
Beschreibung der Episode
Den Performance Improvement Plan, mit dem amerikanische Firmen schwächelnde Mitarbeiter drei Monate lang zu wöchentlichen Defizitgesprächen bitten, nennt Patty McCord auf dem Nordic Business Forum in Helsinki „den grausamsten Prozess, den wir uns je ausgedacht haben". Das Ergebnis stehe meist vorher fest, und das ganze Büro schaue zu: „Es ist die beste Show im Haus." McCord, von 1998 bis 2012 Personalchefin von Netflix und Mitautorin des berühmten Kulturpapiers, zieht den offenen Satz vor: Wir brauchen dich nicht mehr. Das tue weh, aber weniger als das Warten aufs Scheitern. Radikale Ehrlichkeit sei, richtig gemacht, eine Form von Empathie, die viele bloß mit Nettigkeit verwechselten: „Ich bin nett, ich höre zu, ich nicke."
Bei Netflix war Widerspruch Pflicht. Als Todsünde galt, bei einer Sache mitzumachen, die man für falsch hält, und hinterher zu erklären, man habe es gewusst, es habe nur keiner gefragt. „Dafür hätte ich dich auf dem Parkplatz überfahren." Freiheit versteht McCord dabei nüchtern. Wie viel davon ein Unternehmen verträgt, hänge vom Produkt ab und vom Können des Managements; ein Hersteller von Medizintechnik habe sich an Regeln zu halten. Gemeint ist vor allem, Informationen zu teilen. Freitags bekam die Belegschaft auf dem Parkplatz die Zahlen der Geschäftsführung ausgehändigt und lernte, eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung zu lesen, auch in den Jahren, in denen darin stand, dass die Firma kein Geld hatte.
Dass sich dieses Modell schlecht exportieren lässt, erfuhr sie als Beraterin. In einer australischen Bank zählte ein Vorstandsmitglied 27 Genehmigungsstufen, die eine neue App zu durchlaufen hätte, zehn davon im Finanzressort. Den eigentlichen Widerstand sieht McCord in der „fetten Mitte" der Konzerne, die jede Transformation beklatscht und ihren Teams rät, sie auszusitzen. Den Vorwurf, Netflix habe eine Kultur der Angst gepflegt, lässt sie nur halb gelten: Wer um seine Stelle fürchten muss, sobald er etwas Neues versucht, sei an einem furchtbaren Ort, ein wenig Furcht vor dem Neuen gehöre hingegen dazu. Wie man im Zeitalter der KI die richtigen Leute findet? „Ich weiß es nicht." Sie kenne nur die falschen, nämlich jene, die behaupten, sie hätten das im Griff.
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