
Wolfgang Fierek über Amerika, Motorräder und das Weitermachen
Beschreibung der Episode
Wolfgang Fiereks Amerika beginnt in Neubiberg bei München, wo sein Vater, ein Vertriebener aus Schlesien, in der Kantine der Air Force Base kochte. Sonntags gab es dort Hamburger und Orangensaft aus der Dose, dazu den Anblick einer Harley, die der Vater einem heimkehrenden G.I. abkaufen wollte, bis die Mutter ihr Veto einlegte. Was blieb, war der Geruch des zähflüssigen Motoröls, das „wie bei einer hübschen Frau ein Parfum" in der Luft hing. Der Rest ist eine Kette von Zufällen: ein falscher Kinosaal, in dem statt der geplanten Vorstellung „Easy Rider" lief; ein Führerschein, in einer Woche erworben für eine Fernsehrolle, die nie gedreht wurde; und 1979 im Death Valley ein Vietnam-Veteran auf einem Chopper, der dem gestrandeten Bayern im Mietwagen zurief: „Das nächste Mal, wenn du durch Amerika fährst, dann fährst du auf einer Harley – und nicht in so einer Scheißkiste." Fierek hat sich daran gehalten. Seit 1994 besitzt er ein Haus in Arizona, nun hat er seine amerikanischen Jahrzehnte unter dem Titel „Born to be Fierek" aufgeschrieben.
Wer das Buch als Motorrad-Memoiren liest, verpasst das Eigentliche. Fierek erzählt von einem Land, dessen vielbelächelter Optimismus für ihn ein Erbstück der Besiedlungsgeschichte ist: Wer verstehen wolle, „warum Amerika so tickt", müsse nur einmal von Florida nach Kalifornien fahren und sich vergegenwärtigen, dass dieselbe Strecke einst Monate im Planwagen dauerte. In Mississippi sah er eine verlassene Ranch, deren Besitzer erst nach dem dritten Tornado aufgegeben hatte. „Wenn du nie gefordert wirst, kannst du keine Stärke haben", sagt Fierek, der nach eigener Auskunft seit 1979 „nicht eine negative Begegnung" in den USA erlebt hat. Wie ernst er die amerikanische Lektion vom Weitermachen nimmt, zeigte sich 2003, als die Ärzte ihm nach einem schweren Motorradunfall das Bein amputieren wollten. Seine Frau Djamila verhinderte es mit einer Ansage, die selbst den Chirurgen beeindruckte, und gegen die Zukunftsangst halfen die Sonne Arizonas, ein Medizinmann aus Tombstone und ein texanischer Freund, der nicht fragte, ob er sich das Fahren wieder zutraue, sondern schlicht: „Morgen fahren wir nach Silver City, kommst du mit?"
Zum Autor wurde Fierek durch ein Zitat, das ihm zugetragen wurde und von einem indigenen Häuptling stammen soll: Jeder ältere Mensch sei eine wandelnde Bibliothek. Seine ist nun aufgeschlagen, mit Tourenvorschlägen im Anhang für alle, die es ihm nachmachen wollen.
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