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Woran erkennt man ein wahres Gespräch?Jörg Thadeusz (342)

30.07., 02:5901:10:17
Beschreibung der Episode
Jörg Thadeusz über Imperien der Angst und Gesprächskultur im Journalismus

Wann ist ein Gespräch wirklich ein Gespräch?

„Wenn eine Geschichte interessant ist, ist sie interessant. Und das ist egal, ob du 17, 47 oder 77 bist.“

Was macht ein Gespräch zu einem guten Gespräch? Für Jörg Thadeusz beginnt es dort, wo zwei Menschen sich wirklich austauschen, wo einer etwas sagt und der andere tatsächlich antwortet, statt die immer gleichen Textbausteine abzuspulen. Das wahre Gespräch, sagt er, wäre eigentlich immer möglich. Nur trauen sich die wenigsten, es zu führen.

Jörg Thadeusz gilt als einer der besten Fragensteller des Landes. Für seine Außenreportagen bei „Zimmer frei“ bekam er den Grimme-Preis, er moderiert „Thadeusz und die Beobachter“ im rbb und sein Talkradio im WDR, schreibt eine wöchentliche Kolumne in der Berliner Morgenpost, arbeitet bei Media Pioneer und berichtet nebenbei im Podcast „Hoffentlich schmeckt’s“ von seinen kulinarischen Erlebnissen am Herd. Kaum jemand kennt die Medienwelt aus so vielen Winkeln wie Jörg Thadeusz.

Ein gutes Gespräch heißt: dahin, wo der andere nicht hinwill. Jörg beschreibt Interviews nicht als Verhör, sondern als Einladung. Er will nicht die vorformulierte Antwort. Er will den Moment dahinter. Statt zu fragen, wie sich jemand gefühlt hat, fragt er, wie der Tag war, denn Gefühle lassen sich selten auf Kommando abrufen, sie zeigen sich erst im Erzählen. Und wer glaubt, man könne einen Gast im Gespräch knacken, hat es nach seiner Überzeugung schon verloren.

Die Medienhäuser als Imperien der Angst. Im Gespräch nimmt Thadeusz die eigene Traumbranche liebevoll auseinander. Er erzählt, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk keine Familie ist, sondern eine behördenartige Bürokratie. Warum viele Sender aus lauter Angst vor dem Bedeutungsverlust anfangen, ihr Publikum zu unterschätzen. Und warum genau das der Denkfehler ist. Denn eine gute Geschichte findet ihre Hörerinnen und Hörer, ganz gleich, wie alt sie sind.

Mach das, was dich selbst interessiert. Sein Kompass ist entwaffnend einfach. Man solle nicht anbiedern und nicht auf ein Publikum schielen, sondern das machen, was man selbst gerne hören, lesen oder sehen möchte. Dann finde sich das Publikum von allein. Am Ende bleibt ein Satz, der weit über die Medienbranche hinausträgt: Sein Job sei es, Zuversicht auszustrahlen, weil er gar keine andere Lebenserfahrung habe als eine zuversichtliche.

Worüber wir noch gesprochen haben:

  • Der gute Gast: Warum ein Gespräch nur gelingt, wenn beide Lust darauf haben
  • Familie als Falle: Weshalb der Familienbegriff im Unternehmen oft nur schlechte Bezahlung kaschiert
  • Empfang, Kantine, Meeting: Woran sich die Kultur einer Organisation wirklich ablesen lässt
  • Das anbiedernde Programm: Warum ein bisschen Jugendsprache eine schwache Geschichte nicht rettet
  • Zuversicht als Haltung: Was ältere Generationen über Krisen wissen, das wir gerne vergessen

Jörg Thadeusz ist nicht nur ein glänzender Beobachter, sondern ein Gesprächspartner, der zeigt, was er beschreibt. Er hört zu, er dreht die Fragen um, er nimmt sein Gegenüber ernst. Was bleibt, ist die Einsicht, dass gute Zusammenarbeit und gutes Gespräch dieselbe Wurzel haben, nämlich den Respekt vor dem Menschen auf der anderen Seite. Eine Folge für alle, die verstehen wollen, warum die besten Geschichten nie aus der Angst entstehen.

Interview: Jule Jankowski

Weiterführende Links zu Jörg Thadeusz
➡️ Jörg Thadeusz auf LinkedIn
➡️ Thadeusz und die Beobachter
➡️ Thadeusz lang & breit (radio3)
➡️ Thadeusz bei Pionier
➡️ Hoffentlich schmeckt's, der Kochpodcast


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