Klinisch Relevant Podcast

Weaning bei Patient:Innen mit Querschnittssyndromen - mit Linda Theune

25.04., 05:1900:39:15
Beschreibung der Episode

🎙️ Shownotes

Weaning bei Patient:innen mit Querschnittsyndrom Mit: Linda Theune (klinische Logopädin)

🧠 Worum geht’s in dieser Folge?

Das Weaning von beatmeten Patient:innen mit Querschnittsyndrom stellt eine besondere klinische Herausforderung dar. In dieser Episode gibt Linda Theune einen praxisnahen Einblick in Pathophysiologie, Diagnostik und interdisziplinäres Management – mit besonderem Fokus auf logopädische Aspekte, Trachealkanülenmanagement und funktionelle Rehabilitation.

🩺 Zentrale Inhalte & Learnings

1. Grundlagen: Atmung bei Querschnittslähmung Entscheidende Faktoren: Läsionshöhe (C1–C8) komplette vs. inkomplette Läsion Kritisch: Läsionen C1–C3 (komplett) → keine Spontanatmung möglich Ab C5 meist ausreichende Zwerchfellfunktion Bedeutung des Nervus phrenicus für die Zwerchfellinnervation Sekundäre Verschlechterung durch Rückenmarksödem möglich

2. Indikation zur Beatmung Frühzeitige Intubation essenziell → Gefahr eines plötzlichen Atemversagens Häufig prolongierte Beatmung → Indikation zur Tracheotomie Dynamischer Verlauf erschwert Prognoseabschätzung

3. Was bedeutet „Weaning“? Entwöhnung von der Beatmung Idealerweise mit dem Ziel der Dekanülierung Bei Querschnittpatient:innen oft komplexer als bei internistischen Patient:innen

4. Diagnostik des Weaning-Potenzials Zwerchfellsonografie (Standard) oder Durchleuchtung Beurteilung: Seitendifferenz Restfunktion Ergänzend: Spontanatmungsversuche klinische Beobachtung

5. Besonderheiten bei Tracheotomie & Beatmung

Atemwege & Infektion:

Erhöhtes Risiko für: Tracheitis ventilatorassoziierte Pneumonie Fehlende Nasenfunktion (Filter, Befeuchtung)

Mechanische Risiken:

Sekretverlegung Cuff-Leckagen

Funktionelle Einschränkungen:

Kommunikation (v. a. bei geblockter KanĂĽle) Dysphagie-Risiko erschwerte Schluck-Atem-Koordination

Weitere Aspekte:

erhöhter Pflegeaufwand vagale Reaktionen (z. B. Bradykardie beim Absaugen) reduzierte Vitalkapazität → schnelle Muskelermüdung

6. Weaning-Prozess – Schritt für Schritt

  • 1. Entblockte Beatmung steigern

Verbesserung von: Sensibilität Hustenstoß Phonation Schlucken

  • 2. Voraussetzungen prĂĽfen

Vigilanz & Kooperation nachweisbare Zwerchfellaktivität Sekretmanagement (ggf. mit Hustenassistenzgerät) stabile Kreislaufsituation

  • 3. Spontanatmung initiieren

Beginn: ca. 5–15 Minuten psychologische Begleitung essenziell

  • 4. Monitoring währenddessen

Atemfrequenz < 30/min SpO₂ > 92 % (individuell) pCO₂: 35–45 mmHg keine Erschöpfungszeichen

  • 5. Dauer schrittweise steigern

Ziel: zunächst 30–60 Minuten, dann mehrere Stunden

  • 6. TagsĂĽber vollständige Spontanatmung

Nachtbeatmung initial weiter erforderlich

  • 7. Ausschleichen der Nachtbeatmung

  • 8. DekanĂĽlierung – wann ist sie möglich?

Voraussetzungen:

stabile 24h-Spontanatmung effektiver Husten (ggf. mit UnterstĂĽtzung) kein Absaugbedarf ausreichende Schluckfunktion

7. Testverfahren:

Sprechventil / Stöpselversuch

Verlauf:

Spontanes Verschließen des Tracheostomas häufig ggf. chirurgischer Verschluss notwendig

8. Fallbeispiel (Sub-C3 inkomplett)

gutes Weaning-Potenzial strukturierter Aufbau wie oben beschrieben erfolgreicher Verlauf: vollständige Entwöhnung Dekanülierung nach ca. 10 Wochen

9. Was unterscheidet Querschnittpatient:innen von anderen Weaning-Patient:innen?

zusätzliche neurologische Grunderkrankung „on top“ häufig: komplexere Verläufe höhere Komplikationsrate besonders relevant: Gefühl der Hilflosigkeit psychologische Belastung interdisziplinäre Zusammenarbeit essenziell: Pflege Logopädie Physiotherapie Ärzt:innen Psychologie

đź’ˇ Take-Home Messages

Weaning bei Querschnitt ist hochindividuell und multidimensional Zwerchfellfunktion ist der zentrale prognostische Faktor Kommunikation & psychologische Sicherheit sind therapeutisch entscheidend Kleine Fortschritte sind klinisch relevant – Rückschritte häufig Interprofessionelles Teamwork ist der Schlüssel zum Erfolg

đź”— WeiterfĂĽhrende Inhalte

FrĂĽhere Folge zu TrachealkanĂĽlen (mit Linda Theune),

Fortbildungsangebote unter: www.klinisch-relevant.de

Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de P.S.: Wenn Dir der Podcast gefallen hat, dann teile ihn doch bitte mit Deinen Kolleginnen und Kollegen! Es würde uns auch riesig freuen, wenn Du unseren Newsletter auf unserer Homepage abonnieren und unser Projekt bei Apple Podcasts bewerten würdest. Wenn Du Lust hast, dann findest Du Klinisch Relevant auch bei Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Falls Du auch einmal einen Beitrag auf Klinisch Relevant zu einem spannenden medizinischen Thema veröffentlichen möchtest, dann melde Dich doch ganz einfach unter kontakt@klinisch-relevant.de