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600- Zwischen Stalingrad und Fernweh: Heinz G. Konsalik28.05., 06:0028.05.2026, 06:0000:15:41
Seine Romane über Krieg und Heimkehr erreichten Millionen. Heinz G. Konsalik (geboren 28.5.1921) erzählt vom Leid deutscher Soldaten - und schweigt über ihre Schuld. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen: wie der Zweite Weltkrieg Konsaliks Leben und Werk prägt, welche Botschaft sich durch Konsaliks Kriegsromane zieht, wie Konsalik ein Millionenvermögen verliert was Konsalik von deutschen Literaturkritikern hält. Heinz G. Konsalik schreibt seine Romane über den Zweiten Weltkrieg in den 1950er und 1960er Jahren. Er beschreibt in diesen Büchern, was viele seiner Leser selbst erlebt haben und spricht so ein Millionenpublikum an. Als Autor setzt er sich nicht kritisch mit dem NS-Regime auseinander, wie es intellektuelle Schriftsteller wie Heinrich Böll, Thomas Mann, Wolfgang Borchert, Nelly Sachs oder Bertolt Brecht nach 1945 tun. In den 1970er-Jahren wechselt Konsalik das Genre, schreibt Arztromane, Abenteuer- und Liebesromane. Er will damit Sehnsüchte bei seinen Lesern wecken, sie in fremde Welten entführen. In den 1990er-Jahren thematisiert er das immer stärker werdende Umweltbewusstsein. Mit 71 Jahren lernt Heinz G. Konsalik während einer Asienreise die 44 Jahre jüngere Chinesin Ke Gao kennen. Sie bleibt die letzten sieben Jahre seines Lebens an seiner Seite. Die beiden ziehen nach Salzburg, denn neben dem Schreiben hat Konsalik noch eine zweite Leidenschaft: Er ist großer Richard Wagner-Fan, Dauergast bei den Bayreuther Festspielen. Heinz G. Konsalik stirbt im Oktober 1999 mit 78 Jahren in seiner Wahlheimat. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christian Adam, Buchautor und Redakteur im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Christian Adam: Der Traum vom Jahre Null - Autoren, Bestseller, Leser. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945. Berlin 2016. Heinz G. Konsalik: Der Arzt von Stalingrad. München 1994 Heinz G. Konsalik: Liebesnächte in der Taiga. München 1966 Weiterführende Links: Stichtag: 19. November 1942 - Sowjetische Offensive bei Stalingrad beginnt Stichtag: 16. Juli 1985: Heinrich Böll stirbt in Kreuzau-Langenbroich Zeitzeichen: 14. August 1956 - Todestag von Bertolt Brecht Stichtag: 12. August 1955 - Todestag von Thomas Mann Unser Hörtipp: Wie eine junge Demokratie zerfällt, das zeigt Schriftsteller Lion Feuchtwanger in seinem Schlüsselroman „Erfolg", den gibts in ARD Sounds als Hörbuch - zu finden im Feed „Kult - Klassiker als Hörbucher“: Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann
- Der tödliche Reichtum der Osage-Indianer: Öl, Morde und das FBI27.05., 06:0027.05.2026, 06:0000:14:51
Die wahre Geschichte hinter dem Film "Killers of the Flower Moon" spielt 1921: Sie erzählt von Gier und einem indiginen Volk, das eigentlich nur seine Ruhe suchte - und vom ersten großen Fall des FBI. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath: welche Gerüchte nach dem Tod der 34-jährigen Anna Brown entstehen, wie der indigene Stamm der Osage eher zufällig unermesslichen Reichtum erlangt, welche mörderische Idee der wohlhabende Viehzüchter William Hale hat, wie das FBI die Ermittlungen im bis dahin spektakulärsten Kriminalfall der US-Geschichte aufnimmt. Am 27. Mai 1921 wird die halbverweste Leiche der 34-jährigen Anna Brown in einer Schlucht in der Nähe von Gray Horse gefunden. Einem kleinen Städtchen in Oklahoma. Die 34-jährige Angehörige des Stammes der Osage ist durch einen Kopfschuss gestorben. Sie ist das erste Opfer in einer Mordserie. Niemand scheint ein Interesse daran zu haben, den Mord aufzuklären. Zeugen werden bestochen, ermordet oder verschwinden spurlos. Im Sommer 1923 gibt es bereits 24 nachgewiesene Morde an Osage sowie an Weißen, die die Verbrechen aufklären wollen. Schließlich übernimmt der ehemalige Texas Ranger Tom White die Ermittlungen für das FBI. Er und seine Männer decken ein enormes kriminelles Netzwerk auf, bei dem es darum geht, das Geld der Osage zu veruntreuen. Die Ermittler decken nicht nur dieses Netzwerk auf. Sondern sie kommen auch den Mördern und ihren Auftraggebern auf die Spur. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: John Fox, Offizieller FBI-Historiker David Grann, Journalist und Buchautor "The Killers of the Flower Moon" FBI History: Osage Murders Case Weiterführende Links: Zeitzeichen: 10.05.1924: J. Edgar Hoover wird Chef des FBI Planet Wissen: Völker - Indianer / Indigene Völker Nordamerikas Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Andrea Kath Redaktion: Matti Hesse
- Naturforscherin Amalie Dietrich: Pionierin mit düsterem Kapitel26.05., 06:0026.05.2026, 06:0000:14:52
Zehn Jahre reist Amalie Dietrich (geb. 26.5.1821) nach Australien: das Abenteuer ihres Lebens. Sie sammelt unbekannte Pflanzen und Tiere - und auch menschliche Skelette. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: wer Amalie das Bestimmen, Präparieren, Trocknen und Pressen von Pflanzen beibringt, wie Amalie sich zu Fuß quer durch Europa auf ihre Verkaufstouren begibt, warum Amalie Dietrichs Lebensgeschichte der DDR-Führung so gut gefällt, wieviele Vögel, Insekten, Reptilien, Meerestiere nach Amalie Dietrich benannt werden, wie der Streit um eine Wasserquelle Dietrichs Ruf später schädigt. Als Tochter eines mittellosen sächsischen Handwerkers heiratet Amalie Nelle 1846 den Apotheker und Botaniker Wilhelm Dietrich. Die Ehe geht in die Brüche. Und so zieht Amalie Dietrich zum Broterwerb zu Fuß durch Deutschland, verkauft seltene Pflanzen und Sämereien an Apotheken, zoologische Gärten und wohlhabene Sammler. Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet überzeugen den Hamburger Reeder Johan Cesar Godeffroy. Der will ein eigenes Übersee-Museum aufbauen und sucht Menschen, die sich für ihn auf die Reise begeben. Als Amalie Dietrich Empfehlungsschreiben ihrer Kunden vorlegt, schlägt Godeffroy ein. Im Mai 1863 nimmt Amalie Dietrich für zehn Jahre Abschied von ihrer Tochter Charitas. Neben Tieren und Pflanzen schickt Amalie Dietrich auf Wunsch ihres Auftraggebers auch Skelette und Schädel von Eingeborenen. In Australien gibt es heute das Gerücht, Amalie Dietrich habe, um an diese Skelette zu kommen, Aborigines gezielt töten lassen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dietmar Lippert, Vorsitzender des Schulfördervereins Siebenlehn, der sich um das Andenken an Amalie Dietrich in ihrer Heimatstadt kümmert Birgit Scheps-Bretschneider, Kustodin des Grassi-Museums für Völkerkunde zu Leipzig Charitas Bischoff: Amalie Dietrich. Ein Leben. Hamburg 2012 (Neudruck) Weiterführende Links: Zeitzeichen: 09.02.1885: Todestag des "Südseekönigs" Johann Cesar Godeffroy Planet Wissen: Übersichtsseite - Australien und Ozeanien Planet Wissen: Evolutionsforschung - Charles Darwin Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Matti Hesse, Hildegard Schulte Technik: Sarah Fitzek
- Mondlandung: Wie Kennedy das Space Race gegen die Sowjets dreht25.05., 06:0025.05.2026, 06:0000:14:17
Am 25.5.1961 kündigt der US-Präsident an, innerhalb eines Jahrzehnts Menschen zum Mond zu schicken. Mitten im Kalten Krieg hat er nicht nur die Erforschung des Weltraums im Sinn. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann: dass Präsident John F. Kennedy zu Beginn seiner Amtszeit andere Prioritäten als die Raumfahrt hat, wie die Vereinigten Staaten im Rennen zum Mond zunächst hinter der Sowjetunion zurückliegen, was Kennedy bei der Raketenentwicklung erst einmal vordringlich interessiert, mit welchem Vorschlag der US-Präsident den Sowjet-Chef Nikita Chruschtschow überrascht. Als John F. Kennedy 1960 Präsident der Vereinigten Staaten wird, ist der Wettlauf zum Mond längst gestartet. Nach der Hündin Laika schickt die Sowjetunion mit Juri Gagarin am 12. April 1961 auch den ersten Menschen ins All. Kennedys Antwort auf Gagarins Flug kommt nur sechs Wochen später. Er beruft eine gemeinsame Sondersitzung des Senats und des Repräsentantenhauses ein, wie sie nur zu ganz besonderen Anlässen einberufen wird. Am 25. Mai 1961 gibt Kennedy die entscheidende Parole aus: Noch vor Ablauf der nächsten zehn Jahre solle ein US-Amerikaner den Mond betreten und gesund wieder auf die Erde zurückkehren. Kennedys Traum wird 1969 mit der Mondlandung der Mission Apollo 11 wahr. Neil Armstrong und Edwin Aldrin sind die ersten Menschen, die am 21. Juli 1969 den Erdtrabanten betreten. Bis zur Einstellung des Apollo-Programms 1972 sind es insgesamt zwölf. John F. Kennedy erlebt den Triumph nicht mehr. Er wird am 22. November 1963, zwei Jahre nach seiner Grundsatzrede, im texanischen Dallas ermordet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Brian C. Odom, Chefhistoriker der NASA und Leiter des NASA-Archivs John M. Logsdon: John F. Kennedy and The Race to the Moon Weiterführende Links: Stichtag: 29. Mai 1917: Geburtstag von John F. Kennedy Stichtag: 21. Juli 1969 - Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond Zeitzeichen: 11.12.1972 - Letzte Mondlandung der Amerikaner Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann Redaktion: Carolin Rückl, Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup
- Moskau brennt: Der Überfall der Krimtataren24.05., 06:0024.05.2026, 06:0000:14:13
Am 24. Mai 1571 verwandeln die Krimtataren Moskau in ein Inferno: Menschen ersticken, Leichen treiben durch die Moskwa. Der Zar flieht. Zurück bleibt ein historisches Trauma. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: warum das Verhältnis zwischen Krimtataren und Russen bis heute problematisch ist, in welchem Großraum über Jahrhunderte turksprachige Völker leben, mit welch fragwürdigem Geschäftsmodell die Krimtataren Macht und Wohlstand erlangen, wie der ESC dazu beiträgt, dass das aufgeladene Verhältnis zwischen Krimtataren und Russland einem breiteren Publikum bekannt wird. Im Mai 1571 legen die Krimtataren Moskau in Schutt und Asche. 60.000 Menschen sollen dem Brand zum Opfer gefallen sein, rund die Hälfte der damaligen Stadtbevölkerung. Die Stadt Moskau wird 1147 erstmals urkundlich erwähnt und ist zunächst Mittelpunkt eines Mini-Fürstentums. Doch seine Herrscher setzen alles daran, ihr Reich zu vergrößern. Im 16. Jahrhundert wird das geografisch massiv gewachsene Großfürstentum Moskau zum "Zarentum Russland" erklärt. Sein erster Zar ist Iwan IV., genannt "der Schreckliche". Iwans Mission ist es, das ganze Gebiet der ehemaligen Rus wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Er erobert tatarische Kleinreiche in der Region, führt mit Polen-Litauen Krieg um Ländereien und macht recht deutlich, dass er nicht vorhat, mit den Eroberungen aufzuhören. Auch den Osmanen ist das aufstrebende Russland ein Dorn im Auge. Und so fallen die mit ihnen verbündeten Krimtataren 1570 in Iwans Reich ein. Im folgenden Jahr durchbricht ein riesiges Heer der Krimtataren auch mit osmanischer Verstärkung die russischen Stellungen an der Oka und brennt Moskau nieder. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Mieste Hotopp-Riecke, Turkologe und Islamwissenschaftler mit Spezialgebiet Tataren Sarah Reinke/Mieste Hotopp-Riecke (Hrsg.): Die Krimtataren. Geschichte Kultur Politik. Hannover Stuttgart 2025. Kerstin S. Jobst: Geschichte der Krim. Iphigenie und Putin auf Tauris. Oldenburg 2020. Heinrich von Staden: Aufzeichnungen über den Moskauer Staat. Hrsg. v. Fritz T. Epstein, 2. erweiterte Auflage. Hamburg 1964. Stefan Albrecht/Michael Herdick (Hrsg.): Im Auftrag des Königs. Ein Gesandtenbericht aus dem Land der Krimtataren (1579). Mainz 2011. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 04.04.1558 - Kolonisierung Sibiriens beginnt Stichtag: 18. März 1584 - Iwan der Schreckliche stirbt beim Schachspiel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Daniela Wakonigg Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Jürgen Mönkediek
- Lebendige Pharmaziegeschichte: Deutschlands älteste Apotheke23.05., 06:0023.05.2026, 06:0000:13:34
Der 23.5.1241 gilt als Geburtsdatum der Löwen-Apotheke in Trier. Vom Mittelalter bis heute - also seit bald 800 Jahren - werden dort Arzneien hergestellt und verkauft. In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz: was über die Gründung der heutigen Löwen-Apotheke in Trier bekannt ist, wie der Inhalt der Schenkungsurkunde von 1241 lautet, wann die Apotheke in den Besitz der aktuellen Betreiber-Familie gelangt, was das Wort Apotheke ursprünglich bedeutet. Die Löwen-Apotheke am Trierer Hauptmarkt ist kein Museum, sondern ein lebendiger Betrieb. Ihre Geschichte beginnt mit einer Schenkung: Ein Trierer Kellermeister überträgt seine Apotheke an ein Damenstift. Was genau dort verkauft wird, bleibt zunächst offen. Erst allmählich spezialisieren sich Apotheken auf Arzneimittel – ein Prozess, der eng mit neuen Regeln, Wissenstransfers aus dem Orient und der wachsenden Bedeutung von Wissenschaft verbunden ist. Über Jahrhunderte hinweg verändert sich das Aufgabenprofil. Aus Lagerstätten werden Werkstätten, aus Hausmitteln Rezepturen, aus Kräutern Chemie. Brände, Kriege und Krisen übersteht die Apotheke ebenso wie den Wandel zur modernen Gesundheitsversorgung. Während andernorts Apotheken schließen, arbeitet man in Trier weiter – auf Fundamenten, die fast tausend Jahre alt sind. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Claus Schmiz (Erbe der Familie, die seit 1660 die Löwen-Apotheke in Trier betreibt) Elisabeth Schmiz (ehemalige Leiterin der Löwen-Apotheke und Mutter von Luzie Schmiz-Rölz) Luzie Schmiz-Rölz (Leiterin der Löwen-Apotheke in elfter Generation) Axel Helmstädter (Apotheker und Pharmaziehistoriker, Universität Marburg) Peter Ditzel: Die Älteste … - Umbau der Löwen-Apotheke in Trier: Wie sich Tradition, Design und High-Tech miteinander verbinden. In: Deutscher Apotheker Zeitung vom 29.01.2015, S. 52-57 Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte der Arzneien Planet Wissen: Medizin im Mittelalter Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
- Der Muskatnuss-Kapitalismus von 1621 und die mörderischen Folgen22.05., 06:0022.05.2026, 06:0000:14:46
Der Aufstieg der Niederlande zur Weltmacht und ein furchtbares Menschheitsverbrechen auf den indonesischen Banda-Inseln: Dahinter steckt der Kampf um Muskatnüsse. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff: warum eine unscheinbare Gewürznuss zeitweise wertvoller ist als Gold, wie die erste Aktiengesellschaft der Welt Handel und Krieg miteinander verknüpft, weshalb der Niederländer Jan Pieterszoon Coen die Banda-Inseln gezielt entvölkert, was das Massaker von 1621 mit dem "Goldenen Zeitalter" der Niederlande zu tun hat, wie die Erinnerung der Überlebenden bis heute in Liedern und Versen weiterlebt. Muskatnuss ist im Europa der Frühen Neuzeit mehr als ein Gewürz. Sie ist Statussymbol, Spekulationsobjekt und ein Versprechen auf schnellen Reichtum. Genau deshalb geraten die kleinen Banda-Inseln im heutigen Indonesien ins Zentrum globaler Machtinteressen. Seit Jahrhunderten handeln die Einheimischen mit der begehrten Frucht, bis die niederländische "Vereinigte Ostindien Companie" (VOC) ein Monopol erzwingen will. Als sich die Bewohner der Banda-Inseln sich widersetzen, lässt der VOC-Gouverneur Jan Pieterszoon Coen 1621 die Inseln militärisch unterwerfen. Fast die gesamte Bevölkerung wird ermordet oder vertrieben. Zurück bleibt eine Plantagenwirtschaft, aufgebaut auf Sklaverei. Der wirtschaftliche Erfolg ist enorm, die moralischen Kosten verschwinden aus der europäischen Erinnerung. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christoph Driessen (deutsch-niederländischer Historiker, Köln) Fabian Scheidler (Historiker, Berlin) Amitav Ghosh: Der Fluch der Muskatnuss – Gleichnis für einen Planeten in Aufruhr. Berlin 2023 Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Regensburg 2009 Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation. Wien 2015 Sven Beckert: Kapitalismus – Geschichte einer Weltrevolution. Hamburg 2025 Weiterführende Links: Zeitzeichen 21.09.1629: Todestag von Jan Pieterszoon Coen Zeitzeichen 17.03.1798: Die Ostindien-Kompanie wird verstaatlicht Planet Wissen: Gewürze Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff Redaktion: Matti Hesse Technik: Joseph Baader
- Alles für das Nichts: Otto von Guericke21.05., 06:0021.05.2026, 06:0000:14:50
Wie lässt sich auf der Erde das Nichts darstellen, das zwischen den Sternen liegt? Die Frage bewegt Otto von Guericke ein Leben lang. Am 21.5.1686 stirbt er als Begründer der experimentellen Physik. In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting: wofür das Wort "magdeburgisieren" heutzutage sinnbildlich steht, was Otto von Guericke mit Bier- und Weinfässern anstellt, wie im 17. Jahrhundert eine Art wissenschaftliche Community entsteht, wie Verhandlungen in Folge des 30-jährigen Krieges als Katalysatoren für die Wissenschaft wirken. Wissenschaft ist zu Otto von Guerickes Zeiten üblicherweise ein reiner Denksport. Der findet bei den Gelehrten seiner Zeit erst im Kopf statt und wird dann am Schreibtisch umgesetzt. Doch das stößt bei der Frage nach dem Nichts, dem Vakuum, an seine Grenzen. Von Guericke forscht nicht am Schreibtisch, sondern er tüftelt mit Metallbauern und Handwerkern an Vakuumpumpen. Er beginnt, zu experimentieren und vor allem, seine Arbeit zu dokumentieren - auch die Dinge, die nicht funktionieren. Im Sommer 1657 fügt Guericke zwei große Halbkugeln aus Kupfer mittels einer Dichtung zusammen und pumpt die Luft aus dem Inneren heraus. Anschließend werden vor jede Halbkugel nacheinander acht Pferde gespannt, die sie auseinanderreißen sollen. Es gelingt den Pferden nicht. Als die Kugeln wieder mit Luft gefüllt werden, fallen sie von allein auseinander. Von Guericke zeigt damit praktisch, wie ein Vakuum funktioniert. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Prof. Peter Reichling, Vorsitzender der Otto von Guericke Gesellschaft Weiterführende Links: Stichtag: 23. Mai 1618: Zweiter Prager Fenstersturz eröffnet den 30-jährigen Krieg Planet Wissen: Elektrizität Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Stephan Beuting Redaktion: Frank Zirpins
- Poet, Player, Provokateur: wie Heine mit Deutschland hadert20.05., 06:0020.05.2026, 06:0000:14:33
Am 20.5.1831 kehrt der Dichter Heinrich Heine Düsseldorf und Deutschland den Rücken. Antisemitismus, Nationalismus und Skandale haben ihn ins Pariser Exil gedrängt. In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann: warum Heinrich Heine ein großer Fan Napoleons ist, wie wenig charmant Heine die Bewohner Göttingens beschreibt, warum Heine zuerst von der Uni und dann auch noch aus der Burschenschaft fliegt, durch welchen öffentlichen Streit Heinrich Heine für die Verantwortlichen der Ludwig-Maximilians-Universität in München untragbar wird. Die Karlsbader Beschlüsse bedeuten ab 1819 Überwachung der Universitäten, Verfolgung politisch Andersdenkender und für Heinrich Heine: scharfe Zensur. Im Mai 1831 zieht er die Konsequenzen und emigriert nach Paris. Bevor er überhaupt das Schreiben anfängt, studiert er in Bonn, Göttingen und Berlin Jura. Allerdings interessiert er sich zu der Zeit mehr für Brauhäuser, Philosophie und Frauen. Während Heine studiert, wird Deutschland umgebaut. Napoleons Armeen sind vernichtend geschlagen. Auf dem Wiener Kongress beschließen Könige, Herzöge und Grafen, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Viele Freiheiten werden zurückgenommen. Das bekommen neben Liberalen und Demokraten vor allem Juden, und damit auch Heine, zu spüren. Heine bekommt von der Augsburger Allgemeinen Zeitung das Angebot, als Korrespondent nach Paris zu gehen, welches er gerne annimmt. Deutschland besucht er nur noch zweimal, bevor er am 17. Februar 1856 im Alter von 58 Jahren in Paris stirbt. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Florian Trabert, Literaturwissenschaftler Uni Düsseldorf Weiterführende Links: Planet Wissen: Romantik Planet Wissen: Napoleon Bonaparte Zeitzeichen: 15.08.1769 - Geburtstag von Napoleon Bonaparte Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Richmann Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
- Vier Minuten Meisterschaft: Der bitterste Tag auf Schalke19.05., 06:0019.05.2026, 06:0000:14:57
Am 19.5.2001 ist Schalke 04 für einen kurzen Moment gefühlt Deutscher Meister - bis ein Freistoß in Hamburg alles verändert. Kommentator Manni Breuckmann erzählt vom dramatischsten Tag seiner Reporterkarriere. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Gerdener: wie aus einem ganz normalen Bundesliga-Finale ein großes Drama wird, wie eine Falschmeldung ein ganzes Stadion in Ekstase versetzt, welche Rolle Radios, Reporter und verzögerte Bilder spielen, dass ausgerechnet dieser Moment Schalke bis heute definiert. Ein Fernduell am letzten Spieltag, ein ausverkauftes Parkstadion und eine Region im Ausnahmezustand: Der FC Schalke gewinnt, die Konkurrenz liegt zurück, die Meisterschaft scheint greifbar. Reporter verlieren ihre Neutralität, Fans stürmen den Rasen, Feuerwerk erhellt den Himmel über Gelsenkirchen. Alles deutet auf Erlösung hin. Doch das Glück beruht auf einem Irrtum. Während auf Schalke schon gefeiert wird, läuft das entscheidende Spiel noch. Ein später Freistoß, ein Tor, und die Wirklichkeit schlägt zurück. Die kürzeste Meisterschaft der Fußballgeschichte endet so abrupt, wie sie begonnen hat - und macht den 19. Mai 2001 zu einem Datum, das auf Schalke jeder kennt. Und viele nicht mehr hören wollen. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Manni Breuckmann (Sportreporter) Rudi Assauer (Manager FC Schalke 04) Huub Stevens (Trainer FC Schalke 04) Michael Zylka (ehem. Präsident FC Schalke 04) Andreas Müller (Teammanager FC Schalke 04) Weiterführende Links: Zeitzeichen 18.05.1958: FC Schalke 04 wird deutscher Fußballmeister Zeitzeichen 06.02.2019: Rudi Assauer stirbt in Herten Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Gerdener Redaktion: David Rother, Emily Jeuckens
- Armut und Affären: Franziska zu Reventlow und die Bohème18.05., 06:0018.05.2026, 06:0000:14:45
Sie flieht aus adliger Enge in ein Leben voller Kunst, Literatur und unzählige Liebhaber. Franziska zu Reventlow, geboren am 18. Mai 1871, lebt radikal selbstbestimmt. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: wie aus der adligen Fanny zu Reventlow eine radikal selbstbestimmte Außenseiterin wird, warum München-Schwabing für sie ein Versprechen von Freiheit und künstlerischem Leben ist, wie Liebe, Mutterschaft und Geldnot ihr Leben immer wieder neu bestimmen, wie ihr rastloses Leben schließlich zur Literatur wird. Im Kaiserreich ist der Lebensweg von Franziska Gräfin zu Reventlow eigentlich klar vorgezeichnet. Doch sie verweigert sich früh den Erwartungen an Herkunft, Ehe und Moral. Stattdessen folgt sie ihrer Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Kunst und persönlicher Freiheit. In München, später in Italien und der Schweiz, lebt sie als Schriftstellerin, Mutter und Bohémienne am Rand der Gesellschaft. Ihre Erfahrungen fließen in Romane und Erzählungen ein, leicht im Ton, melancholisch im Kern. Ihr Leben bleibt ein ständiges Suchen zwischen Selbstbestimmung und Einsamkeit. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Ulla Egbringhoff (Literaturwissenschaftlerin und Reventlow-Biographin) Ulla Egbringhoff: Franziska zu Reventlow. Reich bebilderte Monographie zu Leben und Werk. Reinbek 2000 Kerstin Decker: Franziska zu Reventlow. Literarische Biographie. München 2018 Weiterführender Link: Franziska zu Reventlow im Projekt Gutenberg Unser Hörtipp: Franziska zu Reventlow: Von Paul zu Pedro - WDR 5 Hörbuch Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Sefa Inci Suvak
- Erik Satie: Revolutionär der Musik und seltsamer Außenseiter17.05., 06:0017.05.2026, 06:0000:14:50
Erik Satie (geb. 17.5.1866) ist ein Außenseiter mit einem Leben voller schräger Anekdoten - und ein musikalischer Visionär. Er prägt mit radikal einfachen Klängen die Moderne. In diesem Zeitzeichen erzählt Philip Ritter: wie Erik Satie jahrzehntelang ein verborgenes Doppelleben in einem ärmlichen Zimmer führt, warum seine Musik bewusst gegen Pathos, Dramatik und musikalische Erwartungen arbeitet, wie ausgerechnet Einfachheit und Wiederholung zu seinem größten künstlerischen Markenzeichen werden, weshalb Zeitgenossen ihn für einen Dilettanten halten und spätere Generationen für einen Visionär. Erik Satie lebt zurückgezogen im Pariser Vorort Arcueil. Als er 1925 stirbt, entdecken Freunde erst, was er all die Jahre verborgen hat: eine Wohnung voller Schmutz, Papierberge und Manuskripte. Darunter Werke, die man für verloren hält und die heute als Schlüsselstücke der Musikgeschichte gelten. Geboren in der Normandie, geprägt von frühen Verlusten, scheitert Satie am Konservatorium und findet seinen eigenen Weg. Musikalisch entzieht er sich konsequent den Konventionen seiner Zeit. Er schreibt Stücke ohne dramatische Steigerung, ohne klare Auflösung, oft mit irritierenden Spielanweisungen. Genau diese Weigerung, Erwartungen zu erfüllen, macht Satie zu einer Schlüsselfigur der modernen Musikgeschichte - und zu einem Rätsel, das bis heute nicht ganz zu lösen ist. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Caroline Potter (Musikwissenschaftlerin) Tomas Bächli (Pianist) Grete Wehmeyer: Erik Satie. Reinbek 1998 Weiterführender Link: WDR 3 Musikporträt: Erik Satie - Musikphilosoph und Klangasket Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Philip Ritter Redaktion: Matti Hesse
- Sykes-Picot: Verrat an der arabischen Welt16.05., 06:0016.05.2026, 06:0000:14:50
Am 16.5.1916 unterzeichnen Großbritannien und Frankreich das Sykes-Picot-Abkommen. Sie haben heimlich den Nahen Osten unter sich aufgeteilt. Mit spürbaren Auswirkungen bis heute. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: wie Mark Sykes und François Georges Picot mit Lineal und Farbstift eine ganze Region neu ordnen, warum ethnische, religiöse und historische Gegebenheiten bei der Grenzziehung keine Rolle spielen, wie gleich mehrere geheime Absprachen einander widersprechen und Erwartungen enttäuscht werden, weshalb Palästina eine internationale Sonderrolle erhält, warum der Name Sykes-Picot bis heute als Symbol für Verrat wirkt. Europa steckt im Ersten Weltkrieg, das Osmanische Reich steht vor dem Zusammenbruch. Während an den Fronten gekämpft wird, verhandeln ein britischer und ein französischer Diplomat im Geheimen über die Zukunft der arabischen Provinzen. Auf einer Karte entstehen Zonen, Einflussgebiete und Sonderverwaltungen. Es geht um Macht, Seewege, Eisenbahnen und künftige Kontrolle. Doch das Abkommen bleibt nicht geheim. Nach der russischen Revolution wird es veröffentlicht und löst in der arabischen Welt Empörung aus. Gleichzeitig treten weitere Versprechen zutage, die kaum miteinander vereinbar sind. Aus den damaligen Entscheidungen entsteht ein Staatensystem, das Konflikte nicht befriedet, sondern neue hervorbringt und den Nahen Osten dauerhaft prägt. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Prof. Dr. Jörn Leonhard (Historiker, Universität Freiburg) Dr. Guido Steinberg (Terrorismusexperte und Islamwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) Weiterführende Links: Zeitzeichen 22.03.1945: Gründungsvertrag der Arabischen Liga Zeitzeichen 20.03.1956: Tunesien wird unabhängig von Frankreich Planet Wissen: Wie der Erste Weltkrieg die Weltkarte veränderte Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Christoph Tiegel, Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann
- Guanchen gegen Spanier: Teneriffas blutige Eroberung15.05., 06:0015.05.2026, 06:0000:14:24
Auf den Kanaren erproben die Spanier ihre kolonialen Bestrebungen. Auf Teneriffa leisten die indigenen Guanchen aber unerwartet heftigen Widerstand - bis zum Jahr 1496. In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer: wer die Guanchen sind und woher sie kommen, dass die Spanier mit einer katastrophalen Niederlage in den Krieg starten, welcher strategische Fehler die Guanchen schließlich zur Aufgabe zwingt, vom traurigen Schicksal der Guanchen unter spanischer Kontrolle. Lange kommen die Kanarischen Inseln aufgrund ihrer abgelegenen Lage vor der afrikanischen Küste im Gedächtnis der Europäer kaum vor. Das ändert sich 1402, als die Spanier mit ihrem Eroberungsfeldzug beginnen. 1494 ist mit Teneriffa nur noch die größte und bevölkerungsreichste der sieben Kanareninseln unabhängig. Der Widerstand der kriegerischen Inselbewohner, die sich Guanchen nennen, ist groß. Doch im Mai 1496 müssen sich auch die letzten Guanchen-Häuptlinge endgültig geschlagen geben. Seither gehören alle Kanarischen Inseln zu Spanien. Viele Guanchen verlieren bei den Schlachten ihr Leben. Die spanische Politik, die Guanchen sozusagen zu hispanisieren, sorgt dafür, dass das Volk nach und nach ganz verschwindet. Ihre Spuren finden sich aber bis heute in den Genen der Kanarenbewohner. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Conrado Rodríguez (MUNA Santa Cruz de Tenerife) Julia Bühner (Universität Frankfurt/Main) Weiterführende Links: Zeitzeichen: 12. Oktober 1492 - Christoph Kolumbus betritt den amerikanischen Kontinent Planet Wissen: Kolonialismus Planet Wissen: Kanaren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Tobias Sauer Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Holger Maerten
- Warum Karl IV. nicht der Friedenskaiser des Mittelalters war14.05., 06:0014.05.2026, 06:0000:14:32
Karl IV. (geb. 14.05.1316) gilt als Verhandler, der lieber Geld als Waffen nutzte. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderes Bild über den Kaiser aus dem Mittelalter. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: warum das Bild vom Friedenskaiser auf Karl IV. nicht zutrifft, von zahlreichen Attentaten und Unfällen, die ihn zwar nicht umbringen, aber für immer zeichnen, warum es Karl IV. nicht gelingt, seine Dynastie langfristig zu sichern. Mit dem Nachruhm mittelalterlicher Kaiser ist es so eine Sache: Karl den Großen kennt man und wohl auch Kaiser Barbarossa. Aber Kaiser Karl IV. bleibt weitgehend unbekannt, dabei hat er eine Menge Spuren hinterlassen. So geht etwa die Goldene Bulle, das langlebigste Grundgesetz deutscher Geschichte, auf ihn zurück. Mit der Universität Prag hat er die erste Hochschule im Heiligen Römischen Reich gegründet. Viele von ihm beauftragte Prachtbauten wie den Veitsdom oder die Nürnberger Frauenkirche kann man bis heute bewundern. Geboren wird Karl im Jahr 1316 als Sohn des böhmischen Königs. Anders als sein Vater ist er ein Meister des Taktierens und führt nur selten Krieg. Als Sympathieträger geht Karl IV. dennoch nicht in die Geschichte ein. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Olaf Rader, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Olaf Rader: Kaiser Karl der Vierte - Das Beben der Welt. Eine Biographie. München 2023 Ferndinand Seibt: Karl IV. - Ein Kaiser in Europa. Frankfurt am Main 2003 Karl IV. Selbstbiographie. Hanau 1979 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 26.02.1361 - Geburtstag des deutschen Königs Wenzel Zeitzeichen: 7. Mai 1398 - Der Kölner Brau-Monopolist und Geschäftsmann Hermann von Goch wird hingerichtet Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk Redaktion: Jakob Schiffer und Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek
- Die Welt zu Gast bei Nazis - die große IOC-Fehlentscheidung13.05., 06:0013.05.2026, 06:0000:14:57
Am 13.5.1931 vergibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Olympischen Spiele 1936 nach Berlin. Das Sportfest wird eine Propaganda-Show für das NS-Regime. In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger: warum deutsche Turner von den Olympischen Spielen der Neuzeit nichts halten, wann kurz zuvor schon einmal Olympische Spiele nach Berlin vergeben werden, wie despektierlich sowohl Adolf Hitler als auch der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt den Athleten Jesse Owens behandeln, welches neue Element der Olympischen Spiele 1936 heute Tradition ist. Als Deutschland 1931 den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1936 bekommt, ahnen wenige, wer zwei Jahre später die Macht übernimmt. Star der Spiele in Berlin ist sehr zum Missfallen der Nazis der afroamerikanische Leichtathlet Jesse Owens, der die Rassenideologie der Nationalsozialisten von der vermeintlichen Überlegenheit der "arischen" Athleten in Grund und Boden läuft. Nazi-Deutschland inszeniert perfekte Spiele - auch als Reaktion auf internationale Versuche, die Spiele nach der Machtübernahme Hitlers nicht stattfinden zu lassen. In den USA und auch anderswo gibt es Boykottbestrebungen. Anlass dieser Boykottbestrebungen sind Rassenideologie und Politik der Nazis. Juden sind schon damals weitgehend vom Sport und anderer gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Andreas Höfer, Deutsches Sport und Olympiamuseum Köln "Olympia", Film von Leni Riefenstahl Zeitzeichen: 01.08.1936 - Olympische Sommerspiele in Berlin Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin Planet Wissen: Geschichte der Olympischen Spiele Zeitzeichen: 3. August 1936 - Jesse Owens sprintet zu Olympia-Gold Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger Redaktion: Emily Jeuckens/David Rother
- Zu radikal für Hitler: Nazi-Ideologin Mathilde Ludendorff12.05., 06:0012.05.2026, 06:0000:14:48
Sie kämpft für Frauenbildung und predigt rassistische Thesen: Ludendorff (gest. am 12.05.1966) ist eine Vordenkerin völkischer Ideologie - die bis heute in rechten Kreisen wirkt. In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek: warum Ludendorffs Ideen selbst Hitler zu radikal sind, dass ihr Weltbild sowohl für ihre Patienten als auch für die Deutsche Frauenbewegung inakzeptabel sind, wie Ludendorffs völkische Thesen im "Bund für Gotterkenntnis" bis heute weiterleben. Mathilde Ludendorff wird als Mathilde Friederike Karoline Spieß 1877 in Wiesbaden geboren. Selbstbewusst fordert sie bereits in jungen Jahren die Gleichstellung der Geschlechter und die Anerkennung von Frauen in akademischen Berufen. Sie macht ihr Abitur, studiert Medizin und eröffnet eine eigene Praxis. Gleichzeitig zieht sie auch noch drei Kinder groß und verfasst erste Schriften. Viele ihrer Ansichten sind da bereits antidemokratisch und völkisch-feministisch. In der Weimarer Republik wettert sie schon vor der Heirat mit dem General Ludendorff immer offener gegen Juden und den Vatikan und erfindet eine neue Religionsphilosophie, fernab jüdisch-christlicher Religionstraditionen. Ihre neue Lehre nennt sie fortan "Deutsche Gotterkenntnis". Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Mathilde Ludendorff als NS-Aktivistin eingestuft. Sie stirbt am 12. Mai 1966 in München. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Sabine Hering (Sozialwissenschaftlerin i.R., mit Schwerpunkt Geschichte, Universität Siegen) Dr. Annika Spilker (Historikerin) Prof. Dr. Uwe Puschner (Historiker, i.R., Freie Universität Berlin, Neuere Geschichte) Sabine Hering: Mathilde Ludendorff - Von der Steigbügelhalterin des Nationalsozialismus zur Gallionsfigur der Ludendorff-Bewegung. Berlin 2023 Annika Spilker: Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus. Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966). Frankfurt am Main 2013 Uwe Puschner: Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte. Göttingen 2012 Mathilde Ludendorff: Der göttliche Sinn der völkischen Bewegung. München 1934 Weiterführende Links: Stichtag: 25. Mai 1961 - Die Ludendorff-Bewegung wird verboten BR Retro: Proteste gegen die Ludendorff-Straße in Tutzing (1961) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Melahat Simsek Redaktion: Carolin Rückl / Frank Zirpins Technik: Thomas Bleul
- Erstaunliches Paar: Die Zwillinge aus Siam11.05., 06:0011.05.2026, 06:0000:14:32
Am Oberkörper verbunden - so kommen Chang und Eng am 11.5.1811 zur Welt. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein, doch sie bleiben bis zum Tod verbunden. In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer: wie Chang und Eng in Thailand, dem damaligen Siam, aufwachsen, warum sie zu Stars auf Jahrmärkten in den USA werden, mit welchen Mitteln sie sich gegen Entmenschlichung und Bevormundung wehren, wie sie es schaffen, als zwei unterschiedliche Persönlichkeiten wahrgenommen zu werden, welche körperlichen Beschwerden am Ende ihres Lebens auftreten. Auf Chang und Eng geht der inzwischen veraltete Begriff der "Siamesischen Zwillinge" zurück. Heute spricht man von "verbundenen Zwillingen". Dass Chang und Eng miteinander verbunden sind und überleben, ist eine medizinische Ausnahme. Früh lernen sie, ihren Alltag zu koordinieren – und zugleich ihre Individualität zu behaupten. Als Jugendliche werden sie in die USA gebracht und ausgestellt. Bewunderung, Sensationslust und Rassismus liegen dabei dicht beieinander. Nach Jahren auf Tour lösen sie sich aus fremder Kontrolle und gestalten ihr Leben selbst. Chang und Eng lassen sich einbürgern, heiraten zwei Schwestern, gründen Familien und werden wohlhabend. Ihre körperliche Verbindung bleibt bis zum Tod bestehen: Als Chang 1874 stirbt, folgt Eng nur zwei Stunden später. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Joseph Orser (Historiker an der Universität Wisconsin) Dr. Konrad Reinshagen (Chirurg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) Joseph Andrew Orser: The Lives of Chang & Eng. Siam's Twins in Nineteenth-Century America. Chapel Hill 2014 National Library of Medicine: From "Monsters" to Modern Medical Miracles Weiterführende Links: ARD Sounds: Siamesische Zwillinge – Die misslungene Trennung von Ladan und Laleh KiKa: Hassan und Hussein – Zusammengewachsen Planet Wissen: Schausteller – die Kirmes als Arbeitsplatz Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Erik Hlacer Redaktion: Frank Zirpins
- Friedensmission oder Irrsinn? Rudolf Heß fliegt nach England10.05., 06:0010.05.2026, 06:0000:14:19
Der Stellvertreter Hitlers fliegt am 10.5.1941 heimlich nach Schottland. Sein Plan: Frieden mit England. Das Unternehmen endet in Gefangenschaft und sorgt für Spott. In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember: warum Rudolf Heß ausgerechnet Schottland als Ziel auswählt, mit welchem Spezialgerät seine Maschine für diesen Flug ausgestattet ist, warum Heß im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess nicht zum Tode, sondern zu lebenslanger Haft verurteilt wird, wo der Hitler-Stellvertreter nach dem Zweiten Weltkrieg sein Leben verbringt, warum das Grab von Heß heute nicht mehr existiert. Im Frühjahr 1941 ist Adolf Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht. Fast ganz Europa ist besetzt, aber Großbritannien hält stand. Während deutsche Bomber London angreifen, startet Rudolf Heß von Augsburg aus zu einer Mission, von der niemand in der NS-Führung weiß. Allein fliegt Hitlers Stellvertreter in einer Messerschmitt-Maschine Richtung Schottland. Heß will Hitler einen Dienst erweisen: Frieden mit Großbritannien, um freie Hand für den Krieg im Osten zu gewinnen. Doch London fällt darauf nicht herein. Heß landet in Kriegsgefangenschaft, das NS-Regime erklärt ihn für "geisteskrank". Sein Flug wird zum politischen Fiasko – und zum Schlüsselmoment für das Verständnis eines Mannes, der bis zuletzt an Hitler glaubt. Das ist unsere wichtigste Quelle und unser Interviewpartner: Manfred Görtemaker (emeritierter Geschichtsprofessor der Uni Potsdam) Manfred Görtemaker: Rudolf Hess. Der Stellvertreter. München 2023 Weiterführende Links: ARD Panorama: Kriegsverbrechergefängnis Spandau (1966) ARD Panorama: Rudolf Hess - 40 Jahre in Haft (1981) ZDF: Der Nazi-Clan - Rudolf Hess Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Moritz Raestrup
- Verpasste das Kriegsende um 27 Jahre: Soldat Yokoi Shoichi09.05., 06:0009.05.2026, 06:0000:14:41
Am 9.5.1991 trifft Yokoi Shoichi endlich den Kaiser. 27 Jahre hatte er allein im Dschungel von Guam ausgeharrt - weil er Japans Kapitulation 1945 für eine Falle hielt. In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand: warum ein japanischer Popsong Yokoi Shoichi an eine Falle glauben lässt, was es mit dem Verhaltenskodex der japanischen Armee auf sich hat, von einem 27 Jahre anhaltenden Überlebenskampf im Dschungel, von Yokois langsamem Weg zurück in die Zivilisation - voller Angst und ohne Schlaf. Es ist 1972, als Yokoi Shoichi in seine Heimat zurückkehrt. Japan ist kein militaristisches Kaiserreich mehr, sondern eine Demokratie. Die verheerenden Folgen des Zweiten Weltkriegs sind weitestgehend überwunden, die Wirtschaft wächst. Japan ist ein Land der günstigen Autos und modernen Fernseher. Yokoi Shoichi ist all das fremd. Denn der Soldat hat für Jahrzehnte einen Krieg gekämpft, den es schon lange nicht mehr gab: allein im Dschungel, auf der Pazifikinsel Guam. Hier hatte ihn das japanische Militär 28 Jahre zuvor stationiert. Japan feiert ihn bei seiner Rückkehr als Helden. Doch er selbst schämt sich, weil er überlebt hat. Yokoi besucht die Gräber seiner Eltern und sein eigenes. Auf dem verwitterten Grabstein steht: Gestorben 1944, Guam. Am 9. Mai 1991 erhält Yokoi eine Audienz bei Kaiser Akihito - für ihn die größte Ehrung seines Lebens. Yokoi stirbt im Alter von 82 Jahren an einem Herzinfarkt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Omi Hatashin (Neffe von Yokoi, forscht unter anderem zur Militärgeschichte Japans) Omi und Yokoi Hatashin: Private Yokoi’s War and Life on Guam, 1944–1972. Kent 2009 Beatrice Trefalt: Japanese Army Stragglers and Memories of the War in Japan, 1950–75. London/New York 2013 Weiterführende Links: Stichtag: 9. März 1974 - Leutnant Hiroo Onoda ergibt sich 29 Jahre zu spät Zeitzeichen: 01.01.1946 - Der japanische Kaiser Hirohito erklärt, kein Gott zu sein Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kolja Sand Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Jürgen Mönkediek und Moritz Raestrup