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600- Martin Luther verteidigt seine Thesen: "Ich kann nicht anders"18.04., 06:0018.04.2026, 06:0000:14:41
Am 18.4.1521 riskiert Martin Luther sein Leben. Statt zu widerrufen, verteidigt "der Erzketzer" in Worms seine Kritik an Kaiser und Kirche - und besiegelt damit deren Spaltung. In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer: warum Luther trotz Lebensgefahr der Vorladung Kaiser Karls V. folgt, wie Ablasshandel, Machtpolitik und persönliche Eitelkeiten in Rom zusammenwirken, weshalb ausgerechnet ein Auftritt ohne Widerruf zum Wendepunkt der Reformation wird, wie eine Scheinentführung Luther in Sicherheit bringt. Als Martin Luther im April 1521 in Worms einzieht, jubelt ihm die Menge zu. Der Theologieprofessor aus Wittenberg ist längst eine Symbolfigur geworden - für viele ein Hoffnungsträger, für Rom ein gefährlicher Ketzer. Vor dem Reichstag soll er seine Schriften widerrufen. Luther weiß, was auf dem Spiel steht: Ein Jahrhundert zuvor endet ein ähnlicher Konflikt für Jan Hus auf dem Scheiterhaufen. Doch Luther bleibt standhaft. Er verlangt Beweise aus der Bibel, nicht Befehle von Kaiser oder Papst. Mit seiner Weigerung scheitert er politisch - und siegt historisch. Denn aus der Niederlage von Worms entsteht auf der Wartburg ein neues Kapitel der Reformation: die deutsche Bibelübersetzung und eine Bewegung, die Europa verändert. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Volker Reinhardt (Historiker, Universität Freiburg, Schweiz) Luise Schorn-Schütte (Historikerin, Universität Frankfurt am Main) Volker Reinhardt: Luther, der Ketzer. München 2017 Luise Schorn-Schütte: Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkungen. München 2017 Weiterführende Links: Zeitzeichen im Mai 1525: Martin Luther ruft zur Niederschlagung der Bauernrebellion auf Planet Wissen: Martin Luther Die 95 Thesen - Anstoß zur Reformation Zeitzeichen 19.04.1529: Protest der evangelischen Reichsfürsten auf dem Reichstag zu Speyer Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Tobias Sauer Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann
- Wie der Fall Vera Brühne zum Justiz-Krimi wurde17.04., 06:0017.04.2026, 06:0000:14:21
Am 17. April 2001 stirbt Vera Brühne. Sie ist bekannt in der Münchner High Society, als sie Anfang der 1960er wegen Mordes verurteilt wird. Etwa 10 Jahre später machen neue Erkenntnisse den Fall zu einem Agenten-Thriller. In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: warum ein Mord am Starnberger See zu einem der spektakulärsten Indizienprozesse der Nachkriegszeit wird, wie Boulevardpresse und Rollenbilder der 1960er‑Jahre das Bild der Angeklagten prägen, weshalb Vera Brühne bis zu ihrem Tod ihre Unschuld beteuert, welche Agenten‑Gerüchte Jahre später sogar Franz Josef Strauß in Erklärungsnot bringen. Ostern 1960: In einer Villa am Starnberger See findet die Polizei den Arzt Otto Praun und seine Haushälterin tot auf. Zunächst scheint alles klar. Doch die Entdeckung zweier Einschüsse im Schädel des Arztes ändert alles. Der Verdacht fällt auf Vera Brühne, eine bekannte Münchner Gesellschaftsdame, die im Testament bedacht wird. Was folgt, ist ein Prozess ohne direkte Beweise, getragen von Indizien, Widersprüchen und medialer Vorverurteilung. Vera Brühne wird zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt - und 18 Jahre später begnadigt. War sie Täterin? Oder Opfer einer Zeit, in der eine geschiedene, selbstständige Frau nicht ins Bild passte? Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Petra Cichos (Journalistin und Autorin) Petra Cichos: Mordakte Vera Brühne. München 2017 Michael Gramberg: Die großen Kriminalfälle. Lebenslänglich für Vera Brühne. ARD‑Dokumentation 2013 Weiterführende Links: Deutschlandfunk: Die zu lebenslanger Haft verurteilte Vera Brühne wird begnadigt BR: Kriminalfall Vera Brühne (Infos zum Hörspiel) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Jakob Schiffer und Frank Zirpins
- Verschollen im arktischen Eis: Polarforscher John Franklin16.04., 06:0016.04.2026, 06:0000:14:51
Immer wieder fährt Franklin (geb. 16.4.1786) ins Eis. Er will Karriere machen, die Nordwestpassage finden und wird schließlich berühmt - allerdings nicht nur als Entdecker. In diesem Zeitzeichen erzählt Joscha Seehausen: warum John Franklin als "der Mann, der seine Stiefel aß" berühmt wird, wieso modernste Technik der Industrialisierung seine letzte Expedition nicht rettet, wie aus nationalem Prestige eine Katastrophe mit 129 Vermissten wird, welche Rolle Inuit-Berichte, Kannibalismus und Bleivergiftung bei der Aufklärung spielen. Sir John Franklin ist ein Kind seiner Zeit: ehrgeizig, pflichtbewusst und überzeugt vom Fortschritt. Nach frühen Expeditionen wird er als Held gefeiert, obwohl sie viele Tote fordern. Sein Ruf als Arktisexperte wächst - ebenso sein Wunsch, für die britischen Krone ein letztes großes geografisches Rätsel zu lösen: die so genannte Nordwestpassage finden, eine viel versprechende Seeverbindung zwischen Europa und Asien durch das arktische Archipel im Norden Kanadas. 1845 bricht Franklin mit den Schiffen Erebus und Terror auf. Sie sind vollgestopft mit Innovationen, Konserven und Hoffnung. Doch die Expedition verschwindet im arktischen Eis. Jahrzehntelang sucht man nach Spuren - und stößt auf verstörende Hinweise: gescheiterte Fluchtversuche, Kannibalismus, schwere Fehlentscheidungen. Erst moderne Archäologie und die lange ignorierten Erzählungen der Inuit bringen das Bild langsam zusammen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Katrin Kleemann (Umwelt- und Wissenschaftshistorikerin, Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven) John Geiger (CEO der Royal Canadian Geographical Society) Michael Palin: Erebus: Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See. Hamburg 2019 Gillian Hutchinson: Sir John Franklin’s Erebus and Terror Expedition: Lost and Found. Dublin 2017 John Geiger und Owen Beattie: Der eisige Schlaf: Das Schicksal der Franklin-Expedition. München 2015 Weiterführende Links: Zeitzeichen 19.05.1845: Die letzte Expedition John Franklins Zeitzeichen 12.08.1984: Öffnung des Grabes des Polarforschers John Torrington Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Joscha Seehausen Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
- Newton und der Apfel: Die Legende vom Geistesblitz15.04., 06:0015.04.2026, 06:0000:14:47
Isaac Newton erzählt vom niederfallenden Apfel, der ihm am 15. April 1726 einen Geistesblitz bescherte - eingängig, aber wohl eher erfunden. Sein Weg zur Gravitation war deutlich länger. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: dass Isaak Newton egoistisch, egomanisch und sehr streitsüchtig ist, über die tiefe Gottesgläubigkeit des Wissenschaftlers, wie Newton den Weltuntergang berechnet, mit welchen Mitteln er seine Konkurrenten bekämpft. Während in London die Pest grassiert, flieht der 23-jährige Isaak Newton aufs Land. Dort soll der Student nicht nur vom fallenden Apfel zur Gravitationstheorie inspiriert worden sein. Er will auch gleich die Fluxionsrechnung und die Grundlage für seine optische Theorie entwickelt haben. "All dies trug sich in den beiden Pestjahren 1665 /1666 zu. Denn zu dieser Zeit befand ich mich auf dem Höhepunkt meiner Erfindungskraft", erzählt Isaak Newton kurz vor seinem Tod seinem Biografen - und feilt so im hohen Alter an seinem eigenen Mythos. Tatsächlich ist Newton als junger Wissenschaftler wohl weniger von der Einöde des Landlebens als vielmehr von den Ideen anderer beflügelt. Und auch sein Gesetz zur Gravitation veröffentlicht er erst zwei Jahrzehnte nach seinen angeblich so kreativen Pestjahren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Helmut Pulte (Ruhr-Uni Bochum, Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte) Florian Freistetter (Wissenschafts-Podcaster) Florian Freistetter: Newton. Wie ein Arschloch das Universum neu erfand. München 2017 Richard Westfall: Isaak Newton. Eine Biographie. Heidelberg / Berlin / Oxford 1996 Sir Isaak Newton: Mathematische Principien der Naturlehre. Herausgegeben von J. Ph. Wolfers. Berlin 1872 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 03.01.1851: Léon Foucault testet erfolgreich sein Pendel Zeitzeichen: 24.02.1810: Der Naturforscher Henry Cavendish stirbt in London Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek
- Moschee, Gottesdienst und Aristoteles: das Erbe des Averroes14.04., 06:0014.04.2026, 06:0000:14:41
Im Jahr 1126 wird Averroes in Córdoba geboren. Der islamische Gelehrte übersetzt Aristoteles und prägt damit Europas Philosophie und das Werk Salman Rushdies. In diesem Zeitzeichen erzählt Uli Hufen: wie muslimische Denker das Wissen der Griechen und Römer ans christliche Europa weitergeben, warum Averroes sich Aristoteles widmet, über seine Verbannung nach Marrakesch, welchen Einfluss Averroes auf Salman Rushdie hat. Der 1126 geborene Ibn Rushd, genannt Averroes, wächst in Córdoba in einem kulturellen und intellektuellen Umfeld auf, das mit Köln, Paris oder London zu der Zeit nicht vergleichbar ist. Geschult im islamischen Recht und belesen in allen Wissenschaften, arbeitet Averroes als Richter und Leibarzt des Kalifen. Berühmt wird er als Übersetzer und Kommentator von Aristoteles. Dabei sieht er keinen Widerspruch zwischen Religion und Philosophie. Schließlich heißt es im Koran: "Denkt nach, die ihr Einsicht habt!" Das sehen Religionslehrer anders. Averroes fällt in Ungnade am Hof, wird verbannt und seine Schriften verboten. Die christlichen Eroberer greifen später auf seine Kommentare zurück, um die antike Philosophie zu verstehen. Bis heute gilt Averroes als einer der großen Denker. Ob er ein Atheist, Rationalist, Religionskritiker oder früher Aufklärer war, darüber wird seit Jahrhunderten gestritten. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Carlos Fraenkel, Philosoph und Experte für die antike und mittelalterliche Geistesgeschichte, McGill University Prof. David Wirmer, Professor für arabische und jüdische Philosophie, Universität Köln David Wirmer (Hrsg.): Averroes: Über den Intellekt. Auszüge aus seinen drei Kommentaren zu Aristoteles' De anima, Freiburg 2008 Patric O. Schaerer (Hrsg.): Averroes: Die entscheidende Abhandlung. Die Untersuchung über die Methoden der Beweise, Stuttgart 2010 Carlos Fraenkel: Mit Platon in Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt, München 2016 Carlos Fraenkel: Imagine his dismay. London Review of Books, Vol. 38, No 4. Weiterführende Links: Uni Köln: Digital Averroes Research Environment. A Digital Collection of Editions, Manuscripts, and Prints H. Chad Hillier: Ibn Rushd (Averroes) (1126-1198), in: Internet Encyclopedia of Philosophy Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uli Hufen Redaktion: David Rother, Emily Jeuckens Technik: Max Scholpp
- Der wahre Erfinder der Eisenbahn: Ingenieur Richard Trevithick13.04., 06:0013.04.2026, 06:0000:15:36
Trevithick (geb. 13.4.1771) bringt sich selbst Ingenieurskunst bei, erfindet unter anderem die Dampflok. Doch ihm fehlt der Geschäftssinn. Berühmt werden mit seinen Ideen andere. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau: warum Richard Trevithick seinen Lehrern eher negativ auffällt, welcher Zwist ihn mit dem Ingenieur James Watt verbindet, wie ein Feuer und eine tödliche Explosion für Rückschläge beim Erfinden sorgen, aufgrund welcher Wette die erste Dampflokfahrt stattfindet. Heiligabend 1801, die kleine Stadt Camborne im britischen Cornwall: Auf der steilen Straße zum Beacon Hill bewegt sich ein schnaufendes Ungetüm aus Eisen. Selbst Pferdewagen schaffen sie nur im Schritttempo. Das eiserne Ungetüm aber scheint nichts aufhalten zu können. Angetrieben durch Feuer, Dampf und den Erfindungsgeist eines jungen Mannes: Richard Trevithick. Er nennt die Maschine "The Puffing Devil", den schnaufenden Teufel. An den folgenden Tagen verlaufen die Tests ebenfalls vielversprechend. Doch als bei einer Fahrt über einen Gullydeckel eine Achse bricht, wird Richard Trevithick klar: Zum Fahrzeug gehört der Fahrweg und für sein empfindliches Dampfgefährt wären Schienen ideal. Schon bald ruckelt die erste Lok über die Schiene. Doch bei der Weiterentwicklung geht ihm das Geld aus. Auch als später überall in England Eisenbahnlinien entstehen, geht Trevithick leer aus, weil er keine Patente mehr hält. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Rainer Mertens (Historiker, DB Museum Nürnberg) Francis Trevithick: Life of Richard Trevithick. London 1872 H.W. Dickinson und Arthur Titley: Richard Trevithick. The Engineer and the man. Cambridge 1934 Samuel Smiles: The life of George Stephenson and of his son Robert Stephenson. New York 1868 Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Geschichte der Eisenbahn Stichtag: 28.02.1815 – Erstes Stephenson-Patent für Lokomotive Zeitzeichen: 04.10.1883 – Jungfernfahrt des Orientexpress Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Mau Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
- Juri Gagarin: Als erster Mensch im Erd-Orbit12.04., 06:0012.04.2026, 06:0000:14:50
Es ist ein Propagandaerfolg für die UdSSR und eine wissenschaftliche Sensation: Am 12.4.1961 umkreist Juri Gagarin als erster Mensch die Erde in einem Raumschiff. Fast wäre er nicht zurückgekehrt. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann: was Juri Gagarin kurz vor dem Start ins All an seine Frau und die beiden kleinen Töchter schreibt, warum sein Abschied von den anderen Kosmonauten an der Startrampe unfreiwillig komisch ist, warum der Steuerhebel in der Kapsel an der Raketen-Spitze mit einem dreistelligen Code gesperrt ist, welches Lied Juri Gagarin während der Wartezeit in der Kapsel über Funk hört, was Gagarin über den Ausblick im All sagt. Im Space Race hat die Sowjetunion die Nase vorn: 1957 hat sie den USA den Sputnik-Schock verpasst. Damals bringt die Sowjetunion den ersten künstlichen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Noch im selben Jahr fliegt an Bord von Sputnik 2 die Hündin Laika ins All. Der Westen hinkt hinterher. Die amerikanischen Vanguard-Raketen erleben einen Fehlstart nach dem nächsten. Das soll sich ändern. 1959 stellt die NASA der Öffentlichkeit sieben Astronauten vor. Einer von ihnen soll der erste Mensch im All werden. Doch es kommt anders. Die Sowjetunion hält ihr Raumfahrtprogramm geheim. Als am 12. April 1961 Kosmonaut Juri Gagarin und sein Ersatzmann German Titow geweckt werden, wissen nicht einmal ihre Familien, an welchem Projekt die beiden Testpiloten beteiligt sind. Um so größer ist der Triumph: "Hier spricht Moskau! Wie senden eine TASS-Meldung, die den ersten bekannten Raumflug der Welt bekannt gibt." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Reinold Ewald (Physiker und Astronaut/Kosmonaut, flog 1997 zur Raumstation Mir) Stephen Walker: Ins All - Die faszinierende Geschichte vom ersten Flug in den Weltraum. Hamburg 2022 Weiterführende Links: NDR Retro: Erster bemannter Weltraumflug von Juri Gagarin (1961) ARD Retro: Ein Jahr bemannter Weltraumflug - Interview mit Juri Gagarin (1962) SWR Retro: Juri Gagarin - Mutmaßungen über Gesundheitsschäden bei Astronauten (1965) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann Redaktion: Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup
- Bob Dylans erster Auftritt in New York11.04., 06:0011.04.2026, 06:0000:15:35
Am 11.4.1961 steht erstmals auf einem Konzertplakat in New York dieser Name: Bob Dylan. Der Rest ist Musik-, Kunst- und Literaturgeschichte. In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann: welchen Namen die Eltern von Bob Dylan ihm nach seiner Geburt ursprünglich gegeben haben, was für ein selbstbewusster Kerl er schon als Teenager ist, mit welchem Musiker Dylan anfangs in New York zusammen auftritt, wie Dylan sein Idol, die Folk-Legende Woody Guthrie, im Krankenhaus besucht, was der Musiker über seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis denkt. New York, Frühjahr 1961: Der Winter hat die Stadt noch fest im Griff. Ein Chevy spuckt Dylan auf der George-Washington-Bridge aus. Rein in die U-Bahn, direkt nach Greenwich Village. Wo gibt's hier einen Schlafplatz? Er ist 19, hat das College geschmissen, den Rock'n Roll hinter sich gelassen, die Literatur, den Folk und dessen Traditionen entdeckt und taucht jetzt ein in die New Yorker Szene. Sein erstes Konzert in New York wird ein voller Erfolg. Die "New York Times" ist begeistert: "Ein strahlend neues Gesicht des Folk". Dylan erhält den ersten Plattenvertrag, das erste Album wird im Herbst 1961 aufgenommen. Noch besteht es - bis auf zwei Songs - aus Fremdmaterial. Doch schon mit der zweiten LP wird er zu dem Dylan, der bis heute gefeiert, verehrt, hinterfragt, böse beschimpft, missverstanden, geliebt, hoch gelobt - und 2016 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Heinrich Detering (Literaturwissenschaftler, Lyriker, Übersetzer und Autor) Bob Dylan: Chronicles - Volume one. Hamburg, 2004 Heinrich Detering: Bob Dylan. Stuttgart 2007 Heinrich Detering: Die Stimmen aus der Unterwelt - Bob Dylans Mysterienspiele. München 2016 Bob Dylan: Tarantel. Frankfurt am Main 1976 Bob Dylan: Texte und Zeichnungen. Frankfurt am Main 1975 Weiterführende Links: NDR: Bob Dylan - die mittleren Jahre NDR: Bob Dylan - die späten Jahre WDR: Wolfgang Niedecken auf Bob Dylans Spuren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Unser Hörtipp: "Being The Beatles · eine Pop-Revolution" - ein sechsteiliger Podcast von NDR Kultur. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
- Monte Verità: Die Kommune und der Kunst-Mäzen10.04., 06:0010.04.2026, 06:0000:14:06
Am Lago Maggiore errichtet eine Künstler-Gruppe ab 1900 eine pazifistische Kommune. Sie lockt erst Gleichgesinnte an – und im Jahr 1926 den Bankier Eduard von der Heydt, Finanzier von Nazi-Spionen. In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten: wie aus dem Monte Monescia der Monte Verità wird, wie auf dem Monte Verità eine Gegenwelt zur Industriegesellschaft entsteht, welche Erfahrungen Hermann Hesse auf dem Berg und in einer Höhle sammelt, wie Eduard von der Heydt den Monte Verità erwirbt und das Gelände umfunktioniert, was Ermittlungen der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg über von der Heydt ans Licht bringen. Der am Schweizer Langensee - auch Lago Maggiore genannt - gelegene Monte Verità ist in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Treffpunkt für Pazifisten, Künstler, Schriftsteller, sowie Anhänger unterschiedlicher alternativer Bewegungen. Mitte der 1920er-Jahre reist der deutsch-schweizerische Bankier Eduard von der Heydt ins Tessin. Dort erfährt er, dass der Monte Verità für rund 160.000 Franken zum Verkauf steht. Von der Heydt kauft diesen Ort, verwandelt ihn in ein luxuriöses Touristenziel und errichtet dort ein Bauhaus-Hotel. Auch von der Heydts Kunstsammlung wächst. Neben europäischer Gegenwartskunst umfasst seine Sammlung Werke aus der ganzen Welt. Er entwickelt eine Idee, die er "ars una" nennt - die "eine Kunst" oder auch "Weltkunst". Eduard von der Heydt macht den Berg zu einem Treffpunkt namhafter Besucher aus Politik, Kunst und Gesellschaft. Nach seinem Tod 1964 vermacht er den Monte Verità dem Kanton Tessin. Heute betreibt die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich dort ein Tagungsgebäude. Das ist unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Nicoletta Mongini, Fondazione Monte Verità Roland Mönig, Kunsthistoriker und Direktor des Von der Heydt-Museums Wuppertal Ida Hofmann: Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung. Bellinzona 2023 Gabriele Guerra (Hg.): Tra ribellione e conservazione. Monte Verità nella cultura tedesca. Rom 2018 Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Aussteiger vom Monte Verità Planet Wissen: Architektur - Bauhaus Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Gianna Felicita Scholten Redaktion: Frank Zirpins
- Henrik Kauffmanns Alleingang: Der Grönland-Deal mit den USA09.04., 06:0009.04.2026, 06:0000:14:33
Ohne Mandat schließt der dänische Botschafter am 09.04.1941 ein Abkommen mit Washington ab. Die USA sichern sich Militärbasen in Grönland - ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: auf welchem Weg Dänemark 1814 die alleinige Herrschaft über Dänemark erlangt, gegen welche diplomatischen Regeln der dänische Botschafter in Washington 1940 verstößt, wie Henrik Kauffmann die geopolitische Karte des Nordatlantiks verändert, mit welchen Gesetzen die USA versuchen, sich aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten, wie die Isolation vom Mutterland Dänemark bei den grönländischen Inuit neues Identitätsbewusstsein weckt. Nach der Besetzung Dänemarks durch Deutschland am 9. April 1940 weigert sich Henrik Kauffmann, dänischer Botschafter in Washington, Anordnungen der unfreien dänischen Regierung weiter zu befolgen. Am 10. April 1940 erklärt er sich für unabhängig. Die USA kooperieren dennoch weiter mit ihm und sehen ihn als legitimen Vertreter Dänemarks. Im Winter 1940/41 entscheiden sich die USA, mit Henrik Kauffmann in Verhandlungen zu treten. Der Grund: Kaufmann verspricht den Amerikanern einen Vertrag ohne Verfallsdatum. Schon kurz nach der Vertragsunterzeichnung am 9. April 1941 entsenden die USA Soldaten nach Grönland, bis zu 6.000 sind in den folgenden Jahren dort stationiert. Sie errichten ein Netz von Stützpunkten, bauen Flugplätze, Häfen, Funk- und Wetterstationen. Amerikas Präsenz in Grönland dürfte deutlich zum Sieg der Anti-Hitlerkoalition beigetragen haben. Und sie bewahrt die Grönländer in den Kriegsjahren buchstäblich vor dem Verhungern. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Volker Depkat, Historiker und Professor für Amerikanistik an der Universität Regensburg Bo Lidegaard, Historiker, Autor, Grönlandexperte und früherer Diplomat Volker Depkat: Geschichte der USA. 2016 Bo Lidegaard: Defiant Diplomacy. 2003 Henrik Kauffmann: Denmark and the United States in World War II and the Cold War, 1939-1958. Lothar Burchardt: Amerikas langer Arm: kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg. 2017 Weiterführende Links: Planet Wissen: Arktis - Grönland Planet Wissen: Nationalsozialismus - Der Zweite Weltkrieg Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Annette Skrzydlo
- Mehr als Folter: Die Motive hinter der päpstlichen Inquisition08.04., 06:0008.04.2026, 06:0000:14:48
1231: Gründung der päpstlichen Inquisition. Weit mehr als Gewalt und Scheiterhaufen: Sie ist eine kirchliche Waffe gegen Abweichler und prägt das Abendland über Jahrhunderte. In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann: worum es bei innerchristlichen Auseinandersetzungen um den rechten Glauben geht, wie die Denunziation zum wichtigen Instrument der Inquisition wird, dass nicht die Bestrafung oberstes Ziel der Inquisition ist, warum die Inquisition auch als der Urtyp repressiver Institutionen wie Stasi oder KGB gilt. Im 11. Jahrhundert gibt es viele spirituelle Gruppen, die ein anderes Christentum predigen. Das schwächt die Macht der Päpste. Sie fragen sich: Wie gehen wir mit Abweichlern um? Um die Ketzer zu ermitteln, reisen die Bischöfe durch ihre Bezirke. In Bußpredigten rufen sie zur Denunziation von Ketzern auf und setzen diesen eine Gnadenfrist für ihre Läuterung. Der Erfolg ist jedoch eher mäßig. Deshalb ernennt Papst Gregor IX. im Jahr 1231 zusätzlich eine Reihe von Sondergesandten der Kurie als Inquisitoren. Zunächst werden nur wenige Todesurteile ausgesprochen. Später wird die päpstliche Inquisition weiterentwickelt und mehrfach neu gegründet. Die Verfahren werden nach einheitlichen Vorgaben durchgeführt und Aussagen schriftlich protokolliert. Geständnisse werden teilweise mit Haft und Folter erpresst. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Gerd Schwerhoff, Historiker, TU Dresden Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit Theresa Breslin: Prisoner of the Inquisition John H. Arnold and Peter Biller: Heresy and inquisition in France, 1200-1300. Henry Charles Lea: Die Inquisition Weiterführende Links: Planet Wissen: Christentum - Die katholische Kirche Planet Wissen: Inquisition Planet Wissen: Ordensleute - Dominikaner-Mönche Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann Redaktion: Matti Hesse
- Kapitalistische Klemmbausteine: Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen07.04., 06:0007.04.2026, 06:0000:14:49
Er beginnt mit Holzspielzeug - und erschafft eine Weltmarke: Ole Kirk Christiansen, geboren am 7.4.1891, legt den Grundstein für Lego. Seine Idee prägt Generationen. In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember: wie Ole Kirk Christiansen 1932 auf die Idee kommt, Spielzeug zu bauen, an welche dänischen Worte der Firmenname Lego angelehnt ist, wer der eigentliche Vater des Lego-Klemmbausteins ist, wie sich der Erfolg von Lego auf das Dorf Billund, den Firmen-Standort, auswirkt, warum das Lego-Imperium in den 1990er Jahren schwächelt. Legos Anfänge erinnern an Bullerbü - allerdings in Dänemark, nicht in Schweden. In Billund, einem Dorf in Jütland mit 20 Häusern, wird 1891 Ole Kirk Christiansen als zehntes Kind einer armen Familie geboren. Er wird Tischler und spart sich eine eigene kleine Werkstatt zusammen. Als Erwachsener besitzt Christiansen zwei grundlegende Eigenschaften: Zähigkeit und Einfallsreichtum. Sein Unternehmen etabliert sich auf dem internationalen Spiewarenmarkt. Der gute Name von Lego zieht auch heute noch. Vielleicht, weil das Image über Jahrzehnte positiv bleibt und das Unternehmen sich immer wieder dem Zeitgeist anpasst. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Werner Plumpe (Wirtschaftshistoriker) Jens Andersen: Die Lego-Story - Wie der Spielehersteller zur Weltmarke wurde - Eine Familiengeschichte. München 2023 Werner Plumpe: Das kalte Herz - Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution. Hamburg 2019 Weiterführender Link: ZDF: Lego - Das Baustein-Imperium Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Moritz Raestrup
- Verrat im Kalten Krieg: Wie West-Spion Tiedge zur Stasi ging06.04., 06:0006.04.2026, 06:0000:14:52
Als Chef der Spionageabwehr DDR kennt Hansjoachim Tiedge (gest. 6.4.2011) die Geheimnisse westdeutscher Geheimdienstarbeit - und verrät sie alle, ausgerechnet an die DDR. In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: welche gravierenden Folgen Tiedges Verrat für den Verfassungsschutz hat, von Tiedges Leben zwischen Arbeit und Kneipe, wie Tiedge in der DDR hofiert wird, warum der Fall Tiedge für einen Verfassungsschutz-Maulwurf zum Glücksfall wird. Hansjoachim Tiedge ist Regierungsdirektor im Bundesamt für Verfassungsschutz. Fast 20 Jahre lang arbeitet er für die Behörde, steuert dort die westdeutschen Spionageaktivitäten in der DDR. Dann läuft er genau dorthin über und sorgt damit für einen der größten Spionageskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tiedge handelt aber nicht aus Überzeugung. Es sind die Lebensumstände, die ihn dazu treiben: Seine Frau ist tot, er selbst alkoholkrank und verschuldet. Und so verrät er für ein besseres Leben im Sozialismus den DDR-Behörden alles, was er über die Operationen seines ehemaligen Arbeitgebers weiß. Nach dem Ende der DDR flieht Tiedge nach Moskau - ein freundliches Angebot des russischen Auslandsgeheimdienstes KGB. Dort lebt er, unbehelligt von deutschen Strafverfolgungsbehörden, bis zu seinem Tod am 6. April 2011. Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner: Michael Wala, Professor für Geschichte (em.), Universität Bochum Georg Mascolo, Journalist, ehemaliger Spiegel-Redakteur Michael Wala: Der Stasi-Mythos. DDR-Auslandsspionage und der Verfassungsschutz. Berlin 2023 Hansjoachim Tiedge: Der Überläufer. Eine Lebensbeichte. Berlin 1998 Georg Mascolo und Georg Bönisch: "Natürlich bin ich ein Verräter". Interview mit Hansjoachim Tiedge. Der Spiegel 49/1993 Weiterführende Links: Lokalzeit: Verfassungsschützer Tiedge läuft 1985 in die DDR über Stichtag: 12. Dezember 1955 - DDR-Überläufer Otto John kehrt in die BRD zurück Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
- Bibo, Bert, Bildungsauftrag: Sesamstraße startet in Deutschland05.04., 06:0005.04.2026, 06:0000:14:28
Am 5. April 1971 sendet der NDR die "Sesame Street". Bunt, frech, amerikanisch; die Kritiker sind empört, die Kinder lieben es. Ein Klassiker für Generationen entsteht. In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz: wie die Sesamstraße das Kinderfernsehen revolutioniert, warum sich der Bayerische Rundfunk zunächst weigert, die Sendung auszustrahlen, wie sich die Sendung im Laufe der Jahre verändert. Ernie, Bert, Grobi & Co.: Die Bewohner der "Sesame Street" begleiten seit Jahrzehnten Kinder aus unterschiedlichsten Ländern. Erstmals wird die Sendung im November 1969 im US-Fernsehen ausgestrahlt. Mit einer Mischung aus Sketchen, Einspielern und Musik soll sie Kindern im Vorschulalter sowohl Spaß machen als auch Wissen vermitteln. Das Konzept geht auf und schwappt zwei Jahre später auch nach Deutschland. Am 5. April 1971 läuft die erste von fünf Testfolgen im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks - im Original mit deutschem Kommentar. Das witzig überdrehte Puppentheater aus Übersee trifft einen Nerv. Pädagogen entwickeln unter Federführung des NDR eine deutsche Adaption der "Sesamstraße". Mit dabei sind auch eigene Figuren, wie etwa der gutmütige Bär Samson und die zartgefiederte Tiffy. Auch das amerikanische Titellied weicht einer deutschen Version. Seither trällern kleine und große Sesamstraßen-Fans: "Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Enrico Platter, WDR-Redakteur, entsandt zum NDR Julian Schlichting, Begründer des einzigen Sesamstraßen-Fanclubs in Deutschland Bundeszentrale für politische Bildung: Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West. 1970er Jahre - Umbruch und Reformen Weiterführende Links: NDR: Die "Sesamstraße" - Ein Pionier des Kinderfernsehens Stichtag: 10. November 1969 - Kinderserie "Sesame Street" startet in den USA Jim Henson: Er ließ die Puppen tanzen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Nico Söllner
- Der tote Papst Formosus vor Gericht04.04., 06:0004.04.2026, 06:0000:15:53
Nach seinem Tod im Jahre 896 kommt Formosus nicht zur Ruhe: Binnen acht Jahren wird er zweimal feierlich und zweimal weniger feierlich bestattet. Einmal wirft man den Leichnam gar in den Tiber. In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer: vom Drei-Päpste-Jahr 1978, welche Aufgabe ein blutjunger Diakon im Schauprozess gegen eine Leiche bekommt, wie kreativ Papst Stefan VI. die Leichensynode für eigene Zwecke nutzt, warum eine einstürzende Basilika auch das Schicksal von Stephan VI. besiegelt. In seinen dunkelsten Zeiten entpuppt sich der Heilige Stuhl für zahlreiche Päpste als Schleudersitz in die Ewigkeit. So etwa zwischen 896 und 916, als binnen 20 Jahren gleich zwölf Gottesmänner zum Papst aufsteigen und zügig wieder spurlos verschwinden - in Kerkern, Klöstern oder unter der Erde. Formosus wird 891 zum Papst gewählt. Aber sehr lange dauert sein Pontifikat nicht. 896 stirbt er im Alter von 80 Jahren und erhält ein ehrenvolles Begräbnis. Neun Monate und zwei Päpste später entbrennt ein heftiger Streit über seine Wahl. Nach dem "Translationsgesetz" dürfen Bischöfe nicht in ein anderes Bistum wechseln. Da der Papst aber zugleich Bischof von Rom ist, dürfen Bischöfe nach damaligem Recht nicht Papst werden. Im Januar 897 lässt Papst Stephan VI. die Leiche des Formosus aus der Gruft holen und macht sie zum Hauptdarsteller eines ekeligen Schauprozesses. Nach dem Schuldspruch malträtiert man den Leichnam und verscharrt ihn. Der Krieg zwischen Formosianern und Antiformosianern spaltet den Vatikan die nächsten fünf Jahrzehnte. Erst die Synode von Ravenna im Jahr 967 lässt endgültig alle Akten der Leichensynode verbrennen und bestimmt: Niemals wieder soll über einen Toten Gericht gehalten werden. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Dr. Annette Grabowsky, Mittelalterliche Geschichte, Universität Tübingen Annette Grabowsky: Der Streit um Formosus, Tübingen 2021 Ferdinand Gregorovius: The History of the City of Rome in the Middle Ages, London 1903 Weiterführende Links: Planet Wissen: Religion - Päpste Planet Wissen: Christentum - Die römisch-katholischen Bischöfe Planet Wissen: Mittelalter Das ist unser Hör-Tipp: Alles Geschichte: Riefenstahl: Influencerin des Bösen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer Redaktion: Matti Hesse
- Ein lustbetontes Frauenleben als "Gentleman Jack": Anne Lister03.04., 06:0003.04.2026, 06:0000:14:50
Sie lebt und liebt gegen die Normen ihrer Zeit. Und schreibt alles minutiös auf. Die Engländerin Anne Lister (geb. am 3.4.1791) gilt vielen als "erste moderne Lesbe". In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wovon man Ende des 18. Jahrhunderts in England bei Freundschaften zwischen Frauen ausgeht, warum Anne Lister Griechisch und Latein nicht nur zu Bildungszwecken lernt, was man aus ihren Notizen über den Alltag des Landadels und die Liebe zwischen Frauen im vorviktorianischen England erfährt, warum man einen Gottesdienst im Jahr 1834 als die erste Regenbogenhochzeit bezeichnen kann. Die englische Landbesitzerin Anne Lister führt lebenslang Tagebücher, die tägliche Ereignisse detailliert aufzeichnen, einschließlich ihrer lesbischen Beziehungen. Die Tagebücher umfassen mehr als 7.000 Seiten und zählen zu den umfangreichsten, die je in englischer Sprache verfasst wurden. Große Teile sind codiert, unter anderem jene mit den intimen Details ihrer Beziehungen zu Frauen. Als die Codierung in den 1930er-Jahren von Listers Urgroßneffen John Lister und seinem Freund Arthur Burrell geknackt wird, ist der so schockiert, dass er seinem Freund rät, die "widerlichen Bücher" auf der Stelle zu verbrennen. John Lister tut dies nicht, sondern versteckt das Erbe. Deswegen kann man bis heute nachlesen, wie viele Minuten Sex am Tag Anne Lister hat, aber auch, wie damals das Wetter war und wie die Stellung Preußens in der Welt aussieht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Angela Steidele, Biografin Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biografie. Berlin 2017 Angela Steidele: Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg. Berlin 2018 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 16.02.2001 - Lebenspartnerschaftsgesetz unterzeichnet Zeitzeichen: 10.03.1994 - Bundestag streicht § 175 Stichtag: 29.04.1972 - Deutschlands erste Schwulen-Demo in Münster Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak Technik: Theo Kramer
- Max Ernst: Skandalmaler mit Angst vor der weißen Leinwand02.04., 06:0002.04.2026, 06:0000:14:42
Max Ernst erfindet sich und die Kunst ständig neu: Er bringt Dada nach Köln, begründet den Surrealismus mit und inspiriert Action Painting. In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer: wie Max Ernst seine Angst vor der weißen Leinwand überwindet, was einen toten Papagei und seine kleine Schwester miteinander verbindet, welche revolutionären Techniken er entwickelt, womit Max Ernst zum Enfant terrible der Kölner Kunstszene wird. Der in Brühl geborene Max Ernst kommt als Autodidakt zur Malerei. Der Erste Weltkrieg erschüttert ihn so nachhaltig, dass er dessen Sinnlosigkeit in der Kunst verarbeitet: Gemeinsam mit Hans Arp bringt er den Dadaismus nach Köln und weist mit seinen irritierenden Collagen den Weg zum Surrealismus, den er später in Paris mit revolutionären Techniken mitbegründet und vorantreibt. Die Flucht vor den Nazis bringt Ernst 1941 schließlich nach New York. Dort baut er sich mit der Kunstmäzenin und seiner dritten Ehefrau Peggy Guggenheim ein neues Leben auf und wird mit seinen Ideen zum Vorbild für junge amerikanische Künstler. An Ruhm ist Ernst allerdings zeitlebens nicht interessiert. Während Zeitgenossen wie Dalí oder Picasso zu finanzkräftigen Marken werden, bleibt Ernst bis zu seinem Tod am 1. April 1976, einen Tag vor seinem 85. Geburtstag, rastlos auf der Suche nach sich selbst. Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner: Jakob Schwerdtfeger, Kunsthistoriker und Comedian Werner Spies: Max Ernst. Leben und Werk. Köln 2005 Werner Spies: Max Ernst und die Geburt des Surrealismus. München 2019 Jürgen Wilhelm: Max Ernst. Köln 2020 Jakob Schwerdtfeger: Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist die Kunstgeschicht'. München 2026 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 14.07.1916 - Erster großer Dada-Abend in Zürich Zeitzeichen: 29.06.1940 - Todestag des Malers Paul Klee Stichtag: 23.12.1979: Peggy Guggenheim in Venedig gestorben Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christopher Heimer Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
- Erich Honecker besucht Disneyland01.04., 06:0001.04.2026, 06:0000:14:48
Neu entdeckte Tagebücher beweisen: Erich Honecker war 1986 heimlich und anonym in den USA - um den Kapitalismus zu studieren und damit vielleicht die DDR zu retten. Eine unglaubliche Reise... In diesem Zeitzeichen behauptet Jana Fischer: dass die chilenische Version von "Bares für Rares" etwas mit Honeckers Tagebüchern zu tun hat, dass Honecker plant, Disneyland nach Ost-Berlin zu holen, dass eine Achterbahn ihn zu dem Slogan "vorwärts immer, rückwärts nimmer" inspiriert. Am 1. April 1986, mitten im kalten Krieg, bekommen Mickey Mouse, Goofy und Co. unerwarteten Besuch vom Klassenfeind persönlich: DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker und seine Frau Margot sind zu Gast im Disneyland USA. Das klingt zunächst nach einer absurden Kombination. Schließlich steht Disneyland wie kaum ein anderer Ort für die Verlockungen des Kapitalismus. Doch neuentdeckte Tagebucheinträge des SED-Vorsitzenden Honecker erzählen die Geschichte eines unglaublichen Trips - inklusive falschem Neffen und einer stinkreichen Kapitalisten-Ente. Dass dem DDR-Politiker die Reise nach Disneyland gefallen hat, ist für Honecker-Experte Albert Achmann keine Überraschung: "Am Ende steckt halt in jedem verknöcherten, sozialistischen Hardliner auch ein kleines Kind, das verzaubert werden will." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Albert Achmann, Universität Eisenhüttenstadt, Historiker, "Honeckerologe" (nachvertont von Ralf Kabelka) Michael Ratman, Zeitzeuge, Reiseleiter des USA-Trips (nachgesprochen von Alex Cummins) Rainer Grotepieck, Zeitzeuge, Dolmetscher während der Reise (nachinterpretiert von Nils Heinrich) Siegbert Trugschluss: Grundlagen der Honeckerologie (2003) Weiterführende Links: Zeitzeichen: 01.04.1915 - Die Schlachtung des letzten Einhorns in Dorsten Zeitzeichen: 01.04.47 v. Chr. - Im alten Rom bricht eine Genderdebatte aus Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Fischer Redaktion: David Rother Sprecher: Ralf Kabelka (Albert Achmann), Nils Heinrich (Rainer Grotepieck), Alex Cummins (Michael Ratman)
- Clara Schumann: Star-Pianistin, die Robert berühmt machte31.03., 06:0031.03.2026, 06:0000:14:45
Clara Wieck ist ein Star, dann heiratet sie. Doch statt ihre Karriere aufzugeben, tritt sie weiter auf - mit ihrem Mann. Am 31.3.1841 erstmals unter neuem Namen. In diesem Zeitzeichen erzählt Raoul Mörchen: was Clara Schumann vor ihrem ersten Auftritt mit ihrem Mann in das gemeinsam geführte Ehetagebuch schreibt, womit die Pianistin das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung überrascht, warum der Komponist Robert Schumann die Heirat mit Clara vor Gericht erzwingen muss, wie die erste Sinfonie des Komponisten bei Kritik und Publikum ankommt, wie Roberts zweite Sinfonie heißen soll. Clara Wieck aus Leipzig ist eine Klavierspielerin ersten Ranges. Sie spielt mit den Größten ihrer Zeit in einer Liga, in der sonst nur Männer antreten. Dazu gehören zum Beispiel Sigismond Thalberg, Ignaz Moscheles, Adolf Henselt und Franz Liszt. Clara wird in Wien, Paris und London umjubelt. Sie tritt vor Österreichs Kaiser Ferdinand auf und wird von ihm als erste Ausländerin und einzige Protestantin zur königlich-kaiserlichen Kammervirtuosin ernannt. Nach ihrer Heirat ist es ihr wichtig, unter ihrem neuen Namen aufzutreten: Schumann. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Irmgard Knechtges-Obrecht (Musikwissenschaftlerin) Sven Oliver Müller (Historiker) Irmgard Knechtges-Obrecht: Clara Schumann - Ein Leben für die Musik. Darmstadt 2019 Robert und Clara Schumann: Ehetagebücher 1840 - 1844. Frankfurt am Main 2013 Peter Gülke: Robert Schumann - Glück und Elend der Romantik. Wien 2010 Weiterführende Links: Zeitzeichen 08.06.1810: Geburtstag von Robert Schumann Zeitzeichen 13.09.1819: Geburtstag von Clara Wieck-Schumann RBB-Podcast: Alles Clara BR Klassik: Clara und Robert Schumann erstreiten ihre Ehe Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Raoul Mörchen Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
- Krimkrieg: Mehr als 500.000 Tote für eine "Heilige Mission"30.03., 06:0030.03.2026, 06:0000:14:36
Vorgeblich um Orthodoxe zu schützen, zettelt der Zar Krieg mit den Osmanen an. Am 30.3.1856 endet der Krimkrieg mit seiner Niederlage und einer Demütigung, die bis heute nachhallt. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: wie ein religiöser Konflikt in Jerusalem zum Vorwand für geopolitisches Machtstreben wird, warum der Konflikt als einer der ersten modernen Kriege Europas gilt, wie der Krimkrieg politisch bis heute nachwirkt. Am 30. März 1856 endet der Krimkrieg offiziell mit dem Pariser Friedensvertrag. Russland muss sich aus dem Machtspiel am Bosporus und auf dem Balkan zurückziehen. Zwar behält es die Krim, doch das Schwarze Meer wird zur militärisch neutralen Zone erklärt - eigene Kriegsschiffe sind dort verboten. Für das Zarenreich ein schwerer Schlag: Der Zugang zu eisfreien Häfen, lange ein zentrales Ziel russischer Politik, bleibt versperrt. Der Frieden bringt keine Ruhe, sondern neue Spannungen. In Russland wird der Vertrag als Demütigung empfunden - ein Gefühl, das nachwirkt und künftige Konflikte vorbereitet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher, Humboldt-Universität Berlin Jörg Baberowski: Der sterbliche Gott. Macht und Herrschaft im Zarenreich, München 2024 Orlando Figes: Krimkrieg. Der letzte Kreuzzug, Berlin 2011 Orlando Figes: Empire: World History (Podcast), Folge 81 "Crimea: The War on Repeat" Weiterführende Links: Zeitzeichen: Ukraine erklärt Unabhängigkeit (am 24.08.1991) Zeitzeichen: Der "Brotfrieden": Die Geburtsstunde des ukrainischen Staates Zeitzeichen: Unterzeichnung der Pariser Verträge (am 23.10.1954) Zeitzeichen: NATO-Doppelbeschluss: Frieden schaffen mit noch mehr Waffen Das Wissen: Russland und die Ukraine - Geschichte eines Krieges Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Almut Finck Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Martin Kropp