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Science · Society & Culture

729 Episoden · neueste 13.10.

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Episoden

729
  1. Warum brummen ältere Kühlschränke lauter als neuere?
    13.10., 10:0000:03:27

    Im Kühlschrank arbeitet ein Kompressor Ein Kühlschrank wird dadurch kühl gehalten, dass ständig Wärme abgeführt wird. Das geschieht über ein Kältemittel, das in der Wand des Kühlschranks zirkuliert. Das Besondere an diesem Kältemittel: Es hat einen so niedrigen Siedepunkt, dass es bei Kühlschranktemperatur schon verdampft, also in den gasförmigen Zustand übergeht. Dieses Verdampfen verbraucht Wärme – die sich das Kältemittel aus dem Inneren des Kühlschranks holt und ihn dadurch abkühlt. Das jetzt gasförmige Kältemittel zirkuliert weiter und gelangt in einen Kompressor. Das ist das, was brummt! Der Kompressor drückt das Gas zusammen. Dadurch wird es wieder flüssig. Dabei wiederum wird Wärmeenergie frei – nur wird sie diesmal nach außen abgeführt. Die Pumpe im Kühlschrank transportiert also mithilfe des Kältemittels, das Wärme aufnehmen und abgeben kann, Energie von innen nach außen; dadurch bleibt der Kühlschrank kalt. Das passiert aber nicht ständig, sondern die Pumpe bzw. der Kompressor schaltet sich dann ein, wenn es nötig ist – wenn also die Temperatur im Inneren über einen kritischen Schwellenwert steigt. Wohl nicht mehr ganz dicht: wenn das Brummen lauter wird Wenn Kühlschränke altern, kann es passieren, dass das Brummen häufiger und lauter wird. Das kann mehrere Gründe haben, z.B. dass das Gerät schneller Wärme verliert, weil das Dichtungsgummi in der Kühlschranktür nicht mehr richtig abdichtet. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich im Kühlschrank oder im Gefrierfach Eis gebildet hat. Ein vereister Kühlschrank verbraucht ebenfalls mehr Energie; auch dann schaltet sich der Kompressor häufiger an. Um das zu vermeiden, sollte man den Kühlschrank deshalb von Zeit zu Zeit abtauen. Vielleicht hat der Kühlschrank eine Schraube locker Wenn der Kompressor aber nicht nur häufiger brummt, sondern auch lauter ist als früher, hat das vermutlich andere Gründe. Es kann sein, dass an der Pumpe oder am Kompressor irgendwelche Schrauben nicht mehr fest sitzen, sodass – wenn der Kompressor anspringt – weitere Teile vibrieren. Manchmal bringen die Vibrationen der Pumpe auch irgendwas im Kühlschrank selbst zum Klappern – Fächer oder Behälter, die nebeneinanderstehen. Um das zu überprüfen, sollte man den Kühlschrank ausräumen und schauen, ob er dann immer noch so laut brummt. Vor dem Einräumen kann man mithilfe einer Wasserwaage sicherstellen, dass er auch wirklich waagerecht steht.

  2. Wie sind fleischfressende Pflanzen in der Evolution entstanden?
    12.10., 12:0000:02:51

    Gegen Fraßdruck: Carnivorie aus Abwehrmechanismen entwickelt Vermutlich hat sich die Carnivorie – also die Fähigkeit von Pflanzen, Fleisch zu fressen und zu verdauen – aus Abwehrmechanismen entwickelt. Die Pflanzen haben demnach nicht das "Jagen" neu erlernt als Innovation, sondern sie haben gelernt, ihre Feinde zu fressen. Pflanzen stehen immer unter Fraßdruck: Da sind Blattläuse, die an ihnen rumsaugen, Raupen, die an ihnen fressen. Pflanzen können das detektieren und zum Beispiel Reize losschicken, Hormonbotschaften senden, Abwehrmechanismen in Gang setzen und Enzyme ausschütten. All das kann helfen, Fraßfeinde abzuwehren. Auf nährstoffarmen Böden, wo also Nährstoffmangel herrscht, hat sich im Lauf der Evolution diese Kaskade an Prozessen, Strukturen und Mechanismen dahingehend gewandelt, dass die Pflanzen Tiere anlocken, töten, verdauen und die Nährstoffe aufnehmen können. Das ist aktuell der Stand des Wissens. Gibt es Fossilien, die diese Entwicklung belegen? Das ist schwierig. Idealerweise gäbe es Fossilien, die solche Zwischenstufen zeigen. Aber fleischfressende Pflanzen sind mit ein paar Ausnahmen oft krautig. Das heißt, sie haben keine hölzernen Strukturen und der Fossilbeleg ist mau, um es nett zu sagen. Es gibt einige in Bernstein eingeschlossene Inklusen, die ein paar frühe Carnivoren zeigen. Uns fehlen jedoch die wirklichen Bilder, die uns zeigen, wie das ausgesehen haben könnte. Aber man kennt natürlich diese Mechanismen und weiß, dass die auch schon früher stattgefunden haben müssen. Carnivorie ist übrigens etwas, was wir in der Biologie als konvergente Erscheinung bezeichnen. Sie ist mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Diese Pflanzen sind auch gar nicht näher miteinander verwandt. Es gibt zum Beispiel Pflanzen, die mit Gleitfallen arbeiten, wo Tiere ausrutschen und hineinfallen. Die sind gleich mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Schnappfallen nur einmal, Klebefallen mehrfach, Saugfallen nur einfach. Man kann sich verschiedenste evolutionäre Ursprünge und Prozesse vorstellen, wie das passiert sein könnte. Es ist nicht einfach, die Evolution da nachzuvollziehen.

  3. Welchen Boden braucht ein Naturgarten?
    12.10., 06:0000:00:46

    Der Boden spielt im Naturgarten eine wichtige Rolle. Im Naturgarten möchte man am liebsten einen Boden, der nicht so nährstoffreich ist – anders, als man es vielleicht sonst denkt. Oft geht man davon aus, dass viele Nährstoffe gut seien für alle Pflanzen. Viele unserer Wildpflanzen mögen aber eher einen nährstoffarmen Boden, weil sie sich dort besser durchsetzen können. Weniger Nährstoffe, mehr Artenvielfalt Wenn der Boden sehr nährstoffreich ist, setzen sich andere Pflanzen durch. Dann ist alles schnell zugewachsen So haben viele Wildstauden, die nicht so konkurrenzstark sind, keine Chance. Das heißt: In einem Naturgarten würde ich nicht stark düngen oder mulchen, sondern im Zweifel einen etwas nährstoffärmeren Boden anstreben.

  4. Kann man bei Menschen allein durch Suggestion Brandblasen hervorrufen?
    11.10., 06:0000:04:27

    Solche Fälle sind dokumentiert, fast immer war dabei Hypnose im Spiel. Das Prinzip: Dem hypnotisierten Menschen wird ein kalter Gegenstand auf die Haut gedrückt, zum Beispiel eine Münze oder einfach ein Finger. Gleichzeitig wird ihm gesagt, dass es sich um etwas sehr Heißes handele, eine glimmende Zigarette zum Beispiel. Dann entwickelt die Versuchsperson an der Stelle eine Brandblase, und dies oft erst, nachdem sie längst aus der Hypnose aufgewacht ist. In anderen Variationen wird nichts auf die Haut gedrückt, sondern nur über Sprache suggeriert, dass sich die Haut verbrennt. Beliebtes Experiment im 19. Jahrhundert, aber schlecht dokumentiert Solche Experimente gab es in verschiedenen Variationen schon im 19. Jahrhundert. Allerdings sind viele dieser alten Berichte nicht so sorgfältig dokumentiert, dass man sie als wissenschaftlich sehen könnte. Ich habe eine Studie aus den 1960er-Jahren gefunden, die alle Berichte von solchen Experimenten, die es bis dahin gab, gründlich untersucht hat. Fast ein Drittel dieser Experimente konnten wissenschaftlich nicht verwendet werden, entweder weil der Versuchsaufbau nicht dokumentiert war oder weil der Hypnotiseur das Experiment allein durchgeführt hat und es keine Zeugen gab. Bei einigen weiteren Versuchen wiederum war nicht ganz klar, ob die vermeintlichen Brandblasen wirklich durch Suggestion entstanden sind, oder ob es sich nicht um ganz normale Hautirritationen gehandelt hat, die einfach durch intensive Reibung oder auch durch eine Kontaktallergie entstanden sind. Es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen Was sich ebenfalls herausstellte: Diejenigen Versuchspersonen, bei denen das Ergebnis weitgehend unstrittig ist, hatten fast alle psychische Auffälligkeiten. Sie wurden im damaligen psychologischen Vokabular als "hysterische" Persönlichkeiten dargestellt. Heute benutzt die Psychologie ein etwas differenzierteres Vokabular, aber zumindest lässt das darauf schließen, dass diese Versuchspersonen, bei denen es geklappt hat, besonders empfänglich für suggestive Botschaften waren. Zum Beispiel ist der Fall eines Patienten dokumentiert, der im Krieg schwere Verletzungen durch Granatsplitter davongetragen hat. Er sollte nun unter Hypnose dieses schreckliche Geschehen noch einmal durchleben. Dabei wurde ihm unter anderem suggeriert, er sei wieder von einem geschmolzenen Metallstück getroffen worden. Gleichzeitig hat der Hypnotiseur mit einer kleinen metallischen Feile die Haut berührt. Auch bei diesem Patienten fing die Haut zunächst an, sich zu röten. Die Hypnose wurde abgebrochen, aber im Verlauf der weiteren Stunde entwickelte sich an der entsprechenden Stelle wieder eine typische Brandblase. Kurz – und das hat sich auch in späteren Experimenten bestätigt – es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen. Bei all diesen Versuchen ging es wirklich immer nur um solche Brandblasen bzw. – um es noch vorsichtiger zu sagen – brandblasenähnliche Hautirritationen. Es wäre falsch, diese Experimente als Beispiel für alle möglichen wundersamen Manipulationen zu nehmen, also zu glauben, man könnte auf die gleiche Weise bei Menschen durch Suggestion Messerschnitte erzeugen oder spontan einen Finger brechen oder ähnliches. Gibt es eine Erklärung, wie das bei den Brandblasen funktioniert? Es gibt eine gewisse Vorstellung, die aber in keinem konkreten Fall bewiesen wurde. Natürlich ist es ein ungewöhnliches und unerwartetes Phänomen. Ein "Wunder" in dem Sinn wäre es aber nur dann, wenn man Körper und Geist als zwei völlig getrennte Wesenheiten betrachtet. Aber das sind sie ja nicht. Gerade die psychosomatische Medizin hat gezeigt, wie eng manchmal geistig-psychische Phänomene und körperliche Vorgänge zusammenhängen. Und zwar gilt das in besonderem Maße einerseits für neurologische und immunologische Vorgänge, also für alles, was mit unseren Nerven einerseits und der Immunabwehr andererseits zu tun hat. Und eine Brandblase ist letzten Endes auch so ein Vorgang. Eine Brandblase ist ja im Grunde schon eine Heilungsreaktion, die der Körper selbst in Gang setzt, um die durch die Hitze zerstörten Zellen abzustoßen und zu erneuern. Das Experiment zeigt, dass es möglich ist – zumindest bei manchen Personen – über den Umweg des Geistes dem Körper zu suggerieren, dass es an der Haut etwas zu reparieren gibt.

  5. Was ist im Herbst zu tun für Artenvielfalt im Garten?
    10.10., 06:0000:02:08

    Naturgarten: beste Pflanzzeit startet im September Tatsächlich startet im September die beste Pflanzzeit. Im Herbst ist inzwischen die Zeit, in der man am besten pflanzen kann. Im Frühjahr sind die Böden teilweise schon zu trocken. Das heißt: Sobald es ein bisschen nasser wird, öfter regnet und nicht mehr ganz so heiß ist, kann man anfangen, sich Gedanken zu machen: Was möchte ich pflanzen? Welche Wildpflanzen können meinen Garten im besten Fall ergänzen? Diese Pflanzen kann man dann sehr gut im Herbst in die Erde bringen. Das geht sogar bis in den November hinein. Solange kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, kann man Wildpflanzen auf jeden Fall pflanzen. Man kann im Herbst auch Blumenzwiebeln stecken, damit man im nächsten Frühjahr schon für die ersten früh fliegenden Insekten, zum Beispiel die ersten Erdhummeln, die unterwegs sind, etwas im Angebot hat. Die haben dann schon Hunger und freuen sich über ein paar Krokusse oder Traubenhyazinthen, die bereits blühen. Im Oktober beginnt die Zeit, in der man Gehölze zurückschneiden kann. Wir sollten ja zwischen Anfang März und Ende September wegen der Vogelbrutzeit nicht schneiden oder zumindest nur sehr eingeschränkt. Das heißt: Wenn man noch etwas schneiden will, kann man damit im Oktober beginnen. Wie "radikal" kann man den Naturgarten im Herbst aufräumen? Im Prinzip muss das Aufräumen fast gar nicht sein, aber man darf natürlich auch in einem Naturgarten im Herbst etwas tun. Wenn man Gehölze zurückschneiden will, kann man das auf jeden Fall machen. Wenn Laub liegt, gerade auf dem Rasen, kann man es gerne zu einem Haufen zusammenrechen oder unter die Sträucher legen. Das kann ein guter Überwinterungsort für Insekten und Igel sein; die freuen sich darüber. Man sollte nicht alles in die Biotonne werfen, sondern auch etwas im Garten lassen. Das ist ein guter Mulch für die Pflanzen. Das heißt: Man kann schon ein bisschen aufräumen, aber man sollte es nicht übertreiben.

  6. Warum werden Röcke fast nur von Frauen getragen?
    09.10., 12:0000:03:16

    Der Rock im heutigen Sinn kam im 15. Jahrhundert auf Röcke wurden nicht immer vor allem von Frauen getragen. Auch der Kilt – der Schottenrock – blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Mittelalter waren Röcke gängig, sowohl bei den Bauern als auch bei den Rittern. Streng genommen waren diese Waffenröcke aber eher in der Taille geschnürte Kleider bzw. überlange Hemden. Der Rock im heutigen Sinn, der erst in der Taille anfängt, kam etwa im 15. Jahrhundert auf. Hose vor allem bei den Reitervölkern verbreitet Da wegen der Einfachheit der Herstellung der Rock scheinbar selbstverständlicher ist – im einfachsten Fall ist es ein um den Leib gewickeltes Tuch – wäre es interessanter zu fragen, wie und warum die Hose ins Spiel kam. Die ist ja viel komplizierter und aufwändiger. Das allerdings weiß man nicht genau, aber sie war offenbar von Anfang an ein eher männliches Kleidungsstück. Woher das kommt – daher kann man spekulieren. Verbreitet waren Hosen offenbar vor allem bei Reitervölkern – das könnte ein Hinweis sein. In der Tat sind Hosen beim Reiten praktischer als Röcke. Und weil vermutlich die Männer bei all diesen Völkern – Skythen, Mongolen usw. – mehr auf Pferden unterwegs waren, würde dies erklären, warum es zu einem männlich assoziierten Kleidungsstück wurde. Römer hielten Hosen für unziemliche Barbarenkleidung Das heißt nicht, dass die Hose in der Geschichte immer ein Statussymbol bzw. die Kleidung der Mächtigen war. Schlagen wir nach bei Asterix: Da sind es die imperialen Römer, die die Röcke tragen, während die scheinbar so provinziellen Gallier in Hosen herumlaufen. Und so war das wirklich: Für die Römer waren Hosen letztlich unziemliche Barbarenkleidung. Daran sieht man: Das Image der Kleidungsstücke ändert sich mit der Zeit. Lange verpönt: Hosen für Frauen Wenn wir heute überlegen, warum Röcke "typisch Frau" sind, hätten wir vor fünfzig Jahren auch umgekehrt fragen können: Warum tragen nur Männer Hosen? Hosentragende Frauen galten lange Zeit als unschicklich. Noch 1970 mussten weibliche Bundestagsabgeordnete, die mit Hose oder Hosenanzug den Plenarsaal betraten, damit rechnen, aus dem Saal verwiesen zu werden. Männer in Röcken sind heute noch immer eher selten Die Frauen haben sich emanzipiert, dürfen jetzt beides tragen – bei den Männern ist es noch ungewöhnlich. Modeexperten sagen zwar, das ändere sich ein wenig, auch bei Männern kämen Röcke zunehmend in Mode – aber eine Massenerscheinung ist es offensichtlich noch nicht.

  7. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Efeu zu schneiden?
    08.10., 08:0000:01:33

    Efeu ist eine tolle heimische Pflanze, die sehr spät blüht. Das ist sehr wertvoll für Insekten, die im Spätsommer noch fliegen, weil sonst einfach nicht mehr so viel blüht. Es gibt sogar eine spezialisierte Efeu-Seidenbiene. Rückschnitt an der Fassade: brütende Vögel nicht stören Gerade an Fassaden sollte man den Efeu nicht im Sommer schneiden, weil die Gefahr besteht, dass dort Vögel brüten und man die stört. Deswegen würde ich das eher auf den Herbst verlegen, ein bisschen nach der Blüte. Der Efeu wird dann zwar nur wenige oder gar keine Beeren in dem Jahr tragen, was schade ist für die Vögel. Aber wenn die Pflanze zurückgeschnitten werden muss, dann ist das eben so. Der September ist zum Zurückschneiden noch etwas zu früh, da würde ich noch warten. Die Vögel sind da zwar nicht mehr so aktiv, was die Brutzeit angeht. Aber wenn der Efeu im Spätsommer anfängt zu blühen, würde ich warten und diese Blüten den Insekten überlassen. Im Oktober kann man den Efeu dann herunterschneiden.

  8. Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk neutral sein?
    07.10., 06:0000:06:30

    Was bedeutet "neutral"? Es wird manche überraschen, aber das steht so nirgends. Wir bekommen immer wieder Publikumspost, in der uns eine Hörerin oder ein Zuschauer vorwirft, wir würden unsere Neutralitätspflicht verletzen – wenn etwa ein journalistischer Beitrag über gesellschaftlich strittiges Thema einen bestimmten Tenor hat oder zu einem Ergebnis kommt, das manchen nicht gefällt. Dann heißt es, wir seien nicht "neutral". Liest man sich aber die juristischen Grundlagen für die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch, dann taucht das Wort "neutral" gar nicht auf. Aus guten Gründen, weil das Wort "neutral" auch ein wenig nebulös ist. Die "Neutralität" der Schweiz meint etwas anderes als die "Neutralität" des Schiedsrichters. "Neutral" kommt aus dem Lateinischen "Ne utrum", auf Deutsch: "keins von beidem". Aber was bedeutet das konkret? Versteht man unter Neutralität, dass man keine Position bezieht? Oder noch schärfer, dass man sich aus Auseinandersetzungen komplett heraushält? Oder bedeutet es nur, dass man keine Partei ergreift? Darüber kann man lang philosophieren, muss man aber in dem Fall gar nicht, weil die Rechtsgrundlagen, die den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definieren, genauere Begriffe verwenden als "Neutralität" . Kurz, welche sind das? Das ist zum einen der Medienstaatsvertrag, der zwischen allen Bundesländern geschlossen wurde. Daneben gibt es Staatsverträge bzw. Gesetze für die einzelnen Rundfunkanstalten. Zum Beispiel gibt es für den Südwestrundfunk, den SWR, einen Staatsvertrag zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Wie muss der ÖRR berichten? Da steht nichts von Neutralität, aber dort stehen andere Begriffe, die präziser sind. Beispielsweise steht im Medienstaatsvertrag, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Gewährleistung einer "unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung" verpflichtet sind. Sie sollen die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit" achten. Und "in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen." Staatsvertrag des SWR führt die Pflichten weiter aus Ähnliche Begriffe finden sich im Staatsvertrag des SWR. Dort heißt es, Berichterstattung und Informationssendungen sind "gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein." Und es heißt: "Die Redakteurinnen und Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet." Pflicht zur Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Berichterstattung Und diese Begriffe sagen ja eigentlich viel klarer, worum es geht. Wenn wir es aufdröseln, fordert der Auftrag somit also zunächst Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht abhängig sein vom Staat, von einer Regierung, von Parteien oder anderer Interessengruppen. Niemand soll durch großzügige Spenden oder umgekehrt politischer Einflussnahme die Berichterstattung beeinflussen dürfen. Einfacher gesagt: Der Auftrag fordert nicht Neutralität, sondern zunächst vor allem Unabhängigkeit der Berichterstattung. Das bedeutet aber nicht, dass die, die dort arbeiten, einfach machen können, was sie wollen und ihre eigenen Interessen propagieren, denn – und das war ja das andere Begriffscluster – die Berichte sollen wahrheitsgetreu, sachlich und objektiv sein. Wenn man also schon mit "neutral" kommt, entspricht die gebotene Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher der der Schiedsrichters - unabhängig, unparteiisch, aber gleichzeitig beauftragt, zu "sagen, wie es wirklich ist". Schiedsrichter werden oft auch als die "Unparteiischen" bezeichnet - so gut wie nie aber als "die Neutralen". Aus guten Gründen - den gleichen Gründen, weshalb der Begriff auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk missverständlich sein könnte. Warum Schiedsrichter nur bedingt "neutral" sind Neutralität könnte ja so verstanden werden, dass die Berichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keine Position beziehen und zu keinem Ergebnis kommen dürften, das etwa einer Partei besser gefällt als einer anderen. Das dürfen sie aber sehr wohl, vorausgesetzt, die Berichte sind wahrheitsgetreu und objektiv. Wenn der ehemalige US-Präsident Donald Trump behauptet, er habe die Wahl 2020 gewonnen, dann darf ich als öffentlich-rechtlicher Journalist sagen, dass er dafür noch keine Belege vorgelegt hat. Ich berichte dann zwar nicht "neutral" in dem Sinn, denn ich nehme ja sehr wohl eine inhaltliche Bewertung von Trumps Behauptung vor. Das tue ich aber unabhängig und wahrheitsgetreu. Und das ist auch in Ordnung. Wann ist Berichterstattung "ausgewogen"? Oder: Wenn Politikerin X behauptet, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Politiker Y behauptet das Gegenteil, wenn sich die überwältigende Mehrheit in der Wissenschaft einig ist, dann ist der Auftrag, dass wir uns an der Wissenschaft orientieren und nicht aus falsch verstandener "Neutralität" beide Positionen als gleichberechtigt darstellen. Denn das wäre false balance – eben: falsche Ausgewogenheit. Da bin ich beim nächsten Schlüsselbegriff. Ausgewogenheit steht tatsächlich auch im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn da sonst nichts weiter stehen würde, könnte man "Ausgewogenheit" so verstehen, als müssten alle Beiträge immer alle erdenklichen Meinungen wiedergeben. Dass das aber nicht gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Passagen genauer anschaut. Im Medienstaatsvertrag heißt es, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen. Hier bezieht sich die Ausgewogenheit erstmal auf die Themenauswahl. Es gibt viele Themen, die interessant und wichtig sind, die soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgewogen abbilden. Und es gibt zu diesen Themen jeweils verschiedene Meinungen, die ebenfalls ausgewogen abgebildet werden müssen. Was heißt das nun wieder? Ausgewogenheit im Gesamtangebot, nicht in jedem einzelnen Beitrag Im Staatsvertrag für den Südwestrundfunk heißt es: "In allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind die verschiedenen Auffassungen im Gesamtangebot ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen." Wichtig ist dabei das Wort Gesamtangebot: Das heißt, nicht jeder einzelne Beitrag muss alle Auffassungen zu Wort kommen lassen, sondern die Forderung richtet sich an die Summe der Beiträge. Deshalb darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch sehr pointierte Kommentare senden, also ausgewiesene Meinungsbeiträge, die für sich genommen vielleicht als einseitig erscheinen können – entscheidend ist aber eben das Gesamtangebot. Und es steht ja nicht nur "ausgewogen" da, sondern auch "angemessen". Mit anderen Worten: Nicht jede Auffassung muss im gleichen Maße abgebildet werden. Die Einzelmeinung eines politischen Hinterbänklers verdient deshalb nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die einer Ministerin oder eines Fraktionschefs der Opposition, die ja als Teil einer Regierung sprechen oder eben die Haltung ihrer Partei wiedergeben. Und genauso ist es "angemessen", dass Positionen, die sich auf Fakten und auf Wissenschaft stützen, im Programm berücksichtigt werden und eine unbelegte Verschwörungserzählung gar nicht. Das mag, je nach Sichtweise, nicht "neutral" sein, aber es ist wahrheitsgetreu, sachlich, objektiv, und es ist trotzdem ausgewogen und angemessen.

  9. Wie groß muss eine Kugel sein, auf der alle Menschen stehen können?
    06.10., 08:4000:01:57

    Die erste Frage dazu ist: Wie dicht gedrängt würden die Menschen stehen? Standardmäßig rechnen Behörden, zum Beispiel bei Pop-Konzerten oder auch in der U-Bahn, mit 2 bis 4 Menschen pro Quadratmeter. Bei sehr dichtem Gedränge – zum Beispiel in einer Gondel im Skigebiet oder im Bus morgens zur Hauptverkehrszeit – können bis zu 8 Menschen auf einem Quadratmeter Platz haben. 4 Personen pro Quadratmeter: Erddurchmesser von 25 km würde genügen Rechnen wir etwas komfortabler mit vier Personen pro Quadratmeter – das ist immer noch gedrängt genug. Auf der Welt leben heute rund 8 Milliarden Menschen – die würden dann eine Fläche von 2 Milliarden Quadratmetern beanspruchen. Das klingt riesig – aber wie groß ist nun die dazugehörige Kugel? Das lässt sich leicht ausrechnen. Denn wenn r der Radius einer Kugel ist, dann beträgt die Oberfläche 4πr². Wenn man nun die Fläche kennt, kann man die Formel entsprechend umstellen und die Größe der Kugel errechnen. Heraus kommt: Sie hätte einen Durchmesser von etwa 25 km. Dort gäbe es zwar nichts zu essen und zu trinken und für die Entsorgung der Notdurft müsste man sich auch etwas einfallen lassen, aber rein vom Platz her ginge das. Anderseits: Die reale Erde mit ihren 12.000 Kilometern Durchmesser ist bis auf Weiteres vielleicht doch etwas gemütlicher.

  10. Was passiert bei einem Tinnitus im Ohr?
    05.10., 06:0000:03:11

    Von der Schallwelle zum Nervensignal Hinter einem Tinnitus steckt meist eine Störung im Innenohr. Aber fangen wir von vorne an: Wie funktioniert Hören? Von außen gelangen Schallwellen in unser Ohr. Im Gehirn kommen aber keine Schallwellen an, sondern elektrische Nervensignale. Irgendwo müssen also die Schallwellen in Nervensignale übersetzt werden. Das passiert im Innenohr. Dafür sind die Hörsinneszellen zuständig: Sie verwandeln akustischen Schall – also Luftbewegungen – in ein elektrisches Signal. So wie ein Telefonhörer: Der verwandelt auch Schallwellen in elektrische Wellen, um sie dann durch die Telefonleitung weiterzuleiten. Am anderen Ende der Leitung werden diese elektrischen Wellen rückübersetzt in Schallwellen. Tinnitus: Wenn Nervenzellen grundlos "feuern" Auch wenn es im Ohr anders aussieht als in einem Telefonhörer – das Prinzip ist ähnlich. Bei dieser Übersetzung kann es aber zu Fehlern kommen. Das heißt, wenn es an dieser Schnittstelle zwischen Schall und "Elektrik" auch nur zu kleinen Störungen kommt, kann es passieren, dass sich die Signale verselbständigen. Dann feuern die Nervenzellen, ohne dass es ein akustisches Eingangssignal gab. Es gibt aber neben dem Innenohr noch eine zweite Schnittstelle, nämlich im Gehirn selbst. Um einen Höreindruck zu bekommen, muss das Gehirn auch die eingehenden elektrischen Nervensignale interpretieren, das heißt, einen bestimmten Wahrnehmungseindruck erzeugen: "Wenn die und die Hörnerven feuern, dann interpretiere ich das für mich als Klingeln, Rasseln, Summen oder Rauschen." – Auch an dieser zweiten Schnittstelle kann es Störungen geben, sodass das Gehirn eingehende Signale überinterpretiert und einen Höreindruck aus dem Nichts erzeugt. Mögliche Ursachen: Hörschäden durch laute Musik Ein Grund für einen Tinnitus kann ein Hörschaden sein. Ein Beispiel: Jemand hat zu laut Musik gehört und damit seine Hörsinneszellen geschädigt. Das Gehirn merkt nun: "Bestimmte Töne oder Frequenzen kommen offenbar nicht mehr bei mir an – oder nur viel schwächer als sonst." – Das Gehirn versucht dann, das auszugleichen und interpretiert in die schwachen Signale etwas hinein, was gar nicht da ist. Es dreht seinen "inneren Verstärker" auf und lässt Höreindrücke entstehen, die keinen Bezug haben zu irgendwelchen äußeren Schallquellen. Das ist der seltenere Fall, aber der unangenehmere. Denn wenn das Gehirn selbst diese Störungen erzeugt, handelt es sich meist um einen chronischen Tinnitus. Die Störungen im Innenohr dagegen – bei der Übersetzung von Schall in Nervenimpulse – gehen meist nach einer Weile wieder weg.

  11. Wie definiert die Wissenschaft Klimawandel?
    04.10., 06:0000:02:55

    Klima: langjähriges Mittel der meteorologischen Verhältnisse Eine beliebte Frage, die uns gerade von "Klimaskeptikern" immer wieder gestellt wird, oft verbunden mit dem Hinweis, dass der Klimawandel doch ein Hirngespinst sei – schon allein, weil er sich wissenschaftlich gar nicht sauber "definieren" lasse. Das stimmt aber nicht. Richtig ist: Es gibt keine "Formel" und keinen "Schwellenwert" in dem Sinn, dass man etwa sagen würde: "Ab 0,5°C Erwärmung liegt Klimawandel vor". Das hängt damit zusammen, dass sich Klimawandel nicht so leicht messen lässt wie Blutdruck oder Fieber. Es ist ja eine abstrakte Größe. Klima ist definiert als das langjährige Mittel der meteorologischen Verhältnisse – in einer Region oder weltweit. Die wichtigsten Faktoren sind dabei Temperatur und Niederschlag (man kann auch noch den Wind dazunehmen) – und wie sie sich jeweils übers Jahr verteilen. Das ist wichtig: In zwei Orten A und B kann übers Jahr genauso viel Regen fallen – aber in Ort A verteilt sich der Regen gleichmäßig übers Jahr, im anderen geht alles innerhalb eines Monats runter. Dann handelt es sich um zwei unterschiedliche Klimate. Was heißt "langjährig" genau? Der Weltklimarat legt sich hier nicht genau fest, sondern spricht von mehreren Jahrzehnten oder länger. Denn wenn mal ein Jahr wärmer ist als das vorherige, ist das noch kein "Klimawandel". Ein üblicher Zeitraum, mit dem man oft rechnet, sind 30 Jahre. Wenn ich also feststelle, in den letzten 30 Jahren hat es in Mallorca weniger geregnet als in den 30 Jahren zuvor, dann kann ich von einem Klimawandel auf Mallorca sprechen. Aber die 30 Jahre sind auch nicht in Stein gemeißelt; je nach Fragestellung kann es sinnvoll sein, auch kürzere oder längere Zeiträume zu betrachten. Man muss es dann nur jeweils offen sagen, wie man rechnet. Es ist auch nicht so, dass es definierte 30-Jahres-"Perioden" gibt. Die Klimaforscher haben vielmehr statistische Methoden, um auch aus einer Reihe von Jahreswerten die langfristigen Trends herauszulesen. Klimawandel: statistisch nachweisbare dauerhafte Änderung Wenn man das alles zusammenfasst, dann erhält man die Definition für Klimawandel, die auch der Weltklimarat verwendet. Demnach liegt Klimawandel dann vor, wenn sich die Durchschnittswerte und die Schwankungsbreite der genannten Größen – Temperatur, Niederschlag, Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern. Diese Definition des Klimawandels sagt übrigens noch nichts über die Ursachen aus – also ob ein Klimawandel natürlich oder vom Menschen gemacht ist. Vieles spricht dafür, dass der Mensch einen starken Anteil hat an der Erwärmung. Aber das ist nicht Teil dieser Definition. Wird durch die Uneindeutigkeit der Definition die These vom Klimawandel angreifbar? Nein. Es gibt viele Begriffe, die wissenschaftlich nicht eindeutig und scharf definiert sind: "Pubertät" ist so ein Wort, aber auch für einen Begriff wie "Sommeranfang" gibt es bekanntlich mehrere Definitionen. Für die Astronomen beginnt der Sommer am 21. Juni. Für die Meteorologen aber schon am 1. Juni. Und dann gibt es noch den phänologischen Sommeranfang, der sich von Jahr zu Jahr ändert, je nachdem, wie weit die Natur wetterbedingt ist. Nun kommt aber niemand auf die Idee zu sagen: Pubertät und Sommer wären Hirngespinste, nur weil es verschiedene Definitionen gibt. Genauso kann man sinnvoll über Klimawandel sprechen und zum Beispiel zeigen, dass es im langjährigen Mittel heute auf der Erde ungefähr 1 Grad wärmer ist als in einem entsprechenden Zeitraum vor 200 Jahren.

  12. Warum ändert Rotkohl seine Farbe je nach Zutat?
    03.10., 06:0000:02:40

    Rotkohl enthält den Farbstoff Cyanidin. Diese Substanz kommt in sehr vielen Pflanzen vor, vor allem in roten und blauen: Himbeeren, Heidelbeeren, Hibiskus, Johannisbeeren, Kirschen, Trauben. Also alles, was lila oder auch dunkelrote Flecken erzeugt, enthält Cyanidin. Und eben auch Rotkohl. Farbe hängt vom Säuregrad der Umgebung ab Bei dieser Aufzählung fällt aber auf: Derselbe Farbstoff ist offenbar mal für das Rot der Himbeeren, mal für das Blau der Blaubeeren verantwortlich. Wie ist das möglich? Die Antwort ist, dass dieser Farbstoff seine Farbe je nach dem Säuregrad der Umgebung verändert. Fast alle Farben des Regenbogens sind möglich Chemisch neutraler Rotkohlsaft ist blauviolett. Gibt man Säure dazu, färbt er sich rötlich. Und zwar umso rötlicher, je saurer die Mischung wird. Gibt man ordentlich Essig dazu, wird der Saft leuchtend rot. Umgekehrt gilt: Versetzt man ihn mit alkalischen Lösungen, etwa mit Seifenwasser, Backpulver oder Natronlauge, wird aus dem Blau erst ein Grün und dann ein Gelb. So kann man aus Rotkohlsaft fast alle wesentlichen Farben des Regenbogens erzeugen. Chemisch gesehen entsteht der Farbwechsel durch winzige Verschiebungen im molekularen Aufbau des Farbstoffs. Cyanidin ist ein komplexes organisches Molekül mit 15 Kohlenstoffatomen, an denen wiederum verschiedene Wasserstoff- und Sauerstoffatome dranhängen. Die Farbänderung entsteht dadurch, dass in einer sauren Umgebung das Molekül einen zusätzlichen Wasserstoffkern – also ein Proton – an sich bindet. Umgekehrt gibt in einer basischen Umgebung der Farbstoff ein Proton an die Umgebung ab. Und schon durch eine solch kleine Änderung verändert sich die Farbe. Selbst ohne Essig kann Rotkohl farblich variieren. Das hängt nämlich auch vom Boden ab. Ein eher rötlicher Rotkohl weist darauf hin, dass der Kohl auf einem eher sauren, also zum Beispiel auf einem sandigen Boden gewachsen ist. Sind die Blätter eher bläulich, stammt er möglicherweise von einem kalkhaltigen Boden, denn solche Böden sind basischer. Und so kommt es, dass dasselbe Gemüse mal Rotkohl und mal Blaukraut heißt – und trotzdem alle recht haben.

  13. Warum sind Schaumblasen in der Badewanne stabiler als Seifenblasen?
    02.10., 06:0000:04:08

    Seifenblasen sind Einzelgänger, Schaumblasen treten im Verbund auf Schaum- und Seifenblasen sind physikalisch das gleiche Phänomen. Der Unterschied liegt darin, dass man bei Seifenblasen vor allem an die isolierten Blasen denkt, die Kinder durch Pusten herstellen oder die von einer Seifenblasenmaschine erzeugt werden. Dagegen sind im Schaum die Seifenblasen in einem Verbund und hängen mit vielen anderen Seifenblasen zusammen. Um zu verstehen, warum es Seifenblasen überhaupt gibt und warum sie zerplatzen, muss man sich klarmachen, wie sie aufgebaut sind. Die Wand einer Seifenblase besteht aus drei Schichten. In der Mitte besteht sie aus Wasser. Das Wasser wird aber außen und innen umhüllt von den Tensiden – d.h. von den Seifenmolekülen. Also eine Sandwich-Struktur, bei der das Wasser durch die Tensidschicht eingeschlossen, quasi in Schach gehalten wird und daran gehindert wird, einen Tropfen zu bilden oder andere Dinge zu benetzen. Warum platzen Seifenblasen? Seifenblasen zerfallen ganz natürlich, wenn die Seifenflüssigkeit langsam nach unten läuft. Die Blase wird dadurch oben immer dünner und irgendwann reißt sie. Die andere Möglichkeit ist durch Berührung. Wenn ich mit dem Finger eine Seifenblase berühre, passiert Folgendes: Sobald der Finger die äußere Tensidschicht durchdringt, kommt er direkt mit der Wasserschicht in Berührung. Wegen seiner Oberflächenspannung "schmiegen" sich die Wassermoleküle aber an den Finger, sie benetzen ihn – ähnlich wie wenn man einen Finger auf eine Wasseroberfläche legt – und verdrängen dadurch die Tensidmoleküle. Oder die Tensid-, also die Seifenmoleküle, fließen dem Wasser, das den Finger benetzt, hinterher und reißen hinter sich ein Loch auf. So oder so, am Ende reißt die Wand auf und bringt die Blase zum Platzen. Wie empfindlich eine Seifenblase ist – das wissen wir alle – hängt auch davon ab, wie dick die Wand der Blase ist. Deswegen sind – wenn man Seifenblasen bläst – die großen Blasen empfindlicher, weil dort die gleiche Menge Seifenflüssigkeit ein größeres Volumen umschließt, dadurch ist die Wand zwangsläufig dünner. Genau wie Luftballons immer empfindlicher werden, je mehr man sie aufbläst. Schaumblasen: kleiner, dickere Tensidschicht, nicht isoliert Chemisch gesehen sind Schaumblasen und normale Seifenblasen ähnlich aufgebaut, aber es gibt ein paar Faktoren, warum sie gegen Berührungen weniger empfindlich sind. Zum einen sind sie in der Regel kleiner, nicht so aufgeblasen, dadurch sind die Wände dicker. Vor allem aber sind beim Schaum die Blasen nicht isoliert, sondern hängen mit ganz vielen anderen Blasen zusammen. Die gesamten Seifenmembranen im Schaum bilden letztlich eine große Oberfläche, über die sich die Seifenflüssigkeit verteilen kann. Wenn man an einer Stelle eine Schaumblase berührt und die Oberfläche infolgedessen etwas dünner wird, dann gibt es im Schaum immer noch genügend Nachschub an Seifenwasser. Deshalb sind die Schaumblasen insgesamt weniger empfindlich gegenüber Berührungen. Es ist aber nicht immer so, dass Seifenblasen sofort zerplatzen, wenn man sie berührt. Es gibt Varieté-Nummern, wo die Künstler oder Clowns mit Seifenblasen jonglieren – diese Blasen haben eine dickere Wand. Seifenblasen halten es sogar aus, wenn ein Regentropfen durch sie durchfällt.

  14. Warum heißt es DIE Donau, aber DER Rhein? Wovon hängt das Geschlecht von Flüssen ab?
    01.10., 12:1500:02:10

    Was das Geschlecht von Flussnamen betrifft, ist die wichtigste Regel im Deutschen, dass es keine Regel gibt – anders als zum Beispiel im Lateinischen, wo die Flüsse grundsätzlich männlich sind, wo auch die Donau "Danuvius" heißt. Ach und au: Auf die Endung achten! Im Deutschen hängt das Geschlecht von mehreren Dingen ab. Etwa davon, ob in dem Flussnamen vielleicht ein anderes Wort steckt. Zum Beispiel enden viele Flüsse im süddeutschen Raum auf "ach" wie die Schwarzach, die Wutach oder die Salzach. Die sind weiblich, weil die Ach ein altdeutscher Ausdruck für Fluss ist. Die Schwarzach ist also nichts anderes als der schwarze Fluss. Ähnlich die Donau: In ihr steckt die gleiche Wurzel wie im russischen Fluss Don, nämlich das indogermanische Wort "Duna", "Fluss". Und die Don-Aue ist also die Aue des Flusses. Und weil die Aue weiblich ist, ist es auch die Don-au. Kelten, Römer, Germanen – alle hinterließen Spuren Das zeigt auch, dass die Namen unserer Flüsse aus ganz unterschiedlichen Epochen kommen. Kelten, Römer, Germanen – alle waren sie hier. Und je nachdem, wer einem Fluss den Namen gab, dessen Spuren haben sich gehalten. Die Germanen haben den Flüssen meist weibliche Namen gegeben, die Römer eher männliche, weil zumindest die großen Flüsse gern mit Göttern in Verbindung gebracht wurden. Je nach Land: Flüsse wechseln das Geschlecht Beim Rhein ist nicht ganz klar, ob der Name und somit auch das männliche Geschlecht von den Römern eingeführt wurde – eben als Rhenus – oder schon zuvor von den Kelten. Es gibt Flüsse, die in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Namen und unterschiedliche Geschlechter haben. Die französische Rhône ist im Deutschen weiblich, im französischen männlich: Le Rhône. Und in der deutschsprachigen Schweiz, also im Oberwallis, heißt sie Rotten – und ist ebenfalls männlich: der Rotten. Ähnlich die slowenische Soča, die aus den slowenischen Bergen nach Italien fließt und zum männlichen Isonzo wird. Danke an Prof. Konrad Kunze

  15. Wie entstehen Fruchtfliegen?
    30.09., 07:0000:02:37

    Fruchtfliegen gedeihen auf reifem Obst Fruchtfliegen, auch Obstfliegen genannt, gedeihen vorzugsweise auf reifem oder sogar fauligem Obst. Dort legen sie ihre Eier ab – das unterscheidet sie von normalen Stubenfliegen, die hauptsächlich draußen nisten, entweder auf den Überresten toter Tiere, also Aas, oder auf den Ausscheidungen lebendiger Tiere: Hundehaufen, Pferdeäpfeln oder ähnlichem. Die Fruchtfliegen dagegen lieben das Obst und deponieren dort oft mehrere Hundert Eier. Diese Eier bringen wir zwangsläufig mit ins Haus, wenn wir Obst kaufen oder pflücken. Larve geschlüpft – und in 10 Tagen ist die neue Fliege fertig Die Entwicklung ist eine Frage der Temperatur. Je wärmer es ist, desto schneller entwickeln sich aus den Larven die fertigen Fliegen. Bei 25 Grad schlüpft nach einem Tag eine Larve. Sie wächst, häutet sich und macht dann verschiedene Stadien durch. Innerhalb von 10 Tagen entwickelt sie sich zur fertigen Fliege weiter. Fruchtfliegen gibt es deshalb auch das ganze Jahr über. Allerdings führen verschiedene Faktoren dazu, dass sie gerade im Herbst vermehrt auftreten: Erstens gibt es dann viel frisches und vor allem reifes bis überreifes Obst. Und darüber hinaus sind im Herbst die Temperaturen oft mild, manchmal sogar noch richtig warm. Das bewirkt, dass sich der gesamte Lebenszyklus der Fruchtfliegen beschleunigt. Die Kombination aus beidem bedeutet im Ergebnis: viele, viele Fruchtfliegen im Herbst. Fliegen vermeiden: Obst nicht offen herumstehen lassen – oder Essigfalle aufstellen Um Fruchtfliegen zu vermeiden, sollte man kein Obst, keine Obstreste und Kompostabfälle offen herumstehen lassen. Ebenso wenig Teller und Besteck, an denen Obstsaftreste kleben – denn auch die ziehen Fliegen an. Ansonsten wird immer wieder ein Hausrezept genannt: Ein Glas oder eine Schale mit verdünntem Essig aufstellen – der lockt die Fliegen an. In den Essig gibt man einen Tropfen Spülmittel, sodass die Oberflächenspannung reduziert wird und die Fliegen nicht mehr herauskommen.

  16. Was treibt Hamster ins Hamsterrad?
    17.09., 06:0000:03:00

    Nagetiere laufen sehr viel Kurze Antwort. Der Bewegungsdrang. Wilde Goldhamster müssen in der freien Natur ziemlich viel laufen. Sei es, um Nahrung zu suchen, um vor Feinden wegzulaufen oder auf der Suche nach einem Partner. Das ist auch nicht nur bei Hamstern so, sondern bei praktisch allen Nagetieren. Es gibt auch Laufräder für Meerschweinchen. Dass man trotzdem meistens vom Hamsterrad spricht, liegt vor allem daran, dass Laufräder für andere Nager nicht so verbreitet sind. Das wiederum kommt vor allem daher, dass andere Nagetiere größer sind und größere Laufräder bräuchten. Wenn man ein Meerschweinchen in ein Hamsterrad setzen würde, wäre es dauernd im Hohlkreuz.Das wäre nicht so gesund. Dass der Bewegungsdrang in der Natur der Tiere liegt, kann man auch experimentell zeigen. Wenn man Hamstern eine Laufradattrappe zur Verfügung stellt – ein Rad, das sich gar nicht dreht – dann fangen sie irgendwann an, am Gitter des Laufstalls zu nagen oder versuchen gar, hochzuklettern. Das kann man als Ausbruchsversuch deuten, zumindest aber als ein Zeichen, dass sich das Tier nicht wohlfühlt. Laufen ist kein Suchtverhalten Die Vermutung, das Laufen könnte ein Suchtverhalten sein, ist inzwischen widerlegt. Wäre es ein Suchtverhalten, würden die Tiere zum Beispiel mehr laufen als ihnen guttut – das ist ein typisches Merkmal von Sucht. Das tun sie aber nicht; sie können auch mal aufhören. Nun könnte man sagen: Wenn sie aufhören, dann vielleicht nur deshalb, weil sie schlapp sind und einfach nicht mehr können. Stimmt aber auch nicht. Auch dazu gibt es Versuche. Wenn man nämlich die Tiere stresst, indem man zum Beispiel ein Frettchen in ihrer Sichtweite positioniert – Frettchen sind natürliche Fressfeinde – dann laufen sie besonders viel, wie in der Natur auch. Das heißt aber im Umkehrschluss: Wenn sie mal aus dem Laufrad aussteigen, dann nicht, weil sie nicht mehr können, sondern weil ihr Bewegungsdrang gestillt ist. Ähnlich wie wenn Menschen einen Spaziergang beenden – Spazierengehen macht ja in der Regel auch nicht süchtig. 30.000 Umdrehungen pro Nacht – 20 bis 30 Kilometer Wenn ein Tier in einem Hamsterrad bis zu 30.000 Umdrehungen in der Nacht zurücklegt und man das umrechnet, sind es 20 bis 30 Kilometer. Weibchen laufen während ihres Eisprungs mehr – auch das liegt in ihrer Natur, denn in der freien Wildbahn würden sie sich auf Männersuche begeben. Wenn sie aber Junge haben, interessiert sie das Laufrad gar nicht. In der Natur würden sie sich auch um den Nachwuchs kümmern, statt durch die Landschaft zu laufen. Dank an: Sabine Gebhardt, Universität Bern

  17. Werden die Tage zwischen Sommer und Winter gleichmäßig kürzer?
    11.09., 06:0000:04:19

    Nein: Die Tage werden am Anfang langsam kürzer, dann schneller, dann wieder langsamer. Am längsten hell ist es zur Sommersonnenwende – also am 21. Juni. Da vergehen von Sonnenaufgang bis Untergang 16 Stunden und 12 Minuten. Das andere Extrem ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember, da dauert der Tag 8 Stunden und 13 Minuten. Keine regelmäßige Verkürzung oder Verlängerung Der Unterschied zwischen der Tageslänge im Sommer und im Winter beträgt also etwa 8 Stunden. Wäre dieser Übergang gleichmäßig, würden die Nächte also stetig immer länger, sähe die Rechnung so aus: Das halbe Jahr zwischen Sommer und Winter hat 182 Tage. In diesen 182 Tagen nimmt die Tageslänge um 8 Stunden ab. Würde das gleichmäßig passieren, wären das etwas mehr als 2 ½ Minuten pro Tag. – Und nach dem 21. Dezember würden die Tage dann genauso gemächlich wieder zunehmen. So ist es aber nicht. Tatsächlich ist es wie folgt: Um die Sommer- bzw. Wintersonnenwende herum, also Ende Juni und Ende Dezember, ändern sich die Tageslängen nur langsam, nämlich pro Tag jeweils um etwa 1 Minute. Dagegen kommt in der Zeit um den Herbstanfang herum, also Ende September, die Dunkelheit in schnellen Schritten. Dann werden die Nächte – Nacht für Nacht – knapp 4 Minuten länger. Diese Angaben beziehen sich auf unsere Breiten, also Südwestdeutschland. Weiter im Norden sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter noch ausgeprägter. Aber die Änderungen erfolgen nach dem gleichen Muster: Langsam, schnell, langsam. Erkennbares Muster: langsam, schnell, langsam Dieses Muster – langsam, schnell, langsam – ist wie eine Pendelbewegung. Ein Pendel ist am oberen und unteren Wendepunkt langsam. Und am schnellsten ist seine Bewegung genau in der Mitte zwischen diesen beiden Punkten. Das gleiche Muster finden wir bei einer schwingenden Feder, an der ein Gewicht hängt. Auch hier ist die Bewegung an den Wendepunkten langsam und zwischendurch schnell. Das ist ein typisches Schwingungsmuster – und entsprechend "schwingen auch die Tageslängen", sie pendeln hin und her. Die Tageslängen hängen eng damit zusammen, wie hoch die Sonne am Himmel steht. Im Sommer steht die Sonne mittags steil am Himmel, im Winter flach. Auch diese Veränderung ähnelt einem schwingenden Pendel. Angenommen, man könnte immer mittags um 12 an die Stelle, wo die Sonne dann steht, einen „Punkt am Himmel machen“, und das über die ganze Zeit zwischen Sommer und Winter. Dann würde man sehen, dass die Punkte unmittelbar nach dem 21. Juni sehr dicht beieinander liegen, d.h. Ende Juni, Anfang Juli ändert sich der Sonnenstand nur wenig. Dann aber werden die Abstände immer größer, und besonders groß sind sie zu Herbstanfang am 23. September. Das heißt, um diese Zeit nimmt der Sonnenstand sehr schnell ab, und entsprechend schnell verkürzen sich dann auch die Tage. Mathematisch gesehen entspricht das dem Muster einer Sinuskurve. Kreisbewegung der Erde um die Sonne als Ursache Die Ursache liegt in der Kreisbewegung der Erde um die Sonne. Sommer und Winter entstehen ja, weil die Erdachse geneigt ist; bei der Umkreisung der Sonne wird mal die Nord- und mal die Südhalbkugel stärker angestrahlt. Es ist eine Art Spiel mit Licht und Schatten. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Sie haben eine Kurbel. Diese Kurbel wird von der Seite angestrahlt, sodass sie einen Schatten an der Wand erzeugt. Die Kurbel bewegt sich gleichförmig im Kreis. Doch der Schatten – die Projektion der Kurbel – bewegt sich wie eine Feder hoch und runter. Auch hier entsteht also dieses Muster. Die Entstehung von Tag und Nacht bzw. Winter und Sommer durch die Drehung um die Sonne ist räumlich ein wenig komplizierter – aber im Grunde ist es dasselbe Spiel von Licht und Schatten im Zusammenhang mit einer Kreisbewegung. Und so entsteht auch hier diese Pendeldynamik.

  18. Bei einer totalen Sonnenfinsternis deckt der Mond genau die Sonne ab – Zufall?
    09.09., 16:0000:03:26

    Ja. Von der Erde aus betrachtet sind Mond- und Sonnen-"Scheibe" fast gleich groß – sodass sich der Mond bei einer Sonnenfinsternis meist gerade so über die Sonne schiebt. Der besondere Effekt dabei ist, dass die Sonne zwar bedeckt ist, dafür aber die Korona der Sonne – also die rötlich leuchtende äußere Atmosphäre der Sonne – erkennbar wird. Die kann man mit guten Kameras beobachten. Aber diese "Deckungsgleichheit" von Mond und Sonne ist Zufall. Es ist auch nicht immer so: Neben den totalen Sonnenfinsternissen gibt es auch ringförmige Sonnenfinsternisse. Dann deckt der Mond die Sonne nicht vollständig ab – selbst, wenn er genau in einer Linie steht – sondern die Sonne scheint rings herum an ihm vorbei und bildet eine Art Feuerkranz. Wieso ist das von Mal zu Mal unterschiedlich? Der Mond kann ja seine Größe nicht plötzlich ändern. Das liegt daran, dass weder der Mond auf einer perfekten Kreisbahn um die Erde kreist, noch die Erde auf einer perfekten Kreisbahn um die Sonne. Die Umlaufbahnen sind Ellipsen. Im Winter zum Beispiel ist die Erde näher an der Sonne als im Sommer. Ebenso ist der Mond mal näher an der Erde und mal etwas weiter weg. Wenn der Mond gerade nahe an der Erde ist, erscheint er aus Sicht eines Beobachters größer und deckt bei einer Sonnenfinsternis mehr von der Sonne ab. Ist er weiter weg und gleichzeitig die Sonne relativ nah, dann überstrahlt die Sonne den Mond und es kommt zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Es gibt sogar – wenn auch sehr selten – den Fall, dass beides auf einmal vorkommt: Eine ringförmige Sonnenfinsternis geht dann für ein paar Sekunden in eine totale über. Es sieht dann fast so aus, als würde der Mond einmal tief "ein- und ausatmen". Dass so etwas passieren kann, liegt an der Wölbung der sich drehenden Erdoberfläche. Phobos und Deimos: Monde des Mars sind zu klein für eine totale Sonnenfinsternis Insofern kann man sagen: Die Mondscheibe ist am Himmel nicht immer genauso groß wie die Sonnenscheibe – aber der Mond hat für uns wirklich die perfekte Größe, um diese Vielfalt der Erscheinungen zu ermöglichen. Aber das ist absoluter Zufall. Das kann man sehr schön im Vergleich zum Mars sehen. Der Mars hat ja gleich zwei Monde – Phobos und Deimos – die aber beide viel zu klein sind, um jemals auf dem Mars eine totale Sonnenfinsternis zu erzeugen. Wenn es Marsmenschen gäbe, würden sie immer nur partielle Sonnenfinsternisse sehen.

  19. In welchem Monat sterben die meisten Menschen?
    01.09., 06:0000:02:03

    Überdurchschnittlich viele Sterbefälle im Winter In Deutschland gibt es die meisten Sterbefälle normalerweise im Winter, zwischen Dezember und März. Ich habe einige Leute raten lassen: Fast alle, die ich gefragt habe, vermuten die Höchstwerte spontan im November – vielleicht, weil sie damit den Totensonntag und Allerheiligen verbinden oder weil der November als besonders trister Monat gilt. Doch der November ist im Großen und Ganzen eher ein durchschnittlicher Monat. Erst danach steigen die Todesfälle an. Die höchste Sterberate verzeichnet der Februar, zumindest im langjährigen Mittel: Da rechnet die Bestattungswirtschaft mit fast 10 Prozent mehr Todesfällen als im Durchschnitt. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im Spätsommer dagegen, also im August und September, liegt die Sterberate besonders niedrig: 7 Prozent unter dem Durchschnitt. Verschiebung in den Corona-Wintern Das, wie gesagt, sind die langfristigen Trends. Speziell in den "Corona-Wintern" 2020/21 sowie 2021/22 zeigt sich in den Zahlen allerdings eine leichte Verschiebung nach vorne, da war auch im November schon ein deutlicher Anstieg erkennbar, und die Höchstwerte traten im Dezember und Januar auf. Doch inzwischen sind die Verhältnisse wie vor Corona, mit den meisten Todesfällen im ersten Quartal des Jahres. Körper ist in den Wintermonaten anfälliger Wie erklärt sich die Häufung im Winter? Bei den meisten Todesfällen spielt die Jahreszeit keine Rolle. Die bilden einen Durchschnitt, der das ganze Jahr über gleich ist. Im Winter kommen aber einige Sterbefälle hinzu. Das sind vor allem Menschen, die ohnehin schon angeschlagen sind und denen das Winterwetter dann besonders zu schaffen macht. Es gibt mehr Herzinfarkte, mehr Infektionskrankheiten wie Grippe, mehr Lungenentzündungen. Ärzte gehen davon aus, dass auch psychische Faktoren hinzukommen und gerade älteren depressiven Menschen in den dunklen Tagen der "Lebenswille" verloren geht – auch das kann ja eine Rolle spielen.

  20. Warum drehen sich Windräder immer im Uhrzeigersinn?
    31.08., 09:3000:03:40

    Rotoren sind weltweit gleich gebaut – Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt Das hat sich einfach so ergeben. Es hat also nichts mit der "Hauptwindrichtung" zu tun. Wäre das so, könnte man das Windrad ja einfach andersherum aufstellen und linksherum drehen lassen. Es hat auch nichts mit der "Corioliskraft" zu tun, wie auf manchen Internetseiten steif und fest behauptet wird: Die Corioliskraft ist eine Kraft, die sich durch die Erddrehung ergibt und dafür sorgt, dass sich Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel rechtsherum drehen. Aber Windräder drehen sich überall rechtsherum, nicht nur auf der Nordhalbkugel. Das liegt einfach daran, dass die Rotoren so gebaut sind. Praktisch für den Windkraftanlagen-Markt: weltweiter Standard Die Drehrichtung ist für die Funktionsweise völlig egal. Es ist nur einfach praktischer, wenn es eine einheitliche Richtung gibt. Der Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt. Früher, in der Zeit der Windmühlen, waren die Traditionen sehr unterschiedlich: Es gab Länder wie Dänemark und Holland, wo sich die meisten Windmühlen linksherum gedreht haben, in Norddeutschland drehten sie sich eher rechtsherum. Bei den modernen Windkraftanlagen war es anfangs auch so. Die frühen Windräder in Dänemark haben sich linksherum gedreht. Diese regionalen Traditionen gibt es bei den Windkraftanlagen nicht mehr, weil das ja einen weltweiten Markt betrifft. Da hat sich die Drehung im Uhrzeigersinn einfach als weltweiter Standard durchgesetzt – auch wenn es dafür keine offizielle Norm gibt. Es ist sinnvoll, weil die Produktion dadurch einfacher ist: Die Rotorblätter der Windräder sind im Längsprofil asymmetrisch geformt – sie haben eine Luv- und eine Leeseite, sodass sie die Windkraft möglichst effizient in eine Drehbewegung umsetzen. Wollte man jetzt neben den rechtsdrehenden auch linksdrehende Windräder bauen, bräuchte man zusätzlich spiegelverkehrt gebaute Rotorblätter. Das wäre technisch kein Problem, würde aber mehr Aufwand bedeuten als wenn man immer nur einen Typ herstellt. Gleichmäßiges Drehen ruft Windkraftgegner nicht zusätzlich auf den Plan Neben diesen praktischen Gründen kommen vielleicht auch noch ästhetische hinzu: Windräder werden ohnehin schon von vielen als eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wahrgenommen. Wenn sich nun in einem großen Windpark die einen Räder rechtsrum und die anderen linksrum drehen, würde das unter Umständen noch unruhiger wirken als wenn sich alle Räder in die gleiche Richtung drehen. Johannes, Erik und Eriks Frau diskutieren: der Uhrzeigersinn gewinnt Warum aber gerade der Uhrzeigersinn? Dazu gibt es eine Geschichte, die man sich in der dänischen Windindustrie erzählt. Demnach fiel die Entscheidung 1970 in Dänemark. Es gab zwei Brüder, die beide in der Windbranche tätig waren: Erik und Johannes Grove-Nielsen. Diese Brüder waren Konkurrenten. Der eine, Erik, hat nun eines Abends am Küchentisch seine Rotorblätter entworfen und dabei mit seiner Frau auch die Drehrichtung besprochen. Daraufhin meinte die Frau sinngemäß: Die Blätter vom Johannes laufen linksherum, deshalb sollten sich unsere rechtsherum drehen. Und nachdem sich Eriks Firma in den darauf folgenden Jahren zu einem weltweit führenden Rotorblatthersteller entwickelt hat, so die Geschichte, hätten sich die rechtsdrehenden eben durchgesetzt.

Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.