Podcast

Holger ruft an

Übermedien

News · Society & Culture · TV & Film

263 Episoden · neueste 08.10.

Häufig erwähnt

Episoden

263
  1. Holger ruft an ... wegen der FDP
    07.11., 18:0900:24:34

    Welche Rolle haben Medien beim Ampel-Aus gespielt? Der Anfang vom Ende der Ampel-Koalition war ein Papier von Bundesfinanzminister Christian Lindner, das am Freitag vergangener Woche irgendwie seinen Weg in die Medien fand. Das Ende vom Ende war die Entlassung Lindners durch Bundeskanzler Olaf Scholz fünf Tage später. Die Deutschlandfunk-Journalistin Ann-Kathrin Büüsker hat das Drama aus der Nähe miterlebt. Sie sagt, es sei „total unglaubwürdig“ zu behaupten, das Papier, in dem Lindner Teile des Koalitionsvertrages aufkündigt habe, sei nicht für die Öffentlichkeit geschrieben worden. „In so einer politisch brisanten Situation so ein politisch brisantes Papier, das ist ein klassisches Lauffeuer.“ Nachdem der „Stern“ als erster darüber berichtet habe, „konnte man gar nicht so schnell gucken, wie dieses Papier plötzlich überall war.“ Plötzlich hätten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen über verschiedene Passagen darin ausgetauscht und gewundert. „Das Regierungsviertel hat 18 Seiten durchgeackert.“ Sie schildert, wie in den vergangenen Jahren Politik gemacht wurde durch Kommunikation mit Medien im Hintergrund. „Wir hatten das in dieser Bundesregierung häufig, dass nach gemeinsamen Entschiedungen, wenn man sich auf irgendein Gesetzesvorhaben verständigt hat, dann ganz schnell Unter-Zwei-Papiere verschickt wurden - das heiß: zur Verwendung, aber nicht sagen, von wem Sie es haben.“ Die verschiedenen Ministerien hätten dann „Einordnungen“ der Entscheidungen verschickt - „oder wie ich sagen würde: ein Spin, der da gesetzt wird.“ Die Art, wie Medien berichteten, habe dann wiederum die Entscheidungsprozesse innerhalb der Regierung beeinflusst - das merke man auch in der aktuellen aufgelösten Regierungssituation wieder deutlich. „Da ist die Presse tatsächlich ein ganz entscheidender Akteur.“ Im Gespräch mit Holger Klein erzählt Ann-Kathrin Büüsker, wie gut die FDP darin gewesen ist, Spins zu setzen, warum Medien eigentlich seit Beginn der Koalition ihr Ende herbeigeschrieben haben und wie sie es schafft, Distanz zu Politikern zu wahren, mit denen sie jeden Tag zu tun hat.

  2. Holger ruft an ... wegen US-Wahlen
    01.11., 09:1500:33:43

    Sind klassische Medien im US-Wahlkampf bedeutungslos geworden? Die US-Präsidentschaftswahl am kommenden Dienstag ist für den Journalisten Christian Fahrenbach schon die fünfte, über die er aus den USA berichtet. Die klassischen Medien dort haben aus seiner Sicht wenig aus den vergangenen Wahlkämpfen gelernt: Bis heute seien sie unfähig, mit der Dreistigkeit und Schamlosigkeit von Ex-Präsident Donald Trump umzugehen. "Die Lügen gehen ins Tausendfache", sagt Fahrenbach. Kamala Harris wiederum fährt seiner Meinung nach eine kluge Medienstrategie, indem sie unter anderem in Podcasts geht. Mit Interviews in den klassischen demokratischen Medien, deren Leserschaft sie ohnehin überwiegend wähle, gebe es für sie wenig zu gewinnen. Und natürlich nutzen die Teams von Trump und Harris massiv soziale Medien. Welche Rolle spielen Journalistinnen und Journalisten im US-Wahlkampf überhaupt noch? Was hätten die Zeitungs- und Fernsehredaktionen in den USA besser machen können? Und wie viel Einfluss hat X-Besitzer Elon Musk auf das Wahlergebnis? Darüber spricht Fahrenbach im Gespräch mit Holger Klein in der neuen Folge von "Holger ruft an …" - und verrät auch, warum der rechte Sender Fox News eine Live-Cam an der Grenze zu Mexiko installiert hat. Links: Von der Sinnlosigkeit, die Umfragen zur US-Wahl zu verfolgen „Sanewashing“: Wie die Medien Trumps Irrsinn normalisieren Und plötzlich stellt sich die Frage nicht mehr, ob Medien über Joe Bidens Geisteszustand berichten sollten Worum geht es beim Skandal der „Washington Post“? (Podcast)

  3. Holger ruft an ... wegen #MeToo
    23.10., 15:4500:33:48

    Was hat die Berichterstattung über #MeToo verändert? 2017 entwickelte sich #MeToo im Zuge der Vorwürfe zahlreicher Frauen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein zur globalen Bewegung. Seitdem wurden auch in Deutschland viele Fälle von Machtmissbrauch öffentlich, unter anderem durch Recherchen von Medien wie dem „Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“. Die Journalistin Juliane Löffler, die zu den Vorwürfen gegen Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt, Rammstein-Sänger Till Lindemann und anderen Fällen recherchiert hat, hat nun ein Buch geschrieben, in der sie der Frage nachgeht, was #MeToo in Deutschland verändert hat. Darüber spricht sie diese Woche mit Holger Klein. Im Übermedien-Podcast geht es auch um die Schwierigkeiten ihrer Arbeit. Löffler: „Ich finde den Kontakt mit den Quellen bei diesen Recherchen mit die größte Herausforderung, weil es vielfach darum geht, dass diese Personen erstmal ihre Angst überwinden müssen und auch für sich selber ausloten müssen: Wie resilient bin ich, wie viel Öffentlichkeit kann ich aushalten?“ Auch wenn #MeToo-Recherchen von den Rechtsabteilungen der Medienhäuser geprüft werden, sind juristische Auseinandersetzungen nach Veröffentlichungen fast schon Standard. Immer wieder müssen Medien Texte ändern, Passagen streichen. Wie geht man damit um und warum kann man das nicht verhindern? Wie viele von den Hinweisen, die Löffler erhält, kommen an die Öffentlichkeit? Ist es eigentlich eine gute Idee, alles – von der Vergewaltigung bis zur unangemessenen Bemerkung – als #MeToo-Fall zu labeln? Und wie geht man als Journalistin damit um, immer wieder mit diesen schweren Themen konfrontiert zu sein? Darüber sprechen Holger Klein und Juliane Löffler in der neuen Folge „Holger ruft an…“. Links: Ist Luke Mockridge wirklich das Medienopfer, zu dem er sich jetzt macht? #MeToo in Frankreich: Die Angst vieler Medien vor der Macht der Stars Eine ARD-Doku hilft Christian Schertz dabei, sich als #MeToo-Vorkämpfer zu inszenieren An welche Regeln muss sich Verdachtsberichterstattung halten? (Podcast)

  4. Holger ruft an ... wegen des Prozesses in Avignon
    18.10., 11:3500:21:26

    Wie hart ist es, über einen Vergewaltigungsprozess wie den in Avignon zu berichten? Der Fall sorgt weltweit für Aufsehen: Ein Mann soll seine Frau über Jahre betäubt und anderen Männern zur Vergewaltigung zugänglich gemacht haben. Wie ist es, über einen Fall dieses Ausmaßes zu berichten? Gibt es Grenzen? Und was für eine Debatte hat die breite Berichterstattung ausgelöst? Darüber spricht Holger Klein mit der Reporterin Annika Joeres. Sie sagt, so hart es auch sei, das alles detailliert zu verfolgen, habe sie "trotzdem in jedem Moment das Gefühl, dass es wichtig ist, diesen Prozess zu begleiten". Allerdings gibt es auch für sie Grenzen, mediale wie persönliche. (Triggerwarnung: Im Podcast geht es auch um die explizite Darstellung sexueller Gewalt.) Annika Joeres ist freie Journalistin und Buch-Autorin. Sie berichtet für die "Zeit" und andere große deutsche Medien über Leben und Politik in Frankreich, wo sie seit vielen Jahren lebt. Sie gehört außerdem zum Team der gemeinnützigen Investigativ-Redaktion „Correctiv“, wo sie als Klima-Reporterin tätig ist. Früher war Joeres unter anderem stellvertretende Redaktionsleiterin der "taz NRW". Links: "Ganz normale Männer" ("Die Zeit") "Sie haben alles gewusst" ("Die Zeit") "Frankreichs neue Ikone" ("Die Zeit") "In der ersten Woche konnte ich nicht schlafen" ("Spiegel")

  5. Holger ruft an ... wegen Israel-Berichterstattung
    10.10., 16:5400:26:31

    Wie ausgewogen berichten deutsche Medien über Israel? Seit Jahrzehnten erforscht der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez die Berichterstattung über den Nahen Osten. "Immer wenn Israel in einem gewaltsamen Konflikt ist, tendieren deutsche Medien dazu, stärker auf der israelischen Seite zu stehen", kritisiert er. Er beobachtet in der journalistischen Kultur einen Reflex, Israel gerade in Krisenzeiten zu schützen. Die palästinensische und arabische Seite würde grundsätzlich zu schlecht dargestellt. Hafez findet, dass internationale Medien oft bessere Kriegsberichterstattung anbieten. Jeder Staat und jede paramilitärische Organisation führe Propagandakämpfe. Für den Journalismus bedeute das: "Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte zwischen Propaganda und Gegenpropaganda, sondern sie liegt ganz woanders." Welche Themen fehlen in der Berichterstattung über Israel? Was müsste sich in deutschen Redaktionen ändern, damit die Berichterstattung ausgewogener wird? Und was haben die Hierarchien in Verlagen und Sendern damit zu tun? Das erklärt der Erfurter Medienwissenschaftler in der neuen Folge von "Holger ruft an…". Links: Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Krieg (Doku des NDR-Magazins "Zapp") Was wissen wir über die mehr als 100 getöteten Journalisten in Gaza? (Übermedien-Podcast) Aus Solidarität mit Israel verzichtet die "Bild" darauf, über palästinensische Opfer in Gaza zu berichten Von wegen "doppelte Standards" in der deutschen Gaza-Krieg-Berichterstattung (Kommentar von Andrej Reisin) "Die deutsche Berichterstattung zum Nahostkrieg setzt meine Glaubwürdigkeit als Reporter aufs Spiel" (Kommentar von Teseo La Marca) Gute Tabus, schlechte Tabus: Die vertauschten Rollen in der Debatte über Israel

  6. Holger ruft an ... wegen Medieneigentümern
    20.09., 16:4000:15:28

    Wem gehören die Medien in Deutschland? Hätten Sie gewusst, dass die SPD Eigentumsanteile an großen Medienunternehmen wie der Madsack-Gruppe hat? Oder haben Sie schon mal den Namen Dirk Ströer gehört? Vielleicht nicht. Aber Sie haben sicher schon einmal einen Artikel bei „t-online“ gelesen, dem Portal, an dem Dirk Ströer 20 Prozent der Anteile besitzt. Zu wissen, wem Medien gehören, ist wichtig. Denn ihre Eigentümer können theoretisch Einfluss nehmen. Einen Überblick über die Strukturen des deutschen Medienmarkts liefert der neue „Media Ownership Monitor“. Ein Team des Magazins „Medieninsider“ ist in Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation „Global Media Registry“ der Frage nachgegangen: Wem gehören die Medien in Deutschland? Seit vergangener Woche ist die Seite online. Wie kam das Team an Informationen? Welche Medienunternehmer haben sie sich genauer angeschaut? Welche Überraschungen gab es? Und ist es um die Medienpluralität in Deutschland bestellt? Holger Klein und Projektleiter Matthias Bannert sprechen darüber in der neuen Folge „Holger ruft an …“ Links: "Media Ownership Monitor" für Deutschland Wie Bertelsmann versucht, den Patriarchen Reinhard Mohn zum Ober-Aufklärer der dunklen Firmengeschichte zu verklären Alle Übermedien-Artikel zu Bertelsmann Alle Übermedien-Artikel zum Burda-Verlag Alle Übermedien-Artikel zum Axel-Springer-Verlag

  7. Holger ruft an ... wegen Luke Mockridge
    11.09., 16:0000:25:29

    Warum fällt vielen Comedians nichts Besseres ein als nach unten zu treten? Der Comedian Luke Mockridge hat in einem Podcast abwertende Witze über Sportler mit Behinderung gemacht und erntet dafür seit einigen Tagen sehr viel Kritik. Sat.1 hat eine geplante Sendung mit ihm abgesagt. Doch sollte man dem ganzen Thema überhaupt so viel Aufmerksamkeit schenken, wie Medien es gerade tun? Hat Mockridge damit nicht erreicht, was er wollte? Der Journalist und Comedy-Experte Bernhard Hiergeist kommt im Übermedien-Podcast zu dem Schluss: Wie man’s macht, macht man's falsch. „Wenn man nicht drüber berichtet, setzt eine Normalisierung von solchen Äußerungen ein. Wenn man darüber berichtet, setzt auch eine Normalisierung ein“, sagt er. Als jemand, der sich mit Comedians und ihren Ausfälligkeiten intensiv beschäftigt, war der neue Skandal um Luke Mockridge für Hiergeist keine Überraschung. Reaktionäre Comedy, die nach unten tritt, gebe es schon immer, sagt er. Und er habe den Eindruck, dass das in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Was würde er sich von Comedians wünschen? Warum machen richtig gute Witze so viel Arbeit? Was verrät der Blick in die Comedy-Szene der USA? Und was macht eigentlich ein Comedy-Journalist den ganzen Tag lang? Darüber sprechen Holger Klein und Bernhard Hiergeist in der neuen Folge „Holger ruft an…“. Links: Ist Luke Mockridge wirklich das Medienopfer, zu dem er sich jetzt macht? Luke Mockridges gescheiterter Versuch, lustig nicht lustig zu sein Luke Mockrdige darf sagen, was er will. Und er will offenbar ekelhaft sein (Anja Rützel im "Spiegel") Sat1 sagt Comedy-Quiz mit Luke Mockridge ab

  8. Holger ruft an ... wegen Thüringen
    06.09., 19:5600:34:40

    Müssen Medien auch mit Pressefeinden sprechen? "Das Ergebnis hat mich betroffen gemacht", sagt Martin Debes in dieser Folge von "Holger ruft an …" über die Landtagswahl in Thüringen vom vergangenen Wochenende. Der Grund: Die AfD ist dort mit 32,8 Prozent der Stimmen zur stärksten Fraktion geworden, verfügt damit über das Vorschlagsrecht für den Landtagspräsidenten und die sogenannte Sperrminorität. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) holte aus dem Stand fast 16 Prozent. Der "Stern"-Journalist ist allerdings der Meinung, dass der Journalismus zur aktuellen politischen Situation in seinem Heimat-Bundesland auch einen Teil beigetragen hat: "Die Stärke des BSW lässt sich ohne die Medien nicht erklären, die Stärke der AfD vielleicht auch nicht." Tatsächlich treibt Medien schon lange die Frage um, wie über die rechtspopulistische AfD angemessen berichtet werden kann. Auf der einen Seite steht der Anspruch, objektiv und unvoreingenommen zu berichten, auf der anderen der Wunsch, demokratiefeindlichen Positionen keine Plattform zu bieten. Debes mahnt die Branche zwar zur Selbstkritik, hält aber nicht viel von Positionen, die bestimmte politische Akteure aus dem medialen Diskurs ausschließen wollen: "Wir sollten über die AfD kritisch berichten, aber sie auch ernst nehmen, als eine Partei, die nun mal gewählt wird." Aber was, wenn politische Akteure die Medien selbst zum Feindbild erklären? Darüber spricht Martin Debes mit Podcast Holger Klein in dieser Woche. Links: AfD-Coup, Wagenknecht-Volte oder Chaos: Was droht Thüringen? (Analyse von Martin Debes im "Stern") Der Feind in meinem Studio ("Spiegel") So sollte man ein Interview mit einem AfD-Vordenker niemals führen (Kommentar von Annika Schneider) Faktenchecks bringen nur dann etwas, wenn sie auch gelesen werden (Martin Rücker über Sommerinterviews mit AfD-Politikern) Warum berichten überregionale Medien groß, wenn in Nordhausen gewählt wird? (Übermedien-Podcast mit Martin Debes) Haben Medien die AfD groß gemacht? (Übermedien-Podcast mit Ann-Katrin Müller vom "Spiegel")

  9. Holger ruft ... wegen Pawel Durow
    29.08., 16:3500:32:14

    Was bewirkt die Festnahme des Telegram-Chefs? Am vergangenen Wochenende wurde in Paris Pawel Durow, der Chef der Messenger-Dienstes Telegram, festgenommen. Mittlerweile ist er wieder frei – allerdings gegen Kaution. Die französischen Behörden werfen Durow unter anderem Beihilfe zu kriminellen Aktivitäten auf seiner Plattform und mangelnde Kooperation vor. Denn Telegram wird nicht nur für Alltagskommunikation genutzt, sondern auch für kriminelle Geschäfte wie Drogenhandel. Große, öffentliche Kanäle verbreiten dort Verschwörungsmythen, Fake News und Hassrede. Und der Betreiber geht kaum dagegen vor. Durow wird deshalb mitverantwortlich gemacht, gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren. Ist das nun der große Schlag gegen die übermächtigen Plattformen und die Tech-Milliardäre? Darüber spricht Holger Klein diese Woche im Übermedien-Podcast mit Anna Biselli. Die Chefredakteurin von netzpolitik.org sieht die Festnahme Durows und die Reaktionen darauf eher kritisch. Sie spricht von „Signalaktionismus“. Außerdem nutze Russland den Fall nun, „um sich zum Verteidiger von Presse- und Meinungsfreiheit aufzuschwingen“. Welche Bedeutung hat Telegram eigentlich – hier in Europa, aber auch in autoritären Staaten? Welchen Kollateralschaden sieht Biselli nach Durows Festnahme für andere verschlüsselte Dienste? Und welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, um gegen die Plattform und auf ihr geteilte Inhalte vorzugehen? Links: Festnahme mit Risiken und Nebenwirkungen – Beitrag von Anna Biselli bei Netzpolitik.org Entscheidet die EU jetzt, was Desinformation ist? Übermedien-Podcast zum Digitale-Dienste-Gesetz mit Hendrik Wieduwilt Schnell Telegram abschalten und dann ist alles wieder gut? Übermedien Podcast mit Andrej Reisin

  10. Holger ruft an ... wegen Sahra Wagenknecht
    22.08., 12:5500:15:24

    Warum lieben Russlands Medien Sahra Wagenknecht? Keine andere deutsche Politikerin wird von russischen Staatsmedien so gerne zitiert wie Sahra Wagenknecht. Die BSW-Gründerin und Parteivorsitzende sei so etwas wie die „Gegenfigur zu Olaf Scholz“, sagt die Journalistin Yelizaveta Landenberger im Übermedien-Podcast. Sie beobachtet russische Medien genau und hat für die FAZ diese Woche aufgeschrieben, wie sehr die Kremlpropaganda „Wagenknechts Loyalität“ schätzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass, zum Beispiel, veröffentliche an manchen Tagen gleich mehrere Meldungen zu Sahra Wagenknecht. Eine Zeitung nannte sie kürzlich den „neuen Star der deutschen Politik“. Wagenknecht, so Landenberger, impliziere mit ihren Aussagen immer, dass „eigentlich die Nato, der Westen und die Ukraine Schuld an diesem Krieg" seien. Ein Narrativ, das der russischen Propaganda natürlich gelegen kommt. Aber sind es nicht auch die deutschen Medien, die Sahra Wagenknecht abfeiern? Wie tragen sie damit indirekt zu ihrer Karriere in russischen Medien bei? Und ist Wagenknecht die einzige deutsche Politikerin, auf die sich Russlands Propaganda gerne bezieht, oder gibt es da noch andere? Darüber sprechen Holger Klein und Yelizaveta Landenberger in der neuen Folge „Holger ruft an…“. Links: „Russlands Propaganda liebt Sahra Wagenknecht“ (FAZ) „Auf Linie mit der russischen Propaganda“ (tagesschau.de) „Was Sahra Wagenknecht zum Krieg in der Ukraine sagt“ (Faktencheck im Deutschlandfunk) Johannes Hillje über den Medienhype um Wagenknechts Partei Kommentar von Stefan Niggemeier zu Sahra Wagenknecht bei „hart aber fair“

  11. Holger ruft an ... wegen Correctiv
    15.08., 09:5300:30:04

    Warum musste die Kritik an der "Geheimplan"-Recherche sein? Nachdem wir bei Übermedien vor zwei Wochen die ausführliche Kritik dreier Autoren an der „Geheimplan“-Recherche von Correctiv veröffentlicht haben, gab es viele Reaktionen. Darunter war positives Feedback, aber auch viel Kritik an der Kritik – von Lesern, anderen Medien, von Correctiv und auch aus unserer eigenen Redaktion. Zudem instrumentalisierten rechte Medien wie die AfD-nahe „Junge Freiheit“ oder das Krawallportal „Nius“ den Text der Übermedien-Autoren als vermeintlich endgültigen Beleg dafür, dass Correctiv mit seiner Geschichte gelogen habe. Der Ton: Jetzt zerlegt sogar ein „linkes Portal“ die „Geheimplan“-Recherche. Dabei haben die Übermedien-Autoren die Gefahr des Rechtsextremismus nie angezweifelt. War es das alles wert? Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier, einer der drei Autoren, spricht diese Woche bei Holger Klein im Podcast darüber, wie er die Debatte wahrnimmt – und warum die Kritik an Correctiv aus seiner Sicht sein musste. Aber was sagt er zum Applaus von rechts? Was würde er im Nachhinein anders machen? Ist das jetzt die Art von Debatte, die er und seine Co-Autoren sich gewünscht hatten? Und ist Übermedien eigentlich links? Links: Der Correctiv-Bericht verdient nicht Preise, sondern Kritik – und endlich eine echte Debatte Die Kritik an Correctiv ignoriert, was wir über Rechtsextremismus wissen - Replik von Andrej Reisin Verdient die Correctiv-Recherche Preise oder Kritik? (Diskussion im DLF-Podcast "Nach Redaktionsschluss") "Geheimplan gegen Deutschland": Die Recherche von Correctiv Fragen und Antworten zur „Geheimplan“-Recherche von Correctiv Correctivs Antwort auf die Kritik von „Übermedien“ "Peinliches Penisfechten" – Kommentar zur Übermedien-Kritik an der „Geheimplan-Recherche“ in der taz "Eine Recherche mit Peng" (SZ) "Was bleibt vom Geheimplan gegen Deutschland?" (FAZ) "Seriösem Journalismus muss die Wirkung seiner Arbeit egal sein" – Gastbeitrag von Stefan Niggemeier im "Spiegel"

  12. Holger ruft an ... wegen Ralf Schumacher
    18.07., 17:3000:21:36

    Ist ein Coming Out noch eine Nachricht – oder sind wir schon weiter? Ralf Schumacher hat eine neue Liebe. Das machte der ehemalige Rennfahrer am vergangenen Wochenende bei Instagram öffentlich. Und weil diese neue Liebe ein Mann ist, waren die Reaktionen vor allem auf eines fokussiert: das Coming-out von Ralf Schumacher als homosexueller oder bisexueller Mann. Aber ist das eigentlich eine Nachricht jenseits von Promiklatsch? Schließlich sollte es doch heutzutage ganz egal sein, wer wen liebt. Darüber spricht Holger Klein diese Woche mit Bettina Böttinger. Die bekannte WDR-Moderatorin und Produzentin ist selbst lesbisch und setzt sich seit langem für die Sichtbarkeit von queeren Menschen ein. Böttinger sagt: „Es gehört immer noch ein Funken Mut dazu, aus einer gesicherten gesellschaftlichen Position heraus plötzlich ein Coming-out zu verkünden.“ In diesem Fall wohl auch, weil Ralf Schumacher in einer Sportart berühmt geworden ist, die extrem männlich besetzt ist, der Formel 1. Wie blickt Böttinger auf den öffentlichen Umgang mit Coming-outs? Wie war das in den 90er Jahren, als ihre Homosexualität öffentlich wurde? Welche Sorgen macht sie sich angesichts des Rechtsrucks in der Gesellschaft? Und wo hat Bettina Böttinger eigentlich den Ehering von Jens Spahn versteckt? **Links: ** WDR-Podcast "Wohnung 17" Instagram-Profil von Ralf Schumacher Bettina Böttinger bezichtigt Harald Schmidt der Homophobie (queer.de) Post von Dietmar Bartsch (Die Linke) zum Coming Out von Ralf Schumacher

  13. Holger ruft an ... wegen Wahlen in Frankreich
    11.07., 16:4000:18:55

    Schreiben deutsche Medien die Wahlergebnisse in Frankreich schön? Der Rechtsruck sei erfolgreich verhindert worden: Mit diesem Tenor haben viele deutsche Medien über die Parlamentsneuwahlen in Frankreich berichtet. Dabei hat der rechtsextreme Rassemblement National am vergangenen Wochenende die meisten Stimmen geholt, die Partei erzielte ein besseres Ergebnis als jemals zuvor bei Parlamentswahlen. Dass trotzdem ein linkes Wahlbündnis gewonnen hat, liegt am französischen Mehrheitswahlrecht, das sich vom deutschen System stark unterscheidet. In deutschen Berichten zur Wahl müsste dieser Unterschied eigentlich immer kurz erklärt werden, sagt Kathrin Müller-Lancé, Politikredakteurin bei der „Süddeutschen Zeitung“. Journalisten sollten eher vorsichtig erleichtert sein. Falsch sei es auch zu behaupten, dass Frankreich an den radikal linken Politiker Jean-Luc Mélenchon gegangen sei, schließlich säßen in dessen Linksbündnis auch noch andere Parteien. Dass Mélenchon Premierminister werde, sei noch nicht ausgemacht. Was ist dran an dem „verhinderten Rechtsruck“ in Frankreich? Wie entscheidet Kathrin Müller-Lancé, ob sie eine Partei als links- oder rechtsextrem labelt? Und welche Themen fehlen generell in der deutschen Berichterstattung über unser Nachbarland? Darüber spricht die SZ-Redakteurin in einer neuen Folge von „Holger ruft an…“ – und sie erzählt auch, welche Klischees über Frankreich ihr in deutschen Medien immer wieder begegnen. Links: Überblick über die Wahlergebnisse in Frankreich ("Süddeutsche Zeitung") Wer hat wen gewählt? ("Süddeutsche Zeitung") Wahl in Frankreich - Links gewinnt, aber wer regiert? (Deutschlandfunk) FAQ: Was man zu den Neuwahlen in Frankreich wissen muss (RND) Was wird nun aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Frankreich? (Übermedien-Podcast vom 17. Juni 2022)

  14. Holger ruft an ... wegen Journalisten in Gaza
    03.07., 12:1200:21:04

    Was wissen wir über die mehr als 100 getöteten Journalisten in Gaza? Warum sterben im Gazakrieg so viele palästinensische Journalist:innen? Ein internationales Rechercheteam aus einem Dutzend Medienhäusern hat dazu in den vergangenen Monaten recherchiert, mit Zeug:innen und Fachleuten gesprochen und Satellitenbilder ausgewertet. Auch Journalist:innen aus Israel, dem Gaza-Streifen und arabischen Ländern waren an dem Projekt beteiligt. Laut Reporter ohne Grenzen sind seit vergangenem Oktober 129 Medienschaffende in und um Gaza getötet worden, die meisten durch israelisches Bombardement (Stand: 19. Juni). In 30 Fällen ist belegt, dass ihr Tod mit ihrer journalistischen Arbeit zusammenhing. Die konkreten Umstände sind oft unklar, weil internationale Korrespondent:innen kaum Zugang zum Kriegsgebiet haben. "Wir sehen schon, dass das israelische Militär bei seinem Vorgehen im Gaza-Streifen den Tod von Journalisten mindestens in Kauf nimmt", sagt der Investigativjournalist Frederik Obermaier von "Paper Trail Media", der an den Recherchen beteiligt war. "Einige Äußerungen von Militärsprechern kann man auch so interpretieren, dass sie auch direkt darauf abzielen." In mehreren Fällen seien Journalist:innen getötet worden, obwohl sie deutlich sichtbar blaue Pressewesten getragen hätten. Andererseits verweise das israelische Militär auf mehrere Fälle, bei denen Hamas-Kämpfer diese Westen genutzt hätten. Waren unter den getöteten Medienschaffenden auch Propagandist:innen der Hamas? Welche Journalist:innen arbeiten überhaupt noch im Kriegsgebiet? Und wie groß ist die Chance, dass die Todesfälle nach dem Ende des Krieges aufgeklärt werden? Darüber spricht Holger Klein mit Frederik Obermaier in einer neuen Folge von „Holger ruft an…“: Links: Aufzählungs-TextSie berichten aus der Todeszone – viele kostet das ihr Leben ("Spiegel") Aufzählungs-TextReporter im Fadenkreuz (Paper Trail Media) Aufzählungs-TextHow Forbidden Stories investigated the killing of nearly 100 journalists in Gaza (Forbidden Stories) Aufzählungs-TextGreift Israel gezielt Journalisten an? (FAZ) Aufzählungs-TextFAQ zur Situation der Medien im Gazastreifen von Reporter ohne Grenzen

  15. Holger ruft an ... wegen Einfacher Sprache
    26.06., 09:4500:16:52

    Wie gut gemacht ist die neue „Tagesschau“ in Einfacher Sprache? „Der Bundeskanzler ist der Chef von der Regierung. Der Bundeskanzler heißt Scholz. Scholz hat über die Lage von der Wirtschaft geredet. Jetzt kommen Bilder von der Rede.“ So klingt es, wenn die Moderatorin einen Beitrag in der neuen „Tagesschau“ in Einfacher Sprache anmoderiert. Seit Anfang Juni gibt es das Angebot, das sich laut NDR an Menschen mit Hör-, Lese- und Lernschwäche sowie an Personen, die Deutsch lernen, richtet. Die Sendung läuft Montag bis Freitag um 19 Uhr auf "Tagesschau 24" sowie auf tagesschau.de . Doch ist die barrierefreie Nachrichtensendung auch gut gemacht? Darüber spricht Holger Klein diese Woche mit Andrea Halbritter, Germanistin und Übersetzerin für Leichte und Einfache Sprache. Sie findet es grundsätzlich gut, dass es das Angebot regelmäßig gibt, sieht aber auch Verbesserungspotenzial. So kämen manche der vorgetragenen Nachrichten zu spät auf den Punkt, bei einigen Meldungen würden Begriffe umbenannt, obwohl das nicht nötig sei. Zum Beispiel, dass der Finanzminister auf einmal „Minister für Geld“ heißt. Halbritter wundert sich auch darüber, dass die Sendung „Tagesschau in Einfacher Sprache“ heißt, es sich aus ihrer Sicht aber um Leichte Sprache handelt. Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache? Welche ersten Reaktionen hat Andrea Halbritter von Personen aus der Zielgruppe mitbekommen? Und kann man jede komplexe Nachricht vereinfachen? Oder besteht dann Gefahr, etwas zu verfälschen? Darum geht es in der neuen Podcastfolge „Holger ruft an…“. Links: "Fränkischer-Tag"-Autor macht sich über die neue "Tagesschau" in Einfacher Sprache lustig Wie gut ist die "Tagesschau" in Einfacher Sprache – Blogbeitrag von Andrea Halbritter "Tagesschau" in Einfacher Sprache "Nachrichtenleicht" (Deutschlandfunk)

  16. Holger ruft an ... wegen der "WaPo"
    20.06., 13:3500:28:58

    Worum geht es beim Skandal der „Washington Post“? Aufruhr bei der „Washington Post“: Chefredakteurin Sally Buzbee ist zurückgetreten, nachdem CEO William Lewis offenbar versucht hat, kritische Berichterstattung über sich selbst zu verhindern. Es ging in der Geschichte um seine Rolle beim Abhörskandal der britischen Zeitung „News Of The World“, bei der Lewis, selbst Brite, Manager war. Dass Medien in den USA kritisch mit sich selbst umgehen, ist in vielen Häusern Teil ihrer Kultur. Auch die „Washington Post“ sei sehr stolz darauf, kritisch auf die eigenen Prozesse zu blicken, erklärt Christian Fahrenbach, der als freier Journalist in New York lebt. Nicht nur deshalb gilt der Versuch von Lewis, eine Geschichte in der eigenen Zeitung auszubremsen, als skandalös. Es geht dabei auch um unterschiedliche Auffassungen von journalistischer Ethik: US-Reporter, für die sehr strenge Regeln gelten, haben ein Problem mit den teilweise fraglichen Methoden ihrer britischen Kollegen. Hinzu kommt: William Lewis hat einen Landsmann zum neuen Leiter der „News Division“ bei der „WaPo“ ernannt, dem unlautere Recherche-Methoden vorgeworfen werden. Was ist das für eine – wie Fahrenbach es nennt – „Daily Soap“? Was erfährt man dabei über Journalismus und Medienkritik in den USA? Und was macht eigentlich Amazon-Milliardär und „WaPo“-Eigentümer Jeff Bezos in dieser Situation? Darüber sprechen Holger Klein und Christian Fahrenbach diese Woche im Übermedien-Podcast. Links: Bericht der "New York Times" über den Streit bei der "Washington Post" Skandal bei der "Washington Post" – Eine Zeitung in Dunkelheit ("Süddeutsche Zeitung") "Zunehmend unhaltbar" – CNN über "Washington Post"-CEO Lewis "Poynter" "Semafor" "Nieman Lab"

  17. Holger ruft an ... wegen Wahlberichterstattung
    10.06., 19:1000:22:06

    Wie verwirrend kann so ein Wahlabend sein? Den Wahlforscher Thorsten Faas hat die Art, wie am Sonntag Abend über den Ausgang der Europawahl berichtet wurde, frustriert. Es sei fast gar nicht um Europa gegangen, sondern vor allem um Bundespolitik und die Frage, was das Ergebnis für die Ampel beutete, kritisiert er. Problematisch findet der Politikwissenschaftler der FU Berlin auch, wie viele Zahlen aufbereitet wurden, zum Beispiel Grafiken mit der Wählerwanderung, die im Netz von vielen geteilt wurden. Die Frage, wer an so einem so einem Wahlabend gewonnen und wer verloren hat, hänge immer vom Vergleichsmaßstab ab. Faas: „Wenn du das mit der letzten Europawahl in Beziehung setzt, hast du ein völlig anderes Bild bekommen, als wenn man das in Relation zum Ergebnis der Bundestagswahl 2021 setzt.“ Es sei schwierig, wenn Medien permanent hin- und herwechseln und nicht transparent machen, welche Vergleichswerte sie gerade heranziehen. Wie könnten Medien das anders machen? Und ist die Berichterstattung in anderen Ländern besser? Darüber spricht Holger Klein in dieser Woche mit Thorsten Faas im Übermedien-Podcast – aus aktuellem Anlass ausnahmsweise schon am Wochenanfang. Links: Thorsten Faas bei X und Bluesky Am Deutschen Tellerrand hängengeblieben ("Spiegel") Wenigstens nicht so schlimm? Wenn Wahlerfolge plötzlich wie Niederlagen wirken Warum läuft auf öffentlich-rechtlichen Sendern Parteiwerbung? (Podcast)

  18. Holger ruft an ... wegen Wahlwerbung
    07.06., 10:0500:22:31

    Warum läuft auf öffentlich-rechtlichen Sendern Parteiwerbung? Die Partei „Die Heimat“ (früher NPD) hetzt in einem animierten Clip gegen Migranten, die über das Mittelmeer flüchten. Die „Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung“ lässt in einem Schwarz-Weiß-Film den Sensenmann auftreten und behauptet, der „altersbedingte Tod“ sei technisch lösbar. All das lief in den vergangenen Wochen im Zuge des Europawahlkampfs auch auf öffentlich-rechtlichen Sendern. Warum müssen die Sender den Parteien für so etwas kostenlose Sendeplätze bieten? Wo ist das geregelt? Können sie die Ausstrahlung bestimmter Inhalte verweigern? Und wie wird eigentlich festgelegt, welche Partei wie viele Sendeplätze bekommt? Darüber sprechen Holger Klein und der Medienjournalist Stefan Fries in dieser Woche vor der Europawahl im Übermedien-Podcast. Fries, der auch für den Deutschlandfunk arbeitet, hat 2005 seine Magisterarbeit über Wahlwerbespots im Hörfunk geschrieben. An den rechtlichen und politischen Bedingungen hat sich seitdem kaum etwas verändert. Obwohl der Wahlkampf mittlerweile auch im Internet und sozialen Medien geführt wird, seien Fernsehen und Radio als Werbeplätze noch bedeutend, weil sie immer noch viel konsumiert würden, so Fries. „Gerade die vielen kleineren Parteien haben eine Chance, eine Reichweite zu bekommen, die sie sonst nicht hätten.“ Links: Leitfaden der Medienanstalten zu den Wahlsendezeiten für politische Parteien im bundesweit ausgerichteten privaten Rundfunk HR muss Wahlwerbung der "Partei" senden ("Frankfurter Rundschau") Warum das ZDF Wahlwerbungen von Parteien sendet

  19. Holger ruft an ... wegen des Sylt-Videos
    29.05., 18:2000:28:40

    Dürfen Medien Leute, die Nazi-Parolen singen, an den Pranger stellen? Seit einer Woche herrscht große öffentliche Empörung über ein Video aus einem Sylter Club – es ist inzwischen weltweit bekannt: Eine Gruppe junger Menschen skandiert zu dem Pop-Song „L’amour toujours“ die Nazi-Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ Ein Mann deutet dabei einen Hitlergruß an und imitiert mit zwei Fingern über der Lippe einen Hitlerbart. Das Video tauchte zunächst bei Twitter auf, wenig später war es überall, meistens unverpixelt. Beim WDR etwa waren die Gesichter der Personen zu erkennen, auch "Bild" zeigte die "Sylt-Schnösel" oder "Nazi-Schnösel", wie sie sie nannte, immer wieder. Dutzende Meldungen veröffentlichte das Blatt zu dem Vorfall in dieser Woche. Und machte noch mehr über die Leute publik: ihre Vornamen und Arbeitgeber etwa – und andere private Details. Ist das in Ordnung? Dürfen Medien Menschen, die so eine Parole öffentlich skandieren, dann auch öffentlich vorführen? Wo verlaufen die Grenzen? Und können die Betroffenen womöglich Persönlichkeitsrechte geltend machen, also juristisch gegen Medien vorgehen? Der Frankfurter Medienrechtsanwalt Felix Damm hält viele der Veröffentlichungen über den Fall für „gravierend rechtsverletzend“. Im Übermedien-Podcast sagt er: „Wir haben hier eine Berichterstattung, die aus meiner Sicht offenkundig darum bemüht ist, die Betroffenen an den Pranger zu stellen." Hinzu komme, dass kein Zweifel daran gelassen werde, dass die erhobenen Vorwürfe ausgemachte Sache seien. Dass man sehe, dass im Video gesungen wird, rechtfertige nicht „die Frage, ob das Singen dieser Parole Volksverhetzung ist, ob andere Straftatbestände im Raum stehen”. Die "Bild"-Zeitung aber lasse zum Beispiel überhaupt keinen Zweifel daran, dass hier auch strafrechtlich relevantes Verhalten vorliege. Damm hält es für "total abwegig", dass Ermittlungen das bestätigen würden, zumindest, was das Singen der Parole angeht. Klar ist für ihn: die „Entgleisungen“ der Sylter Partygäste seien von „hoher gesellschaftlicher Relevanz“. Aber für die Berichterstattung sei es „unerheblich, wie die Betroffenen aussehen, was sie studieren, woher sie kommen“. Die personenbezogene Berichterstattung von „Bild“ verhindere sogar, dass über die eigentlichen Probleme geschrieben werde: über Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. **Links: ** Öffentliches Interesse oder Prangerwirkung? - Müssen die Personen auf dem "Sylt-Video" verpixelt werden? (Beitrag bei "Legal Tribune Online") Werden die Rechte der Personen aus dem Sylt-Video verletzt? (FAZ) Auf der falschen Fährte – Kommentar von Angela Gruber im "Spiegel" Ein Video und seine Folgen: Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im DLF-Interview

  20. Holger ruft an ... wegen Plagiatsvorwürfen
    23.05., 14:0000:30:51

    Was haben wir aus dem Fall Föderl-Schmid gelernt? Alexandra Föderl-Schmid, die Vize-Chefin der „Süddeutschen Zeitung“, schreibe von anderen ab, ohne die Quellen zu nennen: Mit diesem Vorwurf trat das Branchenmagazin „Medieninsider“ im Dezember 2023 eine aufgeregte Debatte los. Vor allem Julian Reichelts Krawall-Portal „Nius“, das nach der „Medieninsider“-Recherche einen sogenannten Plagiatsjäger mit der Durchsicht von Föderl-Schmids Doktorarbeit beauftragte, schürte viel Hass gegen die Journalistin – mit drastischen Konsequenzen für sie persönlich. Um die Vorwürfe gegen Föderl-Schmid aufzuarbeiten, hatte die „Süddeutsche Zeitung“ Anfang des Jahres ein externes Gutachten beauftragt, das vergangene Woche vorgestellt wurde. Die Kommission kam zu dem Schluss, "dass Föderl-Schmid für ihre Artikel stellenweise auf Nachrichtenagenturen, quasi-amtliche Quellen und Archivmaterial zurückgegriffen hat, ohne dies auszuweisen." Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie "methodisch die journalistische Leistung von anderen in einer Weise kopiert hätte, ohne die ihre eigenen Texte keine Gültigkeit gehabt hätten", heißt es in dem Bericht. Holger Klein ruft diese Woche bei Übermedien-Gründer **Stefan Niggemeier **an, der darüber spricht, wie er den Kommissionsbericht gelesen hat und was Medien aus dem Fall lernen können. Wie konnte sich die Geschichte zu einem solchen Skandal ausweiten? Was kann man Föderl-Schmid vorwerfen – und was nicht? Kann man in ihrem Fall eigentlich von "Plagiaten" sprechen? Und warum hat Übermedien nicht berichtet, obwohl wir von den Vorwürfen gegen die SZ-Vize-Chefin wussten? Darüber sprechen Holger Klein und Stefan Niggemeier diese Woche. Links: Die Legende von der Schmutzkampagne der SZ gegen Alice Weidel "Nius" produziert nicht Journalismus, sondern Wut – ohne Rücksicht auf Verluste Schreibt die Vize-Chefredakteurin der SZ ohne Kennzeichnung ab? (Recherche von "Medieninsider", €) Kommissionsbericht zur Aufarbeitung der gegen Alexandra Föderl-Schmid erhobenen Vorwürfe

Der Übermedien-Podcast, in dem Host Holger Klein jede Woche mit wechselnden Gästen über aktuelle Medienthemen und ihre Hintergründe spricht. Übermedien ist das führende Online-Magazin für Medienkritik und berichtet seit 2016 über Medien: unabhängig, werbefrei und finanziert ausschließlich durch unsere Community. Unterstützt uns mit einem Abo oder abonniert unseren kostenlosen Newsletter! Mehr dazu auf www.uebermedien.de.