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Episoden
130- René Girard #1 - Mimetisches Begehren und der Sündenbock-Mechanismus20.08., 05:0020.08.2025, 05:0000:54:44
Der französische Kulturanthropologe René Girard ist vor allem aus einem Grund wieder in aller Munde: Weil der rechts-libertäre Tech-Milliardär Peter Thiel sich immer wieder auf ihn als seinen wichtigsten intellektuellen Einfluss bezieht. Doch was ist dran an Girards Theorien? Girard geht davon aus, dass fast alles Begehren mimetisch ist. Das heißt, wir begehren die meisten Dinge nur deshalb, weil wir sehen, dass sie von anderen begehrt werden. Unser Begehren befeuert dann wiederum das Begehren der anderen und so weiter. Mimetisches Begehren führt also schnell zu einem Feedback-Loop und schaukelt sich dadurch hoch bis zu einem erbitterten Konkurrenzkampf auf Leben und Tod. Abhilfe für dieses mimetische Gewaltpotenzial schafft der Sündenbock-Mechanismus, bei dem einem willkürlich ausgewählten Opfer die Schuld für die angestauten mimetischen Spannungen gegeben wird. Durch sein ungerechtes Opfer wird der gesellschaftliche Friede wieder hergestellt. Darin meint Girard auch den Ursprung der archaischen Religionen zu erkennen. Das Christentum nimmt für ihn insofern eine Sonderolle ein, als der Sündenbock-Mechanismus darin entlarvt und die Unschuld des Opfers (z. B. die Unschuld Jesu) betont wird. Dadurch, so Girard, wird der Sündenbock-Mechanismus weitestgehend außer Kraft gesetzt und eine Alternative zum mimetischen Wettstreit aufgezeigt, nämlich die Barmherzigkeit, also die Solidarität mit den Schwachen. Was davon plausibel ist und was nicht, wird vor allem in den Episoden 3 und 4 gemeinsam mit meinem guten Freund Peter Kuhn diskutiert. Schreibt mir eure kritischen Kommentare und Einwände auf Insta! Viel Spaß mit Girard! 🚀🚀🚀 DLF – Die Peter Thiel-Story: https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-1-6-willkommen-im-thielverse-100.html Financial Times - How Peter Thiel and Silicon Valley funded the sudden rise of JD Vance: https://archive.is/1oVs2 0:00 Neues Format! 1:23 René Girard und Peter Thiel 6:33 Wer war René Girard? 8:25 Mimetisches Begehren 24:00 Der Sündenbock-Mechanismus 31:38 Der Ödipus-Mythos 40:20 Die Sonderstellung der Bibel 50:31 Nietzsche und Girard 52:23 Die Apokalypse
- Kommentare zu Dan Williams - Wieso glauben Menschen wahre Dinge?18.08., 18:2618.08.2025, 18:2601:24:52
In dieser Episode besprechen wir eure Kommentare und Einwände zu Dan Williams Artikel "Why do people believe true things?", den wir in einer vorangegangenen Episode diskutiert haben. Eure Beiträge beziehen sich auf Erkenntnistheorie, Konstruktivismus, Biologie und den Homo oeconomicus, um nur einige Themen zu nennen. Ich hoffe, ich konnte euren zahlreichen Einsendungen gerecht werden. Vielen Dank für eure Beiträge und viel Spaß beim Hören! 🚀🚀🚀 Studie zu altruistischem Verhalten über Speziesgrenze hinaus zwischen Delphinen und Pilotwalen: https://www.journals.uchicago.edu/doi/10.1086/283915 Inhalt: 0:00 Einleitung 2:14 belaweh: Ist das noch Therapie? 7:02 Max: Enthaltung der Standard? 9:51 David: Wieso Ausnahmen relevant? 15:33 David & Marlon: Begriffe im Wandel? 24:19 David: Wieso fragen wir lieber nach Irrtum? 28:19 Marlon: Erklärungsumkehr ist versöhnlich 30:00 Lizzy: Pragmatischer Wissensbegriff 39:15 Peter & Theo: Das Problem der Unmittelbarkeit 51:19 Theo: Ist Erkenntnis immer motivierte Kognition? 55:08 Peter & Theo: Erklärungsumkehr ist relativ 1:00:51 Nicole et al.: Korrekturmechanismen nicht erstaunlich 1:03:36 Nicole: Armut für niemanden überraschend 1:05:37 Kooperation gerade DURCH Egoismus 1:11:21 Deniz: Optimiert nicht-reziproker Altruismus die Fitness? 1:20:12 Peter: Kooperation durch christliche Memes
- Zwänge #2 - Wie funktioniert Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen?13.08., 05:0013.08.2025, 05:0001:04:10
In dieser Folge gehen wir ganz praktisch an die verhaltenstherapeutische Behandlung von Zwangsstörungen heran mit einem besonderen Fokus auf die Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP). Wir besprechen Schritt für Schritt, wie die Exposition vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird und was dabei häufig schiefläuft. Viel Spaß!🚀🚀🚀 Kapitelübersicht: 0:02:20 Rein kognitive Methoden 0:04:50 Vor der Expo 0:22:25 Verschiebung der Problemdefinition 0:28:40 Während der Expo 0:38:35 Schwierigkeiten bei der Expo 0:44:45 Wieso muss die Patientin die Expo langfristig allein durchführen? 0:46:26 Umgang mit typischen Einwänden 0:50:33 Nach der Expo 0:54:37 Funktionen von Zwang 1:01:14 Besonderheiten bei unterschiedlichen Zwängen
- Zwänge #1 - Was sind eigentlich Zwänge?06.08., 05:0006.08.2025, 05:0000:52:02
Was treibt Menschen dazu an, Stunden ihres Lebens mit scheinbar sinnlosen Verhaltensritualen zu verbringen? Wie entwickelt sich Zwang? Und wer ist besonders anfällig? Viel Spaß beim Hören! 🚀🚀🚀 Kapitelübersicht: 0:00 Einleitung 2:05 Diagnostische Kriterien 6:40 Differenzialdiagnosen 15:29 Prävalenz, Verlauf, Komorbiditäten 18:43 Welche Arten von Zwängen gibt es? 25:25 Störungsmodell in der VT 36:43 Gibt es isolierte Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen? 40:05 Parallelen zu Erklärungen anderen Störungen 51:47 Deckel drauf Paul Salkovskis – Obsessional-Compulsive Problems: A Cognitive-Behavioral Analysis: https://doi.org/10.1007/978-3-642-73393-2_16
- Dan Williams - Wieso glauben Menschen wahre Dinge?30.07., 05:0030.07.2025, 05:0000:55:30
Einwände und Kommentare gern per Text oder Sprachnachricht an therapieaufdenpunkt auf Instagram! Worauf gründen unsere Überzeugungen zu abstrakten Sachverhalten wie dem menschgemachten Klimawandel, dem Patriarchat, dem Außenhandelsdefizit der USA oder der Wirksamkeit von Corona-Impfungen? Diese Erkenntnisgegenstände sind uns nicht unmittelbar zugänglich wie die Katze auf der Matte. Vielmehr sind sie durch wahnsinnig komplexe und störanfällige soziale Prozesse vermittelt - wie ein gesellschaftliches Stille-Post-Spiel. Dabei kann so viel schiefgehen, dass wir eine sogenannte Erklärungsumkehr vornehmen sollten: Dass wir uns in solchen Fragen oftmals irren, ist nicht verwunderlich. Überraschend ist vielmehr, dass wir es manchmal schaffen, wahre Überzeugungen über abstrakte Erkenntnisgegenstände zu bilden. Von welchen Institutionen und Normen hängt dieser fragile Zugang zur Wahrheit ab? Why do people believe true things?:https://www.conspicuouscognition.com/p/why-do-people-believe-true-things Studie zu Norm über Meinungsänderungbei Gegenevidenz: doi.org/10.1017/S1930297500007439 Dan Williams – Homepage: https://danwilliamsphilosophy.com/ Dan Williams – Substack: https://substack.com/@conspicuouscognition
- Depression #4 - Die Sehnsucht der Motte nach der Kerzenflamme22.07., 05:0022.07.2025, 05:0000:21:32
In dieser Folge geht es um eine Erfahrung, die nicht alle betrifft, aber für manche essenziell ist: die subtile, verführerische Anziehungskraft der Melancholie. Warum fühlen wir uns manchmal geradezu hingezogen zu unserer eigenen Niedergeschlagenheit? Warum suchen wir traurige Musik, wenn wir traurig sind? Und warum kann genau dieses emotionale Feuerwerk, diese Tiefe, Vertrautheit und Selbsterfahrung, uns in der Depression festhalten? Ich spreche über die psychologische Dynamik hinter der Romantisierung von Leid, über kurzfristigen Trost bei langfristigem Schaden und über die Rolle, die Werte und Sinn dabei spielen, sich aus dem melancholischen Kokon zu befreien. Geo-Artikel – Darum fliegen Motten immer zum Licht: https://tinyurl.com/52h4ad93 JamesThurber – The Moth and the Star: http://www.english-on-the-web.de/download/mothstar.pdf Selbstexperiment: Nirvana – Something in the Way: https://youtu.be/4VxdufqB9zg?si=3W3pzSOuwbJ0ZW8u Radiohead – Knives Out: https://youtu.be/2Lpw3yMCWro?si=tCQhCVw0_Tp7wue2 Wagner – Tristan und Isolde – Vorspiel: https://youtu.be/iTKTV0c7Cno?si=opCNlr4ui9nWM5GW
- Depression #3 - Der Appetit kommt beim Essen17.07., 05:0017.07.2025, 05:0000:36:23
In dieser Folge geht es um ein zentrales Paradox psychischer Gesundheit: Oft glauben wir, wir müssten uns erst motiviert, stark oder inspiriert fühlen, dann könnten wir handeln. Doch meist ist es genau umgekehrt: Erst das Handeln bringt den Antrieb. Es geht um die Dynamiken von Antriebsminderung und Depression, über den klassischen Rückzug, das Aufschieben und den damit verbundenen Verlust von Fähigkeiten. Warum führt Untätigkeit oft tiefer in die Sinnlosigkeit? Und wie finden und verwirklichen wir unseren Lebenssinn im Handeln? Drei Schlüsselthemen stehen im Fokus: Motivation: Warum sie oft erst beim Tun entsteht und wie kleine Schritte große Veränderungen anstoßen. Selbstwirksamkeit: Wie Handlungen unser Selbstbild prägen und warum jeder Versuch zählt. Sinn: Weshalb der "Sinn des Lebens" keine Voraussetzung für ein aktives Leben ist, sondern das Ergebnis wertegeleiteter Handlungen. Mit konkreten Beispielen und psychologischem Hintergrund besprechen wir, wie man die Abwärtsspirale stoppen und neue Aufwärtsbewegungen starten kann getreu dem Motto: Der Appetit kommt beim Essen.
- Depression #2 - Der innere Kritiker14.07., 05:0014.07.2025, 05:0000:26:52
In dieser Episode widmen wir uns einer Stimme, die viele von uns nur allzu gut kennen: dem inneren Kritiker. Nachdem wir in der letzten Folge das Grübeln als vermeintliches Nachdenken entlarvt haben, geht es diesmal um selbstabwertende Gedanken: Sätze wie „Das war nicht gut genug“, „Kein Wunder, dass du es nicht geschafft hast“ oder „Du bist nichts wert“. Woher kommt diese Stimme? Was will sie von uns? Und was haben wir eigentlich davon, wenn wir uns selbst schlechtreden? Vielleicht wollen wir uns damit vor Kritik von außen schützen oder glauben, uns selbst bestrafen zu müssen. Manchmal steckt auch die Angst dahinter, arrogant zu wirken und wir nutzen Selbstabwertung, um uns das Gegenteil zu beweisen. Außerdem geht es um konkrete Strategien im Umgang mit dem Kritiker. Vom bewussten Erkennen erster Sätze („Typisch, dass dir das passiert“) über kreative Methoden wie Parodien, Cartoon-Stimmen oder das Singen seiner Vorwürfe: Alles, was langfristig funktioniert, ist erlaubt. Auch die Visualisierung spielt eine zentrale Rolle: Wie sähe der Kritiker aus, wenn er eine Person wäre? Welchen Namen hätte er? Wo sitzt er? Durch diese Techniken aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) werden wir den inneren Kritiker nicht los, aber wir machen seine Aussagen unschädlich.
- Depression #1 - Das Gold am Ende des Regenbogens13.07., 18:0013.07.2025, 18:0000:25:56
Wenn es mir schlecht geht, denke ich drüber nach, warum. Das ist doch erst einmal etwas Gutes, oder? Leider ist häufig dieser Denkprozess selbst das Problem. In dem Fall spricht man vom Grübeln. Während ich beim konstruktiven Nachdenken auf echte Lösungen komme und weiterkomme, drehe ich mich beim Grübeln im Kreis. Das Tückische: Ich habe dabei trotzdem den Eindruck, etwas Hilfreiches zu tun. Der Grübelprozess gibt sich häufig selbst als Lösungsprozess aus, dabei ist er das Problem, denn Grübeln macht unglücklich. Aber wie unterscheide ich zwischen Grübeln und konstruktivem Nachdenken? Und wie kann ich mithilfe der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) aus den Grübelschleifen aussteigen?
- Sind psychische Störungen einfach nur Hirn-Krankheiten?02.07., 05:0002.07.2025, 05:0000:28:55
Psyche und Hirn hängen eng zusammen, aber sind deshalb psychische Störungen nichts anderes als Hirn-Störungen? Das ist, denke ich, falsch. Aber wieso genau? In dieser Episode geht es um die metaphorische Unterscheidung zwischen „Dashboard-Wissen“ vs. „Engine-Wissen“ – inspiriert von Owen Barfields Saving the Appearances (1957). Anhand dieser Unterscheidung erkunde ich, wie wir psychische Störungen begreifen können: aus der Dashboard-Perspektive (Erste-Person-Erfahrung, subjektive Handlungsperspektive) oder aus der Engine-Perspektive (biologische Prozesse, objektive Außenperspektive). Je nach dem, welche Perspektive wir einnehmen, ergeben sich andere Konsequenzen für mögliche Interventionen, für unser Selbstverständnis und für unsere Mitverantwortung an der Überwindung unserer Schwierigkeiten. In jedem Fall aber wird sich herausstellen, dass wir die psychisch-subjektive Perspektive nicht auf die biologisch-objektive Perspektive reduzieren können. Owen Barfield – Saving the Appearances: https://openlibrary.org/books/OL2530097M/Saving_the_appearances Substack-Post: https://substack.com/@footnotes2plato/note/c-128372388
- Sucht im Hirn #2 - Warum und wie werden wir süchtig?25.06., 06:0025.06.2025, 06:0000:45:38
Diese Episode ist ein wilder ideengeschichtlicher Ritt durch die fabelhafte Welt der Neuro-Theorien zum Thema Sucht. Warum werden manche Menschen süchtig und andere nicht? Wieso verlieren wir die Kontrolle über unseren Konsum? Und was soll das bitte mit dem Immunsystem zu tun haben? Paper über neurobiologischen Grundlagen der Sucht: doi.org/10.3390/psychoactives3010003 Zeit-Artikel über Zsmh. zwischen ADHS und Sucht: https://archive.is/JoICd Paper zum Zeit-Artikel: doi.org/10.1016/j.freeradbiomed.2025.02.032
- Sucht im Hirn #1 - Was ist jetzt eigentlich mit Dopamin?18.06., 06:0018.06.2025, 06:0000:51:22
Dopamin ist in aller Munde. Überschriften wie "30 Tage Dopamin-Detox: Das habe ich über mich gelernt" signalisieren uns, dass Dopamin irgendwie schlecht ist und wir das in den Griff bekommen sollten. Aber stimmt das überhaupt? Und wie funktioniert Dopamin? Wieso kommt es zu einem Dopamin-Defizit, wenn ich längere Zeit auf Insta scrolle? Und wieso kann Drogenkonsum depressiv machen? Was heißt das alles für meinen Alltag? Um uns diesen Fragen zu nähern, bespreche ich in dieser Folge "Dopamine Nation" von Anna Lembke. Trotz des calvinistischen Geistes, der ihr Buch durchweht und auch wenn sie gesellschaftliche Zusammenhänge weitestgehend ausblendet, können wir doch einige wichtige Lektionen für unser eigenes Leben entnehmen. Anna Lembke - Dopamine Nation: https://tinyurl.com/2s3dvcx2 Rezension von Jesse Meadows auf Substack: https://tinyurl.com/49enmv8k Studien zu Pornographie: https://tinyurl.com/mr3t4pun
- Ist psychische Gesundheit im Kopf?11.06., 06:0011.06.2025, 06:0000:37:49
Man könnte denken, in der Therapie gehe es hauptsächlich darum, belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten, also abschließend durchzukauen und dann ad acta zu legen. Jedenfalls aber, glauben wir, muss sich irgendwas in der Psyche selbst ändern. Meine übrigen Probleme? Das wird sich finden... Was aber, wenn wir das therapeutische Pferd auch von der anderen Seite aufzäumen könnten? Was, wenn sich psychische Gesundheit gar nicht auf die Psyche beschränkt, sondern auch auf unsere Umwelt ausgreift? Parallel zur These des "erweiterten Geistes" (Clark & Chalmers) könnte man hier von der "erweiterten psychischen Gesundheit" sprechen. Wie das Notizbuch als Kurzzeitgedächtnis fungiert oder kochen als Vorstufe der Verdauung, könnten die interessanteren Faktoren psychischer Gesundheit in unserer Umwelt liegen! (Heute ausnahmsweise mal nichts zu ACT, Zwinkeremojie) Clark & Chalmers - The Extended Mind: https://www.jstor.org/stable/3328150 Studie Darmflora und psychische Gesundheit: https://doi.org/10.1038/s41380-022-01479-w Quelle Zusammenhang Kochen, Verdauung, Hirngröße: https://tinyurl.com/2s3adbja
- Opfermentalität #4 - Trauma als Wurzel allen Übels und der emotionale Determinismus04.06., 06:0004.06.2025, 06:0000:50:05
In dieser Episode geht es um Opfernarrative rund um die Diagnose Trauma – und warum sie oft echte Veränderung blockieren. Ich spreche über Irrtümer im Zusammenhang mit tatsächlichem und selbstdiagnostiziertem Trauma, den inflationären Gebrauch des Begriffs „Trauma“ (Stichwort: tiny traumas) und was wirklich hinter schwierigen Gefühlen steckt. Aus der Perspektive der Akzeptanz- und Commitment-Therapie zeigt sich jedoch: Emotionen sind weder unsere Gegner noch herrische Gebieter, deren Befehlen wir auf Gedeih und Verderb gehorchen müssen – sondern bloße Signale, an denen wir uns orientieren können, wenn wir uns dazu entscheiden. Und echte Resilienz bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn es unbequem wird. Zsmf. Studie zu Content Notes: https://www.sciencedaily.com/releases/2023/10/231012161805.htm Arroll - Tiny Traumas: https://tinyurl.com/4977akm8
- Opfermentalität #3 - Der Mythos des reinen Bösen und der fundamentale Attributionsfehler28.05., 06:0028.05.2025, 06:0000:27:06
Böse sind immer die anderen: Beim unmoralischen Handeln messen wir bei uns und anderen mit zweierlei Maßen. Bei uns selbst fallen uns prompt mildernde Umstände ins Auge, beim anderen führen wir sein Fehlverhalten auf das vermeintlich reine Böse zurück, das ihm dem Mythos zufolge innewohnen soll. Diesen sogenannten moralization gap können wir als fundamentalen Attributionsfehler verstehen und er führt nicht nur dazu, dass wir uns in unserer Opfermentalität bestätigt fühlen, sondern produziert auch gesellschaftliche Probleme.
- Opfermentalität #2 - Change it, Leave it, Accept it23.05., 22:2623.05.2025, 22:2600:47:09
In dieser Episode wagen wir uns weiter vor ins thematische Minenfeld der Opfermentalität. Wir stellen uns Fragen wie: Woran erkenne ich eigentlich, dass ich mich in einen Opfermodus begebe? Was kann ich machen, um da wieder rauszukommen? Was unterscheidet eigentlich den Opfermodus von einer konstruktiven Problemanalyse? Was gibt es für Implikationen für die Therapie? Und was wären eigentlich Beispiele für typische Opfererzählungen?
- Opfermentalität #1 - Zwischen toxischer Agency und Passivität29.04., 12:2129.04.2025, 12:2100:37:19
Der neoliberale Mythos, wir seien in jeder Hinsicht für unseren (sozialen, therapeutischen, finanziellen) Erfolg verantwortlich, ist unplausibel. Als Reaktion gegen diese Form toxischer Agency hat sich jedoch eine Haltung entwickelt, welche die ebenso unplausible Gegenposition einnimmt: die Opfermentalität. Hiermit meine ich einen geistigen Modus, in dem reale Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten verneint werden. Das Ziel der Serie ist es, ein angemessenes Bild unserer Verantwortung zu zeichnen, um uns zu empowern und ein selbstbestimmtes und wertegeleitetes Leben zu ermöglichen. Studie zum Zusammenhang von Opfermentalität und Anspruchshaltung: https://doi.org/10.1037/a0017168
- ChatGPT & Co. : Bindung im Zeitalter ihrer technischen Simulierbarkeit23.04., 22:1523.04.2025, 22:1500:49:26
In naher Zukunft werden sehr viele Menschen mit KI-Chatbots kommunizieren und emotionale Bindungen zu diesen Chatbots aufbauen. Diese Entwicklung hat bereits schon begonnen und wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach weiter fortsetzen, wenn KI-Chatbots die Eigenschaften menschlicher Kommunikation immer überzeugender simulieren können. Millionen von Menschen haben schon heute eine emotionale Beziehung zu solchen Chatbots. Daraus ergeben sich bestimmte Risiken, aber auch Chancen, die ich in dieser Episode näher untersuchen will. Zudem stellt sich die Frage, wie sich diese Massenkommunikation auf die epistemische Krise auswirkt, in der wir uns derzeit befinden. Paper von Google DeepMind: https://arxiv.org/pdf/2404.16244 Artikel zum „Lobotomy Day“: https://tinyurl.com/27xkk4a4 Paul Blooms Essay auf Substack: https://tinyurl.com/pz3x46wj Studie zu Trauer um KI-Gefährten: https://doi.org/10.1177/02654075241269688 Studie zu Präferenzen von menschlichen vs. KI-generierten Antworten: https://doi.org/10.1073/pnas.2319112121 The Verge-Artikel: https://tinyurl.com/54yahxax
- Die stoische Prüfung17.04., 06:0017.04.2025, 06:0000:31:19
Häufig regen wir uns über Dinge auf, die wir ohnehin nicht kontrollieren können. Wir steigern uns in unsere missliche Lage hinein und produzieren dabei Ärger und andere belastende Gefühle, unter denen wir später leiden. Aber es gibt eine Alternative: die stoische Prüfung. Das ist ein Framing oder eine Perspektive, aus der wir unsere Situation betrachten können und durch die wir uns auf dasjenige ausrichten, was wir tatsächlich in der Hand haben. William Irvine - The Stoic Challenge: https://www.goodreads.com/book/show/43726564-the-stoic-challenge
- Kriegskinder und Kriegsenkel als soziale Konstruktion11.04., 07:0011.04.2025, 07:0000:35:21
Was haben Kriegskinder erlebt und was haben sie an ihre Kinder - die Kriegsenkelgeneration - vererbt? In dieser Folge geht es um die sozialen und epigenetischen Mechanismen transgenerationaler Weitergabe von Traumata, emotionale Sprachlosigkeit, Erziehung nach NS-Idealen und die Frage: Wie viel davon ist Realität – und wie viel soziale Konstruktion?