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Amerigo Vespucci: Nach seinem Vornamen ist der Kontinent Amerika benannt. Doch wer war er (geboren wohl am 9.3.1451): Seefahrer und großer Entdecker - oder ein Hochstapler? In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath: wie Vespucci 32 Seiten unsterblich machen, warum er selbst nichts von seinem Ruhm mitbekommt, wie aus dem Kaufmann Vespucci einer der besten Seefahrer seiner Zeit wird. Ist Amerigo Vespucci ein Hochstapler oder ein wagemutiger Seefahrer? Daran scheiden sich lange die Geister. Fest steht: Er ist der Mann, der Amerika den Namen gibt. Vespuccis Stunde schlägt erst nach den Entdeckungsreisen von Christoph Kolumbus: Mit mehreren Expeditionen, die endlich Reichtümer finden sollen, macht sich der Florentiner Patriziersohn und Buchhalter der Medici auf den Weg gen Westen. Sein Reisebericht "Mundus Novus" aus dem Jahr 1502 wird zum Bestseller, denn Vespucci präsentiert darin eine Sensation: Dort im Westen liegt nicht Indien, sondern ein riesiger, bisher unbekannter Kontinent. Diesen nennt der elsässische Kartograf Martin Waldseemüller in seiner neu erstellten Weltkarte von 1507 "Amerika" - in Anlehnung an Amerigo. Vespucci und Kolumbus teilen sich den Ruhm: Denn der hat die für Europäer "Neue Welt" entdeckt, aber Vespucci sie als solche erkannt. Das ist unsere wichtigste Quelle und Interviewpartnerin: Ingrid Schwamborn, Romanistin und Übersetzerin des Soderini-Briefes Robert Wallisch: Der Mundus Novus des Amerigo Vespucci, Wien 2012 Weiterführende Links: ZDF - Terra X: Der Mann, der Amerika seinen Namen gab - Amerigo Vespucci Zeitzeichen: 12. Oktober 1492 - Christoph Kolumbus betritt den amerikanischen Kontinent WDR: Christoph Kolumbus - Entdecker, Eroberer, Ausbeuter Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen gibt's zu hören in ARD-Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath Redaktion: Matti Hesse
Was für eine Geschichte steckt hinter dem Internationalen Frauentag, der im März 1911 zum ersten Mal stattfindet - und wie hat er sich seitdem verändert? Eine Zeitzeichen‑Sonderfolge zusammen mit Lost‑Sheroes‑Host Milena Straube. In diesem Zeitzeichen erzählt Franziska Rempe: wie der Frauentag nach Deutschland kommt, warum der Frauentag während der NS-Zeit zwar verboten, aber nicht vergessen ist, welche Bedeutung der Tag heute noch hat. Die Geschichte des Internationalen Frauentags beginnt im Jahr 1910. Die Sozialistin Clara Zetkin setzt sich für einen Tag ein, an dem Frauen aus aller Welt zusammenkommen und ihre Forderungen nach Gleichberechtigung im Mittelpunkt stehen. Im März 1911 wird der Internationale Frauentag zum ersten Mal in Deutschland und seinen Nachbarländern gefeiert. Damals geht es vor allem um das Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen für Frauen. Erst seit 1921 ist der 8. März Weltfrauentag. Das Datum erinnert an den Streik russischer Textilarbeiterinnen gegen das zaristische Russland. Es dauert noch bis 1977, ehe die UN-Generalversammlung den Frauentag offiziell anerkennt. Heute ist der Internationale Frauentag in 28 Ländern ein gesetzlicher Feiertag. Beendet ist der Kampf um Gleichberechtigung damit längst nicht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Birgit Kiupel, Historikerin und Musikwissenschaftlerin, tätig beim Digitalen Deutschen Frauenarchiv Angelika Schaser: Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933. Darmstadt 2020 Gisela Notz: Der Internationale Frauentag und die Gewerkschaften. Geschichte(n) - Tradition und Aktualität Weiterführende Links: Zeitzeichen: 20. Juni 1933 - Todestag der KPD-Politikerin Clara Zetkin WDR: Frauentag: Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung? Digitales Deutsches Frauenarchiv: Mit Freundinnen die Welt verändern - raus zum 8. März! Hörtipp: Lost Sheroes mit Host Milena Straube Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Franziska Rempe Redaktion: Matti Hesse
Im Jahr 1916 schließt im Deutschen Reich die erste Bank von Frauen für Frauen. Ihr Ende markiert einen Rückschlag auf dem Weg zu finanzieller Gleichstellung. In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp: warum sich die Frauenbewegung kaum für Geld interessiert, wie sich Frauen durch eine eigene Bank mehr Einfluss erhoffen, wer zu den Kundinnen der Frauenbank zählt, warum das Geldinstitut scheitert. Anfang des 20. Jahrhunderts haben Frauen zwar erste Rechte erkämpft, doch über ihr eigenes Geld bestimmen Väter, Ehemänner oder ein Vormund. Abhilfe schafft 1910 ein mutiges Projekt: ein ausschließlich von Frauen geführtes Kreditinstitut. In Berlin können Frauen nun erstmals selbstbestimmt ein Konto eröffnen, Geld anlegen oder Kredite aufnehmen. Das nötige Finanzwissen liefert die hauseigene Zeitschrift "Frauenkapital". Die männlich dominierte Finanzwelt ist empört und warnt vor einer angeblichen "Übernahme des Kapitals" durch die Frauen. Einige fürchten sogar eine weibliche Weltherrschaft. Dazu kommt es nicht, die Frauenbank muss wegen Zahlungsunfähigkeit 1916 wieder schließen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Gilla Dölle, Archiv der Deutschen Frauenbewegung Kassel Helma Sick, Autorin und Gründerin einer der ersten Frauenfinanzberatungen (Frau & Geld) Gilla Dölle: Die (un)heimliche Macht des Geldes. Finanzierungsstrategien der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland zwischen 1865 und 1933. Frankfurt a.M. 1997 Helma Sick und Renate Fritz: Frau und Geld. Wie Frauen finanziell unabhängig werden. München 2021 Helma Sick und Renate Schmidt: Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist. München 2019 Weiterführende Links: Digitales Deutsches Frauenarchiv: Ohne ökonomische Macht keine Emanzipation - die Berliner Frauenbank (1910-1916) Zeitzeichen: 30.11.1918 - Frauenwahlrecht in Deutschland Zeitzeichen: 13.03.1895 - Die Feministin Louise Otto-Peters stirbt in Leipzig Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Doris Arp Redaktion: Christoph Tiegel und Seva Inci Suvak
Sie war die erste Frau im Weltall - bis heute ist Walentina Tereschkowa die einzige Frau, die alleine die Erde umkreist hat. Die 89-jährige Duma-Abgeordnete (geb. am 6.3.1937) sehnt sich nun auf den Mars. In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger: dass der Flug von Tereschkowa nicht so glatt läuft, wie sie lange behauptet, warum ihre Fähigkeiten beim Fallschirmsprung für sie überlebenswichtig sind, von einem Wettkampf im All zwischen der Sowjetunion und den USA, von der bis heute männerdominierten Welt der Raumfahrt. Sie wird gefeiert als Heldin des Sozialismus: Walentina Tereschkowa ist 1963 die erste Frau im Weltraum. Knapp drei Tage verbringt sie im All, in der engen Raumkapsel "Wostok 6". Tereschkowa war Arbeiterin in einer Textilfabrik, jetzt jubeln ihr tausende Menschen auf dem Roten Platz in Moskau zu. Unter den Gratulanten ist auch Staatschef Nikita Chruschtschow. Ihr Porträt im weißen Kosmonautenhelm erscheint auf Plakaten, Briefmarken - und in den Geschichtsbüchern. Trotzdem kommt die Gleichberechtigung im All auch nach ihrem Weltraumflug nur langsam voran. Heute sitzt Walentina Tereschkowa seit über zehn Jahren im russischen Parlament. Für die Partei, die vom alten Sowjetreich träumt, das sie so geprägt hat. Seite an Seite mit Wladimir Putin. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen: Julia Richers, Osteuropa-Expertin, Historisches Institut Uni Bern Maiken Nielsen, Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin Nicole Sehrig, stellvertretende Leitung Volkssternwarte Bochum Maiken Nielsen: Space Girls, Hamburg 2019 Weiterführende Links: ARD Retro Spezial DDR: Valentina Tereschkowa und Juri Gagarin bei Kranzniederlegung Ready for Liftoff! Der Raumfahrt-Podcast: "Gleichberechtigung im Kosmos" - Rabea Rogge, Walentina Tereschkowa und andere erste Frauen im All SWR Retro: Juri Gagarin Stichtag: 03. November 1957 - Sputnik II startet mit Hündin Laika an Bord Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger Redaktion: Frank Zirpins
- 05.03.202615 min
Nur 1,48 Meter groß, musste sich Rosa Luxemburg (geboren am 5.3.1871) oft auf einen Stuhl stellen, um gesehen zu werden. Was die mutige Denkerin und Politikerin zu sagen hatte, ist auch heute noch wichtig zu hören. In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock: warum Rosa Luxemburg in der DDR zur verehrten Ikone wird und zugleich umstritten bleibt, wie hinter der politischen Kämpferin ein sensibler, naturverbundener Mensch sichtbar wird, und weshalb ihr kompromissloses Eintreten für Freiheit bis heute nachwirkt. Rosa Luxemburg, ein Name voller Gefühl, geprägt von Verehrung und Ablehnung zugleich. Geboren 1871 im damals russisch besetzten Polen, wächst sie unter einfachen Bedingungen auf, erfährt früh Diskriminierung und entwickelt einen unstillbaren Wissensdurst. In Zürich findet sie zur Politik, wird zur brillanten Rednerin, scharfzüngigen Denkerin und führenden Stimme der Arbeiterbewegung. Sie kämpft gegen Krieg, für soziale Gerechtigkeit und politische Freiheit, und scheut auch den Widerspruch in den eigenen Reihen nicht. Gleichzeitig zeigen ihre Briefe eine andere Seite: eine Frau, die Natur, Musik und die kleinen Momente des Lebens liebt. 1919 wird Rosa Luxemburg ermordet. Sie bleibt eine prägende Figur der deutschen Geschichte, deren Leben und Denken bis heute viele Menschen beschäftigt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Sahra Wagenknecht, Politikerin Jörn Schütrumpf, Historiker Uwe Sonnenberg, Jörn Schütrumpf: Rosa Luxemburg in der deutschen Revolution. Eine Chronik, o.O., 2020 Rosa Luxemburg: Briefe. Herzlichst Ihre Rosa, Berlin, 1990 Max Gallo: Rosa Luxemburg. Eine Biographie, Zürich, 1993 Erhard Lucas-Busemann: Die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, Oldenburg, 1990 Weiterführende Links: Rosa-Luxemburg-Stiftung WDR Zeitzeichen: Mit der "Roten Kapelle" gegen Hitler: Cato Bontjes van Beek WDR Zeitzeichen: Rita Süssmuth wird Bundestagspräsidentin (am 25.11.1988) WDR Zeitzeichen: Das weiblichste Parlament der Welt in Ruanda WDR Zeitzeichen: Erna Scheffler - die erste Richterin am Bundesverfassungsgericht Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock Redaktion: David Rother
Im 14. Jahrhundert v. Chr. entsteht die berühmte Büste der Nofretete. Das altägyptische Meisterwerk ist bis heute rätselbehaftet – und Gegenstand einer Rückgabedebatte. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann: warum 1912 ein deutsches Grabungsteam einen Sandhügel in Tell el-Armana freilegt, mit welcher Systematik Forschungsleiter Ludwig Borchard vorgeht, wie am 6. Dezember 1912 die Büste der Nofretete ausgegraben wird, mit welcher List er die Ausfuhr des Kunstschatzes nach Berlin erreicht. "Lebensgroße bemalte Büste der Königin, 47 cm hoch. Farben wie eben aufgelegt. Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen!", notiert Ludwig Borchert am Abend des 6. Dezembers 1912 in sein Grabungstagebuch. Was der deutsche Forschungsleiter beschreibt, ist das rund 3.000 Jahre alte Abbild der Nofretete. Die Darstellung einer Frau, deren Schönheit die Zeit überdauert hat und über deren Leben und Tod wenig bekannt ist. Das deutsche Ausgrabungsteam spielt den Sensatonsfund gegenüber den zuständigen Beamten bewusst herunter, um die Büste nach Berlin bringen zu können. Erst 1924 wird sie dort erstmals öffentlich ausgestellt. Seither zählt Nofretete zu den großen Publikumsmagneten der Berliner Museen – und bis heute wird um ihre Rückgabe gestritten. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Friederike Seyfried, Leiterin des Ägyptischen Museums in Berlin Professor Sebastian Conrad, Historiker mit dem Schwerpunkt Kolonialgeschichte Sebastian Conrad: Die Königin – Nofretetes globale Karriere. Berlin 2024 Weiterführende Links: DW Doku: Nofretete – Botschafterin oder Geisel? ZDF Info: Nofretete – Die Rätselhafte Staatliche Museen zu Berlin: Die Büste der Nofretete Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Ausstellung der Büste der Nofretete vor 100 Jahren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak Technik: Moritz Raestrup
Geboren als Harlean Harlow Carpenter (am 3.3.1911) wird Jean Harlow zu einem der größten Stars der Leinwand - bis zu ihrem frühen Tod. Ihr Look macht sie zur Ikone des Kinos. In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten: wie aus Harlean Carpenter durch Zufall und Inszenierung der Star Jean Harlow wird, warum die "Platinblonde" zum Symbol einer neuen, selbstbestimmten Frauengeneration avanciert, und welchen Anteil Ruhm, Rollenbilder und Studiosystem an ihrem frühen Tod haben. Hollywood, 1937: Jean Harlow steht vor der Kamera - jung, berühmt, erschöpft. Wenige Tage später ist sie tot, mit nur 26 Jahren. Geboren 1911 in Kansas City, wächst Harlean Carpenter behütet auf, folgt ihrer Mutter nach Kalifornien und rutscht eher zufällig ins Filmgeschäft. Aus kleinen Statistenrollen entsteht rasch ein Starimage: platinblondes Haar, selbstbewusst, provokant. Sie prägt ein neues Frauenbild - aktiv, sichtbar, eigenständig. Doch mit dem Ruhm wächst der Druck. Verträge, Rollenklischees und gesundheitliche Probleme bestimmen ihr Leben. Während Hollywood sie zur Ikone macht, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihr eigenes Bild. Jean Harlow wird zur Projektionsfläche einer Branche, und bezahlt dafür einen hohen Preis. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Vinzenz Hediger (Leiter der Cinémathèque suisse, Filmwissenschaftler) David Stenn: Bombshell: The Life and Death of Jean Harlow, 1993 Curtis F. Brown: Jean Harlow: ihre Filme - ihr Leben, Heyne, 1979 Weiterführende Links: WDR Zeitzeichen: Filmzensur im Namen von Moral und Glauben WDR Zeitzeichen: Tagsüber Hollywooddiva, nachts Erfinderin: Hedy Lamarr WDR Zeitzeichen: Hattie McDaniel: Ausgegrenzt bis in den Tod ARTE: Brainwashed: Sexismus im Kino Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Gianna Felicita Scholten Redaktion: Frank Zirpins Technik: Nikita Sulzhenko
Am 2. März 1761 stirbt Anna Maria Christmann - eine weitgehend unbekannte Frau, die sich als Mann verkleidete und im Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg kämpfte. Doch ist die Geschichte auch wahr? In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: wie ein Bettelmädchen aus Dürnau in Männerkleidern in den Krieg zieht, warum Anna Maria Christmann lange Zeit als Legende gilt, und wie ein unscheinbares Archivdokument ihre Geschichte bestätigt. Anna Maria Christmann wächst um 1700 in bitterer Armut auf, verliert früh ihre Eltern und schlägt sich als Bettelmädchen durch. Um zu überleben, verkleidet sie sich als Mann, arbeitet als Knecht und lässt sich schließlich als Soldat anwerben - unter dem Namen ihres Vaters. Sie kämpft im Türkenkrieg, wird verwundet, desertiert, wird zum Tode verurteilt und erst in letzter Minute begnadigt. Ihr bewegtes Leben endet schließlich in Stuttgart, wo sie als Briefträgerin arbeitet. Lange bleibt unklar, ob ihre Geschichte wirklich stimmt, die Quellen sind lückenhaft. Doch ein wiederentdecktes Gnadenschreiben des Herzogs belegt: Anna Maria Christmann hat tatsächlich als Soldat gedient. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Manfred Wolfhard, Heimatforscher aus Dürnau (Geburtsort Anna Maria Christmann) Charlotte Wagner (Studentin, die ihre Bachelor-Arbeit über Anna Maria Christmann geschrieben hat) Dorothea Keuler: Provokante Weibsbilder: Historische Skandale aus Baden und Württemberg. Silberburg, Tübingen 2011 Allgemeine deutsche Bürger- und Bauern-Zeitung: ein Organ zur Verhandlung allgemein interessanter Volks-Angelegenheiten, […], Bd. 3, Regensburg 1833, S. 614 Weiterführende Links: WDR Zeitzeichen: Todestag von Eleonore Prochaska, Soldatin in Männerkleidung WDR Zeitzeichen: Reporterin an vorderster Front: Marguerite Higgins WDR Zeitzeichen: Boudicca: Wie die keltische Rebellin London niederbrannte WDR Zeitzeichen: "Die tollkühnste Frau der Welt": Lola Montez Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redakteur: Matti Hesse Technik: Sascha Schiemann
Im März 1961 sorgen vier Frauen in Uniform für Aufsehen: Erstmals überwachen Polizistinnen den Parkraum. Ein Erfolg im jahrelangen Kampf um Gleichberechtigung im Dienst. In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz: wann eine Frau zum ersten Mal die Mitarbeit von Frauen im Polizeidienst fordert, welche Aufgaben die Weibliche Kriminalpolizei in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus hat, wie holprig die Integration von Frauen in den regulären Polizeidienst ab den 1970er-Jahren verläuft, wie es heute mit der Gleichberechtigung bei der Polizei aussieht. Frankfurt am Main ist die erste Stadt im Bundesgebiet, in der auch Frauen die Polizeiuniform tragen. Die ersten vier Hilfspolizistinnen erhalten vier Wochen lang eine Kurzausbildung. Auch wenn sie zunächst nur prüfen, ob die Parkuhren abgelaufen sind – ihr Einsatz in Uniform ist ein Meilenstein, nachdem Frauen lange von der klassischen Polizeiarbeit ausgeschlossen waren. Frauen fordern damals zwar seit Langem, zum Polizeiberuf zugelassen zu werden. Erlaubt wird ihnen das 1961 aber nur, weil Arbeitskräfte fehlen. Davor hat es immer mal wieder Frauen bei der Polizei gegeben. 1903 wird Henriette Arendt als erste Frau Polizeiassistentin, in Stuttgart bei der kommunalen Polizei. Sie kümmert sich um verwahrloste Kinder, kriminelle Jugendliche und weibliche Opfer von Straftaten. Auch in anderen Städten werden später Frauen bei der Polizei zunächst nur für soziale Aufgaben eingesetzt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dirk Götting (Historiker, Lehrbeauftragter Polizeiakademie, Leiter Forschungsstelle für Polizei- und Demokratiegeschichte) Ute Dirks (Polizistin) Cathrin Bergjohann (Polizeikommissarin, Leiterin der Geschäftsstelle Polizeischutz für die Demokratie an der Forschungsstelle für Polizei- und Demokratiegeschichte) Bettina Blum: "Frauenwohlfahrtspolizei" - "Emma Peels" - "Winkermiezen". Frauen in der deutschen Polizei 1903 bis 1970. SIAK-Journal 2012 Weiterführende Links: SWR: Frauen in der Kriminalpolizei - Der lange Weg zur Ermittlerin ARD alpha: Bundespolizistin in der Bundespolizei-Inspektion Freilassing ZDF 37 Grad: Im Dienste des Staates - Ich werde Polizist*in Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek
Zehntausende ziehen schon in den Tagen vor dem 28.2.1981 zur Baustelle der Atomanlage von Brokdorf - um gegen Atomenergie zu protestieren, notfalls ohne Genehmigung. In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting: mit welchen Argumenten die Stromwirtschaft ein AKW in der Wilstermarsch bauen will, welche Sorgen und Bedenken die Atomkraft-Gegner haben, was mit der "Schlacht von Brokdorf" gemeint ist, warum die Situation am 28. Februar 1981 zum Teil eskaliert, wie 1985 der Brokdorf-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts die Demokratie stärkt. Am 6. Februar 1981 rollen Bagger auf das Baugelände des geplanten AKW Brokdorf. Das löst eine der größten Protestwellen in der Geschichte der Bundesrepublik aus: 50 Organisationen von Atomkraftgegnern rufen zu einer Demonstration auf, die man heute als "Großdemonstration Brokdorf" kennt. Am 23. Februar 1981, fünf Tage vor der Großdemo, erlässt der Landrat des Kreises Steinburg eine Allgemeinverfügung: Sie verbietet jegliche Proteste am Bauplatz und in der gesamten Wilstermarsch. Zunächst können die Veranstalter die Durchführung der Demonstration gerichtlich durchsetzen. Einen Tag vor der Großdemo bestätigt wiederum das Oberverwaltungsgericht Lüneburg das Versammlungsverbot in weiten Teilen. Doch zu diesem Zeitpunkt sind die Demonstranten längst auf der Anreise. Rund 10.000 Polizisten und 100.000 Protestierende treffen aufeinander. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Frank Uekötter (Professor für Technik- und Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum) Heinrich Voss (Landwirt und Demonstrant aus Brokdorf) Frank Uekötter: Atomare Demokratie. Eine Geschichte der Kernenergie in Deutschland. Stuttgart 2023 Weiterführende Links: Panorama: AKW Brokdorf - Die Demonstranten und die Polizei Panorama: Das Fahndungsfoto - Ermittlungen im Fall "Brokdorf" 1981 tagesschau.de: Aus für die Atomenergie - "Eine gewisse Genugtuung" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Das sind die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Stephan Beuting Redaktion: Frank Zirpins
Warum war die Entdeckung des Speichelreflexes vom "Pawlowschen Hund" ein derartiger Paukenschlag? Und wieso prägte Iwan Pawlow (gestorben am 27.2.1936) Medizin und Psychologie dauerhaft? In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: wie ein Zufall im Labor Pawlow auf die Spur des Lernens durch Reize bringt, warum seine Forschung die bisher vorherrschende Trennung von Körper und Geist infrage stellt, warum seine Experimente mit Hunden heute auch kritisch gesehen werden, und weshalb seine Ideen dennoch bis heute Psychologie und Verhaltenstherapie prägen. Wer den Namen Pawlow hört, denkt fast automatisch an den Hund, der beim Klang einer Glocke zu sabbern beginnt. Was wie ein simples Experiment wirkt, ist Anfang des 20. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Sensation. Der russische Physiologe Iwan Pawlow zeigt, dass Körperreaktionen erlernt werden können: Wird die Futtergabe immer wieder mit einem Ton gekoppelt, reicht irgendwann der Ton allein, um Speichelfluss auszulösen. Geboren 1849 als Sohn eines Priesters, sollte Pawlow selbst Geistlicher werden. Doch im Seminar entdeckt er seine Leidenschaft für die Naturwissenschaften. In St. Petersburg erforscht er Herz, Nerven und Verdauung, erhält 1904 den Nobelpreis und wird weltberühmt. Seine Versuche zeigen: Verhalten lässt sich durch Reize formen. Sowohl beim Tier als auch beim Menschen. Damit wird Pawlow zu einem Pionier der modernen Verhaltensforschung und Psychosomatik. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Igor Polianski, Medizinhistoriker an der Universität Ulm Daniel P. Todes: Ivan Pavlow, A Russian Life in Science, 2014. The Nobel Prize: Ivan Pavlov Weiterführende Links: Nobelpreis für einen Zufall: Röntgens revolutionäre Strahlen Begründer der Allergielehre - Der Kinderarzt Clemens von Pirquet Ernst Kretschmer, Psychiater (Geburtstag 08.10.1888) Barbara McClintock, US-Genetikerin (Geburtstag, 16.06.1902) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Matti Hesse Technik: Moritz Raestrup
Ein verspäteter Reiter, verschrumpelte Trauben und ein überraschend süßer Geschmack: So entsteht 1776 am Johannisberg aus einem Zufall die berühmte Spätlese. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: wie ein verspäteter Bote im Rheingau die erste berühmte Spätlese möglich macht, warum ein Fürstabt im 18. Jahrhundert auf weniger Menge, aber bessere Qualität setzt, und wie verschrumpelte, von Edelfäule befallene Trauben zu kostbarem Wein werden. Seit mehr als tausend Jahren wird am Johannisberg im Rheingau Wein angebaut. Doch im Jahr 1775 geschieht dort ein kleines "Ohngefähr", wie man damals Zufall sagt: Der Bote, der die Erlaubnis zur Lese aus Fulda bringen soll, kommt viel zu spät zurück. Die Trauben hängen länger am Stock, schrumpeln, werden von einem Pilz befallen. Die Mönche haben keine Wahl, sie keltern trotzdem. Das Ergebnis überrascht alle: ein süßer, aromatischer Wein, wie ihn noch niemand gekostet hat. Aus diesem Missgeschick wird eine neue Regel. Fortan wartet man bewusst länger mit der Ernte. So entsteht die Spätlese, ein Zufallsprodukt, das den Johannisberg weltberühmt macht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Leo Gros (Weinkenner und Liebhaber, Chemiker) Stefan Doktor (Geschäftsführer Weingut Johannisberg) die Rheingauer Weinprinzessin "Alina" Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte des Weins Dom Pérignon: Der Mönch und der Champagner-Mythos Vom Fusel zum Qualitätswein? Das Weinpanscherurteil Thomas Jefferson, amerikanischer Präsident (Geburtstag 13.04.1743) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Carolin Rückl , Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann
Als die Welt der Moderne grauer wird, findet Pierre-Auguste Renoir im Impressionismus sein Glück in den Farben- und malt auch im Rollstuhl weiter. In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch: wie ein Schneidersohn aus Limoges zu einem der berühmtesten Maler Frankreichs wird, warum ein Mangel an schwarzer Farbe den Impressionismus mitprägt, und wieso Renoir trotz schwerer Krankheit bis zuletzt Bilder voller Lebensfreude malt. Am 25. Februar 1841 wird Pierre-Auguste Renoir geboren. Seine Eltern sind Schneider, die Familie lebt bescheiden. Als Teenager arbeitet er zunächst als Porzellanmaler, lernt präzises Handwerk, bevor er an der Kunsthochschule seine Leidenschaft entdeckt. In Paris erlebt er eine Stadt im Umbruch: neue Boulevards, ein wachsendes Bürgertum, ein neues Lebensgefühl. Mit Freunden wie Claude Monet malt Renoir draußen in der Natur. Statt strenger Linien setzt er auf helle Farben und flüchtige Eindrücke. So entsteht der Impressionismus, zunächst verspottet, später weltberühmt. Renoir zeigt vor allem das schöne Leben: tanzende Paare, elegante Frauen, Menschen im Grünen. Doch im Alter macht ihm rheumatische Arthritis schwer zu schaffen. Er sitzt im Rollstuhl, lässt sich die Pinsel an die Hände binden, und malt weiter. Bis zu seinem Tod 1919 bleibt ihm die Kunst Trost und Lebenselixier. Oder, wie er selbst sagt: Der Schmerz vergeht, die Schönheit bleibt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Markus Stegmann, Kunsthistoriker und Direktor des Museum Langmatt, Baden, Schweiz Julius Meier-Graefe: Auguste Renoir, 1920. Alexander Eiling: Renoir. Rococo Revival, 2022. Barbara Schaefer (Hg.): Paris 1863 · 1874: Revolution in der Kunst. Vom Salon zum Impressionismus, 2024. Barbara Schaefer: Meisterwerke des Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Langmatt, 2025. Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Côte d'Azur und die Künstler Planet Wissen: Berühmte Künstler - Claude Monet Zeitzeichen: Auguste Renoir, französischer Maler ARTE: Renoir in Love (Dokumentation, ab 14. März) Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln Auguste Renoir im Museum Barberini, Potsdam Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Laura Dresch Redaktion: David Rother
- 24.02.202615 min
Nikolaus Kopernikus entwirft ein Weltbild, das mit dem Alten Testament nicht vereinbar ist. Aufsehen erregt seine Theorie aber erst lange nach seinem Tod. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: warum Kopernikus alles andere als ein Revolutionär war, vom ptolemäischen Weltbild mit der Erde als Zentrum, wie ein heimlich ergänztes Vorwort in Kopernikus' Werk die katholische Kirche beruhigt, wie Kopernikus' Theorie erst von Galilei verteidigt und dann von Kepler verbessert wird. Mit seiner Theorie, dass die Erde die Sonne umkreise und nicht umgekehrt, stellt Nikolaus Kopernikus das seit fast eineinhalb Jahrtausenden gültige Weltbild in Frage. Als bibelfester Wissenschaftler zögert er lange, ehe er sie der breiten Öffentlichkeit vorstellt. Als sein Werk "De Revolutionibus Orbium Caelestium" ("Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper") 1543 erscheint, liegt Kopernikus bereits im Sterben. Großes Aufsehen erregt seine Schrift zunächst nicht. Die Theorien gelten eher als Hypothesen, denn als Umsturz der alten Ordnung. Erst Jahrzehnte später fühlt sich die katholische Kirche herausgefordert - durch Galileo Galilei. Er kommt zu dem Schluss dass das heliozentrische Weltbild des Kopernikus richtig sein müsse. Um Galilei anklagen zu können, wird am 24. Februar 1616 die Lehre des Kopernikus von der Inquisition offiziell zur Irrlehre erklärt. Wenige Tage später landet sein Hauptwerk auf dem Index der verbotenen Bücher. Aufhalten lässt sich die "kopernikanische Wende" dadurch aber nicht mehr. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Martin Carrier, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Bielefeld und Kopernikus-Biograf Martin Carrier: Nikolaus Kopernikus. München 2001 Hubert Wolf: Kontrolle des Wissens. Kirche im Spannungsfeld zwischen Forschung und Zensur. S. 11-21. In: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 2009, Band 28. Ostfildern 2011 Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Streit zwischen Kirche und Wissenschaft Stichtag: 24. Mai 1543 - Todestag des Astronomen Nikolaus Kopernikus ZeitZeichen: 13. Februar 1633 - Galileo Galilei stellt sich in Rom der Inquisition Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Sefa İnci Suvak Technik: Moritz Raestrup
Mehr als Bauwagen, Latzhose und Erfindertum: Das Leben von "Löwenzahn"‑Moderator Peter Lustig (gestorben am 23.2.2016) war geprägt von Kreativität, Traumata und Brüchen. In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer: was ein Ei und eine Glatze mit Lustigs Karriere zu tun haben, von Peters traumatischer Flucht aus Breslau, von seiner Ehe mit "Bibi Blocksberg"-Autorin Elfie Donnelly, von Lustigs Leben als Bhagwan-Jünger, wie eine Krebserkrankung sein Leben radikal ändert. Peter Lustig ist das Gesicht von "Löwenzahn". Klar, so kennt man ihn. Fast 25 Jahre lang gibt er für die junge Zielgruppe den Tüftler-Eremiten in Latzhose. Wohnhaft in einem umgebauten Bauwagen, umgeben von den für ihn typischen Erfindungen. Darunter etwa eine Treppe aus Stühlen oder die sprechende Ukulelen-Türklingel "Klaus-Dieter". Doch Peter Lustig ist nicht nur Kinderfernsehpionier. Er ist auch Flüchtlingskind, Bhagwan-Anhänger und Patient. 1984 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Nach mehreren Operationen bleibt ihm nur ein Lungenflügel. Trotzdem macht er weiter. Neben Lustigs Neugier ist vor allem seine Authentizität ein Erfolgsfaktor: Er ist kein Lehrertyp, doziert nicht streng pädagogisch. Lustig bricht mit Konventionen und erzählt Wissen neu. Für die Arbeit an "Löwenzahn" wird Peter Lustig unter anderem mit zwei Grimme-Preisen ausgezeichnet. Zudem erhält er das Bundesverdienstkreuz. Am 23. Februar 2016 stirbt der sanfte "Welterklärer" im Alter von 78 Jahren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Elfie Donnelly, Autorin; Ex-Frau von Peter Lustig und Mutter des gemeinsamen Sohnes Elfie Donnelly: Peters Flucht. Wien 1986 Weiterführende Links: ARD-Podcast: Stars unserer Kindheit: Peter Lustig & Elfie Donnelly Zeitzeichen: Bhagwan - Guru für Gutverdiener und Bürgerschreck Stichtag: 7. Juli 1977 - "Töröö!" - Erstes Benjamin-Blümchen-Hörspiel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer Redaktion: Matti Hesse
Am 22. Januar 1986 beginnt auf den Philippinen ein Volksaufstand gegen Wahlbetrug und autoritäre Herrschaft. Er gilt als Beispiel für gewaltfreien politischen Umbruch. In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayi: wie der Schuss auf Benigno Aquino die Philippinen verändert, von Corazon Aquino - einer starken Witwe, die den Kampf ihres Mannes weiterführt, von Imelda Marcos, die in Reichtum schwelgt, während die Philippiner hungern, von einer friedlichen Revolution, die letztlich nichts revolutioniert. Nach dreijährigem Exil kehrt Benigno Aquino auf die Philippinen zurück. Er wird noch auf dem Flugfeld erschossen. Ob der Oppositionsführer gegen das Regime von Ferdinand Marcos mit Billigung oder gar auf Befehl des Diktators erschossen wird, ist bis heute ungeklärt. Dieses Attentat vor den Augen der Weltöffentlichkeit markiert den Anfang vom Ende der Marcos-Ära. Ferdinand Marcos plündert das Land aus und regiert es über Jahre diktatorisch mit Hilfe des Kriegsrechts. Sein dreister Wahlbetrug, um den Sieg von Aquinos Witwe Corazon zu verhindern, ist schließlich der Tropen auf dem heißen Stein. Am 22. Februar 1986 revoltieren philippinische Militäreinheiten gegen den Diktator. Binnen Stunden schließen sich Hunderttausende Zivilisten an und blockieren Manilas berühmten EDSA-Boulevard. Drei Tage lang, stellen sich die Philippiner friedlich gegen Waffen. Dann akzeptiert Marcos den US-Vorschlag, mitsamt seiner Frau das Land in Richtung Hawaii zu verlassen. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Diana Ramos-Dehn, Zeitzeugin und Aktivistin Mirjam Overhoff, philippinenbüro e.V. Stephanie Schüller, Missio Deutschland Weiterführende Links: Zeitzeichen: 16.03.1521 - Magellan entdeckt die Philippinen Stichtag: 24. Juni 1571 - Manila wird Hauptstadt der spanischen Kolonie Philippinen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Murat Kayi Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
Erwin Köhler und seine Frau setzen sich für eine unabhängige CDU ein. Wegen Antisowjethetze und Spionage verurteilt, werden sie im Februar 1951 hingerichtet - fernab der DDR. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug: wie der Potsdamer CDU-Politiker Erwin Köhler und seine Frau Charlotte 1950 verhaftet werden, warum ein sowjetisches Militärtribunal ihnen "Antisowjethetze" und Spionage vorwirft, wie ihre Kinder jahrelang über das Schicksal der Eltern im Ungewissen bleiben. Potsdam, Frühjahr 1950: Erwin Köhler, Vizebürgermeister und CDU-Kreisvorsitzender, setzt sich für die Unabhängigkeit seiner Partei ein. In der jungen DDR ist das nicht erwünscht. Ein eingeschleuster Spitzel drängt ihn aus dem Amt, kurz darauf verhaften sowjetische Sicherheitskräfte ihn und seine Frau. Das Urteil fällt vor einem sowjetischen Militärtribunal. Grundlage ist der berüchtigte Artikel 58, ein Gummiparagraph, mit dem sich mit der passenden Auslegung im Stalinismus politische Gegner ausschalten ließen. Der Vorwurf: Spionage, unter anderem wegen einer Fahrt durch West-Berlin. Das Todesurteil wird in Moskau vollstreckt. Ihre Namen werden aus der Potsdamer Stadtgeschichte und der Geschichte der CDU gelöscht. Ein Beispiel für das stalinistische Prinzip, Menschen nicht nur zu töten, sondern auch aus der Geschichte verschwinden zu lassen. Erst Jahre später erfahren die Kinder, dass ihre Eltern 1951 "verstorben" seien. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Anna Kaminsky (Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) Dr. Jörg Morré (Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst) Weiterführende Links: Digitales Totenbuch Donskoje 1950-1953 Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße Planet Wissen: Leben in der DDR bpb: DDR kompakt: 1949 - 1953 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug Redaktion: Carolin Rückl, Matti Hesse Technik: Holger Maerten
Ohne das "Green Book" wird für Schwarze Familien jede Autofahrt zum Risiko. Der unscheinbare Reiseführer von 1936 weist ihnen den Weg zu sicheren Orten in einem streng getrennten Amerika. In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock: warum afroamerikanische Familien auf Reisen ein spezielles Handbuch brauchen, wie Postboten in den USA ein landesweites Netzwerk sicherer Adressen aufbauen und weshalb selbst berühmte Musiker ohne dieses Buch oft keine Unterkunft finden. 1936 erscheint in den USA ein unscheinbares Heft: das "Negro Motorist Green Book", wie es offiziell heißt. Für Schwarze Reisende wird es schnell unverzichtbar. Denn Hotels, Restaurants oder Tankstellen weisen sie vielerorts ab. In manchen Städten, den sogenannten "Sundown Towns", ist es für Nichtweiße lebensgefährlich, nach Sonnenuntergang zu bleiben. So wird das "Green Book" zur Hilfe gegen den Rassenterror. Herausgeber Victor Green, ein Postbote aus Harlem, sammelt deshalb Adressen von Pensionen, Werkstätten und Geschäften, die afroamerikanische Kunden willkommen heißen. Kollegen aus dem Postnetz liefern ihm Hinweise aus allen Bundesstaaten. Das jährlich erscheinende "Green Book" wird so zu einem Symbol für Sicherheit, Selbsthilfe und Reisefreiheit. Längst ist mehr ist als ein kleiner Ratgeber für Autofahrer, es ist jetzt ein richtiger Reiseführer für Schwarze. Auf über 100 Seiten listet das "Green Book" nun Ziele in allen 50 Bundesstaaten, Kanada und der Karibik auf. 1966 wird die letzte Ausgabe gedruckt. Nach dem Ende der gesetzlichen Rassentrennung verschwindet das "Green Book" aus den Autos und aus dem kollektiven Gedächtnis. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Candacy Taylor, Historikerin, Autorin, Dokumentarin (USA) Smithsonian Institution Traveling Exhibition Service: The Negro Motorist Green Book Library of congress: The Negro motorist Green-book National Underground Railroad Center: The Negro Motorist Green Book Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Bürgerrechtsbewegung in den USA Februar 1964: Uraufführung von Nina Simones "Mississippi Goddam" Wie eine Bombe Martin Luther King zur Gewaltfreiheit motiviert Vor Rosa Parks gegen Rassentrennung im Bus: Claudette Colvin Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock Redaktion: Matti Hesse
Carolus Clusius, am 19.2.1526 in Flandern geboren, wird zum Mitbegründer der modernen Botanik und maßgeblich mitverantwortlich für den sogenannten Tulpenwahn. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wie der weitgereiste Gelehrte Carolus Clusius zum "Vater der Tulpe" wird, warum ihn die farbenprächtigen Blumen aus dem Osmanischen Reich nicht mehr loslassen, wie seine Pflanzenleidenschaft den berühmten Tulpenwahn auslöste und ob all die Erzählungen um ihn als erste große Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte wirklich stimmen. Als der alte, gebrechliche Botaniker 1593 in Leiden ankommt, gilt er als einer der bekanntesten Pflanzenkundler Europas: Carolus Clusius, geboren 1526 im damals spanisch beherrschten Arras, hat in mehreren Ländern studiert, sieben Sprachen gelernt und ein riesiges Netzwerk von Gelehrten aufgebaut. Statt als Arzt zu arbeiten, widmet er sich ganz der Schönheit und Vielfalt der Pflanzen. Sein größter Schatz: eine Sammlung Tulpenzwiebeln aus dem Osmanischen Reich, die er in Wien kennengelernt hat. Im Botanischen Garten von Leiden pflanzt er die seltenen Gewächse an – und macht sie damit in den Niederlanden begehrt. Reiche Bürger reißen sich um die exotischen Blumen. Aus der Leidenschaft eines Gelehrten entsteht so ein Fieber, das bald ganz Holland erfasst. Bis heute gilt die Tulpenmanie als Musterbeispiel für eine Spekulationsblase. Sie soll die gesamte Wirtschaft der Niederlande schwer geschädigt und unzählige Menschen ruiniert haben. Doch neuere Forschungen sprechen dafür, dass dies so nicht der historischen Realität entspricht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Gerda van Uffelen (Botanikerin, ehemalige Kuratorin des Hortus botanicus in Leiden) Apl. Professor Dr. Ralf Banken (Wirtschaftshistoriker, Goethe-Universität Frankfurt) Mike Dash: Tulpenwahn. Die verrückteste Spekulation der Geschichte, Berlin 2005 Anne Goldgar: Tulipmania. Money, Honor, and Knowledge in the Dutch Golden Age, Chicago und London 2007 Anna Pavord: Die Tulpe. Eine Kulturgeschichte, Frankfurt am Main und Leipzig 2003 Peter M. Garber: Famous First Bubbles: The Fundamentals of Early Manias, Cambrige 2000 Weiterführende Links: Internet-Seite des „Hortus botanicus“ in Leiden Planet Wissen – Die Tulpe Planet Wissen: Pflanzenkunde Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel, Matti Hesse Technik: Sascha Schiemann
Die Engländer bejubeln Maria, als sie den Thron besteigt. Geboren als Tochter von Heinrich VIII. (am 18.2.1516), bringt sie das Volk als strenge Katholikin und Gewaltherrscherin rasch gegen sich auf. In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: wie sich Heinrich VIII. für einen männlichen Nachkommen gegen den Papst stellt, warum die Wahl von Marias Ehemann in England für einen Aufschrei sorgt, was Calais mit ihrem politischen Niedergang zu tun hat, von ihrer Nachfolgerin Elisabeth I., Begründerin des englischen Weltreichs. Am 18. Februar 1516 kommt Mary Tudor zur Welt. Da der einzige männliche Nachkomme ihres Vaters Heinrich VIII. bereits mit 15 Jahren stirbt, steigt sie 1553 zur ersten Königin Englands auf. Kaum an der Macht, leitet Maria I. die Rekatholisierung ihres Reiches ein. Gilt sie zunächst noch als milde und tolerante, vom Volk umjubelte Hoffnungsträgerin, wandelt sie sich rasch zur mörderischen Monarchin. Ketzer werden unerbittlich verfolgt. Selbst abtrünnige Geistliche und Adelige in höchsten Ämtern sterben auf dem Scheiterhaufen. In ständiger Angst vor Marias katholischem Terrorregime wendet sich das Volk von ihr ab - und jubelt regelrecht, als sie 1558 an Grippe stirbt. Was bleibt, ist eine lange Opferliste: Etwa 300 Protestanten hat Maria I. in ihren gerade einmal fünf Regierungsjahren brutal hinrichten lassen. Sie geht als "Bloody Mary" in die Geschichte ein. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Helga Schnabel-Schüle, Historikerin, Uni Trier Peter Wende (Hg.): Englische Könige und Königinnen der Neuzeit. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II., München 1982 Weiterführende Links: Stichtag: 28. Juni 1491 - König Heinrich VIII. von England, wird geboren Stichtag: 8. Dezember 1542 - Königin Maria Stuart wird geboren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins



















