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600- Charles Manson: Vom Außenseiter zum gefürchteten Sektenführer29.03., 06:0029.03.2026, 06:0000:14:47
Charles Manson hält sich für Jesus, bewundert Hitler - und manipuliert seine "Manson Family" so geschickt, dass sie für ihn mordet. Am 29.3.1971 wird er zum Tode verurteilt. In diesem Zeitzeichen erzählt Philip Ritter: wie die "Tate-Morde" im August 1969 die Welt erschüttern, warum Charles Manson als Drahtzieher verurteilt wird, obwohl er nicht am Tatort ist, wie ein Außenseiter zur manipulativen Führungsfigur einer mordenden Sekte wird. Es ist eine warme Nacht in Los Angeles, als vier Mitglieder der sogenannten „Manson-Family“ ein Anwesen am Cielo Drive betreten. Wenige Stunden später sind mehrere Menschen tot – unter ihnen die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. Die brutalen Morde markieren für viele das Ende der Hippie-Ära. Die Polizei ermittelt und kommt der Gruppe um Charles Manson auf die Spur. Etwa eineinhalb Jahre später fällt das Urteil: Die Täter werden zum Tode verurteilt - und auch Manson selbst. Obwohl er nicht am Tatort war, gilt er als treibende Kraft. Manson hatte seine Anhänger manipuliert und sie dazu gebracht, seine Befehle auszuführen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kathleen Heide, Kriminologin Niels Penke, Literaturwissenschaftler Vincent Bugliosi und Curt Gentry: Helter Skelter, London 1974 Weiterführende Links: Knallhart - ARD Thriller-Hörspiele: Summer of Hate - Charles Manson und die Manson Family Zeitzeichen: Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten Zeitzeichen: Kitty Genovese, Mordopfer (Todestag 13.03.1964) Zeitzeichen: Am 13.06.1994: Leichen im Mordfall um O.J. Simpson entdeckt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Philip Ritter Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Moritz Raestrup
- Meilenstein der modernen Gerichtsmedizin: die "Lungenschwimmprobe"28.03., 06:0028.03.2026, 06:0000:14:23
Ein toter Säugling, ein Verdacht, ein Experiment: Im Jahr 1681 beweist erstmals ein neuartiges forensisches Verfahren die Unschuld einer vermeintlichen Kindsmörderin. In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: wie genau die sogenannte Lungenschwimmprobe funktioniert, warum ein Kindsmordprozess im sächsischen Pegau dadurch eine unerwartete Wendung nimmt, weshalb das neuartige medizinische Verfahren zwischen Fortschritt, Zweifel und Machtinteressen steht. Alles beginnt mit einem Gerücht: Die etwa 15-jährige Anna Voigt soll heimlich ein Kind geboren und getötet haben. Der kleine Körper wird gefunden, die Vorwürfe sind schwer – und die Gesetze der Zeit gnadenlos. Doch dann untersucht der Amtsarzt Johannes Schreyer den Leichnam mit einer damals völlig neuen Methode. Bei der Lungenschwimmprobe wird geprüft, ob die Lunge im Wasser sinkt oder schwimmt – ein Hinweis darauf, ob ein Neugeborenes geatmet hat oder tot zur Welt kam. Für Schreyer ist das ein Schritt hin zu moderner Gerichtsmedizin. Doch seine Erkenntnisse stoßen auf Skepsis, werden juristisch kaum genutzt und geraten in den Strudel eines Systems, das weniger an Wahrheit als an Verurteilung interessiert ist. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Andrea Thiele, Historikerin an der Universität Halle Dr. Maximilian Hagen, Rechtsmediziner am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster Tore Renberg: Die Lungenschwimmprobe. Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde, München 2024 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Weil's auch dem König so gefiel: erste Doktorin der Medizin Zeitzeichen: Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan Zeitzeichen: Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
- Visionär der Moderne: Der Autor Stanislaw Lem27.03., 06:0027.03.2026, 06:0000:13:04
Am 27.3.2006 stirbt der Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem. Sein Werk ist philosophisch und technisch zugleich – und wirft einen realistischen Blick auf eine mögliche Zukunft. In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann: womit Stanislaw Lem als junger Mann die SS bekämpft, wie er über den angewandte Psychologie zur Raumfahrt kommt, warum seine Romane Abgründe aufzeigen und dennoch lustig sind. Als junger Mann erlebt Stanislaw Lem den Überfall der Nazis auf seine polnische Heimatstadt Lemberg. Nur mit falschen Papieren überlebt der Sohn eines jüdischen Arztes die NS-Zeit. Nach dem Krieg muss er Lemberg verlassen und findet in Krakau eine neue Heimat. Dort tauscht er das Medizinstudium gegen die Schreibmaschine und den Kosmos ein. In seinen Science-Fiction-Büchern verknüpft Lem Wissenschaft mit Philosophie. Gesellschaftskritik verlegt er geschickt von der Erde ins Universum – und entzieht sich so der staatlichen Zensur. Zu seinem bekanntesten Roman gehört "Solaris" aus dem Jahr 1961. Lems Bücher erreichen Millionenauflagen – in Ost und West. Daneben verfasst er Essays über Evolution, Künstlicher Intelligenz, Gen-Technologie mit der Frage: "Wie können Mensch und Maschine im Einklang bleiben?" Und er wird nicht müde zu warnen: "Es steckt sehr viel Böses im Menschen. Sehr viel Böses." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Alfred Gall (Literaturwissenschaftler Universität Mainz) Christopher Coenen (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Karlsruhe) Stanislaw Lem (Archiv) Weiterführende Links: ARD Alpha: Klassiker der Weltliteratur – Stanislaw Lem Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Richmann Redaktion: Frank Zirpins Technik: Joachim Baumann, Michael Wagner
- Fatima: Die Übermutter des Islam26.03., 06:0026.03.2026, 06:0000:14:45
Im Jahre 606 wird die Tochter Mohammeds geboren und später zur zentralen Figur im schiitischen Islam. Als die "Mutter der Imame" prägt sie bis heute diesen Glauben. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: dass Fatimas Mutter Khadija eine selbständige Kauffrau gewesen ist, wie sich die Stellung der Frauen im Islam im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat, woher die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten im Islam kommt, dass die christliche Maria mehrfach im Koran erwähnt wird, Fatima hingegen nicht. Muslime in aller Welt verehren Fatima als "Herrin der Frauen", als "Strahlende" und "Blume" und "Mutter der Imame". Die jüngste Tochter von Mohammed und seiner ersten Frau Ḫadiǧa ist vier Jahre als, als ihr Vater zum Verkünder des Islams wird. Angeblich sollen Vater und Tochter eine besondere Nähe gehabt haben. Selbst ihren Mann darf sie selbst aussuchen und wählt unter ihren vielen Verehrern Ali aus, einen Neffen ihres Vaters. Mit ihm bekommt sie die Söhne Hassan und Hussein, die einzigen lebenden Enkel und späteren Nachfolger des Propheten. Ihre Verehrung im Islam, vor allem von den Schiieten, ähnelt der christlichen Maria, der Mutter Jesu. Fatima stirbt im Jahr 632, wenige Wochen nach ihrem Vater. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler Religionswissenschaftlerin, Universität Marburg Professorin Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin, Universität zu Köln Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin, Imamin, Berlin Bärbel Beinhauer-Köhler: Fatima bint Muhammad. Metamorphosen einer frühislamischen Frauengestalt, Wiesbaden 2002 Assia Djebar: Fern von Medina, Zürich 1997 Fatima Mernissi: Der politische Harem. Mohammed und die Frauen, Freiburg 2002 Fatima Mernissi: Die Angst vor der Moderne, München 1996 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 08.03.1979 - Tausende Iranerinnen demonstrieren gegen den Schleierzwang Zeitzeichen: 08.06.632 - Der islamische Prophet und Religionsstifter Mohammed stirbt in Medina Zeitzeichen: 13.03.624 - Sieg der Muslime unter Mohammed gegen Mekka Zeitzeichen: 25.01.555 - Geburtsjahr von Khadija, Frau des islamischen Propheten Mohammed Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann
- Lebensabend im Museum: Ishi, der Letzte seines Stammes25.03., 06:0025.03.2026, 06:0000:14:51
Am 25.3.1916 stirbt in San Francisco der mutmaßlich letzte Angehörige der Yahi, einer indigenen Gruppe in Kalifornien. Nach fünf Jahren als lebendes Forschungsobjekt. In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz: warum 1911 in einer kalifornischen Kleinstadt plötzlich ein verängstigter Mann auftaucht, wie er zur Sensation für Wissenschaft und Öffentlichkeit wird, warum er im anthropologischen Museum von San Francisco lebt und Besuchern seine Kultur zeigt, weshalb sein Gehirn nach seinem Tod entnommen wird und erst Jahrzehnte später in seine Heimat zurückkehrt. August 1911: Ein Schlachthofarbeiter in Oroville, Kalifornien, entdeckt einen erschöpften Mann in einem Schuppen am Stadtrand. Er trägt kaum Kleidung und wirkt völlig verängstigt. Bald stellt sich heraus: Der Fremde gehört zu den Yahi, einer kleinen indigenen Gemeinschaft aus Nordkalifornien, von der viele glaubten, sie sei längst verschwunden. Wissenschaftler bringen ihn nach San Francisco. Dort erhält er einen Namen: Ishi. In seiner Sprache bedeutet das schlicht "Mensch". Er lebt mehrere Jahre im Museum, fertigt Pfeilspitzen, zeigt Besuchern traditionelle Techniken und erzählt von seiner Kultur. Seine Geschichte steht zugleich für Gewalt und Verlust: Mit dem Goldrausch kamen Siedler ins Land, viele indigene Gemeinschaften wurden vertrieben oder ausgelöscht. Ishi stirbt am 25. März 1916 an Tuberkulose. Erst im Jahr 2000 werden seine sterblichen Überreste in das Gebiet seiner Vorfahren zurückgebracht, wo er schließlich beigesetzt wird. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Frank Usbeck, Kurator für die Amerika-Sammlungen bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens Orin Starn: Ishi’s Brain. In Search of America’s Last "Wild" Indian, New York 2004 Theodora Kroeber: Der Mann, der aus der Steinzeit kam, München 1961 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Keine Heldengeschichte im Wilden Westen - Der Indian Removal Act Zeitzeichen: Vertrag von Greenville 1795 - Indigene Völker verlieren ihr Land Zeitzeichen: Tecumseh, Indianerhäuptling (Todestag 05.10.1813) Zeitzeichen: USA - Indianer erhalten Bürgerrechte (am 02.06.1924) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
- Olympia nur für Frauen: Mit eigenen Spielen zu gleichem Recht24.03., 06:0024.03.2026, 06:0000:14:30
Lange schließt das IOC Frauen aus, bis Sportlerinnen ab dem 24.3.1921 erstmals eigene Spiele organisieren – und damit die Gleichberechtigung im Spitzensport vorantreiben. In diesem Zeitzeichen erzählt Merle Schaack: warum der Olympia-Erfinder Pierre de Coubertin Frauen im Stadion lieber auf der Tribüne sieht, wie eine französische Sportpionierin den Männern im Olympia-Komitee Paroli bietet, welche Folgen die ersten Frauenspiele für Sportlerinnen haben. Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit begründet, hat er eine klare Vorstellung: Wettkämpfe tragen Männer aus. Frauen sollen höchstens die Sieger ehren. Zwar dürfen sie in einigen Disziplinen antreten, etwa im Tennis oder im Golf – doch das gilt eher als gesellschaftliches Ereignis denn als ernsthafter Leistungssport. Die Französin Alice Milliat will das ändern. 1919 fordert sie vom Internationalen Olympischen Komitee, Frauen auch in der Leichtathletik zuzulassen. Als die Antwort ausbleibt, organisiert sie kurzerhand eigene Wettkämpfe. 1921 treffen sich in Monte Carlo rund 100 Athletinnen aus fünf Nationen zu den ersten internationalen Frauenspielen. Sie laufen, springen und werfen und zeigen damit: Frauen wollen bei Olympia nicht nur zuschauen, sondern selbst an den Start gehen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Ansgar Molzberger, Sporthistoriker Sporthochschule Köln Alexandra Burghardt, Sprinterin und Olympionikin Dr. Petra Tzschoppe, Sportsoziologin, ehemalige Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung beim Deutschen Olympischen Sportbund Olympische Charta SPIEGEL Geschichte: Frauen bei Olympia "Die weiblichen Unterleibsorgane verwelken" Prof. Dr. Bettina Rulofs et al.: Sexualisierte Gewalt und sexueller Kindesmissbrauch im Kontext des Sports, Fallstudie, 2022 Weiterführende Links: ZDF heute: Die Spiele 1924: Der lange Kampf der Frauen Zeitzeichen: Gretel Bergmann, jüd. Sportlerin (Geburtstag am 12.04.1914) Zeitzeichen: Eunice Kennedy-Shriver, Gründerin der Special Olympics (Geburtstag am 10.07.1921) Zeitzeichen: Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Merle Schaack Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
- Die Wiener Burg: vom Hofspielhaus zum "Teutschen Nationaltheater"23.03., 06:0023.03.2026, 06:0000:15:34
Am 23.3.1776 bestimmt Kaiser Joseph II. per Dekret: Die Bühnensprache im Burgtheater ist Deutsch. Mehr noch - künftig haben ausnahmslos alle Aufführungen glücklich zu enden. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: warum Kaiser Joseph II. das Wiener Burgtheater 1776 zum "Teutschen Nationaltheater" erklärt, weshalb auf der Bühne plötzlich Deutsch statt Italienisch oder Französisch gesprochen wird, wie aus einer höfischen Bühne ein Theater für die ganze Nation werden soll. Am 23. März 1776 erklärt Kaiser Joseph II. das Theater neben der Wiener Hofburg zur Chefsache: Per Dekret stellt er das Theater unter seine Aufsicht und erklärt es zum "Teutschen Nationaltheater". Die Bühne soll nicht länger nur dem Adel dienen, sondern dem ganzen Volk. Theater versteht der aufgeklärte Monarch als eine Art Schule der Gesellschaft. Dabei schießt er mit manchen Reformen über das Ziel hinaus: Tragödien dürfen nicht zu traurig enden, selbst Shakespeare bekommt ein Happy End verordnet. Doch mit dem Dekret beginnt die besondere Rolle des Burgtheaters: als Bühne, über die in Österreich bis heute leidenschaftlich gestritten wird und auf die viele mit Stolz blicken, auch wenn sie nie hingehen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Christiane Mühlegger-Henhapel, Theatermuseum Wien, Kuratorin der Ausstellung „250 Jahre Burgtheater“ Theatermuseum Wien: 250 Jahre Burg. Online-Ausstellung zum Jubiläum des Burgtheaters Claudia Kaufmann-Freßner: Das Burgtheater. Architektur, Geschichte, Geschichten, Wien/Bozen 2005 Ernst Haeusserman: Das Wiener Burgtheater. Wien/München/Zürich 1975 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Kaiser Leopold II. (Geburtstag am 05.05.1747) Zeitzeichen: Erster Brief von Friedrich an Voltaire (am 08.08.1736) Zeitzeichen: Comédie Française gegründet (am 21.10.1680) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Das ist unser Hörtipp: WDR 5 Das philosophische Radio – ein Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen in einer öffentlichen philosophischen Diskussion Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse Technik: Theo Kramer
- Die dunkle Vergangenheit der Heinzelmännchen22.03., 06:0022.03.2026, 06:0000:14:52
Heinzelmännchen machen heimlich unsere Arbeit. So steht es im Märchen von 1826. Geschichten über die Wesen gab es aber schon davor. Und die zeigen ein anderes Bild. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: was düstere Hexenwesen und Dämonen mit den Heinzelmännchen zu tun haben, warum Menschen an Hausgeister glauben, dass eine Sage aus dem sächsischen Eilenburg Vorbild für die Kölner Heinzelmännchen gewesen sein könnte, warum Neugierde in Erzählungen bestraft wird. Erstmals taucht die Figur des "Heinzelmanns" im 16. Jahrhundert auf. Der Theologe Erasmus Alberus schildert ihn als lästigen Störenfried, Martin Luther sogar als "teufliches Heintzlein", das den Tod bringt. Der Kölner Pädagoge und Karnevalist Ernst Weyden holt die Sage 1826 an den Rhein und verwandelt die düsteren Gestalten in freundliche, fleißige Hausmeister. Zehn Jahre später lässt August Kopisch die Kölner in seiner Ballade seufzen: "Wie war zu Cölln es doch vordem. Mit Heinzelmännchen so bequem!" Auch wenn der Geschichte nach die kleinen Wichtel Köln verlassen haben, begegnet man ihnen heute noch überall – am Heinzelmännchen-Brunnen, auf dem Heinzel-Weihnachtsmarkt, in den Buchläden und Souvenirgeschäften. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Hans-Jörg Uther, Literaturwisschenschaftler und Erzählforscher August Kopisch: Die Heinzelmännchen zu Köln. Köln 1836 Ernst Weyden: Cöln`s Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln´s, nebst einer Auswahl cölnischer Volkslieder. Cöln 1826 Brednich et. al. (Hgg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Göttingen 2015. Pisarek, Janin / Schäfer, Florian: Hausgeister! Fast vergessene Gestalten der deutschsprachigen Märchen- und Sagenwelt. Köln / Weimar 2024. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 06.01.1845 - Todestag des Märchensammlers Ferdinand Philipp Grimm Zeitzeichen: 21.12.1844 - Hans Christian Andersens "Die Schneekönigin" erscheint Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Frank Zirpins, Jakob Schiffer
- Siegeszug des Saxophons: Aus der Militärkapelle in den Jazzclub21.03., 06:0021.03.2026, 06:0000:14:27
Am 21.3.1846 reicht Adolphe Sax das Patent für das Saxophon ein. Seine Erfindung floppt: Er wird dafür bekämpft, verklagt, stirbt arm. Dann wird sein Instrument doch zum Erfolg. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: warum es ein Wunder ist, dass Adolphe Sax seine Kindheit überlebt, dass er ein ausgezeichneter Musiker ist, welche Rolle das Militär bei der Erfindung des Saxophons spielt, über den Siegeszug des Saxophons im 20. Jahrhundert. Es sind ungewöhnliche Töne, die aus der Werkstatt im 9. Pariser Arrondissement dringen. Dort tüftelt Adolphe Sax aus dem belgischen Dinant an einem neuen Blasinstrument. Ihm schwebt ein robuster Alleskönner vor, der in Militärkapellen laut und in Sinfonieorchester zart gespielt werden kann. Zudem sollte das Instrument für die militärischen Paraden wetterfest sein. Herausgekommen ist das Saxophon, gefertigt aus Messingblech mit einem Holzblasinstrumenten-Mundstück. Am 21. März 1846 lässt Adolphe Sax es patentieren. Schon damals ist das Saxophon so genial konstruiert, dass es bis heute kaum verändert wurde. Während Komponisten das neue Instrument feiern, führt die Konkurrenz einen erbitterten Kampf gegen Sax. Er stirbt verarmt 1894 in Paris. Nur wenige Jahrzehnte später erobert sein Saxophon die Welt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Matthias Schröder, Guido Grospietsch und Thorsten Floth (Pindakaas Saxophon Quartett) Christine Rall (Raschèr Saxophon Quartett) Frank Lunte: Saxophone. Ein Instrument und sein Erfinder. Berlin 2014 Pindakaas Saxophon Quartett: Die Abenteuer des Monsieur Sax. Ein Musikhörspiel. ClassicClips 2014 Dirk Joszok: Adolphe Sax. (Hör)Buch, Berlin 2008 Oscar Comettent: Histoire d’un inventeur au dix-neuvième sieècle. Adolphe Sax. Sis Ouvrages it sis luttes. Paris 1860 Weiterführende Links: Stichtag: 15. August 2015 - Todestag von Max Greger Stichtag: 29. August 1920 – Geburtstag von Charlie Parker Das Adolphe Sax-Haus, Museum in Dinant Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Carolin Rückl, David Rother
- Von der Kolonie zum Staat: Tunesien wird unabhängig20.03., 06:0020.03.2026, 06:0000:16:04
Am 20. März 1956 endet die französische Vorherrschaft in Tunesien. Habib Bourguiba wird zum Vater der Nation - und regiert das Land jahrzehntelang mit harter Hand. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: warum Tunesien jahrzehntelang unter französischer Kontrolle steht, obwohl ein lokaler Herrscher im Amt ist, wie der Anwalt Habib Bourguiba die Unabhängigkeit mit Verhandlungen vorbereitet, und weshalb der junge Staat nach 1956 Reformlabor und autoritär regiertes Land zugleich ist. Am 20. März 1956 unterzeichnet Frankreich in Paris den Vertrag über die Unabhängigkeit Tunesiens. Zuvor steht das nordafrikanische Land 75 Jahre lang unter französischem Protektorat: Der Bey von Tunis bleibt zwar formal Herrscher, doch Verwaltung, Wirtschaft und Militär liegen in französischer Hand. Schon früh regt sich Widerstand. Der wird vor allem von einer gebildeten Mittelschicht getragen. Aus ihr entsteht eine politische Bewegung, die schließlich von dem Anwalt Habib Bourguiba geprägt wird. Statt auf bewaffneten Aufstand setzt er auf Diplomatie und schrittweise Verhandlungen mit Frankreich. Nach Jahren in Gefängnissen und im Exil erreicht er sein Ziel: Tunesien wird unabhängig. Bourguiba wird Ministerpräsident, und kurz darauf Präsident eines neuen, strikt säkularen Staates. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Dr. Rachid Ouaissa, Politikwissenschaftler Naher und Mittlerer Osten, Universität Marburg Professor Kmar Bendana, Historikerin für Zeitgeschichte, Universität Manouba (bei Tunis) Tarkan Tek: Die Entkolonisierung Tunesiens. Über die langfristigen Auswirkungen des Arabischen Frühlings, Bielefeld 2024 Weiterführende Links: Wie ein Gemüsehändler den Arabischen Frühling startete Abd el-Krim, Marokkos Freiheitskämpfer (Todestag, 06.02.1963) Arabische Liga gegründet (am 22.3.1945) Das ist unser Hör-Tipp: Alles Geschichte: Riefenstahl: Influencerin des Bösen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek
- Ein Leben zwischen Mekka, Nil und Kamasutra: Richard F. Burton19.03., 06:0019.03.2026, 06:0000:14:48
Wie im Wahn bereist der britische Abenteurer, Diplomat und Ethnograf Richard Francis Burton (geb. am 19.3.1821) fremde Kulturen. Als Autor und Übersetzer bricht er Tabus. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath: warum Richard Francis Burton als Pilger verkleidet nach Mekka reist, und damit sein Leben riskiert, wie der britische Offizier fast dreißig Sprachen lernt, um fremde Kulturen wirklich zu verstehen, und weshalb ausgerechnet die Übersetzung orientalischer Liebesliteratur ihn schließlich berühmt macht. Er ist ein wahrer Weltensammler: Indien, Arabien, Ostafrika. Kein Ort ist ihm zu weit, keine Expedition zu beschwerlich. Richard Francis Burton gehört zu den wagemutigsten Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts. Als erster Europäer erreicht er verkleidet die heiligen Städte Mekka und Medina, später den Tanganjikasee in Afrika. Der britische Offizier ist ein Kosmopolit mit außergewöhnlichem Sprachentalent. Fast dreißig Sprachen und zahlreiche Dialekte beherrscht er. Burton glaubt: Wer eine Kultur verstehen will, muss ihre Sprache sprechen. Sein Leben lang reist, schreibt und übersetzt er. Erst spät wird er berühmt: etwa mit seiner englischen Ausgabe der Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht" oder mit der Übersetzung des "Kamasutra". Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Ilja Trojanow, Schriftsteller und Autor des Buches "Der Weltensammler" Fawn M. Brodie: The Devil Drives. The Life of Sir Richard Burton, New York, 1984. Ilija Trojanow: Der Weltensammler, Frankfurt am Main, 2006. Thomas Wright: The Life of Sir Richard Burton, London, 1906. Weiterführende Links: Project Gutenberg: Werke von Richard Francis Burton (digitale Sammlung) Gertrude Bell, Orientalistin (Geburtstag 14.07.1868) Heinrich Barth, dt. Afrikaforscher (Geburtstag 16.02.1821) Kolonialismus kitschig verklärt: Frieda von Bülow Forschungsreisender, Entdecker, Chauvinist: Nikolai Prschewalski Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann
- Ein linker US-Präsident rettet den Kapitalismus: Der "New Deal"18.03., 06:0018.03.2026, 06:0000:14:47
Franklin D. Roosevelts "New Deal" erreicht 1936 den Höhepunkt: Gegen Widerstand der Superreichen setzt er auf wirtschaftlichen Aufschwung durch hohe Löhne und Investitionen - er behält Recht. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff: warum US-Präsident Franklin D. Roosevelt in den 1930er-Jahren hohe Steuern für Millionäre fordert, wie die Weltwirtschaftskrise Millionen US-Amerikaner in Armut und Verzweiflung stürzt, weshalb das Reformprogramm "New Deal" nichts anderes bedeutet als: die Karten neu zu mischen. Nach dem Börsencrash von 1929 stecken die USA in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Banken gehen pleite, ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos, viele Menschen verlieren ihr Erspartes, Bauern ihr Land. Zeitzeugen erinnern sich an eine bedrückende Atmosphäre, und an eine Gesellschaft, die kaum noch Hoffnung hat. 1933 wird Franklin D. Roosevelt Präsident. Er verspricht einen "New Deal": einen neuen Anfang für das US-amerikanische Volk. Der Staat investiert Milliarden in Straßen, Schulen und Staudämme, fördert Mindestlöhne und stärkt Gewerkschaften. Die Wirtschaft soll nicht länger nur den Interessen der Reichen folgen, sondern dem Gemeinwohl dienen. Historiker bringen die Wirkung dieser Politik später auf eine Formel: Roosevelt habe den Kapitalismus vor den Kapitalisten gerettet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Steffen Lehndorff, Volkswirt und Arbeitsforscher, Köln Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin und Historikerin, Berlin Steffen Lehndorff: New Deal heißt Mut zum Konflikt. Was wir von Roosevelts Reformpolitik der 1930er Jahre heute lernen können, Hamburg, 2020. Ulrike Herrmann: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie oder Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können, Frankfurt am Main, 2016. Sven Beckert: Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution, Hamburg, 2025. Paul Krugman: Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten, Frankfurt am Main, 2008. Cédric Tourbe: Kapitalismus made in USA – Reichtum als Kult. Dreiteilige ARTE-Dokumentationsserie, Frankreich, 2023. Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Schwarze Freitag von 1929 John M. Keynes, brit. Ökonom (Todestag 21.04.1946) Eleanor Roosevelt, amerik. Politikerin (Todestag 07.11.1962) Franklin D. Roosevelt, 32. US-Präsident (Geburtstag, 30.01.1882) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff Redaktion: David Rother Technik: Petra Laubach
- Mythos St. Patrick: Vom Sklaven zu Irlands Nationalheiligem17.03., 06:0017.03.2026, 06:0000:14:51
Am 17. März wird in den Pubs weltweit auf St. Patrick angestoßen. Doch was ist dran an den vielen Legenden um den irischen Nationalhelden, der am 17.3.461 gestorben sein soll? In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz: über Patricks Zeit als Sklave in Irland, wie er dort zu Gott gefunden hat, warum Patrick von der Katholischen Kirche mit Skepsis beobachtet wird, dass der irische Nationalheilige nie offiziell heiliggesprochen wurde. Nach sechs Jahren irischer Gefangenschaft gelingt Patrick die Flucht zurück in seine britische Heimat. Als die Eltern sterben, reist er 432 zurück, um die Iren zu missionieren – so hält er es zumindest in seiner Schrift Confessio fest. Ob er tatsächlich die Iren im Alleingang getauft hat oder ein vom Papst gesandter Missionar eine größere Reichweite hatte, verliert sich in der frühen Überlieferung. Doch als Jahrhunderte später aus den zersplitterten Königtümern und Sippen eine irische Nation werden soll, kommt Patricks Stunde. Er wird zum Nationalhelden auserkoren und sein Leben mit Legenden ausgeschmückt. So die Geschichte, dass er alle Schlangen von der Insel vertrieben hat - dabei hat es nie Schlangen auf der Insel gegeben. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Terry O'Hagan, Archäologe am University College in Dublin Elva Johnston, Historikerin am University College in Dublin Ludwig Bieler: The Patrician Texts in the Book of Armagh. Dublin: 1979 Thomas O’Loughlin: Discovering Saint Patrick Darton. Croydon. 2005 Weiterführende Links: Forschungs-Blog zur christlichen Geschichte Irlands: vox hiberionacum Confessio Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uwe Schulz Redaktion: Matti Hesse
- Sie wollte nie Schokolade: Das tragische Leben der Trude Herr16.03., 06:0016.03.2026, 06:0000:14:48
Trude Herr lässt die Nachkriegszeit lachen. Derb, kölsch und stolz auf ihre Wurzeln, hat sie die "kleinen Leute" im Blick. Am 16. März 1991 stirbt die Kölnerin in Südfrankreich. In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer: an welchem außergewöhnlichen Ort Trude Herr lernt, schlagfertig, spontan und witzig zu sein, wie Trude Herr mit dem Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch auskommt, warum der WDR Trude Herrs Dokumentarfilme über Afrika nicht senden will, mit welchem Lied sich die Sängerin 1987 auf die Fidschi-Inseln verabschiedet, wie Trude Herr nach Köln zurückkommt und schließlich in Südfrankreich stirbt. Trude Herr hat es nie leicht im Leben. Ihre Familie ist arm und wohnt Ende der 1920er-Jahre in Köln-Mülheim. Der Vater arbeitet als Lokführer in der Chemischen Fabrik Kalk. Er ist Kommunist und aktiv bei den Arbeiteraufständen, später im Naziregime kommt er ins Konzentrationslager. Im Beruf fühlt sie sich oft von Produzenten und Regisseuren zurückgesetzt. Trude Herr ist gerne mal laut und fährt den Leuten über den Mund. Immer mit dem Gefühl: Ich darf mich nicht unterkriegen lassen. 1977 pachtet sie ein Theater in der Kölner Südstadt. Das Haus ist oft ausverkauft. Ihre wenigen ernsten Stücke werden beachtet, erfolgreicher bleibt sie aber als Ulknudel. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Marina Barth (Buchautorin und Chefin des Kabarett-Theaters Klüngelpütz in Köln) Uli Kievernagel (Stadtführer und Trauerredner in Köln) Marina Barth: Am Kronleuchter hängen wir nicht immer. Köln 2024 Heike Beutel und Anna B. Hagin: Trude Herr. Ein Leben. Köln 2021 Weiterführende Links: WDR Retro: Interview mit Trude Herr (1964) WDR: Scheidung auf Kölsch - Schwank von und mit Trude Herr (1981) WDR: Die Millionärin - Volksstück von und mit Trude Herr (1984) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Geuer Redaktion: Sefa Inci Suvak
- Koffein und Kunst: Karl Flach erfindet Afri Cola15.03., 06:0015.03.2026, 06:0000:14:35
Eine Cola aus Köln wird Kult: Mit radikalen Bildern, Pop-Art und viel Provokation wird die Afri Cola zur Legende. 1931 wird sie von dem Kölner Karl Flach "erfunden". In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: warum das von Karl Flach erfundene Getränk "Afri Cola" heißt, welches Alleinstellungsmerkmal die Kölner Cola hat, welcher bekannte Künstler eine Werbekampagne für "Afri Cola" gestaltet, wie ein "Afri Cola"-Werbespot mit drei Nonnen 1968 schockiert und provoziert, wie der Lieblingsspruch von Karl Flach lautet. 1931 übernimmt der damals 25-jährige Karl Flach die Geschäftsführung eines Unternehmens mit dem etwas sperrigen Namen "F. Blumhoffer Nachfolger GmbH". Die Firma produziert Essenzen für die Getränkeherstellung. Um sich einen eigenen Namen zu machen, mischt der Kölner den Getränkemarkt auf - mit einer neuen Koffein-Limonade. Mit dem Cola-Hersteller aus Köln geht es auf und ab. 1988 zieht sich Karl Flach aus dem Geschäft zurück und übergibt es an seinen Sohn Alexander. Mit den Produktionsmengen der großen Cola-Hersteller kann er nicht mithalten. Deshalb sucht er sich eine Nische: Er beliefert in Berlin, Hamburg und Köln die Szene-Gastronomie. Inzwischen gehört "Afri Cola" einem Getränkehersteller in Baden-Württemberg. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Alexander Flach (Sohn des Erfinders Karl Flach) Weiterführende Links: Zeitzeichen 16.11.1915: Die klassische Cola-Flasche wird patentiert Planet Wissen: Schadet Cola den Knochen? ARD-Marktcheck: "Afri Cola" im Check (2015) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Nicolas Dohle
- 16 Jahre unschuldig im Gefängnis: die "Birmingham Six"14.03., 06:0014.03.2026, 06:0000:14:51
1975 werden sechs Männer als IRA-Attentäter verurteilt - trotz erpresster Geständnisse und frisierter Akten. Am 14.3.1991 kommen sie frei. Doch belangt wird für den Justizskandal niemand. In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: wie sich einer der Tatverdächtigen an seine Verhaftung erinnert, welche brutalen Mittel die Polizei bei den Vernehmungen einsetzt, wie ein Journalist Ungereimtheiten bei den Ermittlungen gegen die "Birmingham Six" aufdeckt, wie die unschuldig Verurteilten sich nach der Freilassung über die Polizei äußern, wer die Bomben wohl tatsächlich gelegt hat. Am 21. November 1974 explodieren in Birmingham im Nordwesten Englands in zwei Pubs Bomben. 21 Menschen sterben und mehr als 200 werden zum Teil schwer verletzt. Die Anschläge markieren einen blutigen Höhepunkt der "Troubles", des bürgerkriegsähnlichen Konflikts um Nordirland. Die "Irish Republican Army" (IRA) versucht seit 1969, die Loslösung Nordirlands von Großbritannien und die Wiedervereinigung Irlands herbeizubomben. Die Polizei nimmt kurz darauf sechs Nordiren fest. Es ist der Auftakt zu einem Polizei- und Justizskandal. Am 15. August 1975 werden die Männer zu lebenslanger Haft verurteilt - trotz fragwürdiger Beweise und kaum konsistenter, offenbar erzwungener Geständnisse. Erst nach fast 17 Jahren werden sie von der britischen Justiz freigelassen. Doch keiner der beteiligten Polizisten und Richter wird zur Rechenschaft gezogen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Chris Mullin (Investigativ-Journalist, Buchautor und Abgeordneter des britischen Parlaments) Chris Mullin: Error of Justice. The Truth about the Birmingham Bombings. Dublin 1987 Weiterführende Links: Zeitzeichen 06.12.1922: Proklamation des Freistaates Irland Zeitzeichen 03.08.1969: Beginn der bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Irland Planet Schule: Worum geht es im Nordirland-Konflikt? Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
- Formt das Gesicht Preußens und Berlins: Karl Friedrich Schinkel13.03., 06:0013.03.2026, 06:0000:14:40
Theater, Museen, Kirchen - seine Bauwerke stehen für Klarheit, Maß und klassizistische Strenge: Karl Friedrich Schinkel, geboren am 13. März 1781. Aber zunächst macht ihn nicht seine Architektur berühmt. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: wie es Schinkel schafft, sein Privatleben geheim zu halten, von einem verheerenden Brand in seiner Heimatstadt Neuruppin, wie Schinkels Friedrichswerdersche Kirche eine ganze Epoche begründet, von seinen Dioramen - dem Kino des 19. Jahrhunderts. Die Berliner Stadtlandschaft wäre nicht, was sie ist - ohne den am 13. März 1781 geborenen Karl Friedrich Schinkel. Im Auftrag des Königs entwirft er Bauwerke und Plätze, die noch heute faszinieren: Die Neue Wache Unter den Linden zum Beispiel oder das Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Mit dem Alten Museum, seit 1999 Teil des Weltkulturerbes Berliner Museumsinsel, legt Schinkel den Grundstock zum "Spree-Athen" und begründet seinen Ruf als Wegbereiter der Moderne. Doch es ist nicht nur die Architektur, die ihn berühmt macht. Schinkel ist ein Universalgenie. Er schafft Gemälde und entwirft Bühnenbilder - legendär der tiefblaue Sternenhimmel für die Königin der Nacht in Mozarts Oper "Zauberflöte". Auch Innendekorationen, Möbel, Skulpturen und Kronleuchter gehören zu seinem Programm. Bis zu seinem Tod 1841 ist ein Skizzenblock sein ständiger Begleiter. Noch heute lagern 6.000 Blätter von seiner Hand im Kupferstichkabinett Berlin. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Andreas Bernhard, Kunsthistoriker, Berlin Andreas Bernhard: Karl Friedrich Schinkel. Führer zu seinen Bauten. Band I und II. München, Berlin 2006 Jörg Trempler: Karl Friedrich Schinkel. Baumeister Preußens. München 2012 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 29.01.1996 - Todestag des Architekten Julius Posener Zeitzeichen: 06.02.2006 - Der Palast der Republik wird abgerissen Zeitzeichen: 26. Mai 2006 - Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD-Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother Technik: Annette Skrzydlo
- Wie Lady Hester Stanhope zur "Königin der Wüste" wurde12.03., 06:0012.03.2026, 06:0000:14:19
Ein Oberschicht-Leben im britischen Empire - das lehnt Lady Hester Stanhope (geb. am 12.3.1776) ab. Sie will sich ein neues Leben im Orient aufbauen. Und scheitert. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Seebaum: von einer ungewöhnlichen Krönung unter dem Triumphbogen von Palmyra, welchen Einfluss ein christlicher Sektengründer auf Stanhopes Leben nimmt, wie opulent die Lady im libanesischen Bergdorf Djoun residiert, warum das extravagante Leben der Lady Hester Stanhope in Armut und Einsamkeit endet. Lady Hester Stanford stammt aus bestem Hause und bewegt sich entsprechend in den besten Kreisen. Als ihr Onkel William im Jahr 1804 seine zweite Amtszeit als Premierminister antritt, zieht die 28-Jährige mit ihm in Downing Street 10 ein. Sie führt dem ewigen Junggesellen den Haushalt, organisiert das Sozialleben und erlebt nebenbei Ränkespiele und Doppelmoral der Reichen und Mächtigen aus nächster Nähe. Drei Jahre nach dem Tod ihres Onkels trifft sie im Jahr 1809 Vorbereitungen für eine größere Reise. Gemeinsam mit ihrem jungen Leibarzt Charles Meryon bricht sie in Richtung der britischen Festung Gibraltar auf. Dort lernt Stanhope den elf Jahre jüngeren Michael Bruce kennen und lieben. Gemeinsam ziehen sie immer weiter in Richtung Osten, bis in den Libanon. Dort herrscht Lady Hester Stanhope in einem verlassenen Bergkloster bis zu ihrem Tod, also für fast drei Jahrzehnte - und wird so zu Europas "Königin der Wüste" und zur "Mystery Lady of the Orient". Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Armin Strohmeyr, Autor und Stanhope-Biograf Prof. Dr. Jens-Peter Hanßen, Leiter des Orient-Instituts der Max-Weber-Stiftung in Beirut Armin Strohmeyr: Lady Hester Stanhope. Königin des Orients, Konstanz 2021 Christian Birch (Hg.): Denkwürdigkeiten der Lady Esther Stanhope. Erzählt von ihr selbst in Unterredungen mit ihrem Arzte, Stuttgart 1846. Nachdruck, London 2017 Weiterführende Links: WDR Zeitzeichen: 14.11.1889 - Nellie Bly und Elisabeth Bisland starten ihr Rennen um die Welt Planet Wissen: Kolonialismus – Europas Kolonien SWR Kultur: Wer war Lawrence von Arabien - Held oder Verräter? Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Seebaum Redaktion: Frank Zirpins
- Der Vater der Tigerente: Janosch wird 9511.03., 06:0011.03.2026, 06:0000:14:50
Mit "Oh wie schön ist Panama" gelingt Janosch (geb. am 11.3.1931) ein Welterfolg. Dabei wollte er mit einem Kitschbuch Rache an der Welt nehmen. Es kommt zum Glück anders! In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer: wie Janosch unter dem Pseudonym "Wondrak" zum Kolumnisten im Zeit-Magazin wird, wer dem Endzwanziger Horst Eckert den Künstlernamen "Janosch" gibt, wie Janosch die Rechte an seinen eigenen Werken verliert, warum Janosch gegen eine bestimmte Leberwurst eine Aversion hat. Geboren wird "Janosch" als Horst Eckert in Oberschlesien. Schon als Kind bekommt er den ersten Tuschkasten geschenkt. Er will Maler werden. Doch zunächst macht er eine Lehre als Schmied, besucht später eine Textilfachschule und arbeitet anschließend mehrere Jahre in einer Weberei. Sein Ziel bleibt aber die Kunst. Nach einigen Misserfolgen gelingt ihm 1978 mit der illustrierten Kindergeschichte "Oh wie schön ist Panama" ein internationaler Erfolg. Auch das Nachfolgewerk "Post für den Tiger" wird ein weltweiter Bestseller. Doch Janosch hadert mit dem Erfolg und dem Leben. Er gerät in Konflikte mit seinen Verlegern, verfällt wie sein Vater dem Alkohol, hat körperliche und seelische Probleme. Ruhe findet Janosch schließlich auf den Kanarischen Inseln. Seit den 1990er-Jahren lebt er dauerhaft auf Teneriffa. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Tillmann Prüfer (Leitender Redakteur bei der "Zeit" und betreuender Redakteur der "Wondrak"-Kolumne im "Zeit-Magazin" Weiterführende Links: Planet Wissen: Helden in Kinderbüchern Stichtag: 15. März 1978 - Janoschs Kinderbuch "Oh, wie schön ist Panama" erscheint Planet Wissen: Lesen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer Redaktion: Matti Hesse
- Des Königs neue Kleiderordnung und der Hutaufstand von Madrid10.03., 06:0010.03.2026, 06:0000:14:33
Am 23. März 1766 eskaliert in Spaniens Hauptstadt ein Volksprotest. Was mit neuen Kleidungsvorschriften begonnen hat, wächst sich zur veritablen Staatskrise aus. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: warum besonders der Marqués de Esquilache den Zorn der Spanier weckt, mit welchen Maßnahmen dieser Minister und König Karl III. Spanien modernisieren, wovon König Karl III. und seine Frau Maria Amalia beim Einzug in Madrid schockiert sind, unter welchem Beinamen König Karl III. in die Geschichte eingehen möchte, warum der König die Bewohner Madrids mit Kindern vergleicht. Als Karl III. im Jahr 1759 unverhofft die Nachfolge auf dem Spanischen Thron antreten muss, unternimmt er große Anstrengungen, um sein Reich zu modernisieren. Das Land wird von Adelsfamilien und der Kirche dominiert. Karl beschneidet zu deren Missfallen die Privilegien beider Gruppen und belegt sie mit Steuern. Mit Verboten weckt er auch den Zorn des Volkes. Der Minister des Königs, der Marqués de Esquilache, überspannt schließlich den Bogen: Am 10. März 1766 verbietet er das Tragen breitkrempiger Sombreros und langer Mäntel. Den Spaniern wird befohlen, französische Kleidung zu tragen, kurze, enge Jacken und dazu einen Dreispitz. Es kommt zum Aufstand. Karl gibt dem Druck nach und macht den Aufständischen weitgehende Zugeständnisse. Eines ist die Verbannung von Esquilache, der aus der Regierung ausgeschlossen und als Botschafter nach Venedig geschickt wird. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Christian von Tschilschke, Uni Münster Walther L. Bernecker und Horst Pietschmann: Geschichte Spaniens. Stuttgart 1993 Horst Pietschmann: Karl III. (1759–1788). In: Walther L. Bernecker, Carlos Collado Seidel und Paul Hoser (Hrsg.): Die spanischen Könige. 18 historische Porträts vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 1997 Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte der Stadt Madrid Rainer Wohlfeil: Brot - Olivenöl - Kichererbsen. Eine Studie zur „Lebensqualität“ der Unterschichten im Spanien Karls III. Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek