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Science · Society & Culture

730 Episoden · neueste 14.10.

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Episoden

730
  1. Warum sind Teekannen anders geformt als Kaffeekannen?
    10.10., 16:0000:02:15

    Das hat zum einen historische Gründe, die sich aus der traditionellen Zubereitung beider Heißgetränke herleiten. Kaffee wurde früher aufgekocht. Dabei schäumt er; deshalb die hohe Kaffeekanne. Die bauchigen Teekannen aber kamen mit ihrer Form der früher gängigen Tee-Zubereitungsart entgegen, sagt Teehändler Ernst Janssen: "In einer bauchigen Kanne entwickelte sich der Tee besser, weil er – als Siebe noch nicht gebräuchlich waren – einfach freier schwimmen konnte." Zartes Porzellan – besseres Aroma Die Form der Kannen wiederum wurde zum Teil auf die Tassen übertragen, damit sich ein einheitliches Bild ergibt: Zur bauchigen Teekanne passen eher weite rund geschwungene Tassen. Aber es gibt auch geschmackliche Gründe: Aus einer weiten Tasse getrunken, möglichst mit dünnem Rand, entfaltet sich das Aroma deutlich besser als etwa aus einem typischen Mug – also einer dieser hohen zylinderförmigen Tassen mit dicker Wand, wie sie gerne in Büros stehen. Die sind zwar schön stabil und es passt viel rein – aber für den wahren Teegenuss sind sie weniger empfehlenswert als das klassische Teegeschirr. Tassenhenkel: eine europäische Erfindung Tassen mit Henkel sind übrigens eine Erfindung der Europäer. Als die europäischen Händler im 18. Jahrhundert Tee aus China importierten, brachten sie auch Tassen aus Porzellan mit – die hatten aber noch keine Henkel. Henkel wurden erst in Europa nachträglich "drangebappt". Und erst mit der Zeit stellten sich auch die Chinesen auf diese Vorliebe der Europäer ein und stellten Tassen mit Henkel her. Warnung vor dem Stövchen In der deutschen Teekultur hat sich darüber hinaus ein weiteres Utensil verbreitet, vor dem Ernst Janssen ausdrücklich warnt. Denn etwas sollte man mit Tee nicht tun: ihn aufs Stövchen setzen. Warum? Weil die Hitze durch die Kerze im Stövchen dafür sorgt, dass der Tee "nachzieht". Sie macht ihn dadurch immer bitterer und ungenießbarer.

  2. Wie funktioniert eine Lavalampe?
    10.10., 07:0000:01:58

    Hydrophob und hydrophil: zwei verschiedene Flüssigkeiten im Einsatz In Lavalampen ist natürlich keine echte Lava. Trotzdem sind die Lampen spannend – ein kleines Physik-Experiment im Wohnzimmer. Die hypnotische Bewegung der Blasen in der Flüssigkeit kommt durch die unterschiedliche Dichte der Flüssigkeiten zustande. Die Lampe, die unten im Sockel verbaut ist, ist nämlich nicht nur zum Beleuchten der Glasröhre da, sondern erhitzt auch die "Lava", die in Wahrheit eine zähflüssige Masse ist, ähnlich wie Wachs. Die zweite Flüssigkeit wird Trägerflüssigkeit genannt. Deren Zusammensetzung halten die Hersteller streng geheim. Wichtig für den Effekt ist jedoch, dass sich die beiden Flüssigkeiten nicht mischen, sondern klare Blasen geformt werden können. Das geht, weil die Trägerflüssigkeit hydrophil, also "wasserliebend", ist. Das Wachs dagegen ist eine hydrophobe Flüssigkeit und damit wasserabweisend. Hydrophile und hydrophobe Flüssigkeiten mischen sich nicht. Auch auf die Dichte kommt es an Die Trägerflüssigkeit hat außerdem eine geringere Dichte als das Wachs und schwimmt deshalb oben. Zumindest solange die Lampe ausgeschaltet ist. Schalten wir nun die Lampe ein: Das Wachs ist am Anfang fest und liegt auf dem Boden. Lässt man die Lampe jedoch lang genug brennen, erhitzt sie die beiden Stoffe. Das Wachs verändert seine Dichte pro Temperatureinheit jedoch stärker als die Trägerflüssigkeit. Wenn man beide also gleich erhitzt, dehnt sich das Wachs stärker aus und wird dadurch leichter als die Trägerflüssigkeit. Dadurch steigt die "Lava" in Kugelform so lange auf, wie sie heiß und damit leichter ist. Sobald sie oben an der Flasche abkühlt, erhöht sich ihre Dichte wieder; sie wird somit schwerer als die restliche Flüssigkeit und sinkt ab. Am Boden angekommen, erhitzt sich die "Lava" wieder durch die Lampe. So entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf, bis man den Stecker zieht oder die Lampe ausschaltet. Die Strömungen durch die unterschiedliche Dichte in der Lavalampe sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie auch in der Natur die großen Strömungen in unseren Meeren und auch in der Luft durch unterschiedliche Dichten und Temperaturen entstehen.

  3. Warum haben wir Finger- und Zehennägel?
    08.10., 16:3000:02:27

    Evolutionstechnisch sind Finger- und Zehennägel ein Überbleibsel von entfernten Vorfahren, die noch Krallen zum Klettern hatten. Schon bei den Primaten haben sie sich aber zu abgeflachten Nägeln entwickelt, die wir so ähnlich heute immer noch haben. Auch wenn wir nicht mehr mit ihnen klettern: Ohne sie zu leben würde auch kein Spaß machen. Schutz der empfindlichen Zehen- und Fingerkuppen Sie schützen nämlich immer noch unsere empfindlichen Finger- und Zehenkuppen vor Stößen und Verletzungen. In denen sind nämlich viele empfindliche Nerven- und Sinneszellen, damit wir gut tasten und Berührungen wahrnehmen können. Ohne den Schutz der Nägel wären viele Handgriffe unangenehm. Und immer, wenn wir uns stoßen, würde nicht der Nagel den Stoß abfangen, sondern im ärgerlichsten Fall würden wir direkt die Nerven verletzen. Nägel geben Stabilität und unterstützen die Feinmotorik Außerdem geben die Nägel uns zusätzlich Stabilität, um beim Laufen nicht das Gleichgewicht zu verlieren und Dinge besser greifen zu können. Die uns nahen Menschenaffen nutzen ihre kurzen Nägel zudem für feinmotorische Aufgaben, wie das Festhalten von Ästen oder das Entfernen von Zecken. Ähnlich wie bei unseren Fingernägeln helfen dort die Zehennägel, die Gegenstände besser zu fühlen und festzuhalten. Sie sind also auch Werkzeuge. Amerikanische Forscher haben Skelette von Urprimaten gefunden, die schon vor fast 56 Millionen Jahren Fingernägel hatten. Das ist besonders, weil die Primaten damals noch auf Bäumen lebten. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Nägel gleichzeitig mit den Fingerkuppen entwickelt haben. Die waren im Vergleich zu den Fingern vorher so feinfühlig und gut von den Nägeln geschützt, dass die Urprimaten damit wahrscheinlich Äste sicherer greifen und damit geschickt klettern konnten. Ohne Finger- und Zehennägel könnten wir also weder Dinge gut fühlen, noch sicher gehen und balancieren. Doch auch wenn der Schutz sehr gut ist: Auf beiden Seiten der Fingerkuppe einen Nagel zu haben, würde nicht funktionieren. Denn dann könnten wir gar nichts mehr mit unseren Fingerkuppen fühlen. Runter von den Bäumen – ran an die Nagelscheren! Interessanterweise wachsen unsere Finger- und Zehennägel immer noch ständig weiter, was auch eine Erinnerung an unsere Vorfahren mit Krallen ist. Denn damals wurden die Krallen durch das Klettern so stark abgenutzt, dass ständig neue Krallen produziert werden mussten. Natürlich nutzen wir Menschen unsere Nägel heute nicht mehr so stark ab, weshalb regelmäßig die Nagelschere zum Einsatz kommen muss.

  4. Warum wird Wachs transparent, wenn es flüssig wird?
    07.10., 10:0000:02:38

    Ich versuche es mal mit Wasser zu vergleichen und dabei auch den Unterschied zu Wasser zu verdeutlichen. Beide Stoffe – Wasser und Wachs – sind im flüssigen Zustand transparent (reines Wasser natürlich noch ein bisschen mehr als vergleichsweise trübes Wachs). Im festen Zustand gibt es Unterschiede. Wenn Wasser friert, ist das Eis im Idealfall immer noch transparent, wie die Eisschicht auf einer zugefrorenen Pfütze. Sehr oft aber ist das Eis undurchsichtig. Das liegt dann meist an Lufteinschlüssen im Eis. Eis besteht aus gitterförmig angeordneten Wassermolekülen Und man kann es sich etwas vereinfacht so vorstellen: Wenn das Wasser sauber ist, dann geht das Licht durch dieses Gitter durch. Aber dieses regelmäßige Gitter wird oft durch Lufteinschlüsse gestört, und dann wird das Licht an diesen Lufteinschlüssen in die verschiedensten Richtungen reflektiert. Dadurch wird Eis dann undurchsichtig. Wenn Wachs abkühlt und fest wird, wird es auch undurchsichtig. Aber das liegt dann nicht an Lufteinschlüssen, sondern daran dass das Wachs selbst schon ein Stoffgemisch ist. Von Wasser gibt es nur eine Molekülsorte, nämlich H2O. Aber Wachs besteht aus einer ganzen Menge von – zwar ähnlichen – aber unterschiedlich großen Molekülen. Und wenn das Wachs abkühlt, dann entsteht eben kein schönes regelmäßiges Gitter, sondern eine amorphe – d.h. strukturlose – Masse aus ganz unterschiedlich großen Wachskristallen, großen, kleinen, mittleren, die sich in alle möglichen Richtungen ausrichten. Und somit können die Lichtstrahlen eben nicht störungsfrei durchgehen, sondern treffen schon gleich an der Oberfläche auf Moleküle, an denen sie reflektiert oder gestreut werden. Und damit wird das Wachs undurchsichtig. Ein Unterschied zu Wasser ist, dass Wachs bei bestimmten Temperaturen weder richtig flüssig noch richtig fest ist, sondern zähflüssig. Hängt das auch mit dieser Struktur zusammen? Das liegt genau daran, dass die einzelnen Wachsmoleküle unterschiedlich groß sind. Je größer die Moleküle, desto höher ist auch der Schmelzpunkt. Wenn man Wachs abkühlt, verfestigen sich erstmal die großen Moleküle, und dieses Gemisch aus verfestigten und den kleinen noch immer flüssigen Molekülen macht dann in der Summe eine zähflüssige Masse. Je mehr sie abkühlt, desto höher ist der Anteil der verfestigten Wachskristalle, aber dieses Verfestigen ist eben ein kontinuierlicher Prozess, und geschieht nicht, wie beim Wasser, ganz plötzlich.

  5. Exodus: Gab es den Auszug aus Ägypten wirklich?
    06.10., 12:0000:03:59

    Ich denke, es gab den Auszug; die Frage ist, in welcher Form der stattfand. Die Texte entstanden in der Zeit um 600 bis 650 v. Chr., also mit rund 600 Jahren Abstand zu den geschilderten Ereignissen. Es sind also eher fiktive Texte darüber, wie man sich die Frühgeschichte Israels vorgestellt hat. Die hat man sich so vorgestellt, wie man das durch die Assyrer in dieser Zeit erlebt hat, nämlich als kriegerische Landnahme. Historische Fakten zum Auszug aus Ägypten In der Zeit des 14., 13. Jahrhunderts gab es einen völligen Zusammenbruch der damaligen Gesellschaft. Das hat mehrere Gründe. Es gab eine Klimakatastrophe und zeitweise sehr geringe Niederschläge. Der Wasserspiegel des Toten Meeres ist in dieser Zeit so extrem gesunken wie noch nie. Die Klimakatastrophe führte dazu, dass viele Städte aufgegeben werden mussten. Dazu kamen innere Unruhen. Das ist verständlich, denn wenn Menschen keine ausreichenden Verdienste mehr haben, überfallen sie Händler. Das führt mittelfristig zum Zusammenbruch des Handels und zur weiteren Entvölkerung der Städte. Es sind damals viele Leute nach Ägypten abgewandert, das können wir anhand semitischer Personennamen in ägyptischen Texten nachweisen. Die Ramsesstadt, die in Exodus 1 erwähnt wird, ist in dieser Zeit von Pharao Ramses II. groß aufgebaut worden. Da waren sicher auch Arbeitskräfte – Gastarbeiter – aus Palästina bzw. dem späteren Israel dabei. Aus Stadtstaaten wird allmählich ein Flächenstaat Die Leute kehrten aber wieder zurück und wir können feststellen, dass es in dieser Zeit um 1200 eine völlige Neustrukturierung gab. Vorher hatten wir lauter weitgehend autarke Stadtstaaten. Die sind zusammengebrochen und stattdessen entstand im Verlauf von 200 Jahren ein Flächenstaat. Es entstand ein lockeres Bündnis verbündeter Stämme. Es fand kein organisierter Auszug statt Es handelte sich also nicht um einen organisierten Auszug. Das ist bereits eine sehr alte Erkenntnis: Wenn man sich die Zahlen anschaut, die im Numeri-Buch stehen, und sich vorstellt, die Leute wären in Fünferreihen ausmarschiert, dann sind die ersten schon in Palästina, während die letzten sich noch in Ägypten befinden. Das funktioniert nicht.

  6. Warum haben manche Menschen ein absolutes Gehör?
    04.10., 07:0000:03:36

    Was ist der Unterschied zwischen einem absoluten und einem relativen Gehör? Absolutes Gehör bedeutet, dass ich zu jemandem sagen kann "Sing mal ein G!" – und die Person trifft dann genau den richtigen Ton. Das ist eine besondere musikalische Gabe. Selbst die meisten Musikprofis verfügen nur über ein relatives Gehör. Das heißt: Wenn man ihnen die Note C vorspielt, können sie daraus andere Töne ableiten. Sie können dann zum Beispiel problemlos ein E singen, denn sie wissen, dass zwischen einem C und einem E eine Terz liegt. Menschen mit einem absoluten Gehör brauchen diesen Bezugston nicht; sie können auf Anhieb ein A oder ein C anstimmen. Was ist bei Menschen mit einem absoluten Gehör anders? Es ist noch nicht hinreichend geklärt, was im Gehör und im Gehirn von Absoluthörern anders abläuft. Aber es ist belegt, dass es Unterschiede gibt. Eine Studie der York University in Toronto von 2019 weist darauf hin, dass bei Absoluthörern Teile des Hörzentrums im Gehirn um die Hälfte größer sind als bei Personen ohne absolutes Gehör. Das Hörzentrum ist für die Verarbeitung von Tonhöhen und Lautstärken zuständig. In der Studie hat bei Menschen mit absolutem Gehör ein deutlich größerer Hirnbereich auf die Tonfolgen reagiert. Außerdem schalten sich bei ihnen auch Hirnzellen benachbarter Hirnareale ein, wenn sie einen Ton hören. Diesen Vorteil scheinen Absoluthörern zu nutzen, um gehörte Töne sehr schnell und präzise bestimmen zu können. Ist ein absolutes Gehör angeboren oder ist es auch erlernbar? Die meisten Forscher und Forscherinnen gehen davon aus, dass ein absolutes Gehör durch eine Kombination von Veranlagung und Training zustande kommt. Es gibt eine Langzeitstudie mit Kindern ab 6 Jahren. Über Jahre hinweg hat man immer wieder Hirnscans der Kinder gemacht. Dabei stellte sich heraus: Es gibt im Gehirn tatsächlich anatomische Marker für das absolute Gehör, und diese Marker sind genetisch veranlagt. Eine andere, kalifornische Studie von 2006 kam zu dem Ergebnis, dass diejenigen Studienteilnehmenden, die schon mit vier bis fünf Jahren ihren ersten musikalischen Unterricht hatten, wenn sie älter sind auch zu denen gehören, die beim Absoluthören die Bestwerte erreichen. Mit dem absoluten Gehör ist es also ein bisschen wie mit der Fähigkeit, eine neue Sprache ohne Akzent zu sprechen. Erwachsenen gelingt das meist nicht mehr. Und die meisten Forscher gehen davon aus, dass Erwachsene auch kein absolutes Gehör erlernen können. Die andere Frage ist: Kann jedes Kind mit dem richtigen Training ein absolutes Gehör bekommen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen glauben, das geht. Andere vermuten, dass das nur Menschen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung können. Und manche Forscher gehen noch weiter, sie sagen: Nur spezifisch veranlagte Menschen sind in einer begrenzten frühkindlichen Phase in der Lage, ein absolutes Gehör zu entwickeln. Wie viele Menschen besitzen ein absolutes Gehör? Experten schätzen die Zahl der Absoluthörer in Europa und Nordamerika auf 1 von 10.000 Menschen. In Asien dagegen gibt es Regionen, in denen fast jeder Zweite ein absolutes Gehör hat. Und da sieht man wieder den Einfluss der Kindheit, denn das wird auf die jeweilige Muttersprache zurückgeführt. Mandarin ist eine sogenannte Tonsprache. Bei ihr hängt die Bedeutung der Wörter von der Tonhöhe ab. Wer also mit dieser Sprache aufwächst, schult sein Ohr darin, Klänge genau zu unterscheiden. So kann das Wort "ma", je nach Tonverlauf, "Mutter", "Hanf", "schimpfen" oder "Pferd" heißen. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass wir ein absolutes Gehör nicht ohne Hörtraining entwickeln können.

  7. Woher hat der Leberkäs seinen Namen?
    03.10., 10:0000:02:41

    Kas: eine kompakte essbare Masse Darüber hat sich schon mancher gewundert ... und zu Recht, denn das Wort hat weder etwas mit Leber zu tun noch mit Käse. Fangen wir hinten an, beim Kas oder Käs. Ein Kas ist im Bayrischen der Name für eine kompakte essbare Masse. So gibt es dort auch einen Quittenkas, eine marmeladenähnliche Süßspeise aus Quitten. Das hat nichts mit Käse zu tun. Mannheim meets München Komplizierter wird es beim ersten Wortbestandteil: Warum "Leber"? Da gibt es verschiedene Erklärungen, aber am plausibelsten erscheint mir die, wonach das Wort auf das schöne deutsche Wort "Laib" zurückgeht. Der Leberkäs erinnert ja an die kompakte Form eines Brot-Laibs. Jetzt geht die Geschichte in verschiedenen Varianten weiter. Einer Variante zufolge wurde aus dem Laib-Kas im Bayrischen so etwas wie "Loabi-Kas", woraus dann in einer Pseudo-Verhochdeutschung der Leberkäse wurde. Vielleicht muss man aber auch gar nicht den Umweg über das Bayrische gehen, denn der Erfinder des Leberkäs soll vor etwas mehr als 200 Jahren ein Metzger aus Mannheim gewesen sein, den es zusammen mit seinem Kurfürsten Karl Theodor nach München verschlagen hatte. Stellen wir uns nun einen Metzger in München vor, der nach wie vor seinen Mannheimer Dialekt spricht. Da kann dann aus dem "Laib Kas" schnell der "Lääb Käs" werden. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Leberkäs. Bayrischer Leberkäs darf keine Leber enthalten Und nun wird es besonders skurril. Denn heute heißt das Zeug nun mal Leberkäse, und unsere Behörden scheren sich nicht darum, dass der Name mit Leber gar nichts zu tun hat, sondern sie sagen, wo "Leberkäs" drauf steht, da muss auch Leber drin sein. Wenn Sie etwa beim Metzger "Stuttgarter Leberkäse" kaufen, muss der mindestens 5 Prozent Leber enthalten. Aber – um die Skurrilität noch zu toppen – es gibt auch eine Ausnahme: Wenn Sie original bayerischen Leberkäs kaufen, ist es genau umgekehrt: Der darf wiederum gar keine Leber enthalten. Alle anderen dagegen müssen – oder sie werden unter der neutralen Bezeichnung Fleischkäse verkauft. Das ist viel gut gemeinter Verbraucherschutz – und das alles wegen eines Worts, das mit Leber ursprünglich überhaupt nichts zu tun hatte. Abgesehen davon, dass, selbst wenn Leber drin ist, sie den Geschmack ja nun nicht wirklich entscheidend prägt.

  8. Hat die Bundesrepublik Deutschland nach 1945 einen Friedensvertrag unterzeichnet?
    02.10., 16:0000:03:43

    Alles Notwendige ist völkerrechtlich geregelt Vor allem in rechtsextremen Kreisen wird oft behauptet: Da es nach dem Krieg keinen offiziellen Friedensvertrag gab, bestünde das Deutsche Reich in den Grenzen von vor dem Krieg weiter – also mit großen Teilen vom heutigen Polen und Tschechien. Doch das ist nicht so, sagt zum Beispiel der Völkerrechtsexperte Claus Kreß von der Universität Köln. Einen Friedensvertrag – zwar nicht dem Wort, aber der Sache nach – gibt es, wenn auch mit großem zeitlichem Abstand. Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln Richtig ist: Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat Deutschland zwar kapituliert, aber keinen Friedensvertrag abgeschlossen. Das lag daran, dass es in der Nachkriegszeit zunächst keine deutsche Regierung mehr gab, die einen solchen Vertrag hätte abschließen können. Zwei deutsche Staaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Ab 1949 gab es zwei deutsche Staaten, auch dann war aber noch eine Weile umstritten, ob das deutsche Reich in diesen Staaten (oder wenigstens in der Bundesrepublik) völkerrechtlich gesehen weiterexistiert, ob also die Bundesrepublik überhaupt in der Lage wäre, einen Friedensvertrag für das Deutsche Reich abzuschließen. Im Völkerrecht war man sich dann irgendwann einig: Ja, das würde gehen. Aber dann kam das Problem hinzu: Wenn die Bundesrepublik einen Friedensvertrag geschlossen hätte, hätte die DDR ihn nicht akzeptiert. Die DDR pochte anfangs zwar auch auf einen Friedensvertrag – aber mit zwei deutschen Staaten, was wiederum für die Bundesrepublik nicht akzeptabel war. Wiedervereinigung und Zwei-plus-vier-Vertrag Deshalb wurde dieser völkerrechtliche Schlussstrich erst viel später nachgeholt, nämlich nach dem Fall der Mauer, als 1990 beide deutsche Staaten mit den ehemaligen alliierten Siegermächten die Wiedervereinigung im sogenannten Zwei-plus-vier-Vertrag geregelt haben. Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 kam es mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zu einer Regelung von Fragen, die seit dem Zweiten Weltkrieg noch offen waren. Insbesondere gaben die vier Mächte ihre noch bestehenden Rechte im Hinblick auf Deutschland als Ganzes auf. Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln Zwei-plus-vier-Vertrag regelt Festlegung der Grenzen Im Zwei-plus-vier-Vertrag steht alles drin, was in einem Friedensvertrag auch geregelt ist: Insbesondere die Grenzen des jetzt wiedervereinigten Deutschlands. Mit der Festlegung der Grenzen verzichtete das neue Deutschland endgültig auf die ehemaligen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie. Durfte Deutschland das? Claus Kreß sagt ganz klar: ja! "Zu der Frage, wie es sich mit Grenzveränderungen verhält, sagt das Völkerrecht, dass staatliche Grenzen zwar völkerrechtlich ein hohes Gut und als solches geschützt sind, insbesondere gegen Gewaltanwendung. Aber es gibt dem Grundsatz nach kein völkerrechtliches Verbot für einen Staat, im Rahmen einer friedensvertraglichen Regelung Gebiete, die früher zu ihm gehörten, abzutreten. Völkerrechtlich spricht man bei einer solchen Abtretung von einer Zession. Der entscheidende Punkt ist, dass der Gebietsübergang einvernehmlich geschieht. Dann ist eine solche Gebietsregelung möglich. Einvernehmlich bedeutet: Einvernehmlich zwischen dem das Gebiet abtretenden Staat und demjenigen Staat, zu dem dieses Gebiet nun gehören soll." (Claus Kreß) Da Polen und Tschechien auch einverstanden waren, war das somit in Ordnung. Insofern: Der Zwei-plus-vier-Vertrag ist kein Friedensvertrag – aber regelt alles Notwendige. Ein weiteres Papier, auf dem fett "Friedensvertrag" steht, in dem aber letztlich nur das Gleiche nochmal steht, ist deshalb nicht nötig.

  9. Wie halten Tiefseefische den enormen Wasserdruck aus?
    01.10., 16:1500:01:14

    Schwimmblase wird mit Muskelkraft gehalten Grundsätzlich bereitet der Wasserdruck keine Probleme; er ist innen so hoch wie außen. Probleme entstehen erst dann, wenn man die Tiefe ändert, also wenn man auf- und wieder absteigt. Speziell Tiefseefische, die in den oberen Bereichen zwischen 1.000 und 2.000 Metern leben und in der Nacht an die Oberfläche kommen, haben Probleme, diesen Druckunterschied auszugleichen. Die Schwimmblase der Fische läuft Gefahr, beim Aufsteigen zu zerplatzen. Sie wird deshalb mit Muskelkraft zusammengehalten. Mit Sauerstoff gefüllte Schwimmblase hilft durch sauerstoffarme Zonen Gleichzeitig müssen diese Tiefseefische noch durch eine Zone mit sehr wenig Sauerstoff. Die liegt meistens zwischen 500 und 800 Metern. Die Fische lösen das, indem sie vorher Sauerstoff in ihre Fischblase hineingeben und ihn wieder ausatmen, während sie durch die sauerstoffarme Zone schwimmen.

  10. Warum ist Vulkanasche so fruchtbar?
    29.09., 14:0000:01:11

    Poröse Aschepartikel speichern Wasser Das hat mehrere Gründe: Vulkanasche besteht meistens aus sehr porösen Partikeln, z. B. kleine Stücke von Bims – also Glasgehäuse, in denen sich Löcher befinden. Dort, wo es nicht so viel regnet, z. B. auf den östlichen Kanarischen Inseln, kann sich die Feuchtigkeit über Nacht aus den Wolken am Boden niederschlagen und wird tagsüber in diesen porösen Partikeln gespeichert. So steht das Wasser den Pflanzen tagsüber sehr viel länger zur Verfügung als wenn es auf polierte Sandkörner träfe; da würde die Feuchtigkeit schnell versickern. Silikatschmelze setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei Asche, also Partikel unter 2 Millimetern oder auch größere Partikel, die wir Lapilli nennen, besteht vor allem aus Glas. Das ist abgeschrecktes Magma, abgeschreckte Silikatschmelze. Das ist nicht sehr stabil und wird durch das Grundwasser leicht "angelöst", um es vereinfacht auszudrücken. Dabei werden sehr viele für das Wachstum von Pflanzen wichtige Elemente frei.

  11. Woher kommt "der Teufel ist ein Eichhörnchen"?
    27.09., 07:0000:01:22

    Teuflisch: rot, schwarz, flink Der weit verbreitete Spruch hängt damit zusammen, dass das Eichhörnchen immer schon im Aberglauben negativ besetzt war. Denn zwei Faktoren verbinden es mit dem Teufel: Die Farbe – rot oder schwarz – und die Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit ist ganz typisch für den Teufel und wird ihm immer wieder zugesprochen. Es gibt sehr viele Jagdgeschichten, Jägerlatein zum Teil, wo jemand auf ein Eichhörnchen zielt und dann immer daneben schießt. Und plötzlich ist das Tier ganz wo anders – mit teuflischer Geschwindigkeit, wie man früher gesagt hat. Das hat dazu geführt, dass man sagte "der Teufel ist ein Eichhörnchen"; er kann sich ganz schnell ändern. Es kann aber auch heißen "du kannst dich täuschen". Und man hat es auch verwendet, um Leute, die abergläubisch sind, auf den Arm zu nehmen. Dann sagte man "der glaubt, dass der Teufel ein Eichhörnchen ist".

  12. Werfen europäische Laubbäume auch in den Tropen ihre Blätter ab?
    26.09., 07:0000:03:12

    Licht und Temperatur beeinflussen die Bäume Jeder Laubbaum hat einen individuellen inneren Jahresrhythmus, nach dem er austreibt und seine Blätter abwirft. Wann ein Baum das tut, hängt dabei zuerst von der Tageslänge ab, d.h., von der Anzahl der Stunden pro Tag, in denen er Licht ausgesetzt ist. Viele Pflanzen können die Tageslänge exakt messen und steuern mithilfe dieser "physiologischen Uhr", wann und wie schnell sie wachsen, wann sie Ruhephasen oder die Samenkeimung einleiten. Da innerhalb des Jahres die gleiche Tageslänge – mit Ausnahme des kürzesten und des längsten Tages – zweimal auftritt, müssen die Bäume zwischen zu- und abnehmender Tageslänge unterscheiden können. Denn Ende Februar sind die Tage ungefähr so lang, wie sie Ende Oktober waren. Dabei hilft den Bäumen die Temperatur. Würden sich die Bäume allerdings nur nach ihr richten, würden sie schon an einem warmen, sonnigen Wintertag austreiben und die jungen Triebe müssten erfrieren Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei versetzten Pflanzen Versetzt man Pflanzen in Klimagebiete mit abweichender geografischer Breite, führt das häufig zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Die Blüten- oder Triebbildung wird manchmal zu spät ausgelöst, die Samenreife bleibt aus. Ihren inneren jahreszeitlichen Rhythmus behalten die Pflanzen allerdings bei, wobei er aber dem Umfeld angepasst wird. Bei Samen, die englische Siedler im 19. Jahrhundert mit nach Neuseeland genommen hatten, kam es zu Verzögerungen im Entwicklungsablauf. Sie trieben nicht im englischen Frühling aus, sondern dann, als es in Neuseeland wärmer wurde. Ein sommergrüner Baum aus Mitteleuropa verliert also überall irgendwann sein Laub, selbst im Gewächshaus bei gleichbleibender Beleuchtung und Temperatur. Allerdings könnte sich die Vegetationsperiode verlängern, sodass die Blätter einige Wochen länger grün blieben. Äquator ist zu heiß für mitteleuropäische Laubbäume Am Äquator jedoch stellt sich die Laubfrage gar nicht erst: Unseren an ein mitteleuropäisches Klima gewöhnten Laubbäumen ist es dort viel zu heiß. Sie würden sehr schnell absterben. Danke an Prof. Stefan Ruge von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg

  13. Woher kommt die Redewendung "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing"?
    24.09., 06:0000:01:23

    Herrscher und deren Heldentaten preisen – gegen Geld Wenn man sich in die Zeit zurückversetzt, in der es Minnesänger gab oder in die Zeit des bürgerlichen Oswald von Wolkenstein – die waren so etwas wie feile Federn. Die hatten selten eine feste Anstellung und mussten von Hof zu Hof ziehen. Dort hat man Lieder gesungen. Das waren nicht "Alle meine Entchen“, sondern sehr oft handelte es sich um richtige Gesänge, die einen Herrscher, einen Grafen, einen Fürsten priesen und Geschichten von seinen Heldentaten erzählten. Der Sänger musste den Ruhm dieses Adligen in seinen Liedern verewigen und dafür bekam er dann etwas Geld, eine Unterkunft, eine Ehrengabe, vielleicht auch einen schönen Ring oder so etwas. Das hat sich übertragen, sodass man gesagt hat: Wes Brot ich ess ... – am Hofe eines Herzog von Württemberg zum Beispiel – dann sing ich lieber nichts Schlechtes über diesen, sondern etwas Positives. Denn würde ich den kritisieren, kriegte ich natürlich nichts zu essen.

  14. Woher kommt der Ausdruck "okay"?
    23.09., 06:0000:03:18

    Okay – international weit verbreitet Interessant ist, dass es wohl kein anderes Wort gibt, das international so verbreitet ist. Denn "okay" hört man nicht nur in den USA, sondern weltweit: in Südamerika, in der arabischen Welt und in Asien. Es ist damit eines der weltweit am häufigsten verwendeten Wörter überhaupt, und trotzdem weiß niemand genau, warum und wie der Ausdruck entstanden ist. Das macht das Wort so interessant, dass ein US-amerikanischer Sprachwissenschaftler, Allen Metcalf, darüber ein 200-seitiges Buch geschrieben hat "OK – The improbable story of Americas Greatest Word". Erster eindeutiger Beleg aus dem Jahr 1839 Der Frage sind aber Wissenschaftler schon früher nachgegangen. Die heute noch gängige Erklärung wurde in einem Aufsatz von 1941 veröffentlicht. Demnach stammt der älteste eindeutige Beleg für diesen Ausdruck aus dem Jahr 1839. Da taucht das Kürzel o.k. in der Boston Morning Post auf, und zwar als Abkürzung für "all correct". Nun beginnt, wie alle Englischlehrer wissen, das Wort "all" mit einem "a" und "correct" mit "c", also müsste man "all correct" ja eigentlich mit "a.c." abkürzen. Aber es gab wohl damals an der US-amerikanischen Ostküste die Mode, Abkürzungen zu benutzen, die orthographisch betont falsch sind. So gab es das Kürzel "ky" für "know yuse" statt "no use". Und so setzte der Redakteur der Boston Morning Post eben o.k. für all correct. Und das hat er nicht nur einmal gemacht, sondern immer wieder. Hinweise auf früheres Insiderkürzel, aber kaum Belege War das also nur die Marotte eines einzelnen Redakteurs? Manches spricht dafür, dass es schon vorher ein Insiderkürzel war, so wie heute jeder SMS-Schreiber weiß, was ein LG am Ende einer Meldung bedeutet – nämlich "Liebe Grüße". Und so könnte es sein, dass "o.k." damals schon stärker in Gebrauch war. Man weiß es aber nicht, denn es gibt nur wenige schriftliche Belege. Teil einer US-Präsidentschafts-Wahlkampagne Bekannt ist aber, dass der Ausdruck ein Jahr später in einer Wahlkampagne verwendet wurde. Der amtierende US-Präsident Martin van Buren trat 1841 zur Wiederwahl an. Van Buren stammte aus einer Stadt namens Kinderhook. Er hatte den Spitznamen "Old Kinderhook" und kokettierte damit. Wie man nun mit einem gewissen Scharfsinn sofort bemerkt, lässt sich "Old Kinderhook" ebenfalls mit "O.K." abkürzen. Und das hat er sich dann in seiner Wahlkampagne zu eigen gemacht: "Old Kinderhook is OK" – das war die Botschaft seiner Wahlkampfstrategen, was zumindest dafür spricht, dass damals jeder mit diesem Kürzel etwas anfangen konnte. Van Buren verlor die Wiederwahl, wurde dann zwar doch nicht Präsident, aber zumindest hat die Kampagne geholfen, den Ausdruck weiterzuverbreiten. Parallel zu diesem Wahlkampf wurde damals die unbewiesene Geschichte verbreitet, dass schon sein Vorgänger, US-Präsident, Andrew Jackson, "o.k." als Abkürzung für "all correct" verwendet hat. Und diese Geschichte, egal ob wahr oder erfunden, soll die Mode dann noch weiter verstärkt haben. Kürzel in der Telegrafie üblich und hilfreich Wie auch immer: Die weltweite Karriere des Ausdrucks kam vor allem durch die Telegrafie. So wie heute das SMS-Schreiben eine Fülle von Abkürzungen in die deutsche Sprache gebracht hat, war es auch beim Telegrafieren hilfreich, zumindest für häufig verwendete Botschaften Kürzel zu verwenden. Und "o.k." für alles klar, alles verstanden, war da natürlich sehr praktisch. Weitere Theorien Und es gibt noch weitere Theorien. Manche sagen, das "O.K." bei den Telegrafen bedeutete eigentlich open key – also so viel wie "empfangsbereit", und hatte mit dem anderen okay – all correct – gar nichts zu tun. Außerdem gibt es die Theorie, das Wort stamme aus der Sprache der Choctaw-Indianer, wo okeh so viel bedeutet wie "jawohl!", "so ist es!". Darüber hinaus gibt es allerlei Legenden von einem angeblichen deutschen Qualitätskontrolleur namens Otto Krüger, Oskar Keller, Otto Krause – diese Geschichte gibt es in verschiedenen Varianten. Das soll ein gründlicher Deutscher gewesen sein, der bei Ford oder bei anderen Firmen gearbeitet hat. Und wenn er etwas geprüft und für gut befunden hat, soll er das mit seinen Initialen "O.K." abgezeichnet haben. Diese Geschichte hat sich im deutschsprachigen Raum lange gehalten, doch Belege dafür gibt es keine. Ohne Beleg: Die "Buchdrucker-Hypothese" Das gleiche gilt für eine weitere Hypothese, auf die uns zahlreiche Nutzer aufmerksam gemacht haben. Demnach soll die frühe Buchdruckerbranche in New York von deutschen Buchdruckern dominiert gewesen sein. Sie hätten ein druckfertiges Werk mit dem Kürzel "o.K." abgesegnet - das habe für "ohne Korrektur" gestanden. Eine verlässliche Quelle dafür habe ich allerdings nicht gefunden. Gegen diese Hypothese spricht zum einen, dass der älteste schriftliche Beleg nun einmal 1839 aus Boston stammt, wo deutsche Auswanderer um diese Zeit nur eine untergeordnete Rolle spielten. Der bedeutendenste deutsche Buchdrucker vor diesem Zeitpunkt Johann Christoph Sauer, der im 18. Jahrhundert in Germantown (Philadelphia) Bibeln druckte. Sollten er oder andere seiner Zunft "o.K." verwendet haben, wäre zu erwarten, dass es dafür eine Beleg oder einen klaren Hinweis gibt. Und selbst wenn es ein internes Kürzel gewesen wäre - wie gelangte es dann in die breite nicht-deutschsprachige Öffentlichkeit? Insofern gehört auch diese Hypothese zu den zahlreichen Mutmaßungen, für die es allerdings wenig Belege gibt.

  15. Warum verlieren wir im Herbst mehr Haare als sonst?
    21.09., 07:0000:03:02

    Man muss sich das so vorstellen: Kein Haar wächst ewig. Bei den meisten Menschen wächst ein Haar 2 bis 6 Jahre lang. Diese Zeit des Wachstums heißt auch "Anagen". Danach gehen die Haarfollikel – also die Stellen in der Haut, aus der die Haare herauswachsen – in eine Ruhephase über – das "Telogen". Sie hören dann auf, Haare zu produzieren, das Haar dünnt dann an der Haarwurzel aus, verliert an Halt – und fällt irgendwann aus. Spätestens dann, wenn das Haarfollikel in die nächste aktive Phase übergeht, ein neues Haar produziert, verdrängt das neue Haar das alte. Dieser Erneuerungsprozess passiert grundsätzlich immer und ständig – ungefähr ein Siebtel unserer Haarpracht, sofern vorhanden, befindet sich im Schnitt jeweils in dieser Erneuerungsphase, in der das Wachstum aufhört, Haare ausfallen und neue nachkommen. Warum verstärkt sich der Haarausfall im Herbst? Im Spätsommer und Herbst gehen überdurchschnittlich viele Haarfollikel in diese Ruhephase über. Und zwar deshalb, weil das Haar und die Haarwurzel im Sommer überdurchschnittlich stark belastet wird, vor allem durch viel Sonne und UV-Strahlung, zum anderen durchs Baden in gechlortem Wasser oder in Salzwasser. Vor diesen Belastungen schützen sich die Haarfollikel, indem sie im Sommer in die Ruhephase gehen, und nach ein paar Wochen – also im Herbst fallen dann vermehrt Haare aus. Möglicherweise gibt es auch andere Gründe – eine hormonelle Umstellung im Herbst, aber diese Zusammenhänge sind weniger klar. Individuell ist das aber sehr unterschiedlich. Die einen merken von diesem saisonalen Haarausfall gar nichts, bei anderen bleiben dagegen im September auffallend mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss der Dusche zurück. Das Phänomen gibt es übrigens auch nochmal weniger ausgeprägt im Frühjahr. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Körper, wenn die Tage länger werden, weniger vom Hormon Melatonin produziert, das beim Haarwuchs eine Rolle spielt. Aber diese Zusammenhänge sind noch nicht so gut erforscht. Gibt es Möglichkeiten, den saisonalen Haarausfall zu stoppen? Wenn man den saisonalen Haarausfall verhindern will, geht das eigentlich nur, indem man das Haar weniger stresst, also weniger der Sonne aussetzt – sprich: Mütze tragen. Und wenn man weniger im Meer oder im Schwimmbad baden geht. Aber wozu? Man muss sich klarmachen: Bei diesem saisonalen Haarausfall handelt es sich NUR um einen Erneuerungsprozess. Anstelle der ausgefallenen Haare kommen ja in der Regel wieder neue nach. Der Versuch, den herbstlichen Haarausfall zu verhindern, bringt also nicht viel; man verschiebt dadurch den Haarausfall bestenfalls ein paar Wochen oder Monate nach hinten. An der Haarpracht selbst ändert das langfristig aber nichts.

  16. Warum löscht Wasser Feuer?
    20.09., 07:0000:02:34

    Wasser kühlt Einfach gesagt: Weil Wasser kühlt. Das überrascht vielleicht, denn intuitiv würden die meisten Menschen wohl denken: Dass Wasser Feuer löscht, liegt daran, dass das Wasser selbst nicht brennbar ist. Und wenn es ein Stück Holz benetzt und durchfeuchtet, kann das nasse Holz aus diesem Grund nicht mehr brennen. Wasser entzieht dem Feuer Energie Der eigentliche Grund, warum Wasser Feuer löscht: Wasser entzieht dem Feuer Energie. Nämlich dann, wenn es verdampft. Wasser zum Verdampfen zu bringen, braucht unheimlich viel Energie. Das macht man sich oft nicht klar. Das liegt an den berühmten Wasserstoffbrücken: Wasser, also H2O, ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Es sind aber nicht lauter einzelne H2O-Moleküle, die da vor sich hintreiben. Die einzelnen Moleküle hängen durch jene Wasserstoffbrücken stark aneinander: Das wirken sozusagen elektrische Anziehungskräfte zwischen den Wasserstoff- und den Sauerstoffatomen. Wasserstoffbrücken "sprengen" kostet Energie Wenn man Wasser verdampfen will, muss man diese Brücken sprengen, und dazu braucht man viel Energie, sprich Wärme: Um einen Liter Wasser zu verdampfen – also um lediglich der Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand herbeizuführen – benötigt man 7-mal so viel Energie wie nötig ist, um die gleiche Menge Wasser von Zimmertemperatur auf 100 Grad Celsius zu erhitzen. Deswegen ist es eine große Energieverschwendung, Wasser im Topf ohne Deckel zum Kochen zu bringen. Da verdampft viel Wasser unnötig, und beim Verdampfen wird mehr Energie verbraucht als durch das reine Erhitzen. Dieser Effekt greift also auch beim Feuer: Wenn man Wasser über einen brennenden Gegenstand kippt, verdunsten Teile des Wassers, und dabei wird dem heißen Stück Holz oder der Kohle so viel Energie entzogen, dass es für das Feuer nicht mehr reicht. Das ist der entscheidende Grund dafür, dass Wasser zumindest in vielen Fällen Feuer löschen kann.

  17. Wie spannt eine Spinne ein Netz zwischen zwei entfernten Bäumen?
    18.09., 06:0000:02:49

    Woher weiß die Spinne, dass da noch ein anderer Stamm ist? Sie weiß es nicht. Anders als Tarzan, der mit einer Liane in einer Baumkrone steht und die andere schon im Visier hat, hat die Spinne, die auf einem Ast sitzt, keine Ahnung, wie weit der nächste Baum entfernt ist. Deshalb lässt sie es einfach mal darauf ankommen. Zunächst wartet die Spinne ab, bis ein leichter Wind weht – nur ein leichter, es darf nicht stürmen – streckt ihren Hintern in die Luft, sodass der Spinnfaden austritt. Also ein bisschen wie Rapunzel, nur dass die Spinne nicht ihr Haar herunterlässt, sondern einen Spinnfaden. Der Wind kommt, nimmt den Faden mit und zieht dabei den Faden immer weiter aus der Spinne heraus. Jetzt hat die Spinne entweder Pech, das heißt: weit und breit erwischt sie keinen Anknüpfungspunkt, an dem der Faden hängen bleibt. Das ist aber nicht schlimm: Dann holt sie den Faden einfach wieder ein, recycelt das Material und versucht es unter Umständen von neuem. Oder aber der Faden bleibt tatsächlich an einem benachbarten Baum oder Ast hängen. Wenn die Spinne merkt, dass Spannung auf den Faden kommt, macht sie weiter und läuft über den Faden ans andere Ende. Das ist natürlich ein Balanceakt, deshalb zieht sie einen Sicherheitsfaden hinter sich her – wenn sie abstürzt, kann sie sich daran wieder hochziehen. Wenn sie aber nicht abstürzt und heil über den Faden ans andere Ende gelangt, hat sie einen ersten Rahmen- oder Brückenfaden, mit dem sie dann weiter machen kann. Wie weit darf der Nachbarbaum höchstens entfernt sein, damit die Spinne zwischen den Bäumen ein Netz aufspannen kann? Das hängt von der Spinnenart ab. Das können schon mehrere Meter sein, zumal der Brückenfaden sehr stabil ist. Es gibt sogar Spinnen in Madagaskar – die wurden erst kürzlich wissenschaftlich beschrieben – die regelmäßig Netze produzieren, die ein ganzes Flussufer überspannen. Ausgangspunkt sind auch hier Äste, die über dem Fluss hängen, aber diese Spinne schafft es tatsächlich, über die gesamte Flussbreite ein Netz aufzuziehen und dabei 25 Meter zu überbrücken. Diese Spinnenart heißt Caerostris darwini – einen offiziellen deutschen Namen gibt es noch nicht, in Presseberichten wird sie als "Darwins Rindenspinne" bezeichnet. Was bei ihr auch bemerkenswert ist: Ihre Spinnseide ist extrem reißfest. Sie ist überhaupt nicht zu vergleichen mit normalen Spinnenfäden, sondern eher so wie die Saiten bei einem Tennisschläger. Die Forscher sagen, es ist das zäheste von der Natur produzierte Material, das bisher bekannt ist. Klar: Es muss ja auch so fest sein. Ein solche großes und schweres Netz, in dem sich dann auch noch richtig große fette Beute-Insekten verfangen, würde ja sonst reißen.

  18. Warum weht der Wind überwiegend aus Westen?
    16.09., 06:0000:03:48

    In den mittleren Breiten kommt der Wind meist aus West Das ist nicht überall auf der Erde so. Aber gerade in den mittleren Breiten, in denen wir leben, kommt tatsächlich der Wind meist aus West. Das hängt zum einen mit der Erddrehung zusammen – also damit, dass sich die Erde von West nach Ost dreht. Zum anderen mit unserer Position auf der Erde. Im Grenzgebiet zweier Zonen Wir leben klimatisch in einer Gegend, in der sich immer wieder Hoch- und Tiefdruckgebiete abwechseln – das kennen wir aus dem Wetterbericht. Das liegt daran, dass wir uns in einem Grenzgebiet befinden zwischen zwei Zonen, die sich wie Gürtel um die Erde ziehen. Südlich von uns – in Südeuropa und vor allem Nordafrika – befindet sich eine Hochdruck-Zone. Deshalb ist es in Nordafrika so heiß und trocken. Nördlich von uns dagegen – Richtung Skandinavien, oder allgemein Richtung nördlicher Polarkreis – befindet sich ein Gürtel mit überwiegend Tiefdruckwetterlagen. Corioliskraft lenkt Luftströmungen ab Zwischen diesen beiden Zonen – platt gesagt: zwischen der Sahara und dem Polarkreis – herrscht somit tendenziell ein Druckgefälle. Infolgedessen strömen Luftmassen vom Hochdruck- zum Tiefdruckgebiet – das wäre also eigentlich von Süd nach Nord. Diese Luftströmungen werden allerdings nach Osten abgelenkt; Wetterexperten sprechen von der Corioliskraft. Daran ist die Erdrotation schuld, aber auch die Trägheit der Luftmassen. Und das kommt so: Die Erde dreht sich bekanntlich in 24 Stunden einmal um sich selbst. Angenommen, Sie befinden sich am Äquator – der hat einen Umfang von 40.000 Kilometern. Da Sie sich mit der Erde drehen, bewegt sich jeder Punkt auf dem Äquator – somit auch Sie – faktisch mit einer Geschwindigkeit von 40.000 km pro Tag nach Osten, nämlich einmal um die Erdachse. Anderswo bewegen sie sich langsamer. Am Äquator sind sie ja weit weg von der Erdachse. Entfernen Sie sich vom Äquator und bewegen sich Richtung Nordpol, rücken Sie immer näher an die Erdachse ran; am Nordpol selbst stehen Sie ja direkt auf ihr. Zwar bewegen wir uns auch in Deutschland an jedem Tag einmal um die Erdachse – nämlich entlang des, sagen wir, 50. Breitengrads. Aber in Kilometern beträgt dieser "Weg" nur 26.000 km – ist also viel kürzer als am Äquator. Was hat das nun mit dem Wind zu tun? Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Luftmolekül in der Sahara und fliegen nach Norden – weil da der Luftdruck niedriger ist. Sie starten also in Afrika, nicht weit vom Äquator, und haben dort eine relativ hohe Bahn-Geschwindigkeit. Der Standort unter Ihnen – und damit auch Sie – bewegen sich wegen der Erddrehung mit vielleicht 36.000 km pro Tag nach Osten. Diese Geschwindigkeit behalten Sie auf Ihrem Weg nach Norden bei, denn Sie haben, wie jeder Körper, eine Trägheit. Doch kommen sie jetzt in eine Gegend, in der sich die Erdoberfläche verglichen mit Ihnen immer langsamer bewegt. Umgekehrt heißt das: Sie bewegen sich in Relation zur Erde unter Ihnen schneller. Ähnlich wie jemand, der aus einem fahrenden Zug springt. Für einen Beobachter auf der Erde fliegen Sie – als Luftmolekül – Richtung Osten. Und wenn man sich das jetzt in groß vorstellt, mit ganz vielen Luftmolekülen, dann bedeutet das, dass der Wind, der von Süden nach Norden "will", scheinbar nach Osten abgelenkt wird. Der Wind weht dann im Ergebnis von West nach Ost. Das ist der wesentliche Grund, weshalb bei uns der Wind überwiegend aus dem Westen kommt.

  19. Ähnelt die Form von Bäumen ihren Blättern und Früchten?
    15.09., 07:0000:03:40

    Ich erinnere mich, dass auch unsere Biolehrerin in der Unterstufe uns genau das auch erzählt hat: Dass also der Apfelbaum eine apfelförmige Krone habe und der Birnbaum eine birnenförmige. Das gehört für mich zu den wenigen Dingen, die ich aus dem Pflanzenkundeunterricht noch in Erinnerung habe. Ich habe jetzt bei verschiedenen Botanikern Meinungen eingeholt. Manche meinten, das sei nur ein alter Volksmythos, an dem nichts dran sei. Solche Ähnlichkeiten zwischen Blatt und Baum oder Frucht und Baum seien reiner Zufall. Mal kommt’s vor, mal aber auch nicht. Kein Naturgesetz Bei einer Kastanie etwa sehen die Blätter nicht unbedingt aus wie der Baum, auch nicht bei der Esche mit ihren gefiederten Blättern. Die haben gar keine Ähnlichkeit hat mit dem Erscheinungsbild des gesamten Baums. Also ein echtes Naturgesetz steckt da sicherlich nicht dahinter. Umweltfaktoren können Blätter und Baumform gleichermaßen prägen Aber die interessante Frage ist ja: Wenn es solche Ähnlichkeiten gibt, ist das wirklich reiner Zufall oder könnte da irgendein Zusammenhang bestehen? Und da haben mir tatsächlich einige Botaniker eine plausible Erklärung gegeben. Nämlich, dass die äußere Umwelt – also die Klimabedingungen, in der eine Pflanze wächst – einen Anpassungsdruck ausübt, der manchmal Blätter und Krone in die gleiche Form bringt. Spitze Formen als Schutz vor Schneebruch Ein Beispiel, das mir der Forstwirt und Botanikprofessor Stefan Ruge aus Rottenburg genannt hat: Nehmen Sie Nadelbäume im Hochgebirge. Die haben in der Regel eine schlanke spitze Krone und einen geraden Stamm, um wenig Angriffsfläche für den Schnee zu bieten – damit es also nicht zum Schneebruch kommt. Und die gleichen Bäume haben auch schlanke, schmale elastische Nadeln – aus dem gleichen Grund, damit sie nicht unter der Last des Schnees brechen. Das Gleiche mit den Zapfen bzw. Früchten dieser Bäume. Eine große Zapfenoberfläche birgt die Gefahr, dass die Zapfen bei schwerem Schnee abfallen, bevor sie reif sind. Also sind die Zapfen schmal und hängen nach unten. Trockenheit begünstigt Forrmen mit kleinen Oberflächen Oder nehmen Sie einen anderen Umweltfaktor: Trockenheit. In trocken-heißen Klimazonen haben vor allem solche Bäume überlebt, die im Verhältnis zum Volumen eine kleine Oberfläche haben, von der wenig Wasser verdunstet, sodass die Pflanzen viel Wasser speichern können. Dieser Selektionsdruck kann sowohl auf den gesamten Baum wirken als auch auf die einzelnen Blätter. Noch ein drittes Beispiel, das mir Peter Groth von der Universität Konstanz genannt hat: Wenn zum Beispiel beim Baum das Blatt groß ist, dann kann es relativ viel Sonnenlicht einfangen. Außerhalb von Trockengebieten ist es also wichtig, große Blätter zu haben, damit diese viel Sonnenlicht einfangen können. Das Gleiche gilt dann natürlich für den ganzen Baum. Mit Fantasie lassen sich Ähnlichkeiten erkennen Über solche Zusammenhänge kann man also manche Ähnlichkeiten erklären, aber man muss auch sagen: Mitunter ist es wirklich Interpretationssache. Wenn wir Ahorn und Linde nehmen, werden die Meinungen schon auseinandergehen. Hat der Ahornbaum wirklich Ähnlichkeit mit diesem gezackten Blatt? Oder wie ist es bei der Linden? Das Lindenblatt ist vorne recht spitz, der Baum selbst ist oben eher ein bisschen rundlich. Das ist also eher eine Sache der Fantasie, inwieweit man diese Ähnlichkeit sehen will oder auch nicht. Auf jeden Fall ist es ein interessantes Phänomen und die Erklärungen, die ich gefunden habe, sind ganz hilfreich, um zumindest manche Ähnlichkeiten zu erklären.

  20. Sind Stofftaschentücher unhygienisch?
    14.09., 08:0000:01:20

    Der entscheidende Unterschied ist, dass man das Papiertaschentuch nach Benutzung normalerweise wegwirft, das Stofftaschentuch dagegen nicht. Nur deshalb spielt das Material überhaupt eine Rolle. Virus oder Allergie? Auf die Art des Schnupfens kommt es an Zusätzlich kommt es auf die Art des Schnupfens an. Bei einem infektiösen Virus-Schnupfen ist Zurückhaltung geboten mit Stofftaschentüchern, die man sich nach Gebrauch in die Hosentasche steckt. Nicht, weil man sich selbst nochmal anstecken könnte. Das passiert nicht. Die Erreger sind ja längst im Körper und der hat schon angefangen, Abwehrkräfte dagegen zu entwickeln. Da machen ihm die paar zusätzlichen Keime im Taschentuch auch nichts mehr aus. Anderen Menschen allerdings schon. Ein benutztes Taschentuch in der warmen Hosentasche ist ein Paradies für Krankheitserreger. Wenn man es zum nächsten Schnäuzen aus der Tasche holt, wedelt man die Keime unter Umständen durch die Luft und stecken andere Menschen an. Heuschnupfen ist nicht ansteckend Anders ist es bei Allergien: Heuschnupfen ist nicht ansteckend. Ebenso wenig eine winterliche Triefnase, die einfach nur auf Kälte reagiert, bei der aber keine Krankheitserreger im Spiel sind. In solchen Fällen kann man guten Gewissens zum Stofftaschentuch greifen. Sicherheitshalber sollte man aber auch die regelmäßig waschen – und wenn man auf Nummer sicher gehen will – bügeln. Kein Witz! Nicht aus Ordnungsliebe, sondern weil das Bügeln mögliche Keime, die die 60-Grad-Wäsche überlebt haben, auf jeden Fall vernichtet.

Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.