1000 Antworten

SWR
730
14.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

Noch keine Episoden ausgewertet.

Episoden
  1. Herrentag: Vatertagstradition in Deutschland kommt aus dem Berliner Raum Das ist eine deutsche Besonderheit – den Vatertag gibt es zwar in vielen Ländern, aber zu anderen Terminen. Bei den meisten findet er am 3. Sonntag im Juni statt – das haben die USA so eingeführt und der Termin wurde dann auch in anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Türkei oder Ungarn übernommen. In Italien, Portugal und Spanien findet der Vatertag am 19. März statt, dem sogenannten Josefstag. Die deutsche Besonderheit kommt daher, dass hier der Vatertag unabhängig davon entstanden ist und traditionell eben an Christi Himmelfahrt begangen wurde. Das war vor allem im Berliner Raum so. Von dort kommt auch die Tradition, dass die Männer an dem Tag unter sich sind und zusammen etwas unternehmen, damals auch gerne als Ausflug zu Pferde. Um Berlin herum ist aus den alten Zeiten auch noch der Begriff "Herrentag" gebräuchlich. Da sind auch alle Männer eingeschlossen, nicht nur die Väter. Hitler und Goebbels machen Christi Himmelfahrt zum gesetzlichen Feiertag Wann das genau und wie zum ersten Mal stattfand, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass 1934 Hitler und Goebbels Christi Himmelfahrt zum gesetzlichen Feiertag erklärt haben. Dadurch hat sich der Vatertag an diesem Termin noch mehr festgesetzt, zumal ja dann viele den Freitag als Brückentag nutzen und sich freinahmen. USA: Vatertag wird 1910 eingeführt und 1974 zum offiziellen Feiertag erklärt In den USA dagegen kann man eine klare Jahreszahl nennen, der dortige Vatertag wurde 1910 eingeführt, also kurz nach der offiziellen Einführung des Muttertags. Der Vatertag wurde in den USA auf den 3. Sonntag im Juni gelegt – ein Datum, das dann wiederum andere Länder übernommen haben. 1974 wurde dieser Vatertag von der Regierung Nixon sogar zum offiziellen Feiertag erklärt. Anders als bei uns: Hier ist zwar Christi Himmelfahrt offizieller Feiertag, aber eben als Himmelfahrt, nicht als Vatertag – von Vatertag ist in keinem Gesetz die Rede. Das ist reine Konvention. Nach Geschmack: Männertag mit Alkohol oder Familientag Doch trotz der unterschiedlichen Termine in verschiedenen Ländern gibt es vom Grundsatz gar nicht so viele regionale Unterschiede: Dass die Männer im Pulk losziehen, mit Bollerwagen oder ohne, mit mehr oder weniger Alkohol an Bord, das ist weit verbreitet. Genauso wie aber auch viele Väter den Tag inzwischen bewusst in der Familie verbringen – oder auch mit der Familie etwas unternehmen, was den Männern Spaß macht: Kletterpark, Rafting oder ähnlich – aber das ist letztlich mehr eine individuelle Typfrage als dass es sich um regionale Besonderheiten handelt. Ich glaube, wenn man ehrlich ist, ist für die meisten heute der Vatertag vor allem ein freier Tag und der Start in ein ordentlich verlängertes Wochenende.

  2. 27.05.2025
    5 min

    Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte 2008 in der israelischen Knesset: Die Sicherheit sei "Teil der deutschen Staatsräson". Merkels Nachfolger, Bundeskanzler Olaf Scholz, hat das nach den Angriffen der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wiederholt. Diese Sätze gingen so durch die Medien, dass viele das Wort "Staatsräson" fast nur im Zusammenhang mit Israel kennen. Dabei führt das auf eine falsche Fährte. Keine moralische Überzeugung, sondern von nationalen Interessen motiviert Deutschland leitet seine Solidarität gegenüber Israel auch aus der deutschen Vergangenheit ab, dem Holocaust. Und so entsteht der Eindruck, dass Staatsräson so etwas bedeutet wie eine selbstauferlegte moralische Verpflichtung. Dabei bedeutet das Wort eigentlich genau das Gegenteil. Nämlich gerade keine moralische Überzeugung, sondern eine rein vom nationalen Interesse geleitete. Begriff "Staatsräson" geht zurück auf Machiavelli und Botero Der Begriff ist schon 500 Jahre alt und geht auf die Herrschaftstheorien von Niccolò Machiavelli (1469 - 1527) und Giovanni Botero (1544 - 1617) zurück. Staatsräson war bei Botero das, was dazu dient, die staatliche Herrschaft aufrechtzuerhalten. Eine besondere Bedeutung erhielt das Konzept nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), im Westfälischen Frieden (1648). Dort haben die vom Krieg gebeutelten Staaten vereinbart, dass sie gegenseitig in Ruhe lassen – trotz ihrer vor allem religiösen Unterschiede. Katholiken hier, Protestanten dort – kein Staat sollte mehr versuchen, seine religiösen, politischen oder sonstigen Vorstellungen einem anderen Volk mit Gewalt aufzuzwingen. Vielmehr haben die bestehenden Staaten in ihren jeweiligen Grenzen eine Existenzberechtigung. Und die Staaten waren sich einig, dass es im Sinne eines Kräftegleichgewichts sogar gut ist, wenn es mehrere Machtzentren in Europa gibt. Das bedeutete im Klartext auch eine Machtverschiebung innerhalb der Staaten: Nicht mehr die Kirchen sollten das staatliche Handeln bestimmen, sondern das, was für den Erhalt der Staaten gut und nützlich war, eben: Die Staatsräson, als nationales Interesse. Staatsräson kann in Konflikten stehen mit anderen Werten Das war die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs, der deshalb auch nicht immer nur positiv gemeint war. Denn die Staatsräson kann ja hier und da im Konflikt stehen mit anderen Werten – etwa dem Rechtsstaat oder der Freiheit der Bürger. Hier ein Ausschnitt einer Bundestagsdebatte von 1956. Der SPD-Abgeordnete Carlo Schmid – einer der Väter des Grundgesetzes – spricht über das in der Verfassung verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Wir wollten, dass in diesem Staat die Staatsräson nicht als die oberste Autorität für das Handeln von Staat und Bürger anerkannt wird. Quelle: Carlo Schmid, SPD-Abgeordneter, 1956 Mit anderen Worten. Das Recht, den Dienst an der Waffe zu verweigern, stehe über der Staatsräson, die eher eine starke Bundeswehr verlangt. Aus Staatsräson ist die Bundesrepublik nach dem Krieg der NATO beigetreten und hat sich für das Zusammenwachsen Europas eingesetzt – dass das im nationalen Interesse ist, darin waren sich alle Bundesregierungen seit dem Krieg einig. Und so bekräftige das auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1985: Eine der wichtigen Lehren, die wir aus unserer Geschichte in diesem Jahrhundert ziehen konnten, ist zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland geworden: Die Bindung an die Wertegemeinschaft freiheitlicher Demokratien und die Verpflichtung auf die politische Einigung Europas. Quelle: Helmut Kohl, Bundeskanzler, 1985 Staatsräson kann auf Werten beruhen – muss es aber nicht Kohls Satz macht deutlich: Eine Staatsräson kann auf Werten beruhen. Aber Staatsräson und Werte sind trotzdem zunächst verschiedene Dinge. Mit Diktatoren Geschäfte zu machen oder mit Autokraten militärische Bündnisse zu schmieden, lässt sich schwerlich mit freiheitlich-demokratischen Werten begründen. Und doch kann es Staatsräson sein, es zu tun – weil es im nationalen Interesse ist, Handelspartnerschaften zu pflegen oder sich um der eigenen Sicherheit zuliebe mit Ländern zu verbünden, die nicht das gleiche Wertesystem teilen. Kurz: Wenn ein Staat vor einer schwierigen Entscheidung steht – etwa: Verhandle ich mit Geiselnehmern? Veröffentliche ich brisante Informationen? – und am Schluss die oberste Priorität für die Entscheidung ist, dass der Staat und seine Institutionen aufrechterhalten bleiben, dann ist das "Staatsräson". Es ist also gerade kein Synonym für "Werteorientierung". Deutschland: Besondere Auslegung des Begriffs in Bezug auf Israel Dass Merkel und ihr Nachfolger Scholz den Begriff im Zusammenhang mit Israel gebrauchen, ist aus Sicht von Marietta Auer daher bemerkenswert. Sie ist Rechtswissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Rechtstheorie in Frankfurt und sagte im Bayerischen Rundfunk: Eigentlich sagt Staatsräson ja: Das Überleben des eigenen Staates steht über allem. Und das Interessante an dieser Konstruktion ist, dass das Überleben eines anderen Staats zur eigenen Staatsräson gemacht wird. Quelle: Marietta Auer, Rechtswissenschaftlerin So habe bisher kein anderer Staat den Begriff Staatsräson ausgelegt.

  3. Ohne Mond keine verlässlichen Jahreszeiten Ohne den Mond hätten wir keine verlässlichen Jahreszeiten. Denn der Mond stabilisiert die Erdachse. Gäbe es ihn nicht, geriete die Erdachse alle paar Millionen Jahre kräftig ins Trudeln. Mit verheerenden Auswirkungen auf das Klima. Forscher haben ausgerechnet: Ohne Mond könnte die Erdachse zwischendurch auch mal um fast 90 Grad kippen. Dann könnte ganz schnell mal der Nordpol in den Tropen liegen. Das würde bedeuten: Jede Erdhälfte hätte ein halbes Jahr lang pralle Sonne und anschließend ein halbes Jahr lang finsterste Nacht. Der Mond dagegen hält die Erdachse einigermaßen in Position, sodass es solche extremen Verhältnisse nicht geben kann. Wichtige Rolle bei der Evolution Ohne den Mond wären die Kontinente vielleicht noch immer unbelebt und alles Leben würde sich im Meer abspielen. Denn der Mond bringt uns Ebbe und Flut, und somit auch die Überschwemmungsgebiete an der Küste, im Übergang zwischen Wasser und Land. Große Flächen, die zweimal am Tag geflutet werden und zwischendurch trockenfallen. Diese Übergangsbereiche spielten in der Evolution eine wichtige Rolle: Hier entwickelten sich die Amphibien, die später weiter an Land krochen und aus denen sich schließlich Echsen, Saurier und Säugetiere entwickelten. Ohne Mond wären Ebbe und Flut viel schwächer, und diese ganzen Überschwemmungsgebiete hätte es in der Form nicht gegeben. Ohne den Mond wären die Tage kürzer Ohne den Mond wären auch die Tage kürzer. Heute braucht die Erde 24 Stunden, um sich einmal um sich selbst zu drehen. In ihrer Frühzeit drehte sie sich viermal so schnell; ein Tag dauerte entsprechend nur 6 Stunden. Es war der Mond, der die Erde gebremst hat: Durch die Gezeiten, die er auslöst, durch Ebbe und Flut und dieses ganze Hin- und Hergeschwappe, verliert die Erde ständig an Dreh-Energie und rotiert infolgedessen immer langsamer. Ohne den Mond wäre es nachts auch nicht nur dunkel, sondern stockdunkel, und zwar jede Nacht. Nur die Sterne könnten uns noch den Weg leuchten. Ohne den Mond wäre die Erde auch einsamer – so ohne Begleiter. Das Traurige an der Geschichte: Der Mond entfernt sich von uns. Jedes Jahr driftet er 4 cm weiter hinaus ins Weltall. Eines fernen Tages wird er so weit weg sein, dass es keine totale Sonnenfinsternis mehr geben wird.

  4. Hafer: beliebtes Futter für Pferde Diese Redensart kommt von Beobachtungen, die man früher bei Pferden gemacht hat, vermutlich in der frühen Neuzeit, etwa im 16. und 17. Jahrhundert: Wenn Pferde sehr viel Hafer zum Fressen bekommen hatten, wurden sie ganz aufgedreht. Manche erklären das heute mit bestimmten Substanzen, die im Hafer sind und die angeblich eine vitalisierende, aufputschende Wirkung auf die Pferde gehabt hätten. Allerdings hinkt diese Erklärung, denn der Hafer enthält zwar psychisch wirkende Inhaltsstoffe, aber erstens wirken die nicht sehr stark, und zweitens geht die Wirkung eher in eine andere Richtung: Wenn Hafer überhaupt einen Effekt hat, dann beruhigt er eher und hilft, Stress besser zu bewältigen. Und auch das ist nur schwach belegt. Vor allem aber: Wenn man die Redewendung auf die Inhaltsstoffe des Hafers zurückführt, hat man immer noch nicht das "Stechen" erklärt – warum "vom Hafer gestochen"? Spelziger Hafer piekt im Po Eine andere Erklärung ist daher plausibler: Der Hafer, den die Pferde früher bekommen haben, war nicht entspelzt – er war also noch von den unverdaulichen Spelzen umhüllt. Wenn die wieder ausgeschieden werden, piekt das am Darmausgang. Wenn die Pferde also viel Hafer bekommen haben und die Spelzen am Po pieksten, machte sich das in einem recht lebhaften Verhalten bemerkbar. Deshalb: Vom Hafer gestochen.

  5. Nordsee: Wassermassen aus Richtung Schottland Wenn man auf eine Europakarte guckt, sieht man sofort: Von der Nordsee gibt es vor allem nördlich von Schottland eine sehr breite Öffnung zum Atlantik. Von dort kommen bei Flut die Wassermassen. Die Ostsee dagegen ist fast ein Binnenmeer, sie hat nur eine relativ schmale Verbindung zur Nordsee. Ostsee ist durch Meerenge geschützt Ebbe und Flut wechseln sich ja bekanntlich ungefähr in einem 6-Stunden-Rhythmus ab. Denn ausgelöst werden die Gezeiten durch die Anziehungskraft des Mondes bzw. der Fliehkraft auf der Erde. Und in diesen 6 Stunden gibt es keine Chance, dass diese Kräfte so viel Wasser durch die relativ schmale Meerenge zwischen Dänemark und Skandinavien in die Ostsee "ziehen", dass es für eine ordentliche Flut ausreicht. Es gibt zwar Gezeiten an der Ostsee, aber da bewegt sich der Meeresspiegel nur innerhalb von 10 bis 15 Zentimetern. Auswirkungen von Tschernobyl noch heute in der Ostsee messbar Dieser geringe Wasseraustausch macht sich noch anders bemerkbar: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gelangten durch die radioaktive Wolke viele radioaktiven Teilchen in die Nord- und Ostsee. In der Nordsee war die Belastung nach ein paar Monaten schon wieder abgeklungen; in der Ostsee dagegen sind heute noch erhöhte Mengen an Cäsium messbar.

  6. Edwin Hubble: Das Universum dehnt sich aus Die wichtigste Entdeckung, die wir je gemacht haben über die Entwicklung des Universums, war die von Edwin Hubble. Die stammt von 1928/1929 und besagt, dass sich der Raum im Universum ausbreitet. Der Abstand zwischen den Galaxien vergrößert sich also immer weiter. Allerdings nicht zwischen allen Galaxien. Aber ab einem Abstand von ungefähr 24 bis 25 Millionen Lichtjahren kann man bemerken, dass das Universum expandiert. So kann man eine einfache Überlegung anstellen: Wenn das Universum expandiert, dann war es gestern kleiner und vorgestern war es noch kleiner. So kommt man auf die Frage: Wann war es so klein wie ein Atom? "Heißer Urknall": Universum muss auf Atomgröße einst sehr heiß gewesen sein Auf diese Art und Weise kommt man in ein Modell hinein, das man den "heißen Urknall" nennt. Denn wenn das ganze Material, aus dem das Universum existiert – alle Galaxien, alle Sterne, alles, was überhaupt an Materie und Energieform da ist – in einem so winzigkleinen Etwas zusammengezwängt war, muss das sehr heiß gewesen sein. Deswegen "heißes Urknallmodell". Jetzt muss man sprachlich überlegen, wie man den wirklichen Anfang beschreibt. Da ist die Grenze der naturwissenschaftlichen Beschreibung erreicht, denn die Naturwissenschaften sind eine Auseinandersetzung; es geht um Ursache und Wirkung. Und diese allererste Ursache, die das Universum gewissermaßen in seiner Existenz geworfen hat, die darf selbst keine Ursache gehabt haben. An der Stelle wird es philosophisch. Die wesentliche Sache ist, dass auf der einen Seite Beobachtungen gemacht worden sind: Die Expansion des Universums führte zum heißen Urknallmodell. Und dieses heiße Urknallmodell hat dann Vorhersagen gemacht, die sich alle bestätigt haben. Daher spricht man heutzutage eigentlich nur noch von diesem heißen Urknallmodell. Es gibt kein anderes Modell, das ähnlich erfolgreiche Vorhersagen gemacht hätte. Alter des Universums lässt sich aufgrund seiner Temperatur bestimmen Kommen wir zum Alter: Wir definieren in der Physik das Alter des Universums gewissermaßen aus seiner Temperatur. Der heiße Urknall ist zwar nur ein Modell; das allerdings ist extrem gut bestätigt. So wurde also die Vorhersage gemacht, dass das Universum früher sehr heiß war und heute relativ kalt sein muss. Das heißt: Die Temperatur des Universums ist ein Maß für sein Alter. So hat sich zum Beispiel 400.000 Jahre nach dem Beginn des Universums die Strahlung von der Materie entkoppelt, wie es so schön heißt. Das heißt, wir können zu jeder Temperatur eine gewisse Art von Physik angeben, die wir gut beschreiben können. So kommt man zur Altersbestimmung des Universums, wonach das Universum 13,7 Milliarden Jahre alt sein muss, weil es am Anfang so heiß war und heute so kalt ist. So kann man aus der heutigen Temperatur auf das Alter des Universums schließen. SWR 2008

  7. "Evolutionsgeschichten" lassen sich schwer beweisen Klar: Die genetische Bestimmung des Mannes ist das Anfachen der Glut, das Wenden des Steaks und natürlich das gleichzeitige Verlangen nach einem kühlen Bier. Tatsächlich hat sich die Evolutionsbiologie lange recht leicht damit getan, sich solche Geschichten auszudenken. Der Mann am Grill – das Relikt des steinzeitlichen Jägers, der seine Familie versorgt hat, der leise und vor allem schweigsam mit seinen Jagdgenossen erst auf die Beute gelauert und sie, als sie erlegt war, dann ebenso schweigsam auf dem Feuer gegart hat. Nur das Bier hat damals noch gefehlt … Nein, im Ernst: Bücher, die aus der Evolution erklären, warum Männer dies nicht können und Frauen jenes nicht, verkaufen sich zwar prima, aber das Problem mit dieser Art von Evolutionsgeschichten ist, dass sie sich selten beweisen lassen. Mal ein anderes Beispiel: Vor zwanzig Jahren hätte man sich überlegen können, welche steinzeitlichen Rollenmuster dazu führen, dass Fußball scheinbar ganz klar Männersache ist. Vielleicht weil in so einem Fußballspiel die steinzeitliche Kämpfernatur zum Vorschein kommt? Inzwischen hat sich die Frage aber fast schon erübrigt, denn in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der weiblichen Fußball-Freaks verdoppelt – im Stadion wie auch vor dem Bildschirm. Und wenn jeder dritte Fan eine Frau ist – was soll dann noch die Frage nach der Evolution? Tückischer Zirkelschluss Und so kann es auch beim Grillen sein. Oft steckt dahinter eine gefährliche Logik: Der Mann am Grill ist das Abbild des Steinzeitjägers. Und woher weiß man , dass in der Steinzeit die Männer auf die Jagd gingen? Ist doch logisch, sonst würden sie heute nicht am Grill stehen. Zirkelschluss nennt man so etwas – und das ist in der Wissenschaft immer tückisch. Deshalb empfiehlt es sich, nach anderen Spuren zu suchen. Zum Beispiel: Wenn immer nur die Männer gejagt hätten – wie passt das dann dazu, dass durchaus steinzeitliche Frauen mit Messern und anderen Waffen bestattet wurden? Und wie erklären sich die weiblichen Handabdrücke neben den Höhlenmalereien der Steinzeit? Viele dieser Malereien zeugen davon, dass die Maler ihre Beutetiere sehr genau beobachtet haben. Wenn sich weibliche Handabdrücke neben diesen Tierabbildungen zeigen, könnte das dafür sprechen, dass Frauen bei der Jagd zumindest dabei waren. Die interessante Frage ist also vielleicht gar nicht: Warum stehen Männer so gerne am Grill? – Sondern eher: Warum ergötzen sie sich an solchen Geschichten aus der Steinzeit?

  8. Im Juni hat sich noch nicht so viel Wärme angesammelt Die Hitzewelle kommt, gemessen am Sonnenstand, erst mit einer gewissen Zeitverzögerung. Denn die Temperatur hängt ja nicht nur davon ab, wie viel Energie die Sonne im jeweiligen Moment auf die Erde strahlt; vielmehr heizen sich Erde und Atmosphäre im Lauf der Sommermonate auf. Im Mai und Juni liefert die Sonne bereits einiges an Wärme und kann vor allem das Meer erwärmen. Unser Klima hier in Europa ist stark geprägt von den Westwinden, die vom Atlantik herkommen. Bis zum Juni hatten die westlichen Wassermassen noch nicht so viel Gelegenheit, sich richtig aufzuheizen, deshalb ist es im Juni bei uns zwar schon warm, aber noch nicht so heiß wie im Juli. Im Mai und Juni, wenn die Sonne relativ steil über uns steht, heizt sich das Wasser jeden Tag weiter auf. Wärme ist in den Meeren gespeichert Im Juli und August wiederum steht die Sonne zwar nicht mehr ganz so steil wie am 21. Juni, der Einstrahlwinkel und die Tage sind schon wieder etwas kürzer – aber im Juli und August sind die Luftmassen zusätzlich aufgeheizt durch die Wärme, die vor allem in den Meeren gespeichert ist und die das Meer an die Luft gibt. Dadurch erreichen die Temperaturen erst im Juli / August ihr Maximum. Dann ist die Summe aus aktueller Einstrahlung und gespeicherter Wärme am größten. Die Summe macht's: Im Sommer ist es zwischen 14 und 16 Uhr am wärmsten Nach dem gleichen Prinzip lässt sich auch erklären, weshalb es, gerade im Sommer, nachmittags zwischen 14 und 16 Uhr am wärmsten ist – und nicht um 12 Uhr mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Denn vormittags und über Mittag heizt die Sonne die Atmosphäre und die Erdoberfläche immer weiter auf. Bis zum Nachmittag kommt immer mehr Strahlungsenergie dazu. Erst am späten Nachmittag, wenn sich die Sonne wieder senkt, also immer weniger Strahlkraft hat, kommt die Erde langsam dazu, abzukühlen. Diese Verzögerung ähnelt also der im Jahresverlauf, nur dass beim jahreszeitlichen Hitzemaximum im Juli und August vor allem das Meer eine wichtige Rolle spielt, während der Tagesrhythmus mit der Hitze am Nachmittag mit dem Meer nicht so viel zu tun hat. Da geht es mehr um die unmittelbare Wärmespeicherung im Boden und in den bodennahen Luftschichten.

  9. Früher – bis vor 50 Jahren – haben die Seeleute das einfach mit Augenmaß gemacht. Sie haben auf die Wellen geschaut und aufgrund ihrer Erfahrung den Seegang geschätzt. Heute gibt es verschiedene Methoden. Messung mithilfe von Bojen Am wichtigsten sind Messungen mithilfe von Bojen, die an einer Art elastischer Leine am Meeresboden verankert sind. In den Bojen wiederum befinden sich Beschleunigungssensoren. Die messen ständig, ob und wie weit die Bojen sich im Wellengang nach oben und unten bewegen, und das Gleiche horizontal. Anhand dieser Bewegungen kann man den Seegang messen, das heißt nicht nur wie hoch die Wellen sind, sondern auch, in welche Richtung sich die Wasseroberfläche bewegt. Normalerweise werden diese Daten über einen Zeitraum von 20 Minuten erfasst. In diesen 20 Minuten kommen mal höhere und mal niedrigere Wellen, aber nur die höheren sind von Interesse. Das heißt konkret: Von allen Bewegungen – auf und ab – wird das oberste Drittel genommen, und aus diesem Drittel wird der Mittelwert gebildet. So ist die Wellenhöhe definiert, wie sie dann auch im Seewetterbericht angegeben wird. Wird das denn ständig gemacht? Ja, und zwar nicht nur für die Schifffahrt, sondern zum Beispiel auch für die Betreiber von Ölplattformen oder Windparks. Für die sind diese Hinweise wichtig – gar nicht so sehr für die Windräder – die drehen sich ja hoch überm Meer. Aber für die ganze Logistik und Wartung. Für die Leute, die zwischen den Offshore-Windkraftanlagen unterwegs sind und dort anlegen wollen, kann hoher Seegang zu einem Hindernis werden. Aber das mit den Bojen funktioniert ja vermutlich nur in Küstennähe? Je nachdem, wie man Küste definiert. Wenn wir über deutsche Meeresgebiete reden, sprechen wir über Ost- und Nordsee. Da ist der Meeresgrund bis auf ganz wenige Stellen nicht tiefer als 200 Meter. Das heißt konkret, dass es 6 Messpositionen in der Nordsee gibt und weitere 3 in der Ostsee. Was es auch schon in Ansätzen gibt, sind Radar- oder Lasermessgeräte an Land. Dabei schickt man zum Beispiel von einem Gebäude an Land aus Radarstrahlen in bestimmten Winkeln aufs Meer. Diese werden von der Wasseroberfläche reflektiert. Anhand der Zeit, die der Radarstrahl braucht, um wieder zur Radarstation zurückzukommen, können die Computer dann ausrechnen, wie weit weg die Welle war und entsprechend, wie hoch sie gewesen ist. Draußen auf offener See, z.B. im Atlantik, wie macht man es da? Da wird der Wellengang noch überwiegend vom Schiff aus per "Augenmaß" geschätzt, ansonsten kommen da auch Satellitenaufnahmen zum Einsatz. Die liefern allerdings nur ein sehr grobes Bild. Immerhin: Gerade diese Satellitenbeobachtungen haben vor ein paar Jahren erst zutage gebracht, dass es auf dem offenen Meer fast jeden Tag riesige sogenannte Monsterwellen gibt – nicht zu verwechseln mit Tsunamis, die bei Erdbeben entstehen. Diese Monsterwellen entstehen durch Überlagerung von normalen Wellen, die zusammenschwappen und sich dann zu bis zu 40 Meter hohen Wellen auftürmen. Davon hatten früher auch immer wieder Kapitäne berichtet, aber erst vor wenigen Jahren konnte mit Satelliten bewiesen werden, dass fast jeden Tag irgendwo in den Ozeanen solche Monsterwellen entstehen. Danke an: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

  10. 19.05.2025
    2 min

    Die Frage ist längst nicht so banal, wie sie vielleicht klingt. Sie hat über Jahrhunderte die Naturforscher beschäftigt, und zwar aus folgender Überlegung heraus: Nachts sind wir zwar auf der sonnenabgewandten Seite – aber da sind ja immer noch die vielen Sterne. 100 Milliarden in unserer Milchstraße, Abermilliarden weitere in anderen Galaxien – und alle leuchten. Klar: Diese Sterne sind viel weiter weg als unsere Sonne. Aber wenn man annimmt – wie es noch Galileo getan hat –, dass das Universum unendlich groß und unendlich alt ist, unendlich viele Sterne hat und die Sterne einigermaßen gleichmäßig verteilt sind – dann müsste es eigentlich in jeder Richtung gleichermaßen hell sein. So wie wenn man mitten im Wald steht und aus dem Wald nicht rausschauen kann, weil in jeder Richtung ein Baum steht. Olberssches Paradoxon Dieser Widerspruch ist schon Johannes Kepler aufgefallen: Hätte das Universum unendlich viele Sterne, dürfte es keine dunklen Stellen am Nachthimmel geben. Ein deutscher Astronom namens Heinrich Wilhelm Olbers hat dieses Problem systematisch aufgearbeitet ("Olberssches Paradoxon"). Es kamen dann verschiedene Ideen, wie sich dieser Widerspruch beseitigen lässt. Man hat gemutmaßt, dass vielleicht irgendein Nebel das Licht behindert oder dass die Sterne eben doch ungleichmäßig verteilt sind. Aber all diese Erklärungen haben näheren Überprüfungen nicht standgehalten. Edwin Hubble entdeckte: Das Universum dehnt sich aus Die wahre Erklärung kennen wir erst seit knapp hundert Jahren dank der Entdeckung von Edwin Hubble: Das Universum dehnt sich aus. Es ist eben nicht unendlich groß und entsprechend gibt es auch nicht unendlich viele Sterne. Vielmehr sind sie im Weltall dünn genug gesät, dass sie nur einen Bruchteil des Firmaments bedecken – und deshalb ist es nachts dunkel.

  11. Temperatur bei warmen Emulsionen möglichst stabil halten Das ist ein Phänomen, das oft bei warmen Emulsionen auftritt. Sie haben eine gewisse Stabilität bei einer bestimmten Temperatur. Wenn Sie die Temperatur zum Beispiel im Wasserbad verändern, verändern Sie die Molekülgeschwindigkeiten und Sie verändern auf molekularer Ebene Kräfte. Dann kann es passieren, dass die Sauce Hollandaise gerinnt. Um das zu vermeiden, könnte man etwas weniger Butter zugeben oder etwas mehr Eigelb. Da muss man immer eine gute Balance der Bestandteile finden, damit diese Emulsion stabil bleibt. Auf das richtige Verhältnis der Bestandteile kommt es an Das hat sehr viel mit Molekularküche zu tun, weil man wissen muss, wie viele Emulgatoren man hat. Man kann sich behelfen, indem man zum Beispiel noch etwas Wasser zugibt – also versucht, die Mischung etwas zu verdünnen. Das sind aber immer nur kleine Rettungsanker, die man nutzen kann. Eigentlich möchte man das ja nicht. Man muss also immer auf das richtige Verhältnis der Bestandteile achten.

  12. Alle Pflanzen wachsen vor allem nachts Das ist ein weit verbreitetes Gerücht – aber knapp daneben! Es stimmt nur insofern, als grundsätzlich alle Pflanzen vor allem nachts wachsen, am stärksten in den frühen Morgenstunden. Tagsüber bilden sie mithilfe von Sonnenlicht Zuckermoleküle, die sie nachts in Biomasse verwandeln – für Tomaten gilt das genauso wie für Gras, Kartoffeln oder Bäume. Es ist aber keineswegs so, dass Tomaten es am liebsten dunkel mögen. Im Gegenteil, genau wie andere Nachtschattengewächse – Auberginen oder Paprika – brauchen sie viel Sonnenlicht – verregnete Sommer sind eher schlecht. Bezeichnung "Nachtschattengewächs" führt in die Irre Es wäre ja auch ein seltsamer Name: Seit wann gibt es nachts einen Schatten? Wenn die Namensgeber hätten ausdrücken wollen, dass die Pflanzen im Dunkeln wachsen, hätte "Nachtgewächs" oder eben "Schattengewächs" ja völlig genügt. In Wahrheit aber leitet sich der Name von einer anderen Pflanze ab, dem "Schwarzen Nachtschatten". Nachtschaden statt Nachtschatten Dieser Name wiederum stammt aus dem späten Mittelalter und hat mit Schatten gar nichts zu tun. Vermutlich hieß es früher Nachtschaden – das ist ein altes Wort für Alptraum. Es gibt zwei Theorien. Die eine sagt: Der Name stammt daher, dass man glaubte, die dunklen Beeren des Schwarzen Nachtschattens helfen gegen Alpträume. Oder auch gegen Schäden, die einem Hexen zugefügt haben. Die andere Theorie sagt das Gegenteil: Man vermutete, dass diese Pflanzen Düfte ausströmen, die einem die Alpträume bereiten – vielleicht auch nur im übertragenen Sinn von Kopfweh. Für beide Theorien finden sich Belege in historischen Quellen.

  13. Säuglingen haben angeborenen Tauchreflex Vereinfacht könnte man sagen: Weil sie das im Bauch der Mutter, wo sie im Fruchtwasser geschwommen sind, so gelernt haben. Säuglinge haben noch einen angeborenen Tauchreflex. Dagegen muss man älteren Kindern, wenn sie tauchen, zuerst erklären, dass sie unter Wasser die Luft anhalten müssen. Sie müssen das also bewusst tun; Säuglinge tun es automatisch. Sobald sie ins Wasser getaucht werden, wird dieser Reflex ausgelöst – das heißt, die Luftröhre wird verschlossen, die Atmung hört auf – aber es passiert noch mehr: Der Herzschlag wird langsamer – nicht etwa schneller vor Aufregung – sondern langsamer, um den Sauerstoffbedarf zu reduzieren; und die Blutversorgung im Körper reduziert sich aufs Nötigste. Wodurch wird der Reflex ausgelöst? Es scheint mehrere Auslöser zu geben, aber der erste ist wohl tatsächlich: Wenn die Gesichtshaut mit Wasser, vor allem mit kaltem Wasser in Berührung kommt. Dann wird bei Babys dieser Reflex ausgelöst. Das kann man als Relikt ansehen aus der Zeit, als sie noch im Bauch der Mutter waren. Denn da werden Babys einerseits mit Sauerstoff über die Nabelschnur versorgt, trotzdem aber üben sie in den letzten Schwangerschaftswochen auch schon das Atmen, das heißt sie machen mit der Lunge Atembewegungen. Manchmal verschlucken sie sich dabei und bekommen Schluckauf – oft zur großen Freude der werdenden Mütte. Aber im Grunde machen sie diese Atembewegungen, ohne wirklich zu atmen. Über diesen Weg, so scheint es, wird der Tauchreflex ausgebildet, der nach der Geburt noch eine Weile erhalten bleibt, sodass die Babys unter Wasser automatisch die Atmung einstellen. Voraussetzung für Unterwassergeburt und Babyschwimmen Dieser Reflex verschwindet ungefähr ab dem 4. bis 6. Lebensmonat. Aber er schafft die Voraussetzung zum einen für die sogenannte „sanfte“ Unterwassergeburt. Zum anderen für das von manchen propagierte Babyschwimmen, bei dem man ja auch nicht möchte, dass die Babys sich verschlucken, wenn sie unter Wasser sind.

  14. Grüner Spargel wächst oberirdisch und bildet Chlorophyll aus Der Unterschied zwischen weißem und grünem Spargel ist die Anbaumethode. Grüner Spargel wächst oberirdisch, also an der Sonne. Deshalb bildet er grünes Chlorophyll aus. Wenn man den Spargel dagegen in angehäuften Erddämmen aufzieht oder unter Folie, bekommt er keine Sonne ab und bleibt weiß. Im Verhältnis zum Nährwert hat Spargel viele Mineralstoffe und Vitamine Sowohl weißer als auch grüner Spargel sind in dem Sinn „gesund“, dass sie viele wertvolle Inhaltsstoffe enthalten – und grüner Spargel enthält von manchen noch ein bisschen mehr. Man muss aber genau hinschauen, denn warum ist Spargel überhaupt gesund? Weil er im Verhältnis zu seinem Nährwert relativ viele wichtige Mineralstoffe und Vitamine enthält. Ich betone: Im Verhältnis zu seinem Nährwert. Da Spargel zu mehr als 92 Prozent aus Wasser besteht, hat er nur 150 bis 200 Kilokalorien pro Kilogramm. Und in den wenigen Bestandteilen, die nicht "Wasser" sind, konzentrieren sich hohe Mengen an Kalium, Kalzium und Stickstoff. Kalium ist gut für die Nerven, Kalzium gut für die Knochen und Stickstoff wirkt harntreibend und somit entwässernd und entgiftend. Außerdem enthält Spargel die Vitamine A, C, E und K. Das alles enthält der Grüne Spargel auch, allerdings – da er vor der Ernte mehr Sonnenlicht abbekommen hat – zum Teil etwas mehr als der weiße Spargel. Ich tue mich aber schwer damit zu sagen, er sei deshalb "gesünder". Wie gesund Spargel ist, hängt letztlich vom gesamten Speiseplan ab. Man kann sich auch ohne Spargel gesund ernähren. Und wenn man sich nicht gesund ernährt, dann ist es letztlich egal, ob man statt weißem grünen Spargel isst; das macht dann keinen Unterschied. Bei der Entscheidung im Zweifel also lieber nach dem Geschmack gehen. Vorsicht bei Gicht Allerdings ist Spargel nicht uneingeschränkt gesund, denn er enthält auch Substanzen, die im Körper zu Harnsäure umgewandelt werden. Da kann es passieren, dass überschüssige Harnsäure kristallisiert und sich in den Gelenken absetzt. Das wiederum kann Menschen, die eine Anfälligkeit für Gicht haben, Schmerzen bereiten.

  15. Ehrung für im US-Bürgerkrieg engagierte Mutter Nein. Den Muttertag, den wir heute kennen, hat 1907 eine engagierte Christin in den USA eingeführt: Anna Marie Jarvis. Eigentlich war es ein Gedenktag für ihre eigene verstorbene Mutter. Die war über die Region hinaus bekannt, denn sie hat im Bürgerkrieg Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert und sich mit anderen Müttern um die Verwundeten des Kriegs gekümmert. 1907 hat Anna Jarvis für ihre Mutter also eine entsprechende Gedenkveranstaltung in ihrer Heimat in West Virginia organisiert. Im Jahr drauf wurde darauf eine Veranstaltung für alle Mütter. Und 1909 wurde dieser Muttertag bereits landesweit gefeiert. In Deutschland zeigen Blumenhändler Interesse an dem Feiertag Es war somit zuerst ein methodistischer Feiertag, der dann aber auch vom US-Kongress übernommen wurde. Das schwappte dann auch nach Europa. In Deutschland war es tatsächlich der Blumenhandel, der Werbung für den Muttertag machte. so wie später dann auch für den Valentinstag. Nazis erklären Muttertag zum offiziellen Feiertag und führen Mutterkreuz ein Was die Nazis betrifft: Sie haben den Muttertag zwar nicht eingeführt, aber sie haben ihn zum offiziellen Feiertag erklärt und das Mutterkreuz eingeführt. Aber das ist Geschichte, als Feiertag wurde er nach dem Krieg wieder abgeschafft. Der Muttertag fällt zwar immer auf einen Sonntag, ist bei uns aber kein gesetzlicher Feiertag. Insofern ist der Muttertag, den wir heute haben, auch kein Relikt der Nazis, sondern es gab ihn schon lange vorher. Die Nazis haben aber auch Christi Himmelfahrt zum Feiertag gemacht – und das ist ja geblieben. Das ist ja der Tag, der in Deutschland auch als Vatertag gilt, auch wenn das in keinem Gesetz so drinsteht.

  16. Schlag auf den Zapfhahn sollte Zechgelage beenden Die erste Frage: Wieso Zapfen? Was für ein Zapfen wird da gestrichen? Da geht es nicht um Tannenzapfen, sondern um den Zapfhahn von Bier-, Wein- oder Schnapsfässern. Auch das Wort "Streich" hatte früher eine andere Bedeutung: Damit war kein sanftes Streichen gemeint, sondern ein Schlag, so wie im englischen "strike". Auch der Ausdruck "jemandem einen Streich spielen" rührt daher – dass man also jemandem im übertragenen Sinn einen Schlag verpasst. Profos sorgte für Disziplin unter den Soldaten Gehen wir zurück ins 16./17. Jahrhundert, in die Zeit der Landsknechte. Das waren Söldner, die von den damaligen Herrschern eingesetzt wurden, gerade auch im Dreißigjährigen Krieg. Denen musste abends klar gemacht werden, dass sie mit dem Trinken aufhören und schlafen gehen sollen. Um das deutlich zu machen, kam der "Profos". Das war ein Militärbeamter, der vor allem dafür da war, die Disziplin der Söldner aufrechtzuerhalten. Der Profos schlug mit seinem Säbel auf die Zapfhähne der Fässer, um, wie es in Grimms Wörterbuch heißt, "den Zechgelagen der Soldaten Einhalt zu thun". Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, wurde diese Aktion von einem Trommler per Trommelwirbel eingeleitet. Preußen: Zapfenstreich wird feierlich – erweitert um Abendlied und Gebet 200 Jahre später wurde das weiter ausgeschmückt, und zwar in den napoleonischen Kriegen, also Anfang des 19. Jahrhunderts. Da veranlasste der preußische König Friedrich Wilhelm III., dass der Zapfenstreich um ein Abendlied und ein Gebet erweitert wurde. 1838 wurde aus dieser Tradition der Große Zapfenstreich als musikalischer Aufmarsch. Erstmals aufgeführt wurde er 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren. Tattoo: militärisches Tamtam in Schottland und in der Schweiz Wer schon mal in der schottischen Hauptstadt Edinburgh war, kennt vielleicht das große "Military Tattoo". Das ist ein großes militärisches Tamtam, von dem es auch in Basel eine Kopie gibt, das Basel Tattoo. Viele fragen sich, warum das so heißt: Was hat das mit einer Tätowierung zu tun? Die Antwort ist: gar nichts. Im englischen Wort "Tattoo" steckt ebenfalls der Zapfen: "Tap Toe" hieß das ursprünglich, also: Zapfen zu. Aus "Tap Toe" wurde "Tattoo". Das Wort "Tattoo" im Sinne von Tätowierung dagegen hat einen ganz anderen Ursprung, das kommt ursprünglich aus dem Samoanischen, also der Sprache, die im polynesischen Samoa gesprochen wird.

  17. Der Begriff "gerade" Zahl hat – das wird viele überraschen – sprachlich überhaupt nichts mit geraden Linien zu tun oder dass ungerade Zahlen als irgendwie "krummer" angesehen wurden. Etymologie: rathjo – rathjan – girat Die "Geradheit" von Linien bzw. von Zahlen geht auf zwei völlig verschiedene Wortstämme zurück. Die "geraden" Zahlen lassen sich zurückführen auf das gotische Wort "rathjo", was einfach "Zahl" bedeutete, und daraus wurde dann ein Verb (ge-)rathjan – zählen. Daraus hat sich im Althochdeutschen "girat" gebildet, was so viel hieß wie zählbar, gleichzählig. Warum sich die Wortbedeutung dann später reduziert hat auf "gerade" im Sinne von "in zwei gleiche Hälften teilbar", das weiß offenbar niemand so richtig. Eine Möglichkeit könnte sein: Die Vorsilbe ge- bedeutet in den germanischen Sprachen (ähnlich wie co- oder com- im Lateinischen) immer, dass etwas miteinander verbunden wird (bestes Beispiel: gem-einsam). Rathjan war "zählen", ge-rathjan könnte dann die sinngemäße Bedeutung bekommen haben "paarweise zählen", woraus sich girat "paarweise zählbar" entwickelt hat. Aber vielleicht war es auch ganz anders, darüber habe ich keine verlässlichen Quellen gefunden. Interessant wird es, wenn man noch weiter zurückgeht und fragt: Woher kommt denn dieses gotische Wort "rathjo"? Und der eine oder die andere ahnt es vielleicht schon: Das ist vermutlich eine Entlehnung aus dem lateinischen "ratio", also Vernunft, Berechnung. Die Pointe dabei ist, dass wir ja in der Mathematik einerseits gerade Zahlen haben, andererseits aber auch die Gruppe der rationalen Zahlen. Aber etymologisch sind sie eigentlich identisch, gehen auf das gleiche Wort zurück. Ein anderes Wort, wo sich der Wortstamm im Deutschen noch findet, ist die "Rate". "Gerade" Linie hat anderen Wortstamm: schnell und schlank Die "gerade" Linie wiederum kommt von einem andern Wort, nämlich "rado" – was so viel wie "schnell" und "schlank" bedeutet hat, damit verwandt ist auch unser Wort "Rad". Man kann also sagen: Die "gerade" Linie ist mit dem "Rad" verwandt, die "gerade" Zahl dagegen mit der Rate. Das sind zwei völlig verschiedene Wortstämme, ein "Teekesselchen", wenn man so will.

  18. Der Name "Waldhonig" täuscht ein bisschen. Bäume blühen zwar auch – aber um ihre Pollen zu verbreiten, brauchen die meisten von ihnen keine Insekten. Das geht über die Luft. Nur wenige Bäume wie die Linde oder der Ahorn werden von Insekten bestäubt. Dann heißt der Honig auch entsprechend, also z.B. Lindenblütenhonig. Bienen schmarotzen bei anderen Insekten und holen sich deren Honigtau Waldhonig ist etwas ganz anders. Den Waldhonig produzieren die Bienen nämlich nicht aus Nektar, gehen also nicht direkt an die Blüten. Sie schmarotzen vielmehr bei anderen Insekten, die an Bäumen sitzen. Das sind vor allem Blattläuse. Diese Läuse sitzen an der Rinde, den Blättern oder den Nadeln und zapfen mit ihren Mundwerkzeugen die Pflanzensaft-Leitungen des Baumes an. Weil dieser Pflanzensaft süß ist, sind auch die Ausscheidungen der Blattkäfer ziemlich süß. Das ist der sogenannte Honigtau. Von den Bienen oder Ameisen wird der Honigtau freudig empfangen. Blattläuse und Bienen: Waldhonig wird von zwei Insektenarten verdaut Genau genommen ist jeder Honig mehrfach verdaut. Honigbienen lagern die aufgenommene Flüssigkeit in ihrer Honigblase zwischen. Die Honigblase ist ein Abschnitt des Darms, in dem dem Inhalt Wasser entzogen wird und Enzyme beigesetzt werden. Im Stock angekommen, "würgt" die Biene die vorverdaute Flüssigkeit hoch und gibt sie an eine andere Arbeiterin weiter, die den Prozess wiederholt. Zuvor hat der Pflanzensaft bereits den Verdauungstrakt der Blattlaus durchquert. Deswegen ist das Besondere beim Waldhonig, dass er von zwei verschiedenen Insektenarten verdaut wird, bevor er im Honigglas landet.

  19. Intelligenz ist an Symbole gebunden. Sprache ist ein Symbol. Und ohne die Fähigkeit, Symbole zu haben, könnten wir nicht die Intelligenz zeigen, die wir haben, um uns in bestimmte komplizierte Inhalte einzudenken. Das unterscheidet uns von Tieren. Tiere können Laute produzieren und miteinander kommunizieren, aber sie haben keine flexible Sprache, die es ihnen ermöglicht, neue Begriffe zu entwickeln. So haben wir als Menschen beispielsweise die Möglichkeit, alles ins Gegenteil zu verkehren, indem wir einfach die kleine Silbe "un" voranstellen. Möglich – unmöglich usw. Viel Sprechen und ein großer Wortschatz fördern die Intelligenz von Kindern All das ermöglicht eine geistige Flexibilität, die an die Sprachfähigkeit gebunden ist. Daher die klare Antwort: Wir hätten nicht die Intelligenz, die wir haben, wenn wir uns nicht sprachlich gut ausdrücken könnten, wenn uns die Sprachfähigkeit nicht in die Wiege gelegt worden wäre. Und wir wissen auch, dass Menschen nur dann ihre Intelligenz entwickeln können, wenn sie die Möglichkeit hatten, sich sprachlich weiterzuentwickeln. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, Intelligenz zu fördern und Unterschiede zu kompensieren. Wenn man allerdings mit Kindern früh viel spricht und ihren Wortschatz erweitert, hat man ihnen die besten Möglichkeiten mitgegeben, eine optimale Intelligenz zu erreichen. Wenn man sprachlich schlampig ist, die grammatikalischen Möglichkeiten einer Sprache nicht ausnutzt, dann entwickelt man nicht die Intelligenz, die man vielleicht entwickeln könnte, da man das Potenzial mitbringt.

  20. Für gesunde Hunde reichen Alleinfuttermittel Was das Futter angeht, bin ich als Tierarzt relativ entspannt. Für das gesunde Tier gilt: Was der Hund verträgt, ist auch gut für ihn. Wichtig ist, dass es ein Futter sein muss, das für die alleinige Ernährung gedacht ist, also ein Alleinfuttermittel. Das heißt Dosenfutter oder Trockenfutter. Das ist meist so ausgelegt, dass das Tier rein theoretisch sein Leben lang nur dieses Futter fressen müsste und mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt wäre, die das Tier so braucht. Bei gesundheitlichen Problemen kann geeignetes Futter ergänzt werden Außerdem gibt es Ergänzungsfuttermittel. Solches Futter kann gezielt bei bestimmten Erkrankungen gegeben werden – wenn die Niere oder die Leber erkrankt ist oder bestimmte Stoffe fehlen. Mit diesen Futtern muss man also aufpassen, wenn man ein gesundes Tier hat. Aber das gesunde Tier kann man mit einem Futter, das ihm schmeckt und das es verträgt, gut ernähren. Was ist von BARF zu halten? BARF (Bones And Raw Foods) ist angelehnt an die natürliche Ernährung von Wölfen; so soll mit rohem Fleisch bedarfsgerecht gefüttert werden. Prinzipiell ist der Gedanke ganz gut. Allerdings muss man sich mit diesem Futter auseinandersetzen. Denn einem domestizierten Hund, der in einer Familie lebt, würde das rohe Fleisch vorne und hinten nicht reichen. Er bräuchte Vitamine, Spurenelemente, Öle und ein paar Kohlenhydrate. Um eine BARF-Portion korrekt zu berechnen, muss man sich mit diesem Futter auseinandersetzen oder jemanden haben, der das für einen übernimmt. Dafür muss man prüfen: Wie aktiv ist mein Hund? Was hat er für einen Stoffwechsel? Was verträgt er? Dann wird konkret ausgerechnet, wie viel an Spurenelementen et cetera drin ist. BARF ist daher die Fütterungsart, bei der potenziell die meisten Fehler passieren können, weil es zu viele Varianten gibt. Zwar haben vielleicht auch Futtermittel, die es fertig im Laden zu kaufen gibt, ihre Nachteile. Aber es ist alles drin, was das Tier braucht.