
Neuropsychologie in der Neurologischen Rehabilitation - mit Carina Thiel
Beschreibung der Episode
*👉Kennst Du schon die Fortbildungen von Klinisch Relevant? Schau Dich hier gerne mal um!*
Neuropsychologisches Training nach Schlaganfall
Mit: Carina Thiel (klinische Neuropsychologin)
Worum geht’s in dieser Folge?
Wie arbeiten Neuropsycholog:innen eigentlich in der neurologischen Rehabilitation? Welche kognitiven Störungen treten nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder anderen neurologischen Erkrankungen auf Wie lassen sich diese diagnostizieren und behandeln?
In dieser Folge spricht Carina Thiel über ihren klinischen Alltag in der neurologischen Reha, neuropsychologische Diagnostik, interdisziplinäre Zusammenarbeit und konkrete Therapieansätze bei Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Exekutivfunktionsstörungen.
Zentrale Inhalte der Folge
Welche Patient:innen betreut die Neuropsychologie?
Behandelt werden Patient:innen in unterschiedlichen neurologischen Reha-Phasen (B–D), u. a. nach:
- Schlaganfall
- Hirnblutung
- Schädel-Hirn-Trauma
- hypoxischer Hirnschädigung
- Multipler Sklerose
- Parkinson
- demenziellen Erkrankungen
Welche Funktionen können betroffen sein?
Die Neuropsychologie beschäftigt sich mit kognitiven und emotionalen Funktionen, darunter:
- Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Gedächtnis
- exekutive Funktionen
- Planung & Impulskontrolle
- visuelle Verarbeitung
- mentale Belastbarkeit
- Verhalten & Emotionen
Diagnostik: Wie arbeitet eine Neuropsychologin?
Die Diagnostik erfolgt:
- hypothesengeleitet anhand von Bildgebung & Läsionsort
- durch intensive Verhaltensbeobachtung
- mittels standardisierter Testverfahren
- analog & digital
Wichtige Bestandteile:
- Aufmerksamkeitstestung
- Gedächtnisdiagnostik
- Neglect- & Gesichtsfeldtestung
- Orientierung & Alltagsverhalten
Verwendete Testverfahren
Beispiele aus der Folge:
CVLT (California Verbal Learning Test)
VLMT
Wortlisten aus dem CERAD
Bells-Test
digitale Aufmerksamkeitstestungen
Perimetrie bei Gesichtsfeldausfällen
Bedeutung der Verhaltensbeobachtung
Ein zentrales Thema der Folge: Nicht nur Testergebnisse zählen, sondern auch:
- Ablenkbarkeit
- Gesprächsführung
- Krankheitseinsicht
- emotionale Reaktion
- Orientierung
- Alltagsverhalten
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Neuropsychologie arbeitet eng zusammen mit:
- Ärzt:innen
- Pflege
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
Regelmäßige Team- und Fallbesprechungen sind essenziell für Therapieplanung und Rehaziele.
Neuropsychologische Therapie – wie funktioniert das?
Drei zentrale Therapieansätze
- Funktionstraining
- z. B. Aufmerksamkeitstraining am PC
- Kompensationstraining
- Strategien zur Bewältigung bleibender Defizite
- Strategievermittlung
- Strukturierung, Planung, externe Gedächtnishilfen
Aufmerksamkeitstraining
häufig computergestützt
Training von:
Reaktionsgeschwindigkeit
geteilter Aufmerksamkeit
Verarbeitungsgeschwindigkeit
Besonders relevant fĂĽr Alltagssituationen wie:
Einkaufen
Gespräche in Gruppen
Reizfilterung
Training exekutiver Funktionen
Im Einzelsetting werden u. a. trainiert:
- Planung
- Problemlösen
- Strukturierung
- Impulskontrolle
Dabei steht immer der Ăśbertrag in den Alltag im Vordergrund.
Kompensatorische Strategien
Beispiele:
- Blickstrategien bei Hemianopsie
- Kalender & Notizsysteme bei Gedächtnisstörungen
- externe Hilfsmittel zur Alltagsstrukturierung
Auch Krankheitsakzeptanz spielt therapeutisch eine wichtige Rolle.
Fallbeispiel aus der FrĂĽhrehabilitation
Besprochen wird ein Patient nach rechtshemisphärischem Mediainfarkt mit:
- schwerem Neglect
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Desorientierung
- eingeschränkter Krankheitseinsicht
Therapeutische Ziele:
- visuelle Exploration verbessern
- Orientierung fördern
- Aufmerksamkeit stabilisieren
- alltagsrelevante Fähigkeiten trainieren
Das Training erfolgt:
- hochfrequent
- interdisziplinär
- schrittweise
- oft ĂĽber Wochen bis Monate
Rolle der Angehörigen
Angehörige werden eng eingebunden:
- Fremdanamnese
- Aufklärung über Störungsbilder
- UnterstĂĽtzung im Alltag
- therapeutische Anleitung
Herausforderungen im ambulanten Setting
Ein wichtiges Thema der Folge:
- deutlicher Mangel an ambulanten Neuropsycholog:innen
- lange Wartezeiten
- notwendige Priorisierung komplexer Fälle
- begrenzte Ressourcen
Take-Home Messages
Neuropsychologie ist zentraler Bestandteil neurologischer Rehabilitation
Kognitive Defizite sind oft alltagsbestimmender als motorische Einschränkungen
Therapie muss individuell, flexibel und alltagsnah erfolgen
Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist essenziell
Kleine Fortschritte können klinisch hochrelevant sein
Der Bedarf an ambulanter Neuropsychologie ist enorm
Empfehlungen & Links
Podcast von Carina Thiel: „Kopf. Stillstand. Weiter.“
Weitere Inhalte & Fortbildungen: Klinisch Relevant
Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de P.S.: Wenn Dir der Podcast gefallen hat, dann teile ihn doch bitte mit Deinen Kolleginnen und Kollegen! Es würde uns auch riesig freuen, wenn Du unseren Newsletter auf unserer Homepage abonnieren und unser Projekt bei Apple Podcasts bewerten würdest. Wenn Du Lust hast, dann findest Du Klinisch Relevant auch bei Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Falls Du auch einmal einen Beitrag auf Klinisch Relevant zu einem spannenden medizinischen Thema veröffentlichen möchtest, dann melde Dich doch ganz einfach unter kontakt@klinisch-relevant.de