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263- Holger ruft an ... wegen Funk02.06., 13:2102.06.2023, 13:2100:24:31
Was für eine Realität konstruieren die Reportagen von "Funk"? Für viele ist „Funk“, das junge Inhalte-Netzwerk von ARD und ZDF, ein rotes Tuch. Als zu subjektiv, zu links, zu unausgewogen und zu sehr fixiert auf bizarre Nischenthemen, Sex, Drogen und Crime werden die Videobeiträge vor allem von konservativen Beobachtern kritisiert, die immer wieder einzelne Beiträge skandalisieren. Das klassische journalistische Gebot der Neutralität wird von den „Funk“-Reporterinnnen und Reportern regelmäßig verletzt, die „professionelle Distanz“ gegen eine „teils radikal subjektive Perspektive eingetauscht“, stellt der Medienwissenschaftler Janis Brinkmann fest. „Sie alle werden von neutralen zu teilnehmenden Beobachter:innen, zu Grenzgängern des Journalismus – um Missstände aufzudecken, interessante Menschen zu zeigen, in alternative Lebenswelten einzutauchen – und um die junge Zielgruppe der 14–29-Jährigen durch authentische Geschichten emotional mitzunehmen.“ Im Gespräch mit Holger Klein im Übermedien-Podcast sagt er: „‚Funk‘ ist aus meiner Sicht ein wichtiger Akteur, der völlig unterbewertet ist in der Forschung.“ Für die Otto-Brenner-Stiftung hat er über 1000 Filme der Funk-Formate „Y-Kollektiv“, „STRG-F“, „reporter“, „follow me.reports“ und „Die Frage“ ausgewertet und untersucht: Mit welchen Themen befassen sie sich, aus welcher Perspektive, mit welchen Protagonisten, in welcher Form, mit welchen Strategien der Zielgruppenansprache. Ein Ergebnis: „In 90 Prozent der untersuchten Reportagen wird explizit Meinung geäußert oder ist die Perspektive subjektiv; Quellen wie Studien oder Expert:innen spielen eine untergeordnete Rolle.“ Brinkmann sieht die untersuchten „Funk“-Formate in der Tradition des „New Journalism“ in einer für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen aktualisierten und für Web-Video-Formate modifizierten Form. Zu den Befunden seiner Studie gehört auch: es gibt kaum internationale Bezüge in den Reportagen Großstädte dominieren; dörfliche Lebensrealitäten kommen kaum vor die neuen Bundesländer kommen fast gar nicht vor; eine Ausnahme ist höchstens Sachsen, insbesondere als Ort für Beiträge zur Thematik Rechtsradikalismus Brinkmann hofft, dass die Studie dazu beiträgt, eine größere, fundierte Debatte über die besondere Art des „Funk“-Journalismus anzustoßen, über ihre Chancen und Probleme: „Da lohnt es sich immer hinzugucken. Da passiert spannender Journalismus, da passiert das, was wir seit vielen Jahren als Entgrenzung im Journalismus verstehen. Wo, wenn nicht unter solchen Rahmenbedingungen sollen neue Formen des Journalismus entstehen? Man kann sich daran abarbeiten, man kann sagen, das sei kein Journalismus, das sei handwerklich nicht gut gemacht – entscheidend ist immer die Perspektive: Welche Normen lege ich zugrunde?“ Links: Janis Brinkmann: „Journalistische Grenzgänger – Wie die Reportage-Formate von funk Wirklichkeit konstruieren“ Kurzzusammenfassung der Studie Deutschlandfunk: Studie der Otto-Brenner-Stiftung sieht „erstaunliche“ Schieflagen beim Jugendangebot funk Andrej Reisin: Ein „authentischer“ Host ersetzt keine Recherche
- Holger ruft an ... wegen "Heizungsverbot"25.05., 12:0525.05.2023, 12:0500:24:07
Wie und warum schüren Medien Angst vor dem geplanten Heizungsgesetz? Darf man überhaupt noch mit der alten Gastherme heizen, wenn das neue Heizungsgesetz kommt? Braucht für die Wärmepumpe jetzt jeder eine Fußbodenheizung? Und wann kommt der Staat persönlich bei mir vorbei und reißt meine Ölheizung aus dem Keller? Viele Mythen und Sorgen kursieren in der Debatte um die sogenannte Wärmewende und die geplante Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), wie es korrekt heißt. Das neue (noch nicht beschlossene) GEG sieht vor, dass in Zukunft keine Heizungen mehr eingebaut werden dürfen, die nur mit Gas oder Öl laufen. Vor allem „Bild“ macht Stimmung gegen so genannte „Heizungsverbot“; auch der „Spiegel“ sorgte unlängst mit seinem Cover, auf dem Wirtschaftsminister Robert Habeck im Blaumann eine Gastherme demontiert, für Irritationen. Im Übermedien-Podcast sagt der Journalist Malte Kreutzfeldt: „Das ist so eine Kombination aus wahnsinnig vielen Falschannahmen und Falschbehauptungen, die in der Öffentlichkeit rumgeistern und die dazu führen, dass viele Leute das kritisch sehen.“ Fallen Medien auf eine Kampagne rein? Warum regen sich jetzt auf einmal alle auf, obwohl die Pläne der Koalition zum Heizungsaustausch nicht neu sind? Und wer denkt eigentlich vor lauter Heizungspanik noch an die Klimakrise? Darüber sprechen Holger Klein und Malte Kreutzfeldt diese Woche im Übermedien-Podcast. **Links: ** Robert Habeck mit der Rohrzange: Ernüchternde Antagonisierung auf dem "Spiegel"-Cover Malte Kreutzfeldt bei "Table Media" Die Wärmewende droht Deutschland zu überfordern - was jetzt passieren muss ("Spiegel"-Titel)
- Holger ruft an ... wegen "Vice"19.05., 14:2419.05.2023, 14:2400:22:57
"Vice" ist pleite – ist Magazin-Punk nun endgültig tot? Laut, respektlos, grenzüberschreitend: Das ist "Vice", schon immer. Aber nun hat der Konzern dahinter Insolvenz angemeldet. Warum? Und wie geht's weiter? Holger ruft an bei Felix Dachsel, dem früheren Chefredakteur der deutschsprachigen "Vice"-Ausgaben. Im Podcast erzählt Dachsel von der Geschichte des Magazins, von der Bedrohung, dass andere Medien den speziellen „Vice“-Style adaptiert haben, von der Schwierigkeit, heutzutage überhaupt noch zu provozieren, und von den Umwälzungen auf dem Medienmarkt, die zur Krise des Magazins führten. Links: Deutsche Ausgabe von "Vice" "Vice"-Artikel von Felix Dachsel "'Vice' ist insolvent" (Tagesschau)
- Holger ruft an ... wegen Fehlerkultur11.05., 13:5711.05.2023, 13:5700:35:51
Wieso sind Politiker so schlecht darin, mit eigenen Fehlern umzugehen? In der aktuellen Aufregung um Wirtschaftsminister Robert Habeck und seinen Staatssekretär Patrick Graichen kann man es wieder erleben: Wie schwer sich Politiker damit tun, mit Fehlern umzugehen. Aber wieviel Offenheit und Ehrlichkeit könnten sie sich erlauben, ohne dass das ihnen schadet, weil es von Medien skandalisiert wird? Was ist ein guter Umgang mit Fehlern? Die FAZ-Redakteurin Helene Bubrowski hat mit vielen Politikerinnen und Politikern über das Thema gesprochen. Sie sagt im Gespräch mit Holger Klein: „Ich plädiere für mehr Ehrlichkeit – aber ausgehend von dem Befund, dass es um die Ehrlichkeit überhaupt nicht gut bestellt ist. Das Typische ist ein totales Abblocken, ein teflonartiges Pingpong: Kritik sofort als Kampagne abzutun, sofort den polischten Gegner selber zu beschuldigen und überhaupt nicht zu zeigen, dass man bestimmte Dinge aufnimmt, ernst nimmt und überdenkt und möglichst auch noch die Schlussfolgerung zieht, es künftig anders zu machen. Um das Vertrauen der Menschen nicht komplett zu verlieren, muss sich da was ändern.“ Und über die Rolle der Medien: „Journalisten nehmen für sich in Anspruch, eine Wächterfunktion zu haben, die Mächtigen zu kritisieren, den Mächtigen auf die Finger zu schauen. Um diese Ausgabe auszufüllen, muss man seinen Job auch mit größter Ernsthaftigkeit machen. Wen man da aber gleichzeitig größtmöglich skandalisiert, weil es entweder größere Aufmerksamkeit gibt oder mehr Klicks, dann haben wir irgendwan ein Problem.“ Mehr zum Thema: Wir haben 25 Medien gefragt, wie sie ihre Fehler korrigieren
- Holger ruft an ... wegen Medienvertrauen04.05., 16:4004.05.2023, 16:4000:24:31
Wie sehr vertrauen die Menschen den Medien noch - und wie sehr sollten sie? 2022 ist das Medienvertrauen in Deutschland zwar leicht zurückgegangen, dennoch ist es höher als vor der Pandemie. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk genießt unter den verschiedenen Mediengattungen immer noch am meisten Vertrauen, der Wert ist aber auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die die Universität Mainz seit 2008 durchführt. In dieser Woche wurden die neuen Ergebnisse veröffentlicht. Medienvertrauen – was bedeutet das eigentlich? Und wie misst man das? Darüber spricht Holger Klein diese Woche mit dem Journalistik-Professor Tanjev Schultz vom Journalistischen Seminar der Uni Mainz. Er erklärt: "Vertrauen ist verbunden mit Gefühlen, aber teilweise auch mit unreflektierten und und unbewussten Einstellungen. Man vertraut und merkt es gar nicht. Erst wenn das Vertrauen brüchig ist, reflektiert man darüber." Auch wenn die aktuelle Studie zeige, dass es eine Menge Menschen gibt, die mit den Medien vergleichsweise zufrieden sind, gebe es auch viele, die "medienentfremdet" seien. Sie sagen zum Beispiel, Medien seien abgehoben und berichten über Dinge, die sie nicht interessieren. Dass Menschen unzufrieden und kritisch mit Medien sind, sei nichts Schlechtes, so Schultz. Wichtig sei aber eine solide Grundannahme, "dass uns niemand hinters Licht führen will." Denn das sei die Grundlage für demokratischen Austausch. Wie viel Medien-Misstrauen verträgt eine Gesellschaft? Warum spielen die sogenannten alternativen Medien eine geringere Rolle, als man vielleicht annimmt? Wie ist das Medienvertrauen in anderen Ländern? Und warum ist Entschleunigung wichtig? Darüber sprechen Holger Klein und Tanjev Schultz in der neuen Folge "Holger ruft an…". Links: Medienvertrauen nach Pandemie und "Zeitenwende" – Langzeitstudie der Uni Mainz Bildethik im Krieg – Essay von Tanjev Schultz Wie das ZDF einmal eine Gelegenheit zu "selbstkritischer Bestandsaufnahme" entdeckte
- Holger ruft an ... wegen "Cancel Culture"27.04., 15:5127.04.2023, 15:5100:34:36
Wie funktioniert der mediale Kulturkampf? Man darf nicht mehr Winnetou-Fan sein, wer Sombrero-Hut trägt, wird ausgeladen, Frauen dürfen nicht mehr als Frauen bezeichnet werden, und Toast Hawaii? Gibt’s angeblich auch bald nicht mehr. Alles gecancelt – so die Erzählung derer, die gegen eine von ihnen gesehene Woke-Bubble wettern. An vorderer Front in diesem Kulturkampf ist in Deutschland vor allem „Bild“. Aber auch andere Medien befeuern diese Erzählung immer wieder. „Solche Stories sind eklatant leicht zu schreiben und ein Zeichen von Redaktionen, die nicht mehr so groß sind, wie sie mal waren“, sagt der Literaturwissenschaftler und Autor Adrian Daub im Übermedien-Podcast. Das Problem sei, wenn Profis in den Medien diese Gefühle bedienen und damit die Realität verzerren. Daub ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Stanford und setzt sich in seinem Buch „Cancel Culture Transfer“ mit der Geschichte dieses Kulturkampfs auseinander. Seinen Ursprung hat die Erzählung der Cancel Culture unter anderem an amerikanischen Universitäten, zu Zeiten, in denen Ronald Reagan Präsident und noch viel von Political Correctness die Rede war. Die Dynamik sei seit jeher dieselbe, meint Daub: Einzelne Anekdoten werden groß aufgeblasen – und „moralische Panik“ geschürt. Der Begriff geht auf den Soziologen Stanley Cohen zurück. Woran erkennt man „moralische Panik“? Welche Rolle spielt #Metoo bei diesem Thema? Und was kommt als nächstes im Kulturkampf? Darüber sprechen Holger Klein und Adrian Daub in dieser Woche im Podcast. Links: Eine Leuchtrakete im Kulturkampf - blind gefeiert von deutschen Medien Wie man aus einer Mutter einen Elefanten macht So alt, dass es müffelt: Der Untergang des Abendessen Man muss kein Nazi sein, um antisemitische Klischees zu verbreiten
- Holger ruft an ... wegen Döpfners Nachrichten18.04., 18:0018.04.2023, 18:0000:22:51
Warum gehören die Nachrichten von Mathias Döpfner in die Öffentlichkeit? „Die Ossis“ seien entweder Kommunisten oder Faschisten, man solle für den Wahlsieg Donald Trumps beten und die FDP hofieren: Die internen Nachrichten des Springer-Vorstands Mathias Döpfner, die die „Zeit“ vergangene Woche veröffentlicht hat, zeichnen das Bild eines Verlags-Chef, der jegliche Grenzen zur Redaktion zu missachten scheint – auch wenn man sich über seine Gedankenwelt schon vorher ein Bild hätte machen können. Mathias Döpfner betrachte seine Zeitung als politisches Instrument und schleppe einen „ganzen Rucksack an Ressentiments“ mit sich herum, sagt Holger Stark. Der stellvertretende Chefredakteur der „Zeit“ und seine Kollegin Cathrin Gilbert, Leiterin des Ressorts Unterhaltung, sind diese Woche zu Gast bei Holger Klein im Übermedien-Podcast. Die beiden müssen sich seit der Veröffentlichung ihrer Döpfner-Recherche auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, sie hätten private Nachrichten Döpfners veröffentlicht, was gegen journalistische Prinzipien verstoße. „Wir haben bewusst Privates nicht veröffentlicht“, entgegnet Gilbert. Die Kommunikation um die es hier geht, sei "nicht-öffentlich", aber deshalb nicht privat. Wie erklären die beiden diesen Unterschied? Wann hat ihre Recherche begonnen? Und wie sind sie dabei vorgegangen? Darüber spricht Holger Klein mit den beiden "Zeit"-Journalisten im Podcast.
- Holger ruft an ... wegen Twitter (nochmal)14.04., 12:2514.04.2023, 12:2500:29:05
Wird Twitter denn nun sterben und wenn ja, woran? Als Elon Musk vor etwa einem halben Jahr mit einem Waschbecken in die Twitter-Zentrale einmarschierte, nachdem er den Microblogging-Dienst für sehr viel Geld gekauft hatte, dachten viele: Ok, das war’s. Twitter wird bald sterben. Noch ist das Soziale Netzwerk zwar nicht tot, siecht aber dahin: Technisch funktioniert immer weniger und wer nicht zahlt, büßt Reichweite ein. Musks Politik brachte zahlreiche Nutzer:innen dazu, Twitter den Rücken zu kehren. Aber eben längst nicht alle. Auch Medienhäuser zeigen sich zögerlich, das Netzwerk endgültig zu verlassen. In den USA gibt es Vorreiter wie das National Public Radio (NPR). Twitter hatte NPR als "staatlich finanziert" gelabelt, das Rundfunk-Netzwerk sah die Gefahr, dass seine Glaubwürdigkeit untergraben werde und verkündete, Twitter den Rücken zu kehren. In Deutschland halten Medienhäuser (noch) die Füße still, wenngleich nur die wenigsten bereit sind, Musks Pläne finanziell zu unterstützen und für die Verifizierung zu bezahlen, wie eine Übermedien-Recherche zeigt. „Twitter ist wie ein Jenga-Turm. Es steht die ganze Zeit auf der Kippe, wann es in sich zusammenfällt“, sagt Gavin Karlmeier diese Woche im Gespräch mit Holger Klein. Zusammen mit Dennis Horn spricht Karlmeier seit der Übernahme durch Musk fast täglich im Podcast „Haken dran“ über die Entwicklungen bei Twitter. Was ist in den vergangenen Monaten passiert? Was muss passieren, damit deutsche Medienhäuser den Dienst verlassen? Und wie ist das mit der Idee, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Twitter-Alternative aufbaut? Darüber sprechen Holger Klein und Gavin Karlmeier im Podcast. Links: „Haken dran – Das Twitter-Update“ Deutsche Medienhäuser wollen nicht für Twitter-Haken zahlen Sind Filterblasen gar nicht so schlimm, wie alle sagen? – Podcast mit Frank Rieger vom CCC Die Sache hat einen blauen Haken, Elon Musk! – Kommentar von Frederik von Castell Twitter hat meine roten Linien überschritten. Und eure? – Kommentar von Frederik von Castell
- Holger ruft an ... wegen Russland06.04., 17:3606.04.2023, 17:3600:18:19
Wird es gefährlicher, aus Russland zu berichten? „Wir wachen hier jeden morgen mit einem schlechten Gefühl auf“, sagt Ina Ruck, Moskau-Korrespondentin der ARD. Da sind zum einen die russischen Gesetze, die ihre Arbeit als Journalistin einschränken, und da ist ganz konkret auch noch der Fall des amerikanischen Journalisten Evan Gershkovich. Vergangene Woche war der in Russland offiziell akkreditierte Reporter des „Wall Street Journal“ festgenommen worden. Ihm wird Spionage vorgeworfen. "Wir laufen mit unserer Arbeit Gefahr, weil dieser Spionageparagraf so riesig groß und schwammig gefasst ist, sehr schnell in irgendeine Falle zu tappen", erklärt Ruck im Übermedien-Podcast. Die Festnahme des amerikanischen Kollegen sei ein Signal "an uns alle, eine bestimmte Linie nicht zu überschreiten." Seit etwas mehr als einem Jahr gilt in Russland auch ein Zensurgesetz, das es unter Strafe stellt "Fake News" über das russische Militär zu verbreiten – also das, was aus Sicht der russischen Regierung "Fake News" sind. Viele ausländische Journalist:innen hatten daraufhin das Land verlassen, andere sind geblieben. Von der ARD sind aktuell Ina Ruck und eine weitere Korrespondentin im Land. Weitere wollen einreisen, bekommen aber keine Akkreditierung. Unter welchen Bedingungen arbeitet man als Korrespondentin in Russland momentan? Wie kann sie sich durch das Land bewegen? Worüber kann sie berichten – worüber nicht? Und wann würde sie das Land verlassen? Darüber spricht Holger Klein diese Woche mit Ina Ruck im Übermedien-Podcast. Links: In Moskau bleiben oder gehen: Wie deutsche Journalist:innen auf das russische Zensurgesetz reagieren Wie kritische sollten Medien mit der Ukraine umgehen? (Podcast) Diesen Text schrieb der US-Reporter Evan Gershkovich, bevor er in Russland verhaftet wurde ("Zeit") Was machen russische Militärblogger? (Deutschlandfunk)
- Holger ruft an ... wegen Honoraren für Freie29.03., 08:5829.03.2023, 08:5800:25:03
Warum werden freie Journalisten nicht besser bezahlt? 110 Euro für einen Aufmacher im "Tagesspiegel"-Kulturteil? Für Ausstellungsbesuch, Interviews und das Schreiben des Textes? Die Konditionen, die die Journalistin Laura Ewert öffentlich machte, sind üblich. Üblich niedrig. Nicht zum ersten Mal entfachte kürzlich eine Diskussion um die Bezahlung von freien Journalist:innen. Ein Honorar in dieser Höhe könne man schon als Ausbeutung bezeichnen, sagt Joachim Budde, Co-Vorsitzender der „Freischreiber", im Übermedien-Podcast. Der Berufsverband hat eine Kampagne gestartet, fordert von Medienhäusern 15 Prozent mehr Geld für freie Mitarbeiter:innen. „Die meisten diktieren halt den Satz und kommen auch bei den meisten Freien damit durch“, sagt Budde. Das Schlimme sei dabei, dass diese Honorarsätze seit vielen Jahren gleich sind – trotz Inflation. Wichtig ist aber nicht nur, wie Medienhäuser mit ihren Honorarkräften umgehen, sondern auch, wie sich die Freien selbst positionieren. „Solange wir zu schlechten Bedingungen arbeiten, solange werden sich die Bedingungen nicht bessern“, sagt Budde. Aber welche Machthebel haben Freie, um in Zukunft besser bezahlt zu werden? Und was kann man eigentlich als Leser und Leserin für faire Honorare tun? Darüber sprechen Holger Klein und Joachim Budde diese Woche im Podcast. Links: Weshalb arbeiten so viele Journalist:innen frei? (Interview) Übermedien bekennt sich zu "Code of Fairness" Kulturkritik in der Krise #15Prozent: Kampagne der "Freischreiber" für faire Honorare
- Holger ruft an ... wegen Iran23.03., 17:0223.03.2023, 17:0200:32:16
Wie berichtet man von Deutschland aus über Iran? Dass in deutschen Medien regelmäßig über Iran berichtet wird, ist nicht selbstverständlich. Nach dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini im vergangenen Herbst und den darauf folgenden Protesten mit vielen Toten war das mediale Interesse hierzulande für einige Zeit zwar groß. Mittlerweile sind die Nachrichten aber anderen Schlagzeilen gewichen – obwohl sich an der Situation der Menschen in Iran nichts geändert hat: Frauen, Minderheiten und Regimekritiker:innen werden unterdrückt, verhaftet, hingerichtet. Freie Medien gibt es in Iran nicht, weil das Regime und seine Gemeindienste jede Form der kritischen Berichterstattung unterbinden. Holger Klein ruft diese Woche an bei Farhad Payar, dem Redaktionsleiter des „Iran Journal“, das für viele Menschen in Deutschland, die iranischen Wurzel haben und sich für das Land interessieren, eine wichtige Nachrichtenquelle. Gegründet 2009, als Blog, auf dem Inhalte aus Sozialen Medien gesammelt wurden, entwickelte sich das "Iran Journal" zu einem professionellen, journalistischen Online-Angebot, das in deutscher Sprache über politische und zivilgesellschaftliche Themen aus Iran und der iranischen Diaspora berichtet. Wie kommen Payar und sein Team von Deutschland an ihre Informationen? Inwiefern hilft das "Iran Journal" anderen Medien bei ihrer Arbeit? Und wie schätzt er die aktuelle Lage ein? Darüber spricht Holger Klein diese Woche mit Farhad Payar im Podcast. Links: Was muss man über Irans Propaganda wissen, um nicht darauf reinzufallen? (Podcast) Wie sich deutsche Medien von iranischer Propaganda einlullen lassen Adnan Tabatabai – Ein "Iran-Experte" mit Nähe zum System Wenn Kopftücher zu Fahnen der Freiheit werden (Kolumne)
- Holger ruft an ... wegen "Bild"17.03., 15:3917.03.2023, 15:3900:21:04
RAUSWURF-RUMMS! WAS STECKT HINTER DEM "BILD"-BEBEN? Axel Springer schasst die gesamte "Bild"-Chefredaktion. Es übernehmen: Marion Horn und Robert Schneider. Beide waren früher schon bei "Bild". Was hat der Wechsel zu bedeuten? Und wie geht es jetzt weiter? Holger ruft an: bei Medieninsider und "Bild"-Beobachter Marvin Schade. Auch ihn hat überrascht, was am Donnerstag rauskam. Vor allem „die radikale Art“ und der Zeitpunkt des Rauswurfs. Losgegangen sei das Chaos, als im Dezember rauskam, dass Robert Schneider zu „Bild“ wechselt. Politisch sei nun ein „moderaterer Boulevard“ zu erwarten, moderater als unter Julian Reichelt. Aber auch „nicht harmlos“! Marvin Schade ist Co-Gründer und Chefredakteur von "Medieninsider". Zuvor war er mehrere Jahre für den Branchendienst "Meedia" in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim "Focus" und zuletzt für Gabor Steingarts "Morning Briefing". Im Podcast analysiert, welche Probleme es bei „Bild“ in den vergangenen Monaten gab. Und blickt mit unserem Podcast-Host Holger Klein nach vorn. Links: In eigener Sache: Neuaufstellung in der Chefredaktion ("Bild") Springer wirft "Bild"-Chefredaktion raus ("Medieninsider") Robert Schneider wird ab Mitte April Co-Chef von "Bild" ("Spiegel") [sc name="unterstuetzer-box-unten" ][/sc]
- Holger ruft an ... wegen GNTM09.03., 17:1309.03.2023, 17:1300:14:42
Wie manipulativ ist "Germany’s Next Topmodel" und wird sich das je ändern? Bildschnitt mache keinen neuen Menschen, sagte Heidi Klum in einem Statement vor dem Start der aktuellen Staffel „Germany’s Next Topmodel“ bei ProSieben. Es war ein Versuch, Vorwürfe zu entkräften, die Ex-Kandidatin Lijana Kaggwa im Mai 2022 in einem viel beachteten Video geäußert hatte. Kaggwa unterstellte Klum und dem Sender unter anderem, die Kandidatinnen auf Zuckerentzug zu setzen, absichtlich Unfälle auf dem Laufsteg zu provozieren, Handlungen und Aussagen beim Dreh vorzuschreiben und diese im Schnitt manipulativ zusammenzusetzen. Lijana Kaggwa wurde für ihr Video vom Sender verklagt. Ein Gericht kassierte zwar einige wenige ihrer Aussagen. Doch auch eine zweite Instanz gab ihr in entscheidenden Punkten Recht. Kaggwa, die nach ihrer Teilnahme bei GNTM massiv bedroht wurde und die Darstellung ihrer Person in der Sendung dafür verantwortlich macht, setzt sich nun gegen Cybermobbing ein. Der Würzburger Rechtsanwalt Chan-jo Jun berät sie und sagt: "Wenn der Preis für eine erfolgreiche Show darin besteht, dass man Menschen manipuliert, anders darstellt und Mobbing provoziert, dann braucht diese Show nicht im Fernsehen zu sein." Chan-jo Jun ist diese Woche zu Gast im Übermedien-Podcast und erklärt, was das Gericht tatsächlich zu GNTM festgestellt hat, warum Heidi Klum in ihrem Statement widerlegt, was gar nicht behauptet wurde, und was Lijana Kaggwa mit ihrem neuen Video, das gerade online ging, bewirken könnte. **Links: ** Aktuelles YouTube-Video von Lijana Kaggwa Thread von Chan-jo Jun zu Berufungsentscheidung des OLG Hamburg Germany's Next Knebelvertrag ("Spiegel") Heidis neue Körperwelten – Kolumne von Samira El Ouassil
- Holger ruft an ... wegen Tiktok-Filtern04.03., 10:1904.03.2023, 10:1900:25:13
Zwei neue Filter der Social-Media-Plattform Tiktok haben in den vergangenen Tagen viele Menschen fasziniert und alarmiert. Sie können in bisher nicht gekannter technischer Brillanz live die Gesichter der Menschen, die sich filmen, verändern. Der „Bold Glamour“-Filter „verschönert“ sie hin zu einem leicht exotischen Schönheitsideal mit vollen Lippen, kräftigen Augenbrauen, markanten Gesichtszügen und makelloser Haut. Der „Teenage-Look“-Filter lässt sie jünger aussehen. Im Gespräch mit Holger Klein erklärt unsere Kolumnistin Samira El Ouassil, wie diese Filter wirken und was sie in Menschen auslösen können. Leute, die sich dauernd mit Filter filmen, sagt sie, „sind irgendwann so durchdrungen von diesem Ideal von sich selbst, das sie auf ihren eigenen Fotos sehen, dass sie versuchen, das kosmetisch durch Eingriffe nachzustellen.“ Als „Snapchat Dysmorphia“ bezeichne man das Gefühl: „Mein Gesicht sieht gar nicht aus, wie ich aussehe.“ Betroffene erkennen dann das wirkliche Ich gar nicht mehr als solches. Links: Links Twitter-Thread mit Videos mit "Bold Glamour"-Filter Fotografin erzählt von der Wirkung des Filters auf ihre Kunden Twitter-Thread mit Videos mit "Teenage-Look"-Filter „New Yorker“: The Age of Instagram Face „Body Image“: Photo manipulation as a predictor of facial dissatisfaction and cosmetic procedure attitudes „Wall Street Journal“: Facebook Knows Instagram Is Toxic for Teen Girls, Company Documents Show „Aesthetic Surgery Journal“: „The Influence of Photo Editing Applications on Patients Seeking Facial Plastic Surgery Services“ Jia Tolentino: „Trick Mirror: Über das inszenierte Ich“ Wolfgang Ullrich: „Selfies“
- Holger ruft an ... wegen "Clans"24.02., 12:0024.02.2023, 12:0000:27:48
„Clan“ gleich „Kriminalität“ – woher kommt diese Assoziation? Seit 2010 taucht der Begriff „Clan“ immer häufiger in Medien auf. Insbesondere „Arabische Clans“ bringen viele Menschen sofort in Verbindung mit organisierter Kriminalität. Aber warum ist das so? Holger Klein ruft diese Woche an bei Özgür Özvatan. Der Integrations- und Migrationsforscher hat mit seinem Team der Humboldt-Universität zu Berlin die Berichterstattung deutscher Medien von 2010 bis 2020 genau angeschaut und untersucht, ob und in welchen Zusammenhängen der „Clan“-Begriff überhaupt verwendet wird. Ein Ergebnis: Wenn über „Arabische Clans“ berichtet wird, dann ausschließlich negativ und kriminalisierend – obwohl ein Großteil der Menschen, die Namen bestimmter Familien tragen, gar nicht kriminell ist und ein ganz normales Leben in Deutschland führt. „Die Grundtheorie ist es, dass wir sagen, dass andere, die nicht hierher gehören, uns ein Problem bereitet haben.“ Und deshalb wähle man diese Bezeichnung, erklärt Özvatan. Machen Medien es sich zu leicht, wenn sie über organisierte Kriminalität berichten? Was hat ihn und seine Kolleg:innen bei ihrer Studie überrascht? Und was hat eigentlich Kim Kardashian mit dem Ganzen zu tun? Darüber sprechen Holger Klein und Özgür Özvatan diese Woche im Podcast. Links: "Clans" und "Clan-Kriminalität" – Kritisches Glossar der "Neuen Deutschen Medienmacher*innen" Der Diskurs über "Arabische Clans" in deutschen Medien – Wissenschaftlicher Artikel Der Politikwissenschaftler Mahmoud Jaraba im Video des "Mediendiensts Integration" Podcast "Clanland"(rbb)
- Holger ruft an ... wegen "Katapult Ukraine"17.02., 17:2617.02.2023, 17:2600:31:59
War unsere Berichterstattung über „Katapult Ukraine“ nur ein „gefälschter Skandal“? Vor knapp drei Wochen haben wir über Vorwürfe berichtet, die ukrainische Journalistinnen und Journalisten dem Projekt „Katapult Ukraine“ und dem „Katapult“-Chef Benjamin Frederich machen. Danach ist Fredrich von seinen Posten als "Katapult"-Geschäftsführer und -Chefredakteur zurückgetreten; außerdem hat er einen zweiten "Transparenzbericht" veröffentlicht, der alles klären sollte. Doch es bleiben Widersprüche. Auf unsere Anfrage, zum Beispiel, antwortete Fredrich, es seien Spenden in Höhe von 310.000 Euro eingegangen – laut "Transparenzbericht" sind es nun plötzlich 442.147 Euro. Ein größerer Teil davon ist auch nicht an Journalisten in der Ukraine gegangen, obwohl "Katapult" das ursprünglich so versprochen hatte. Im Übermedien-Podcast spricht Stefan Niggemeier über seine Recherche zu "Katapult Ukraine" und "Katapult"-Gründer Benjamin Fredrich, über falsche Versprechen und übertriebene Behauptungen, und darüber, was ihn wirklich ärgert: Dass Fredrich die ukrainischen Journalisten nun im Grunde "vor den Bus" werfe. (Und, Spoiler, die Antwort auf die Frage, ob das ein „gefälschter Skandal“ war, wie Fredrich behauptet – sie lautet: Nein!)
- Holger ruft an ... wegen der BBC03.02., 14:2603.02.2023, 14:2600:23:58
Was ist das für ein korrupter Sumpf bei der BBC? Den Namen Richard Sharp kennen hierzulande wohl eher wenige. Er ist seit 2021 Vorsitzender der BBC und steht in Großbritannien aktuell im Zentrum eines mutmaßlichen Korruptionsskandals. Sharp soll Boris Johnson zu dessen Zeit als Premierminister zu einem Kredit verholfen zu haben. Kurz später machte Johnson seinen Parteifreund Sharp zum Chef der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. „Wenn man das vergleichen würde mit der ARD, ist das sowas wie Rundfunkratschef, Intendant und Verwaltungsratschef in einem“, erklärt Annette Dittert, ARD-Korrespondentin in London, von der Holger Klein diese Woche wissen will, was da bei der BBC los ist. Sharp, ein bekennender Kritiker der BBC, ist es möglich, sich direkt ins Programm einzumischen. Die BBC sei eingeschüchtert, man spüre, dass die Journalisten, Reporter und Moderatoren sich nicht trauen, das Thema Brexit so kritisch anzugehen, wie sie es eigentlich müssten. Gerade in dieser Woche, in der der Brexit sich zum dritten Mal jährte, habe man das wahrnehmen können. Der politische Druck hat auch zur Folge, dass viele bekannte Gesichter die BBC verlassen, wie im vergangenen Jahr zum Beispiel Emily Maitlis. Warum ist die BBC so schwach? Inwiefern ermöglicht das britische Mediensystem den politischen Druck auf Redaktionen? Und wo findet kritischer Journalismus in Großbritannien dann noch statt? Darüber sprechen Holger Klein und Annette Dittert diese Woche im Podcast. Links: <li><a href="https://www.dwdl.de/ukupdate/91470/bbcvorsitzender_unter_druck_ant__dec_verlaengern_bei_itv/?utm_source=&utm_medium=&utm_campaign=&utm_term=">BBC-Vorsitzender unter Druck</a> (DWDL)</li> <li><a href="https://uebermedien.de/76128/eine-rede-als-warnruf-die-bbc-versagt-als-aufklaerer-im-zeitalter-des-populismus/">Eine Rede als Warnruf: Die BBC versagt als Aufklärer im Zeitalter des Populismus</a></li> <li><a href="https://open.spotify.com/show/0zXLdM0YV1ukb8p8WzEG6D?si=MN6NXyAJRLucL-VwMhJcqg">„The News Agents“ – Podcast der ehemaligen BBC-Journalistin Emily Maitlis</a> (Spotify)</li> <li><a href="https://uebermedien.de/76957/wie-ueberlebt-man-als-london-korrespondentin-eine-queen-beerdigung/">Wie überlebt man als London-Korrespondentin eine Queen-Beerdigung</a> (Podcast mit Annette Dittert)</li>
- Holger ruft an ... wegen Dieter Bohlen28.01., 12:1328.01.2023, 12:1300:34:47
Wie lässt sich der Rückfall ins sexistische Steinzeit-Fernsehen bei DSDS erklären? In dieser Woche sorgte „Deutschland sucht den Superstar“ mal wieder für Negativschlagzeilen. Dieter Bohlen hatte die 22-jährige Kandidatin Jill Lange, die vorher schon in verschiedenen Reality-Formaten aufgetreten war, gefragt: „Hast du irgendwas Normales gemacht? Oder hast du nur Abi und dich durchnudeln lassen?“ Der Ausschnitt war nur in der Vorabausstrahlung im Streamingangebot RTLplus zu sehen. Nachdem Lange sich öffentlich über den Umgang mit ihr beschwert hatte und es viele negative Reaktionen gab, schnitt RTL die Szene aus der Ausstrahlung im Fernsehen heraus. War diese Art, Kandidaten bloßzustellen, nicht eigentlich längst Geschichte, gerade auch bei RTL? Braucht es immer erst einen Shitstorm, bis der Sender merkt, wenn er Grenzen überschreitet? Oder ist das alles Kalkül? Darüber spricht Holger Klein mit unserer Kolumnistin Samira El Ouassil. Sie sagt, dass diese Art Fernsehen „nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist“, das versucht, „das Hässlichste, Schlimmste und Schlechteste im Menschen sichtbar zu machen und vor anderen so vorzuführen, dass es niedergemacht werden kann.“ Inzwischen hätten Reality-TV-Formate ein „soziales Bewusstsein“ entwickelt, und das Publikum nutze sie nicht mehr, um auf die Kandidaten herabzuschauen, sondern um sie anzufeuern. Was ist ein „Gottschalkismus“? Wie funktioniert das „fantastisch inzestuöse Erfolgsmodell“ des Reality-TV, das in einem Format schon die Gäste für die anderen Formate generiert? Wieso bestimmen inzwischen nicht mehr die Regeln des Fernsehens, sondern von Plattformen wie Tiktok, wer ein Star wird? Und gibt es wirklich gute Gründe, Trash-TV zu gucken? Links DWDL: RTL schneidet Bohlen-Spruch vor TV-Ausstrahlung raus Anja Rützel im „Spiegel“: Zoom auf den Hintern (€) Dieter Bohlen im „Stern“: „Wenn mir einer in die Fresse haut, haue ich zurück“ (€)
- Holger ruft an ... wegen Harry12.01., 17:3012.01.2023, 17:3000:41:17
Warum ist der größte Skandal um Harry ein Skandal der Medien? Prinz Harry hat ein Buch geschrieben. „Und ich war verblüfft, wie sehr mich das interessiert“, sagt Stefan Niggemeier im Übermedien-Podcast. Denn Harrys Geschichte ist nicht zuletzt eine Geschichte der Medien und vor allem eine massive Kritik am britischen Boulevard, aber auch anderen, „seriösen“ Medien. Seine Mutter Diana wurde bis in den Tod von Paparazzi verfolgt. Bis heute erzählen vor allem Blätter wie „The Sun“ Intimes und Erlogenes über ihn und seine Frau Meghan. Meistens ist das schnell und einfach erzählt: Harry ist der Bösewicht und Meghan die Hexe, die ihn dazu gemacht hat. Warum steigen so viele Medien auf diese Narrative ein? Wie schafft es das britische Königshaus immer wieder die Deutungshoheit zu erlangen, ohne sich offiziell zu äußern? Warum sollte man das Buch lesen? Und was hat das alles mit der Debatte um die Silvester-Nacht in Berlin zu tun? Darüber sprechen Holger Klein und Stefan Niggemeier diese Woche im Podcast. Links: Harry – Das Interview mit dem britischen Sender ITV (ausgestrahlt bei RTL) Harry in "The Late Show with Stephen Colbert" Newsletter "Conquest of the Useless": Der Medienkritiker Mic Wright nimmt detailliert und pointiert die Berichterstattung der britischen Presse über "Spare" auseinander Schlagzeilenbasteln Spezial: Meghan und Harry Meghan und die uralte Geschichte von der bösen Frau, die den Mann ins Unheil stürzt
- Holger ruft an wegen ... Klimaaktivismus05.01., 10:5005.01.2023, 10:5000:23:29
Warum schmeißt man als Journalist hin, um Klimaaktivist zu werden? Für Raphael Thelen ist Schluss. Nach mehr als zehn Jahren kehrt er dem Journalismus den Rücken und wird Aktivist bei der „Letzen Generation“. Er hat unter anderem das "Netzwerk Klimajournalismus" mitgegründet und für große Medien wie den "Spiegel" und die "Zeit" geschrieben. Jedoch stößt er als Journalist offenbar an seine Grenzen. Im Übermedien-Podcast spricht er mit Holger Klein diese Woche über seine Entscheidung. Oft habe er sich von Redaktionen den Vorwurf anhören müssen, aktivistisch und nicht objektiv zu sein. Die Klimakrise werde nicht so behandelt, wie es notwendig wäre, kritisiert Thelen. Die einzigen, die vernünftig über darüber kommunizieren, kämen entweder aus der Wissenschaft oder aus der Klimabewegung. Und deshalb wechselt auch er jetzt die Seiten. „Das ist mir klar, dass das mein Abschied aus dem Journalismus ist. Das ist mir sehr schwer gefallen, diese Entscheidung zu treffen, weil ich seit zehn Jahren diesen Beruf mache und ihn eigentlich auch liebe und immer daran geglaubt habe.“ Was hat er genau vor? Kann er noch optimistisch sein? Und was hat der Journalismus mit dem Coyoten aus "Road Runner" zu tun? Darüber sprechen Holger Klein und Raphael Thelen diese Woche im Übermedien-Podcast. Links: Die Klimakrise eskaliert und der Journalismus kommt nicht hinterher – Gastbeitrag von Sara Schurmann Warum die letzte Generation alles richtig macht – Essay von Friedemann Karig Klima – Der Newsletter für die, die es kapiert haben Interview mit Raphael Thelen (Übermedien-Archiv)