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730- Warum wird das Wasser knapp? Es gibt doch einen geschlossenen Wasserkreislauf13.09., 07:0013.09.2025, 07:0000:02:30
Wenn von Wasserknappheit die Rede ist, geht es meist um einzelne Regionen; das kann mal Kalifornien sein, mal Ostafrika. An manchen Stellen ist der Wassermangel chronisch – mit der Folge, dass große Binnengewässer wie etwa der Aralsee oder das Tote Meer austrocknen. In all diesen Fällen hat das nichts damit zu tun, dass sich die Gesamtmenge an Wasser auf dem Globus ändern würde. Ausschlaggebend ist vielmehr die Verteilung des Wassers. Klimawandel: Wüstenzone Nordafrikas hat sich nach Südeuropa ausgedehnt Das kann zum einen mit dem Klima zusammenhängen. Weltweit gesehen nehmen die Niederschläge infolge des Klimawandels tendenziell zu – der Wasserkreislauf wird beschleunigt, es verdunstet mehr und infolgedessen regnet es auch mehr. Nur regnet es eben nicht überall auf der Erde gleichmäßig, sondern an manchen Stellen mehr, an anderen weniger. Selbst wenn übers Jahr gesehen die Niederschläge in einer Gegend gleich bleiben, kann es passieren, dass es mal wochenlang nicht regnet – dann herrscht dort Wasserknappheit. Durch den Klimawandel beispielsweise hat sich die Wüstenzone Nordafrikas schon nach Südeuropa ausgedehnt, sodass dort das Wasser verstärkt knapp ist. Anderswo auf der Erde regnet es dafür mehr. Kurz: Regionale Wasserknappheit kann einfach durch eine ungünstige Verteilung der Niederschläge entstehen. Landwirtschaft und Wassernutzung haben großen Einfluss auf Wasserknappheit Ein aber fast noch wichtigerer Auslöser für Wasserknappheit ist die Art der Wassernutzung. Warum trocknet der Aralsee aus? Weil riesige Mengen an Wasser, die früher in den See geflossen sind, abgezweigt werden zur Bewässerung der Baumwollplantagen. Und alles Wasser, das ich für Landwirtschaft verwende, geht in dem Sinne verloren, dass es nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung steht – auch nicht als Trinkwasser. Natürlich transpirieren die Baumwollpflanzen das Wasser, das sie zum Wachsen benötigen auch wieder in die Atmosphäre – aber es regnet dann eben nicht über dem Aralsee nieder – wo es normalerweise hingeflossen wäre – sondern anderswo. Das ist global gesehen das Problem: Eine immer größere Menschheit benötigt immer größere Ackerflächen. Deshalb wird immer mehr Regenwasser oder Flusswasser zur Bewässerung von Pflanzen eingesetzt. Es verdunstet, gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel – so entsteht Wasserknappheit.
- Was ist ein Klartraum?08.09., 07:4508.09.2025, 07:4500:01:37
Bewusstsein austesten – mit luziden Träumen Klarträume oder luzide Träume, im Englischen lucid dreams, werden als Träume definiert, in denen man während des Traums weiß, dass man träumt. Man hat also die normale Traumwelt, wie man sie kennt. Im normalen Traum denkt man, dass man wach ist. Das, was man erlebt, ist genauso real wie im Wachzustand. Bei den Klarträumen kommt das Bewusstsein dazu, dass man träumt. Geübte Klarträumer können tatsächlich sagen: Okay, wenn es ein Traum ist, dann kann ich jetzt auch mal hochspringen und wegfliegen oder was anderes machen – Sport üben oder Albträume bewältigen, einfach Spaß haben. – Deshalb ist es auch gerade bei jungen Leuten sehr populär, weil man da ein bisschen sein eigenes Bewusstsein austesten kann. Das empfehle ich auch, weil es viel besser ist, als irgendwelche Drogen zu nehmen, denn man hat keinen Kater, wenn man morgens aufwacht. Wie viele Menschen können Klarträume erleben? 50 Prozent einer repräsentativen Studie in Deutschland hatten schon einmal mindestens einen Klartraum, also einen einzigen in ihrem ganzen Leben. Die Gruppe der „natürlichen Klarträumer“, wie wir sagen, die häufiger Klarträume hat, ist relativ klein. Weniger als 5 Prozent haben Klarträume und dann eben solche Erlebnisse. Aber wir wissen: Man kann das üben und damit die Klartraum-Häufigkeit erhöhen.
- An welchem Tag haben die meisten Menschen Geburtstag?03.09., 16:0003.09.2025, 16:0000:02:47
Tendenz: Frühherbst Ich habe drei Statistiken gefunden, zwei aus den USA und eine aus Österreich: Schon die Zahlen aus den USA widersprechen sich ein wenig. Zum einen gab es die Statistik der (inzwischen eingestellten) Internetseite anybirthday.com. Das war eine Seite, die man u. a. als Erinnerungskalender nutzen konnte, um Geburtstage von Freunden und Angehörigen nicht zu vergessen. Nach der Statistik dieser Seite ist der Rekordhalter der 5. Oktober. Diese Daten beruhen allerdings auf freiwilligen Angaben von Millionen von Nutzern. Daneben hat die New York Times eine Statistik der Geburten zwischen 1973 und 1999 veröffentlicht. Dort stand der 16. September auf Platz 1. Nach der österreichischen Studie – sie beruht auf amtlichen Zahlen – gibt es ebenfalls eine Häufung von Geburten im frühen Herbst. Allerdings ist da der häufigste Geburtstag am 22. September. Weihnachtszeit inspiriert möglicherweise zur Familiengründung Auf jeden Fall zeigen die Zahlen sehr schön einen Anstieg bei den Geburten zwischen Juli und Oktober. Und Ende September/Anfang Oktober kommen bis zu 15 Prozent mehr Kinder auf die Welt als im Jahresdurchschnitt. Wenn wir 9 Monate zurückzurechnen, stellen wir fest, dass diese Kinder vor allem in den Weihnachtsferien gezeugt wurden. Wenn man es noch genauer macht und die Durchschnittsdauer einer Schwangerschaft von 266 Tagen ansetzt, landet man ausgehend vom 22. September ziemlich genau bei Neujahr. Nun kann man spekulieren, ob an diesem Tag viele Menschen schon einen ersten guten Vorsatz fürs neue Jahr umsetzen wollen oder ob generell die Weihnachtszeit eine überdurchschnittliche Zahl von Leuten zur Familiengründung inspiriert. Was die Geburten in Deutschland betrifft, weist das statistische Bundesamt nur eine Monatskurve aus – der Trend ist ähnlich. Anmerkung zur Grafik: Die Zahl 1.000 für den Jahresdurchschnitt bedeutet nicht, dass im Schnitt 1.000 Kinder pro Tag geboren werden. Vielmehr dient die Zahl der Vergleichbarkeit – die Bevölkerung und damit die Geburten schwanken ja von Jahr zu Jahr. Deshalb wurden jeweils die Geburtenzahlen jedes Jahres auf "1.000" heruntergerechnet, um die Häufigkeiten vergleichbar zu machen. Die Kurve verdeutlicht auch sehr schön, dass sich die Kurven über die Jahre verändern. Früher in der Zeit vor der Pille sind in Deutschland die meisten Kinder noch im März/April geboren worden. Man könnte sie als Produkte von starken "Frühlingsgefühlen" im Vorjahr deuten. Zwar gab es auch damals schon eine zweite kleine Spitze im September, aber erst in den letzten Jahrzehnten wurde der September zum geburtenstärksten Monat.
- Wie nannte man das "Mittelalter" im Mittelalter?02.09., 14:0002.09.2025, 14:0000:03:07
Die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit Wir können heute vom Mittelalter sprechen, weil wir in der "Neuzeit" leben. Aber natürlich hat um 1000 n. Chr. niemand gesagt, "Ich lebe im Mittelalter." – Der Begriff ergibt nur Sinn aus der Perspektive einer späteren Zeit, die sich selbst als "Neuzeit" definiert hat. Für uns beginnt die "Neuzeit" mit der Renaissance und der Rückbesinnung auf das Erbe der Antike. Dadurch ergibt sich die etablierte Dreiteilung. Es gibt das Altertum – die "gute alte Antike", also die Zeit bis zum Ende des Römischen Reiches; es gibt die "Neuzeit" – eben die Zeit ab der Renaissance. Man kann auch sagen: Die Zeit seit der europäischen Expansion nach Amerika, Asien und Afrika. Und die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit nannte man dann einfach Mittelalter. Augustinus: sechs Zeitalter vom Anfang bis zum Ende der Welt Im Mittelalter sprach man nicht vom Mittelalter, man sah sich aber auch nicht als Neuzeit. Zumindest in der Welt der Kirche hatte man eine ganz andere Zeitrechnung, nämlich die von den sechs bzw. sieben Weltzeitaltern. Die Idee geht zurück auf den Heiligen Augustinus, der im fünften Jahrhundert lebte. Augustinus formulierte die Theorie, dass vom Anfang bis zum Ende der Welt sechs Zeitalter vergehen, jedes 1.000 Jahre lang. Und nach dieser Theorie lebten die Menschen in der Zeit, die wir heute Mittelalter nennen, im sechsten und damit letzten Weltzeitalter – das heißt, man steuerte aufs Ende der Welt und somit aufs Jüngste Gericht zu. Wie ist Augustinus darauf gekommen? Die Grundlage für seine Theorie war eine Stelle aus dem 2. Brief des Petrus, wo es heißt, dass "beim Herrn ein Tag wie 1.000 Jahre und 1.000 Jahre wie ein Tag sind". Also: 1000 Jahre sind mit einem Tag zu vergleichen. Nun steht in der Bibel, Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen. Der Analogieschluss war nun: Wenn man einen Tag mit 1.000 Jahren gleichsetzt, und in dieser Sechs-Tages-Logik denkt, kommt man auf 6.000 Jahre. Diese Zahl passte wiederum ganz gut zu den Zeitangaben in der Bibel. Da steht ja genau drin, wer von wem abstammt und wer wie lange gelebt hat. Als die frühen Christen das bis Adam zurückrechneten, haben sie ermittelt, dass von Beginn der Welt grob 5.000 Jahre vergangen sind. Und so kam die Theorie: 5.000 Jahre entsprechen fünf Zeitaltern von je 1.000 Jahren. Diese Rechnung steht im Gegensatz zu der, die dem jüdischen Kalender zugrunde liegt und die Schöpfung im Jahr 3761 Jahre v. Chr. ansetzt. Letztes Zeitalter beginnt nach Augustinus mit Christi Geburt Das erste Zeitalter dauerte von Adam bis zur Sintflut. Das zweite von der Sintflut bis zu Abraham – und so ging das weiter. Das fünfte Zeitalter wiederum endete laut Augustinus schließlich mit der Ankunft von Jesus Christus. Und also begann damit auch das sechste und letzte Zeitalter. Eben das christliche Zeitalter – Aetas Christiana. Und wenn das vorbei ist, dann – so die Vermutung – kommt der Jüngste Tag. Und das war’s dann. Renaissance: Mittelalter wird als Mittelalter definiert Doch der Jüngste Tag kam dann doch nicht, die Welt drehte sich weiter und so verschwand diese Art der Zeitrechnung in der Versenkung – bis in der Renaissance das Mittelalter als "Mittelalter" definiert wurde.
- Wie misst man das Gewicht eines Schiffes – beispielsweise der "Titanic"?02.09., 09:0002.09.2025, 09:0000:01:58
Man kann sich kaum vorstellen, dass man dieses Schiff wirklich an eine Waage gehängt hat. Aber man kann ein Schiff ganz einfach "wiegen", indem man die Auftriebskraft nutzt – also den Grund, warum ein Schiff überhaupt schwimmt. Die Auftriebskraft kompensiert die Gewichtskraft. Sie ist also genauso groß wie das Gewicht des Schiffes. Nun gilt das Prinzip des Archimedes – das Prinzip ist also schon mehr als 2.000 Jahre bekannt: Die Auftriebskraft ist genauso groß wie die Masse der vom Schiff verdrängten Flüssigkeit. Auftriebskraft = Gewicht Da die Auftriebskraft gleich der Gewichtskraft ist, muss man diese messen. Dazu müssen Sie wissen, wie viel Wasser die Titanic verdrängt. Das können Sie sich folgendermaßen überlegen: Die Titanic war 269 Meter lang und im Durchschnitt 20 Meter breit. Vorne war sie etwas schlanker, in der Mitte etwas breiter, aber im Durchschnitt 20 Meter breit. Sie hatte 10 Meter Tiefgang. Wenn Sie diese drei Zahlen miteinander multiplizieren, kommt 53.800 raus. Jetzt müssen Sie nur noch wissen, dass 1 Kubikmeter Wasser eine Tonne wiegt. Das ergibt 53.800 Tonnen. Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm Ein Liter entspricht sozusagen 10 x 10 x 10 Zentimeter – wie ein kleiner Würfel. Den müssen Sie in jeder Dimension um zehn verlängern. Das heißt, da kommt ein Faktor 1.000 raus. Also ist eine Tonne = 1.000 Kilo und 1.000 Kilo entsprechen einem Kubikmeter.
- Woher kommt der Name "Studentenfutter"?01.09., 16:0001.09.2025, 16:0000:01:57
Das Wort "Studentenfutter" taucht schon im 17. Jahrhundert auf. Konkret: 1691 in einem deutschen Wörterbuch von Kaspar von Stieler mit dem Titel "Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs". Dort findet sich ein Eintrag "Studentenfutter" und dazu die lateinische Erklärung: "amygdala cum uvis passis mixta" – also: "Mandeln, gemischt mit Rosinen". Was haben Studenten mit dem Studentenfutter zu tun? Das wird in einem Buch über Kochkunst Anfang des 19. Jahrhunderts erklärt. Dort wird Studentenfutter als typische "Schleckerei" von Studenten beschrieben. Quasi als Snack der Gymnasiasten und Studenten. Der Nuss-Frucht-Mix ist zu dem Zeitpunkt aber lange noch nicht so ausgefallen wie heute und besteht ausschließlich aus Rosinen und Mandeln. Warum ist die Mandel-Rosinen-Mischung bei Studenten so beliebt? Das lag einerseits an den schlechten Essensmöglichkeiten auf dem Campus von Gymnasien und Universitäten. Die Schulen waren nämlich nicht wie heute mit Mensen oder Cafeterien ausgestattet. Da haben sich die Schüler ihre "Schleckereien" eben von zu Hause mitgebracht. Neben süßen Backwaren waren es dann auch mal Mandeln und Rosinen. Studenten kamen außerdem meist aus wohlhabenden Familien. Nun waren Nüsse und Trockenobst recht teuer – es waren Luxusartikel, die sich nur gehobene Gesellschaftsschichten mit genügend Geld leisten konnten. Und weil es vor allem in reicheren Familien möglich war, die Söhne auf Gymnasien zu schicken, etablierte sich gerade in diesen Kreisen das sogenannte "Studentenfutter". Spielten gesundheitliche Überlegungen eine Rolle? Ja, man ist damals davon ausgegangen, dass Nüsse gut für die Konzentration seien. Trockenobst wiederum sollte gegen verschiedene Krankheiten helfen. So wurde den Studenten zum Beispiel in Gesundheitsratgebern empfohlen, gegen Schwindsucht oder Verstopfung Rosinen oder getrocknete Pflaumen zu essen.
- Gibt es aggressionsfreie Kulturen?29.08., 12:0029.08.2025, 12:0000:01:48
Aggressionsneigung bei allen Menschen vorhanden Man kann sagen, dass Aggression ein verbindendes Element der Kulturen ist. Zwar gibt es keinen Aggressionstrieb im engeren Sinn, wie das früher vielleicht behauptet wurde. Aber es gibt bei allen Menschen eine gewisse Aggressionsneigung. Außerdem kann man feststellen, dass diese Neigung bei Männern tendenziell höher ist als bei Frauen, wenn wir Aggression nicht nur als Aggression mit Worten oder durch Witze auffassen, sondern als körperliche Gewalt. Diese Tendenz ist bei Männern eindeutig quer durch alle Kulturen gleich. Kulturen gehen unterschiedlich mit Gewalt um Kulturen unterscheiden sich sehr stark darin, inwiefern sie dieses Verhalten fördern oder etwas dagegen tun. Es gibt Kulturen, die die Männlichkeit ganz explizit unterstützen, indem sie Jungen verbieten zu weinen, sehr früh Kampfspiele einführen usw. und das bei Mädchen anders handhaben. Allerdings gibt es auch Kulturen, die genau das Gegenteil machen. Dort versucht man, sehr ausgleichend zu wirken und sogar Aggression bei Konflikten zu verhindern. Aber es gibt kein Volk, das als glückliche, friedliche Ethnie vom Himmel gefallen ist. Das ist die interessante Erkenntnis: Alle Kulturen müssen gegen Aggression explizit aktiv werden, wenn sie sie einschränken wollen. Mit Ritualen und Gesprächen gegen Aggression In Malaysia gibt es zum Beispiel Kulturen, die, wenn ein gewaltsamer Konflikt droht, die beiden Parteien zusammenführen und in einem Ritual die Wichtigkeit des friedlichen Umgangs für die ganze Gruppe betonen. Das wird sehr aktiv mit viel Aufwand, vielen Ritualen und vielen Gesprächen betrieben und zwar so, dass jeder der beiden Kontrahenten mit geradem Rückgrat aus diesen Verhandlungen wieder herausgehen kann. Auf diese Weise wird Aggression abgebaut bzw. verhindert.
- Wie entsteht das Durstgefühl im Körper?28.08., 16:0028.08.2025, 16:0000:02:35
Wichtig: richtiges Verhältnis von Wasser und Salz Durst signalisiert uns: Wir sollten etwas trinken. Also könnte man denken, der Körper stellt irgendwie fest, dass Wasser fehlt. Aber so einfach ist es nicht. Denn unser Körper braucht nicht nur Wasser, sondern auch Salz. Und das Verhältnis zwischen beiden muss stimmen – es sollte weder zu viel Wasser noch zu viel Salz da sein. Deshalb muss unser Körper das ständig ausbalancieren. Man kann sich das am Beispiel einer Brühe auf dem Herd vorstellen: Wenn Wasser beim Kochen verdunstet, schmeckt die Brühe salziger; dann muss man Wasser hinzufügen. Die Brühe kann man im Beispiel gleichsetzen mit unserem Blut. Und jetzt kommt das Gehirn ins Spiel: Das untersucht, wie viel Salz im Blut ist. Wenn zu viel Salz im Blut ist, heißt das: Wir brauchen mehr Wasser. Diese Information wird an andere Regionen im Gehirn weitergeleitet. Die sorgen dafür, dass wir Durst empfinden. Außerdem geht ein Signal an unsere Nieren raus. Die leiten normalerweise überschüssiges Wasser aus dem Blut in den Urin ab. Aber wenn das Durstsignal kommt, leiten sie nur noch so viel Wasser ab, wie unbedingt nötig. Unser Urin wird dadurch salziger, konzentrierter – und bekommt eine starke gelbe Farbe. Wie sorgt der Körper dafür, dass wir nicht zu viel trinken? Nicht zu viel zu trinken ist eine Herausforderung, denn es kann schon mal eine halbe Stunde dauern, bis das Wasser nach dem Trinken im Blut angekommen ist. Bis dahin würde das Gehirn ja das Signal bekommen, dass Wasser fehlt. Und wir würden weiter Durst haben und Wasser trinken. Zu viel Wasser kann aber auch gefährlich sein. Deswegen kommen noch andere Sensoren ins Spiel. Die messen, wie viel Wasser ungefähr durch unseren Mund und unsere Kehle kommt. Und es gibt Sensoren im Darm, die registrieren, was wir getrunken haben – also wie viel Salz da drin ist. Das geht schnell: Innerhalb weniger Sekunden kommt diese Info im Gehirn an und sorgt dafür, dass das Durstsignal gestoppt wird. Kann man diesen Mechanismus manipulieren? Die Sensoren in Mund und Kehle, die messen, wie viel wir trinken, reagieren auch auf Temperatur. Vermutlich liegt das daran, dass wenn wir viel trinken, unser Mund dabei kühler wird. Das heißt: Wenn man den Mund kühlt, kommt das gleiche Signal an, wie wenn wir etwas getrunken haben. Das sollte man nur machen, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel wenn man im Krankenhaus ist und nichts trinken darf. Dann kann es helfen, einen Eiswürfel zu lutschen, um das Durstgefühl zu stillen.
- Gibt es auf dem Mond Jahreszeiten?24.08., 07:0024.08.2025, 07:0000:02:50
Heiße Tage und kalte Nächte auf dem Mond Ja, auf dem Mond gibt es Jahreszeiten. Allerdings fallen die auf dem Mond nicht so auf. Denn dort lebt nichts. Es gibt keine Blätter, die gelb werden, keine Tiere, die Winterschlaf halten und kein Knospen, die im Frühling sprießen würden. Aber Jahreszeiten haben vor allem physikalische Aspekte. Das fängt bei den Tageslängen an: Im Sommer sind die Tage lang, im Winter sind sie kurz. Diese Unterschiede sind um so stärker, je näher man an den Polen ist. Der zweite Aspekt ist die Temperatur. Im Sommer ist es eher warm, im Winter kalt – jedenfalls in unseren Breiten. Das hängt mit den Tageslängen zusammen, aber auch damit, dass die Sonne im Sommer höher über dem Horizont steht als im Winter. Das liegt daran, dass die Erdachse geneigt ist, und zwar um etwas mehr als 23 Grad. Deshalb bekommt ein halbes Jahr lang die Nordhalbkugel und ein halbes Jahr die Südhalbkugel mehr Sonne ab. Und daher erleben wir auf der Erde Sommer und Winter. Auch die Mondachse ist geneigt, allerdings viel schwächer. Statt über einen Winkel von 23 Grad reden wir hier über 1,5 Grad. Daher sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter auf dem Mond viel geringer. Was nicht heißt, dass es auf dem Mond nicht auch krasse Temperaturschwankungen gibt. Aber die kommen vor allem durch den Unterschied zwischen Tag und Nacht. Der Mond hat keine Atmosphäre, die Wärme speichern könnte. Darum sind die Nächte auf dem Mond immer sehr kalt, in manchen Kratern bis zu minus 233 Grad Celsius. Die Tage dagegen sind immer sehr heiß, nämlich bis zu 123 Grad Celsius. Wichtig für Mondmissionen: im Winter mehr Eis Und es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem Mondwinter und Mondsommer. Für den interessiert sich auch die NASA sehr. Und wie auf der Erde macht sich der Unterschied zwischen Sommer und Winter am stärksten bemerkbar an den Polen. Die obersten Bergspitzen der polaren Mondkrater bekommen zwar fast ganzjährig Sonnenlicht ab und nur ein sehr kleiner Teil fällt im Winter tatsächlich dauerhaft ins Dunkle. Der ist aber besonders interessant, weil die NASA in diesen schattigen Regionen rund um die Pole kürzlich Eisvorkommen nachgewiesen hat, also tatsächlich gefrorenes Wasser auf dem Mond. Die Menge dieser gefrorenen Wasservorkommen vor allem an der Oberfläche schwankt tatsächlich mit den Jahreszeiten. Im Winter gibt es also etwas mehr Eis als im Sommer. Das ist eine kleine, aber für Mondmissionen sehr wichtige Gemeinsamkeit mit den Jahreszeiten auf der Erde. Quellen Seasons of Ice: Water Ice Migration and Seasonal Transient Shadow at the Lunar Poles Moon Essentials: Seasons Der Mond: Gravitation und Temperatur
- Könnte man Milch künstlich herstellen?21.08., 07:0021.08.2025, 07:0000:02:27
Kuhlose Milch gibt es ja insofern, als es heute in jedem Supermarkt all diese Milchersatzprodukte gibt: Sojamilch, Hafermilch, Mandelmilch – und wie sie alle heißen. Das geht ja eigentlich schon in die Richtung: Man hat eine pflanzliche Basis, zum Beispiel eingeweichte und ausgepresste Sojabohnen oder pürierte Mandeln, und versetzt diese mit genau der Menge Wasser, die nötig ist, damit die Mischung zumindest dem Eiweiß- und Fettgehalt der Milch möglichst nahe kommt. Die Beispiele machen aber auch zugleich die Schwierigkeit deutlich: Soja- oder Hafermilch schmeckt deutlich anders als Milch und enthält vieles eben nicht, was Kuhmilch enthält. Deshalb werden diese Getränke oft zusätzlich angereichert, zum Beispiel mit Kalzium. Milch enthält neben Wasser hunderte weitere Substanzen Mit anderen Worten: Die Hauptbestandteile der Milch sind zwar Wasser, Milchzucker, Fett und Eiweiß, aber daneben stecken hunderte weitere Substanzen in der Milch drin. Allein unter den Eiweißen sind es mehr als hundert verschiedene. Und selbst das Fett ist nicht einfach so als Fett drin. Die winzig kleinen Fettkügelchen bekommen vielmehr im Euter noch ein paar dünne Schichten umgelegt, damit das Fett in Emulsion gehen kann, sodass sich das Fett und das Wasser mischen. Guter Milchersatz nur durch hohen Ressourcenverbrauch zu erzielen Die Herstellung von künstlicher Milch, die wirklich der echten Milch noch näher kommt als Soja- oder Hafermilch, würde am Ende auch ziemlich aufwändig werden – so aufwändig, dass es vom Ressourcenverbrauch nicht unbedingt sparsamer wäre. Und je nachdem, was es dann kostet, müssten sich ja genügend Leute finden, die den Preis auch bereit wären zu zahlen. Es ist aber nicht so, dass man es nicht probiert hätte. Ich habe einen ZEIT-Artikel aus dem Jahr 1962 gefunden. Der berichtet von Experimenten in England, wo Wissenschaftler großspurig angekündigt haben, Milch aus genau dem Rohmaterial herzustellen, von dem sich auch die Kuh ernährt, nur eben ohne den Umweg über die Kuh. Stattdessen werde das Gras destilliert und hinterher mit Kohlenhydraten, pflanzlichen Fetten und Mineralsalzen angereichert. Noch im selben Jahr, wie gesagt, das war 1962, sollte mit der Massenproduktion begonnen werden – aber ich habe nichts darüber gefunden, ob da jemals etwas draus geworden ist. Und so wie es beschrieben ist, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das milchähnlicher gewesen wäre als Sojamilch.
- Wie entstehen Locken?20.08., 16:3020.08.2025, 16:3000:01:50
Krümmung des Haars hängt von mehreren Faktoren ab Die Haare entstehen im Haarfollikel. Das ist der kleine Sack, der sich unterhalb der Haut befindet. Die Krümmung der Haare hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Das Wichtigste ist der Querschnitt des Haares im Haarfollikel. Er kann rund sein – dann werden die Haare glatt. Ist der Querschnitt oval bzw. elliptisch, bekommen die Haare einen Drall. Rund oder oval – auf den Querschnitt des Haars kommt es an Das ist ungefähr so wie beim Geschenkeverpacken: Wenn man das Geschenkband über eine Schere zieht, dehnt man es an einer Seite. Dadurch bekommt es die Krümmung. Wenn das Haar nun also einen elliptischen Querschnitt hat, bekommt es diese Krümmung mit. Als weiterer Aspekt kommt die Schwerkraft hinzu. Das heißt, in den ersten Zentimetern zieht das Haar mit seinem Eigengewicht noch ein bisschen. Dann aber reicht das Gewicht des Haars nicht mehr, um es glatt zu ziehen. Und dann krümmt es sich. Das erklärt auch, wie es kommt, dass sich aus vielen Haaren eine Locke bildet, sie sich also scheinbar synchron krümmen. Woher weiß ein Haar, in welche Richtung sich sein Nachbar krümmt? Die Antwort: Die Haare krümmen sich eben nicht erst "draußen", sondern die die Krümmung ist schon im Haarfollikel angelegt. Da die Haare einer Person eine ähnliche Struktur haben – und für alle das Gravitationsgesetz gilt – zeigen sie ein ähnliches Wachstum.
- Wie kann die Sonne ohne Sauerstoff brennen?20.08., 07:0020.08.2025, 07:0000:02:43
"Brennen" ist das falsche Wort für das, was auf der Sonne passiert. Verbrennung wäre ein chemischer Prozess, bei dem bestimmte Atome mit Sauerstoff reagieren und sich verbinden. Dabei wird Energie frei, aber die Masse als solche – die Atome und somit die Materie – bleiben erhalten. Wenn z.B. Wasserstoff verbrennt, verbindet er sich mit Sauerstoff, daraus entsteht Wasser. Aber es sind hinterher noch genauso viele Sauerstoff- und Wasserstoffatome wie vorher. Wasserstoffatome fusionieren zu Heliumatom Auf der Sonne dagegen passiert etwas ganz anderes. Dort verschmelzen kleine Atome zu neuen, großen Atomen. Konkret: Jeweils vier Wasserstoffatome fusionieren zu einem Heliumatom. Jedesmal wird dabei ein Hundertstel der ursprünglichen Masse in Energie umgewandelt. Wir wissen von Albert Einstein, dass Masse auch eine Form von Energie ist. Das heißt: Bei Umwandlung von einem Gramm Wasserstoff in Helium entsteht eine Energie von 180.000 Kilowattstunden. Wie gesagt, bei einem Gramm. Es sind aber 6 Milliarden Tonnen Wasserstoff, die die Sonne in Helium umgewandelt, und das Sekunde für Sekunde. Dadurch entsteht im Inneren der Sonne diese Hitze, die wir uns gar nicht vorstellen können: 15 Millionen Grad. Dagegen sind die 6.000 Grad an der Sonnenoberfläche vergleichsweise wenig. Wird die Kernfusion auf er Sonne irgendwann enden? In etwa fünf Milliarden Jahren geht der Wasserstoffvorrat allmählich zur Neige. Je mehr Wasserstoff zu Helium verschmilzt, desto mehr dehnt sich die Sonne aus. Dann bläht sie sich auf zu einem sogenannten "roten Riesen" – 150 Mal so groß wie heute. Die Erde ist bis dahin längst unbewohnbar. Der Druck im Inneren der Sonne ist in der Zwischenzeit so groß geworden, dass die Helium-Atome ihrerseits weiter miteinander zu noch größeren Atomen verschmelzen, nämlich zu Kohlenstoff und Sauerstoff. Am Ende wird aus der Sonne ein Weißer Zwerg Wenn dann auch das Helium aufgebraucht ist, fällt die Sonne in sich zusammen und endet in 8 Milliarden Jahren als Weißer Zwerg. Sie wird dann etwa so groß sein wie die Erde heute, aber ein würfelzuckergroßes Stück dieses Weißen Zwerges würde 2 Tonnen wiegen. Das ist das typische Ende eines durchschnittlichen Sterns, wie die Sonne einer ist.
- Klimawandel: Führt mehr Hitze zu mehr Waldbränden?19.08., 08:3019.08.2025, 08:3000:03:11
Zündquelle und trockenes Brennmaterial sind Voraussetzung für Waldbrand Grundsätzlich führt mehr Hitze zu mehr Waldbränden, aber die Zusammenhänge sind nicht ganz so simpel, wie man denken könnte. Lassen wir den Klimawandel kurz beiseite und klären: Was hat Hitze mit Waldbränden zu tun? Durch heißes Wetter allein fängt kein Wald an zu brennen. Selbst Hitzetage von 40°C reichen nicht, das müssen schon 200°C, eher 300°C Grad sein. Sprich: Es braucht eine Zündquelle – also eine weggeworfene Zigarette oder einen Idioten, der absichtlich ein Feuer legt. Manchmal entstehen Waldbrände auch durch Blitzeinschlag, aber das sind im Vergleich sehr wenige. Und entgegen landläufiger Meinung spielen Glasscherben eine vernachlässigbare Rolle. Ohne eine Zündquelle entstehen keine Waldbrände, egal wie heiß es ist. Es braucht ausgetrocknetes, leicht entzündliches Brennmaterial. Waldbrände entstehen in der Regel nicht an den Bäumen, sondern am Boden – an herumliegendem Laub und anderen toten Pflanzenresten. Und die sind vor allem dann besonders trocken, a) wenn sie schon lange dort liegen und b) wenn es lange nicht geregnet hat. Das unabhängig von der Temperatur. Ein Waldbrand kann auch nach längerer Trockenheit im Winter entstehen, wenn die Pflanzenreste vom Vorjahr noch kaum zersetzt, aber schon ziemlich ausgetrocknet sind, und gleichzeitig noch nichts Neues, Lebendiges von unten nachgewachsen ist. Hitze entzieht dem Waldboden Feuchtigkeit Waldbrände entstehen aber auch im Sommer, und an der Stelle kommt die Hitze doch ins Spiel. Hätten wir jeden Tag einen schönen Sommerregen, wäre die Hitze kein Problem. Sie spielt aber eine Rolle, wenn es länger nicht regnet. Denn je heißer es ist, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen, desto schneller verdunstet der Rest an Feuchte, der im Boden oder in der Bodenauflage ist. Bei anhaltenden Dürreperioden trocknet der Boden deshalb bei heißen Temperaturen schneller aus und, das, was am Boden rumliegt, kann sich in der Folge umso leichter entzünden. Und wenn erstmal ein kleiner Brandherd entstanden ist, breitet sich das Feuer umso schneller aus. Das hängt aber auch vom Wind ab, der ist ein wesentlicher Faktor bei der Ausbreitung von Bränden. Mehrere Faktoren spielen zusammen, damit es zum Waldbrand kommt Die Hauptfaktoren bei Waldbränden sind also Dürren – egal zu welcher Jahreszeit – sowie die Zahl von Leuten, die absichtlich oder versehentlich Feuer legen. Hitze spielt nicht die wichtigste Rolle. Trotzdem, wenn alle anderen Faktoren gleichbleiben – die Zahl der weggeworfenen Kippen, die Zahl der regenfreien Tage und so weiter, dann erhöht Hitze das Risiko von Bränden, weil die Böden schneller austrocknen. Waldbrandrisiko steigt durch längere Dürreperioden Jetzt zum Klimawandel. Der Klimawandel könnte durchaus die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden erhöhen. Und zwar gar nicht so sehr wegen der höheren Temperaturen. Klimawandel heißt ja nicht einfach, dass jeden Tag alles ein bisschen wärmer wird. Der Klimawandel verändert aber die Verteilung von Niederschlägen. Er führt dazu, dass wir im Schnitt häufigere, teilweise lokale Starkregen haben, dazwischen aber längere Dürreperioden. Das ist der eigentliche Faktor, der dazu führen könnte, dass bei steigenden globalen Temperaturen das Waldbrandrisiko steigt. Außer, wenn die Vernunft der Menschen im Umgang mit Brandgefahren im gleichen Maße wächst.
- Wie sind die Böden entstanden?18.08., 12:0018.08.2025, 12:0000:02:34
Aus Magma entstanden Sand, Schluff und Ton Aus Magma sind zunächst Steine entstanden, die dann verwitterten: Die Sonne schien darauf, es war warm, es war kalt und Wasser hat die Steine zermahlen. Das Material wurde immer feiner und es entstanden Sand, Schluff und Tonpartikel. Das ist das Ausgangsmaterial, aus dem Böden entstanden. Boden ist aus 3 verschiedenen Korngrößen aufgebaut Bodenwissenschaftler unterscheiden verschiedene Körnungen von mineralischem Material. Wenn Sie etwas Boden in die Hand nehmen und zwischen den Fingern verreiben, spüren Sie kleine Körner. Was Sie in dieser Größenordnung spüren ist das, was Bodenkundler als Sand ansprechen. Was in Ihren Fingerrillen hängen bleibt und was Sie durch Abschlagen nicht wieder loswerden – das ist Schluff. Schluff hat eine mehlige Korngröße. Noch feiner und von seiner Struktur nicht mehr eher rund, sondern plättchenförmig, sind die Tonteilchen. Man erkennt die Unterschiede unter einem stark vergrößernden Mikroskop. Aus diesen drei Korngrößen sind die mineralischen Bestandteile unserer Böden aufgebaut – in unterschiedlicher Zusammensetzung. Mal dominiert das eine, mal das andere. Zusammensetzung bestimmt die Eigenschaft der Böden Die Zusammensetzung hat wesentlichen Einfluss auf die Struktur der Böden und auf ihre Eigenschaften: Wie viel Wasser sie speichern können, wie gut sie sich erwärmen, wie viel Luft sie enthalten, ob sie sich gut eignen als Pflanzenstandort oder andere gute Eigenschaften haben.
- Was ist Schmerz?16.08., 08:0016.08.2025, 08:0000:01:15
"Unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis" Wir suchen in der Medizin immer nach ganz klaren Definitionen. Wir hätten immer gerne etwas Messbares: den Blutzuckerspiegel oder einen Blutdruckwert, um darauf mit einem Medikament reagieren zu können. Schmerz ist nach internationaler Definition "ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis". Es kommt darauf an, was man mit dieser Sinnesinformation macht und sich z.B. die Frage stellt, wie viel Angst das macht. "Schmerz ist immer subjektiv" In der internationalen Definition ist auch folgende Formulierung enthalten: "Schmerz ist immer subjektiv." Das bedeutet, dass man von außen niemals beurteilen kann, welche Schmerzen ein Mensch hat. Das ist die wesentliche Kernbotschaft: Was mir ein Patient rückmeldet, das hat er! Das darf ich als Arzt nicht anzweifeln, denn sonst kann ich keine wirksame therapeutische Beziehung zu dem Patienten aufbauen.
- Wie schlafen Fische im Fluss, ohne von der Strömung abgetrieben zu werden?15.08., 14:0015.08.2025, 14:0000:02:37
Fische ruhen an ruhigen Stellen mit geringer Strömung Wenn Forellen schlafen, suchen sie im Fluss ruhige Stellen auf – Unterstände, wo die Strömung nahezu null ist. Das kann in kleinen Nischen sein oder auch nahe am Boden des Flusses, wo die Strömung sehr viel geringer ist als nahe an der Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, dass bei der Renaturierung von Flüssen dafür gesorgt wird, dass solche ruhigen Unterstände vorhanden bleiben. Die Fische können dort ruhen, ohne weggetrieben zu werden. Zebrafische: Sekundenschlaf schützt vor weitem Abdriften Es gibt aber offenbar noch einen anderen Mechanismus, auf den mich der Fischwissenschaftler Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie aufmerksam gemacht hat: Man hat bei Zebrafischen festgestellt, dass die nicht nur nachts schlafen, sondern auch tagsüber kurze Schlafphasen haben, die oft nur ein paar Sekunden dauern und dann abgelöst werden von Phasen mit sehr hoher Aktivität. Der Schlaf ist also ein Sekundenschlaf und so kurz, dass die Fische nicht weit verdriftet werden können. Bei Zebrafischen sind die Brustflossen auch im Schlaf aktiv Außerdem hat man beim Zebrafisch festgestellt, dass die Brustflossen auch im Schlaf aktiv sind – zumindest aktiv genug, dass die Fische die Stellung halten können. Bei den Forellen ist das weniger gut erforscht, aber der Zebrafisch wird in der Wissenschaft sehr häufig benutzt, um allgemeine Mechanismen bei Fischen zu erforschen. Insofern ist zu vermuten, dass es bei der Forelle ähnlich sein wird. Wie schaffen es die Fische, sich zu orientieren und ihre Position zu halten? Fische haben ganz andere Sinnesorgane als wir. Sie können sich optisch sehr gut orientieren und verfügen über ein eigenes Sinnesorgan, das sogenannte Seitenlinienorgan. Das heißt so, weil es wie ein Kanal ist, der sich an der Seite des Fisches entlang zieht und mit dem sie extrem gut feinste Strömungsunterschiede erfassen können.
- Was bedeutet es, wenn eine Briefmarke schräg auf dem Umschlag klebt?14.08., 16:0014.08.2025, 16:0000:01:31
Das kann vieles bedeuten – oder gar nichts. Richtig ist: Briefmarken wurden, vor allem früher, für mehr oder weniger geheime Liebesbotschaften verwendet. Es gibt auch Anleitungen, welche Briefmarkenposition was zu bedeuten hat. Briefmarkensprachen-"Übersetzungshilfen" sind nicht einheitlich In der einen Anleitung bedeutet die schräge Briefmarke: "Komm bald", nach einer anderen bedeutet sie "Treffpunkt wie immer". Bei manchen kommt es darauf an, ob die Briefmarke rechtsrum schräg ist oder linksrum schräg. Oder ob das Motiv auf dem Kopf steht – das kann dann auch eine negative Bedeutung haben wie: "Warum schreibst Du nicht?" Diese Briefmarkensprachen entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts. Das erste Heftchen mit Deutungshilfen erschien um das Jahr 1900, später wurden sie ersetzt durch einfache Karten, auf denen für alle erdenklichen Briefmarkenpositionen die "Übersetzung" stand. Die Frage ist, inwieweit diese Briefmarkensprache in der Praxis wirklich genutzt wurde, oder ob das einfach nur ein Verkaufs-Gag war. Denn letztlich nützte diese Briefmarkensprache ja nur dann etwas, wenn das Gegenüber wusste, was damit gemeint war. Und das war nun mal nicht einheitlich geregelt. Falls Sie heute einen Brief mit schräger Briefmarke bekommen, ist es wohl das Beste, sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen – vermutlich bedeutet es einfach nur: "Ich hatte es eilig".
- Warum wachsen im Alter Haare in Ohr und Nase, während sie auf dem Kopf eher ausfallen?13.08., 15:3013.08.2025, 15:3000:03:15
Mal mehr, mal weniger: Testosteron steuert Haarwuchs je nach Körperstelle Das Thema betrifft vor allem Männer. Viele wundern sich über den Widerspruch, dass auf dem Kopf die Haare weniger werden und an anderen Körperstellen der Haarwuchs zunimmt. Der Hautarzt Gerhard-Alfons Lutz erklärt, dass zwei Faktoren eine Rolle spielen: der Hormonhaushalt und die genetische Programmierung der Haarfollikelzellen. Mit Hormonen ist vor allem Testosteron gemeint, denn es wirkt an unterschiedlichen Stellen der Haut verschieden: Auf dem Kopf sind die Hautzellen so programmiert, dass Testosteron die Haare ausfallen lässt, während im übrigen Körper das Testosteron zu verstärktem Haarwachstum führt. Das heißt, auf dem Kopf hat das Testosteron eine wachstumshemmende, in der Nase, zwischen den Augenbrauen oder auch auf der Brust, dem Rücken und dem Bauch dagegen eine wachstumsfördernde Funktion. Erblich bedingt: Reaktion der Haarwurzeln auf das Testosteron So kommen Jungs in der Pubertät zu ihrer Körper- und Schambehaarung, weil das Testosteron das Haarwachstum am ganzen Körper anregt. Gleichzeitig fängt bei manchen jungen Männern das Haar schon mit Anfang 20 an, sich zu lichten – es klingt widersprüchlich, aber beides ist eine Folge von Testosteron. Wie stark die Haarwurzel aber – in die eine oder andere Richtung – auf Testosteron reagieren, ist sehr stark erblich bedingt. Glatze: Wenn die Haare nicht mehr nachwachsen Es gibt eine US-Studie, die gezeigt hat, wie Glatzen entstehen. Zu einer Glatze kommt es ja nicht deshalb, weil Haare ausfallen – das tun sie ohnehin regelmäßig – sondern weil sie nicht mehr nachwachsen. Und das wiederum liegt offenbar daran – zumindest ergab das die Studie – dass die entsprechenden Stammzellen in der Kopfhaut sich nicht weiterentwickeln. Das heißt, in der Kopfhaut gibt es Stammzellen, die sich normalerweise weiterentwickeln und zu Haarfollikelzellen spezialisieren. Manchmal tun sie das aber nicht; dann bleiben die Zellen in ihrem unreifen Stammzellstadium und entwickeln sich nicht weiter. Warum das aber so ist, dass Stammzellen nicht weiter reifen, ist noch nicht geklärt. Evolution: Nicht jede Entwicklung bringt einen Überlebensvorteil Warum aber hat es die Natur so eingerichtet, dass Männer einerseits Glatzen bekommen, andererseits sich die Körperbehaarung jedoch verdichtet? Das konnte mir niemand sagen, auch beim Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie hatten sie keine Erklärung dafür. Vermutlich ist der zunehmende Körperhaarwuchs eher eine Begleiterscheinung. Also einfach die Fortsetzung dessen, was in der Pubertät unter dem Einfluss von Testosteron sehr schnell geht – nämlich dass überall am Körper plötzlich verstärkt Haare wachsen. Das hört nicht auf, sondern geht einfach verlangsamt weiter und stört ansonsten nicht. Es ist ja häufig so in der Evolution, dass man bestimmte Phänomene nicht damit erklären muss, dass sie einen unmittelbaren Überlebensvorteil bringen. Sondern in der Evolution kann sich auch manches entwickeln, was als Nebeneffekt von etwas anderem entsteht, solange es nicht weiter stört bzw. das Überleben und die Fortpflanzung nicht beeinträchtigt. Dazu gehören eben auch Haare auf dem Rücken oder auf den Ohren ebenso wie die berühmten dichten Augenbrauen von Theo Waigel – sie haben noch keinen Mann umgebracht geschweige denn davon abgehalten, Kinder in die Welt zu setzen. Und das ist das, worauf es in der Evolution ankommt.
- Wie entwickelt sich Humor bei Kindern?10.08., 07:0010.08.2025, 07:0000:03:59
Schon Humor oder noch Reflex? Entwicklungspsychologen konnten zeigen: Das geht schon im ersten Lebensjahr los. Wobei man genau hingucken muss: Wenn ein Baby lacht, wenn man es kitzelt – und das tut es schon mit vier Monaten – ist das wirklich schon Humor? Oder nur ein Reflex oder einfach soziales Lachen? Das ist nicht so ganz klar. Aber dann kommen schon im frühen Alter auch andere Situationen, in denen es eindeutiger ist. Eltern kennen das, wenn sie zum Beispiel gegenüber ihren Kleinkindern eine pseudo-fiese Grimasse ziehen oder sie es zum Schein durchs Zimmer jagen. Das finden Kinder in der Regel ja auch schon lustig – solange es die eigenen Eltern sind, erkennen sie: Die wollen mir jetzt nicht wirklich was böses, sondern das ist nur Spaß. Humor durch Beobachtung erlernen Wenn dagegen ein Fremder eine fiese Grimasse zieht, macht ihnen das eher Angst. Und das deutet auch auf die soziale Bedeutung von Humor hin. Gemeinsames Lachen verbindet ja auch. Und da konnte man zeigen, dass diese Art von Humor tatsächlich schon im Säuglingsalter beginnen kann, bei etwa sechs bis acht Monaten. Dass es da aber auch sehr darauf ankommt, was sie an Humor bei ihren Eltern beobachten können. Das heißt, sie lernen Humor am Anfang vor allem auch durch Nachahmung: Sie machen die Erfahrung, dass Eltern in bestimmten Situationen lachen. Oder die Augen aufreißen und so tun, als würden sie dem Kind die Rassel wegnehmen wollen, wo aber offensichtlich ist: Sie wollen es nicht wirklich, sie machen nur einen Spaß. Humor ist der Bruch mit Erwartungen Grundsätzlich gibt es sehr viele Arten von Humor, auch bei Kindern. Aber wenn man nach einem gemeinsamen Nenner sucht, dann ist es vielleicht der: Humor bricht immer mit irgendeiner Form von Erwartung. Psychologen nennen das das "Inkongruenzprinzip". Das gilt für den Slapstick-Humor bis zum Sprachwitz. Ob sich das Kind einen Topf über den Kopf zieht und damit lachend durchs Zimmer läuft oder ob es, wenn es ein bisschen älter ist, ein Wortspiel macht oder eine ironische Bemerkung – jede humorvolle Situation beinhaltet irgendeinen Bruch mit Erwartungen, irgendwas fällt aus dem Rahmen. Das gilt auch, wenn sich ein Kind darüber königlich amüsieren, wenn es mit kleinen Tabus bricht – also zum Beispiel böse Wörter wie "Kacka" in den Mund nimmt oder seine Eltern sonst wie veralbert. Dieses Brechen von Erwartungen, das Umdeuten eines Kontextes, ist eine kognitive Leistung, die ein Kind erst mal lernen muss. Auf einer kognitiven Ebene bedeutet Humor haben also: zu verstehen, dass eine Handlung auch mal nicht ernst gemeint ist. Das ist ja das Wesen der Ironie: Ich sage etwas, meine aber das Gegenteil, und das zu verstehen, ist eine Voraussetzung von Humor. Sofern es sich um sprachliche Äußerungen handelt, können Kinder das etwa im Alter von 2 bis 3 Jahren lernen. Aber andere Formen von Humor, wo es einfach darum geht, unernste Situationen als solche zu erkennen, das geht schon im ersten Lebensjahr los. So verfeinert und erweitert sich der Humor im Lauf der weiteren Entwicklung.
- Warum befindet sich die Kommandobrücke bei Schiffen mal hinten, mal vorne, mal in der Mitte?09.08., 07:0009.08.2025, 07:0000:02:56
Vertikalbeschleunigung ist hinten am geringsten Wenn sich Schiffsbauer fragen, wohin die Brücke soll, gibt es mehrere Kriterien. Wichtigstes Kriterium: Wo steuert es sich am angenehmsten? Das ist ganz klar: hinten. Denn dort ist die sogenannte Vertikalbeschleunigung am geringsten, dort müssen die Kapitäne also die geringsten Auf- und Abbewegung verkraften – das ist nicht nur magenfreundlich, sondern erleichtert bei starkem Seegang auch die Steuerung. Warum ist es hinten am angenehmsten? Schiffe bewegen sich im Seegang auf und ab – diese Bewegung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Zum einen kippt ein Schiff vor und zurück: Der Bug geht hoch, das Heck geht runter und umgekehrt. Diese Kipp-Bewegung ist das so genannte "Stampfen". Daneben bewegen sich Schiffe aber auch als Ganzes auf und ab – das bezeichnet man als "Tauchen". Diese beiden Bewegungen überlagern sich – und im Ergebnis führt das dazu, dass sie sich vorne addieren, also verstärken – und hinten subtrahieren, also sich eher gegenseitig aufheben. Stellen Sie sich ein Schiff vor: Es fährt vorwärts gegen eine Welle. Die Welle hebt nun zum einen das Schiff als Ganzes an, aber den Bug ganz besonders. Deshalb addieren sich vorne beide Aufwärtsbewegungen – während das Heck zum selben Zeitpunkt eher nach unten kippt und dadurch die Aufwärtsbewegung des Schiffes ein wenig ausgleicht. Deshalb ist es hinten grundsätzlich angenehmer, denn das Auf und Ab ist gedämpfter. Sinnvolle Raumnutzung spielt eine Rolle Vor allem Fracht- und Containerschiffe haben das Führerhaus hinten. Bei anderen Schiffen geht das aber nicht immer, denn da kommen weitere Kriterien ins Spiel, etwa die Raumnutzung. Es bringt nämlich auch Vorteile, wenn die Brücke möglichst nah am Maschinenraum ist. Wenn Schiffe aber schnell sein sollen, brauchen sie einen umso größeren Maschinenraum. Dafür reicht dann oft hinten der Platz nicht. Also werden Maschinenraum und Brücke dann in der Mitte des Schiffes angeordnet, wo es am breitesten ist. Und es gibt Schiffe, die einen großen Maschinenraum brauchen und außerdem eine große, freie Decksfläche. Das sind zum einen Passagierschiffe, zum anderen Schwergutfrachter, wo die Deckfläche auch für Kräne benötigt wird. In diesen Fällen wird die Brücke, trotz der ungünstigeren Vertikalbeschleunigung, nach vorne gelegt. Danke an: Prof. Dr.-Ing. Stefan Krüger, Naval Architect, Head of Institute, TU Hamburg-Harburg, Institute of Ship Design and Ship Safety / Lisa Hofmann