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Episoden
100- Hybride Kriegführung und der Kampf um die Ukraine27.06., 10:0027.06.2022, 10:0000:49:51
Die überraschende Übernahme der Krim durch maskierte russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen im Februar/März 2014 und die anfänglichen Leugnung des Kreml, damit in Verbindung zu stehen, haben das Bild einer „hybriden“ Art der Kriegführung weltweit geprägt. Die weitere Entwicklung im Osten der Ukraine mit nachbarstaatlich gestütztem Separatismus und der bewaffneten Errichtung und militärischen Absicherung pseudostaatlicher Volksrepubliken (Donetzk, Lughansk), unter Rückgriff auf u.a. „im Urlaub befindliche russische Kämpfer“, hat diese Wahrnehmung eines „hybriden“ Krieges weiter verstärkt. Acht Jahre lang stand anschließend das Streben nach plausibler Abstreitbarkeit einer offiziellen Beteiligung Moskaus im Mittelpunkt des russischen Agierens im „hybriden Stellungskrieg“ im Donbass. Mit seinem großangelegten Überfall auf die Ukraine vom 24. Februar 2022 trat Russland aus dem Schattenbereich zwischen Krieg und Frieden, Freund und Feind heraus. Bedeutet dies das Ende hybrider Kriegführung im Kampf um die Ukraine? Über den Wandel im Kriegsbild und die fortgesetzte Bedeutung hybrider Kriegführung spricht Oberst Dr. Uwe Hartmann mit Oberst Dr. Johann Schmid, Kriegswissenschaftler am ZMSBw, Gründungsdirektor COI Strategy & Defence am European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats (Hybrid CoE) in Helsinki (FIN), zuvor BMVg und deutscher Vertreter im Steering Board des Hybrid CoE.
- Die Bundeswehr im Katstropheneinsatz21.06., 12:4121.06.2022, 12:4100:56:25
Sturmflut an der Deutschen Nordseeküste 1962 – Waldbrände in Niedersachsen 1975/76 - Oderhochwasser 1997 - Ahrhochwasser 2022: Wenn sich Naturkatstrophen ereignen, ist die Bundeswehr zur Stelle. Ihre Soldatinnen und Soldaten retten, bergen und schützen, gemeinsam mit zivilen Hilfsorganisationen. Und oftmals führen dann Offiziere den Gesamteinsatz. Folge 39 von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw“ widmet sich der Bundeswehr im Katastropheneinsatz. Oberst Dr. Uwe Hartmann spricht dazu einerseits mit General a.D. Hans-Peter von Kirchbach, Generalinspekteur der Bundeswehr 1998-200 und zuvor als Kommandeur der 14. Panzergrenadierdivision Führer des Einsatzes aller Hilfskräfte beim Oderhochwasser 1997. Zweiter Gesprächspartner ist Oberst Stefan Weber, Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz, und Führer des Katstropheneinsatz beim Ahrhochwasser im Juli 2022. Beide Einsätze waren von ihren Dimensionen sehr unterschiedlich: Während es beim Oder-Hochwasser einige Tage „Vorlauf“ gab und nur wenige Tote zu beklagen waren, kam das Ahr-Hochwasser buchstäblich „über Nacht“ und riss mehr als 140 Menschen in den Tod. An der Oder wurden 1997 rund 30.000 Helfer eingesetzt, aber nicht alle gleichzeitig und nicht alle kamen von der Bundeswehr. An der Ahr waren rund 1.500 Soldaten im Einsatz. Um ein Vielfaches höher war die Zahl der zivilen Helfer. In beiden und anderen Einsätzen waren es ranghohe Offiziere der Bundeswehr, die den Einsatz führten und dabei militärische wie zivile Hilfskräfte (Polizei, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz und andere) zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung bündelten. Offensichtlich stellen militärische Führungsmethoden und -prozesse gerade bei solchen krisenhaften Notlagen ihre großen Stärken unter Beweis. Weitere Hintergrundinformationen sowie eine Überblicksdarstellung zur „Amtshilfe“ oder Katastrophenhilfe der Bundeswehr in diesen wie auch vergleichbaren Fällen im In- und Ausland finden Sie bei den Gesprächen am Ehrenmal.
- Frauen in der Bundeswehr14.06., 10:3014.06.2022, 10:3001:01:29
Die Bundeswehr ist seit ihrer Gründung ein Arbeitgeber auch für Frauen. Was zunächst in der zivilen Wehrverwaltung - und vielfach als Sekretärinnen - begann, setzte sich Mitte der 1970er Jahre für wenige Ärztinnen der Bundeswehr fort. Erst das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 11. Januar 2000 im Fall Tanja Kreil öffnete die Bundeswehr schließlich in Gänze für Frauen. Seither sind Frauen aus der Bundeswehr nicht mehr wegzudenken. Die Zahl der Frauen in der Bundeswehr ist zwischenzeitlich auf etwa 23.500 gestiegen - rund 13 Prozent aller Angehörigen der Streitkräfte unseres Landes. Frauen bilden somit eine wichtige Personalrekrutierungsressource für die deutschen Streitkräfte und tragen wesentlich dazu bei, die Einsatzbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr zu gewährleisten. Im Laufe der Zeit sind sie auch auf der militärischen Karriereleiter ein großes Stück vorangekommen: Waren es Mitte der 1970er nur Ärztinnen, die in die Bundeswehr eintreten konnten, kamen Mitte der 1990er Jahre der Sanitätsdienst und die Militärmusik hinzu. Seit 2001 stehen Soldatinnen alle Laufbahnen offen. Sie können ebenso Kampfflugzeugführer(in) wie auch Kommandosoldat im KSKKommando Spezialkräfte oder U-Boot-Kommandatin werden. Der Weg bis zu diesen Möglichkeiten war und ist jedoch nicht immer einfach: Persönliche Eignungen, Einschätzungen durch Vorgesetzte - die Frauen anders als Männer sehen - und persönliche Lebensplanungen stehen immer wieder im Spannungsverhältnis zueinander. In Folge 37 von „Zugehört! Der Podcast des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“ geht es um die Möglichkeiten als auch die Schwierigkeiten in den militärischen Berufswegen und Karrieren von Frauen in der Bundeswehr. Dr. Gerhard Kümmel sprich dazu anlässlich des Diversity Days 2022 im Gespräch mit Frau Oberleutnant Wiebke Hönicke aus dem Panzerpionierbataillon 4 in Bogen/Niederbayern, Frau Dr. Meike Wanner, Wissenschaftlerin am ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, und Frau Claudia Paul, der Leiterin des Stabselements Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion im Bundesministerium der Verteidigung.
- Das Massaker von Oradour 194408.06., 13:0408.06.2022, 13:0400:41:02
Das Massaker von Oradour-sur-Glane am 10. Juni 1944 gilt als das größte deutsche Kriegsverbrechen auf dem westlichen Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg. Angehörige der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ ermordeten in diesem Dorf im französischen Limousen 642 Menschen, Männer, Frauen und Kinder. Der Ort wurde faktisch ausgelöscht. Heute sind dort nur noch Ruinen zu sehen. Der Ort wurde in unmittelbarer Nähe neu aufgebaut. Das Massaker reiht sich ein in eine Folge von Kriegsverbrechen, die deutscherseits teilweise auch als Reaktion auf Aktionen der französischen Resistance insbesondere nach der Landung der Alliierten in der Normandie begangen worden sind. In dieser Folge von „ZUGEHÖRT!“ spricht Oberstleutnant Chris Helmecke mit Dr. Peter Lieb über dieses Massaker. Sie sprechen über die Entgrenzung des Krieges und ordnen das Ereignis in den Zweiten Weltkrieg ein und erörtern die unterschiedliche Kriegführung von Wehrmacht und Waffen-SS sowie die dabei begangenen Kriegsverbrechen. Weitere Informationen Die ausschließlich französischsprachige Website des Gedenkortes finden Sie hier http://www.oradour.org/ Die „Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung“, Heft 1/2022 enthält einen Beitrag von Peter Lieb zum Massaker von Oradour-sur-Glane. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/weitere-bmvg-dienststellen/zentrum-militaergeschichte-sozialwissenschaften/zmsbw-publikationen-zmg-heft-1-2022-5369976 Literaturhinweise Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, Max Hastings, Das Reich. The March of the 2nd SS Panzer Division Through France, June 1944, London 1981 (verschiedene Nachdrucke) Ahlrich Meyer: Oradour 1944. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Orte des Grauens – Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Primus, Darmstadt 2003, S. 176–185. Claudia Moisel: Frankreich und die deutschen Kriegsverbrecher. Politik und Praxis der Strafverfolgung nach dem Zweiten Weltkrieg (= Dissertation, Universität Bochum 2002). Edition Wallstein, Göttingen 2004 Bildquelle: imago/All Canada Photos
- Mehr als nur ein Zeremoniell!26.04., 10:0026.04.2022, 10:0000:53:16
Der Große Zapfenstreich Fast jeder (in der Bundeswehr) kennt ihn, viele haben ihn gesehen und in jüngerer Zeit findet man ihn vielfach bei Youtube, nicht zuletzt zum Abschluss des Afghanistan-Einsatzes: Den Großen Zapfenstreich. Dieses höchste militärische Zeremoniell wird Bundespräsidenten und Bundeskanzlerinnen und -kanzlern sowie den Bundesministerinnen und -ministern der Verteidigung wie auch einigen wenigen Generalen und Admiralen zum Abschied geboten. Rund 270 Soldatinnen und Soldaten sowie 80 Musikerinnen und Musiker sind notwendig, um ihn so aufzuführen, wie es das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung für "angemessen" hält. (Damit meinen sie in der Regel "sehr gut" - alles andere wäre für sie nicht akzeptabel.) In der 35. Folge von "ZUGEGHÖRT" der Podcast des ZMSBw spricht Oberst Dr. Sven Lange mit Kai Beinke, Oberstleutnant und Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Dr. Manfred Heidler, Musikwissenschaftler im Zentrum Militärmusik, sowie Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers, Historiker am ZMSBw, über den Großen Zapfenstreich, seine Musik, seine Bedeutung, seine Geschichte - und wie man ihn aufführt.
- Kriegsverbrechen und Völkerrecht14.04., 10:0014.04.2022, 10:0000:36:45
Der Krieg in der Ukraine richtet sich zunehmend gegen die dortige Zivilbevölkerung. Viele Opfer sind Zivilisten. Russland dementiert medial berichtete Kriegsverbrechen und erschwert mit seinem Medienkrieg die Tatsachenfeststellung. Wie ist es möglich, juristisch belastbare Beweise in dieser unübersichtlichen Lage zu sichern und später die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen - möglicherweise vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag? In Folge 36 von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw spricht Dr. Anja Seiffert mit Henning de Vries über die juristische Aufarbeitung von Kriegsverbrechen im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Fälle von Butscha in der Ukraine stellt sich die Frage, wie eine juristische Aufarbeitung erfolgen kann. Ob es dazu kommen wird, kann jetzt noch gar nicht festgestellt werden. Fraglich bleibt dabei ebenfalls, ob die politischen Verantwortlichen für den Krieg und den dabei begangenen Verbrechen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden und welche Folgen sich daraus für die internationale Ordnung und für die Bundeswehr ergeben. Festzuhalten ist, dass der Internationale Strafegerichtshof bereits Untersuchungen zu Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Ukraine aufgenommen hat. Ob, wann und wie diese Verbrechen sanktioniert werden, ist aber noch nicht zu sagen. Literaturhinweise Gornig, Carolin. Der Ukraine-Konflikt aus völkerrechtlicher Sicht. Duncker & Humblot, Berlin 2020. Hankel, Gerad (Hg.). Die Macht und das Recht. Beiträge zum Völkerrecht und Völkerstrafrecht am Beginn des 21. Jahrhunderts. Hamburger Edition, Hamburg 2008.
- Rapallo 192204.04., 15:5904.04.2022, 15:5900:47:04
Ein diplomatischer Coup! Deutschland und die Sowjetunion brechen aus der diplomatischen Isolation aus. Aber gab es damals ein Geheimabkommen? Nach dem Ersten Weltkrieg war die internationale Wirtschaft in Unordnung geraten. Die Kriegsverlierer, insbesondere Deutschland, waren kaum imstande, ihre Reparationsleistungen zeitgerecht zu zahlen. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen fand in Genua im April 1922 eine internationale Konferenz statt, an der auch eine deutsche und eine sowjetische Delegation eingeladen waren - allein, um am „Katzentisch“ die Beschlüsse der Siegermächte in Empfang zu nehmen. Reichskanzler Joseph Wirth (2. v. l.) mit den Vertretern der sowjetrussischen Seite Krassin, Tschitscherin und Joffe Bundesarchiv Beide Staaten waren jedoch gleichermaßen diplomatisch isoliert: Deutschland als Kriegsverlierer und die Sowjetunion als bolschewistischer Staat. Erstaunlicherweise fanden beide Staaten während der Konferenz Zeit, im 30 Kilometer entfernten Rapallo einen knappen Vertrag über diplomatische und vor allem wirtschaftliche Beziehungen zu unterzeichnen. In der Folge entstand auch eine Kooperation zwischen der durch den Versailler Vertrag limitierten Reichswehr und den im Aufbau befindlichen sowjetischen Streitkräften. In Folge 34 von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“ spricht Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers mit Major Dr. Dennis Werberg und Hauptmann Pierre Köckert über diesen Vertrag, seine Entstehung und seine Bedeutungen für beide Staaten, die auch zu militärischen Kontakten führten.
- Karl May - Bestsellerautor und Pazifist23.03., 10:0023.03.2022, 10:0000:24:42
Auf Einladung der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner hält Karl May (1842 – 1912) am 22. März 1912 in Wien eine Rede, in der er zum Frieden aufruft. Er zitiert zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg aus ihren Schriften, in der sie vor den Gefahren eines künftigen Luftkrieges warnt. Den Krieg erlebt er nicht mehr, er stirbt wenige Tage nach dem Vortrag. Wer ist aber dieser Karl May, der zu den meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts zählt und bis heute eine große Fangemeinde sowie einen eigene „Gesellschaft“ und ein eigenes Museum hat? Wie passt seine Rede zu seinem sonstigen Werk, das für viele Menschen von Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi & Co. geprägt ist? Esther Geiger spricht mit dem Historiker und bekennenden Karl-May-Fan Dr. Harald Potempa über das umfangreiche Werk des Autors. Dabei geht es auch um heute eher unbekannte Bücher von Karl May aus der über 90 Titel umfassenden Reihe seiner Gesammelten Werke.
- Was ist die Ukraine?04.03., 10:0004.03.2022, 10:0000:55:27
Hintergründe und Narrative Folge 32 von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr!“ ist hochaktuell: es geht um die Invasion der Ukraine durch Truppen der Russischen Föderation. In einer einstündigen Rede begründete Wladimir Putin die Anerkennung der russischen Separatisten-Gebiete in der Ukraine und - Zitat! - der „militärischen Sonderoperation“. Dazu nannte der Präsident Russlands zwei Begründungserzählungen: Eine politische, nach der der Westen die Ukraine in die NATO aufnehmen und aus dem Staat ein Anti-Russland machen wolle. Als zweite bemühte er die historische Erzählung, dass die Ukraine gar kein souveräner Staat sei und es dann auch keine eigenständige ukrainische Nation gäbe. Vielmehr sei die Ukraine erst durch Russland geschaffen worden und also „russischer Boden“. Die Ukraine gehöre damit zu Russland und habe kein Anrecht auf Autonomie. Über diese Erzählung Putins einer „historischen Einheit von Russen und Ukrainern“, die als Begründung und Rechtfertigung der russischen Invasion dient, spricht Oberst Dr. Sven Lange mit Prof. Dr. Rudolf A. Mark, emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte an der Helmut Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr in Hamburg.
- Militärseelsorge - Im Dienst am Menschen25.02., 09:0025.02.2022, 09:0001:12:14
Vor 65 Jahren, am 22. Februar 1957, unterzeichneten in Bonn Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sowie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bischof Otto Dibelius und der Leiter der EKD-Kirchenkanzlei Heinz Brunotte den „Vertrag der Evangelischen Kirche in Deutschland mit der Bundesrepublik Deutschland zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge“. Dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass, um über die Seelsorge in der Bundeswehr gestern und heute ins Gespräch zu kommen: Welche Unterschiede bestehen zwischen der Seelsorge in der Bundeswehr und der Militärseelsorge in früheren deutschen Streitkräften? Was zeichnet die Arbeit von Militärgeistlichen heute aus? Warum trägt der Staat Sorge für die Organisation von evangelischer, römisch-katholischer und neuerdings auch jüdischer Militärseelsorge? An wen richtet sich das Angebot der drei Militärseelsorgen in der Bundeswehr? Vor welchen Herausforderungen stehen sie gegenwärtig? Diese und andere Fragen werden in der 31. Folge von „Zugehört! Der podcast des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“ gestellt. Oberstleutnant Dr. Harald Potempa spricht dazu mit Dr. Angelika Günzel (PDF, 396,3 KB), Leiterin des Militärrabbinats, Dr. Dirck Ackermann, Leiter des Referats für Seelsorge und Theologische Grundsatzangelegenheiten im Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr in Berlin und Dr. Sven Behnke, evangelischer Theologe im ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.
- Das Ansehen der Bundeswehr04.01., 15:0004.01.2022, 15:0000:42:20
Aus der Truppe hört man häufig, dass die Bundeswehr gesellschaftlich nicht anerkannt sei. Soldatinnen und Soldaten beklagen, dass ihr Berufsstand und ihr Dienst zu wenig Wertschätzung seitens der Mitbürgerinnen und Mitbürger erhalte. Aber gibt es in Deutschland wirklich das vielbeschworene „freundliche Desinteresse“ oder unterliegen Bundeswehrangehörige hier eine Fehlwahrnehmung? Wie stehen die Deutschen tatsächlich zu ihren Streitkräften? Und was passiert, wenn man die Bevölkerung selbst nach dem Meinungsklima, also nach der vermuteten Mehrheitsmeinung, zu dieser Thematik fragt? In der 30. Folge unseres Podcasts „Zugehört“ diskutieren die Sozialwissenschaftlerin Dr. Meike Wanner, der frühere Jugendoffizier Hauptmann David Zeidler und Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers auch anhand von Umfragedaten und aufgrund persönlicher Erfahrungen dieses wichtige Thema.
- Früher war mehr Lametta!12.12., 15:2812.12.2021, 15:2800:36:32
Was hat Loriots Opa Hoppenstedt mit Kaiserkrönungen und Königswahlen im alten Deutschland, also vor 1806, zu tun? Das klärt Folge 29 von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“ auf. Spoileralarm: Der Titel verweist auf Juwelen, Prunk und Gelage bei der Bestimmung künftiger Monarchen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, wobei manchmal der alte Kaiser und König noch lebte, während der neue bestimmt wurde. Tasächlich war das alles ein hochpolitischer Aushandlungsprozess mit großem Zeremoniell, und manchmal war es auch „Kuhhandel“. In ersten „Weihnachtspodcast“ des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr erklärt Oberstleutnant Dr. Robert Riemer im Gespräch mit Oberstleutnant Dr. Harald Potempa, wieso Krönungen im Mittelalter an Weihnachten stattfanden, warum es damals in Deutschland keine „natürliche Thronfolge per Geburt“ gab und welchen Aufwand einige wenige zur Krönung vorher betreiben mussten. Dabei wird auch das erste deutsche „Grundgesetz“ erklärt, die Goldene Bulle von 1356, das die Regeln für die Königs- bzw. Kaiserwahl in Deutschland im Mittelalter festlegte.
- Keine "Butterfahrt": SHARP GUARD 1992-199606.12., 09:0006.12.2021, 09:0000:50:25
Erinnern Sie sich an den Bürgerkrieg in Jugoslawien ab 1991? Wussten Sie, dass es damals ein mehrjähriges Embargo gegen den zerfallenden Staat gab? Wenn nicht, sind Sie hier richtig. Folge 28 von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw“ ruft die Zeitenwende von 1991 in Erinnerung, als die Außenpolitik des vereinten und souveränen Deutschlands überlegen musste, was die Bundeswehr für Aufgaben haben soll, wenn der große Ost-West-Konflikt nicht mehr existiert. Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch erklärt SHARP GUARD. Die von 1992 bis 1996 andauernde Überwachung des Handelsembargos gegen (Rest-)Jugoslawien gab der Marine eine neue Aufgabe, unter dem Dach einer UN-Resolution und ausgeführt durch die NATO und die Westeuropäische Union. Sie hören dabei auch, welche Rolle die „Salamitaktik“ der damaligen Bundesregierung besaß, den außenpolitischen handlungsspielraum des souveränen Deutschlands zu erweitern. Einen lesenswerten Beitrag von Christian Jentzsch finden Sie in Ausgabe 3/2021 der Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung. Bildquelle: Bildquelle: Ein Boarding-Team des kanadischen Zerstörers HMCS Algonquin(DDG_283) setzt zum Frachter ACRUX ein, der damals unter panamesischer Flagge fuhr. © NATO, 1993
- Militärgeschichte - mehr als "Krach und Bumm"!30.11., 09:0030.11.2021, 09:0000:50:34
Militärgeschichte ist hip! Das beweisen nicht nur unzählige Youtube-Kanäle oder Formate in Fernsehprogrammen, in den ständig der letzte Weltkrieg erzählt, das Schlachtschiff Bismarck versenkt oder Starfighter zum Absturz gebracht werden. Zahlreiche Museen und Historiker präsentieren ihre Exponate, Themen oder neuesten Bücher. Wer etwas zur Militärgeschichte wissen will, wird außerdem fündig auf dem Buchmarkt, der unzählige Publikationen aller Formate anbietet. Folge 27 von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw" widmet sich deswegen der Frage, was denn nun wirklich Militärgeschichte ist, was sie sein kann und will? Ist es eine Generalstabswissenschaft oder richtet sie sich an alle, die Interesse an Geschichte haben. Muss man eine Uniform tragen, um sie betreiben zu dürfen und zu können? Oder kann das jeder? Oberst Dr. Sven Lange, Kommandeur des ZMSBw, spricht darüber mit Oberst i.G. Prof. Dr. Matthias Rogg, einem ausgewiesenen Kenner der Materie. Weitere Einstiegsmöglichkeiten zur Militärgeschichte Zum Thema „Militärgeschichte“ bietet das Internet ganz fraglos ein unübersehbares Angebot an. Sie reichen von allerlei militärgeschichtlichen Vereinen und ihren Plattformen über schier unzählbare Literatur bis zu allen erdenklichen Angeboten (Bunkertouren inklusive). Ein paar dieser Informationsmöglichkeiten werden auf der Website des ZMSBw beispielhaft genannt. Kurzum: Es scheint in der militärgeschichtlichen Forschung beinahe nichts zu geben, was es nicht gibt. Und diese Wissenschaft ist eben nicht allein Generalstabsoffizieren überlassen.
- 120 Jahre Boxerkrieg in China - Teil 4 - China vor 190023.09., 09:0023.09.2021, 09:0000:35:48
China vor 1900 - Terra Incognita Dr. Heike Frick, Freie Universität Berlin, erklärt die komplexe innenpolitische Lage Chinas und seine kulturellen Besonderheiten inklusive der sozialen Strukturen und politischen Akteure. China war aufgrund seiner Größe und Versorgungsprobleme sowie der dynastischen Politik des Kaisers und anderer einflussreicher Kreise am Hofe nach außen schwach – was die imperialistisch agierenden Staaten auszunutzen versuchten.
- 120 Jahre Boxerkrieg in China - Teil 3 - die Analyse der Expedition23.09., 09:0023.09.2021, 09:0000:14:26
Lessons Learned - die Analyse der Expedition Oberstleutnant Dr. Christian Stachelbeck gewährt Einblicke in die „Einsatznachbereitung“ der deutschen Streitkräfte. Noch auf dem Heimweg legte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee, der Oberkommandierende der internationalen Koalition, erste Aufzeichnungen an, die er Kaiser Wilhelm II. direkt vorlegte. Später richtete die Armee eine „Kommission zur Beratung der für etwaige künftige Expeditionen erforderlichen und wünschenswerten Maßnahmen“, kurz: die Waldersee-Kommission, ein. Sie wie auch eine spätere weitere Kommission kam zum Schluss, dass das Deutsche Reich für solche Fälle eine Expeditionsstreitmacht aufstellen sollte – wozu es aber nie kam: Armee und Marine konnten sich auch aus Etatgründen nicht darauf einigen, wer dafür Geld und Truppen bereitstellen sollte.
- 120 Jahre Boxerkrieg in China - Teil 2 - China gegen den Rest der Welt23.09., 09:0023.09.2021, 09:0000:26:18
Prof. Dr. Susanne Kuss, Universität Freiburg im Breisgau, beschreibt im zweiten Teil den Boxeraufstand und die internationale wie deutsche Reaktionen an sich. Insbesondere geht sie auf die „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II. bei der Verabschiedung deutscher Soldaten in Bremerhaven ein. Die Rede war eine Grenzüberschreitung des Kaisers, die die Gewaltexzesse deutscher Soldaten in China mit einem Freibrief versah. Kein Verbrechen musste verfolgt und geahndet werden.
- 120 Jahre Boxerkrieg in China - Teil 1 - China 190023.09., 09:0023.09.2021, 09:0000:37:32
China 1900 - Ein Markt, der Begehrlichkeiten weckt. Privatdozent Dr. Tanja Bührer, Universität Bern/Schweiz, führt im ersten Teil dieser Podcastfolge in die internationale Gemengelage ein, die im Krieg mündete. China war für einige europäische Mächte ein Markt der Zukunft, an dem man sich bereichern konnte und wo kein Staat auf Einfluss verzichten wollte. Handel wurde dabei anfänglich als Politikinstrument verstanden, aber durchaus mit militärischer Stärke untermauert. Letztlich führte der Widerstand der chinesischen Bevölkerung gegen die Invasoren und ihre Missachtung aller chinesischen Kultur zum Krieg. - Am Ende spannt Tanja Bührer den Bogen in die Jetztzeit und zeigt so auf, dass sich imperailistische Verhaltungsmuster in der Politik umkehren können.
- "9/11" und das Pentagon10.09., 09:0010.09.2021, 09:0000:25:13
Sicherheitspolitische Entscheidungen am 11. September 2001. Donald Rumsfeld gegen Osama bin Laden. 25. Folge von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw". Mit fast 3.000 Toten waren die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA die schwersten auf ein westliches Land. Doch welche Absicht verfolgten die hierfür Verantwortlichen und welche sicherheitspolitischen Entscheidungen lösten die Taten warum aus? Über den Tag wurde bereits viel veröffentlicht, aber mitunter treten noch neue Quellen zu Tage. Anhand von zwei jüngst offengelegten Dokumenten lassen sich die Entscheidungen im ebenfalls an „9/11“ getroffenen US Department of Defense (DoD) rekonstruieren. Es handelt sich um die handschriftlichen Notizen des stellvertretender Leiters der Politikabteilung im DoD Stephen Cambone und der Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragten des DoD Victoria Clarke. Auch über die Entscheidungen innerhalb der für die Anschläge verantwortlichen Organisation al-Qaida und ihres damaligen Anführer Osama bin Laden ist mittlerweile mehr bekannt, insbesondere durch Zeitzeugengespräche. Aussagen von Angehörigen und engen Begleitern von bin Laden lassen erahnen, wieso bin Laden das Wagnis einging, die einzig verbliebene Supermacht USA anzugreifen. In dieser Folge von "ZUGEHÖRT!" spricht Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers mit Dr. Philipp Münch. Er ist Projektbereichsleiter im Forschungsbereich Sicherheitspolitik und Streitkräfte und arbeitet derzeit an einer Studie über die internationalen Schlüsselentscheidungen, die das militärische Engagement in Afghanistan bestimmten.
- Mythos Bismarck10.09., 08:2310.09.2021, 08:2300:37:54
Am 24. Mai 1941 versenkte die „Bismarck“ mit dem Schweren Kreuzer „Prinz Eugen“ im „Unternehmen Rheinübung“ den britischen Schlachtkreuzer „Hood“ - und ging selbst drei Tage später nach einer beispiellosen Jagd der Royal Navy in den Fluten des Atlantiks unter. Die Faszination um das damals modernste deutsche Schlachtschiff ist bis heute ungebrochen. Der britische Premierminister Winston Churchill war einer der ersten, der an der aufkommenden Mythenbildung mitwirkte. Er verlangte von der Royal Navy die Versenkung dieses dieses damals modernsten Schlachtschiffs, „whatever it costs!“. Und dies, obwohl die „Bismarck“ nur eines von sehr wenigen wirklich gefährlichen Schiffen der Kriegsmarine war. Insgesamt war die deutsche Flotte damals der britischen an Zahl deutlich unterlegen. Vom bis heute die „Bismarck“ umgebenden Mythos zeugt auch ihre mediale Wahrnehmung: Beinahe monatlich wiederholen Spartensender im Fernsehen ihre Dokumentationen über dieses mächtige Schiff. Und noch 2019 brachte die schwedische Heavy-Metal-Band Sabaton einen Song mit dem Titel Bismarck heraus. Tatsächlich geht es dem deutschen Schlachtschiff wie der „Titanic“ 1912: bei der Jungfernfahrt untergegangen, überlebt sie in der Erinnerung, von Mythen verklärt. In der 23. Folge von “ZUGEGHÖRT! der Podcast des ZMSBw„ Podcast beschreibt Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch im Gespräch mit Fregattenkapitän Dr. Guntram Schulze-Wegener den Mythos dieses deutschen Schlachtschiff-Giganten, die Strategie, die zu der Atlantikoperation des Kampfverbandes führte, sowie den Verlauf des „Unternehmen Rheinübung“ und die Folgen für die deutsche Seekriegführung: Der Untergang der „Bismarck“ war faktisch nicht weniger als das Ende der deutschen Überwasserkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Außer U-Booten hatte die deutsche Kriegsmarine in den folgenden Jahren nicht mehr viel zu bieten.