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Episoden
100- Unternehmen "Barbarossa" 194121.06., 15:3521.06.2021, 15:3500:45:11
Der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 eröffnete Hitlers Krieg - den rasseideologischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg im Osten. Die 24. Folge von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw“ widmet sich diesem Krieg, der vor 80 Jahren begann. Der Krieg gegen die Sowjetunion zur Eroberung neuen Lebensraumes war Hitlers Lebensziel. Bereits in seinem Buch „Mein Kampf“ hatte er davon geschrieben; nach der Machtübernahme 1933 die Spitzenmilitärs von dieser Absicht unterrichtet und nach dem Ende des Frankreichsfeldzuges im Juli 1940 angewiesen, diesen Feldzug vorzubereiten. Hitlers „Weisung für die Kriegführung Nr. 21 - Fall Barbarossa“ gab den groben Rahmen vor. Im Juni 1941 standen der Wehrmacht rund 150 Divisionen des Heeres zur Verfügung, von denen allerdings nur einige wenige motorisiert und nur 19 Panzerdivisionen waren. Der deutsche Soldat lief in der Regel zu Fuß und das Heer hatte mehr Pferde, z.B. für die bespannte Artillerie, als die Truppen des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg. Besonders schwerwiegend war jedoch aus militärischer Sicht, dass der Angriffsplan kein wirkliches Ziel und keine strategische Ausrichtung besaß, die Deutschland mit seinen Ressourcen erreichen konnte. Faktisch war der Überfall der Beginn des Endes - der Krieg war nicht zu gewinnen. Darüber täuschten die Anfangserfolge jedoch hinweg. Im Herbst/Winter 1941 zeichnete sich ab, dass die Wehrmacht scheitern würde. Oberstleutnant Dr. Harald Potempa spricht über das Unternehmen „Barbarossa“, seine Entstehung und Namensgebung, seine politische Dimension und sein Scheitern mit Oberstleutnant Chris Helmecke M.A.
- Operation Merkur - Kreta 194110.05., 10:0210.05.2021, 10:0200:35:14
Am 20. Mai 1941 begann die Eroberung der Insel Kreta durch über 10.000 deutsche Fallschirmjäger, die später- durch eine Gebirgsdivision verstärkt wurden. Annähernd 5.000 Fallschirmjäger kamen dabei ums Leben, blieben vermisst oder wurden verwundet. „Operation Merkur“ war die erste operative Luftlandung in der Militärgeschichte. Der deutsche Sieg auf Kreta war teuer erkauft. Die Feindlage war den Deutschen unzureichend bekannt. Da das Mittelmeer von der (britischen) Royal Navy kontrolliert wurde, mussten die deutschen Kräfte mit Transportflugzeugen nach Kreta gebracht werden. Von mehr als 500 eingesetzten Flugzeugen waren danach mehr als 200 infolge des Flakfeuers nach Bruchlandungen, Abstürzen oder anderen Beschädigungen nicht mehr einsetzbar. Die Luftlandung entwickelte sich am Boden zu einem harten Kampf, den die deutschen Truppen mit enormer Luftunterstützung gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind mit über 42.000 Soldaten trotz immenser Verluste letztlich für sich entscheiden konnten. Auf Kreta begingen die Deutschen zahlreiche Verbrechen, bereits am ersten Angriffstag erschossen Fallschirmjäger gemäß den sog. offiziösen „zehn Geboten“ aufgegriffene Zivilisten. Am 31. Mai erließ General der Flieger Kurt Student einen Befehl über „Vergeltungsmaßnahmen“: die Fallschirmjäger beschuldigten die kretischen Zivilisten, mit Verbrechen an deutschen Kriegsgefangenen angefangen zu haben. Die Verbrechen – wie die Erschießung von 23 Männern aus dem Dorf Kondomari - lösten tiefe Verbitterung bei der kretischen Bevölkerung aus. Die Schlacht um Kreta steht trotz der hohen Verluste auch für die Stilisierung der deutschen Fallschirmjäger zur „unüberwindlichen“ „Elitetruppe“ - auch wenn sie bis Kriegsende auf deutscher Seite nie wieder zu Luftlandeoperationen in ähnlich großer Stärke und Geschlossenheit eingesetzt wurde. Stattdessen kämpfte der Fallschirmjäger fortan wie der gewöhnliche Infanterist, wenn auch die Fallschirmjäger- gegenüber den Infanteriedivisionen des Heeres bevorzugt mit Personal und Material ausgestattet wurden. Auch diese Infanterieeinsätze – besonders die Schlachten um den Monte Cassino im Frühjahr 1944 südlich Rom – sind bis heute zentrale Bestandteile des „Mythos Fallschirmjäger“ und deren „unüberwindlicher Standhaftigkeit“. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr zeigt in Dresden die Sonderausstellung „Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger“. Wir sprachen mit dem Kurator Dr. Magnus Pahl.
- Marita - die Eroberung des Balkans 194101.04., 11:2801.04.2021, 11:2800:50:17
Am 6. April 1941 überfiel die Wehrmacht Jugoslawien und Griechenland. In gerade einmal ... Wochen gelang es ihr, beide Länder zu erobern. Die deutsche Besatzung dauerte bis 1945 an. Dabei war dieser feldzug so nicht geplant und zeitlich eher ein Vorspiel zum Überfall auf die Sowjetunion. In dieser Folge des Podcasts erklärt Oberstleutnant Chris Helmecke die Hintergründe dieses Feldzuges, der mehr als ein „Zwischenspiels auf dem Balkan“ war. Das Gespräch führt Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers. Auf www.zmsbw.de finden Sie Literaturhinweise und Karten zum Podcast.
- Minensucher im Persischen Golf 199102.03., 10:3202.03.2021, 10:3200:55:02
Deutsche Minensucher räumten nach dem 2. Golfkrieg 1991 im Persischen Golf in einer internationalen Koalition diejenigen Minen, die die irakischen Streitkräfte vor dem Krieg dort verlegt hatten. Dieser erste Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des NATO-Bündnisgebietes nach der Deutschen Einheit war fraglos ein humanitäre Hilfeleistung mit UN-Mandat. Dennoch gab es in der Bundesregierung Vorbehalte gegen diesen Einsatz: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher lehnte ihn ab, während Bundeskanzler Helmut Kohl ihn auch als Zeichen gewachsener internationaler Verantwortung des vereinten Deutschlands sah. Bemerkenswert ist dazu, dass deutsche Minensucher bereits ab 1987 im Mittelmeer im Einsatz waren - infolge der zunehmenden Krisen in der Golfregion und als Entlastung für andere NATO-Partner, die bereits damals im Persischen Golf aktiv waren. Kapitän zur See Dr. Jörg Hillman spricht mit Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch zu diesem spannenden Thema der militärisch-maritimen Zeitgeschichte. Dr. Jentzsch forscht am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zur Geschichte der Bundesmarine und besonders zur Marine im Umbruch zwischen 1985 und 1995.
- Bevölkerungsbefragungen zur Bundeswehr12.02., 09:5212.02.2021, 09:5200:39:27
Die Bevölkerungsumfrage des ZMSBw ist die längste und umfassendste Studienreihe in Deutschland zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen. Sie wird jedes Jahr im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung durchgeführt und umfasst beispielsweise Themenbereiche wie Sicherheits- und Bedrohungswahrnehmungen, Einstellungen zum außen- und sicherheitspolitischen Engagement Deutschlands, Haltungen der Bürgerinnen und Bürger zur Bundeswehr, die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit sowie Einstellungen zu den Aufgabenbereichen der Bundeswehr und den Auslandseinsätzen. In dieser Folge des Podcasts spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Dr. Markus Steinbrecher über die methodischen Herausforderungen bei der Durchführung der Bevölkerungsbefragung und ausgewählte zentrale Ergebnisse.
- Reichsgründung 187113.01., 09:5513.01.2021, 09:5500:28:16
Folge 18 von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw", heute zur Reichsgründung 1871 im Spiegelsaal von Versailles mit Michael Epkenhans und Jörg Hillmann.
- Innere Führung09.12., 11:0509.12.2020, 11:0500:42:35
Die Innere Führung wird oft als „Betriebsphilosophie“ der Bundeswehr bezeichnet und dabei oft auch missverstanden. Sie definiert die Stellung des Soldaten in der Demokratie. Damit definiert sie auch den Werterahmen, den inneren Kompass, in und mit dem ein Soldat oder eine Soldatin ihren Dienst versehen soll. Angelehnt an das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland – sozusagen als der Wertekanon, der unveränderbar das Große und Ganze bestimmt – sind in der Konzeption der Inneren Führung die Soldatenpflichten definiert. Natürlich gibt es das für die Bundeswehr auch in Vorschriftenform, beintaschenfreundlich zum ständigen Mitführen geeignet. Richtig verstandene Innere Führung hat aber nichts mit „weicher Welle“ oder „Innerem Gewürge“ – wie sie früher oft verschmäht wurde – zu tun. Sie muss für uns in der Bundeswehr eine Selbstverständlichkeit sein. Sie muss gelebt werden und jeder in der Bundeswehr muss sie kennen und verinnerlichen, damit sie gelebt werden kann. Eines muss man allerdings immer wieder feststellen: Die Innere Führung ist einzigartig in unseren Streitkräften. Viele andere Armeen beneiden uns deswegen. Die Bundeswehr hat mit der Inneren Führung und dem Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ etwas, das unvergleichbar ist und bleibt. In der 17. Folge unseres Podcast diskutieren die Sozialwissenschaftlerin Dr. Meike Wanner, und der Theologe Dr. Markus Thurau mit Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann über das, was die Innere Führung ist, was sie bedeutet und ausmacht. Um eines vorwegzunehmen: Innere Führung ist nicht nur für Vorgesetzte da! Selbst wenn sie manchmal für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr komplex und kompliziert erscheinen mag, ist sie im Kern einfach zu verstehen.
- Kriegstote und Erinnerungsarbeit15.11., 10:5315.11.2020, 10:5300:48:01
Millionen toter Soldaten haben ihre letzte Ruhe auf Kriegsgräberfriedhöfen im Ausland gefunden. So sind auch Millionen deutsche Soldaten in Frankreich, in Russland oder in anderen Staaten, in denen Deutschland Kriege geführt hat, beigesetzt worden. Vielfach wurden und werden sie Jahre oder Jahrzehnte nach den Kriegen aus provisorischen Begräbnisstätten auf einen Soldatenfriedhof überführt und dort würdevoll beigesetzt. Dies hat nicht zuletzt auch für die Angehörigen eine große Bedeutung, die wissen wollen, wo ihr Vater oder Sohn, ihr Bruder oder Onkel, wo also ihre Verwandten ihre letzte Ruhe gefunden haben. Insbesondere nach der Zeitenwende 1989/90 wurde es zunehmend möglich, Kriegsgräberstätten in den osteuropäischen Staaten und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu errichten. Eine große Bedeutung kommt dabei dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.eingetragener Verein zu: Er kümmert sich um die Bewahrung und würdewahrende Instandhaltung dieser Friedhöfe. Vielfach kann er dieses mit Freiwilligen leisten, die sich zur Gräberpflege bereiterklären. Neben Jungendgruppen sind darunter auch immer wieder Soldaten der Bundeswehr. Vor allem aber sorgt der Volksbund dafür, dass zwischenzeitlich aufgefundene sterbliche Überreste toter Soldaten auf eine Kriegsgräberstätte umgebettet werden. Der Volksbund hat eine lange Geschichte und 2019 sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Auswärtigen Amt begangen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg nahm er sich der Aufgabe an, die vielen Vereine, die sich um Soldatengräber kümmerten, zusammenzuführen und die für diese große Aufgabe notwendige Organisation zu schaffen. Dies war nicht zuletzt gerade wegen der zahlreichen Grabstätten im Ausland notwendig. Den meisten Bundesbürgern dürfte der Volksbund am ehesten im Zusammenhang mit dem Volkstrauertag bekannt sein. Der Volkstrauertag wird als zentraler Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft erst seit 1952 zwei Wochen vor dem 1. Adventssonntag begangen. In diesem Jahr am 15. November. Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann spricht im 15. Podcast zum Volksbund und seiner Geschichte, zum Volkstrauertag und der vielfältigen Bildungsarbeit mit Maximilian Fügen M.A. Der 30-jährige studierte Historiker und Reserveoffizier der Luftwaffe ist Bildungsreferent des Landesverbandes Bayern im Volksbund.
- Operation Mondscheinsonate14.11., 10:5214.11.2020, 10:5200:29:30
In der „Luftschlacht um England“, oder wie es richtigerweise heißen muss in der „Battle of Britain“ hat der Luftangriff auf Coventry eine besondere Bedeutung. Nach den Angriffen auf London sowie einiger Gegenangriffe der Royal Air Force markiert diese Operation eine Zäsur im Krieg: Nunmehr ging die deutsche Luftwaffe auch gegen Städte vor, die nicht in bisherige Kriegshandlungen einbezogen war. Der Schritt zum unterschiedslosen Bombenkrieg, der später auch viele deutsche Städte treffen sollte, war vollzogen. Mehr als 500 Menschen starben bei den Angriffen, die mehr als 12 Stunden dauerten. Über 4.000 Häuser wurden zerstört und unwiederbringliche Kunst- und Kulturschätze gingen verloren, nicht zuletzt die St. Michael`s Cathedral. Sie war im 15. Jahrhundert als gotische Pfarrkirche fertiggestellt worden. Ungeachtet der verheerenden Zerstörung der mittelalterlichen Innenstadt von Coventry und der langfristigen Kriegsfolgen ging von dieser Stadt mit der „Nagelkreuzbewegung“ eine einzigartige Versöhnungsbewegung aus. Mittlerweile sind Hunderte Städte in ihr zusammengeschlossen, die durch den Bombenkrieg besonders getroffen und gezeichnet wurden; in Deutschland neben Dresden unter anderem auch Hamburg, Würzburg, Pforzheim, Berlin und nicht zuletzt die im teilweisen Wiederaufbau befindliche Garnisonkirche Potsdam. Bemerkenswert an dieser Bewegung ist noch heute, dass bereits wenige Tage nach dem Angriff der Domprobst der Kathedrale St. Michael in Coventry, Richard Howard, zur Versöhnung aufrief. Diesem Aufruf folgte dann nach dem Ende des Krieges die Versöhnungsarbeit von Angesicht zu Angesicht. Der Deckname „Operation Mondscheinsonate“ für den Angriff auf Coventry, hat allerdings nichts mit seinem Komponisten, Ludwig van Beethoven, zu tun – dessen diesjähriges Gedenkjahr angesichts der Pandemie glücklicherweise bis zum September 2021 verlängert wurde. Vielmehr haben die deutschen Planer scheinbar bevorzugt die deutsche Kultur und Geschichte (Wotan) als Decknamensreservoir für sich entdeckt und verwendet. Die Royal Air Force verwandte zeitweilig biblische Bezeichnungen (Gomorrha, Millenium) und später dann Namen von Fischen (Crayfish, Yellow Thuna) verwandte. Über das Ereignis und die Hintergründe der Unternehmung und dessen bedeutungsmächtigen Folgen für die daraus unerwartet resultierende Versöhnungsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Oberstleutnant Dr. Harald Fritz Potempa, Historiker und Luftkriegsexperte im ZMSBw.
- Eine Kfz-Halle in Bonn26.10., 10:5326.10.2020, 10:5301:10:40
Als am 12. November 1955 die ersten 101 Freiwilligen der neuen westdeutschen Streitkräfte ihre Ernennungsurkunden erhielten, mündete eine langjährige Konzeptions- und Planungsphase in den konkreten Aufbau der Bundeswehr. Erste Maßnahmen reichen bis in das Jahr 1947 zurück und nehmen ab Herbst 1949 Gestalt an. Ab diesem Zeitpunkt verbanden sich der politische Wille Konrad Adenauers mit dem Angebot ehemaliger Offiziere um Dr. Hans Speidel und Adolf Heusinger, der jungen Bundesrepublik Streitkräfte zu schaffen, um sich vom Objekt zum Subjekt internationaler Politik wandeln zu können. Seit 1949/50 hatten verschiedene Personen und Personengruppen selbständig oder im Auftrag der künftigen Alliierten begonnen, über einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag nachzudenken, nicht zuletzt Bundeskanzler Konrad Adenauer. Für ihn waren Streitkräfte unverzichtbarer Bestandteil eines souveränen Staates. Mehr als fünf Jahre sollte es allerdings noch dauern, bis diese erste Phase abgeschlossen werden konnte. Dazwischen lagen die Erstellung zentraler Konzeptionspapiere wie der Besprechungsplan oder der Augustdenkschrift, die Experten-Tagung im Kloster Himmerod, die langjährigen Verhandlungen um die letztlich gescheiterte Europäische Verteidigungsgemeinschaft und die Aufnahme der jungen Bundesrepublik Deutschland in die NATO im Mai 1955. Mit der Ernennung der ersten Soldaten sollte – jedoch nicht sofort – die Aufstellungsphase beginnen. Ab dem 2. Januar wurden die ersten Verbände, Schulen und Kommandos aufgestellt. Mit der Einführung der Wehrpflicht ab dem 1. April 1957 wuchsen die Streitkräfte, die seit 1956 „Bundeswehr“ hießen, rasant an. Doch die Zusage an die NATO, in vier Jahren 500.000 Soldaten dem Bündnis bereit zu stellen, konnte nicht eingehalten werden. Erst Ende der 1960er Jahre erreichte die Bundeswehr annähernd diese Marke. Im Übrigen erfolgte die Ernennung der ersten Freiwilligen an einem historischen Tag, dem 200. Geburtstag des preußischen Heeresreformers Generalleutnant Gerhard Johann David von Scharnhorst. Dieser ursprünglich hannoversche Offizier hatte nach 1806 und bis zum seinem Tod 1813 Grundlagen für eine Reform der preußischen Armee gelegt. Dazu zählte z.B. die Öffnung des Offizierkorps für Bürgerliche, die Forderung nach einem hohen Bildungsniveau und nicht zuletzt auch die 1814 eingeführte Allgemeine Wehrpflicht. Zu ihr hatte Scharnhorst festgestellt: „Alle Bürger des Staates sind geborene Verteidiger desselben.“ Im 14. Podcast des ZMSBw spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit den beiden Historikern und Oberstleutnanten Dr. Thorsten Loch (Heer) und Dr. Heiner Möllers (Luftwaffe) über die schwierige Gründung der Bundeswehr als Armee im Bündnis.
- Eine Kirche in der Geschichte24.09., 10:5424.09.2020, 10:5401:18:06
Die Garnisonkirche in Potsdam war eine der bedeutendsten barocken Kirchen Norddeutschlands. Das zwischen 1730 und 1735 errichtete Gotteshaus wurde als Simultankirche für eine überwiegend lutherische Militär- und eine reformierte Hof- und Zivilgemeinde genutzt. Das Kirchenschiff hatte dabei bis zu 4.000 Sitzplätze! Friedrich der Große und dessen Vater der „Soldatenkönig“ fanden hier ihre letzte Ruhe bis zum Abtransport der Särge vor Kriegsende. Die Kirche fiel zum Ende des Zweiten Weltkrieges dem Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945 zum Opfer und wurde schwer beschädigt, wenn auch nicht gänzlich zerstört. Seine Ruine ließ der DDR-Staat 1968 sprengen, obwohl sie zwischenzeitlich schon wieder für Gottesdienste genutzt worden war. Seit 2005 erfolgt der Wiederaufbau des Turmes. Im Gegensatz zur Frauenkirche in Dresden, deren Aufbau als eine nationale Aufgabe verstanden wurde, ist der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche umstrittenen: Hier hatte Adolf Hitler am „Tag von Potsdam“ den bildlichen Schulterschluss mit den alten preußischen Eliten vollbracht – wenn man den Bildern glauben will. Allein dieser Augenblick, der als Bild in Schulbüchern weithin bekannt zu sein scheint, befeuert eine kontroverse Debatte. Das ZMSBw widmet seinen neuesten Podcast diesem Teil der Potsdamer Stadtgeschichte. Mit Oberleutnant Helene Heldt und Oberstleutnant Dr. John Zimmermann spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann im 13. Podcast des ZMSBw über die historische Garnisonkirche, ihre Bedeutung für die Stadt und sein Militär, wie auch den Tag von Potsdam im März 1933. Mit Wieland Eschenburg und Oberkirchenrat Martin Vogel (beide Stiftung Garnisonkirche) spricht er danach über die heutige Bedeutung der Garnisonkirche und ihre Rolle in der Versöhnungsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg, auch im Rahmen der Nagelkreuzorganisation.
- Wiedervereinigung und Streitkräfte21.09., 10:5521.09.2020, 10:5500:54:23
Am 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes und damit der Bundesrepublik Deutschland bei. Für die Nationale Volksarmee der ehemaligen DDR (NVA) bedeutete dies, dass sie am 2. Oktober 1990 um 24 Uhr aufgehört hatte zu bestehen. Ihre Soldaten trugen bis dahin die Uniformen der NVA und danach das bundeswehreinheitliche „Gelboliv" mit dem noch ungewohnten Barett. Am 3. Oktober 1990 übernahm das für wenige Monate bestehende Bundeswehrkommando Ost unter der Führung von Generalleutnant Jörg Schönbohm die Auflösung der NVA, ihrer Kasernen und riesigen Material- und Munitionsbestände. Gleichzeitig aber begann für Angehörige der ehemaligen NVA, die anfänglich als Soldat auf Zeit für zwei Jahre (SaZ) in die Bundeswehr übernommen wurden, ein neuer Lebensabschnitt mit vielen Unbekannten: Wenn sie sich in der Bundeswehr bewähren würden, und die gleichzeitig einsetzende umfassende Reduzierung der Streitkräfte des nunmehr vereinten Deutschlands für sie einen Platz haben würde, könnten sie später Berufssoldaten werden. Die Bundeswehr besaß am Vorabend der Deutschen Einheit rund 495.000 Soldaten. Mit den von der NVA hinzugekommenen waren es rund 570.000 Soldaten. Nach den internationalen Verträgen zur konventionellen Abrüstung in Europa sollte sie später nur noch 370.000 Soldaten umfassen. Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann spricht im 12. Podcast des ZMSBw mit Wiss. Direktorin PD Dr. Nina Leonhard und Leitenden Wiss. Direktor Dr. Rüdiger Wenzke. Beide haben den Weg zur Einheit von unterschiedlichen Seiten der Grenze erlebt und sich danach intensiv mit der Auflösung der NVA und der Frage befasst, was aus den Menschen wurde.
- Schlachtenbummler und Militärschriftsteller14.09., 10:5414.09.2020, 10:5400:29:01
Sein literarische Werk umfasst fast 4.000 Seiten und beschäftigte Theodor Fontane (1819-1898) zwölf Jahre lang. Die Rede ist hier aber nicht von seinen bekannten Werken zu Effi Briest, Frau Jenny Treibel, dem Stechlin, den Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Gedichten oder Theaterkritiken. Nein, es geht um Kriege, die Fontane beobachtet und beschrieben hat. Von 1864 bis 1876 arbeitete er an seinen Büchern zu den sogenannten „Reichseinigungskriegen“: gegen Dänemark 1864, gegen Österreich 1866 und gegen Frankreich 1870/71. Seine Werke dazu sind weit mehr als schlichte Chronik. Er beschäftigt sich intensiv mit den politischen Hintergründen, mit Motiven, mit den beteiligten Armeen und den Orten der Schlachten sowie Belagerungen. Er lässt beide Seiten zu Wort kommen, konzentriert sich nicht nur auf die Generalität, sondern auch auf die Truppe unten. Wie Fontane zu diesen Werken kam, wie er es bearbeitet hat und ob er selbst am Krieg teilnahm, bespricht im 11. Podcast des ZMSBw Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Oberstleutnant Dr. Harald Fritz Potempa.
- Musik zur deutschen Einheit01.09., 10:5501.09.2020, 10:5500:17:07
Der Tag der Deutschen Einheit fand 2020 in Potsdam nicht mit einem Bürgerfest statt, wie es in den zurückliegenden Jahren üblich war. Anstelle dessen wurden am Alten Markt in der Potsdamer Innenstadt mit der „Einheits-Expo“ in gläsernen Kuben einzelne Installationen präsentiert, die die Geschichte des vereinten Deutschlands abbilden. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr ist daran mit zwei Kuben vertreten. In ihnen wird die Ausstellung „Militär und Gesellschaft in Deutschland seit 1945“ präsentiert, die das ZMSBw mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitet hat. Ergänzt wird die Tafelausstellung mit zeitgenössischen Exponaten und der Darstellung von Soldatenstuben aus Nationaler Volksarmee und Bundeswehr. Diese Inszenierung wird mit Musik umrahmt, aber nicht Marschmusik, wie mancher vermuten möchte. Stabsfeldwebel Guido Rennert, Komponist und Klarinettist im Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg, hat vor fünf Jahren eine Freiheitssinfonie komponiert und dabei Musikstücke und Zitate von Personen aus dem Wendeprozess 1989/90 eingebunden. Mit ihm spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann im 10. Podcast des ZMSBw über dieses einzigartige Musikstück. Ein Filmportrait von Stabsfeldwebel Guido Rennert – und seiner Freiheitssinfonie – finden Sie hier. Mehr zu Guido Rennert finden Sie auch auf www.guidorennert.de. Bei der Uraufführung der Freiheitssinfonie in Köln im Jahr 2015 war mit Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher (+) ein maßgeblicher Gestalter des „Wendeprozesses 1989/90“ Gast des Konzerts.
- Die ausgefallene Landung in England 194003.08., 10:5603.08.2020, 10:5600:20:55
Julius Cäsar landete in Südengland und besetzte weite Teile der Insel. 1066 landete Wilhelm der Eroberer, der Normannenherrscher, in Hastings und eroberte das Land. Für die Neuzeit sind Landungen und Besetzungen Großbritanniens nicht überliefert. Napoleon wollte es, ihm fehlten aber die militärischen Fähigkeiten dazu. 1940 schickte sich Hitler an, nach dem siegreichen Feldzug gegen Frankreich und der Errichtung der deutschen Hegemonie auf dem europäischen Festland auch die britischen Inseln zu besetzen. Als „Operation Seelöwe“ gingen die Vorbereitungen in die Geschichtsbücher ein – aber mehr als eine Fußnote waren sie nicht. Im 9. Podcast des ZMSBw sprechen Fregattenkapitän der Reserve Dr. Guntram Schulze Wegener und Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann über die Vorbereitungen zur Landung auf der britischen Insel, die 80 Jahre zurückliegen.
- Der Deutsch-Französische Krieg 1870/7119.07., 10:5619.07.2020, 10:5600:26:08
Überall in Deutschland erinnern Denkmäler an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges. Dieser Konflikt war die Geburtsstunde des Deutschen Reiches, das 1871 symbolträchtig im Spiegelsaal von Versailles proklamiert wurde. Mit der Reichsgründung erfüllte sich für viele der alte Traum eines einheitlichen Nationalstaates; sie veränderte die Machtverhältnisse auf dem europäischen Kontinent nachhaltig: Frankreich wurde zur Republik und Deutschland unter preußischer Führung ein Nationalstaat in der geographischen Mitte Europas. Heute weitgehend unvergessen ist von diesem Konflikt seine Dauer von knapp einem Jahr sowie die mehrjährige Besetzung weiter Teile Nord- und Ostfrankreichs durch deutsche Truppen. Im 8. Podcast des ZMSBw spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Prof. Dr. Michael Epkenhans über diesen Krieg. Einen guten Einstieg in den Krieg, seine Vorgeschichte und seine Folgen vermittelt: Michael Epkenhans, Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, Stuttgart: Reclam 2020 (= Kriege der Moderne), 160 Seiten, 14,95 €, ISBN 978-3-15-011271-7. Als Klassiker zum Thema bietet sich an: Theodor Fontane, Der Krieg gegen Frankreich, 4 Bände, Berlin 1873 (leider auch als Reprint oftmals nur antiquarisch erhältlich)
- Die Teilung der Welt07.07., 10:5707.07.2020, 10:5700:37:47
Am 17. Juli 1945 begann in Schloss Cecilienhof die Potsdamer Konferenz. Delegationen der drei Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, die USA, Großbritannien und die Sowjetunion, berieten dort über den künftigen Umgang mit dem besiegten Deutschland, den Krieg gegen Japan und weitere Fragen, die sich aus dem Kriegsende ergaben. Gleichzeitig verweist die Konferenz auf den beginnenden Kalten Krieg, weil sich hier evidente Gegensätze zwischen den politischen Vorstellungen der Siegermächte manifestierten. Die Auswahl des Versammlungsortes, im ehemaligen Wohnsitz des früheren preußischen Kronprinzen Wilhelm und seiner Frau Cecilie, war nur scheinbar zufällig: In Potsdam gab es für die Delegationen ausreichende Unterkünfte in Babelsberg am Griebnitzsee, und mit dem Schloss stand ein Konferenzort mit vielfältigen Beratungs- und Verhandlungsräumen zur Verfügung. Über die Konferenz, ihre Entstehung und Ihre Auswirkungen auf die Stadt sowie die Einwohner und Einwohnerinnen von Potsdam spricht Oberstleutnant PD Dr. John Zimmermann im 7. Podcast des ZMSBw mit Dr. Jürgen Luh, Direktor des Research Center Sanssouci der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg sowie Oberleutnant Helene Heldt M.A. Der Begleitband zur Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg, Potsdamer Konferenz 1945. Die Neuordnung der Welt. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg; Jürgen Luh (Hrsg.), Dresden: Sandstein Verlag, 2020, ISBN 978-3-95498-546-3, 34,00 € ist im Buchhandel oder bei der Ausstellung sowie über die Website der Stiftung erhältlich.
- Eine Europa-Armee?29.06., 11:0629.06.2020, 11:0600:56:41
Eine Europa-Armee, eine europäische Armee oder eine Armee der Europäer? Historisch betrachtet ist die Debatte über die Schaffung gemeinsamer europäischer Streitkräfte nicht neu. Aufgrund der Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in den letzten Jahren ist die Idee einer „Europa-Armee“ jedoch wieder ein hoch aktuelles Thema in der Europapolitik. Die Bundesregierung hat sich wiederholt für eine weitere Vertiefung der europäischen Verteidigungszusammenarbeit ausgesprochen und benennt die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Armee als ein Fernziel ihrer Arbeit. Weniger bekannt ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu diesem Thema. Das ZMSBw hat deshalb jüngst einen Forschungsbericht veröffentlicht, der eine umfassende empirische Analyse der aktuellen öffentlichen Meinung in Deutschland zur europäischen Verteidigungszusammenarbeit im Allgemeinen und zur Schaffung einer Europa-Armee im Besonderen vornimmt. Welche Bevölkerungsgruppen unterstützen die Schaffung einer Europa-Armee? Welche Gründe sprechen aus Sicht der deutschen Bevölkerung für bzw. gegen die Schaffung gemeinsamer Streitkräfte? Welche Rolle spielte die russische Annexion der Krim oder die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA für die öffentliche Meinung zur Schaffung einer EU-Armee? Wird eine EU-Armee von den Bürgerinnen und Bürgern als Alternative zur NATO empfunden? Ist der Parlamentsvorbehalt aus Sicht der Bevölkerung ein Stolperstein auf dem Weg zu gemeinsamen Streitkräften? Welche Initiativen sind während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab dem Juli 2020 zu erwarten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Europa-Armee“ beantwortet Dr. Timo Graf im 4. Podcast des ZMSBw mit Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann.
- Frankreichs Niederlage 194025.06., 11:0525.06.2020, 11:0500:31:41
Am 22. Juni 1940 endete im Wald vom Compiègne der „Westfeldzug“ der Wehrmacht mit der Niederlage der französischen Armee und der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages. Nach nur sechs Wochen hatten die deutschen Truppen die bislang neutralen Niederlande und Belgien sowie Teile Frankreichs besetzt und die britischen Streitkräfte vom Festland vertrieben. Hitler war auf dem Höhepunkt seiner Macht und Beliebtheit im deutschen Volk – hatte er doch binnen kürzester Zeit in einem „Blitzkrieg“ das erreicht, was im Ersten Weltkrieg in vier Jahren nicht gelang: Frankreich zu schlagen. In genau dem Salonwagen, in dem am 11. November 1918 eine deutsche Delegation den Waffenstillstand zum Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnen musste, ließ Hitler nun Frankreich den Waffenstillstand unterschreiben. Dem in dieser Art überraschend schnellen deutschen Sieg folgten Jahre deutscher Besatzung auf dem westeuropäischen Festland. Über diese Ereignisse spricht im 6. Podcast des ZMSBw Oberstleutnant PD Dr. John Zimmermann mit dem Wissenschaftlichen Oberrat Dr. Peter Lieb.
- Schulschiff Deutschland.22.06., 11:1622.06.2020, 11:1600:15:28
Die 5. Folge des Podcast des ZMSBw widmet sich dem Schulschiff Deutschland, das vor 30 Jahren außer Dienst ging. Seit 1963 und bis 1990 besaß die deutsche Marine ein Schiff, das DEUTSCHLAND hieß. Es war ein Mehrzweckschiff, das vor allem als Ausbildungskreuzer für angehende Offizieranwärter genutzt wurde und dabei zahlreiche Auslandsreisen unternahm. Vor 30 Jahren, 1990, wurde die DEUTSCHLAND außer Dienst gestellt. 1994 wurde sie am Strand von Alang in Indien abgewrackt. Fregattenkapitän der Reserve Dr. Guntram Schulze-Wegener und Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann, selbst letzter Artillerieoffizier auf der Deutschland, sprechen in diesem 5. Podcast des ZMSBw über das Schiff, das „in die Jahre gekommen war“.