine starke zeitliche Auflösung. Der Mensch kann ungefähr 20 Bilder pro Sekunde verarbeiten, bei Vögeln ist es das Doppelte bis Dreifache. Wenn wir Menschen z.B. Fahrrad fahren, sehen wir die Mücken nicht, weil die so schnell an uns vorbeisausen, dass wir sie nicht bewusst wahrnehmen können. Wir bemerken die Mücken erst, wenn sie beim Radfahren in unseren Augen landen. Schwalben dagegen können, weil ihre Augen mehr Bilder verarbeiten können, auch in der Bewegung kleine Mücken erfassen. Akkomodation und Farbwahrnehmung bringen dem Vogel Vorteile Es gibt noch weitere Unterschiede im Sehsystem. So können Vögel ihre beiden Augen unterschiedlich akkommodieren, d.h. sie können sie auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. So kann das linke Auge auf etwas Näheres fokussieren als das rechte. Diese Akkommodation erfolgt sehr schnell. Ein weiterer Unterschied ist die Farbwahrnehmung. In unseren Augen gibt es drei verschiedene Typen von Zapfen – einfach ausgedrückt reagieren die einen auf rotes Licht, die anderen auf grünes und die Dritten auf blau-violettes Licht. Weil wir diese drei Arten von Zapfen haben, können wir jeden Farbton aus einer Mischung dreier Grundfarben erzeugen – man könnte sagen, unser Farbsystem hat drei Dimensionen. Vögel haben aber vier, manche sogar fünf Zapfentypen, d.h. ihr Farbsystem hat entsprechend ein bis zwei Dimensionen mehr. Das ist ein großer Unterschied, und die Dichte dieser Zapfen ist gerade bei Schwalben sehr hoch. Wendige Tiere mit effektiver Flugtechnik Es kommt, sagt Wolfgang Fiedler, aber auch auf die Flugtechnik an. Schwalben sind besonders wendige Tiere, die sehr schnell auf optische Reize – wie z.B. herumfliegende Mücken – reagieren können. Und es gibt noch ein interessantes Phänomen: Stellen wir uns vor, eine Schwalbe fliegt mit 40 oder 50 km/h und reißt plötzlich den Schnabel auf. Dann würde ihr erstens der Fahrtwind den Unterschnabel ausrenken und zweitens verändert sie auch ihre Aerodynamik. Wenn der Schnabel geschlossen ist, fliegt die Schwalbe schön stromlinienförmig durch die Lüfte; wenn sie ihn aufreißt, müsste sie durch den plötzlichen Luftwiderstand ins Trudeln geraten. Deshalb macht sie das auch nicht in dieser Form; allenfalls dann, wenn sie langsam fliegt. Wenn sie aber aus dem schnellen Flug heraus Insekten fängt, dann kommt sie eher von unten, mit einem kleinen abbremsenden Aufwärtsflug – oder mit einer eleganten Schnappbewegung von oben her, wenn die Mücke gerade auf Bauchhöhe ist.

  7. 19.03.2025
    5 min

    Nicht jeder verspürt bei Liebeskummer tatsächliche Herzschmerzen. Für viele ist "Herzschmerz" nur eine emotionale Reaktion ohne körperliche Folgen. Doch intensiver emotionaler Stress, wie bei Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen, kann den Körper und das Herz tatsächlich belasten. Der Körper im Drogenentzug Wenn man verliebt ist, erlebt der Körper einen regelrechten Serotonin- und Dopaminrausch. Wir empfinden starke Glücksgefühle und sind auf Wolke sieben. Doch wenn dann die Trennung und der damit einhergehende Liebeskummer kommt, sinkt die Dopaminausschüttung und es wird vermehrt Adrenalin freigesetzt. Diese Kombination – Dopaminentzug plus Adrenalin – kann zu echten Entzugserscheinungen führen und den Herzmuskel zusätzlich belasten. Adrenalin versetzt unseren Körper in den "Kampf-oder-Flucht"-Modus und bereitet uns auf Gefahrensituationen vor: Unser Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, was zu Druckgefühlen oder Brustschmerzen führen kann. Man fühlt den Schmerz dann tatsächlich eher mittig-links, weil das Herz dort sitzt – und nicht, wie viele fälschlicherweise denken, auf der linken Seite der Brust. Dazu kommt, dass unsere Atmung schneller wird, um mehr Sauerstoff fürs Gehirn bereitzustellen. Das kann Atemnot verursachen und den Kreislauf belasten. Manche sind sogar der Ohnmacht nah. All das sind auch Symptome eines Herzinfarktes. In extremen Fällen von emotionalem Stress kann sich Herzschmerz also ganz ähnlich anfühlen. Broken-Heart-Syndrom – eine medizinische Erkrankung Der Unterschied zum echten Herzinfarkt ist, dass beim Broken-Heart-Syndrom nicht die Blutgefäße blockiert sind, sondern der Herzmuskel durch die extreme Stressreaktion vorübergehend schwächer wird. Wie schlimm das Syndrom wird, ist individuell unterschiedlich. Manche müssen stationär und mit Medikamenten behandelt werden, bis die Herzschwäche vorübergeht. Das passiert meistens innerhalb von drei Wochen. Natürlich kann hinter solchen Symptomen auch immer eine echte Herzerkrankung liegen, wie beispielsweise der Herzinfarkt oder eine Durchblutungsstörung im Herz. Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, eine ärztliche Praxis aufzusuchen. Hat Herzschmerz eine Funktion? Diese Ansicht gibt es tatsächlich in der Wissenschaft. Schmerzen haben ja grundsätzlich eine Funktion: Sie lenken unsere Aufmerksamkeit dorthin, wo wir verletzt sind und wo wir uns schützen müssen. Und so könnte es im übertragenen Sinn auch beim Herzschmerz sein. In früheren Zeiten, als wir noch in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler gelebt haben, war es überlebenswichtig, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Denn ohne Gruppe gab es auch keine Versorgung, wenn man mal krank war oder Hilfe gebraucht hat. Emotionalen Schmerz erleben wir nicht nur bei Liebeskummer, sondern auch, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren oder von anderen abgelehnt oder ausgeschlossen werden. Wenn das Herz schmerzt, ist das ein Signal, dass wir uns von der Gruppe, die uns eigentlich schützt, entfernen oder sogar entfremden. Das Signal könnte uns darauf hinweisen, dass es wichtig ist, etwas gegen diese Isolation zu tun und wieder Nähe zu suchen. Was hilft gegen Herzschmerz? Wie man es vielleicht ganz klassisch aus Filmen kennt: Wenn man traurig ist, greift man dann doch direkt zur Schokolade oder dem Eisbecher als Seelentröster. Studien zeigen tatsächlich, dass uns Essen über sozialen Schmerz wie Herzschmerz hinweghelfen kann. Doch Essen als Ersatz fördert auch emotionale Essattacken bis hin zu Essstörungen. Ist also keine echte Dauerlösung. Was auch kurzfristig helfen kann, sind tatsächlich Schmerzmittel: Denn interessanterweise wird sozialer Schmerz im Gehirn fast genauso wahrgenommen wie körperlicher Schmerz, so dass sie auch ähnlich mit Medikamenten gelindert werden können. Studien haben gezeigt, dass Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen auch sozialen Schmerz, wie Trauer oder Ausgrenzung, verringern können. Zusammengefasst: Herzschmerz ist nicht nur emotional ist, sondern er hat auch eine echte physische Grundlage. Quellen und Literatur Brenton Boyd: Takotsubo cardiomyopathy – Review of broken heart syndrome. Journal of the American Academy of Physician Assistants 33(3), März 2020 | https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32039951/ Mary F. Dallman, Norman C. Pecoraro, Susanne E. la Fleur: Chronic stress and comfort foods: self-medication and abdominal obesity - PubMed | Brain, Behavior, and Immunity | Volume 19, Issue 4, July 2005, Pages 275-280 | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0889159104001527?via%3Dihub How the Brain Feels the Hurt of Heartbreak: Examining the Neurobiological Overlap Between Social and Physical Pain | Request PDF | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/B9780123970251001445?via%3Dihub C. Nathan DeWall, Geoff MacDonald, Gregory D. Webster, Carrie L. Masten, Roy F. Baumeister, Caitlin Powell, David Combs, David R. Schurtz, Tyler F. Stillman, Dianne M. Tice, Naomi I. Eisenberger: Acetaminophen Reduces Social Pain: Behavioral and Neural Evidence. 2010 | https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797610374741 Attachment figures activate a safety signal-related neural region and reduce pain experience | PNAS | https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1108239108

  8. Augen immer feucht halten Fische schlafen mit offenen Augen und genau das führt zu einer ersten Erklärung. Denn was ist der Unterschied zwischen den Fischen und uns? Sie leben im Wasser. Wir nicht. Das merken wir auch tagsüber: Wir müssen regelmäßig blinzeln, um unsere Hornhaut zu befeuchten, sodass sie nicht austrocknet und sich entzündet. Fische müssen das logischerweise nicht, denn deren Augen sind ja die ganze Zeit feucht. Das Gleiche gilt natürlich nachts: Würden wir Menschen mit offenen Augen schlafen, müssten wir im Schlaf weiterhin ständig blinzeln. Das wäre ziemlich lästig. Theoretisch hätte die Natur das nun aber doch so einrichten können, dass das Blinzeln genau wie tagsüber automatisch weitergeht – so wie wir ja auch weiter atmen und das Herz weiter schlägt. Es gibt also wohl noch weitere Gründe, weshalb wir die Augen schließen. Der Schlafmediziner Jürgen Zulley – der auch schon bei 1000 Antworten von SWR2 zu Gast war – hat mir drei weitere Gründe genannt: Keine Ruhe: Mit offenen Augen reagieren wir automatisch auf Reize Solange wir die Augen offen halten, reagieren wir auch automatisch auf äußere Reize. Wenn sich etwas in unserem Blickfeld bewegt, gucken wir hin und können nicht abschalten. ... das kennen wir ja vom nächtlichen Zappen vor dem Fernseher ... Genau. Beim Fernsehzappen bleibt man immer viel länger wach, als wenn man sich einfach hinlegen würde, denn ständig bewegt sich was, ständig gibt es neue Reize. Wenn wir dagegen die Augen schließen, schalten wir all diese optischen Reize ab. Geschlossene Augen schützen im Schlaf vor Fremdkörpern Außerdem schützen wir unsere Augen im Schlaf vor Fremdkörpern, wenn wir sie mit den Augenlidern verdecken. Es ist ja tagsüber so: Wenn uns etwas in die Augen zu fliegen droht, schließen wir sie auch automatisch; das ist ein ganz wichtiger Reflex. Dieser Lidreflex funktioniert aber nachts nicht, deshalb schützen wir die Augen nachts, indem wir sie gleich auf Dauer schließen. Unsere frühen Vorfahren haben ja noch nicht in gemütlichen Zimmern geschlafen, sondern irgendwo draußen. Da weht der Wind, da fliegen Sand und Staub und anderes Zeug herum, was in die Augen gelangen kann – auch davor schützen Augenlider. Schlafhormon Melatonin wird im Dunkeln gebildet Und dann gibt es noch eine weitere Erklärung: Wir brauchen vor allem für den Tiefschlaf ein bestimmtes Hormon, nämlich das Melatonin. Dieses Melatonin wird vor allem in der Zirbeldrüse, aber auch in der Netzhaut des Auges gebildet, und zwar dann, wenn es dunkel ist. Wenn es hell ist, wird die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt. Licht ist einfach der wichtigste Störreiz beim Schlafen. Und wenn wir die Augen schließen, dann kann der Körper in Ruhe sein Schlafhormon produzieren. 4 Gründe, warum wir die Augen schließen Wir halten die Hornhaut feucht Wir schützen sie vor Fremdkörpern Wir schalten äußere Reize ab Wir sorgen dafür, dass sich Melatonin bildet

  9. Gertrud von Neville – Schutzheilige vor Mäusen und Ratten Das geht zurück auf einen Heiligentag, und zwar hat die Heilige Gertrud von Neville am 17. März ihren heiligen Tag. Das war für die bäuerliche Landwirtschaft ein sehr wichtiger Termin, denn da hörte die Winterarbeit auf und die Sommerarbeit begann. Die Heilige Gertrud war auch die Schutzheilige vor Mäusen und Ratten und wird deswegen auch immer mit einer Maus dargestellt. Gertrudentag: Spinnen endete, Sommerarbeit begann Die Winterarbeit bestand hauptsächlich aus Spinnen. Die Maus, die mit der Gertrud abgebildet wurde, biss sozusagen am 17. März den Faden ab: Man hörte auf mit dem Spinnen, man ging hinaus aufs Feld. Als man das nicht mehr so richtig verstanden hat, wandelte sich die Redewendung etwas. Man hat es nun so gesehen, dass nicht einmal an einem Faden eine Maus etwas abbeißt. Das heißt, die Sache ist so; es wird nichts mehr daran geändert.

  10. Symmetrie vor allem äußerlich Die Symmetrie im Körperbau von Tieren ist vor allem eine äußerliche. Die inneren Organe – auch die des Menschen – sind nicht symmetrisch angeordnet. Das Herz liegt mehr links, die Leber mehr rechts. Der Darm schlängelt sich auch bar jeder geometrischen Ordnung durch den Bauch. Das Äußere dagegen – die "Verpackung" – ist zwar nicht perfekt, aber im Prinzip symmetrisch gebaut. Dafür gibt es, evolutionär gesehen, drei Gründe. Stabilität der Fortbewegung: Ein asymmetrischer Körper könnte sich nicht so elegant bewegen und käme leicht aus dem Gleichgewicht. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Beine rechts und links gleich lang sind und das Gewicht in der rechten und linken Körperhälfte gleich verteilt ist. Auch Vögel könnten mit verschieden großen Flügeln schlecht fliegen. Eine reibungslose Motorik ist also ein guter Grund für einen symmetrischen Körperbau. Sensorik: Von den wichtigsten Sinnesorganen haben wir zwei symmetrisch angeordnete Exemplare: Zwei Augen, zwei Ohren – auch zwei Nasenlöcher. Diese paarweise Anordnung liefert uns wichtige Informationen: Mithilfe der beiden Augen sehen wir dreidimensional: Beide Augen empfangen optische Reize – und aus dem Vergleich beider Informationen errechnet das Gehirn die Tiefeninformation. Das geht am besten, wenn beide Augen spiegelbildlich zur Körperachse angeordnet und gleich groß sind. Dasselbe mit den Ohren – wir haben zwei Ohren, damit wir Geräusche besser orten können. Auch das geht am besten, wenn die Informationen in beiden Ohren auf gleiche Art verarbeitet werden. Partnerwahl: Bei den meisten Tieren wählen die Weibchen die Partner auch nach dem Körperbau aus; Männchen mit stark symmetrischem Körperbau werden bevorzugt. Symmetrie ist dabei nämlich ein Indikator für Gesundheit bzw. "Fitness". Das lässt sich evolutionspsychologisch nachvollziehen: Wenn ein Körper motorisch umso besser funktioniert, je symmetrischer er ist, und wenn auch die Wahrnehmungsleistung umso besser ist, je symmetrischer die Sinnesorgane angeordnet sind – dann haben symmetrisch gebaute Tiere bessere Überlebenschancen. Damit setzt sich aber nicht nur das Merkmal Symmetrie in der Evolution durch, sondern auch die Vorliebe der Weibchen für symmetrisch gebaute Männchen. Denn ein symmetrischer Körperbau signalisiert den Weibchen: Dieses Männchen hat offenbar gute Gene, mit dem kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit gesunde Nachkommen zeugen. – Über lange Zeiträume hat das in der Evolution dazu geführt, dass symmetrisch gebaute Männchen häufiger als Sexualpartner ausgewählt wurden, sich dadurch mehr fortpflanzten und sich das Merkmal Symmetrie auch deshalb durchgesetzt hat. Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei vielen Krebsen und Krabben zum Beispiel sind die Scheren links und rechts verschieden groß. Asymmetrisch sind auch die Gehäuse von Schnecken – sie winden sich spiralförmig nach oben.

  11. Samenstand entfernen und Blätter nicht zu früh abschneiden Das kann zwei Ursachen haben. Wenn eine Tulpe verblüht ist, sollten Sie den Samenstand entfernen – einfach oben an der Pflanze rausbrechen. Und die Blätter sollten Sie nicht abschneiden. Die müssen komplett einziehen, auch wenn es aussieht wie Pergamentpapier. In dem Moment erst, wenn’s aussieht wie Pergamentpapier und Sie Blätter abstreifen können, hat die Zwiebel wieder genug aufgenommen, um im nächsten Jahr eine Blüte auszutreiben. Denn alles, was an Inhaltsstoffen in den Blättern ist, zieht zurück in die Zwiebel. Die braucht das, um Blüten zu bilden. Wenn Sie die Blätter zu früh abschneiden und oben den Samenstand dran lassen, würden sich normalerweise die Tulpen aussäen. Unsere Zuchtformen machen das aber nicht mehr.

  12. Das ist schon fast zu spät, denn die Trauben, vor allem Tafeltrauben, schneidet man früher. Sie können es jetzt noch machen, sind dann aber wirklich an der Grenze, bevor die Trauben richtig treiben. Dann fangen sie nämlich an zu tropfen und verlieren Feuchtigkeit. Spalier bauen Wenn Sie in den nächsten Tage drangehen, bevor sie wirklich ausgetrieben haben, dann sollten Sie sie noch zurückschneiden. Bauen Sie einen Stamm auf. Und wenn Sie ganz wirre Ästchen bzw. Triebe haben, dann schneiden Sie die zurück. Sie brauchen nicht so viel, bauen Sie sich ein Spalier aus einem Leitast, einem Mittelast und zwei oder drei Äste nach rechts oder links, und dann haben Sie eine ganz tolle Qualität. Normalerweise beginnt man mit dem Schneiden, wenn die Pflanze die Blätter abgeworfen hat. März 2015

  13. Halloween – ein karnevalesker Brauch Halloween ist ein Beispiel dafür, wie man es mit der Kontinuität eigentlich nicht machen sollte. Halloween ist ein fast karnevalesker Brauch, bei dem die Menschen allerlei Unsinn machen. Man hat sehr viele Bräuche, auch die Fastnacht, von den "alten Germanen" hergeleitet, aus heidnischer, aus grauer Vorzeit. Das war aber immer auch ein Legitimationstrick. Im 19. Jahrhundert war das der Fall; auch das "Dritte Reich" hat sehr daran mitgearbeitet. In der Zwischenzeit weiß man, dass man die Germanen nicht mehr bemühen sollte. Bei Halloween sind es die Kelten; manche sprechen von den Kelten als den "entnazifizierten Germanen" – dies jedoch nur als heitere Zwischenbemerkung. Mit solch großen Kontinuitäten sind wir in der Wissenschaft grundsätzlich vorsichtig. Linien, die sich tatsächlich über 2000 Jahre gehalten haben, sind immer schwer auszumachen. Dennoch gibt es solche Phänomene. Römisches Jahr hatte ursprünglich nur 10 Monate Das römische Jahr hatte ursprünglich zehn Monate und begann am 1. März. Später hat man hinten noch zwei Monate angehängt – den Januar und den Februar. Die wiederum sind dann vorne ans Jahr gerückt – und seither stimmt unsere Zählung nicht mehr: Der September – also der Siebte – ist heute der neunte Monat im Jahr und so geht das bis zum Dezember weiter, der nicht mehr der zehnte, sondern der zwölfte Monat ist. Der 1. März war nun also der römische Jahresbeginn. Im Engadin in der Schweiz gibt es den Brauch Chalandamarz. Damit wird der März begrüßt; so eine Art Frühlingswecken. Chalandamarz sind die "Kalenden des März"; da bildet sich also etwas vom römischen Kalender ab. Dasselbe gilt auch für die osteuropäischen Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Vor allem in Bulgarien wird der 1. März wie ein Jahresanfang gefeiert. Rumänien und Bulgarien – Dakien – waren ja römische Zentralprovinzen; dort hat sich diese Tradition noch gehalten. Es gibt also einzelne Verbindungslinien wo man sagen kann, dass Brauchreste sehr weit in die Vergangenheit reichen können. Zeiteinteilung nach Mondphasen Ein anders Beispiel ist der "Bauernwinter". Am 11. November, also am Martinstag, hörte man auf den Höfen auf zu arbeiten; das Gesinde wurde entlassen. Am 2. Februar, an Mariä Lichtmess, nahm man dann die Arbeit wieder auf. Diese beiden Termine gehen tatsächlich in prähistorische Zeiten zurück. Wenn man von der heutigen Wintersonnwende ausgeht (die liegt fest und hängt nicht von der Kalenderkonstruktion ab, sondern von der Astronomie); sie fällt auf den 21. oder 22. Dezember, und 42 Tage zurückrechnet, kommt man auf den 11. November. Wenn man 42 Tage vorgeht, kommt man auf den 2. Februar. Diese zweimal 42 Tage sind insgesamt 84 Tage. Geteilt durch drei sind das 28 Tage – genau drei Mondphasen. Man weiß heute, dass schon ungefähr 3000 vor Christus Menschen ihre Zeit nach Mondphasen eingeteilt haben. Die Zeiteinteilungen haben sie aber von den realen Mondphasen gelöst und im Sonnenjahr festgemacht.

  14. Katzen: gemacht für überschaubare Räume Nicholas Dodman, ein emerierter Professor der Tufts Universität in der Nähe von Boston erklärt das so: Katzen sind gemacht für kleine überschaubare Räume. Das zieht sich durch ihr ganzes Leben. Schon nach der Geburt liegen die Kätzchen mit ihren Geschwistern eng aneinander gekuschelt, wie in einem Nest – das prägt sie. Dodman vermutet, dass eine kuschelige Umgebung, wenn sie Berührung erleben, bei Katzen Endorphine freisetzt: Substanzen im Gehirn, die Glücksgefühle auslösen. Die Liebe zu kleinen abgeschlossenen Räumen führt auch dazu, dass sich Katzen in Pappkartons sauwohl fühlen. Man hat festgestellt, dass Katzen sich an eine neue Umgebung schneller gewöhnen, wenn ihnen eine solche Kiste zur Verfügung gestellt wird. Sie fühlen sich geborgen und geschützt. Katzen ohne Kisten fremdeln länger mit einer Umgebung. Die Liebe zu abgegrenzten Räumen gehört also zu ihrem Verhaltensrepertoire. Und aus diesem Grund machen sie es sich dann auch in einem aufgeklebten Viereck auf dem Boden gemütlich. Das ist zwar kein Pappkarton, höchstens ein schlechter Ersatz – aber immerhin ein Ersatz.

  15. Wenn, dann nur in einem geringen Maß. Richtig ist: Flüsse sind, vor allem in Biegungen – wenn sie also "mäandrieren" – asymmetrisch: An der "Außenkurve" ist das Flussbett meist deutlich tiefer als an der Innenkurve. Das kommt daher, dass die Wassermassen in einer Kurve nach außen drängen und deshalb das Wasser dort deutlich schneller fließt. Das Wasser verhält sich in einer Biegung im Grunde wie ein Minigolfball in einer Kurve – es prallt gegen das äußere Ufer. Dieses Ufer heißt in der Geografie deshalb auch "Prallhang". Zwischen Prallhang und Gleithang Die Strömung ist hier stark, mit der Folge, dass das Ufer zum einen immer mehr unterspült und deshalb relativ steil ist. Zum anderen frisst sich der Fluss durch die starke Strömung auch in die Tiefe. Weil aber das meiste an die Außenseite drängt, fehlt es an der Innenseite der Kurve. Die Folge: Dort ist die Strömung relativ langsam, deshalb hat sie auch keine Erosionskraft, sondern kann sogar Sand und Kies ablagern. Im Gegensatz zum Prallhang sprechen die Geografen hier vom Gleithang, weil das Wasser dort sanft entlang bzw. vom Ufer weggleitet. So entsteht also tatsächlich eine Asymmetrie im Profil des Flussbetts: Es ist tief und steil an der Außenseite, flach und seicht an der Innenseite. Das Verhalten des Wassers kann man auch mit der Zentrifugalkraft beschreiben: Es erfährt eine Kraft nach außen. Wenn Sie den Kaffee in einer Tasse umrühren, können Sie beobachten, dass die Oberfläche außen etwas höher ist als innen. Die Situation in der Kaffeetasse ist insofern extrem, als die Tasse sehr klein und dadurch die "Kurve" sehr eng ist. Aber im Prinzip verhält sich das Wasser in einem Fluss ähnlich. Nur ist der Effekt sehr viel kleiner. Im Ergebnis kann der Pegelunterschied zwischen Innen- und Außenseite je nach Breite des Flusses einige Zentimeter bis Dezimeter betragen. Zumindest rechnerisch. Ich habe allerdings keine Quelle gefunden, dass das jemand mal nachgemessen hätte. Danke an: Dr. Kirsten von Elverfeldt und Klaus Bieker

  16. Es gibt mittlerweile sehr viele Störche, die wir mit unseren kleinen Fahrtenschreibern ausgestattet haben. Über die "Animal Tracker App" kann jeder auf seinem Smartphone oder Tablet abrufen, wo die Störche gerade sind, denn die schicken täglich ihre Daten. Genaue Ursache noch unklar: Störche haben wohl eine Jahresrhythmik Woher sie wissen, wann sie aus Afrika zurückkommen müssen, ist noch unbekannt. Die Störche haben wohl eine Jahresrhythmik, die ihnen ungefähr sagt, wann sie kommen sollen. So fliegen sie dann entsprechend den lokalen Bedingungen, auch zum Beispiel den thermischen Bedingungen, also den Aufwindbedingungen, nach Norden. Dabei passen sie die Geschwindigkeit des Flugs den lokalen Bedingungen an. Bei den Störchen gibt es zwischen den Jahren Unterschiede, die sich auf zwei bis drei Wochen belaufen.

  17. Der Teil der Haare, der grau ist, kann nicht plötzlich wieder farbig werden. Aber graue Haare können an der Wurzel wieder farbig weiterwachsen, zumindest für einen gewissen Zeitraum. Forschende an der Columbia Universität haben das 2021 an einer kleinen Gruppe von Menschen untersucht. Dabei kam heraus: Stress kann Menschen tatsächlich ergrauen lassen. Und in stressigen Phasen hatten die 14 Teilnehmenden auch mehr graue Haare. Weniger Stress: Einige graue Haare wachsen farbig nach Die gute Nachricht: Sobald es wieder entspannter wurde, sind einige der grauen Haare farbig weitergewachsen. Bei einem 35-jährigen Mann haben beispielsweise zwei Wochen Urlaub gereicht, dass graue Haare wieder mit seiner braunen Haarfabe weitergewachsen sind. Allerdings halten die Forschenden es für unwahrscheinlich, dass das Haar eines 70-Jährigen wieder dunkel wird, nur weil er stressfrei lebt. Wer schon ganz grau ist, für den bleibt nur noch die Farbe aus der Tube.

  18. Mit dem Kampf hat der Name nichts zu tun, höchstens in Ausnahmefällen. Es gibt gerade in Nordrhein-Westfalen ganz häufig den Flurnamen Kamp; das ist also das Feld. Und jemand, der auf oder an dem Feld wohnte, das war der Kamp oder der Kampmann oder auch der Kämper. Kämpfer ist ein Wohnstättenname Wenn sich nun jemand nicht so schön auf Niederdeutsch mit "p" schreiben wollte, hat er versucht, sich schön auf Hochdeutsch mit "pf" zu schreiben. Und so ist "Kämpfer" ein durch Versehen verhochdeutschter Kamper oder Kämper, der am Kamp gewohnt hat. Es ist also ein sogenannter Wohnstättenname.

  19. Es gibt wenige belastbare Belege, dass es früher, etwa in der Steinzeit, ein echtes Matriarchat gab – also ein gesellschaftliches System, in dem die Frauen die herrschende Klasse bildeten. Was manche als einen Hinweis werten, sind die bekannten frühen Frauen-Skulpturen – etwa die berühmte Venus vom Hohlefels aus der Schwäbischen Alb oder die Venus von Willendorf aus Österreich und andere. Es wurde früher schnell spekuliert, dass diese Skulpturen Göttinnen dargestellt haben. Angenommen, die Deutung ist richtig, dann findet man also aus der Zeit – das war die Eiszeit, vor 25.000 bis 40.000 Jahren – Darstellungen von Göttinnen, aber keine von Göttern. Also scheint es, dass die Frauen irgendwie wichtiger waren. Das Problem: Das mit den Göttinnen ist reine Spekulation. Rein theoretisch können die Figuren genauso gut dekoratives Spielzeug gewesen sein oder steingewordene Männerfantasien. Das wird man vermutlich nie genau herausfinden. Insofern beweisen diese Figuren in Bezug auf ein Matriarchat ziemlich wenig. Was gibt es sonst für Belege aus der Steinzeit, die etwas über die Rollen von Männern und Frauen verraten? Ich bleibe mal in Europa. Da kann man sich Gräber anschauen: Wie wurden Männer und Frauen jeweils bestattet? Gab es da Unterschiede? Tatsächlich hat die Untersuchung von Gräbern schon geholfen, mit einem Mythos aufzuräumen. Früher gab es das Bild: Männer waren die Jäger, die die Nahrung herbeischafften, Frauen haben allenfalls ergänzend Früchte gesammelt und sich ansonsten um die Familie gekümmert. Das Bild wurde über den Haufen geworfen, als man Gräber fand, die umfangreich mit Jagdutensilien dekoriert waren – aber die Leiche sich als Frau entpuppte. Also haben auch Frauen gejagt, aber auch das beweist noch kein Matriarchat, sondern allenfalls eine gewisse Gleichstellung. Auch an anderen Befunden zeigt sich, dass es in der europäischen Steinzeit bis zu einem bestimmten Punkt zwar kein ausgeprägtes Matriarchat gab, aber die Geschlechter eher gleichgestellt waren. "Bis zu einem gewissen Punkt" – wann und warum kippte das in Richtung Patriarchat? Da hilft eine weitere Spur weiter: Die Genetik. Die Wissenschaft kann inzwischen die Gene von Steinzeitskeletten immer besser analysieren, und diese Gene können einiges verraten: Waren die Toten, die zusammen in Gräbern liegen, miteinander verwandt? Und wenn ja, wie? Kam es bei der Frage, wer wird mit wem zusammen bestattet wird, auf die väterliche oder die mütterliche Linie an? Die Gene verraten auch: Wer war alteingesessen, wer ist hinzugezogen oder eingewandert? Diese Informationen sind sehr aufschlussreich. Sie deuten darauf hin, dass sich vor knapp 6.000 Jahren einiges verändert hat. Was hat sich vor etwa 6.000 Jahren verändert? Zum einen wurde die Landwirtschaft intensiviert. Ackerbau gab es schon vorher, da waren auch die Frauen beteiligt. Aber vor knapp 6.000 Jahren, im weiteren Ostseegebiet, kamen Bauern auf den Gedanken, ihre Felder mithilfe von Ochsen zu pflügen. Das war schwere körperliche Arbeit, bei der man nicht nebenher kleine Kinder beaufsichtigen konnte. Das könnte ein Faktor gewesen sein, der dazu führte, dass sich die Ernährerrolle einseitig zu den Männern verschoben hat. Das andere, was sich in dieser Zeit nachweisen lässt, sind verstärkte Handelsaktivitäten. An der Atlantikküste wurde Salz gewonnen und gehandelt, auch Jade. Das Händlerdasein ist männlich, denn man ist viel unterwegs mit Booten oder zieht auf Ochsenkarren übers Land. Auch das geht schwer mit kleinen Babys. Und zweitens war Handel etwas, womit man zu Wohlstand und damit auch zu Einfluss kommen konnte. Auch hier entsteht eine Verknüpfung von männlicher Rolle und höherem sozialem Status. Das klingt plausibel. Aber kann man belegen, dass die Männer dadurch dominanter wurden? Dass genau das die Gründe waren, kann man nicht beweisen. Aber es fällt auf, dass zeitgleich mit Ochsenpflug und Salzhandel die Männer bedeutsamer wurden. Das zeigt sich in der Grabkultur. Jetzt entstanden nämlich die großen Hügelgräber, aber auch die Megalithgräber, die wir vor allem aus Frankreich und Großbritannien kennen. Die deuten darauf hin, dass es jetzt zum einen eine deutliche stärkere soziale Schichtung gab als vorher. Und dass zum anderen dort, wo Familien bestattet wurden, die Väterlinie relevant war. Was heißt das konkret? Ein gutes Beispiel ist ein Großsteingrab in Südengland, in Hazleton. Dort sind 35 Personen aus fünf Generationen bestattet. Von diesen 35 stammen 15 von einem einzigen Mann ab, der offenbar mit vier Frauen Kinder gezeugt hat. Er war sozusagen das, was man sich unter einem waschechten Patriarchen vorstellt. Aus mehreren Generationen waren jeweils die Söhne bestattet – aber keine einzige erwachsene Tochter. Denn die Töchter, so sieht es aus, zogen regelmäßig weg – auch das ein Merkmal patriarchaler Strukturen. Die Männer bleiben, , die jungen Frauen werden anderswohin verheiratet. Das sind typische Funde, die zeigen: Um diese Zeit, vor knapp 6.000 Jahren, haben sich die Verhältnisse erkennbar Richtung Männer verschoben. Und das hat sich dann verfestigt? Ja, und es kam noch etwas hinzu. Ein paar Jahrhunderte später, also vor 5.000 Jahren, kam aus den Steppen der heutigen Ukraine und Russlands eine große Einwanderungswelle. Das haben Archäologen schon länger vermutet, aber 2015 haben das zwei genetische Untersuchen bestätigt. Das war nicht irgendeine Einwanderung, sondern nach der Einwanderung des Homo sapiens aus Afrika und einer zweiten Welle von frühen Ackerbauern aus Anatolien, war das die dritte ganz große Einwanderungswelle, die das frühe Europa geprägt hat. Das waren die sogenannten Schnurkeramiker, auch bekannt als Jamnaja-Kultur. Die da eingewandert sind, waren Hirten, Reiter, und zwar überwiegend Männer. Die kamen nach Mittel- und Westeuropa und haben in relativ kurzer Zeit die Landschaft dominiert. Sie haben, so der genetische Befund, mit den Frauen der alteingesessenen Bauernkultur Familien gegründet. Dabei hat sich die Männer-Dominanz noch verstärkt und verfestigt. Fazit: Ob es in der Urzeit jemals ein echtes Matriarchat gegeben hat, ist reine Spekulation, die Belege dafür sind sehr schwach. Zumindest aber waren die Geschlechter lange Zeit relativ gleichgestellt. Vor knapp 6.000 Jahren ist die gesellschaftliche Struktur dann offenbar in mehreren Schritten immer mehr Richtung Männerdominanz gekippt. Ein Tipp für die, die sich mehr für diese Zusammenhänge interessieren, ist das Buch "Mütter Europas: Die letzten 43.000 Jahre" von Karin Bojs. Sie schreibt darin über die ganzen Diskussionen, die es seit Jahrzehnten in der Archäologie über das Thema gibt. Ich habe hier nur von Europa geredet. In anderen Weltgegenden, etwa in Indonesien, gibt es durchaus auch heute Beispiele für matriarchale Strukturen.

  20. 05.03.2025
    2 min

    Feuchter Zucker klebt Trockener Zucker klebt an sich nicht – nur wenn er feucht wird, fängt er an, "bappig" zu werden. Das bekannte Gefühl gerade jetzt in der Faschingszeit, wenn man den Berliner (aka Kräppel, Krapfen) aufgegessen hat und nichts hat, um sich die Hände zu waschen. Dass feuchter Zucker zu kleben beginnt, hängt damit zusammen, dass Zucker und Wasser etwas gemeinsam haben, was sie buchstäblich verbindet – nämlich den Wasserstoff. Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff bilden ein Gerüst Der ist zum einen im Wasser drin – deshalb heißt er ja so. Ein Wassermolekül besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom, daher H2O. Wasserstoffatome hängen aber auch an Zuckermolekülen dran. Zucker hat eine Kristallstruktur und besteht aus ringförmig angeordneten Kohlenstoffatomen; das ist der Grundbaustein. Diese Kohlenstoffringe bilden ihrerseits mithilfe von Brücken aus Wasserstoff und Sauerstoff ein großes Gerüst. Das ist stabil, solange der Zucker trocken ist. Feuchtigkeit löst Brücken im Zuckergerüst Das ändert sich aber, wenn Feuchtigkeit – also Wassermoleküle – mit dem Zucker in Berührung kommt. Dann lösen sich diese Brücken im Zuckergerüst auf und die Zuckermoleküle lösen sich aus dem Gerüstverbund. An diesen einzelnen Zuckermolekülen hängen aber nach wie vor Wasserstoffatome, die nichts lieber tun, als sich wieder mit irgendwas zu verbinden. Das machen sie auch – und deshalb klebt feuchter Zucker an der Hand.