Identität (und) Leben

172 Was sage ich, wenn jemand nicht mehr leben will?

25.09., 21:3500:45:07
Beschreibung der Episode

Folge 172: „Was sage ich, wenn jemand nicht mehr leben will?“

In der dritten Folge meiner Minireihe über Suizidgedanken und Sterbewünsche geht es um eine Situation, die viele Menschen überfordert und verunsichert:

Wie reagiere ich richtig, wenn mir jemand von Suizidgedanken erzählt?

Viele haben Angst, etwas Falsches zu sagen. Doch häufig braucht es zunächst etwas anderes:

Zuhören. Aushalten. Nachfragen.

In dieser Folge sprechen wir darüber, wie Angehörige, Freunde und auch professionelle Helfer mit Suizidgedanken umgehen können, ohne sie zu dramatisieren oder kleinzureden.

Ihr erfahrt unter anderem:

  • Warum man einen Menschen direkt nach Suizidgedanken fragen darf und warum dadurch nach aktuellem Forschungsstand keine Suizidalität ausgelöst wird.

  • Warum Sätze wie „Du hast doch so viel“, „Denk an deine Kinder“ oder „Andere haben es schlimmer“ gut gemeint sein können, aber manchmal zusätzliche Scham oder Schuld erzeugen.

  • Weshalb es oft hilfreicher ist zu fragen: „Was ist gerade so unerträglich geworden?“

  • Warum die Frage „Was müsste aufhören, damit du wieder leben könntest?“ einen wichtigen Zugang zum psychischen Schmerz ermöglichen kann.

  • Warum Suizidalität häufig von Ambivalenz geprägt ist und ein Mensch gleichzeitig nicht mehr leben wollen und dennoch an Teilen seines Lebens festhalten kann.

  • Welche Fragen helfen können, um herauszufinden, ob jemand sich aktuell noch sicher fühlt.

  • Wann Zuhören allein nicht mehr reicht und professionelle oder notfallmäßige Hilfe notwendig wird.

  • Was ein Safety Plan ist und warum er mehr bedeutet als ein bloßes: „Versprich mir, dass du nichts machst.“

  • Warum Angehörige niemals das Gefühl bekommen sollten, allein für das Überleben eines anderen Menschen verantwortlich zu sein.

Ein wichtiger Gedanke dieser Folge ist:

Wenn ein Mensch sagt „Ich möchte nicht mehr leben“, müssen wir nicht sofort wissen, wie wir sein Leben reparieren.

Vielleicht beginnt Hilfe zunächst viel einfacher:

„Ich bin da. Erzähl mir, was gerade passiert.“

Denn Suizidprävention bedeutet nicht immer, einen Menschen mit Argumenten vom Leben überzeugen zu müssen.

Manchmal bedeutet sie zuerst, einen Raum zu schaffen, in dem jemand ehrlich sagen darf, wie schlecht es ihm wirklich geht.

Die Reihe besteht aus fünf Folgen:

1. „Ich will nicht mehr“: Suizidgedanken verstehen, ohne davor wegzulaufen

2. „Ich möchte eigentlich nicht sterben, ich möchte nur so nicht weiterleben“

3. „Was sage ich, wenn jemand nicht mehr leben will?“

4. „Wenn es gefährlich wird“: Akute Suizidalität, Krisen und die Frage nach Sicherheit

5. „Wenn die Krise vorbei ist“: Wie Menschen nach Suizidalität wieder ins Leben finden

Im Anschluss folgt eine Sonderfolge:

„Ich möchte selbst entscheiden, wann ich sterbe“: Sterbehilfe zwischen Autonomie und Schutz

Wichtiger Hinweis

Bei akuter Suizidgefahr wendet euch bitte an den Notruf 112 oder eine psychiatrische Notfallambulanz.

Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar.

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