Frisch an die Arbeit

Semen Shuster: »Es ist schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«

06.10., 05:5500:34:08
Beschreibung der Episode

»Manchmal ist es einfach Magie. Du kommst in die Manege und vergisst, dass du müde bist«, sagt Clown Semen Shuster im Podcast »Frisch an die Arbeit«. »Du gibst Energie und du bekommst sie vom Publikum zurück.«

Shuster wurde 1972 in Ismail im Oblast Odessa im Süden der heutigen Ukraine geboren. Er studierte an der Artistenschule in Kyjiw und machte dort 1992 seinen Abschluss. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach Deutschland, arbeitete zunächst in Leipzig und später sieben Jahre am Pariser Lido.

2005 gewann er beim Festival Mondial du Cirque de Demain eine Bronzemedaille, 2009 beim Internationalen Zirkusfestival von Monte-Carlo einen Bronzenen Clown. Heute tritt er in Varietés, beim Weltweihnachtszirkus in Stuttgart und im Circus Roncalli auf.

Dass seine Figur, Housch-ma-Housch, fast ohne verständliche Wörter auskommt, war kein Karriereplan. In der Zirkusschule lernte Shuster zunächst Jonglage, Handstand und Akrobatik. Seine Figur und die Fantasiesprache entwickelte er, als er in den Neunzigerjahren auftrat. »Es war nicht so, dass ich dachte: Ich bin so clever, erfinde eine Cartoon-Sprache und dann gehe ich nach Monte-Carlo«, sagt Shuster.

Die Zeiten für Clowns, sagt Shuster, seien komplexer geworden. Menschen seien durch soziale Medien gewohnt, nach wenigen Sekunden weiterzuwischen, wenn sie etwas nicht sofort begeistere. Auch im Zirkus beobachte er gelegentlich, wie jemand zum Telefon greift. »Heute ist es schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«, sagt Shuster.

Gerade deshalb sieht er die Aufgabe des Zirkus darin, eine Gegenwelt zu schaffen. Kinder und Eltern mit einer Szene gleichzeitig zum Lachen zu bringen, sei für ihn ein »Bingo«.

Bis ein solcher Moment funktioniert, kann jahrelange Arbeit nötig sein. Shuster schreibt Ideen auf, lässt Requisiten bauen und Animationen erstellen. Neue Nummern filmt er, um sie auszuwerten. Vor allem probiert er sie vor Publikum aus. »Du brauchst manchmal Jahre – und niemand lacht«, sagt Shuster.

Im Podcast erzählt Shuster außerdem, warum er das deutsche Zirkuspublikum für eines der besten hält und warum die Rolle als Clown herausfordernder sein kann als die eines Schauspielers.

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