Podcast

Gin And Talk

The 48forward Studios

Society & Culture

203 Episoden · neueste 08.10.

Episoden

203
  1. Julien Royer über Herkunft, Handwerk und kulinarische Identität
    22.08., 18:2900:30:00

    Eine Küche zwischen Welten Julien Royer gehört zu einer Generation von Spitzenköchen, die nicht auf Effekt, sondern auf Tiefe setzen. In seiner Küche verbinden sich französische Handwerkskunst und asiatische Präzision zu einer Handschrift, die geprägt ist von Respekt vor dem Produkt, Klarheit im Geschmack und der Überzeugung, dass kulinarische Exzellenz beim Einkauf beginnt. „Fünfzig Prozent eines guten Kochs sind Kochen – die anderen fünfzig Prozent sind Einkauf und Sourcing“, sagt er. In seinem Restaurant Odette in Singapur überlässt er die Herkunft seiner Zutaten nicht dem Zufall, sondern pflegt enge Beziehungen zu Produzenten weltweit. Geprägt wurde Royer in der französischen Auvergne – in einer bäuerlichen Umgebung, in der gutes Essen nie Luxus, sondern Normalität war. Diese frühen Erfahrungen definieren bis heute seinen Anspruch: nicht nur gutes Essen zu servieren, sondern Erinnerungen zu schaffen. Auch die drei Michelin-Sterne, mit denen das Odette ausgezeichnet ist, betrachtet er eher als Nebeneffekt denn als Ziel. „Wenn du es schaffst, aus einem Abend eine Erinnerung zu machen – dann hast du wirklich etwas erreicht.“ Im Austausch mit Kolleg:innen sucht Royer keinen Wettbewerb, sondern Inspiration. In einem Sommer voller kulinarischer Begegnungen mit Spitzenköchen aus ganz Europa wurde deutlich, wie sehr gemeinsames Kochen eine Haltung ausdrücken kann: neugierig bleiben, offen sein, voneinander lernen. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  2. Sascha Ehlert über Exil, Kultur und Ohnmacht
    07.08., 20:2500:47:25

    Zwischen Rückzug und Verantwortung Die Welt ist laut, schnell und voller Brüche. Wer heute mit offenen Augen auf sie blickt, spürt oft mehr als bloße Überforderung – es ist eine Mischung aus Ohnmacht und moralischem Druck, die besonders jene trifft, die reflektieren, statt zu reagieren. Der Autor Sascha Ehlert beschreibt diese Spannungen in seinem Roman "Palo Santo" eindrücklich: Menschen, die zwischen Rückzug und Widerstand schwanken, die sich in Spiritualität, Exzess oder innerer Emigration verlieren, weil sie nicht wissen, wo Handeln überhaupt anfangen kann. „Bei allem Intellekt sind Menschen doch emotionale Wesen“, sagt Ehlert – und zeigt, wie schwierig es ist, klare Haltung zu bewahren, wenn Orientierung fehlt. In seinem Roman treffen historische Fluchtgeschichten auf gegenwärtige Krisenerfahrungen. Die Figur Billy Wilder wird zur Projektionsfläche: ein Mensch, der früh erkennt, wann es Zeit ist zu gehen – und in Los Angeles ein neues Leben beginnt. Für Ehlert ist dieser biografische Weg nicht nur eine historische Parallele, sondern auch eine Frage an die Gegenwart: Wann ist der Punkt erreicht, an dem Rückzug zur Verantwortung wird? „Wenn in Deutschland eine rechtsextreme Regierung gebildet wird, bin ich lieber früher als später weg“, sagt er. Es ist ein ehrlicher Satz – und einer, der zugleich entlarvt, wie schwer es fällt, die reale Gefahr klar zu benennen. Denn obwohl wir es besser wissen sollten, neigen wir dazu, die Bedrohung zu relativieren – im Glauben, es werde schon gut gehen. Dabei braucht Demokratie heute nicht nur Verteidiger in der Politik, sondern auch Stimmen in der Kultur, die Haltung zeigen. Nicht platt und pathetisch, sondern leise, reflektiert, ehrlich. Genau das tut Sascha Ehlert – in seinem Schreiben, in seiner Haltung, in seinem Denken. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com Fotoquelle: Zeynep Bozbay

  3. Lars Amend über Kindheit, Heilung und Selbstverantwortung
    31.07., 14:1901:09:41

    Die Rückkehr zu sich selbst Was bedeutet es eigentlich, anzukommen? Viele Menschen verbringen ein Leben lang auf der Suche nach einem Zuhause – nicht im geografischen, sondern im inneren Sinn. Lars Amend, Autor und Vater, hat diese Suche in seinem Buch "Coming Home" für sich neu verhandelt. Nach dem Tod seiner Mutter begann er zu hinterfragen, was ihm gefehlt hatte: nicht Geld, nicht Erfolg, sondern das Gefühl von Geborgenheit. „Coming Home kann nur in dir selbst sein“, sagt er. Es ist kein Ort, sondern ein Zustand – einer, der mitunter ein ganzes Leben braucht, um sich zu entfalten. Amends Blick auf die eigene Kindheit ist differenziert. Er erkennt, dass nicht alle Wunden heilen müssen, aber viele verstanden werden können. Das Schweigen seiner Mutter, ihre Unfähigkeit zu Nähe, erklärt er nicht als Mangel an Liebe, sondern als Resultat eines harten, traumatisch geprägten Lebens. „Sie hat nicht gegen mich gelebt“, sagt er, „sie konnte es einfach nicht besser.“ Wer versucht, den Schmerz der Herkunft zu begreifen, eröffnet sich selbst den Raum zur Veränderung. Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu verklären – sondern darum, ihr das Steuer aus der Hand zu nehmen. Für Amend liegt der Schlüssel in der Selbstverantwortung. Fehler machen, scheitern, zuhören, reden – nicht mit Vorwurf, sondern mit dem Willen, zu verstehen. Wer nur funktioniert, verliert sich irgendwann selbst. Und wer seine Kinder nicht sieht, wird später vielleicht von ihnen nicht mehr gesehen. „Die Einzigen, die sich an deine Überstunden erinnern werden, sind deine Kinder“, sagt Amend. Eine schlichte Wahrheit, die man kaum früh genug begreifen kann. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  4. Werner Bartens über Diagnosen, Deutungen und Denkfehler
    10.07., 14:1101:05:58

    Was heilt, entscheidet oft das Weltbild Was wir für medizinische Wahrheit halten, war oft lange nur ein Glaubenssatz im Gewand der Wissenschaft. Jahrhunderte dominierte die Viersäftelehre das Denken über Gesundheit und Krankheit – ein elegant geschlossenes Weltbild, das Blut, Schleim und Galle mit Himmelsrichtungen, Temperamenten und Elementen verknüpfte. Erst als Bakterien sichtbar, Narkosen wirksam und Hygienestandards verbindlich wurden, begannen sich neue, evidenzbasierte Erkenntnisse durchzusetzen. Doch selbst sie sind nicht frei von Ideologie – nur sind ihre Irrtümer moderner verpackt. Heute sind es Körperdaten, Schlafphasen und Algorithmen, die vermeintliche Gewissheit versprechen. Aus der antiken Lehre der Mäßigung ist ein digital überwachter Tugendkatalog geworden. „Wenn ich heute einen Cheeseburger esse, gilt das fast als Akt der Selbstzerstörung“, sagt der Arzt, Historiker und Wissenschaftsjournalist Werner Bartens. In seinem neuen Buch "Leib und Seele" beschreibt er mit großer erzählerischer Kraft, wie sich medizinische Irrtümer halten, wie Fortschritt entsteht – und warum der Mensch zwischen Selbstoptimierung und Schuldzuweisung oft aus dem Blick gerät. Bartens plädiert für eine Medizin, die sich ihrer Geschichte erinnert: der Irrtümer, aber auch der Sehnsucht, Menschen ganz zu sehen. Eine Medizin, die nicht nur den Körper repariert, sondern zuhört, versteht und aushält, was unheilbar ist. Denn viele Beschwerden lassen sich nicht im Labor nachweisen, wohl aber im Leben erklären. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  5. Rieke Havertz über Autokratie, die USA und die Rolle Europas
    03.07., 13:1400:49:37

    Zwischen Hoffnung und Hochrisikospiel Seit Donald Trump erneut im Weißen Haus sitzt, hat sich das politische Tempo in den USA dramatisch beschleunigt. Entscheidungen werden im Alleingang getroffen, diplomatische Absprachen ignoriert, internationale Partner vor vollendete Tatsachen gestellt. Für Rieke Havertz, US-Korrespondentin der ZEIT und Co-Host des Podcasts "OK, America?", war das absehbar. „Dass Trump nur noch Ideologen um sich schart und Widerspruch ausschaltet, war im Wahlkampf deutlich zu erkennen.“ Die Geschwindigkeit, mit der er nun agiert, überrascht dennoch – selbst erfahrene Beobachter. Die Folgen dieser Politik reichen weit über die amerikanischen Grenzen hinaus: Europa steht unter Zugzwang, die eigene sicherheitspolitische Verantwortung neu zu definieren. Gleichzeitig steht die US-Demokratie innenpolitisch unter Druck. Gerichte arbeiten – noch – unabhängig, doch Trump missachtet zunehmend ihre Entscheidungen. Der Supreme Court, konservativ besetzt, wird zur Rückversicherung für viele seiner Vorhaben. „Für Trumps Umfeld ist die Demokratie kein Ziel, sondern ein Hindernis“, warnt Havertz. Und während sich viele Amerikanerinnen und Amerikaner nach der Wahl zunächst ins Private zurückzogen, wächst inzwischen der Widerstand. Proteste wie die „No King“-Bewegung und linke Gegenkandidaten wie Zoran Mamdani zeigen: Die Zivilgesellschaft beginnt, sich neu zu organisieren. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob auch die demokratische Partei daraus strategische Konsequenzen zieht – oder erneut den Moment verpasst. Europa muss derweil lernen, mit einem unberechenbaren Partner umzugehen. Trumps Kurs ist volatil, sein Interesse an verlässlichen Bündnissen gering. Der NATO-Gipfel wurde zu einem Akt diplomatischer Schadensbegrenzung, doch der Schein trügt: „Diese Verlässlichkeit kann er jederzeit wieder aufkündigen.“ Auch China, so Havertz, werde bald wieder in den Fokus rücken – nicht als Nebenschauplatz, sondern als zentrales Spielfeld amerikanischer Machtpolitik. Im Gespräch mit Rieke Havertz entsteht das Bild einer Weltordnung in Bewegung – mit einem Europa, das entscheiden muss, ob es Zaungast bleibt oder selbst Gestaltungskraft entwickelt. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com Fotoquelle: Jacobia Dahm

  6. Susann Rehlein über Scham, Sexualität und Lust
    26.06., 15:1500:37:14

    Schluss mit dem Stillschweigen Sex ist allgegenwärtig – und doch bleibt er oft unfassbar. In unserer medial übersexualisierten Welt ist echte Intimität selten geworden. Die Bilder, die uns umgeben, zeigen Begehren, aber kaum Verbindung. Gleichzeitig fällt es uns schwer, über das zu sprechen, was uns alle betrifft. Susann Rehlein beschreibt in ihrem Buch "Ab ins Bett – Sexuelle Späterziehung", wie tief gesellschaftliche Tabus und falsche Erwartungen in unser Denken eingraviert sind: „Sex ist unter der Bettdecke“, sagt sie. Gemeint ist damit nicht nur die Dunkelheit des Schlafzimmers, sondern auch die Sprachlosigkeit zwischen Menschen, die sich eigentlich nah sein wollen. Was fehlt, ist nicht Wissen, sondern Bewusstsein. Rehlein plädiert für ein neues Verständnis von Sexualität – jenseits von Zielorientierung, Leistungsdruck und Rollenklischees. Sie setzt auf Neugier, auf das Zulassen von Unvollkommenheit und vor allem auf Humor. „Niemand muss kommen“, sagt sie, und formuliert damit eine befreiende Gegenposition zum funktionalen Blick auf den eigenen Körper. In der Lust gehe es nicht um Erregung auf Knopfdruck, sondern um die Fähigkeit, präsent zu sein – mit sich selbst und dem anderen. Wer sich auf diesen Gedanken einlässt, wird nicht nur ein besserer Liebhaber, sondern auch ein aufmerksamerer Mensch. Im Gespräch mit Susann Rehlein wurde deutlich, wie dringend eine entkrampfte, offene Auseinandersetzung mit Sexualität ist – nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch in unserem kollektiven Selbstverständnis. Ihr Blick ist dabei nicht moralisierend, sondern zugewandt und lebensnah. Es geht ihr nicht um Rezepte, sondern um Möglichkeiten. Und darum, dass wir es uns endlich erlauben, über das zu sprechen, was uns bewegt – mit Klarheit, mit Wärme und mit einem Lächeln. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  7. Kevin Fehling über Perfektion, Handwerk und Kulinarik
    19.06., 13:2500:44:44

    Die Kunst der Reduktion Wer das The Table in Hamburg betritt, betritt keinen klassischen Gastraum, sondern eine Inszenierung der Nähe. Kevin Fehling hat mit seinem Drei-Sterne-Restaurant nicht nur kulinarisch Maßstäbe gesetzt, sondern auch strukturell. Er verzichtet bewusst auf die Distanz zwischen Küche und Gast, auf steife Förmlichkeit und elitäres Gehabe. Stattdessen lebt er eine neue Definition von Hochküche: reduziert auf das Wesentliche, inspiriert von der Welt, aber mit eigener Handschrift. „Wenn du mit wenig viel sagst, dann beginnt Magie“, sagt er – und meint damit Gerichte, die nicht mit Komplexität glänzen, sondern mit Klarheit. Doch seine eigentliche Revolution findet hinter den Kulissen statt. Fehling führt sein Team mit Empathie statt Härte, mit Struktur statt Druck. Seine Mitarbeitenden bleiben – teilweise seit vielen Jahren –, weil sie in einem Umfeld arbeiten, das Menschlichkeit nicht als nettes Extra versteht, sondern als Voraussetzung für Exzellenz. Die kreativen Prozesse sind auf Augenhöhe organisiert, doch die finale Entscheidung liegt immer bei ihm. Denn was im The Table auf den Teller kommt, trägt unmissverständlich seine Handschrift – auch wenn die Idee dafür mitunter beim Schreiben auf dem Sofa oder beim Reisen durch Asien entsteht. Kevin Fehling ist nicht nur Koch, sondern Unternehmer, Gastgeber und Weltreisender – einer, der kulinarische Grenzen auflöst, ohne seine Linie zu verlieren. Sein Ziel: nicht mehr Ruhm, nicht mehr Expansion, sondern das, was in der Branche oft fehlt – Konstanz. Ein Gespräch über Kreativität, Verantwortung, Genuss – und den Wunsch, irgendwann in Portugal mit einem Fisch vom Markt einfach nur zu grillen. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  8. Tom Hillenbrand über Technologie, Unsterblichkeit und Menschenwürde
    12.06., 15:3000:53:08

    Die Seele im Backup Was bleibt vom Menschen, wenn sich Bewusstsein speichern und Körper beliebig tauschen lassen? In Tom Hillenbrands Zukunftsroman "Thanatopia" ist das Jahr 2095 eine Zeit, in der digitale Gehirnkopien, künstliche Körper und scheinbare Unsterblichkeit zum Alltag gehören. Doch was nach technischem Fortschritt klingt, wirft fundamentale Fragen auf: nach Identität, nach Menschenwürde, nach Kontrolle. Wer entscheidet über das, was uns ausmacht, wenn wir längst Teil eines Systems sind, das unser Denken besser versteht als wir selbst? Der Autor zeigt sich optimistisch, dass neue Technologien auch Teilhabe ermöglichen – etwa in Bildung oder Medizin. Zugleich warnt er vor einem ökonomischen System, das Innovation selten gemeinwohlorientiert einsetzt. Die zunehmende Reizüberflutung durch Plattformlogiken, KI-gesteuerte Inhalte und ein schrumpfendes Verständnis für echten Diskurs habe dazu geführt, dass sich viele Menschen entkoppeln – entweder ins Private oder in digitale Echokammern. Die Kontrolle über die eigene Wahrnehmung, so Hillenbrand, sei zur entscheidenden Währung geworden – und werde es noch mehr sein, wenn Maschinen über unsere Existenz mitentscheiden. Im Gespräch über sein Buch und die reale Gegenwart entsteht ein Bild der Zukunft, das zwischen Utopie und Warnung changiert. Hillenbrand glaubt nicht an die Erlösung durch Tech-Milliardäre, sondern an kluge Politik, Forschung und die Fähigkeit Europas, Maß zu halten. Seine literarische Zukunft ist düster – und doch durchzogen von der Hoffnung, dass der Mensch, trotz aller Rechenleistung, mehr bleibt als die Summe seiner Daten. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  9. Marianne Koch über Medizin, Lebenslust und das Älterwerden
    05.06., 14:4300:51:56

    Die Kunst, alt zu werden – ohne alt zu sein Dr. Marianne Koch ist vieles gewesen: Filmstar an der Seite von Clint Eastwood, spätere Ärztin mit eigener Praxis, Radiomoderatorin, Autorin, Zeitzeugin eines ganzen Jahrhunderts. Wer ihr begegnet, spürt schnell, dass ihr Leben nicht aus Bruchstücken besteht, sondern aus konsequenten Entscheidungen. Mit 17 machte sie Abitur, studierte Medizin, pausierte für eine beispiellose Schauspielkarriere – und kehrte später dorthin zurück, wo sie immer hingehörte: in die Medizin. „Ich wusste, dass ich zurückgehe“, sagt sie. Sie wurde Ärztin, praktizierte bis ins hohe Alter, schrieb Bücher, beantwortet bis heute medizinische Fragen im Rundfunk – klar, verständlich, zugewandt. Für Koch ist Altern kein Verfall, sondern eine Form der Entwicklung. Lernen, Bewegung, Ernährung – das sind für sie keine Dogmen, sondern Grundlagen. Wer gesund bleiben will, soll sich nicht mit Vitamintabletten abspeisen lassen, sondern aufstehen, laufen, denken, zuhören. Ihre Haltung ist dabei nie bevormundend, sondern geprägt von Erfahrung. Und von einer Beobachtung, die viele teilen dürften: Dass es uns körperlich zwar immer besser, seelisch aber häufig immer schlechter geht. Psychische Belastungen, Ängste, Isolation – all das hat zugenommen, sagt sie. Freundlichkeit sei zur Irritation geworden, Therapieplätze Mangelware. Umso mehr brauche es Zuwendung – nicht nur in der Medizin, sondern im täglichen Miteinander. Dass Dr. Marianne Koch mit über 90 noch publiziert, reflektiert und sich einmischt, ist nicht das Erstaunliche – es ist fast logisch. Weil sie nie aufgehört hat, sich zu interessieren. Ihr Ratschlag am Ende: mutig sein, auch wenn man nicht weiß, wie es ausgeht. Das sagt sie nicht aus Pose, sondern aus Überzeugung – und mit der Gelassenheit einer Frau, die das Leben nicht verträumt, sondern durchdrungen hat. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com Fotoquelle: Acorn, 2023

  10. Clara Hunger über Aromen, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung
    29.05., 15:0500:28:43

    Säure, Schärfe, Selbstbestimmung Clara Hunger gehört zu einer neuen Generation von Köchinnen, die Genuss nicht nur als sinnliche Erfahrung, sondern auch als gesellschaftliche Haltung begreifen. Ihre Küche ist salzig, säurebetont, kreativ – und bewusst ohne geografisches Etikett. Im nullkommaeins, einer Pop-up-Weinbar in Hamburg, die sie gemeinsam mit zwei Kollegen betreibt, bringt sie Aromen zusammen, die überraschen sollen, aber zugänglich bleiben. Ihre Inspiration: Erlebnisse aus Restaurants in Paris, Rom oder Barcelona – aber auch die Erinnerungen an ihre Großmutter, die ihr als Kind das Kochen nahebrachte. Dass sie als Frau in der Gastronomie noch immer mehr leisten muss, um gesehen zu werden, spricht Hunger offen an. Von sexistischem Küchenton über fehlende Vereinbarkeit mit Familie bis hin zur geringen Sichtbarkeit auf großen Bühnen – strukturelle Ungleichheiten sind für sie keine Nebensache, sondern Teil eines Systems, das sich verändern muss. Sie fordert mehr Vorbilder, politische Aufmerksamkeit und ein Umdenken in einer Branche, die Vielfalt braucht – nicht nur auf dem Teller. Auch kulinarisch plädiert Hunger für mehr Bewusstsein. Genuss sei in Deutschland zu selten Teil der Alltagskultur, die Wertschätzung für gute Produkte und gastronomisches Handwerk zu niedrig. „In Frankreich geht Macron ins Sternerestaurant – bei uns gehen Politiker zu McDonald’s“, sagt sie. Ein Gespräch über Geschmack als Haltung, Sichtbarkeit als Notwendigkeit – und über die Kraft eines Gerichts, das zugleich an Vergangenes erinnert und Zukünftiges möglich macht. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  11. Peer Steinbrück über Macht, Misstrauen und Handlungsfähigkeit
    22.05., 11:0000:56:32

    Warum Politik Vertrauen verspielt – und wie man es zurückgewinnt Die Demokratie in Deutschland krankt nicht nur an politischen Fehlentscheidungen, sondern an einem tief sitzenden Missverständnis zwischen Staat und Gesellschaft. Während Bürger den Staat zunehmend als übergriffig empfinden, erwarten sie gleichzeitig, dass er alle Risiken des Lebens absichert – ohne eigenes Zutun. Peer Steinbrück spricht von einer „Konsumentenmentalität“, die sich etabliert habe – befeuert von einer Politik, die die Menschen lange nicht gefordert, sondern eingelullt habe. Die Folge: Vertrauen schwindet, Verantwortungsbewusstsein ebenso. Doch in einer Welt multipler Krisen reicht das nicht mehr. Digitalisierung, Verteidigung, Migration – in all diesen Bereichen blockieren politische Strukturen und ein kleinteiliger Föderalismus notwendige Fortschritte. Steinbrück fordert mutige Reformen: weniger Misstrauen gegenüber den Bürgern, mehr Durchgriffsrechte für eine handlungsfähige Verwaltung, mehr strategisches Denken in der Sicherheitspolitik – nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene. Europa müsse sich als gestaltende Kraft neu erfinden, statt sich täglich von Donald Trumps Twitter-Eskapaden treiben zu lassen. Trotz aller Herausforderungen bleibt Steinbrück optimistisch – gerade wegen des wachsenden Problemdrucks. Die neue Bundesregierung müsse erfolgreich sein, warnt er, denn scheitere sie, drohe eine dramatische Erosion demokratischer Legitimation. Es sei Zeit, die Politik wieder in den Maschinenraum zu führen, statt nur ihre Oberfläche zu verwalten. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  12. Ingo C. Peters über Hotellerie, Exzellenz und Haltung
    15.05., 16:0000:53:30

    Ein Blick hinter die Kulissen hanseatischer Gastlichkeit Ein Grand Hotel ist mehr als ein Ort zum Schlafen. Es ist ein Versprechen: auf Haltung, auf Diskretion, auf eine Welt, in der Gastfreundschaft mehr bedeutet als Dienstleistung. Ingo C. Peters, seit über 25 Jahren Direktor des Hotels Vier Jahreszeiten in Hamburg, verkörpert dieses Versprechen wie kaum ein anderer. Seine Vorstellung von Exzellenz hat sich gewandelt – weg von der perfekten Gläserlinie hin zu emotionaler Intelligenz. „Heute geht es darum, den Menschen zu erkennen, nicht nur den Gast“, sagt er. Und darum, niemanden zu bevorzugen – und doch jedem das Gefühl zu geben, er sei der wichtigste im Raum. Als Peters 1997 zurück nach Hamburg kam, war das Haus weit entfernt von seiner einstigen Strahlkraft. Statt zu reduzieren, investierte er – nicht in Zimmer, sondern in Begegnungen. Er öffnete das Haus für die Stadt, schuf gastronomische Konzepte, die Hamburger anzogen, bevor internationale Gäste nachfolgten. Erfolg bedeutete für ihn nie Stillstand, sondern Verpflichtung. Selbst gut laufende Formate wie der Afternoon Tea werden hinterfragt, neu gedacht, angepasst – nicht aus Unzufriedenheit, sondern aus Respekt vor der Zeit. „Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein“, sagt Peters. Also macht er weiter. Was leichtfüßig wirkt, ist in Wahrheit eine Kunst der Wiederholung. Jedes Detail zählt, vom Rasierer bis zur Blumenvase. Und nichts ist je abgeschlossen. Peters glaubt nicht an den perfekten Zustand – sondern an die tägliche Entscheidung, ihn anzustreben. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  13. Michael Thumann über Russland, Putin und den neuen Eisernen Vorhang
    06.05., 10:0000:53:29

    Krieg, Grenzen und Ideologie Russlands Krieg gegen die Ukraine ist nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern Ausdruck eines tieferliegenden Bruchs mit Europa. Präsident Wladimir Putin handelt nicht nach einem langfristigen Plan, sondern nach Opportunitäten – das, was möglich erscheint, wird verfolgt. Doch auch wenn sich die russischen Truppen langsam im Donbass vorarbeiten, ist ein umfassender Sieg außer Reichweite. Der Journalist Michael Thumann, Leiter des Moskauer Büros der ZEIT, warnt: „Putin wird das machen, was ihm möglich ist und was er für erreichbar hält.“ Ein Waffenstillstand sei denkbar – ein echter Friede aber bleibe fern, solange Russland nicht zu einer grundlegenden Kurskorrektur bereit ist. Im Inneren hat sich Russland auf eine beunruhigende Weise stabilisiert: durch Gleichgültigkeit. Die Bevölkerung arrangiert sich mit einem Krieg, dessen Kosten verschleiert und dessen Realität durch kontrollierte Medien verharmlost wird. Kritische Berichterstattung ist kaum mehr möglich, Kultur- und Bildungsinstitutionen aus dem Westen gelten als „unerwünscht“ oder „extremistisch“. Thumann beschreibt, wie sich ein neues, gefährlich stabiles Russland herausbildet – abgeschottet, propagandistisch gelenkt, bereit zur Konfrontation. Die offene Gesellschaft, die in den 1990er-Jahren zaghaft heranwuchs, ist durch Putins Regime systematisch zurückgebaut worden. In seinem Buch "Eisiges Schweigen flussabwärts" schildert Thumann seine Reise von Moskau nach Berlin – eine Reise entlang der neuen Risse Europas. Er erzählt von Grenzkontrollen, Abschottung und einer wachsenden Kälte im gegenseitigen Blick. Der alte eiserne Vorhang ist zurückgekehrt, nur fällt er heute weiter im Osten. Doch anders als im Kalten Krieg ist dieser Konflikt heiß, real und ideologisch aufgeladen. Wer heute an eine Wiederannäherung glaubt, müsse erkennen: „Das, was vorher war, das wird nicht wiederkommen.“ Diese Episode wurde am 02. Mai 2025 aufgezeichnet. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com Fotoquelle: Henning Kretschmer für DIE ZEIT

  14. Carolin Otto über Schuld, Verdrängung und Erinnerung
    01.05., 14:0000:47:08

    Der lange Schatten von Berchtesgaden Am Fuß der Alpen liegt Berchtesgaden, ein Ort von großer Schönheit und schwerer Vergangenheit. In den 1920er Jahren wurde die Abgeschiedenheit zum Zufluchts- und Sehnsuchtsort Adolf Hitlers. Mit seinem Aufstieg zur Macht entstand auf dem Obersalzberg ein exklusives Machtzentrum der NS-Elite, während die ursprünglichen Bewohner enteignet wurden – anfangs noch gegen Entschädigung, später rücksichtslos. Carolin Otto zeichnet in ihrem Roman "Berchtesgaden" ein eindringliches Bild der Jahre nach dem Zusammenbruch: von der lähmenden Erkenntnis über die eigene Verantwortung, von einer Verdrängung, die schneller einsetzte als das Entsetzen, und von der Suche nach einem Weg, wieder Teil der Weltgemeinschaft zu werden. Nach dem Krieg blieb vieles unberührt zurück. Häuser, Besitztümer und Erinnerungen standen offen – und mit ihnen die Versuchung. Einheimische wie Soldaten eigneten sich an, was greifbar war, während die Alliierten versuchten, ein zerstörtes Land neu zu ordnen. Echte Unschuldige waren selten. Fast jeder hatte auf irgendeine Weise in den Strukturen des Regimes gelebt oder von ihnen profitiert. Der Wiederaufbau verlangte Pragmatismus, doch zugleich hinterließ er offene Wunden. „Wer bis 1950 durchgekommen war, musste mit nichts Schlimmem mehr rechnen“, sagt Otto. Das Schweigen über das eigene Tun wurde zu einem Teil des gesellschaftlichen Neubeginns. Heute, in einer Zeit, in der demokratische Werte wieder unter Druck geraten, wirken die Geschichten von damals wie eine stille Warnung. Carolin Otto erinnert daran, dass Freiheit und Menschlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie entstehen nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Anstrengung, Widerspruch und klarem Blick. Berchtesgaden zeigt, wie leicht Wahrheit verloren gehen kann – und wie schwer sie wiederzufinden ist. Unser True-Crime-Podcast zur Machtergreifung Adolf Hitlers: https://48f.de/machtergreifung Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  15. Paula Bosch über Weinkultur, Genuss und Haltung
    24.04., 16:1501:14:56

    Über eine Kultur, die mehr verlangt als Geschmack Der Wein spricht – leise, aber eindringlich. Er erzählt von Herkunft, Klima, Handwerk und Haltung. Doch hören kann ihn nur, wer zuhören gelernt hat. Für Paula Bosch war das nie bloß Beruf, sondern Berufung. Als erste Frau in Deutschland, die sich den Titel Sommelière erkämpfte, hat sie die Branche nicht nur durch ihr Wissen, sondern vor allem durch ihre Haltung geprägt: Wein sei keine Frage von Prestige oder Punkten, sondern von Persönlichkeit. „Ich frage nicht, ob dir der Wein schmecken muss – ich frage, ob du ihn magst“, sagt sie. Eine einfache, fast subversive Haltung in einer Welt, die sich lange über Etiketten und Bewertungen definierte. Ihre Karriere begann in einer Zeit, in der Frauen in der Spitzengastronomie noch als Ausnahme galten – und oft als Problem. Doch Bosch blieb standhaft, wissbegierig und unbeirrbar. Sie las alles, was sie über Wein finden konnte, probierte sich durch Keller und Kontinente, entwickelte ihre eigene Sprache für Aromen und Texturen – eine Sprache, die Menschen mitnahm, nicht belehrte. Besonders prägend war ihre Zusammenarbeit mit Spitzenköchen wie Hans Haas, mit dem sie im Münchner Tantris Wein und Küche zu echten Dialogpartnern machte. Dort etablierte sie auch das glasweise Servieren großer Weine – ein bis dahin undenkbarer Bruch mit der gängigen Praxis. Dass sie heute als Grande Dame der Weinkultur gilt, liegt nicht nur an ihrem Wissen, sondern an ihrer Fähigkeit, den Menschen hinter dem Glas zu sehen. Wer Bosch zuhört, begreift: Sommellerie ist nicht Dienstleistung, sondern ein Handwerk mit Seele. Ein Gespräch mit ihr – geführt im Tresorraum eines Münchner Weinclubs – war eine Begegnung mit einer Frau, die nie müde wird, den Menschen den Wein näherzubringen. Nicht als Statussymbol, sondern als Einladung zur Neugier. Und genau das ist vielleicht ihr größtes Geschenk an die Welt des Genusses. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  16. Steffen Kopetzky über Geschichte, Gegenwart und die Bombe
    17.04., 16:1000:58:43

    Atomare Bedrohung, Verantwortung und die Suche nach einem neuen Bewusstsein Die deutsche Atomforschung im Zweiten Weltkrieg wird oft auf die Heisenberg-Gruppe reduziert – dabei waren viel mehr Akteure beteiligt, als die öffentliche Erinnerung vermuten lässt. Auch das Heer, die Marine und sogar die Reichspost unterhielten eigene Programme, mit dem Ziel, atomare Macht zu erlangen. Steffen Kopetzky greift diese wenig bekannten Fakten in seinem neuen Roman "Atom" auf und verknüpft sie mit einer größeren Frage: Wie gehen Gesellschaften mit der Verantwortung um, die wissenschaftlicher Fortschritt mit sich bringt? Denn die Bedrohung ist nicht Vergangenheit, sie ist Gegenwart. Technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz oder Quantencomputing liegen zunehmend in den Händen weniger Akteure – politisch oder wirtschaftlich motiviert, aber selten demokratisch legitimiert. Kopetzky warnt vor einem ethikfreien Fortschritt, der aus der Geschichte nichts gelernt hat. Umso dringlicher wird der Ruf nach einem Europa, das nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Europa, so seine Überzeugung, muss ein Ort der Aufklärung bleiben – souverän, wertebasiert und offen für die Zukunft. "Atom" ist deshalb mehr als ein historischer Roman: Es ist ein literarischer Denkanstoß in einer Zeit, in der die alten Gewissheiten bröckeln. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  17. Ekkehard Bay über Cocktails, Barkultur und Konvivialität
    03.04., 16:1500:38:00

    Zwischen Begegnung und Gemeinschaft Bars sind mehr als nur Orte zum Trinken. Sie sind soziale Bühnen, Erinnerungsräume und Treffpunkte für all jene, die sich jenseits von Algorithmen und Bildschirmen begegnen wollen. Gerade in München, einer Stadt, die oft auf ihre Biergärten reduziert wird, erlebt die Barkultur seit einigen Jahren eine stille Blüte: vielfältig, kreativ, tief vernetzt. Es ist eine Szene, die sich nicht durch Lautstärke definiert, sondern durch Qualität – und durch Gastgeber wie Ekkehard Bay, die ihre Rolle weit über das Mixen eines Drinks hinaus verstehen. „Ich bin verliebt“, sagt Bay über seinen Beruf, den er in der Ory Bar im Mandarin Oriental ausübt – und auf die Spitze treibt mit dem von ihm gegründeten Cocktail X Festival. Das Festival ist weit mehr als eine Werkschau für Spirituosen: Es ist eine Plattform für Austausch, für Inspiration, für die Idee, dass Barkultur auch Bildungsauftrag sein kann. Statt bloßer Rabatte setzt es auf ein Sammelbuch mit Rezeptstickern, auf Workshops, auf Vorträge von interdisziplinären Speakern – von Schiedsrichtern bis Astrophysikern. Bay will damit nicht nur die Szene selbst inspirieren, sondern auch den Gästen ein tieferes Verständnis dafür geben, wie viel Handwerk, Kreativität und Kommunikation in einem wirklich guten Cocktail steckt. „Der Gast hat vieles davon bisher nicht mitbekommen. Das wollen wir ändern“, sagt er. Dass das Konzept aufgeht, zeigt nicht nur die wachsende Zahl teilnehmender Bars, sondern auch die Begeisterung der Besucher – darunter auch solche, die ihre Stadt auf diese Weise neu entdecken. Barkultur, so wird spürbar, ist kein elitäres Konzept, sondern ein niedrigschwelliges Angebot an Nähe, Austausch und Genuss. Im Gespräch mit Ekkehard Bay wurde deutlich, wie viel Herzblut, aber auch wie viel Gestaltungswille hinter dieser Bewegung steckt. Denn am Ende geht es nicht nur um Drinks – es geht um das, was zwischen den Menschen passiert. Mehr Informationen zum Cocktail X Festival gibt es unter: https://cocktail-x.com/ Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  18. Hans Sigl über Haltung, Empathie und gesellschaftliche Verantwortung
    27.03., 16:1001:16:48

    Die Rückkehr zur Zuversicht Hans Sigl ist einer der bekanntesten Schauspieler des Landes – und doch spricht er lieber über Gesellschaft, Verantwortung und Haltung als über seine Rollen. Für ihn beginnt der politische Diskurs nicht bei Paragrafen, sondern bei der Sprache, die wir füreinander finden. „Ich empfinde eher Ratlosigkeit als Angst“, sagt er mit Blick auf Klimakrise, Nationalismus und das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Was ihm fehlt, ist eine neue Aufklärung: eine, die Politik verständlich macht, ohne zu vereinfachen, die Menschen ernst nimmt, ohne sie zu belehren. Er plädiert für mehr Empathie, nicht nur in der Debatte, sondern auch im familiären und persönlichen Raum. Sigl hat sich bewusst von seinen Eltern distanziert – nicht im Zorn, sondern mit einem klaren Bewusstsein für das, was man loslassen muss, um bei sich zu bleiben. Die Erfahrung von Anpassung, von Brüchen und innerer Arbeit prägt sein Denken. Schauspielerei war für ihn nie Therapie, sondern Handwerk – aber eines, das auf Wahrhaftigkeit beruht und auf dem genauen Hinsehen. Gerade in Zeiten, in denen sich öffentliche Diskussionen verhärten und Debatten in Lager zerfallen, hält Sigl am Prinzip des Dialogs fest. Nicht alles lässt sich versöhnen – aber vieles verstehen, wenn man bereit ist, zuzuhören. „Wir sind im selben Boot“, sagt er. Und: „Vielleicht müssen wir einander einfach wieder öfter in die Augen schauen.“ Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  19. Fritz Becker über Wein, Verantwortung und Tradition
    27.02., 16:3000:32:18

    Wein zwischen zwei Welten Das Weingut Friedrich Becker in Schweigen, direkt an der deutsch-französischen Grenze, verbindet Tradition mit Innovation. Seit sieben Generationen wird hier Weinbau betrieben. Heute führt sein Sohn das Erbe fort, mit einer klaren Philosophie: kompromisslose Qualität, geprägt von Handarbeit, tief verwurzelten Reben und der einzigartigen Terroir-Situation zwischen zwei Ländern. Besonders die Spätburgunder und Chardonnays des Weinguts haben sich international einen Namen gemacht, von Deutschland bis Japan. Der Klimawandel verändert auch den Weinbau in der Pfalz, doch für das Weingut bietet er eher Vorteile. „Früher wurde nicht jeder Jahrgang reif, heute müssen wir eher steuern, dass die Trauben nicht zu schnell reifen“, sagt Fritz Becker. Während viele Betriebe auf Automatisierung setzen, bleibt bei den Beckers Handarbeit oberstes Gebot – jede Traube wird von Hand geprüft, um höchste Qualität zu garantieren. Diese Hingabe an das Handwerk wird international geschätzt, vor allem in Märkten wie Japan, wo die Wertschätzung für Präzision und Perfektion besonders ausgeprägt ist. Weinbau ist für Fritz Becker ein Generationenprojekt. Die Reben, die sein Vater gepflanzt hat, entfalten erst heute ihr volles Potenzial, und was er selbst anlegt, wird erst die nächste Generation ernten. „Das, was wir tun, soll Bestand haben“, sagt er. Wer die Weine des Weinguts kennenlernen will, dem empfiehlt er den Basis-Spätburgunder – eine Art Visitenkarte des Hauses. Im Gespräch mit Fritz Becker wurde deutlich, dass Wein hier mehr ist als ein Produkt – er ist eine Haltung, ein Bekenntnis zu Handwerk, Geduld und der stetigen Suche nach Perfektion. Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

  20. Reiner Knizia über Spiele, Ideen und Innovation
    20.02., 16:4501:03:13

    Die Kraft des gemeinsamen Spielens Dr. Reiner Knizia zählt mit über 800 veröffentlichten Spielen zu den erfolgreichsten Spieleautoren der Welt. Doch bevor er sich ganz dem Spieldesign widmete, machte er Karriere im Bankwesen. Der entscheidende Schritt in die Selbstständigkeit war wohlüberlegt: "Ich wollte meinem Herzen folgen." Seine Spiele sind geprägt von Innovation, strategischem Tiefgang und dem Anspruch, generationsübergreifende Freude zu schaffen. In einer Branche mit unzähligen Neuerscheinungen ist es schwer, aus der Masse herauszustechen. Knizia glaubt, dass Trends nicht planbar sind: "Das richtige Spiel zur richtigen Zeit – und ein bisschen Glück." Trotzdem verfolgt er klare Prinzipien: Neue Mechaniken ausprobieren, Routinen durchbrechen und den Spaß der Spieler an erste Stelle setzen. Erfolgreiche Titel wie "Lama" oder "Lost Cities" zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert. Auch Künstliche Intelligenz beschäftigt ihn. "KI kann analysieren, aber sie versteht keine Emotionen." Für ihn bleibt das Entwickeln von Spielen eine Kunstform, die von menschlicher Kreativität lebt. Sein Rat an angehende Spieleautoren? "Spielen, experimentieren, dranbleiben. Das beste Spiel ist das, das noch erfunden werden muss." Alle Informationen zum 48forward Festival gibt es unter: https://festival.48forward.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

Zwei Menschen, eiskalte, perfekt gemixte Drinks und eine Menge Zeit für inspirierende Bargespräche: Mach es Dir an unserem Tresen gemütlich und lerne interessante Menschen mit unterschiedlichsten Passionen, Professionen und Geschichten kennen! Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter: https://48forward.com Moderation: Daniel Fürg Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)