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- 23.04.20253 min
Kinder fallen gelegentlich aus dem Bett, weshalb man sie oft in Gitterbetten legt. Erwachsene dagegen brauchen das nicht. Da scheint es tatsächlich einen unbewussten Lernprozess zu geben. Eigentlich bewegen wir uns im Schlaf kaum, weil unsere Muskeln "lahmgelegt" sind. Deswegen können wir auch relativ gefahrlos träumen, denn nicht alles, was wir im Traum tun, übersetzen wir in reale Bewegungen. Nur die Augen bewegen wir, vor allem natürlich in der REM-Phase. REM steht für Rapid Eye Movement, also für die typischen schnellen Augenbewegungen in dieser Schlafphase. Bewegung im Halbschlaf Ansonsten bewegen wir uns im Schlaf selbst so gut wie nicht. Das mag überraschen – schließlich wachen wir oft in einer anderen Position auf, als wir einschlafen. Oder wir beobachten unseren Partner, wie er sich von einer Seite auf die andere wälzt. Das alles passiert aber nicht im eigentlichen Schlaf, sondern in einer Art Halbschlaf. Das heißt, wir wachen auf – manchmal mehrmals pro Stunde – schlafen aber gleich wieder ein und vergessen diese Episoden deshalb auch sofort wieder. Genau diese Momente sind es, in denen wir uns bewegen. Sei es, weil wir frieren und die Decke suchen, oder weil irgendwas drückt. Es kommt auch vor, dass wir etwas träumen und dann tatsächlich eine Bewegung machen. Faktisch sind wir in diesen Momenten aber mehr wach als dass wir schlafen. Und deshalb sind wir auch in der Lage zu merken, wenn wir dem Bettrand nahe kommen oder wenn ein Arm schon über die Bettkante hängt. Dann können wir das – meist unbewusst – gleich korrigieren. Grenzen des Bewegungsrahmens unbewusst spürbar Genauso übrigens, wenn jemand gehandicapt ist und sich deshalb zum Beispiel nicht auf eine bestimmte Seite drehen sollte. Etwa weil ein Arm oder Bein in Gips ist. Auch dann passiert in der Regel nichts – wir machen keine Bewegung, die uns schaden oder die schmerzhaft werden könnte, weil wir unbewusst die Grenzen unseres Bewegungsraums spüren und rechtzeitig gegensteuern. Kinder aber können all das noch nicht so gut. Denn das ist eine Lernsache. So wie Kinder laufen lernen oder Fahrradfahren lernen ohne umzufallen, lernen sie mit der Zeit, sich im Bett zu bewegen, ohne rauszufallen. Der Unterschied ist vielleicht, dass man sich das Fahrradfahren am Anfang bewusst aneignet und die Bewegungen dann später ins Unbewusste übergehen, während das Nicht-aus-dem-Bett-Fallen von Anfang an eher unbewusst erfolgt.
Gemüse und Obst sind gut geeignet Psoriasis bzw. Schuppenflechte ist eine Erkrankung, die teilweise genetisch mitbedingt ist. Es kommt dabei zu einer starken Entzündung der Haut mit Rötungen und Schuppungen. Und das auch schon das Thema: die Entzündung. Man muss versuchen, durch die Ernährung alles wegzulassen, was durch die Ernährung Entzündungsprozesse steigern könnte. Man sollte also auf eine antientzündliche Ernährung achten. So sollte man zum Beispiel Gemüse roh oder gegart essen und Obst. Denn Obst und Gemüse enthalten sehr viele entzündungshemmende Stoffe. Die nennt man auch sekundäre Pflanzenstoffe. Sie befinden sich vor allem unter der Schale. Beeren sind sehr wichtig. Rohkost sollte man allerdings wegen der Verträglichkeit möglichst nicht abends verzehren. Fleischkonsum reduzieren Den Fleischkonsum sollte man sehr stark einschränken. Höchstens zweimal in der Woche ist Fleischverzehr zu empfehlen, denn Schwein und Kalbfleisch enthalten entzündungsfördernde Stoffe. Deswegen sollte man möglichst auf Geflügelfleisch zurückgreifen. Fisch und Meeresfrüchte sind sehr wichtig, insbesondere Lachs, Hering und Makrele. Sie liefern viele Omega-3-Fettsäuren und auch Vitamin D. Leinöl enthält sehr viele entzündungshemmende Stoffe. Auch Vitamin-E-reiches Weizenkeimöl ist denkbar. Bei den Nüssen eignen sich vor allem die Walnüsse, etwa im Salat, im Müsli oder einfach so.
Inschrift "Beth David" aus Tel Dan belegt Davids Existenz Bei David tun wir uns schwer, irgendetwas archäologisch sicher nachzuweisen. Es gibt seit etwa 30 Jahren eine Inschrift, die in Tel Dan gefunden wurde, mit der Aufschrift "Beth David", also Haus Davids. Diese Kombination "Beth" plus Personenname wurde im Vorderen Orient häufig verwendet, um ein bestimmtes Territorium zu beschreiben. Deshalb ist heute ziemlich akzeptiert, dass es diese Person David gegeben hat. Aber richtig verbinden können wir eigentlich mit ihm nichts. Denn wenn man David biblisch betrachtet, dann war das ursprünglich ein Söldnerführer, der eine relativ große Truppe um sich geschart hat, die für Unruhe sorgte und das Land halbwegs kontrolliert hat. Als die Auseinandersetzungen mit den Philistern immer schwieriger wurden, hat man diese "Freischärlertruppe" angeheuert. David scheint da ganz gute Vertragsverhandlungen geführt zu haben. David setzte sich dauerhaft als König durch Normalerweise hat man solche Söldner für einen begrenzten Zeitraum angeheuert, für irgendeinen Kriegszug. David hat da offensichtlich herausgeschlagen, dass er dauerhaft als König eingesetzt wird und damit eben ein festes Territorium hat, für das er zuständig ist, dessen Sicherheit er garantiert, aber das ihn auch entsprechend versorgen muss. Kein Strahleheld, aber Vereinigung verschiedener Stämme Das zieht sich bei vielen Texten durch. David war nie der große Strahleheld, wie wir das normalerweise mit ihm verbinden. Es gibt eine ganze Reihe Texte, wo erzählt wird, dass David bedroht wird, dass er von allem mit Steinen beworfen wird, dass er teilweise fliehen muss, weil er mit seiner Herrschaft nicht durchkommt. Aber was ihm gelungen ist – und da war er wirklich Glückspilz der damaligen Zeit: Er hat die verschiedenen Stämme, die im Alten Testament erwähnt werden, vereint. Das war ein mehr oder weniger wilder Haufen, der manchmal zusammengehalten hat, mal nicht. Ihm ist es gelungen, auch durch einigen Druck, diese Stämme zu vereinigen und damit ein stabiles Reich zu gründen. Salomo schaffte Strukturen Salomo oder war der erste, der richtige Strukturen geschaffen hat. Wir kennen zwar den Tempel und den Palast nicht, weil wir dort nicht graben können. Das ist heute der Haram al-Sharif in Jerusalem, das drittwichtigste Heiligtum des Islam. Es ist völlig unmöglich, dort irgendwelche Grabungen zu machen. Wir haben aber sehr genaue Beschreibungen, wie der Tempel ausgesehen hat im Alten Testament, und man kann das rekonstruieren. Das lässt sich auch gut mit etwa zeitgleichen Funden zusammenbringen. Das scheint also in seiner Basis, auch wenn er später überarbeitet wurde, ein alter, authentischer Text zu sein, der beschreibt, wie dieser Tempel ausgesehen hat. Wirtschaftlich autark durch Kupferbergwerk Salomo hatte offensichtlich auch das große Glück, dass er wirtschaftlich einigermaßen autark war. Das wird im Alten Testament nicht genannt, aber wir wissen durch archäologische Funde, dass in dieser Zeit südöstlich des Toten Meers in Feinan, dem biblischen Punon, Kupferbergwerke eröffnet wurden. Das gab ihm Möglichkeiten für eine Ausgestaltung des Tempels. Er hatte plötzlich reichlich Metall zur Verfügung, konnte das auch handeln – nach Ägypten oder in andere Länder. Es war eine Zeit, in der der traditionelle Kupferhandel, der von Zypern her kam (im Namen "Zypern" steckt ja "Kupfer"), mehr oder weniger zusammengebrochen war. Wenn man dennoch Kupfer brauchte, musste man auf die Funde von Feinan zurückgreifen. Also da scheint sich manches, was im Alten Testament gar nicht klar gezeigt wird, durch die archäologischen Funde doch zu einem Puzzle zusammenzufügen lassen, das halbwegs stimmig ist.
- 17.04.20252 min
Erste Belege in Palästina aus der nachexilischen Zeit Erste schriftliche Belege stammen aus der nachexilischen Zeit, also dem 5., 4. oder 3. Jahrhundert. Solche Verbote haben aber auch kulturgeschichtliche Wurzeln. So gibt es bei uns z. B. kein Verbot, Schlangenfleisch zu essen, und trotzdem isst niemand dieses Fleisch. Durch die Archäologie können wir feststellen, dass es beim Schweinefleischverbot unterschiedliche Praktiken gab. Wir haben in fast allen Ortschaften Schweineknochen nachgewiesen. Interessant dabei: Im Philistergebiet – die Philister sind ja vom Mittelmeerraum her eingewandert – haben wir eine relativ hohe Prozentzahl an Schweineknochen, während wir in vielen Orten des Gebietes, das später Israel wurde, schon im 12. bzw. 11. Jahrhundert eine ganz geringe Anzahl an Schweineknochen haben; sie liegt bei etwa ein bis zwei Prozent. Wurzel des Verbots: Schwein als Nahrungsmittelkonkurrent Zum einen ging es einfach um den Geschmack. Dazu kommt aber sicher, dass das Schwein ein Nahrungsmittelkonkurrent für die Menschen ist. Es geht also nicht um Reinheit, sondern schlicht um Nahrungsmittelkonkurrenz. In einem Land, in dem man sich mühsam durch Ackerbau über Wasser halten muss, stellen Schweine eine große Gefahr dar, weil sie die Felder verwüsten könnten. Daher wollte man ganz bewusst möglichst wenige Schweine haben. Vor allem im Jordangraben gab es Wildschweine, die reichlich Schaden angerichtet haben. Der Wunsch, diese Gefahr einzudämmen, stellt wohl die historische Wurzel des Schweinefleischverbots dar.
Sind die Ostfriesen wirklich Weltmeister im Teetrinken? Das liest man zwar überall und ich habe diese Behauptung in früheren Berichten auch ungeprüft übernommen. Laut Deutschem Teeverband trinken die Ostfriesen pro Kopf 300 Liter Schwarz- und Grüntee im Jahr und demnach mehr als die Menschen in Libyen (287 Liter) und der Türkei (277 Liter), die nach Angaben des Internationalen Teehandelsverbands ITC die Rangliste im Ländervergleich anführen. Wer schon mal in Ostfriesland war, weiß, dass dort viel Tee getrunken wird. Trotzdem gibt es mehrere statistische Gründe, den angeblichen Weltrekord infrage zu stellen. Statistische Rosinenpickerei Der erste Grund ist: Die Türkei ist ein Staat, Ostfriesland eine Region. Da geht die statistische Rosinenpickerei schon los: Eine deutschen Region, von der man weiß, dass dort sehr viel Tee getrunken wird, zu vergleichen mit einem Durchschnittswert anderer Staaten. Dabei gibt es innerhalb dieser großen Länder ebenfalls regionale Unterschiede. An der türkischen Schwarzmeerküste, wo Tee angebaut wird, dürfte der Verbrauch höher liegen als im Rest der Türkei. Und wenn er nur 10 Prozent höher läge als der türkische Durchschnitt, könnten die Schwarzmeerküstenbewohner den Ostfriesen den Weltmeistertitel streitig machen. Doch auch an der Zahl von 300 Litern pro Kopf drängen sich Zweifel auf. Wie der Teekonsum berechnet wird Denn wie werden diese Verbrauchszahlen überhaupt ermittelt? Das Internationale Teekomitee (ITC) hat dafür eine einfache Formel: Wie viel Tee importiert ein Land? Wie viel Tee produziert es selber? Das wird addiert, und davon abgezogen wird die Menge, die ein Land exportiert. Daraus ergibt sich die Summe an Teepulver in Tonnen, die in einem Land bleibt und naheliegenderweise von den dortigen Bewohnern in flüssiger Form konsumiert wird. Aus einem Kilogramm entstehen ungefähr 90 Liter Tee, das ist die gängige Umrechnungsformel. Im Fall von Ostfriesland kommt man dann auf 140 Millionen Liter Tee, die sich auf knapp 470.000 Einwohner verteilen. Macht ziemlich genau 300 Liter pro Ostfriese und Jahr. Statistische Falle beim "Pro-Kopf"-Verbrauch Das klingt erstmal plausibel, aber wenn man auf diese Weise einen Pro-Kopf-Konsum ermittelt, kann man leicht in eine statistische Falle tappen. Für die gibt es ein Lehrbuchbeispiel aus der Statistik: Welches Land hat die höchste Kriminalitätsrate. Antwort: Der Vatikan. Warum? Weil der Petersplatz viele Besucher und viele Taschendiebe anlockt. Hunderte Delikte werden dort pro Jahr gemeldet. Aber der Vatikan hat offiziell nur knapp 500 Einwohner. Die Kriminalitätsrate ist aber per Definition die Zahl der Delikte geteilt durch die Zahl der Einwohner. Wenn man so rechnet, kommt man beim Vatikan im Schnitt auf ein Verbrechen pro Einwohner. Also wäre fast jeder Vatikan-Bewohner – aber nur deshalb weil die vielen Besucher bei der Berechnung der Kriminalitätsrate unter den Tisch fallen. In diese Falle kann man auch tappen, wenn man den Teekonsum in Ostfriesland errechnet. Denn auch Ostfriesland hat überdurchschnittlich viele Urlauber im Verhältnis zur Einwohnerzahl. In Ostfriesland wohnen 460.000 Menschen, aber zusätzlich halten sich zwischen Emden und Norderney 100.000 Touristen auf. Die trinken aber ebenfalls Tee, das gehört schließlich dazu, oder sie kaufen als Mitbringsel für sich oder andere Ostfriesentee, den sie für sich oder für andere nach Hause mitnehmen. Wenn diese Urlauber nicht berücksichtigt werden, sondern man die Teemenge nur durch die Zahl der Einwohner teilt, erscheint der Pro-Kopf-Verbrauch in Ostfriesland höher als er tatsächlich ist. Der Effekt ist natürlich nicht so krass wie bei der Kriminalitätsrate des Vatikan, kann aber durchaus 10 bis 20 Prozent ausmachen. "Ostfriesischer" Teekonsum findet auch außerhalb Ostfrieslands statt Ein weiterer Fehler kann auftauchen, wenn die veranschlagte Teemenge größer ist als es der Realität entspricht. Auch das ist hier sehr wahrscheinlich der Fall. Denn ermittelt wird diese Zahl regulär über die Differenz aus Import und Export. Doch die großen ostfriesischen Teehäuser schicken ihren Tee auch an Läden oder Endkunden außerhalb Ostfrieslands, ohne dass dies offiziell als "Export" irgendwo registriert wird. Der größte Teehändler Bünting etwa verkauft ein Drittel seines Tees über Teegeschäfte außerhalb Ostfrieslands. Plus über den Online-Versand an Endkunden an Deutschland und im Ausland. Dieser Online-Versand macht nach Angaben von Bünting 6 Prozent des Absatzes aus. Zähler zu groß, Nenner zu klein – das treibt den "Teeverbrauch" in die Höhe Werden diese Fehlerquellen nicht berücksichtigt, würde das bedeuten: In Ostfriesland verbleibt weniger Tee als offiziell ausgewiesen, und dieser Tee wird auch noch von deutlich mehr Menschen konsumiert als nur von den Einwohnern. In der Rechnung: Menge pro Kopf wird also der Zähler zu groß und der Nenner zu klein angesetzt. So würde der offizielle Teeverbrauch künstlich in die Höhe geschraubt. Und selbst wenn es jeweils nur 10 Prozent sind, macht das schon fast 20 Prozent Unterschied. Statt 300 Liter pro Kopf läge der Verbrauch bei nur 240 Litern, und das wäre noch vorsichtig gerechnet. Der Verdacht, dass wirklich falsch gerechnet wurde, liegt nahe, denn erstens entsprechen die angeblichen 300 Liter pro Kopf ja genau der Zahl, die herauskommt – wenn man also die offizielle Teemenge durch die offizielle Zahl der Einwohner teilt und somit die Fehlerquellen nicht berücksichtigt. Und zweitens lassen sich diese Fehlerquellen ja auch nur schwer beseitigen. Der Teekonsum durch Urlauber etwa wird ja nicht separat erfasst, sodass man ihn herausrechnen könnte. Intransparente Berechnung des Teekonsums Zur Sicherheit habe ich trotzdem beim Deutschen Teeverband nachgefragt, ob diese möglichen Fehlerquellen berücksichtigt werden. Die Auskunft war so knapp wie ernüchternd. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir interne Berechnungsdetails nicht weitergeben. Quelle: Deutschen Teeverband Das ist ungewöhnlich: Der Teeverband verkündet eine Rekordzahl, verrät aber nicht, wie sie zustande kommt. Das widerspricht den Grundlagen jeder Wissenschaft und jeder Statistik. Das alleine wäre schon ein Grund, die Zahl und den damit verbundenen "Weltmeister"-Titel nicht länger zu verbreiten. Doch auch das Deutsche Rekordinstitut erscheint in keinem guten Licht. Es hat sich die Zahl zu eigen gemacht und dem Land 2021 den Weltmeistertitel in einer offiziellen Urkunde bestätigt. Auf seinen Webseiten erweckt das Rekordinstitut den Eindruck, es hätte die Angaben nochmal geprüft. Doch auf Nachfrage erklärt es: "Leider haben wir keine Informationen zur Methodik der damaligen Untersuchung." Quelle: Rekord-Institut für Deutschland Die einen sagen nichts, die anderen wissen nichts. Seriös geht anders. Tourismusmarketing mit angeblichem Weltmeistertitel Jetzt könnte man fragen: Ist das nicht egal? Warum ist dieser Weltmeistertitel überhaupt so wichtig? Ist er eigentlich nicht – aber er wird natürlich zu Marketingzwecken genutzt. 2016 wurde die Ostfriesische Teekultur in das Immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen, und der pseudo-amtliche Tee-Weltmeistertitel setzt dem nochmal die Krone auf. Das zeigt schön ein vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium mitfinanzierter "Praxisleitfaden nachhaltiger Kulturtourismus", in dem Tipps gegeben werden, wie die Ostfriesische Teekultur inklusive Weltmeistertitel in Wert gesetzt werden kann. Die Teekultur nimmt im Regionalmarketing einen zentralen Stellenwert ein. Quelle: Praxisleitfaden nachhaltiger Kulturtourismus Das wiederum ist offensichtlich. Natürlich hat Ostfriesland ein besonderes Verhältnis zum Tee. Alleine aufgrund seiner Geschichte. Der Tee kam dort über die benachbarten Niederländer schon relativ früh an. "Vor rund 300 Jahren hat sich in Ostfriesland eine eigenständige Teekultur entwickelt. Tee wird seitdem auf ritualisierte Art während der ostfriesischen Teezeremonie getrunken." So steht es im Bundesweiten Verzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe der Unesco. Wie authentisch ist die "Ostfriesische Teezeremonie"? Die "Ostfriesische Teezeremonie" mit "Kluntje" (Kandiszucker) und Sahne ist ebenfalls fester Teil des Regionalmarketings. Und auch ein bisschen übertrieben, meint der Historiker Martin Krieger im SWR-Podcast "Das Wissen". Er hat ein ganzes Buch über die Geschichte des Tees geschrieben und sich die Quellen genauer angeschaut. Der ostfriesische Tee ist in allererster Linie ein Mythos. Wenn wir uns die Statistiken angucken aus dem siebzehnten, aus dem achtzehnten Jahrhundert, dann werden wir sehr schnell feststellen, dass in Ostfriesland in dieser Zeit in ebenso großem Maße Kaffee wie Tee getrunken wurde. Das heißt also, man trank in Ostfriesland nicht mehr Tee als beispielsweise in Hamburg als in Schleswig-Holstein. Quelle: Martin Krieger, Historiker Tatsächlich vollzog sich der Teeboom in Ostfriesland erst viel später, nämlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts. "In der ärmlichsten Hütte kommt der Theetopf den ganzen Tag nicht vom Feuer." Heißt es damals in einem Aufsatz über das ostfriesische Armenwesen. Aber auch: "Milch wird regelmäßig in Ostfriesland zum Thee nicht genommen, dagegen wenn irgend der letzte Pfennig es gestattet, etwas Kandiszucker" Also: Kluntje ja, aber keine Milch und keine Sahne, und auch sonst unterschied sich die Teezubereitung die meiste Zeit nicht von der in anderen Gegenden Norddeutschlands. "Die ostfriesische Teezeremonie war eigentlich gar keine", sagt Martin Krieger: Denn so, wie man heute den Tee aus Friesland serviert, so hat man ihn im neunzehnten Jahrhundert praktisch überall serviert in Deutschland. Erst zu Beginn des zwanzigsten, Jahrhunderts gab es den Versuch, eine ostfriesische Identität zu konstruieren, und so schafft man einen Mythos nach dem Motto: Wir trinken Tee eigentlich schon immer. Quelle: Martin Krieger, Historiker
- 16.04.20253 min
Unterschied zwischen Text und Archäologie Man muss hier unterscheiden zwischen Textuntersuchung und Archäologie: Der Text wurde nicht in der Zeit um 1200 v. Chr. geschrieben, also zurzeit der Landnahme, sondern rund 600 Jahre später. Das sieht man schon allein daran, dass die Grenze Israels am Jordan lag, denn sonst würde das gar nicht nach Jericho verlagert werden. Während es in der Zeit um 1200 auch nur im Ostjordanland Stämme gab, nämlich Gad und Teile von Manasseh und Reuben, sodass die Außengrenze des Stämmeverbundes Israels ganz woanders lag. Es ist also ein relativ junger Text, der deutlich machen will: Dieses Land ist euch von Gott geschenkt worden. – Bei den archäologischen Grabungen um 1909 in Jericho fand man eine eingestürzte Mauer und sagte: Da sind wir bei Josua, damit haben eine absolute Datierung; das ist 1200 v. Chr. Später hat sich gezeigt, dass man sich um rund 1000 Jahre geirrt hat, denn das ist eine Mauer, die aus der Zeit 2300 v. Chr. stammt, also sehr viel älter ist. Jericho: in der Zeit der Landnahme unbesiedelt Jericho war in der Zeit, als die Landnahme stattgefunden hat, überhaupt nicht besiedelt. Es ist ein Ort, der um 1300 v. Chr. aufgegeben wurde und dann erst wieder ab 1100 neu besiedelt wurde. Diese Texte wollten aber nie historische Texte sein. Wir denken heute immer stark als Historiker. Das war bis zur Aufklärung überhaupt nicht der Fall. Gehen Sie in ein Museum und schauen sich ein Bild an, z. B. eine Geburtsgeschichte, die im 13., 14. oder 15. Jahrhundert gemalt wurde. Da haben Sie die biblische Geburtsgeschichte und dahinter eine italienische Stadt und Maria und Joseph tragen Kleider, die für die damalige Zeit in der Gegen typisch war und keine orientalische Kleidung. Die Leute haben also immer von ihrer Zeit her gedacht und nicht von der Vergangenheit her, weil sie dieses Wissen auch gar nicht mehr hatten. Also keine Trompeten vor Jericho und auch keine Posaunen.
- 15.04.20254 min
Eigenfarbe des Wassers ist nur bei großen Wassermengen erkennbar Es gibt zwei Gründe, warum Wasser blau erscheinen kann. Die erste Möglichkeit ist: Das Wasser ist tief und mächtig. Wir denken oft, Wasser ist farblos, aber das stimmt nicht ganz. Wasser hat tatsächlich eine Eigenfarbe, es schluckt tendenziell die roten Lichtanteile und ist deshalb ganz schwach blau. Das macht sich aber nur bei großen Wassermengen bemerkbar – etwa in einem tiefen See oder im Meer. Bei wenig Wasser – etwa dem Wasser in einem Glas oder einer Flasche – macht sich diese Eigenfarbe noch nicht bemerkbar. Schwebteilchen im Wasser beeinflussen die Flussfarbe Die Eigenfarbe erklärt deshalb auch nicht die oft blau, manchmal leuchtend türkis-blaue Farbe von Gebirgsflüssen. Die hat eine andere Ursache. In welcher Farbe Flüsse erscheinen, hängt nämlich weniger von ihrer Tiefe ab als von der Zusammensetzung des Wassers, also von den Schwebteilchen, die er mitschleppt. Viele große Flüsse erscheinen eher braun, weil sie viel Schlamm transportieren. Wenn in ihnen Algen leben, bekommen sie oft einen Grünton. Gletschermilch sorgt in Gebirgsflüssen für Farbe Bei Alpenflüssen dagegen ist es oft etwas anders. Sie kommen aus den Bergen, haben eine starke Fließgeschwindigkeit, da bilden sich kaum Algen. Außerdem ist im Flussbett wenig Schlamm, denn wenn sich Schlamm bildet, wird der schnell vom Fluss abgetragen. Deshalb besteht das Flussbett eher aus Kies und Geröll. Kein Schlamm, keine Algen – dafür enthalten die Flüsse oft etwas anderes, nämlich feinste Gesteinsteilchen, die sogenannte Gletschermilch. Die entsteht, wenn die Gletscher abschmelzen. Die Gletscher in den Hochalpen schieben sich langsam über das Gestein, schleifen es und nehmen dabei kleinste Gesteinspartikel auf. Wenn der Gletscher abschmilzt, entlässt er diese Gesteinsteilchen ins abfließende Wasser und damit in die Flüsse. Da die Nord- und Südalpen zu einem großen Teil aus Kalksteinen bestehen, enthalten die Flüsse viele solche Kalkteilchen; die meisten sind viel kleiner als die Ton- und Sandpartikel, aus denen sich Schlamm zusammensetzt. Kalkteilchen im Fluss brechen das Sonnenlicht Die vielen winzigen Kalkteilchen im Flusswasser brechen nun das einfallende Sonnenlicht. Das weiße Sonnenlicht setzt sich aus den Spektralfarben – den Farben des Regenbogens – zusammen. Aber die einzelnen Farben werden, wenn sie auf Teilchen im Wasser stoßen, unterschiedlich stark gebrochen. Die blauen Lichtanteile brechen am stärksten – und die Folge ist, dass bei denen die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass sie so gebrochen werden, dass sie wieder aus dem Wasser austreten und in unser Auge fallen. Die roten Lichtanteile bleiben dagegen eher im Wasser. Deshalb erscheint im Ergebnis das Wasser blau, oft leuchtend türkis. Lichtbrechung sorgt für Himmelsblau und verleiht "Blautopf" Farbe Das Phänomen ähnelt dem des blauen Himmels. Auch das Blau des Himmels kommt von der Lichtbeugung – das habe ich in der Folge "Warum ist der Himmel blau?" ausführlicher erklärt. Die Erklärung funktioniert analog auch für blaue Gewässer wie die blauen Alpenflüsse – oder den berühmten Blautopf in Blaubeuren. Bei dem kommt sogar beides zusammen: Der ist relativ tief – 21 Meter – und das Wasser enthält viele Kalkteilchen. Der Blautopf ist eine Karstquelle, das heißt, hier kommt frisches Quellwasser direkt aus der Schwäbischen Alb. Und die besteht auch aus Kalkstein, deshalb sind da so viele Tropfsteinhöhlen. Das Quellwasser nimmt auf seinem Weg durchs Gebirge also jede Menge winzige Kalkteilchen auf – und die verleihen dem Blautopf seine leuchtend blaue Farbe.
Papst Gregor XIII. Kalenderungenauigkeiten beseitigt Das lässt sich mit der Kalendergeschichte erklären: Es gibt den julianischen Kalender, so wie Cäsar ihn konstruiert hat, und den gregorianischen Kalender. Den hat Papst Gregor XIII. nachgeschärft, um Kalenderungenauigkeiten zu beseitigen. Heute divergieren der julianische und der gregorianische Kalender 13 Tage; in einigen Jahrzehnten werden es 14 Tage sein. Das heißt also: Alle Feste, die an fixen Terminen im Kirchenjahr gefeiert werden, sind zwischen der orthodoxen und der christlichen weströmisch-katholischen Kirche um 13 Tage verschoben. Frühlingsvollmond und 13 Tage Differenz Da Ostern vom Frühlingsvollmond abhängt, muss man diese 13 Tage nehmen. Und dann kommt es darauf an, wie der Frühlingsvollmond jeweils zu liegen kommt. Da können dann sehr viel größere Differenzen zwischen dem römisch-katholischen Kalender einerseits und dem griechisch- und russisch-orthodoxen Kalender andererseits auftauchen. Und so kommt es zu großen Divergenzen.
Die Kreuzigung war eine besonders schlimme und perfide Art der Hinrichtung, die im Orient bereits vor den Römern Praxis war und von den Römern übernommen wurde. Die Römer praktizierten sie dann zum Beispiel auch in Italien, und zwar immer dann, wenn eine besondere Illoyalität begangen worden war, zum Beispiel von Sklaven. Darum ließen sie nach dem Aufstand des Spartakus in Italien sehr viele dieser aufständischen Sklaven ans Kreuz schlagen. So ähnlich gingen sie auch mit den Feinden der römischen Ordnung um, die sie "Räuber" nannten. Zu denen gehörten Aufrührer aller Art, und Jesus Christus wurde ebenfalls in diese Kategorie eingeordnet. Daher ist er als Aufrührer am Kreuz gestorben wie viele, viele andere auch, gerade in Judäa.
- 12.04.20253 min
Pessach orientiert sich am Frühlingsmond Zum Osterfesttermin kam es folgendermaßen: Der Termin der Passion Christi und des Kreuzestodes Christi ist historisch nachweisbar; er lag in unmittelbarem Umfeld des jüdischen Pessachfestes. Dieses Pessachfest wiederum war, da die Juden einen Mondkalender hatten, am Frühlingsvollmond orientiert. Ostern und Pessach liegen zeitlich nah beieinander Deswegen hat man schon sehr früh entschieden, man müsste auch diesem Mondkalender folgen. Allerdings gab es zunächst zwei Modelle. Das eine Modell, das im Mittelmeerraum, im Osten erdacht wurde, war das, dass man das jüdische Pessachfest und das christliche Ostern einfach am selben Termin begehen sollte – Ostern also am Pessachtermin. Eine andere Auffassung aus dem Westen des Mittelmeerraums war allerdings, dass Ostern fixiert werden sollte, also nicht beweglich sein sollte im Kirchenjahr. Es sollte am 25. März gefeiert werden, denn dieser 25. März galt nach dem Altem Testament als der Weltschöpfungstag. Das passe mit der Auferstehung zusammen; das ist ja sozusagen die Neuschöpfung der Welt. Konzil von Nicäa: Ostern ist am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond Im Konzil von Nicäa 325 wurde der Ostertermin endgültig festgelegt – und keines der beiden Modelle kam zum Tragen. Man hat zum einen tatsächlich den Mondkalender respektiert und gesagt, Ostern soll sich am Mondkalender orientieren. Man hat aber als Alleinstellungsmerkmal, so würde man heute sagen, nicht die Identität mit dem Pessachtermin hergestellt, sondern gesagt, Ostern im christlichen Bereich soll immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond sein. Wenn der Frühlingsvollmond auf einen Sonntag fällt, dann ist Ostern acht Tage später. Ostern: immer zwischen dem 22. März und dem 25. April Das bedeutet, dass der Ostertermin um insgesamt 35 Tage variieren kann, nämlich um eine Mondumlaufphase von 28 plus maximal 7 weitere Tage, macht zusammen 35. Ostern kann also nie vor dem 22. März und nie nach dem 25. April sein.
Sprachwissenschaft: keine scharfe Trennung zwischen "Dialekt" und "Sprache" Für die meisten Deutschen ist klar: Sie sprechen grundsätzlich Deutsch, aber unter Umständen in einem bestimmten Dialekt: Schwäbisch, Sächsisch, Hessisch, Kölsch – was auch immer. Genauso selbstverständlich ist, dass zum Beispiel Niederländisch mit dem Deutschen eng verwandt, aber eben eine andere Sprache ist. Interessant sind deshalb die Graubereiche dazwischen. Wenn wir in Norddeutschland bleiben, gilt auch das Niederdeutsche oder Plattdeutsche als eigene Sprache, die in Hamburg sogar als alternative Amtssprache neben dem Hochdeutschen akzeptiert ist. Das Schwyzerdütsch dagegen am anderen Ende des deutschen Sprachraums wird in der Regel nicht als eigenständige Sprache betrachtet, auch wenn es z.B. in vielen Sendungen des Schweizer Rundfunks standardmäßig gesprochen wird und gleichzeitig ja auch in Aussprache, Wörtern etc. so weit weg sind vom Hochdeutschen, dass es viele Deutsche kaum verstehen können. In der Sprachwissenschaft gibt es aber keine ganz scharfe Definition für Sprache oder Dialekt, sondern eher verschiedene Merkmale und Kriterien. 1. Merkmal einer Sprache: Standardisierung Eins der Kriterien ist die Frage der Standardisierung. Es gibt Hochdeutsch als standardisiertes Deutsch, aber es gibt in der gesprochenen Sprache der Schweiz kein vereinheitlichtes „Hoch-Schwyzerdütsch“. Schweizer Zeitungen und Behörden schreiben Hochdeutsch mit lediglich ein paar kleineren Abweichungen in der Rechtschreibung. 2. Merkmal einer Sprache: vereinheitlichte Schreibung Eine vereinheitlichte Schreibung ist das zweite Merkmal für eine eigenständige Sprache. Das gibt es bei Dialekten nicht. Es wird natürlich im Volksschrifttum, gerade auch in der Lyrik, im Dialekt geschrieben. Das folgt aber keiner einheitlichen Vorgabe, sondern ist im Wesentlichen "Schreiben nach Gehör". Und da sich Dialekte manchmal schon von einem Dorf zum nächsten leicht verändern, gibt es keine geregelte badische, pfälzische oder bayerische Dialekt-Schreibweise. Man muss aber sagen: Das gab es bis zur Frühen Neuzeit auch nicht für die deutsche Sprache. 3. Merkmal der Sprache: gegenseitige Verständlichkeit So gesehen gab es bis ins Mittelalter sowieso nur Dialekte. Aber das stimmt dann doch nicht ganz, denn es gibt ein weiteres Kriterium für Sprache: die gegenseitige Verständlichkeit. Das ist auf den ersten Blick ein sehr wackliges Kriterium, weil das extrem subjektiv ist. Wenn eine Kölnerin und ein Oberbayer ihren Dialekt richtig breit sprechen, verstehen sie sich nicht unbedingt, auch wenn es irgendwie Deutsch ist. Ein Friese und eine Holländerin können sich aber unter Umständen sehr wohl verstehen, ebenso wie eine Italienerin und ein Spanier, obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen. Worauf es aber ankommt ist nicht, dass sich alle Sprecher einer Sprache gegenseitig verstehen, sondern dass es im Sprachraum keine scharfen Grenzen gibt. Friesen und Schweizer mögen sich im Extremfall nicht verstehen, aber zwischen beiden Dialekträumen verlaufen alle Grenzen fließend. Dialektkontinuum: Dialekte gehen fließend ineinander über In der Sprachforschung spricht man auch von Dialektkontinuum. Das heißt: Wenn man von Mecklenburg ins österreichische Burgenland wandern würde, würde man von Ort zu Ort kaum einen Sprachunterschied bemerken, denn die Dialekte verändern sich kontinuierlich über die lange Strecke. Man könnte sogar in allen Orten eine amtliche Bescheinigung vorlegen, die nicht übersetzt werden müsste. Anders, wenn man über die Grenze nach Polen oder Belgien läuft – hier sind die Staatsgrenzen zugleich Sprachgrenzen. Und auch zwischen Platt- und Hochdeutsch gibt es keine Dialektkontinuität. Man spricht entweder Platt oder den ostfriesischen Dialekt des Hochdeutschen. Aber es gibt keinen fließenden Übergang. Man kann nicht nur ein bisschen plätteln, so wie man ein bisschen schwäbeln kann. Was denn nun: Sprache oder Dialekt? Ob etwas nur Dialekt oder schon Sprache ist, entscheidet sich also vor allem an diesen beiden Punkten: Gibt es ein Kontinuum von einem Dialekt zu einem anderen? Dann würde man beide Dialekte einer gemeinsamen Sprache zuordnen. Und erst recht dann, wenn sich beide Dialektgruppen über eine von beiden akzeptierte, gemeinsame Standardsprache verständigen.
- 10.04.20254 min
Moos kann tatsächlich die Luft reinigen. In Stuttgart wurde sogar versucht, mit Mooswänden die Schadstoffbelastung zu senken. Das hat zwar nicht so funktioniert wie erhofft, aber dass Moos Feinstaub aus der Luft aufnimmt, das ist grundsätzlich erwiesen. Das hat mit der besonderen Rolle in der Evolution zu tun. Moos ist extrem anspruchslos Moos ist eine besondere Pflanze: Es ist extrem anspruchslos, es wächst an Bäumen und Betonwänden, es gibt Moos in den Tropen und selbst in der unwirtlichen Antarktis. Das ist eines der Phänomene, die Ralf Reski beschäftigen. Er ist Moosforscher an der Uni Freiburg. Eine Sache, die ihn fasziniert: Moosartige Pflanzen waren die ersten Gewächse, die vor 450 Millionen Jahren das Festlandland eroberten. Vorher waren die Kontinente wüst und leer. Mit den Moosen wurden sie grün. Genau genommen gab es zu jener Zeit nur einen Kontinent. Das war der Superkontinent Pangäa; der war wirklich komplett felsig. Im Wasser gab es fädige Süßwasseralgen, die dann an Land gespült wurden. Die haben sich sehr schnell ausgebreitet. Diese ersten Urpflanzen sahen so ähnlich aus wie heutige Moose. Quelle: Ralf Reski, Moosforscher, Uni Freiburg Zu jener Zeit gab es keine Bäume und keine Gräser, das Festland war weitflächig überzogen mit einer riesigen Moosdecke. Doch wie kam es dazu? Wie haben sich die ursprünglich Süßwasseralgen an das Leben an Land angepasst? "Ein wesentliches Problem beim Schritt vom Wasser an Land ist natürlich Wasserverlust und Trockenheit", sagt Reski. Algen leben im Wasser, dort können sie nicht austrocknen. Pflanzen, die das Land erobern wollen, müssen ihre Oberfläche so verändern, dass das Wasser nicht einfach austritt. Einer der entscheidenden Schritte in der Evolution war deshalb die Ausbildung einer wachsartigen Schicht – der sogenannten Cuticula. Es gibt im Moos ein Enzym, das bei Bäumen z.B. dafür da ist, dass Holz gebildet wird, also Lignin. Moose haben aber noch kein Holz. Wir haben uns gefragt, welche Funktion dieses Protein dann im Moos hat. Wir fanden heraus, dass es eine phenolhaltige, also wachsartige Substanz ausbildet, die sich außen auf die Moose drauflegt und sie vor Austrocknung schützt. Quelle: Ralf Reski, Moosforscher, Uni Freiburg Moose siedeln auf nacktem Fels und ziehen Nährstoffe aus der Luft Die Besiedelung des Festlands durch moosartige Pflanzen war die Voraussetzung dafür, dass auch Tiere das Festland für sich entdeckten. Denn es gab ja nun durch die Moose dort etwas zu fressen. Und die Moose sorgten für klare Luft. Denn weil sie auf dem nackten Fels siedelten, hatten sie keine Wurzeln und keinen Boden, aus dem sie sich ernähren konnten. Sie mussten die Nährstoffe aus der Luft holen, hielten Sand und Staub fest, der über dem zuvor nackten Festland herumflog. Und so gibt es eine direkte Verbindung zwischen der Evolution der Moose und ihrer luftreinigenden Wirkung. Die Hauptmenge der Nährstoffe kriegen sie aus der Luft. Das heißt, ihre Zellwände, ihre Außenwand, auch die Cuticula, diese wachsartige Schicht, können Schwermetalle sehr gut binden. Quelle: Ralf Reski, Moosforscher, Uni Freiburg Moos: faszinierend, aber unbeliebt Das Moos ist also eine besondere Pflanze – nur Hobbygärtner können ihm meist nicht viel abgewinnen. In fast jedem Gartenbuch finden sich Tipps, wie man das Moos in Schach hält und verhindert, dass es sich im Rasen breitmacht. Ist das der richtige Umgang mit dieser besonderen Pflanze? Natürlich wird das Moos unterschätzt. Ich habe mein ganzes wissenschaftliches Leben dem Moos gewidmet und finde es extrem schön. Man muss halt auch die Augen haben nicht nur für die großen Rosenblüten, sondern auch für die kleinen hübschen Moospflanzen. Aber ich muss zugeben, dass meine Frau aus unserem Garten das Moos auch rausvertikutiert. Quelle: Ralf Reski, Moosforscher, Uni Freiburg
Gefäße in der Bindehaut werden bei Reizungen dicker Unser Auge ist etwa so groß wie ein Tischtennisball und besteht aus der sogenannten Lederhaut; das ist das Weiße, was man sieht. Nach vorne ist das Auge von der Hornhaut abgeschlossen, dahinter befindet sich die Regenbogenhaut. Das ist das Farbige im Auge: meist blau, aber auch braun oder grün. Über dieser Lederhaut liegt eine dünne, abschließende Schicht, die man Bindehaut nennt. Die hat Gefäße. Wenn die Bindehaut gereizt ist, dann kommen dort mehr Gefäße hinein, man sagt: Sie sprossen ein; sie werden dicker. Dann sieht das Auge rot aus und ist entzündet. Dann muss man zum Augenarzt und das kontrollieren lassen. Normal: Einsprengsel bei Menschen mit dunkler Haut Jetzt gibt es aber manche Situationen, bei denen das Auge eine andere Farbe hat. Zum Beispiel bei Menschen, die sehr dunkle Haut haben, ist auch die Lederhaut nicht weiß, sondern sie hat lauter kleine braune Einsprengsel. Und dann wirkt sie nicht hell weiß, sondern ein bisschen bräunlich oder gelblich. Verfärbungen können Anzeichen für Leber- oder Gallenerkrankungen sein Es gibt aber auch Erkrankungen, bei denen man das sieht. Wenn man zum Beispiel eine Leber- oder eine Gallenerkrankung hat, dann kann es sein, dass die Gallenfarbstoffe zu hoch sind im Körper. Das sieht man dann auf dem ansonsten schneeweißen Hintergrund der Lederhaut. Meist handelt es sich nur um eine normale Variante. Aber wenn das irgendwann aufgetreten ist, dann muss man zum Arzt – Allgemeinarzt und Augenarzt – und abklären lassen, ob man nicht doch eine Erkrankung hat. Viele Erkrankungen kann man am Auge ablesen. Gibt es einen Weißmacher, der für strahlendes Weiß sorgt? In besonderen Fällen kann man eine Substanz in Tropfenform geben. Die führt dazu, dass die roten Gefäße sich ganz zusammenziehen. Das macht man aber nur in ganz wichtigen Fällen, zum Beispiel für ein Hochzeitsfoto, wenn etwa die Braut ausgerechnet dann stark gerötete Augen hat, weil sie gerade gereizt sind. Daran möchte man sich ungern 50 Jahre lang erinnern. Diese Tropen, die die Gefäße zusammenziehen, wirken allerdings nur wenige Male und haben am Ende einen gegenteiligen Effekt. Deshalb sollte man das nur in absoluten Ausnahmefällen machen – und muss ansonsten einfach dazu stehen.
Weil die Salzkonzentration niedriger ist. Meerwasser enthält dreimal so viel Salz wie die Tränenflüssigkeit. Tränen haben eine Salzkonzentration von etwas unter 1 Prozent, sie enthalten somit etwa genau so viel Salz wie das Blut. Sie bilden somit eine "isotonische" Lösung und deshalb brennen Tränen nicht nur nicht – sondern sie enthalten genau die Salzkonzentration, die auch unsere Schleimhäute gerade als angenehm empfinden. Könnten wir in einem Meer von Tränen tauchen – für die Augen gäbe es nichts Angenehmeres Tränen enthalten auch viel weniger Salz als etwa Schweiß – die Salzkonzentration von Schweiß entspricht der im Meerwasser – und deshalb brennt Schweiß in den Augen. Tränen aber nicht. Deshalb brennt Schweiß ja auch in den Augen, Tränen nicht. Könnten wir in einem Meer von Tränen tauchen – für die Augen gäbe es nichts Angenehmeres.
Intelligenz – eine Art geistige Flexibilität Intelligenz ist eine allgemeine Fähigkeit, die uns in die Lage versetzt, Schlussfolgerungen zu ziehen – insbesondere, wenn es um akademisches Lernen geht . Das heißt: aus bestehendem Wissen neues erschließen abstrakte Begriffe aus Einzelfällen aufbauen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen bestimmten Begriffen sehen Intelligenz ist also eine Art geistige Flexibilität, die sehr breit angelegt ist. Intelligenz hat auch mit der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung zu tun. Sie hat zu tun mit der Fähigkeit, irrelevante Informationen zu unterdrücken. Intelligenz ist eher allgemein. Talent und Begabung beziehen sich auf bestimmte Bereiche Talente und Begabungen beziehen sich im Gegensatz zur Intelligenz immer auf etwas: Jemand ist z.B. musikalisch begabt und kann Gitarre spielen. Intelligenz ist allgemein und breit angelegt Intelligenz dagegen ist allgemeiner angelegt; man kann sie verschieden investieren. Wenn man intelligent ist, kann man besser Mathematik lernen – vorausgesetzt, der Unterricht ist gut. Man kann sich sprachlich besser ausdrücken usw. Intelligenz ist eine allgemeine "Kondition" – wenn man es auf das Sportliche bezieht – auf das Geistige bezogen.
Nur Fachleute an den Rücken lassen! Wenn das Einrenken fachlich gut gemacht wird, also wenn derjenige eine chirotherapeutische Ausbildung hat, besteht nur ein geringes Risiko. Bei der Frage, wie häufig es gemacht werden darf, kommt es darauf an, warum in einer bestimmten Region immer wieder Blockierungen auftreten. Blockierungen können eben auch eine Reaktion auf verschiedene Veränderungen sein, beispielweise können entzündliche Veränderungen innerer Organe immer wieder Blockierungen hervorrufen. Dann ist es nicht ausreichend die Blockierung zu lösen, sie zu manipulieren. Man muss der Sache auf den Grund gehen, warum immer wieder diese Blockierungen auftreten. Wiederholte Manipulationen insbesondere im Halswirbelsäulenbereich können durchaus schaden. Diese wiederholten Manipulationen bedeuten Stress für die kleinen Wirbelgelenke; sie können "ausleiern". Unterschiede zwischen Männern und Frauen Zu berücksichtigen ist auch, dass Frauen ein besonders weiches Bindegewebe haben und und in der Regel sehr viel mobiler sind als Männer. Bei besonders mobilen Patienten und Patientinnen kommt es vor, dass immer wieder Blockierungen auftreten. Dann ist es sinnvoll, dass man die Blockierung löst, aber auch die muskuläre Dysbalance behandelt und Ihnen insbesondere eine Muskelkräftigung verordnet. Blockierungen bei Muskelverkürzungen durch langes Sitzen Die Kräftigung der Muskeln erfordert eine spezielle Krankengymnastik. Das ist deshalb wichtig, weil die Schultergürtelmuskulatur die besondere Eigenschaft hat, in Regionen zu verkürzen. Das heißt, durch Schreibtischtätigkeit kommt es zur Muskelverkürzung und in diesen Bereichen verkürzter Muskeln dann gehäuft zu Blockierungen. Daher ist es notwendig, die verkürzten Muskelgruppen zu dehnen. Da man nicht immer zum Krankengymnasten gehen kann, sollte man sich zwei, drei gute Übungen zeigen lassen, die man regelmäßig – im "Hausübungsprogramm" – durchführen kann, damit das Ganze auch einen Hafteffekt hat.
- 02.04.20252 min
Sauropoden mit langem Schwanz und Hals Richtig groß wurden hauptsächlich die Langhalsdinosaurier, die Sauropoden. Und das Größte an denen waren Schwanz und Hals. Der Rumpf selbst war nicht so wuchtig und massig. Außerdem waren die Knochen zum Teil mit Luft gefüllt; die waren also viel leichter. Vorteil: geringer Energieverbrauch Der Vorteil der Größe liegt darin, dass ein großes Tier viel langsamer auskühlt. Und ein Tier, das keine Energie braucht, um seine Körpertemperatur zu halten, braucht viel weniger zu essen. Die Langhalsdinos standen also rum und haben einfach alles abgefressen, was der Hals erreicht hat. Mit nur einem Schritt erreichten sie wieder dieselbe Menge. Sie waren also sehr sparsam. Diese Gewichte waren für die Knochen ohne Weiteres tragbar, weil die schwersten Teile, nämlich die Wirbelsäule, luftgefüllt waren.
Bei fettem Essen dauert die Verdauung länger Zunächst landen Schnitzel, Pommes und Mayo im Magen. Man würde sich also die Magenverweildauer ansehen. Die ist in der Tat für verschiedene Nahrungsmittel sehr unterschiedlich. Pommes und Mayo sind relativ fett; und je fetter etwas ist, desto länger liegt es im Magen. Es können in diesem Fall durchaus fünf bis sechs Stunden sein, die die Magensäure braucht, um die Vorarbeit zu leisten. Dann würde das Schnitzel mit den Pommes schon im etwas zerlegteren Zustand in den Dünndarm kommen. Im Dünndarm kommen Verdauungsenzyme aus Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle dazu. Im Dünndarm können Sie noch mal mit etwa drei bis vier Stunden rechnen. Das ist auch sehr davon abhängig, wie schnell Ihre Darmperistaltik ist und ob es tagsüber passiert oder ob Sie bereits schlafen, denn nachts ist der Darm etwas langsamer. Nach acht bis neun Stunden kommt es wieder raus Insgesamt sind Sie also mit etwa acht bis neun Stunden dabei. Das kann aber durchaus beschleunigt werden, wenn Sie zum Beispiel Reize von außen haben, die den Darm sehr stark stimulieren. Das heißt Aufregung oder auch Infekte oder gewisse Medikamente.
- 30.03.20251 min
Großräumige Zirkulation und großräumige Sonneneinstrahlung Das liegt an der Umstellung des Wetters von der Winterzirkulation auf die Sommerzirkulation. Im Winter sind sowohl die See als auch das Land relativ kalt und es herrscht eine gewisse Beständigkeit. Wenn die Sonne im April höher steigt, erwärmt sich das Land stärker, während die Meere noch kalt sind. Es kommt zu einen Luftaufstieg über dem Land und es bildet sich eine neue Zirkulation. Viele Tiefdruckgebiete im April bringen Regen Wir haben dann sehr viele Tiefdruckgebiete, die in rascher Folge über die Region hinwegziehen. Die bringen Regen; dann scheint wieder die Sonne und es ist warm. So kann man gerade im April die gesamte Palette aller Wettererscheinungen beobachten. Gründe sind also die großräumige Zirkulation und die großräumige Sonneneinstrahlung.
- 29.03.20255 min
12 Mondzyklen – 12 Monate Hier stellt sich zunächst die Frage: Warum die Zahl 12? Dazu gibt es keine eindeutigen Antworten, aber viele Hinweise. Schon die frühen Astronomen erkannten: Nach 12 Mondzyklen wiederholen sich die Jahreszeiten. Deshalb hat das Jahr 12 Monate. Vielleicht steckte dahinter einfach der Gedanke, diese Zahl auf die Unterteilung des Tages zu übertragen. Die 12 ist außerdem eine unheimlich praktische Zahl. 12 Sachen lassen sich gut in brauchbare Portionen teilen: halbieren, dritteln, vierteln. Symbolträchtige Zahl in den alten Religionen Möglicherweise spielt die Zahl deshalb in den alten Religionen eine so symbolträchtige Rolle: Sowohl die römische als auch die griechische Mythologie kennen jeweils 12 Hauptgötter. Die Bibel erzählt uns von 12 Stämmen Israels und von 12 Aposteln. Der schiitische Zweig des Islams geht von 12 Imamen als Nachfolger Mohammends aus. Wir kennen sogar ein eigenes Wort für eine Menge von 12 Dingen: Das Dutzend. Getrennte Welten: Tag und Nacht Die 12 war also eine wichtige Zahl. Den Tag allerdings teilte man nicht in 12 Stunden ein, sondern in zweimal 12 Stunden. Warum nicht gleich 24? Das kommt aus einer Zeit, als für die Menschen Tag und Nacht noch getrennte Welten waren. Als es nachts wirklich dunkel war ohne künstliches Licht und sich das Leben vor allem tagsüber abspielte. Tagsüber konnte man die Zeit einigermaßen gut messen bzw. den Tag zeitlich strukturieren – nämlich mithilfe von Sonnenuhren. Altes Ägypten: 12 Sterne am Himmel im Verlauf der Nacht Die Menschen fanden aber auch Möglichkeiten, die Nacht zu strukturieren: Vor über 4.000 Jahren haben Astronomen im alten Ägypten die Nacht in Stunden eingeteilt. Dafür haben sie für jede Zeit des Jahres am Nachthimmel 12 Sterne auserkoren, die verlässlich der Reihe nach auf- und untergingen. Ging der nächste Stern auf, brach eine neue "Nachtstunde" an. Die Stundengöttinnen Das war auch religiös-mythologisch aufgeladen: Die Ägypter stellten sich dabei 12 Ruderer vor, die ein Boot mit dem Sonnengott Re durch die Unterwelt ziehen. Er muss 12 Tore passieren, 12 Bereiche durchqueren, 12 Gefahren überwinden. Für jedes dieser Tore stand eine Stundengöttin. Diese Sterne nannte man später Dekan-Sterne (deka = zehn), weil alle zehn Tage eine andere 12er-Gruppe diese Funktion übernahm. Über das Jahr waren es 47 Sternen bzw. Sterngruppen. Deshalb brauchte man aufwändige Tabellen, in denen man gucken konnte, welche Sterne gerade dran waren. Entscheidend ist: Es ging – nur dass das Messsystem nachts mit den Sternen ein komplett anderes war als tagsüber mit Sonnenuhren. Später gab es nicht nur für jede der 12 Nachtstunden eine Göttin, sondern auch 12 für den Tag. Älteste bekannte Sonnenuhr: eingeteilt in 12 Stunden Auf der ältesten bekannten Sonnenuhr erkennt man bereits die Einteilung in 12 Stunden. Sie ist etwa 3.200 Jahre alt und wurde von Forschenden der Uni Basel im Tal der Könige in Ägypten ausgegraben. Der Überlieferung nach hatten die alten Griechen die Sonnenuhr mit den 12 Stunden von den Ägyptern und Babyloniern übernommen. Von dort ist sie dann ins Römische Reich gelangt und hat sich in Westeuropa ausgebreitet. Nun ist es so, dass die Tage im Sommer länger sind als im Winter. Trotzdem gab es am Anfang das Bedürfnis, den Tag analog zur Nacht immer in 12 Stunden einzuteilen. Das hatte zur Folge, dass im Sommer – wenn die Tage länger sind – auch die Stunden länger waren als im Winter. Diese je nach Jahreszeit unterschiedlichen Stunden nennt man auch "temporale Stunden". Damals waren tatsächlich Sonnenuhren in Gebrauch, die diese temporalen Stunden abbilden konnten. Man könnte meinen, das geht nicht: Die Sonne bewegt sich im Winter ja nicht schneller über den Himmel als im Sommer. Und das Gleiche gilt natürlich auch für den Schatten, den zum Beispiel ein Stab wirft, den man in die Erde steckt. Hängt man allerdings eine Sonnenuhr senkrecht an eine Wand, ändert sich der Schattenwinkel mit der Jahreszeit durchaus – und das kann man dann auch berücksichtigen. Also: Die 12 Stunden der Nacht wurden durch die Dekan-Sterne definiert. Die 12 variablen Stunden am Tag durch die temporalen Sonnenuhren. Erste mechanische Uhren im späten Mittelalter in Italien Im späten Mittelalter, im 14. Jahrhundert, kamen in Italien die ersten mechanischen Uhren auf. Die funktionierten natürlich bei Tag und bei Nacht. Diese Uhren hatten noch keine Zeiger, sondern eine Glocke, die bei 1 Uhr einmal schlug, bei 2 Uhr zweimal und so weiter. Aber wo fing man mit dem Zählen an? Die italienische Zählweise, die auch in anderen europäischen Gebieten bis ins 17. Jahrhundert verbreitet war, begann mit Sonnenuntergang und zählte durch bis 24. Das war aber unpraktisch. Zum einen, weil man die Uhrzeit immer an den Sonnenstand anpassen musste. So konnte es passieren, dass im Winter die Mittagssonne um "4 Uhr" am höchsten stand, im Sommer um "8 Uhr". Zum anderen: Wer zählt schon 23 Glockenschläge, ohne sich zu verzählen? Technisch eleganteste Lösung setzt sich durch Schließlich setzte sich die technisch eleganteste Lösung durch: Eine Uhr mit 12 gleich langen Stunden, bei der 12 Uhr mittags bzw. mitternachts ist. Da hängt die Uhrzeit dann nicht mehr von der Tageslänge ab. Weil die Technik einfacher ist, geht sie auch nicht so schnell kaputt. Und die "kleine Uhr" hatte noch einen sehr praktischen Vorteil: Es ist viel leichter, die Uhrzeit am Glockenschlag mitzuzählen, wenn es höchstens 12 mal bimmelt.



















