Fabian Lehr

Fabian Lehr
372
09.10.2026
Beschreibung
Kommunismus, Geschichte und mehr
Häufig erwähnt
  • Berlin
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  • Europa
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Episoden
  1. 03.01.2024
    23 min

    "Alle jüdischen Israelis, in Tel Aviv wie im Westjordanland, sind und bleiben SiedlerInnen und haben als solche eigentlich nichts im Land verloren" - Beiträge, die mehr oder weniger explizit solche Thesen vertreten, sind nicht nur unter maoistisch orientierten angelsächsischen Linken, sondern auch in nicht ganz irrelevanten Teilen der deutschsprachigen Palästina-Soliszene verbreitet. Warum ich solche Positionen für inhaltlich ebenso falsch wie strategisch fatal halte, bespreche ich in dieser Episode.

  2. Obdachlosigkeit ist in der BRD kein bedauerlicher Unfall - sie ist systemstabilisierend und politisch gewollt für die Stärkung der "Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland".

  3. Eduard Bernsteins 1899 erschienene "Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" gehören zu den bedeutendsten und kontroversesten Büchern der gesamten sozialistischen Literaturgeschichte. In diesem Buch unternimmt der SPD-Parteitheoretiker nämlich den Versuch, den sich damals schon abzeichnenden Widerspruch zwischen revolutionärer Theorie und reformistischer Praxis seiner Partei dadurch aufzulösen, dass er die revolutionäre Theorie beseitigt und einen evolutionären, reformistischen Marxismus zu entwickeln sucht. Bernstein ist DER Theoretiker des Revisionismus und sein Buch Anlass für die Entstehung von Rosa Luxemburgs "Sozialreform oder Revolution?" Um Bernsteins Versuch der Abwicklung des revolutionären Marxismus geht es in dieser Ausgabe des "Buchs der Woche".

  4. 21.12.2023
    23 min

    Begeht der israelische Staat, begeht die israelische Armee in Gaza gerade einen Genozid? Kaum eine These wird in Deutschland so heftig diskutiert, und sie zu vertreten führt schnell zu reflexhaften Antisemitismusvorwürfen und Ausschluss aus dem medialen Establishment. Im heutigen Beitrag skizziere ich kurz, warum ich einerseits den Begriff "Genozid" nicht als politischen Kampfbegriff verwende und glaube, dass er analytisch kaum noch brauchbar ist, mir andererseits aber auch nachvollziehbar scheint, warum man im israelischen Krieg eine genozidale Intention zu sehen glaubt.

  5. Um Awdijiwka tobt gerade eine der größten und blutigsten Schlachten dieses Jahrhunderts - die Russland trotz enormer Verluste wahrscheinlich gewinnen wird. Awdijiwka steht beispielhaft für die Entwicklung des ganzen Krieges in den letzten Wochen und Monaten: Nach dem Scheitern der ukrainischen Sommeroffensive beginnt sich die wachsende materielle Überlegenheit Russlands nun deutlich an der Front bemerkbar zu machen. Ist Russland auf dem Weg zum Sieg angelangt?

  6. Die Re-Islamisierung der Türkei ist eines der zentralen Anliegen des zunehmend diktatorischen Regimes Erdogans. Aber was zeichnete eigentlich die säkulare, kemalistische türkische Republik aus, an deren Transformation die AKP geht, und wer war der Mann, der dem Kemalismus seinen Namen gab? Dazu habe ich mir für die neue Ausgabe des Buchs der Woche die Atatürk-Biographie des Turkologen Klaus Kreiser vorgenommen.

  7. Im September hatte ich schon ein improvisiertes Video dazu aufgenommen, warum die in Deutschland so heiß diskutierte, den öffentlichen Diskurs rassistisch aufputschende "Flüchtlingskrise" eine Fiktion ist und "zuviel Zuwanderung" ohnehin ein Unding. Wie damals angekündigt, habe ich das nun für einen neuen Beitrag etwas ausführlicher ausgearbeitet: Warum "Zuviel Zuwanderung zerstört den Sozialstaat und macht uns ärmer" eine glatte Lüge ist und man sich zum nützlichen Idioten der herrschenden Klasse macht, wenn man solche talking points aufgreift.

  8. Emile Zolas 1871-1893 entstandener zwanzigbändiger Romanzyklus "Die Rougon-Macquart" ist ein einzigartiges historisches Dokument in literarischer Form: Mit äußerstem, quasi dokumentarischem Realismus wird darin ein Panorama der französischen Gesellschaft während der bonapartistischen Diktatur Napoleons III. gezeichnet und in jedem Band das Leben eines anderen sozialen Milieus porträtiert. In dieser Ausgabe des "Buchs der Woche" geht es um den 1871 erschienenen ersten Band dieses Zyklus, der die Wurzeln des Bonapartismus als Sammelbewegung des Bürgertums gegen Revolution, Demokratie und ArbeiterInnenklasse am Beispiel einer ehrgeizigen kleinbürgerlichen Familie aus der südfranzösischen Provinz illustriert, die ihr Schicksal an das des Staatsstreiches kettet.

  9. Ist die EU ein fortschrittliches Projekt, das den Nationalismus zu überwinden und die Kooperation der europäischen ArbeiterInnenklassen zu erleichtern verspricht? Oder ein Vehikel des Neoliberalismus, der Unterminierung der Demokratie, des deutschen Imperialismus? Darüber diskutiere ich in dieser Ausgabe mit Alex Zfi.

  10. Im Juni 1945, nur wenige Wochen nach der Kapitulation der Wehrmacht, reist der polnisch-britische Trotzkist Isaac Deutscher für eine mehrmonatige Reportagereise ins zerstörte und besetzte Deutschland. Das Land, das gerade erst seinen Vater in Auschwitz vergast hat und das auch ihn als Juden ermordet hätte, würde er 1939 auch nur ein paar Monate länger in seiner polnischen Heimat geblieben sein. Aber Deutscher empfindet trotzdem keinen Hass gegen die deutsche Bevölkerung - als konsequenter internationalistischer Marxist sieht er das dritte Reich nicht als Werk "der Deutschen", sondern als Diktatur der deutschen herrschenden Klasse auch und gerade über die eigene ArbeiterInnenklasse. Die nun befreit ist, aber wenig revolutionären Elan und kaum etwas wie Aufbruchstimmung zeigt. Deutschers Analyse dieser noch unmittelbar unter dem Schock von Krieg, Niederlage und Besatzung stehenden deutschen Nachkriegsgesellschaft und der Versäumnisse der alliierten Besatzungspolitik gehört zu den fesselndsten Dokumenten über Deutschland in der "Stunde Null".

  11. Der neue Wochenkommentar ist da, diesmal als Fragerunde zu folgenden Fragen: -Ist Israel ein Kolonialstaat/Apartheidsregime? -Warum ist die deutsche Linke so besessen vom Nahostkonflikt? -Sollten alle sozialistischen Staaten fusionieren?

  12. Der Kapitalismus - oder zumindest der Begriff des Kapitalismus - hat wahrlich keine gute Presse. Regelmäßig gibt die große Mehrheit der Bevölkerung an, den Kapitalismus für etwas Schlechtes zu halten. Trotzdem wird nur eine winzige Minderheit zu KommunistInnen, wählen die meisten bürgerliche Parteien und akzeptieren dieses System als gegeben. Warum? Und was sollen SozialistInnen ihnen sagen?

  13. Das Mittelalter gilt im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit als Inbegriff von Rückständigkeit, Dumpfheit und Fortschrittsfeindschaft - "mittelalterlich" ist eine Verunglimpfung. Dieses Bild versuchte der französische Historiker Jean Gimpel in seinem Klassiker "Die industrielle Revolution des Mittelalters" geradezurücken: Tatsächlich sei zumindest das Hochmittelalter, die Zeit vom 11.-14. Jahrhundert, in Westeuropa eine Zeit des Fortschritts, der Innovation, gar der "industriellen Revolution" gewesen. Darüber, was davon zu halten ist, geht es in der neuen Ausgabe des "Buchs der Woche".

  14. Der neue Wochenkommentar ist online. Diesmal zu Gaza und dessen möglicherweise drohender ethnischer Säuberung sowie zur sich abzeichnenden Wende im Ukrainekrieg.

  15. Die Wurzeln des Nahostkonflikts gehen hinter die israelische Staatsgründung 1948 zurück, zur berühmten Balfour-Deklaration von 1917, durch die Großbritannien als neue Kolonialmacht in Palästina sich zum Schutzherrn des zionistischen Siedlungsprojekts erklärte - ein Projekt, das bald in Gewalt, dann in Krieg und ethnische Säuberung mündete. Über diese Vorgeschichte des heutigen Nahostkonflikts, über Palästina unter britischer Herrschaft von 1917 bis 1948, schreibt der israelische Historiker glänzend in seinem "Es war einmal Palästina", das ich diesmal als Buch der Woche präsentiere.

  16. 25.000 Tote und Verletzte, zehntausende zerstörte Wohnungen, über 1 Million obdachlose Binnenflüchtlinge - die bisherige Bilanz von zwei Wochen israelischem Rachekrieg gegen Gaza. Ein Krieg, so brutal, wie er unsinnig und gefährlich ist.

  17. Jetzt zum Anhören: Die neue Buchbesprechung, diesmal aus einer anderen nationalistisch aufgeputschten Kriegszeit. Theodor Fontane ist heute fast nur als Romancier bekannt. Er war aber auch Journalist und insbesondere Kriegsberichterstatter. Als solcher Kriegsberichterstatter reiste er auch 1870/71 während der deutschen Invasion durch die frontnahen Gebiete Frankreichs, um zeitgeschichtliche Impressionen des Geschehens zu sammeln. Dabei wurde er als mutmaßlicher preußischer Spion von Partisanen festgenommen und durchlebte eine monatelange Odyssee durch französische Gefängnisse. Seine Erlebnisberichte über seine Erfahrungen in diesem für die weitere europäische Geschichte so fatalen Krieg sind nicht nur eine spannende, extrem lebendige Lektüre zur Geschichte des Krieges, sondern auch eine subtile Kritik am Fontane abstoßenden nationalistischen Furor, den er heraufbeschwor.

  18. Blau-gelb war gestern - Europa im blau-weißen Taumel, oder: Jetzt sind wir alle Israel. Nach den Angriffen des 7. Oktober ist bedingungslose Solidarität mit dem israelischen Staat und seinem Rachekrieg in der ganzen Welt oberste Staatsräson geworden und gilt jede minimale Abweichung davon als Verrat, der mindestens zur Ächtung, möglicherweise auch zu juristischer Verfolgung führt. Aber ist das, was wir jetzt in Gaza sehen, tatsächlich "Verteidigung" und ist dieser Staat überhaupt tatsächlich ein "Schutzraum" für seine Bevölkerung?

  19. Mein erster Beitrag zu den Hamas-Angriffen auf Israel und etliche Facebook- und Instagram-Posts von mir zum Thema haben auf verschiedenen Plattformen kontroverse Reaktionen ausgelöst. Entsolidarisiere ich mich mit meiner Verurteilung der Angriffe nicht von einem legitimen antikolonialen Befreiungskampf? Und haben nicht auch Vietcong und Co sich gegen eine militärisch weit überlegene Imperialmacht durchsetzen können? In diesem neuen Beitrag möchte ich auf diese Kritik antworten und darlegen, warum ich nicht glaube, dass Solidarisierung mit diesem Angriff geboten oder im Sinne der palästinensischen Sache ist.

  20. Angesichts der massiven erneuten Eskalation des Nahostkonflikts kann es nicht schaden, einen Blick zurück auf die Geschichte der Hamas zu werfen. Dafür sehr gut geeignet ist dieses Buch, in dem der Historiker Joseph Croitoru die Ursprünge der Hamas und ihre Entwicklung bis zur Machtübernahme 2006 nachzeichnet und das ich diesmal als Buch der Woche rezensiere.