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348- Haushaltsdebatte ohne Substanz – warum Berlin das Alterungsproblem verschweigt09.10., 05:0009.10.2026, 05:0000:25:43
Ausgangspunkt dieser Folge von Economic Challenges ist die Haushaltsrede von Finanzminister Lars Klingbeil, der „Gerechtigkeit“ zum Maßstab aller Reformen erklärt hatte. Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, kritisieren, dass solche Begriffe laut Friedrich August von Hayek Substantiven ihren Sinn entleeren – und in der Debatte vom eigentlichen Problem ablenken: der alternden Gesellschaft. Rürup rechnet vor, dass Deutschland jährlich 400.000 Erwerbspersonen fehlen und das Trendwachstum ohne schuldenfinanzierte Rüstungsausgaben bei nur 0,3 Prozent liege. „Das ist die veritabelste Wachstumsbremse, die wir gegenwärtig haben“, sagt er – dennoch sei das Thema in der Haushaltsdebatte „großräumig gemieden“ worden, auch aus Furcht vor der AfD. Hüther sieht die Ursache auch in mangelndem Mut zur Erklärung: Bei Rente, Pflege und Gesundheit handle es sich um „einfache Mathematik“, die Politik traue sich aber nicht, Finanzierungslücken offen zu benennen. Beide Ökonomen plädieren dafür, die AfD inhaltlich zu stellen, statt sie hinter einer Brandmauer zu ignorieren – ihre wirtschaftspolitischen Vorschläge seien, so Hüther, „eine mistgequirlte Soße“, die einer offenen Debatte nicht standhalte. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Das Ende der Globalisierungswelle – muss der Staat künftig Kapazitäten vorhalten?02.10., 05:0002.10.2026, 05:0000:24:33
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, warum die großen Volkswirtschaften ihre Märkte wieder abschotten. Hüther verweist auf die Welthandelselastizität: Bis zur Finanzkrise wuchs der Handel deutlich stärker als die Weltproduktion, heute liegt der Wert bei eins. Er sieht darin keinen Zusammenbruch, sondern eine neue Raumstruktur, die Unternehmen und Staaten zur Vorsorge zwingt. Als Beispiel nennt er Sanofis Insulinwerk in Frankfurt – mit 400 Millionen Euro subventioniert, die einzige Humaninsulin-Produktion im Europäischen Wirtschaftsraum. „Machtpolitik steht im Vordergrund“, sagt Hüther. Rürup sieht ein Comeback des Autarkiegedankens: Die USA und China verabschiedeten sich vom Markt, der ihren Aufstieg trug. Offen bleibt, ob die EU zur dritten Säule der Weltwirtschaft werden kann. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Euro als Weltwährung – Kann Europa geopolitisches Gewicht durch seine Währung zurückgewinnen?25.09., 05:0025.09.2026, 05:0000:24:18
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, ob die Europäische Union den Euro gezielt zur Weltwährung ausbauen sollte. Ausgangspunkt ist das jüngste Treffen von Trump und Xi in Washington, das aus Sicht beider Gäste eine tektonische Verschiebung im geopolitischen Gefüge markiert: Die USA wenden sich zunehmend von Europa ab, während sich Washington und Peking trotz aller Rivalität in einem „konstruktiven Verhältnis strategischer Stabilität“ annähern. Rürup fordert, Europa müsse währungspolitisch „erwachsen werden“ und dürfe nicht mehr auf den Schulterschluss mit den USA setzen. Ein starker Euro sei das dritte Gewicht gegen die Annäherung zweier Großmächte. Hüther verweist auf historische Parallelen – vom Nixon-Schock bis zur Euro-Einführung durch Kohl und Mitterrand – und plädiert dafür, Denkverbote in der deutschen Debatte über Eurobonds, eine gemeinsame Emissionsagentur und ein erweitertes EZB-Mandat aufzugeben. „Wir müssen die Chancen jedenfalls mal durchdenken, auch wenn da ein paar unangenehme Speiseteile mit drin sind“, sagt er. Beide sehen in der aktuellen innenpolitischen Schwäche der Bundesregierung paradoxerweise ein mögliches Flaggschiff-Thema: eine mutige europäische Währungsinitiative als Antwort auf Extremränder, die den Euro und die EU infrage stellen. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- PISA-Schock 2.0 – Warum Deutschland beim Bildungsniveau unter das Ausgangsniveau von 2000 fällt18.09., 05:0018.09.2026, 05:0000:26:07
In dieser Folge von Economic Challenges analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, die aktuelle PISA-Studie, die für Deutschland ein schlechteres Ergebnis ausweist als die erste Erhebung im Jahr 2000. Ein Drittel der 15-Jährigen erreicht demnach nicht mehr die grundlegenden Fähigkeiten in Lesen und Mathematik. Hüther macht dafür vor allem strukturelle Defizite verantwortlich: mangelnde frühkindliche Bildung, unzureichende Sprachförderung und einen Bildungsföderalismus ohne Ausstrahleffekte. „Keiner wandert wegen der Schulqualität“, so Hüther zum Wettbewerbsgedanken zwischen den Bundesländern. Rürup wirft die Frage auf, ob angesichts der ungleichen Zuwanderungsverteilung eine stärkere Bundeszuständigkeit nötig sei, und plädiert für eine verpflichtende Vorschule nach französischem Vorbild, um Sprachdefizite früh auszugleichen. Beide sehen die seit 2015 gestiegene Zuwanderung nicht als Ursache, sondern als Verschärfung bereits bestehender sozialer Segregation – sichtbar etwa an der ungleichen Verteilung von Kita-Plätzen. Rürup verweist zudem auf ökonomische Folgekosten: Laut ifo-Institut summiert sich der PISA-Rückgang auf einen Verlust von drei bis vier Prozent des Volkseinkommens. Hüther fordert am Ende ein ambitionierteres Bildungssystem, das Anstrengung und Übung wieder stärker einfordert. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Johannes Grote Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Verliert Deutschland seine Spitzenposition im Autobau an China?11.09., 05:0011.09.2026, 05:0000:26:24
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über die Zukunft des deutschen Automobilstandorts. Anlass ist der VW-Sanierungsplan bis 2030: Der Aufsichtsrat beschloss den Abbau von 50.000 Stellen, die Hälfte davon in Deutschland, sowie neue Nutzungskonzepte für die Werke Emden, Zwickau und Neckarsulm. Rürup wertet das als Rückzug aus dem Kerngeschäft. Insgesamt sieht er die Risiken für die Branche größer als Hüther: „Die deutsche Automobilwirtschaft hat die E-Mobilität viel zu spät angegangen und hat eindeutige Rückstände“, sagt er. Chinesische Hersteller hätten das Auto zudem zum Entertainment-Produkt umdefiniert. Die unterbewertete chinesische Währung verschaffe ihnen einen zusätzlichen Preisvorteil. Hüther verweist darauf, dass der Beschluss öffentlich eher als Befreiungsschlag aufgenommen werde – trotz der harten Folgen für die Beschäftigten. Er wertet ihn als Signal dafür, dass der Standort sanierungsfähig sei, zumal VW parallel 135 Milliarden Euro investieren will. Deutschland habe zudem nach China die zweiterfolgreichste Elektroauto-Produktion. Einig sind sich beide: Chinesische Marken, deren Anteil an EU-Neuzulassungen seit 2021 von 0,6 auf 8,7 Prozent stieg, greifen bislang vor allem den Volumenmarkt an. Im Zentrum steht die Frage, ob Deutschland seine Spitzenposition dauerhaft verliert und sich künftig auf das Premium-Segment konzentrieren muss, während das Massengeschäft an China geht. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Johannes Grote Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Rätsel AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Warum eine migrationsfeindliche Partei in einem alternden Bundesland so stark ist04.09., 05:0004.09.2026, 05:0000:25:19
In dieser Folge von Economic Challenges beschäftigen sich Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, mit einem ökonomischen Paradoxon: Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, dem Bundesland mit der ältesten Bevölkerung Deutschlands, dessen Wertschöpfung zu fast sieben Prozent von ausländischen Beschäftigten getragen wird, erzielt die AfD Rekordwerte – obwohl ihr Programm auf Rückführung statt Zuwanderung setzt. Hüther verweist auf Zahlen des IWH Halle: Ohne den Beschäftigungszuwachs ausländischer Arbeitskräfte wäre die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Land seit 2016 massiv eingebrochen. Er ordnet den AfD-Erfolg in einen europäischen Trend ein – von Reform UK bis zu rechten Bewegungen infolge großer Transformationsprozesse – und sieht Parallelen zu den 1920er-Jahren. Zugleich kritisiert er die Berufung auf eine „Ostidentität“ als historisch unbegründet: „Menschen die jetzt irgendwelche Ostidentitäten aufrufen und dann aber viel Nachsehen für Putin haben, sind im Kern vaterlandslose Gesellen.“ Rürup erinnert daran, dass die AfD als Anti-Euro-Partei gegründet wurde und trotz des ökonomischen Erfolgs der Gemeinschaftswährung nun mit einem neuen Feindbild reüssiert. Beide sehen die demokratische Mitte in der Pflicht, überzeugende Antworten auf Transformationsängste zu liefern – ohne allzu optimistisch zu sein. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Pauline Köster Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- „Die Antwort liegt in Europa“ – Warum Deutschland nicht allein aus der Krise kommt28.08., 05:0028.08.2026, 05:0000:21:29
In dieser Folge von Economic Challenges analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, die strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche. Rürup benennt drei Grundprobleme. Die konjunkturellen Aussichten seien zwar nicht so düster wie vielerorts beschrieben, aber wirklich gut seien sie nicht. Der demografische Alterungsschub durch den Abgang der Babyboomer wirkt als Wachstumsbremse und das jahrzehntealte Exportmodell stößt an seine Grenzen – unter dem Druck von Trumps Zollpolitik und dem Aufstieg Chinas zur hochinnovativen Industriemacht. Hüther sieht dagegen erste Stabilisierungszeichen: Das dritte Quartal in Folge zeige robustes Wachstum von rund 0,3 Prozent, der innereuropäische Handel kompensiere teilweise die Rückgänge des Handels mit den USA und China. Die eigentliche Frage, so Hüther, sei jedoch, mit welchem wirtschaftspolitischen Konzept Deutschland und Europa auf die neuen Herausforderungen antworten – von der Resilienz bei kritischen Rohstoffen bis zum Umbau der Stahlindustrie. Einigkeit herrscht in einem Punkt: Die Zukunft liege nicht in nationalen Lösungen. „Wir müssen uns von der Kategorie des Nationalökonomischen lösen. Die Antwort liegt in Europa“, so Rürup. Der intraregionale Handel in Europa macht 63 Prozent des gesamten Außenhandels aus. Dieses Stärkeargument wird Rürup und Hüther zufolge jedoch politisch zu wenig genutzt. Im Zentrum steht auch die Frage, ob der Euro zur globalen Leitwährung aufsteigen könnte. Der Trump-Schock und die Schwächung des Dollars befeuern die Debatte. Hüther sieht eine historische Chance für den Euro als Reservewährung und plädiert für ein sicheres europäisches Anlageprodukt, möglicherweise in Form von Eurobonds. Rürup schließt sich dem Gedanken an. Er wundert sich, dass ausgerechnet Deutschland, das Land mit der größten Außenhandelsabhängigkeit, diesen Weg so beharrlich blockiert. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Leonard Dumke Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Standort Deutschland: Wie berechtigt ist der Pessimismus?21.08., 05:0021.08.2026, 05:0000:27:44
In dieser Folge von Economic Challenges analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland. Rürup benennt vier strukturelle Belastungen: den demografischen Wandel, das unter Druck geratene Exportmodell, den Rückstand bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und der schwindende Vorsprung der deutschen Automobilindustrie. „Die Zukunft erfüllt alle Kriterien, schlechter zu sein als die Vergangenheit“, sagt Rürup. Hüther mahnt zur Differenzierung. Im klassischen Industriebereich stehe Deutschland nicht schlechter da als andere, der Rückstand konzentriere sich auf die Digitalwirtschaft. Beim Beschäftigungsabbau sieht er drei Antriebsfaktoren: Konjunkturschwäche, strukturellen Wandel durch Klima- und KI-Transformation sowie den Abbau des „Labor Hoarding“, also das Halten von Arbeitskräften unabhängig von der Auslastung. Beim Vergleich mit den USA hält Hüther dagegen: Deutsche Unternehmen investierten im ersten Halbjahr 2026 rund 65 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum – von einem Investitionssog in die USA könne keine Rede sein. Zugleich warnt er vor der Schuldenpolitik von US-Finanzminister Scott Bessent, die die Unabhängigkeit der Federal Reserve unter Druck setze. Rürups Pessimismus bleibt am Ende bestehen – Hüther setzt auf Vorlaufindikatoren und konjunkturelle Robustheit. Wer recht behält, wollen beide in der nächsten Folge klären. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Lukas Teppler Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Exportmodell am Ende: Warum Deutschlands Wirtschaft keinen Strukturbruch verträgt14.08., 05:0014.08.2026, 05:0000:25:16
Deutschland stagniert. Die gesamtwirtschaftliche Leistung liegt faktisch auf dem Niveau von 2019, das zarte Wachstum speist sich vor allem aus staatlichen Sondervermögen und der Verteidigungsfinanzierung. Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup ist pessimistisch: „Das Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft hat seine besten Jahre gesehen.“ Michael Hüther, Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft, widerspricht kaum – stellt aber fest, dass die Wertschöpfung in der Industrie trotz sinkender Produktion stabil geblieben ist. Die entscheidende Frage: Ist das ein vorübergehendes Phänomen oder ein dauerhafter Strukturbruch? Darüber sprechen Rürup und Hüther im Podcast. Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Leonard Dumke Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Demografische Zeitbombe – Warum Wachstum in Deutschland ohne Zuwanderung und Reformen nicht gelingen wird07.08., 05:0007.08.2026, 05:0000:24:45
In dieser Folge von Economic Challenges stellen Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, eine strukturelle Leerstelle im deutschen Wachstumsmodell heraus: Das milliardenschwere Investitionsprogramm der Bundesregierung werde seine Wirkung verfehlen, wenn die nötige Arbeitskräftebasis fehlt. Dass Deutschland jeden seiner Wachstumsschübe historisch mit massiver Zuwanderung flankiert hat, ist für beide unstrittig – umso problematischer ist die aktuelle Entwicklung: Die Nettozuwanderung ist von 663.000 Personen im Jahr 2023 auf rund 235.000 im Jahr 2025 gefallen. Wo qualifizierte Zuwanderung nicht in ausreichendem Maß verfügbar ist, bleibt nach Einschätzung beider Ökonomen nur ein weiterer Stellhebel: „Das Arbeitszeitvolumen muss flexibilisiert werden – andere Optionen gibt es nicht“, sagt Rürup. Hüther ergänzt, dass eine bessere Kombination von Kapital und Arbeit zugleich Produktivitätsspielräume erschließe. Irritierend finden beide, dass weder Union noch SPD dieses Thema öffentlich ansprechen. Im Zentrum dieser Folge steht die Frage, wie eine alternde Gesellschaft mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung ihr Wachstumspotenzial sichern kann – und warum die Politik vor der Antwort zurückschreckt. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- „Verstaatlichung des Strukturwandels“ – Wie viel Staat braucht Deutschlands Wirtschaftswende?10.07., 03:0010.07.2026, 03:0000:24:45
In der letzten Folge vor der Sommerpause ziehen Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Bilanz: Das Wachstumspaket der Bundesregierung ist in ihrer Einschätzung kein großer Wurf, aber mehr als nichts – vor allem ein politisches Stabilisierungssignal der Koalition. „Ein großer Wurf wäre ein anderer“ sei eine wohlfeile Kritik, sagt Hüther und erinnert daran, dass die Agenda 2010 bei ihrer Vorstellung ähnlich verhalten aufgenommen wurde. Die eigentliche Debatte beginnt danach: „Bislang war es ja immer so, dass ein Konjunkturaufschwung vom Außenhandel kam“, sagt Rürup. „Und ich glaube, die Regierung hat erkannt, dass das nicht mehr so ist.“ Damit entfällt das klassische Konjunkturmuster, das die Bundesrepublik über Jahrzehnte getragen hat. Hüther sieht zwei zentrale Handlungsfelder: einen flexibleren Arbeitsmarkt und eine verlässliche Klimapolitik für die Industrie. Beim Arbeitsmarkt plädiert er für eine eigene Kommission, die Kündigungsschutz, Befristungsrecht und Wochenarbeitszeit neu justiert. Rürup ergänzt, dass die Bevölkerungsalterung nicht nur die Sozialkassen belaste, sondern die veritabelste Wachstumsbremse überhaupt sei – und dass qualifizierte Zuwanderung das einzige Gegenmittel ist, das politisch aber weitgehend tabuisiert bleibt. Den schärfsten Befund liefert Hüther zum Schluss: Dekarbonisierung, Rohstoff-Resilienz und der Rüstungshochlauf führen zusammen zu einer „Verstaatlichung des Strukturwandels“. Wenn Automobilzulieferer in die Rüstungsbranche wechseln, dann könne die Politik ihre Verantwortung nicht länger hinter Marktlogik verstecken. „Das muss jedenfalls mal durchdrungen werden“, fordert Hüther. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- „Noch gut“: Das Wachstumspaket der Bundesregierung in der Analyse von Hüther und Rürup03.07., 15:0003.07.2026, 15:0000:24:27
Das Wachstumspaket enthält nach Einschätzung der beiden Ökonomen keine falschen Maßnahmen – aber zu wenige mutige. Richtig und überfällig in ihren Augen: die Arbeitsmarktreformen, die Abschreibungsverbesserungen und die Außenhandelsinstrumente. Unbeantwortet bleiben ihrer Ansicht nach aber zwei Megathemen: die demografische Alterung und das erodierte deutsche Exportmodell. Auch die hohen Energiekosten würden nicht angegangen. Bert Rürup gibt die Note „noch gut“. Beide Ökonomen fordern weitere Schritte. Michael Hüther fordert als weitere Schritte Superabschreibungen, um die Investitionsschwäche direkt zu adressieren, eine Streckung der Kosten des Netzausbaus und die Arbeitszeit auf Jahresbasis zu sehen statt auf Wochenbasis. Optimstisch stimmt beide der Stil der Vorlage: „Der Spirit ist anders. Man hat ja auch nicht nächtelang getagt", sagt Hüther. "Das war offensichtlich gut vorbereitet. Regierungsarbeit ist ja auch Technik, also ganz schlichtes Abstimmen.“ Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther Produziert von Leonard Dumke Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Alan Greenspan und das Ende eines Paradigmas – Kann Geldpolitik noch Preisstabilität garantieren?26.06., 03:0026.06.2026, 03:0000:27:56
Alan Greenspan, fast 19 Jahre Chairman der US-Notenbank Fed, ist am 22. Juni im Alter von 100 Jahren gestorben. In dieser Folge von Economic Challenges nehmen Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, seinen Tod zum Anlass, die Entwicklung der Geldpolitik der vergangenen Jahrzehnte kritisch zu bilanzieren – von der Geldmengensteuerung nach Milton Friedman über das Inflation-Targeting bis zum Quantitative Easing. Hüther erinnert daran, dass Greenspan die Aufgaben der Geldpolitik entscheidend erweiterte: Nach dem Schwarzen Montag 1987 – dem größten Tagesverlust der New Yorker Börse – griff er stabilisierend ein und begründete damit den sogenannten „Greenspan Put“, die Erwartung, dass die Notenbank Finanzmärkte in Krisen stützt. „Wie jede Versicherung hat das dann auch einen Moral Hazard“, sagt Hüther. Am Ende, so sein Urteil, sei auch Greenspans Credo des nachträglichen „Mopping up“ geplatzter Blasen gescheitert – mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten. Rürup stellt eine provokante These in den Raum: Inflation sei heute weniger ein monetäres als ein strukturelles Problem. Der Ölpreis, nicht der Leitzins, sei zum entscheidenden Preistreiber geworden. „Preisniveaustabilität kann nicht mehr allein durch die Geldpolitik gewährleistet werden“, sagt er. Hüther widerspricht zwar dem Befund in dieser Absolutheit, teilt aber die Diagnose, dass drei Megatrends – demografische Alterung, Dekarbonisierung und Deglobalisierung – das Wachstum schwächen und den Inflationsdruck strukturell erhöhen. In einer solchen Stagflationsperspektive sei eine Notenbank „besonders herausgefordert“. Im Zentrum steht die Frage, ob das klassische Konzept der unabhängigen Zentralbank als alleinige Hüterin der Geldwertstabilität noch zeitgemäß ist. Hüther plädiert dafür, die Unabhängigkeit als hohes Gut zu bewahren – fordert aber eine stärkere Verzahnung von Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik. Rürup geht weiter und fragt, ob nationale Institutionen mit dieser Aufgabe nicht schlicht überfordert sind. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- China-Schock 2.0: Warum die EU Zollpolitik neu denken muss19.06., 03:0019.06.2026, 03:0000:22:51
Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, analysieren den China-Schock 2.0: Zwei Jahrzehnte nach dem WTO-Beitritt Chinas am 11. Dezember 2001 sind chinesische Unternehmen in der Chemie-, Automobil- und anderen Schlüsselbranchen zu Weltmarktführern geworden – und verdrängen deutsche Konzerne aus ihren Positionen. Der Kern des Problems liege laut Hüther nicht allein im technologischen Aufstieg Chinas, sondern auch in den staatlichen Subventionen und der Unterbewertung des Yuan. „Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Chinas ist eine politische“, sagt Hüther. Für ihn ist klar: Selbst wenn Deutschland alle wirtschaftspolitischen Hausaufgaben erledigt, reicht das nicht aus. Rürup schärft den Befund: Deutschland stecke in einer Multikrise: „Das traditionelle Geschäftsmodell bricht zusammen, der Alterungsschub hat eingesetzt und die demokratischen Parteien verlieren an Stärke.“ Hinzu komme eine systemische Asymmetrie – Demokratien konkurrierten mit einer gelenkten Wirtschaft, die sich marktwirtschaftlich gebe, es aber nicht sei. „In diesem tripolaren Feld wird man mit rein marktwirtschaftlichen Lösungen definitiv nicht weiterkommen“, so Rürup. Welche Antworten sich die beiden Ökonomen von der EU wünschen, und warum Hüther für eine doppelte Strategie gegenüber China plädiert, das hören Sie im Podcast. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Reformgipfel ohne Reformen? Warum Deutschlands wirtschaftspolitische Debatte ins Leere läuft12.06., 03:0012.06.2026, 03:0000:27:07
Am Mittwoch hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Gewerkschaften und Arbeitgeber zum Reformgipfel ins Kanzleramt eingeladen. In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, ob und wie dieser Gipfel heute überhaupt geeignet ist, die dringend nötigen wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen in Deutschland anzustoßen. Die beiden Ökonomen halten den Gipfel zwar nicht für gelungen, verweisen jedoch auf das „Bündnis für Arbeit" von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Das damalige Bündnis scheiterte, habe jedoch letztlich den Weg für die Agenda 2010 geebnet. Könnte also ein gescheiterter Reformengipfel den Weg zu einer großen Reformenagenda ebnen? „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich gelegentlich", sagt Hüther im Podcast. Denn im Gegensatz zu damals fehle heute eine klare politische Führung. Statt konkrete Reformvorschläge vorzulegen, stelle die Regierung Fragen, die bereits seit Jahren bekannt seien. „Ich finde diesen Fragenkatalog irgendwie schon fast beleidigend", sagt Rürup. Er kritisiert vor allem die fehlende strategische Perspektive. Die Diskussion blende zentrale Veränderungen der Weltwirtschaft aus: den Aufstieg Chinas zum industriellen Konkurrenten, die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die Erosion des exportgetriebenen deutschen Wachstumsmodells. „Das traditionelle Geschäftsmodell des exportgetriebenen Wachstums ist nicht zuletzt durch Trump kaputt gemacht worden“, warnt er. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Sozialstaat am Limit: Warum die Reformdebatte nicht vorankommt05.06., 03:0005.06.2026, 03:0000:25:09
In dieser Folge von Economic Challenges nehmen Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrates unter die Lupe. Im Mittelpunkt steht die Warnung vor einem kräftigen Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge infolge von Alterung, schwachem Wachstum und steigenden Ausgaben in Renten-, Gesundheits- und Pflegeversicherung. Beide Ökonomen halten die Analyse grundsätzlich für zutreffend. Dennoch bleibt bei Rürup Ernüchterung zurück: „Es gibt kein neues Argument.“ Das Gutachten beschreibe bekannte Herausforderungen und bekannte Reformoptionen, liefere aber kaum neue Impulse für die wirtschaftspolitische Debatte. Besonders kritisch sieht er, dass Fragen diskutiert werden, die parallel bereits in Regierungskommissionen beraten werden. Hüther verweist darauf, dass steigende Sozialabgaben längst zu einem Wachstumsproblem geworden seien. Höhere Arbeitskosten belasteten Beschäftigung, Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Gleichzeitig vermisst auch er neue Ideen, etwa zur Organisation des Gesundheitswesens oder zur langfristigen Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Im Zentrum der Diskussion steht schließlich die Frage, ob die Debatte zu stark auf Finanzierungslücken und Beitragssätze fokussiert. Aus Sicht beider Gesprächspartner wäre ein anderer Ansatz produktiver: Wie können Sozialversicherungssysteme dazu beitragen, die Folgen des demografisch bedingten Rückgangs des Erwerbspersonenpotenzials abzufedern? Rürups Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Innovative Fragen werden leider nicht oder nur unzureichend diskutiert. Deswegen: So richtig überzeugt hat mich dieses Gutachten nicht.“ Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Warum der Kampf gegen den Populismus auf der kommunalen Ebene entschieden wird29.05., 03:0029.05.2026, 03:0000:25:50
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über eine neue IW-Studie mit dem Titel „Geografien der Unzufriedenheit“ – die erste Untersuchung, die für alle 11.000 deutschen Gemeinden Versorgungslagen und Versorgungsempfinden kleinräumig erfasst und gegenüberstellt. Das zentrale Ergebnis: Die Zufriedenheit mit staatlicher Daseinsvorsorge unterscheidet sich kaum zwischen Stadt und Land. Wer deutlich unzufriedener ist, sind AfD-Anhänger – und zwar unabhängig davon, wo sie leben. „Man kann politische Wahrnehmungen nicht widerlegen, indem man Fakten ausbreitet“, stellt Rürup fest. Hüther ergänzt, dass das Phänomen kein deutsches sei: In nahezu allen westlichen Demokratien gewinnen rechtspopulistische Parteien an Boden – getragen von einer Mischung aus Globalisierungsüberforderung, Migrationserfahrung und dem Gefühl staatlicher Schwäche. Der eigentliche Hebel liegt für beide in der Kommunalpolitik. Kommunen tragen 25 Prozent aller öffentlichen Ausgaben, verfügen aber nur über 14 Prozent der Steuereinnahmen. Allein 2024 wiesen sie ein Finanzierungsdefizit von knapp 32 Milliarden Euro aus – das höchste ihrer Geschichte. „Dort, wo Staat greifbar ist, ist die Kommune zentral“, sagt Hüther. Steigende Sozialausgaben, tarifbedingte Personalkostensteigerungen und stagnierende Gewerbesteuereinnahmen verschärfen die Lage strukturell. Rürup fordert, die finanzielle Autonomie der Kommunen gezielt zu stärken – und sieht darin den wirksamsten Weg, dem Aufstieg extremer Parteien zu begegnen: „Die Antwort auf dieses politische Problem wird und muss in erster Linie auf der kommunalen Ebene gefunden werden.“ Hüther richtet den Appell direkt an die Länder: „Nehmt eure Verantwortung wahr.“ Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Chinaschock: Verliert die deutsche Industrie ihre Kernkompetenz?22.05., 03:0022.05.2026, 03:0000:26:56
Im Podcast analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, wie sich das Verhältnis zwischen Deutschland und China grundlegend verändert hat. Was lange als Erfolgsmodell der Globalisierung galt, entwickelt sich zunehmend zu einer Belastung für die deutsche Industrie. Verliert Deutschland durch den technologischen Aufstieg Chinas dauerhaft an industrieller Substanz? Und wie offen kann Freihandel bleiben, wenn wirtschaftliche Verflechtungen geopolitische Machtverhältnisse verschieben? Das diskutieren Rürup und Hüther in dieser Folge Economic Challenges. Moderiert von Bert Rürup & Michael Hüther Produziert von Fabian Livrée Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Akademische Freiheit unter Druck: Gefährdet die AfD den Wissenschaftsstandort Deutschland?14.05., 03:0014.05.2026, 03:0000:25:26
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen Eingriffe in die akademische Freiheit hätten. Ausgangspunkt ist die Debatte über Forderungen der AfD nach stärkerer politischer Kontrolle von Hochschulen, Einschränkungen bei Drittmitteln und einer Abkehr von internationalen Studienstrukturen. Rürup erinnert daran, dass die Hochschulreformen seit den späten 1960er-Jahren maßgeblich zur Modernisierung und Demokratisierung der deutschen Universitäten beigetragen haben. Hüther warnt davor, die heutige Offenheit der Hochschulen infrage zu stellen: „Jeder Angriff auf die akademische Freiheit ist ein Verzicht auf Beiträge des Universitätssystems für die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung.“ Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle internationale Studierende und Forschende für Deutschlands Zukunftsfähigkeit spielen. Deutschland sei angesichts des demografischen Wandels dringend auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. Zugleich profitiere die deutsche Universitätslandschaft derzeit vom „Brain Drain“ aus den USA, wo politische Eingriffe die wissenschaftliche Freiheit zunehmend unter Druck setzten. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen
- Bargeldlos und digital abhängig? Wie Europas Bezahlsysteme zur geopolitischen Frage werden08.05., 03:0008.05.2026, 03:0000:25:11
In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über die Zukunft des Bargelds und die wachsende Abhängigkeit Europas von amerikanischen Bezahlsystemen. Ausgangspunkt ist der tiefgreifende Wandel der Zahlungsgewohnheiten: Während Bargeldnutzung und Geldautomatenzahlen sinken, dominieren Kartenanbieter wie Visa und Mastercard zunehmend den Alltag. Rürup sieht darin mehr als nur einen Modernisierungsschub. Die Konzentration zentraler Zahlungsinfrastrukturen in den USA könne im geopolitischen Konfliktfall zum strategischen Risiko werden. „Deutschland oder die EU wären schlicht erpressbar, weil wir keine leistungsfähigen Bezahlsysteme haben“, warnt er. Bargeld erfülle deshalb weiterhin eine wichtige Sicherheitsfunktion – nicht nur bei technischen Ausfällen, sondern auch als Schutz vor politischer Abhängigkeit. Hüther verweist darauf, dass sich die Debatte verändert habe. Während früher vor allem über Negativzinsen und die mögliche Abschaffung des Bargelds gestritten wurde, gehe es heute um Resilienz und digitale Souveränität. Der digitale Euro könne ein Baustein sein, um europäische Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr zu stärken. Entscheidend sei jedoch, leistungsfähige europäische Bezahlsysteme aufzubauen und regulatorisch abzusichern. Im Zentrum steht die Frage, wie Europa seine finanzielle Infrastruktur gegen geopolitische Risiken absichern kann – und ob Bargeld dabei vom Auslaufmodell wieder zum strategischen Sicherheitsanker wird. Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen