
Gunter Dueck über humanoide Roboter, Abwehrreflexe und Funktionsmenschen
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Beschreibung der Episode
Wenn in China humanoide Roboter über eine Bühne tanzen, reagiert man hierzulande mit Spott: Deutsche Roboter arbeiten, chinesische tanzen Ballett. Prof. Dr. Gunter Dueck, Mathematiker und einst Chief Technology Officer von IBM Deutschland, hält das für einen Denkfehler. Die Industrieroboter von Kuka oder Fanuc sind Greifarme hinter Gittern, denen jeder Handgriff einprogrammiert werden muss. Der Humanoide dagegen bekommt ein Sprachmodell als Gehirn und lernt, indem er zusieht: „Man stellt ihn daneben und sagt: Guck dir den an, der macht da irgendwas. Und nächste Woche machst du das.“ Dass er dafür einen menschlichen Körper braucht, folgt daraus. Unterschätzt werde diese Entwicklung trotzdem, sagt Dueck, und zwar aus einem Reflex, den er seit Jahren an der Autoindustrie beobachtet. Jede neue Technik bekomme in Deutschland ein Abwehrwort, das den genauen Blick ersetzt. Beim Onlinehandel waren Bücher „haptisch“, bei der KI heißt es: „Das halluziniert nur.“ Chinesische Autos „überschwemmen“ den Markt, während Mercedes seine Software für das automatisierte Fahren inzwischen bei Momenta einkauft. „Bei den Robotern passiert jetzt dasselbe.“
Den Einwand, Maschinen nähmen dem Leben das Menschliche, lässt Dueck nicht gelten. „Das größere Problem ist eigentlich, dass wir den menschlichen Anteil wegoptimieren, um mehr Geld zu machen.“ In der Bankfiliale wird zuerst die IBAN abgefragt, der Arzt hat keine Zeit mehr für ein Gespräch und schreibt nach Feierabend Berichte für Polizei und Unfallversicherung. Dueck erzählt von seiner Mutter, die an Alzheimer erkrankt war, und von einer Frau im Nebenzimmer des Heims, die den ganzen Tag um Hilfe rief und vor Verzweiflung Kirchenlieder sang. Ein Roboter für ein paar Tausend Euro, der mit ihr singt und jede Stunde nach ihr sieht, wäre dort ein Gewinn. „Das zeigt, dass ich sogar den Menschen ersetzen kann, weil der Mensch eigentlich nicht mehr da ist.“
Die eigentliche Warnung seines Buches steckt im Begriff des Funktionsmenschen. Im Berufsleben zählt längst nur das Verhalten, das Leadership-Handbücher und Anreizsysteme vorgeben. „Ich muss nicht lieb sein zu dem Bankkunden, sondern er muss mich als lieb wahrnehmen.“ Was sich so vollständig von außen beschreiben lässt, lässt sich programmieren. Wir Menschen erreichen nach Duecks Schätzung zwei Drittel der verlangten Perfektion, der Humanoide wird sie ganz erreichen und damit zur neuen Krone der Schöpfung, über die wir gekränkt sein werden. Ob die KI uns dabei klüger macht, hängt für den ehemaligen Mathematikprofessor davon ab, ob wir uns Lösungen liefern lassen oder mit der Maschine streiten. Nur in einem Punkt räumt er einen Irrtum ein: „Ich habe nicht gedacht, dass das mit der KI so schnell geht.“ Mit Daniel Fürg hat Dueck darüber in der aktuellen Folge von Gin And Talk gesprochen. Sein Buch „Die neue Krone der Schöpfung“ ist gerade erschienen.
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