1000 Antworten

SWR
730
14.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

Noch keine Episoden ausgewertet.

Episoden
  1. Vor der Passion: Menschen jubeln Jesus in Jerusalem mit Palmzweigen zu Am Sonntag vor Ostern, am Palmsonntag, wird daran erinnert, dass Christus vor seiner Passion triumphal in Jerusalem eingeritten ist, auf einem Esel sitzend. Das war nicht lächerlich, sondern der Esel war in der semitischen Tradition durchaus ein königliches Reittier. Die Menschen haben ihm mit Palmzeigen zugewinkt. Das wird nachvollzogen, indem man Palmgebinde macht. Bei uns, wo es keine Palmen gibt wie im südeuropäischen Raum, werden sie in den unterschiedlichsten Formen gestaltet: mit Ostereiern dran, mit Lebensbaum, mit Buchszweigen oder mit irgendwelchen Papierverzierungen. Prozession am Karfreitag: Leiden Christi wird nachgespielt Besonders pittoresk sind diese Traditionen rund um Ostern natürlich im südeuropäischen Raum. Dort beginnen am Gründonnerstag, mit Höhepunkt natürlich am Karfreitag, die großen Leidensprozessionen, bei denen das Leiden Christi nachgespielt wird. Das kennt man in der sogenannten Settimana Santa, also in der heiligen Woche in Italien, oder in der Semana Santa in Spanien, wo große Prozessionen diese Pasos herumtragen. Das sind riesige Gestelle, auf denen Szenen der Leidensgeschichte gezeigt werden. Da gibt es unzählige Varianten, die sehr beeindruckend sind. Und diese Prozessionen setzen sich fort bis an Ostern selber. Ballo dei Diavoli in Sizilien Ein ganz spannender traditioneller Brauch ist etwa in Prizzi in Sizilien am Ostersonntagmorgen der Ballo dei Diavoli, das ist der Tanz der Teufel. Da gehen am Ostersonntagmorgen verkleidete Figuren herum: Der Tod mit einer Armbrust, begleitet von zwei Teufeln. Und die führen einen gewaltigen Tanz auf. Wessen der Tod habhaft wird, der muss ihn einladen und im Haus verköstigen. Dieses wilde Spiel währt so lange, bis die Figuren des auferstandenen Christus einerseits und der Mutter Gottes andererseits aus zwei verschiedenen Kirchen herausgetragen werden. Die Begegnung dieser beiden Figuren, des Auferstandenen und der Mutter Gottes, versuchen Tod und Teufel um jeden Preis zu verhindern. Das allerdings gelingt ihnen nicht: Wenn es zur Begegnung dieser beiden religiösen Figuren kommt, dann kommt der Erzengel Michael – natürlich auch gespielt von einem Ortsbewohner – und macht Tod und Teufel ein Ende. Damit haben sie das Jahr über wieder ausgespielt.

  2. Geruch und Maden: vor allem ein ästhetisches Problem In den Sommermonaten stellt die Biotonne quasi einen Komposthaufen dar. Bei uns sind die Tonnen braun, werden also von der Sonne noch schön aufgewärmt. Da tut sich eine Menge, was man beim Vorbeilaufen riechen kann. Außerdem kriechen nach einer gewissen Zeit auch Maden darin herum; meist von Fliegen, die in dem Biomüll ihre Eier ablegen. Hygienisch in dem Sinn ist das natürlich nicht. Wenn man aber die Tonne geschlossen hält und nicht darin herumwühlt, streuen die Keime nicht in die Wohnung. Der Geruch und der Anblick der Maden stellen lediglich ein ästhetisches Problem dar. Im Biomüll wirken verschiedene Keime. Wenn durch den geschlossenen Deckel wenig Sauerstoff herankommt, werden da eher Fäulnisbakterien aktiv. Der offene Kompost dagegen wird schön durchlüftet, sodass sich der Gestank nicht sammeln kann. Außerdem findet man im Kompost eine andere Bakterienpopulation. Man kann den Biomüll in Zeitungspapier wickeln, muss das aber nicht tun. Der Eimer bleibt natürlich sauberer, wenn der Müll in Papier gepackt wird. Aber das, was im Biomüll steckt, bleibt auf jeden Fall erhalten – daran ändert das Papier nichts. Biomüll ist ein Nährboden für alle möglichen Keime und er gärt und fault vor sich hin. Und das möchte man letztlich ja auch. Nach dem Hantieren mit der Biotonne die Hände waschen Im Eimer selbst ist das kein Problem. Es wird nur dann zum Problem, wenn man mit der Biotonne hantiert und danach die Hände nicht wäscht, sodass die Keime aus der Biotonne in den Mund gelangen können. Das gilt natürlich in besonderem Maße für die Beschäftigten der Müllabfuhr. Die müssen sich entsprechend schützen und auf ihre persönliche Hygiene achten.

  3. Abgesperrtes Areal bei der Treibjagd Hierbei geht es um die Jagd. Man hat bei der Treibjagd ein Areal mit Seilen abgesperrt. Über diese Seile hat man Tücher gehängt, die teilweise sogar – wie man auf alten Kupferstichen sehen kann – mit Fratzen bemalt waren. Davon sollten die Tiere, die den Jägern zugetrieben wurden, abgeschreckt werden und immer in dieselbe Richtung laufen. Aber ab und zu lief ein Tier in Panik einfach durch diese Lappen, diese Tücher hindurch und war somit entkommen. Von seiner Warte aus sehr positiv. Von der Warte der Jäger aus war es durch die Lappen gegangen und damit entwischt.

  4. 02.03.2025
    4 min

    Frei sprechen, ohne zu diskriminieren Grundsätzlich ist es keine Frage des Dürfens. Dürfen klingt immer so, als würde man bestraft und verhaftet, wenn man etwas Bestimmtes sagt. Meines Wissens gibt es aber in Deutschland nicht ein einziges einzelnes Wort, das auszusprechen verboten wäre. Aber hinter der Frage steckt ja etwas anderes. Parallelen und Unterschiede zum "N-Wort" Es gibt viele Wörter, eben vor allem Sammelbezeichnungen für Menschen bestimmter Herkunft, die heute aus guten Gründen verpönt sind, weil sie diskriminierend sind und andere verletzen. Dazu gehören viele Wörter, die aus der Kolonialzeit stammen. Beispielsweise hatten Schokoküsse früher eine andere Bezeichnung, die aus dem gleichen Grund geändert wurde, wie man sich in Berlin entschlossen hat, die "Mohrenstraße" umzubenennen. "Native American", "First Nations" oder "Indigene" als alternative Begriffe Man könnte nun Gründe finden, auch nicht mehr von Indianern zu sprechen. Zum einen stammt das Wort offensichtlich aus der Kolonialzeit – als Kolumbus noch dachte, er wäre auf dem Weg Richtung Indien (anders als oft behauptet glaubte er nie, dort gewesen sein zu sein). Und es ist keine Eigen-, sondern eine Fremdbezeichnung für zum Teil recht unterschiedliche Volksgruppen auf dem amerikanischen Kontinent. In der Debatte um Winnetou-Bücher oder -Filme kocht diese Diskussion immer wieder hoch. Hier dreht sich der Streit allerdings vor allem um die Darstellung indigener Bevölkerungsgruppen und um "kulturelle Aneignung". Muss man aber deshalb den Begriff Indianer abschaffen? Es gibt ja längst auch andere Begriffe, die stattdessen verwendet werden: "Native American" oder "First Nations" oder im Deutschen "indigene Bevölkerung". Aber auch das sind keine Eigenbezeichnungen, sondern ebenfalls Sammelbegriffe für recht unterschiedliche ethnische Gruppen. Sie sind daher nicht besser oder schlechter als der Ausdruck Indianer. Sammelbezeichnungen haben praktischen Nutzen Grundsätzlich sind Sammelbezeichnungen nicht verwerflich, sondern bringen lediglich die historische Tatsache zum Ausdruck, dass vor Kolumbus schon Menschen auf dem amerikanischen Kontinent lebten, die man manchmal gerne mit einem Wort zusammenfassen möchte. So wie wir auch von Europäern oder Balten sprechen, was ja auch Sammelbegriffe sind. Indigene verwenden selbst den Begriff "Indian" Entscheidend ist deshalb eine weitere Frage, nämlich: Wie geht es den indigenen Bevölkerungsgruppen selbst mit dem Wort? Empfinden sie es als diskriminierend oder können sie damit gut leben? Tatsächlich stören sich viele nicht an den englischen Bezeichnungen "indian", "American indian" oder "Amerindian", wie es manchmal zusammengezogen wird. Es gibt auch politische Organisationen indigener Bevölkerungsgruppen und soziale Bewegungen, die das Wort "indian" im Namen führen, etwa die "American Indian Movement", die sich für die Rechte Indigener einsetzt, ähnlich wie der "American Indian Youth Council" oder der "National Congress of American Indians". "Indianer" gilt derzeit überwiegend als unproblematisch Aus diesen Gründen verwenden viele auch reflektierte Fachleute den Begriff Indianer weiter, so zum Beispiel die Historikerin Heike Bungert. Sie hat 2020 ein Buch geschrieben, das heißt: "Die Indianer: Geschichte der indigenen Nationen in den USA". Auch sie hält das Wort Indianer für unproblematisch. Sprachempfinden kann sich wandeln Wenn also die Frage lautet "Gilt das Wort Indianer als diskriminierend oder rassistisch?", wäre die Antwort: "Nach vorherrschender heutiger Auffassung nicht." Ob das für alle Zeit gilt, bleibt abzuwarten, denn Sprachempfindungen können sich ändern. Was viele, auch der so bezeichneten Indigenen stört, ist weniger das Wort Indianer, als wenn Menschen sich klischeehaft als Indianer verkleiden. Aber das ist ein Thema für sich.

  5. Grundsätzlich ist auf den Bergen immer mehr los als im Tal. Man ist also im Tal geschützter als auf dem Berg. Bergwanderer wissen das. In den höheren Regionen ist die Atmosphäre viel unaufgeräumter. Da geht mehr Wind, da bewegt sich mehr. Der Schutz ist also mit oder ohne Klimawandel im Tal größer als oben auf dem Berg. Turbulenzen im Flugverkehr Der Jetstream – "Strahlstrom" oder Starkwindband – befindet sich in einer Höhe von etwa zehn Kilometern. Dort passiert in der Atmosphäre ziemlich viel. Zehn Kilometer ist oft die Reiseflughöhe von Flugzeugen. Turbulenzen in dieser Höhe kann der Jetstream oder der Rand des Jetstream auslösen. Man nennt das Clear Air Turbulence – CAT. Der Pilot sieht das gar nicht, aber durch die Messungen weiß er, wo das Starkwindband in etwa liegt. So kann er seine Flugroute darauf einstellen. Das sind Turbulenzen, bei denen die Luft außen herum ruht, aber im Jetstream durchaus bis 550 Kilometer pro Stunde schnell sein kann. An dieser Übergangsphase gibt es unglaublich viel Bewegung. Wenn man da reinfliegt, ruckelt das Flugzeug; das kann sogar gefährlich werden. Die Piloten wissen das und weichen solchen Windscherungen aus oder ändern die Flughöhe. Man kann damit gut umgehen, aber es ist gut zu wissen, was da passiert. Ausgleich von Temperaturunterschieden Interessant ist die Veränderung des Jetstream – ein Zeichen dafür, dass sich beim Klima Grundsätzliches ändert. Warum gibt es den Jetstream überhaupt? Den Jetstream gibt es, weil es am Äquator im Mittel sehr heiß ist. Gleichzeitig ist es an den Polen sehr kalt. Je größer die Temperaturunterschiede, desto stärker ist das Bedürfnis der Atmosphäre, diese Unterschiede auszugleichen. Diesen Ausgleich schafft man durch die Bewegung von Luft, sodass es Wind gibt. Das heißt, je größer die Temperaturunterschiede, desto stärker ist im Mittel der Wind, also der Jetstream. Jetstream schwächelt Weil sich wegen der Erwärmung das Eis am Nordpol zügig zurückzieht, bleibt im Norden viel mehr Energie. Denn die weiße Fläche des Eises strahlte bisher sofort die Wärme und Energie wieder zurück in das Weltall. Wenn das Eis verschwindet, bleibt die Energie und die nordpolaren Breiten erwärmen sich übermäßig. Das bedeutet, dass der Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol durch die starke Erwärmung am Pol abnimmt. Wenn der aber im Mittel abnimmt, brauche man im Mittel auch weniger ausgleichenden Wind. Das führt dazu, dass der Jetstream schwächelt. Der Jetstream treibt am Boden das Verhalten der Hochs und Tiefs an. Wenn da kaum Geschwindigkeit drin ist, bleibt das Hoch oder das Tief liegen. Wenn aber das Hoch liegen bleibt, dann haben wir Hitze und Dürre wie etwa 2018. Damals blieb das Hoch wochenlang liegen. Genauso das Tief 2017 im Norden Deutschlands: Dort gab es sehr viel Regen und Überschwemmungen. Dieses Stehenbleiben der Hochs und Tiefs – ich nenne es Standwetter – ist ein zentraler Grund dafür, warum wir in Zukunft extremeres Wetter, also mehr Dürre, aber auch mehr Hochwasser erwarten müssen. Das hat uns die Klimaforschung bereits vor 20, 30 Jahren ausgerechnet. Diese Zusammenhänge sind physikalisch tatsächlich nachvollziehbar.

  6. Amerikanische Völker waren astronomische Experten Man kann mit großer Sicherheit sagen, dass die alten amerikanischen Völker astronomische Experten waren. Zum Beispiel gab es in Chichén Itzá, einem bekannten Touristenort und Weltkulturerbe, eine regelrechte astronomische Anlage, einen architektonischen Rundbau, wo man den Lichteinfall der Sterne und andere Himmelsphänomene studieren kann. Sie hatten auch einen exakten Kalender. Man hat den 360-Tage-Kalender eindeutig als Sonnenkalender etabliert, vor allem im alten Mexiko, bei den Maya und Azteken. Und man hatte zusätzlich noch einen Ritual-Kalender. Der astronomische Kalender hat auch die Schaltjahre berücksichtigt und sich an einer intensiven Gestirnsbeobachtung orientiert – und man konnte mit ihm auch rechnen. Bei den Inka ist das so weit gegangen, dass sie das Dezimalsystem eingeführt haben. Vorher gab es ein anderes Zählsystem. Geld in dem Sinne gab es nicht; man hatte Tauschverhältnisse. Das war eine bewusste Ideologie. Im Gegensatz dazu gab es bei den Azteken Tributabgaben, meist mit Gold oder Kakaobohnen als Gegenleistung. Kalender wurden für die Landwirtschaft genutzt Der Kalender wurde bei den Inka für ihre intensive Landwirtschaft genutzt. Sie wussten, wann man anfangen sollte zu säen, wann man erntet, wann über das ganze Jahr die Gestirne und die Sonnenerscheinungen auftreten, z. B. die kleine Sonne, die Wintersonne und die große Sonne. Bei uns ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember und auf der Südhalbkugel ist dann Sommer. Und all diese Verhältnisse über die Gestirnwanderungen waren ihnen absolut bekannt. Verbindung zwischen Sonne und Steinen bei den Inka In Machu Picchu gibt es den sogenannten Sonnenstein, den Qenko. Die Inka hatten viel mit Steinen zu tun und die Steine waren die Kruste der Erdmutter. Die wichtigste und zentralste Gottheit war bei den Inka nicht der Sonnengott, die Mondgöttin oder der Donnergott, sondern die Mutter Erde – Pachamama. Zwar machten die Inka viel Bohei um den Sonnenkult und die Mumien. Aber die Pachamama hat bestimmte heilige Punkte wie etwa die Quellen und die Seen, aus denen Wasser als Lebensspender kommt, und die Steine. Die Inka empfanden sich als Söhne der Steine. Und der Qenko hatte mit der Sonne eine intensive Verbindung.

  7. Tau verteilt sich auf der Fläche Tau ist Wasser, das nachts, wenn es kalt ist, aus der Luft kondensiert und sich an den Blättern niederschlägt. Und zwar in Minitröpfchen auf der ganzen Fläche; da ist das ganze Blatt nass. Guttationstropfen: von der Pflanze an der Spitze ausgeschieden Die größeren Tropfen an der Spitze sind meist gar keine Tautropfen, sondern sogenannte "Guttationstropfen". Diese schlagen sich nicht aus der Luft nieder auf das Blatt, sondern sie werden aktiv durch die Spaltöffnungen vom Blatt ausgeschieden. Und das passiert eben an der Spitze. Diese Tropfen können nachts durchaus mal runterrutschen, wenn sie richtig schwer werden. Aber morgens bleiben sie aufrgund der Adhäsionskräfte oben hängen. Tagsüber verdunsten sie ohnehin sofort. Das passiert auch bei den Gräsern. Es gibt aber auch einen anderen Fall, wo sich dann tatsächlich Tautropfen auf dem Blatt niederschlagen und sich auch an der Spitze sammeln. Das passiert besonders bei solchen Blättern, die besonders stark gekrümmt sind, wie etwa bei Farnen. Da wiederum sorgt die Krümmung dafür, dass die Adhäsionskräfte am stärksten wirksam werden und dass deshalb der Tautropfen oben bleibt und nicht herunterrutscht. Ist Raureif eine Art Tau? Genau. Beim Raureif entstehen im Winter keine Tropfen, sondern gefrorene Fläche. Es ist eigentlich genau das Gleiche, nur eben in gefrorenem Zustand.

  8. 27.02.2025
    2 min

    Es kommt aufs Licht an Der Himmel wird sich bei Gewitter nie in eine bunte Laser-Disco verwandeln. Aber wenn man Blitze fotografiert und die Fotografien vergleicht, kann man sehen, dass die einen vielleicht ein bisschen bläulicher sind und die anderen ein bisschen gelblicher. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der eine Grund ist die unterschiedliche Beugung des Lichts in der Atmosphäre, je nachdem, wo am Himmel der Blitz zu sehen ist. Grundsätzlich ist es auch so, dass sie umso gelblicher erscheinen, je weiter sie weg sind – je weiter also der Weg des Lichts durch die Atmosphäre ist. Blitze sind weiß Aber es hängt auch von den sonstigen Lichtverhältnissen ab. Platt gesagt: So wie sich Wolken bei tiefstehender Sonne rötlich färben können, kann auch ein Blitz in der Abenddämmerung einen rötlichen Ton annehmen. Umgekehrt: Bei Nacht, wenn die Sonne schon untergegangen ist, also sonst kein Hintergrundlicht da ist, wirken sie eher bläulich. Dazu gibt es übrigens eine schöne Zeile von Hermann Hesse aus seinem Gedicht "Gang am Abend": Wind und Schnee und Sonnenhitze vieler Jahre klingt mir nach, Sommernacht und blaue Blitze, Sturm und Reiseungemach. Quelle: Hermann Hesse aus: "Gang am Abend" Also auch Hesse hatte einen Blick für die unterschiedliche Farbigkeit der Blitze. Aber letztlich sind das Farb-Nuancen, die durch die Umgebung entstehen. Der Blitze an sich weiß.

  9. Tränenkanal endet in der Nase Was aus der Nase läuft, ist Tränenflüssigkeit. Augen und Nase sind nämlich durch den Tränenkanal verbunden. Auch wenn wir nicht weinen, produzieren die Tränendrüsen ständig Tränenflüssigkeit. Sie tun das, um die Augen feucht und sauber zu halten, aber auch, um die Hornhaut mit Nährstoffen zu versorgen. Diese Tränenflüssigkeit fließt von außen nach innen, d.h. unsere Tränendrüsen führen dem Auge Flüssigkeit zu. Diese Flüssigkeit verdunstet zum Teil; zum anderen Teil fließt sie innen, über den Tränenkanal, wieder ab – und dieser Kanal endet nun mal in der Nase. Wenn das Auge "Hochwasser" hat Normalerweise merken wir das nicht, weil nur geringe Mengen Flüssigkeit dort verschwinden und diese sich sozusagen in den Weiten der Nasenschleimhäute verlieren. Aber wenn wir weinen, produzieren wir einen kräftigen Überschuss an Tränenflüssigkeit; das Auge hat dann "Hochwasser": Ein Teil tritt über die Ufer – das sind die Tränen, die übers Gesicht fließen. Aber es fließen auch größere Mengen Tränenflüssigkeit über den Tränenkanal ab und kommen als salziges triefendes Nass aus der Nase heraus.

  10. Qualitätsausdruck der Schneiderzunft Dabei geht es um die Schneiderzunft. "Strich und Faden" hängt damit zusammen, dass sich das Gewebe aus zwei sich kreuzenden Fäden zusammensetzt. Die nennt man "Strich" und "Faden". Mit einem Fadenzähler – Sie kennen vielleicht diese kleinen Lupen – kann man feststellen, ob das Gewebe in Ordnung ist. Das haben die Meister gemacht. Wenn der Geselle nach Strich und Faden gut gearbeitet hatte, dann war das eine sehr gute Arbeit. Aus dieser Verwendung, die positiv war, hat sich dann die Bedeutung "umfangreich" oder "im genauen Sinne" oder "vollkommen" herausgebildet. Wenn man also man jemanden nach Strich und Faden belügt, dann macht man das in vollkommener Weise. Aber eigentlich war es ein Qualitätsausdruck im Bereich der Schneiderzunft. Aus dem maritimen Bereich, wo man in "Faden" misst, kommt der Ausdruck nicht? Ich muss Sie enttäuschen, es ist leider nicht maritim. Ich habe für die Zeitschrift "mare" einen Essay über maritime Redensarten geschrieben. Da gibt es wundervolle Ausdrücke wie : "Den Wind aus den Segeln nehmen" oder eine "Breitseite" oder "auf Grund laufen", "durch den Wind sein" – das ist ein ganz wunderbarer Bereich.

  11. Dieser optische Effekt kommt vor allem dadurch zustande, dass die Haut unter dem Auge ziemlich dünn ist und darunter die Blutgefäße verlaufen. Wenn wir schlecht geschlafen haben, ist die Haut insgesamt oft schlechter durchblutet. Dadurch sind wir blasser und durch die mangelnde Durchblutung ist die Haut noch transparenter. Und so schimmern dann die dunklen Blutgefäße umso auffallender durch.

  12. Ja – zumindest im normalen menschlichen Zeithorizont. In evolutionären Maßstäben sieht es anders aus. In der Eiszeit etwa lag der Meeresspiegel mehr als 100 m tiefer als heute, weil eine Menge Wasser in Form von Eis in den Gletschern der Erde gebunden war. Allerdings ist Eis ja letztlich auch nur eine feste Form von Wasser, insofern ändert das nichts an der Gesamtmenge. Erde hat im Lauf der Zeit Wasser verloren Wenn man aber ganz weit in die Erdgeschichte zurückblickt, dann hat die Erde im Lauf ihrer viereinhalb Milliarden Jahre offenbar Wasser verloren. Ein Teil ist ins Weltall verdampft, ein anderer Teil wurde durch plattentektonische Bewegungen ins Erdinnere befördert und dort chemisch in Minerale eingebaut. Insgesamt schätzt man, dass es heute etwa ein Viertel weniger Wasser auf der Welt gibt als in der Frühzeit der Erde. Aber dieser Verlust spielt für die aktuellen Wasserkrisen keine Rolle.

  13. Wer hat's erfunden? Die Babylonier! – Vermutlich ... Das hat historische Gründe. Die ältesten Belege dafür stammen von griechischen Astronomen im zweiten Jahrhundert vor Christus. Auch die haben den Kreis schon in 360 Einheiten eingeteilt. Es spricht aber vieles dafür, dass sie das ihrerseits von den Babyloniern übernommen haben. Denn die Babylonier hatten ein 60er-Zahlensystem: So wie wir das Dezimalsystem benutzen, das aus zehn Ziffern besteht, so baute ihre Zahlenwelt auf 60 "Ziffern" auf. Das 60er-System finden wir heute noch in der Zeitmessung: Eine Stunde hat 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden. In der Zahl 360 steckt die 60 ebenfalls drin: 6 x 60 = 360. Warum sind es 360 Grad und nicht 60? Das ist nicht ganz klar, aber es gibt mehrere Vermutungen. Zum einen ist 360 nicht nur ein Vielfaches von 60, sondern auch von 12 und von 24. Das waren ebenfalls zwei wichtige Zahlen. Das Jahr wurde ja schon früh in 12 Monate unterteilt und der Tag in 24 Stunden. Die hat man auch gern in Form von Kreisen dargestellt – der Schatten einer Sonnenuhr dreht sich ebenfalls im Kreis. Auch das könnte für die 360 Grad gesprochen haben, denn die lassen sich bequem in 24 Portionen zu je 15 Grad einteilen. Eine andere Hypothese hat eher mit Geometrie zu tun. Die einfachste geometrische Flächenform, die es gibt, ist ein gleichseitiges Dreieck. Also ein Dreieck mit drei gleichen Seiten und drei gleichen Winkeln. Mit solchen gleichseitigen Dreiecken kann man tolle Sachen machen: Man kann eine ganze Fläche damit zupflastern oder man kann sechs solcher Dreiecke zusammenfügen und bekommt Sechsecke. Mit Sechsecken kann man wiederum – ähnlich wie bei Bienenwaben – eine Fläche zupflastern. Auch der berühmte Davidstern – der ja im Altertum gar nichts speziell Jüdisches war, sondern ein verbreitetes Symbol – besteht aus solchen gleichseitigen Dreiecken. Diese Dreiecke waren also so etwas wie die "elementarste" geometrische Flächenform. Die Winkel in einem solchen Dreieck betragen alle 60 Grad. Das kam vielleicht genau daher, dass die Babylonier diesen Winkel durch die für sie so wichtige Zahl 60 geteilt und gesagt haben: Das ist jetzt unsere Winkel-Basiseinheit – ein Grad. Und wenn man sechs von diesen "Dreieckswinkeln" aneinanderfügt, erhält man einen Vollkreis – 360 Grad. Wie gesagt: Das sind Mutmaßungen. Klar ist nur, dass die 360-Gradeinteilung irgendwie auf das 60er-System der Babylonier zurückgeht. Aber was die sich genau dabei gedacht haben, weiß man nicht.

  14. 22.02.2025
    3 min

    Kupfer, Nickel, Zink Das Auffallendste an den Euro-Münzen ist ja, dass sie zweifarbig sind – innen sind sie weißlich-silbern, außen haben sie diesen gelblich-goldenen Ring. Tatsächlich handelt es sich jeweils um unterschiedliche Materialien: Der Kern besteht aus einer Kupfer-Nickel-Legierung. Beim "goldenen" Ring dagegen handelt es sich im Wesentlichen um Messing, wobei Messing wiederum eine Legierung aus Kupfer und Zink ist. Beim 2-Euro-Stück ist es übrigens umgekehrt. Da bildet das Kupfernickel den Rand und das Messing den Kern: Der Ring ist weißlich, der Kern ist "golden". Wovon hängt es ab, aus welchem Material Münzen gemacht sind? An Münzen werden ja alle möglichen Anforderungen gestellt: Sie sollen nicht rosten – deshalb scheidet Eisen schon mal aus. Die kleinen Cent-Münzen haben zwar einen Kern aus Eisen, der ist aber mit Kupfer überzogen. Warum Kupfer? Da kommt das nächste Kriterium ins Spiel: Das Metall, aus dem eine Münze besteht, soll nicht teurer sein als der Wert, der auf der Münze draufsteht. Deshalb nimmt man für kleine Cent-Münzen eher das billige Kupfer und hebt sich wertvollere Legierungen für die höherwertigen Münzen auf. Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen sind alle aus "Nordisch Gold" – das ist eine Verbindung aus Kupfer, Zink, Zinn und Aluminium. Also ein Material, bei dem zwar das Kupfer dominiert, das aber schon in Richtung Messing geht. Und bei den 1- und 2- Euro-Münzen haben wir diesen aufwendigen Aufbau aus Kern und Ring – also Messing einerseits, Kupfer-Nickel andererseits. Gegen Nickel sind viele Menschen allergisch. Geht es auch ohne? Das war eine große Diskussion, als der Euro eingeführt wurde. Nickel-Allergien waren ja schon vorher bekannt – frühere Münzen enthielten auch Nickel. Die Zentralbanken halten das Nickel trotzdem für unverzichtbar, denn es ist weitaus beständiger als etwa Kupfer. Vor allem aber erhöht es die Fälschungssicherheit. Nickel ist nämlich auch magnetisch. Die recht komplizierte Art, wie in der Euro-Münze das Nickel mit dem Kupfer verarbeitet ist, sorgt dafür, dass die 1-Euro- und die 2-Euro-Münzen jeweils eine ganz eigene magnetische "Duftmarke" haben. Bei der Euromünze ist der Kern wegen des hohen Nickelanteils magnetisch, der Rand aber nicht. Das spielt zum Beispiel auch bei Automaten eine Rolle – Fahrkartenautomaten beispielsweise prüfen ja nicht nur die Form und das Gewicht der jeweiligen Münze, sondern auch ihre magnetische Prägung. Deswegen hat die EZB gesagt: Ohne Nickel geht es leider nicht.

  15. Ohne Salz könnte der Mensch nicht schwitzen. Und wir brauchen Salz vor allem für den Stoffwechsel und die Verdauung. Was passiert da im Körper? Salz als Transportvehikel für Körperflüssigkeiten Anders als Fett oder Eiweiße ist Salz weder etwas, woraus wir Energie gewinnen noch etwas, was sich im Körper als Masse einlagert. Vielmehr dient das Salz unter anderem als Transportvehikel für Körperflüssigkeiten in den Zellen. Das heißt, wenn in einer bestimmten Stelle im Körper Flüssigkeit, also Wasser, benötigt wird, dann wird nicht primär das Wasser dorthin gepumpt, sondern es wird zuerst die Salzkonzentration erhöht bzw. Salz ausgeschieden. Das Salz zieht dann die Flüssigkeit nach sich – wie bei einer aufgeschnittenen Tomate: Wenn man die von außen salzt, dann tritt Flüssigkeit aus den Zellen von innen nach außen, weil es die Flüssigkeit immer dorthin zieht, wo die Salzkonzentration höher ist. Das Gleiche passiert auch überall dort, wo wir Salz ausscheiden. Die Schweißdrüsen produzieren zunächst kein Wasser, sondern sie sondern Salz ab; das Salz zieht die Flüssigkeit nach sich. – Das gleiche Prinzip passiert übrigens auch in den Tränendrüsen. Der Schweiß ist also salzig, weil es ihn sonst gar nicht geben würde. Wir könnten kein Süßwasser schwitzen, weil der Körper das Salz einfach braucht, um den Schweiß überhaupt erst nach außen zu transportieren. 2 bis 3 Gramm Salz pro Tag genügen Eigentlich bräuchten wir nur 2 bis 3 Gramm frisches Salz pro Tag. In der Regel nehmen wir aber viel mehr Salz auf, als wir ausschwitzen. Das überschüssige Salz scheiden wir wieder aus. Dabei spielt der Schweiß nur eine untergeordnete Rolle. Das meiste überschüssige Salz scheiden wir über den Urin aus.

  16. Wolkenbildung bei mehr als 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit Das passiert dann, wenn die Atmosphäre relativ gleichmäßig geschichtet ist. Wolken entstehen vereinfacht gesagt, wenn die relative Luftfeuchtigkeit höher ist als 100 Prozent. Dann nämlich ist die Luft wasserdampfgesättigt. Damit keine Missverständnisse entstehen: Wasserdampf ist unsichtbar. Es ist also eben gerade nicht das, was man sieht, wenn z.B. ein Topf mit heißem Wasser "dampft". Sondern das, was wir umgangssprachlich als "Dampf" bezeichnen, sind in Wirklichkeit flüssige Tröpfchen in der Luft. Aber Wasserdampf ist gasförmig. Wenn Wasser irgendwo verdunstet, kann die Luft eine bestimmte Menge Wasser in Gasform aufnehmen. Wenn diese Menge überschritten ist, fängt das Wasser an zu kondensieren. Vom unsichtbaren Dampf zum sichtbaren Tröpfchen Wenn man von 100 Prozent Luftfeuchtigkeit spricht, ist das genau diese Grenze zwischen einem Zustand, in dem die Luft Wasserdampf nur in Gasform enthält und dem Zustand, in dem sich Tröpfchen und somit Nebel oder Wolken bilden. Jetzt kommt aber der nächste Faktor ins Spiel, nämlich die Temperatur: Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen, ohne zu kondensieren. Das macht ganz schön was aus: Hat die Luft eine Temperatur von 0°C, dann kann sie nur 5 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Sobald weiterer Wasserdampf dazukommt, bildet sich Nebel – so haben wir etwa an Novembertagen vielerorts Frühnebel. Steigt die Lufttemperatur dagegen auf 20°C, kann sie mehr als die dreifache Menge Wasserdampf speichern. Wolken entstehen, wenn Luft abkühlt Damit wird klar, warum sich Wolken entstehen: Sie bilden sich fast immer dann, wenn Luft abkühlt. Je kühler sie wird, desto weniger ist sie in der Lage, Wasserdampf gasförmig zu halten. An der absoluten Wassermenge in der Luft muss sich dann nämlich gar nichts ändern. Die Abkühlung alleine reicht, damit die Luftmasse den Sättigungspunkt erreicht und sich Tröpfchen bilden. Jetzt zurück zu den Wolken, die scheinbar unten "abgeschnitten" sind. Die kann man relativ einfach erklären: Stellen wir uns vor, die Sonne erwärmt die Luft am Boden. Diese Luft nimmt aus dem Boden eine bestimmte Menge Wasser auf. Weil sie warm ist, steigt sie auf. Und je höher sie aufsteigt, desto mehr kühlt sie ab. Im Schnitt um 1°C pro 100 Meter. In 2.000 Metern Höhe ist sie also um 20°C abgekühlt. Gleichmäßig geschichtete Atmosphäre sorgt für "abgeschnittene" Wolken Je nachdem, wie viel Wasserdampf sie enthält, erreicht sie irgendwo auf dem Weg nach oben den Punkt, wo das Wasser anfängt zu kondensieren. Vielleicht bei 1.800 Metern. Wenn die Luft in einem größeren Gebiet relativ gleichmäßig aufsteigt und gleich feucht ist, dann beginnt auch die Wolkenbildung jeweils in der gleichen Höhe. Die Unterseite der Wolken liegt dann auf einer durchgehenden Ebene – das sieht dann so aus, als wenn die Wolken auf einer Glasplatte aufliegen.

  17. Glutlawinen: heiße Gemische von Asche und Gas Pyroklastische Ströme oder einfacher ausgedrückt Glutlawinen sind Mischungen von heißen Aschepartikeln oder größeren Lapilli und Gasen, die nicht in einem Vulkan viele 100 Meter hochgeschossen werden und durch Einsaugen von Luft in bis zu 30 km Höhe steigen können. Die sind vielmehr so schwer, dass sie als heiße Gemische von Asche und Gas den Hang eines Vulkans herunterfließen. Diese Glutlawinen sind besonders gefährlich, weil sie wie alles, was fließt, in Tälern fließen, wo die Menschen wohnen. Täler sind an Vulkanen daher immer besonders gefährdet. Bimsmassen auf Pompeji, pyroklastische Ströme in Herculaneum Die berühmte Eruption des Vesuvs 79 n. Chr. kann man daher in zwei Teile teilen. Am Nachmittag fielen große Bimsmassen als sogenannter Fallout auf die Stadt Pompeji. Dort starben die Menschen durch einbrechende Dächer und Gase. Um Mitternacht änderte sich das Verhalten des Vulkans: Da flossen mit großer Geschwindigkeit die pyroklastischen Ströme bzw. Glutlawinen über Herculaneum und bedeckten die Stadt. Dort kamen sehr viele Menschen ums Leben; sie hatten sich in den Stunden zuvor in Bootshäusern am Strand gesammelt.

  18. Mond hatte wohl Einfluss auf die Weiterentwicklung des Lebens So ganz grundsätzlich kann man die Frage nicht beantworten. Da müsste man ein Gegenexperiment machen, den Mond wegtun und die Erde sich noch mal entwickeln lassen – und dann schauen, was dabei herauskommt. Dieses Experiment können wir nicht machen. Aber die Vorstellung, die wir im Moment haben, ist tatsächlich, dass der Mond einen erheblichen Einfluss zumindest auf die weitere Entwicklung des Lebens gehabt hat. Für die Entwicklung höherer Lebewesen benötigt man Stabilität Stabilität erzeugt der Mond für unsere Erde auf zweierlei Art. Zum einen ist die Erdachse leicht gekippt; dadurch erzeugt man schöne Jahreszeiten. Jetzt ist die Erde aber ein Kreisel, der in gewisser Weise instabil ist. Die anderen Planeten, die zwar sehr weit entfernt sind, haben einen ganz kleinen Einfluss. Das führt im Sinne der Chaostheorie zu enormen Schwankungen über die Milliarden Jahre. Wenn wir den Mond nicht hätten, könnte es also sein, dass sich die Erdachse immer mal wieder auf den Kopf stellen würde, quer liegen, wie auch immer. Das heißt, ein stabiles Klima kann man sich dann überhaupt nicht mehr vorstellen. Unsere Erdachse ist über Milliarden Jahre stabil, weil wir den Mond haben Der Mond ist auch ein Kreisel und der stabilisiert das Gesamtsystem. Das heißt, unsere Erdachse ist über Milliarden Jahre stabil, weil wir den Mond haben. Andererseits hat es auf der Erde tatsächlich über Milliarden Jahre ein stabiles Klima gegeben. Wichtig dabei ist, dass die Erdkruste sich verschieben kann. Die einzelnen Kontinentalplatten können sich gegeneinander verschieben. Das wirkt, mit etwas komplizierteren chemischen Prozessen, wie ein großer Thermostat. Die Erdkruste versinkt im Meer, an bestimmten Zonen kommen durch Vulkane wieder neue Gase aus dem Boden raus. Dieser Regelmechanismus kann nur deshalb funktionieren, weil sich die Erdplatten gegeneinander verschieben können. Und verschieben kann sich nur etwas, wo Lücken sind. Venus als Treibhaushölle ohne Plattentektonik Schauen wir uns den Schwesterplaneten Venus an. Der ist genauso groß wie die Erde. Trotzdem gibt es dort keine Plattentektonik und wahrscheinlich war das sein Verderben. Und zwar in dem Sinne, dass er zu einer Treibhaushölle geworden ist. Dort können sich die Platten nicht gegeneinander verschieben. Bei der Erde sieht die Vorstellung so aus: Die Urerde kollidierte, kurz nach ihrer Entstehung, mit einem marsgroßen anderen Planeten. Der hobelte uns große Teile der Erdkruste weg, die wir heute als Mond im Orbit haben. Dadurch fehlt uns Krustenmaterial – die einzelnen Platten können sich jetzt frei gegeneinander bewegen und können diese Thermostate bilden. Man könnte sagen: Allein die Tatsache, dass der Mond entstanden ist mit dieser Großkatastrophe der Kollision, ist die Ursache dafür, dass unser Planet überhaupt ein stabiles Klima hatte. Und dass der Mond dann da war, stabilisiert uns die Erdachse, und zwar in einer ganz hervorragenden Weise. Die Erde ist einfach – unterm Strich – etwas ganz Besonderes.

  19. Man geht davon aus, dass dieser Ausdruck, der in Berlin um 1900 modern geworden ist, wahrscheinlich aus der Jugend- oder zumindest aus der Umgangssprache kommt. Weil's lustig ist: Erst trampelte man auf dem Geist, dann auf dem Keks Ursprünglich sagte man "das geht mir auf den Geist" oder "der trampelt auf meinen Nerven herum". Letzteres ist ja schrecklich; das muss sehr wehtun. Von den Nerven kam man auf den Geist und fand dann immer neue Varianten. Irgendjemand dachte dann, dass man da ja einfach irgendwas einsetzen könnte und sagte aus Spaß: "Das geht mir auf den Keks." Das fanden andere so lustig, dass es sich unglaublich verbreitet hat. Es hat aber eigentlich keinen rechten Sinn, außer dem, dass es eben sehr lustig ist. Und inzwischen verstehen wir alle, was damit gemeint ist.

  20. Pferde beherrschen Peristaltik nur in einer Richtung "Man hat schon Pferde kotzen sehen" – das klingt natürlich sehr drastisch. Aber wenn man überlegt, dass die Pferde dazu physiologisch gar nicht in der Lage sind, wird ein Schuh daraus. Es ist tatsächlich so, dass Pferde in der Regel die Peristaltik nur in einer Richtung beherrschen – sie können sich nicht übergeben. Wenn also jemand sagt "ich werde mein Abitur garantiert mit 1,0 machen", dann kann der andere sagen "na ja, man hat schon Pferde kotzen sehen". Da man das nicht gesehen hat – Pferde sterben, wenn sie so krank sind, dass sie sich tatsächlich übergeben müssten – wäre das also so gut wie am Sankt Nimmerleinstag. Warum sollten Pferde vor der Apotheke kotzen? Dass sie das vor der Apotheke machen, ist eine Erweiterung. Die kommt daher, dass man gesagt hat, dass die Pferde sich genau da übergeben müssen, wo sie vielleicht ein Mittel kriegen könnten gegen die Übelkeit. Das wäre dann die Apotheke. Mein Vater hat es sogar noch weiter geführt indem er gesagt hat, "man hat schon grüne Pferde vor der Apotheke kotzen sehen". Da wird dann ganz klar, worum es bei der Sache geht und wohin der Hase läuft.