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201- Prechts Angststillstand, Das gute Übel, Happiness Gap, Social Media, Goldrausch, Peter Thiels Vorlesungen, Nobelpreis16.10., 06:0016.10.2025, 06:0001:02:02
Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der [Gästeliste] 00:00:00 Vor dem Salon Die einleitende Diskussion widmet sich einer breiten Palette aktueller Debatten, beginnend mit Richard David Prechts neuem Buch „Angststillstand". Es wird die zentrale Frage aufgeworfen, ob die Gesellschaft unter einer zunehmenden Angst leidet, die freie Meinungsäußerung einschränkt, oder ob im Gegenteil jeder ungefiltert seine Meinung im Internet verbreitet. Anschließend wird die Kritik am neuen Album von Taylor Swift und die Rolle von Social-Media-Influencern wie Rezo bei der Abwehr von Kunstkritik thematisiert, was in eine grundsätzliche Debatte über den Wert und die Funktion von Kritik in der Öffentlichkeit mündet. Am Beispiel der Kontroverse um die Autorin Caroline Wahl wird die Tendenz kritisiert, berechtigte Kritik an Kunst als persönlichen Angriff oder als strukturelles Problem des Literaturbetriebs umzudeuten, wobei ein historischer Rückgriff auf die polemischen Auseinandersetzungen von Marcel Reich-Ranicki die veränderten Diskursnormen verdeutlicht. 00:43:48 Wikipedia-Aufklärung In diesem Kapitel erfolgt eine Richtigstellung zum sogenannten „Pillenknick", dem Geburtenrückgang in Westdeutschland. Basierend auf einem Wikipedia-Artikel wird dargelegt, dass die Anti-Baby-Pille zwar bereits 1961 eingeführt wurde, ihre gesellschaftliche Wirkung sich aber erst Anfang der 1970er Jahre entfaltete. Gründe für die Verzögerung waren die anfänglich restriktive Verschreibungspraxis der Ärzte, der Contergan-Skandal, der das Vertrauen in die Arzneimittelsicherheit erschütterte, sowie die Pillen-Enzyklika des Papstes. Es wird argumentiert, dass der entscheidende Faktor für den Geburtenrückgang weniger die Pille selbst als vielmehr ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel war, der durch Bildungs- und Berufschancen für Frauen sowie eine allgemeine sexuelle Liberalisierung angetrieben wurde. Wichtige Erwähnungen: Club of Rome, Rainer Hank. Schlüsselfrage: Was war der wahre Auslöser für den Geburtenrückgang in den 1970er Jahren – die Pille oder ein Wandel im gesellschaftlichen Bewusstsein? 00:49:04 Perspektivwechsel zu Trump Dieser Abschnitt thematisiert den abrupten Wandel in der deutschen Medienberichterstattung über Donald Trump und Benjamin Netanyahu. Es wird die Beobachtung geschildert, dass die öffentliche Meinung, die Netanyahu lange Zeit eine freie Hand in seiner Politik zugestand, plötzlich umschwenkte und Trump als denjenigen darstellte, der den israelischen Premierminister erfolgreich zügelt und diszipliniert. Dieses Phänomen wird als beispielhaft für einen „Cursor-Journalismus" kritisiert, der seine Positionen je nach politischer Großwetterlage opportunistisch anpasst und eine erstaunliche Inkonsistenz in der Haltung offenbart. Der schnelle und unkommentierte Perspektivwechsel wird als bemerkenswert und staunenerregend beschrieben. Wichtige Erwähnungen: Benjamin Netanyahu, Donald Trump, Mathias Döpfner. Schlüsselfrage: Wie lässt sich der plötzliche Wandel in der medialen Darstellung von Trump und Netanyahu erklären? 00:57:35 Termine von Wolfgang und Stefan Stefan kündigt einen Auftritt in Jena für den 21. Oktober an. Wolfgang verweist auf seine Termine am 27. Oktober in Berlin sowie auf weitere Veranstaltungen im November in Essen und Prag. Des Weiteren wird ein gemeinsamer Auftritt im Filmmuseum in Düsseldorf zum Thema Künstliche Intelligenz angekündigt, der aufgezeichnet und für Salon-Abonnenten zur Verfügung gestellt wird. 00:58:31 Salon-Hinweise Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, den Salon zu abonnieren, um Zugang zu den ausführlichen Diskussionen zu erhalten. Besonders hervorgehoben wird die kommende, rund zweistündige Analyse des Buches „Angststillstand" von Richard David Precht. Ein Abonnement ermöglicht zudem den Zugriff auf das gesamte Archiv vergangener Episoden sowie auf die Aufzeichnungen der fünf jährlichen Live-Salons. 01:00:03 Archiv: neuezwanziger.de/salon Es wird das neue, durchsuchbare Salon-Archiv auf der Webseite vorgestellt, das alle bisherigen Episoden mit detaillierten Kapitelmarken auflistet. Über eine Suchfunktion können Hörer gezielt nach besprochenen Themen, Autoren oder Begriffen suchen. Gleichzeitig wird auf die technische Herausforderung hingewiesen, das noch umfangreichere Archiv des Haupt-Podcasts mittels KI durchsuchbar zu machen, und es ergeht ein Aufruf für spezifische technische Hilfe bei diesem Projekt. 01:01:01 Richard David Precht: Angststillstand Die ausführliche Diskussion von Richard David Prechts Buch „Angststillstand" beginnt mit der kritischen Analyse seiner Fundamentalkritik: der Diskrepanz zwischen der objektiv-rechtlichen und der subjektiv empfundenen Meinungsfreiheit, die laut Allensbach-Umfragen drastisch schwindet. Es wird der zentrale Widerspruch des Buches herausgearbeitet, der zwischen der These einer verängstigten Gesellschaft und dem Phänomen des ungehemmten Meinungsäußerns im Internet oszilliert. Die Diskussion kritisiert Prechts sozioökonomische Analyse einer „Bedarfsweckungsgesellschaft" als realitätsfern für die Mehrheit der Bevölkerung und hinterfragt seine Metapher des „Axolotl" für eine infantile Gesellschaft. Positiv hervorgehoben wird hingegen die Einführung der „drinnen-draußen-Arena" als mediale Meta-Ebene zu Steffen Maus' „Triggerpunkten", die den Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung beschreibt. Scharf kritisiert wird hingegen die pauschale Zuweisung von Diskursverengung an eine vermeintlich hegemoniale „woke Linke" sowie der historisch unhaltbare Vergleich von Shitstorms mit Pogromen. Wichtige Erwähnungen: Institut für Demoskopie Allensbach, Richard Traunmüller, Nancy Faeser, Harald Welzer, Eva Illouz, Steffen Mau, Thilo Mischke, Nemi El-Hasan, Sarah Lee Heinrich, Karl May (Winnetou), Claudia Roth. Schlüsselfrage: Beruht der von Precht diagnostizierte „Angststillstand" auf einer realen, gefühlten Bedrohung der Meinungsfreiheit oder auf einer verzerrten Wahrnehmung medialer Phänomene, die die ökonomische Realität der meisten Menschen ausblendet? 03:14:40 Precht in 1 Minute Die abschließende Bewertung von Prechts Buch fällt ambivalent aus. Wolfgang würdigt die treffende Analyse der Verengung des Meinungskorridors, des Anpassungsdrucks im öffentlichen Diskurs und des „Cursor-Journalismus". Er kritisiert jedoch die unpräzise und überzogene Fokussierung auf „woke Kulturkämpfe" und eine mangelhafte ökonomische Fundierung. Stefan lobt den Ansatz, den „Hegemon" der Meinungsbildung zu untersuchen, bemängelt aber die argumentative Grundlage des Buches als dessen „Achillesferse". Er fordert eine Auseinandersetzung, die stärker die tatsächliche Mediennutzung der Bevölkerung berücksichtigt und weniger auf elitäre Kulturphänomene fixiert ist. 03:16:45 Samanta Schweblin: Das gute Übel Wolfgang stellt den Erzählband „Das gute Übel" der argentinischen Autorin Samanta Schweblin vor, der bei Suhrkamp erschienen ist. Die Geschichten werden als im Realismus verhaftet, aber durch subtile, unheimliche und magische Elemente verschoben beschrieben. Anhand zweier Beispiele wird Schweblins Stil verdeutlicht: In „Ein fabelhaftes Tier" wird eine Frau von einer sterbenden Freundin gebeten, eine Erinnerung an deren verstorbenen Sohn zu rekonstruieren. In „Das Auge in der Kehle" erzählt ein Kind, wie es durch das Verschlucken einer Batterie die Fähigkeit zu sprechen verliert, was als Metapher für unausgesprochene Konflikte innerhalb der Familie dient. Gelobt werden Schweblins präzise Prosa, ihre Beobachtungsgabe für die Rätselhaftigkeit menschlicher Beziehungen und die Fähigkeit, das Alltägliche ins Fantastische zu überführen. Wichtige Erwähnungen: Marianne Gareis (Übersetzerin), James Joyce (Ulysses), Don DeLillo. Schlüsselfrage: Wie gelingt es Samanta Schweblin, durch die Verschiebung alltäglicher Realitäten ins Unheimliche und Magische, tiefere Wahrheiten über menschliche Beziehungen, Erinnerung und Schicksal aufzudecken? 03:27:38 Nate Silver: What explains the liberal-conservative happiness gap? Basierend auf einem Artikel von Nate Silver wird die statistisch signifikante „Glückslücke" zwischen Liberalen und Konservativen in den USA erörtert. Die Daten zeigen, dass Konservative über alle Einkommens- und Altersgruppen hinweg durchweg höhere Zufriedenheitswerte angeben – so sehr, dass einkommensschwache Konservative sich als ebenso glücklich einschätzen wie einkommensstarke Liberale. Als mögliche Erklärungen werden diskutiert, dass Konservative durch traditionelle Anker wie Familie und Religion eine größere Resilienz besitzen, während Liberale ihre Unzufriedenheit performativ als Ausdruck der Solidarität mit Benachteiligten äußern. Eine weitere These ist, dass die gestiegenen Erwartungen an Selbstverwirklichung, insbesondere bei jungen liberalen Frauen, trotz objektiv besserer Lebenschancen zu einem höheren Enttäuschungspotenzial führen. Wichtige Erwähnungen: Nate Silver, Matt Yglesias, Paul Dolan (Happy Ever After), Hoss und Hopf. Schlüsselfrage: Ist die Kluft in der Zufriedenheit zwischen Liberalen und Konservativen auf fundamentale weltanschauliche Unterschiede, performative Solidarität oder unterschiedliche Erwartungen an das Leben zurückzuführen? 03:44:28 Leopoldina: Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen Ein Diskussionspapier der Leopoldina zur psychischen Gesundheit von Kindern im Kontext sozialer Medien wird besprochen. Das Papier stellt eine Korrelation zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischen Problemen fest, warnt aber vor monokausalen Erklärungen. Es werden alarmierende Nutzungsstatistiken zitiert und die Handlungsempfehlungen der Akademie vorgestellt: ein striktes Nutzungsverbot für Kinder unter 13 Jahren, eine altersgerechte Gestaltung der Plattformen für Jugendliche und ein Verbot privater Smartphones an Schulen bis einschließlich der 10. Klasse. Die Diskussion befürwortet technische, datenschutzkonforme Lösungen zur Altersverifikation nach dem Vorbild der Corona-Warn-App und kritisiert, dass das massive Problem des leichten Zugangs zu Online-Pornografie in der öffentlichen Debatte vernachlässigt wird. Wichtige Erwähnungen: Jonathan Haidt, Taylor Lorenz, Chaos Computer Club (CCC). Schlüsselfrage: Welche konkreten und technisch umsetzbaren Maßnahmen sind erforderlich, um die Risiken der Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche zu minimieren, ohne in eine ineffektive Überwachungslogik zu verfallen? 04:07:37 Barbara Russ: Warum immer mehr Frauen freiwillig Single bleiben Die Diskussion befasst sich mit einem FAZ-Artikel von Barbara Russ, der den Trend untersucht, dass Frauen nach Trennungen zunehmend bewusst single bleiben. Phänomene wie „Scheidungsringe" und Trennungspartys werden als Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins und eines „Kontrollgewinns" über das eigene Leben interpretiert. Zentral ist die These des Verhaltensforschers Paul Dolan, wonach eine Ehe statistisch gesehen Männer gesünder und glücklicher macht, während Frauen eher Nachteile erfahren. Da Frauen heute finanziell unabhängig sind und Männer oft keine emotionale Partnerschaft auf Augenhöhe bieten können, finden viele Frauen nach einer Trennung mehr Erfüllung in ihren sozialen Netzwerken als in einer unbefriedigenden Beziehung. Wichtige Erwähnungen: Emily Ratajkowski, Leo Mathild (Schmucklabel), Nadja von Busek, Paul Dolan, Marie-Rose Klee, Gitte, Mary Roos, Gottlieb Wendehals (Werner Böhm). Schlüsselfrage: Profitieren Frauen von einer Trennung, weil sie die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnen und in sozialen Netzwerken besseren Halt finden, während die Ehe für Männer oft nur noch einen Statusgewinn ohne emotionale Tiefe darstellt? 04:22:47 Jocelyn C. Zuckerman: Giftiger Goldrausch Wolfgang fasst einen Artikel aus Le Monde Diplomatique über die verheerenden Folgen des illegalen Goldabbaus in Ghana zusammen. Der hohe Goldpreis hat einen unkontrollierten Rausch ausgelöst, der zu massiver Umweltzerstörung führt: Flüsse werden mit Quecksilber und Zyanid vergiftet, Wälder abgeholzt und Ackerland zerstört. Dies bedroht nicht nur die Trinkwasserversorgung, sondern auch die für das Land essentielle Kakaoindustrie. Insbesondere die Beteiligung chinesischer Akteure im Rahmen der „Belt and Road Initiative" hat den Raubbau industrialisiert und beschleunigt, was zu gravierenden Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung wie Fehlgeburten und Missbildungen führt. Wichtige Erwähnungen: AngloGold Ashanti, Goldfields. Schlüsselfrage: Wie führt der globale Anstieg des Goldpreises in Ghana zu einer unkontrollierbaren Umweltkatastrophe, die die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zerstört und die Zukunft des Landes bedroht? 04:29:55 Bill Drexel: The AI Genetics Revolution Is Coming Stefan stellt einen Text aus „The New Atlantis" vor, der Chinas führende Rolle in der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Genetik beleuchtet. Die zentrale These lautet, dass die größte kurzfristige Gefahr der KI nicht in einer Superintelligenz liegt, sondern in der Anwendung durch den Menschen zur genetischen Selbstoptimierung, was zu einer neuen Form der Eugenik und Ungleichheit führen könnte. Chinas staatlich gefördertes Ziel, die „Qualität der Geburtenpopulation zu verbessern", gepaart mit riesigen Gendatenbanken und laxen ethischen Standards, positioniert das Land als Vorreiter dieser Entwicklung. Dies eröffnet die dystopische Perspektive einer Zukunft, in der genetische Vorteile käuflich werden und die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft verändern. Wichtige Erwähnungen: BGI (Unternehmen), Evo2 (KI-Modell). Schlüsselfrage: Stellt Chinas Vormachtstellung in der KI-gestützten Genetik die größte existenzielle Bedrohung dar, indem sie eine neue Ära der Eugenik und genetischen Ungleichheit einleitet? 04:36:11 Jan Heidtmann: Es ist fragwürdig, María Corina Machado den Friedensnobelpreis zu verleihen Wolfgang referiert eine kritische Analyse von Jan Heidtmann aus der Süddeutschen Zeitung zur Verleihung des Friedensnobelpreises an die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado. Obwohl ihr Mut im Kampf gegen das Maduro-Regime anerkannt wird, argumentiert der Text, dass sie eher für Konfrontation als für Frieden und Versöhnung steht. Als Belege werden ihre Unterstützung für einen Putschversuch gegen den damals demokratisch gewählten Hugo Chávez, ihr radikal-neoliberaler Wirtschaftskurs und ihre enge Verbindung zu internationalen rechtsextremen Kräften wie der spanischen VOX-Partei und Donald Trump angeführt. Die Tatsache, dass Machado den Preis explizit Trump widmete, entlarve die Auszeichnung als eine primär politische und nicht friedensstiftende Geste. Wichtige Erwähnungen: María Corina Machado, Nicolás Maduro, Hugo Chávez, Donald Trump, Richard Grenell, Giorgia Meloni, Javier Milei, Jair Bolsonaro, VOX (Partei). Schlüsselfrage: Ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an María Corina Machado eine Anerkennung ihres Mutes oder eine fragwürdige politische Entscheidung, die eine Figur ehrt, die für Konfrontation und die Nähe zu rechtsextremen Kräften steht? 04:42:30 Guardian: Peter Thiel's off-the-record antichrist lectures reveal more about him than Armageddon Die Diskussion widmet sich den Vorträgen des Tech-Milliardärs Peter Thiel, in denen er eine bizarre, auf christlicher Endzeit-Theologie basierende Weltsicht entfaltet. Thiel deutet globale Politik als einen Kampf zwischen dem „Katechon" (einer hemmenden Kraft, die er mit dem Antikommunismus oder einem isolationistischen Amerika identifiziert) und dem „Antichristen". Letzterer, so Thiel, nutze Ängste wie den Klimawandel, um eine technokratische Weltregierung zu errichten, deren Wirken er bereits in internationalen Steuergesetzen erkennt, die es ihm erschweren, sein Vermögen zu verstecken. Die aufwendige theologische Argumentation wird als lächerlicher und zutiefst instrumenteller Versuch entlarvt, seine eigene libertäre, machtpolitische Agenda zu legitimieren und sich selbst aus der Verantwortung seiner enormen Macht zu stehlen. Wichtige Erwähnungen: Adam Mangold, Ross Douthat, Greta Thunberg, Eliezer Yudkowsky, Nick Bostrom, Donald Trump, Charlie Kirk, René Girard, Adrian Daub, Frank Schirrmacher, Lorenz Jäger, Cory Doctorow, Brian Johnson. Schlüsselfrage: Sind Peter Thiels theologische Vorträge über den Antichristen und das Armageddon eine ernstzunehmende Weltsicht oder ein lächerlicher Versuch, seine radikal-libertären, machtpolitischen Interessen in einen metaphysischen Rahmen zu stellen? 04:58:05 Isabelle Faust, Akademie für Alte Musik Berlin spielen Georg Philipp Telemann Zum Abschluss empfiehlt Wolfgang eine Neuaufnahme mit Werken von Georg Philipp Telemann, eingespielt von der Geigerin Isabelle Faust und der Akademie für Alte Musik Berlin. Die CD wird für ihre Lebendigkeit und ihren Einfallsreichtum gelobt und hebt Telemanns oft unterschätzte Modernität und seinen Humor hervor. Besonders beeindruckend sei seine Fähigkeit, Naturgeräusche musikalisch zu imitieren, wie im „Froschkonzert", sowie seine harmonischen Kühnheiten, die in der „Gulliver's Travels"-Suite fast schon ins 20. Jahrhundert vorausweisen. Die Aufnahme wird als brillante, überraschende und freudvolle Auseinandersetzung mit dem Werk des Komponisten empfohlen. Wichtige Erwähnungen: Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach, Isabelle Faust, Akademie für Alte Musik Berlin, Harmonia Mundi (Label). Schlüsselfrage: Wie offenbart die virtuose und geistreiche Interpretation von Isabelle Faust die oft unterschätzte Modernität, Ironie und klangliche Innovationskraft Georg Philipp Telemanns? Literatur Rechtlich hat sich in Sachen Meinungsfreiheit in Deutschland nicht viel verändert, anders ist dies jedoch, wenn wir über die subjektive Meinungsfreiheit sprechen: Richard David Precht analysiert dies in seinem Buch „Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet". penguin.de Die argentinische Schriftstellerin Samanta Schweblin, deren Roman „Hundert Augen" schon im Salon empfohlen wurde, legt mit „Das gute Übel" einen hervorragenden, wundersamen Band mit Erzählungen vor. suhrkamp.de Nate Silver stellt die Zahlen des Happiness-Gaps zwischen liberalen und konservativen Wählern in Amerika vor. natesilver.net Smartphone-Verbote an Schulen, kein Social Media unter 16 oder 18? Ein Diskussionspapier „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina bezieht Stellung. leopoldina.org Barbara Russ schreibt in der F.A.Z. über Frauen, die lieber Singles bleiben. faz.net María Corina Machado erhält den Friedensnobelpreis, keine gute Entscheidung, sagt Jan Heidtmann in der „SZ". sueddeutsche.de | sueddeutsche.de Bill Drexel schreibt in „The New Atlantis" über Chinas Strategie, KI und Genforschung zu verknüpfen: „The AI Genetics Revolution Is Coming". thenewatlantis.com Der Goldpreis steigt weiter. Eine Folge davon ist ein neuer, illegaler Goldrausch in Ghana, der verheerende Auswirkungen hat, berichtet Jocelyn C. Zuckerman in der Oktober-Ausgabe von „Le Monde diplomatique". monde-diplomatique.de Peter Thiel hat in San Francisco vier Vorlesungen über seinen Gebrauch von Religion gehalten. Der Guardian schreibt, Adrian Daub kommentiert. theguardian.com Georg Philipp Telemann, ein Zeitgenosse Bachs, wurde lange Zeit unterschätzt, inzwischen hat sich das geändert. Der Barock-Komponist war keineswegs ein routinierter Vielschreiber, sondern ein Entdecker neuer Klänge. Die großartige Violinistin Isabelle Faust und die Akademie für Alte Musik Berlin haben einige von Telemanns Ouvertüren, Suiten und Fantasien eingespielt. harmoniamundi.com
- Charlie Kirk, UK-Politik, Medizinermigration, Gaza, Free Speech, rechte Parteien30.09., 06:0030.09.2025, 06:0005:01:33
00:00:00 Es ist September Wolfgang und Stefan diskutieren die Wirksamkeit von Konsumentenprotesten am Beispiel des Falls Jimmy Kimmel, bei dem Kündigungen von Disney+-Abonnements möglicherweise eine Rolle spielten. Sie erörtern die Grenzen solcher Proteste und vergleichen sie mit der geringen Wirksamkeit von Wirtschaftssanktionen, wie am Beispiel Russlands deutlich wird. Das Gespräch schwenkt zu ökonomischen Fragestellungen und der Rolle von Milliardären wie Mark Zuckerberg, Larry Ellison und Elon Musk, die die größten Netzwerke besitzen und damit die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflussen. 00:11:05 Gaza Die Debatte um die Verwendung des Begriffs "Genozid" im Zusammenhang mit dem Vorgehen Israels in Gaza wird beleuchtet. Während Organisationen wie Amnesty International und UN-Gremien von einem Genozid sprechen, wird in der deutschen Öffentlichkeit, etwa durch die Journalistin Katrin Eigendorf, eine zurückhaltendere Position eingenommen und auf juristische Klärungen verwiesen. Es wird die Doppelmoral in der Berichterstattung kritisiert, da im Fall des Ukraine-Krieges der Begriff Völkerverbrechen schnell verwendet wurde. Christian Sievers' Moderationen im "heute-journal" werden als Beispiel für eine präzise, aber nicht reißerische Sprache gelobt. 00:38:11 Salon-Anmerkungen Wolfgang und Stefan kündigen eine neue Salon-Folge an, in der sie Richard David Prechts Buch "Angststillstand" über die schwindende Meinungsfreiheit diskutieren werden. Sie sprechen über die verschiedenen Möglichkeiten, den Salon zu abonnieren (Apple, Patreon, Steady) und betonen die Vorteile von Steady, wie Kapitelmarken und vollständige Shownotes. Die Diskussion über die Meinungsfreiheit wird als zentrales Thema für die kommenden Folgen hervorgehoben. 00:43:18 Charlie Kirk Nach dem Attentat auf Charlie Kirk analysieren Wolfgang und Stefan die Reaktionen in den sozialen Medien. Sie kritisieren die oberflächlichen Bekenntnisse zur Menschlichkeit von Persönlichkeiten wie Bastian Bielendorfer, die selbst abwertende Kommentare über andere abgegeben haben. Es wird die Rolle von Humor und Satire im Umgang mit kontroversen Themen diskutiert und die Tendenz zur Skandalisierung von politisch unkorrekten Witzen kritisiert. Die Diskussion schließt mit der Feststellung, dass solche Ereignisse oft für politische Zwecke instrumentalisiert werden. 00:59:00 Memorial als Messe Die Gedenkveranstaltung für Charlie Kirk wird als politisches und religiöses Ereignis analysiert. Es wird die Inszenierung als eine Art "Messe" beschrieben, in der christlicher Fundamentalismus und politische Mobilisierung miteinander verschmelzen. Die Reden von Wegbegleitern und Politikern wie Pete Hexeth und Stephen Miller werden als Versuch interpretiert, Kirk zum Märtyrer zu stilisieren und eine "Erweckungsbewegung" zu inszenieren. Die Rolle von Familie und Glauben als politische Instrumente zur Stabilisierung der konservativen Bewegung wird kritisch beleuchtet. 02:10:25 Diskursabklärung Wolfgang und Stefan diskutieren die Debattenkultur an US-Universitäten und die Rolle von "Polarisierungsunternehmern" wie Charlie Kirk. Sie kritisieren die Oberflächlichkeit vieler Debattenformate, die eher auf Show und Konfrontation als auf Erkenntnisgewinn abzielen. Die Macht von Tech-Milliardären, die die größten Social-Media-Plattformen kontrollieren, wird als eine der Hauptursachen für die zunehmende Polarisierung identifiziert. Es wird die Frage aufgeworfen, ob weniger Debatte und mehr inhaltliche Auseinandersetzung ein Weg aus der Krise sein könnten. 03:20:29 Migrationsdiskurs in UK Die Migrationspolitik in Großbritannien wird beleuchtet, insbesondere die paradoxe Situation, dass nach dem Brexit die Einwanderung stark angestiegen ist. Die Proteste gegen die Migrationspolitik, angeführt von rechtsextremen Aktivisten wie Tommy Robinson, werden als Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung interpretiert. Die Rolle von KI-generierten Videos, die bürgerkriegsähnliche Zustände herbeireden, wird als gefährliche Entwicklung kritisiert, die die Polarisierung weiter anheizt. 03:23:32 Migration & MedizinerInnen Ein Feature des Deutschlandfunks über die Abwerbung von Pflegekräften aus dem globalen Süden dient als Grundlage für eine Diskussion über die globalen Auswirkungen der deutschen und britischen Migrationspolitik. Es wird der "Braindrain" von medizinischem Fachpersonal aus afrikanischen Ländern kritisiert, der die dortigen Gesundheitssysteme schwächt. Die Ausbeutung der Pflegekräfte durch unseriöse Vermittlungsagenturen und die mangelnde Bereitschaft der Industrieländer, Ausbildungskosten zu erstatten, werden als neokoloniale Praktiken angeprangert. 04:37:21 Konrad Adenauer Stiftung definiert Rechtspopulismus Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Kategorisierung rechtspopulistischer Parteien in Europa wird kritisch analysiert. Die Kriterien der Studie (Verhältnis zu EU, Rechtsstaat und Russland) werden als unzureichend kritisiert, da sie zentrale Aspekte wie Migrationspolitik und Rassismus ausblenden. Die Einstufung von Parteien wie der AfD wird als Versuch gewertet, eine Zusammenarbeit mit gemäßigteren Rechtspopulisten wie Giorgia Meloni zu ermöglichen, während eine "Brandmauer" zur AfD aufrechterhalten wird. 04:55:35 Salon-Hinweise Zum Abschluss geben Wolfgang und Stefan einen Ausblick auf die nächste Salon-Folge, in der sie das Buch "Angststillstand" von Richard David Precht besprechen werden. Sie weisen auf die neu gestaltete Website "neue20er.de" hin und ermutigen die Hörer, den Podcast zu unterstützen, indem sie den Salon abonnieren.
- Rechtes Denken, Herr Hegemon, Let Them Theory20.09., 04:2420.09.2025, 04:2400:02:37
Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der [Gästeliste] 00:00:05 Oktoberfest und alte Bekannte Ein lockerer Einstieg mit einem Blick auf das Oktoberfest bei Heidi Klum. Trotz mangelnder Begeisterung für Bier und München wird berichtet, welche musikalischen Urgesteine dort aufgetreten sind: die Wildecker Herzbuben und die Weather Girls. Es wird humorvoll ein "Fest des Lebens" als Motto für die heutige Sendung ausgerufen. 00:02:16 Rechte Hegemonie und Armin Mohler Die Diskussion wendet sich ernsteren Themen zu und greift ein Feature des Deutschlandfunks über neurechte Intellektuelle auf. Im Zentrum steht Armin Mohler, ein wichtiger Vordenker für die heutige Neue Rechte, auf den sich Götz Kubitschek und Björn Höcke berufen. Mohlers Buch "Der faschistische Stil" und seine Idee des "agonalen Stils" – die reine Freude an der Auseinandersetzung – werden als strategisches Mittel der Rechten analysiert, um eine angebliche Sehnsucht nach Streit und Pluralität zu inszenieren. 00:08:36 Kubitscheks "politischer Staat" Es wird das politische Ziel von Götz Kubitschek und seinem "Institut für Staatspolitik" beleuchtet. Sein Ideal ist ein "politischer Staat", der im Gegensatz zum liberalen Staat "illiberale Elemente" besitzt und in dem über bestimmte Dinge nicht mehr diskutiert wird. Die Strategie der Provokation, wie sie Kubitschek in seinem Buch beschreibt, wird als taktisches Mittel interpretiert, um den liberalen Staat zu stören und den Weg für diesen autoritären "politischen Staat" zu ebnen. 00:13:12 Impfpflicht und die Kunst des "Notfalllibertären" Die inneren Widersprüche der rechten Szene werden am Beispiel der Debatte um die Impfpflicht aufgezeigt. Während der staatstreue Vordenker Karl-Heinz Weißmann eine Impfpflicht aus Gehorsam gegenüber dem Staat befürwortete, lehnte Kubitschek sie ab. Um diesen Widerspruch aufzulösen, prägte er den Begriff des "notfalllibertär" oder "situationslibertär": Man ist dem Staat gegenüber ungehorsam, wenn dieser Dinge tut, die man "nicht mehr mittragen kann". Ein flexibles Konzept, das je nach Bedarf angewendet wird. 00:17:00 Das "Geschenk" der Willkommenskultur für die AfD Die Flüchtlingssituation 2015 wird als entscheidender Wendepunkt für die damals strauchelnde AfD beschrieben – Alexander Gauland nannte es später ein "Geschenk". Erik Lehnert, Herausgeber der Zeitschrift "Sezession", wird mit der schockierenden Aussage zitiert, dass die breite Unterstützung für Geflüchtete gezeigt habe, dass "das Volk massiv manipulierbar" sei und man es "wieder manipulieren" müsse, um es für rechte Positionen zu gewinnen. 00:19:48 Die rechte Agenda: Länger arbeiten, weniger Urlaub Erik Lehnert legt die wirtschaftspolitischen Konsequenzen rechter Politik offen. Er gibt zu, dass weniger Einwanderung und "Remigration" auch weniger Arbeitskräfte bedeuten. Die ehrliche Botschaft an die Wähler müsste daher lauten: "Ihr werdet in Zukunft länger arbeiten müssen und weniger Urlaub machen." Dies wird als Kern einer rechten Ideologie beschrieben, die auf "Zuchtordnung, Disziplin" setzt und im direkten Gegensatz zu einem "linken Hedonismus" steht. 00:23:55 Herr Hegemon, der Dumme und der Debile Ein theoretischer Exkurs führt den Begriff des "Herrn Hegemon" ein, der die vorherrschende Meinung und die Rechtfertigungspflichten in einem sozialen Raum beschreibt. Um die Orientierung in solchen Räumen zu analysieren, werden zwei entgegengesetzte Dummheits-Typen nach Slavoj Žižek vorgestellt: der "Idiot", der die unausgesprochenen sozialen Regeln nicht versteht, und der "Debile", der sich vollständig mit dem "gesunden Menschenverstand" identifiziert und unreflektiert dem vorherrschenden Vibe folgt. 00:33:03 Jens Jessen und die linken Diskurswächter Ein Radiointerview mit dem "Zeit"-Journalisten Jens Jessen wird analysiert. Konfrontiert mit der Frage, wen er mit den von ihm kritisierten "linken Diskurswächtern" meine, kann er keine konkreten Beispiele nennen und beruft sich auf ein allgemeines Gefühl. Seine Argumentation wird als "debil" im Žižek'schen Sinne interpretiert – eine auf einem vagen Gefühl basierende Haltung ohne empirische Grundlage. Als Quelle der "Agitation" identifiziert er unter anderem den Deutschlandfunk. 00:47:00 Nils Kumkars Analyse der gefühlten Polarisierung Der Soziologe Nils Kumkar liefert eine differenzierte Analyse der gesellschaftlichen Stimmung. Er argumentiert, dass eine "Krise des Gemeinsamen" und eine "Erschöpfung von Zukunftsvorstellungen" zu einem Nullsummenspiel-Denken führen, bei dem die Forderungen einer Gruppe als Bedrohung für die eigene wahrgenommen werden. Die gefühlte Polarisierung sei jedoch kein Abbild der Gesamtgesellschaft, sondern ein Produkt aus drei Faktoren: dem Nahumfeld von Journalisten in Berlin, gezielten Medienstrategien der Rechten und der Logik massenmedialer Konfliktinszenierung. 00:53:31 Hegemonie in den USA: Das Weltbild von Ben Shapiro Der Fokus wechselt in die USA zu einem Interview zwischen dem rechten Kommentator Ben Shapiro und dem Journalisten Ezra Klein. Shapiro stellt die politische Landschaft als Kampf um Hegemonie dar. Seiner Meinung nach ist Donald Trump "post-ideologisch", während der Ursprung der Spaltung in Barack Obamas Wahlkampf 2012 liege, als dieser angeblich begonnen habe, partikulare Identitätsgruppen anzusprechen und damit das amerikanische "Gemeinsam" verraten habe. 01:10:10 Widersprüche bei den "Löwen und Aasfressern" Shapiros Buch "Lions and Scavengers" wird thematisiert. Er definiert eine "Aasfresser-Mentalität" als die Haltung, die Schuld für das eigene Scheitern bei anderen zu suchen. Ezra Klein konfrontiert ihn mit dem offensichtlichen Widerspruch, dass niemand diese Mentalität so sehr verkörpert wie Donald Trump, den Shapiro dennoch unterstützt. Dies entlarvt die Beliebigkeit in seinem Kampf um die Deutungshoheit. 01:17:25 Harald Welzer über Diktatoren und das Bürgergeld Ein Gespräch zwischen Harald Welzer und Matze Hielscher im Podcast "Hotel Matze" wird analysiert. Welzer beschreibt die aktuelle gesellschaftliche Konformität (z. B. bei der Wehrpflicht) als einen Prozess, bei dem "in den Köpfen gar nichts vor sich geht" – eine perfekte Beschreibung für "debiles" Denken. Die Debatte um das Bürgergeld sieht er als politisches Ablenkungsmanöver. Bemerkenswert ist seine unumwundene Bezeichnung von Donald Trump als Diktator. 01:25:55 Cory Doctorow: Systemkritik statt Personenkritik Als Kontrapunkt wird ein Clip des Autors Cory Doctorow eingespielt. Er plädiert dafür, gesellschaftliche Probleme nicht auf die moralischen Verfehlungen einzelner Personen ("die bösen Banker") zu reduzieren, sondern die systemischen Ursachen zu analysieren. Nicht Elon Musk und seine schlechten Ideen seien das Problem, sondern die Macht, die er durch finanzielle und rechtliche Schlupflöcher im System anhäufen kann. 01:29:36 Charlie Kirk und der mediale Umgang mit dem Tod Der zentrale Satz des ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk wird als Kern des hegemonialen Denkens herausgearbeitet: "Sie hassen nicht ihn [Trump], sie hassen euch. Er steht ihnen nur im Weg." Anschließend wird der Umgang deutscher Medien, insbesondere des Podcasts "Apokalypse & Filterkaffee", mit seinem Tod kritisiert. Die Haltung, man dürfe am Todestag nichts Negatives über eine Person sagen, wird als falsch zurückgewiesen. Gerade bei einem politischen Mord sei es zwingend notwendig, das politische Wirken des Opfers zu analysieren. 01:37:44 Mel Robbins und die "Let Them Theory" Die Episode widmet sich dem millionenfach verkauften Selbsthilphänomen Mel Robbins und ihrer "Let Them Theory". Die "Theorie", die darauf basiert, die Kontrolle aufzugeben und andere einfach machen zu lassen, wird als hyper-individualistisch und entpolitisierend kritisiert. Sie spiegle eine neoliberale Ideologie wider, in der jeder für sich selbst verantwortlich ist und Solidarität keinen Platz hat. Beispiele reichen von Erziehungsfragen bis hin zur Entlassung von Mitarbeitern. 02:06:52 Fünf Sekunden und ein High-Five zum Erfolg Zwei weitere "Theorien" von Mel Robbins werden vorgestellt: die "Fünf-Sekunden-Regel" (von fünf runterzählen und dann handeln) und das "High-Five-Konzept" (sich morgens im Spiegel ein High-Five geben). Der immense globale Erfolg dieser extrem simplen Ratschläge wird als Symptom einer Gesellschaft gesehen, die nach den einfachsten Handlungsanweisungen verlangt und in der die Verantwortung komplett auf das Individuum abgewälzt wird. Die Episode schließt mit einer ironischen Anwendung ihrer Theorien.
- Polarisierung, Let’s Talk About Feelings, Brosius-Gersdorf, Chinesische Gedichte, Zufriedenheit, Venezuela, Tchaikovsky07.09., 06:0007.09.2025, 06:0000:59:58
Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der [Gästeliste] 00:00:00 Vorm Salon: Wokeness Stefan und Wolfgang diskutieren über Wokeness und Polarisierung. Wolfgang kritisiert, dass Prominente wie Iris Berben, die sich nie für linke Anliegen wie den Klassenkampf einsetzten, nun vorgeben, die Linke hätte die Arbeiterklasse vergessen. Er betont, dass diese Art von Kritik vom eigentlichen Thema ablenkt. Ursprünglich sei die Kritik an der "woken" Identitätspolitik von links gekommen, wie z.B. von Nancy Fraser, die vom "Ein-Prozent-Feminismus" sprach. Sie diskutieren, ob der "woke" Diskurs tatsächlich hegemonial war und welche Auswirkungen er auf die Kulturlandschaft hatte, etwa beim Film oder in Petitionen. 00:42:16 Klingbeils pol. Kommunikation Stefan und Wolfgang analysieren die politische Kommunikation von Lars Klingbeil. Sie argumentieren, dass sein Versuch, mäßigend und vernünftig zu wirken, eine eigene Art der Polarisierung darstellt. Im Gegensatz dazu setzen erfolgreiche Politiker auf Authentizität und direkte Ansprache, die bewusst Konflikte auslösen. Sie leiten daraus ab, dass Polarisierung ein unvermeidlicher Bestandteil der politischen Kommunikation ist. 00:52:09 Salon-Literatur Die beiden kündigen die Hauptthemen der Sendung an: eine Diskussion über die Bücher von Nils C. Kumkar und Gilda Sahebi. Außerdem werden Leif Randts neuer Roman, Gedichte einer chinesischen Wanderarbeiterin, Tchaikovsky-Musik und eine Analyse von Will Smiths Konzertvideos besprochen. 00:58:55 Nils C. Kumkar: Polarisierung Im Fokus steht Nils C. Kumkars Buch "Polarisierung". Sie fassen seine Kernthese zusammen: Polarisierung ist kein Problem, das behoben werden muss, sondern eine notwendige Funktion der Demokratie, die Übersicht schafft und zum Mitmachen anregt. Sie erörtern, dass die Sorge um gesellschaftliche Spaltung selbst ein Teil dieses Phänomens ist. Das Buch wird für seine differenzierte Betrachtung gelobt, die den Fokus auf die Kommunikationsebene legt und aufzeigt, wie politische Diskurse von den realen Meinungen der Menschen entkoppelt sein können. 02:31:00 Gilda Sahebi: Verbinden statt spalten Als Kontrast besprechen sie das Buch von Gilda Sahebi. Sie kritisieren, dass es auf einer vereinfachten Annahme beruht, dass Menschen grundsätzlich gut seien und Polarisierung durch Wissen und persönliche "innere Arbeit" überwunden werden könne. Sie halten entgegen, dass fundamentale gesellschaftliche Konflikte, wie die zwischen Kapital und Arbeit, real sind und nicht einfach durch ein besseres Miteinander gelöst werden können. 02:52:47 Leif Randt: Let’s Talk About Feelings Wolfgang rezensiert den Roman von Leif Randt. Er beschreibt ihn als ein Werk des nüchternen Realismus, das sich den gedämpften Emotionen und dem apolitischen Lebensstil seiner Figuren widmet. Die Protagonisten, meist in der Kreativwirtschaft tätig, bewegen sich in einer Blase, in der große Dramen ausbleiben. Wolfgang fragt sich, ob diese Darstellung die Realität einfängt oder selbst in einer Banalität verharrt. 03:10:54 Brief von Frauke Brosius-Gersdorf Stefan liest aus einem Brief von Frauke Brosius-Gersdorf vor, in dem sie ihren Rückzug aus dem Rennen um den Verfassungsrichtersitz begründet. Sie kritisiert die Diffamierungskampagne der CDU-CSU gegen sie und wirft der Partei vor, ihre Positionen zur Abtreibung missbraucht zu haben. 03:20:26 Zheng Xiaoqiong: Erzählung von den Konsumgütern Wolfgang stellt die Gedichte der chinesischen Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong vor. Er zeigt sich fasziniert von ihrer poetischen Sprache, die die harte Realität der Fabrikarbeit mit romantischen Naturmetaphern verbindet. Ihre Lyrik thematisiert, wie die Produktionsprozesse menschliche Körper, Gefühle und Beziehungen prägen und verändern. 03:27:16 The declining mental health of the young and the global disappearance of the unhappiness hump shape in age Stefan präsentiert eine Studie über die psychische Gesundheit junger Menschen. Die Studie stellt fest, dass die traditionelle U-förmige Kurve der Zufriedenheit (mit einem Tiefpunkt in der Lebensmitte) verschwunden ist. Stattdessen sind junge Menschen heute die unzufriedenste Altersgruppe, was Stefan auf Faktoren wie die Finanzkrise und die Verbreitung von Smartphones zurückführt. 03:33:01 Newsweek: Will Venezuela Be the First Target of Trump's New MAGA Monroe Doctrine? Sie diskutieren einen Artikel über Trumps außenpolitische Strategie gegenüber Venezuela. Es wird die These aufgestellt, dass Trump eine aktualisierte Monroe-Doktrin verfolgt, die die USA als dominierende Macht in Lateinamerika etablieren soll, um den Einfluss von China und Russland zurückzudrängen. 03:40:05 NYT: Donald Trump’s Big Gay Government Stefan und Wolfgang besprechen einen Artikel der New York Times über eine Gruppe schwuler Männer, die in der Trump-Regierung einflussreiche Positionen innehaben. Sie erörtern, wie sich diese Gruppe gezielt organisiert und wie ihre Existenz traditionelle Annahmen über Homophobie infrage stellt. 03:59:02 Will Smith’s concert crowds are real, but AI is blurring the lines Anhand eines Videos von einem Will-Smith-Konzert diskutieren sie, wie sich Realität, Manipulation und künstliche Intelligenz vermischen. Das Video wurde durch Nachbearbeitung von Will Smiths Team und YouTube selbst so verändert, dass es wie eine KI-generierte Fälschung aussieht, obwohl die dargestellten Fans echt sind. Sie sprechen darüber, wie diese Ästhetik die Wahrnehmung von Authentizität verändert. 04:10:03 Yunchan Lim: Tchaikovsky - The Seasons Wolfgang empfiehlt zum Abschluss die Einspielung von Tchaikovskys "The Seasons" durch den Pianisten Yunchan Lim. Er lobt, wie Lim die als unbedeutend angesehenen Stücke durch seine tiefgründige Interpretation aufwertet.
- Wehrdienst, Rechtsruck Blame Game, Guerot & Höcke, KI & Arbeitsmarkt, Amerikas Kohäsion29.08., 19:5629.08.2025, 19:5604:51:26
Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. 00:00:03 Es ist August Taylor Swift ist verlobt. Schön! Die Wildecker Herzbuben gehen getrennter Wege. Schade! Stefan und Wolfgang eröffnen den Podcast. 00:03:16 Wehrdienst Die beiden beschäftigen sich mit dem neuen Gesetzentwurf zur Wehrpflicht in Deutschland. Sie analysieren die Berichterstattung der Tagesschau in "leichter Sprache" und beleuchten, wie die Politik das Thema einrahmt. Ein zentraler Punkt der Diskussion ist eine Studie des IFO-Instituts zu den tatsächlichen wirtschaftlichen Kosten des Wehrdienstes für die Betroffenen. Sie kritisieren die Argumentation, dass die Wehrpflicht als "Dienst am Vaterland" verkauft wird, während die wirtschaftliche und soziale Last ungleich verteilt ist, und vergleichen dies mit dem Ausbleiben des Kulturpasses für Jugendliche. 00:56:06 Jeffrey Sachs Wolfgang teilt Einblicke aus einem Podcast-Gespräch mit Jeffrey Sachs und Yannis Varoufakis. Sachs' These, dass die Ukraine militärisch nicht gewinnen könne und die westlichen Verbündeten sie nur als Stellvertreter im Kampf gegen Russland sähen, wird beleuchtet. Die Diskussion dreht sich um die Frage, ob die westliche Strategie auf einem "Bluff" basiert, und wie europäische Staaten die Situation wahrnehmen. 01:13:54 Jens Jessens Blame Game Stefan analysiert einen Zeit-Artikel von Jens Jessen, der behauptet, die politische Linke sei selbst schuld am Aufstieg der Rechten. Er seziert die Argumentation des Autors, der die Schuld bei angeblichen "linken Diskurswächtern" und Identitätspolitik sucht, anstatt die tatsächlichen gesellschaftlichen Probleme wie Wohnungsknappheit oder prekäre Arbeitsbedingungen zu thematisieren. Anhand eines konkreten Beispiels aus dem Alltag eines Hörers wird der Kontrast zwischen der medialen Debatte und der Lebenswirklichkeit vieler Menschen verdeutlicht. 02:04:22 Guerot & Höcke Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Treffen von Ulrike Guerot und Björn Höcke. Es wird analysiert, wie Guerot die AfD als Partei beschreibt, die sich in Richtung eines "atlantischen Bündnisses" verschiebt und sich damit zu einer "Systempartei" aufhübscht, um koalitionsfähig zu werden. Sie diskutieren, inwiefern dies eine Entradikalisierung oder eine strategische Radikalisierung darstellt und welche Rolle Björn Höcke in diesem innerparteilichen Machtkampf spielt. 02:54:41 KI und Arbeitsmarkt Die Diskussion widmet sich den Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt. Anhand von aktuellen Podcast-Clips von Experten wie Anthony Aguirre und Natascha Sarin wird hinterfragt, warum KI-Investitionen in Billionenhöhe getätigt werden. Es wird die These aufgestellt, dass es dabei nicht primär um die Steigerung der Produktivität, sondern um die Automatisierung und Ersetzung menschlicher Arbeit geht. Die beiden beleuchten die Unterschiede zwischen der Entwicklung von KI-Tools und der realen Anwendung im Alltag und diskutieren die Folgen für die Gesellschaft. 03:27:33 KI und kreative Arbeit Der Podcast widmet sich der Frage, wie künstliche Intelligenz die kreative Arbeit verändert. Die Diskussion basiert auf Clips von Matthew Prince, dem Chef von Cloudflare, und Mel Robbins, die über Urheberrecht, KI-generierte Inhalte und die Monetarisierung im digitalen Raum sprechen. Das "Schweizer Käse"-Modell wird vorgestellt und kritisch beleuchtet: Soll die KI die "Löcher im menschlichen Wissen" füllen und dafür die Urheber entlohnen? 04:09:56 Amerikas Kohäsion Stefan und Wolfgang analysieren, wie konservative Denker wie J.D. Vance und Joram Hasoni die amerikanische Identität neu definieren wollen. Sie diskutieren, wie eine angebliche Spaltung der Gesellschaft durch "Kulturmarxismus" und Diversität zu erklären versucht wird, indem man zu einem völkischen Identitätskonzept zurückkehrt, das auf Abstammung und Loyalität statt auf liberalen Werten beruht. 04:47:26 Salon-Hinweise Die beiden geben Hinweise auf kommende Salon-Folgen, in denen es um die Bücher "Polarisierung" von Nils C. Kumka und "Verbinden statt Spalten" von Gilda Sahebi gehen wird. 04:49:55 Termine Wolfgang teilt seine Termine für den September mit: 3. September, Mainz: Filmvorstellung von "Sunset Boulevard" mit anschließender Diskussion. 6. September, Zürich: Teilnahme am Podcast-Festival. 7. September, Zürich: Diskussion über den Dokumentarfilm "Unser Geld". 10. September, Brechthaus: Diskussion mit Martina Linatas über "Das Leben des Galilei".
- Sommersalon: Labubu weltweit, Freespeech, Sommerinterviews, eure Fragen24.08., 18:4824.08.2025, 18:4800:04:13
Wolfgang und Stefan treffen euch beim Sommersalon in Frankfurt Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. 00:00:00 Vor dem Salon Wolfgang und Stefan begrüßen die Zuhörer live aus dem Saalbau in Frankfurt. Sie geben einen Ausblick auf die Themen des Abends: eine kritische Auseinandersetzung mit den Sommerinterviews der Tagesschau, die als mehrstündige Twitch-Streams für ein junges Publikum aufbereitet werden, und eine Grundsatzdebatte über "absolute Free Speech", angestoßen durch die Journalistin Taylor Lorenz. Außerdem kündigen sie die nächsten Bücher an, die sie besprechen werden: "Polarisierung" von Nils Kumka und "Verbinden statt spalten" von Gilda Sahabi, um das Thema Polarisierung aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. 00:06:01 Labubu weltweit Der erste Themenblock widmet sich dem überraschenden popkulturellen Phänomen "Labubu" – kleine, elfenartige Sammelfiguren, die weltweit einen Hype ausgelöst haben. Stefan berichtet von dem enormen wirtschaftlichen Erfolg der dahinterstehenden Firma, die einen Umsatz von fast zwei Milliarden US-Dollar erzielt. Wolfgang sieht darin einen bemerkenswerten kulturellen Wandel: Ein chinesisches Lizenzprodukt fordert die westliche, insbesondere amerikanische Popkultur-Hegemonie heraus und erreicht einen Hype, den selbst Disney nur noch selten schafft. 00:09:40 Freespeech Wolfgang outet sich als zunehmend radikaler Anhänger der absoluten Redefreiheit ("Free Speech"). Als Einstieg dient das Internetphänomen Lil Tay, das von einer neunjährigen "Flexerin" zu einer 18-jährigen auf OnlyFans wurde und eine moralische Debatte auslöste. Daran anknüpfend diskutieren sie Gesetzesinitiativen in Großbritannien und den USA, die unter dem Vorwand des Jugendschutzes die Meinungsfreiheit massiv einschränken könnten. Kritisiert wird, dass Gesetze wie der "Kids Online Safety Act" oder der "No-Fakes-Act" nicht nur problematische Inhalte, sondern auch politische Berichterstattung, Satire oder Aufklärungsmaterial zensieren und vor allem mächtigen Personen und Konzernen nützen. Während Wolfgang vor einer Zensur warnt, die an die Moralpanik vergangener Jahrzehnte erinnert, betont Stefan die Notwendigkeit, echte Probleme wie KI-generierten Rachepornografie zu lösen. 01:17:46 Pause Die Show geht in eine Pause. Zuvor wird ein Clip aus "Tagesschau-Together" eingespielt, in dem die Nachrichtensprecherin Susanne Daubner in Jugendsprache das Sommerinterview mit Friedrich Merz ankündigt. Das Publikum wird aufgefordert, selbst zu entscheiden, ob dieser Versuch der Anbiederung "cringe oder voll cool" ist. 01:22:25 Sommerinterviews Nach der Pause analysieren die beiden das neue Format "Tagesschau-Together", einen dreistündigen Twitch-Stream, der die traditionellen 30-minütigen Sommerinterviews begleitet. Stefan sieht darin eine verspätete und misslungene Reaktion auf seine frühere Forderung nach innovativen Formaten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Sendung wird als oberflächlich kritisiert, mit erzwungener Jugendsprache und fragwürdigem Journalismus. Besonders im Fokus steht das Fact-Checking: Während der Faktenchecker der Sendung die Falschaussage von Friedrich Merz zur Vermögenssteuer nur unzureichend korrigiert, liefert eine simple Anfrage an eine KI eine detaillierte und präzise Widerlegung. Interviews mit Grünen-Chef Felix Banaszak und Linken-Politiker Jan van Aken werden seziert, wobei van Aken mit schlagfertigen und faktenbasierten Antworten überzeugt, während die Moderatoren und Experten seine Forderungen als unrealistisch abtun. 02:14:07 Fragen Im letzten Teil der Show beantworten Wolfgang und Stefan Fragen aus dem Publikum. Thematisiert werden unter anderem ihre wichtigsten gelesenen "Salon-Bücher" (u.a. von David Graeber), ein möglicher gemeinsamer Urlaub in Italien, die Kündigung des Generationenvertrags durch die Jugend und ihre Vorstellung von einem perfekten letzten Mahl.
- Empire of AI, Die Holländerinnen, Wohnungstausch, Unabomber-Manifest, Putins Demografie, Kolumbianische Söldner18.08., 19:3518.08.2025, 19:3501:02:10
KÄS-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibt es hier Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. 00:00:00 Vor dem Salon Wolfgang und Stefan kündigen ihren bevorstehenden Live-Podcast in Frankfurt an und steigen dann mit einem aktuellen Trendthema ein: Labubus. Sie analysieren das Phänomen der kleinen Sammelfiguren des chinesischen Unternehmens Popmart, die weltweit einen Hype ausgelöst haben. Diskutiert werden die strategische künstliche Verknappung, der hohe Sammlerwert und die geopolitische Dimension: China entwickelt sich von der "Werkbank der Welt" zu einer Nation, die mit eigenen Marken und IPs kulturelle Softpower global etabliert. Der Hype wird auch als Ausdruck einer gesellschaftlichen "Verplüschung" interpretiert – ein Wunsch nach Trost und Kuscheltieren in harten Zeiten. 00:13:14 Alaska-Gipfel Das Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska wird analysiert. Während die Körpersprache zunächst einen Vorteil für Putin nahelegt, ist das Ausbleiben eines schnellen Deals keine Überraschung. Die Diskussion kritisiert die spekulative Medienberichterstattung im Vorfeld und beleuchtet die sich wandelnde Haltung zum Ukraine-Krieg. Im Kontrast zu harten Forderungen nach einem militärischen Sieg Russlands steht die neue Rhetorik von Bundeskanzler Friedrich Merz, der nun auf einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen drängt. Empfohlen wird die Arte-Doku "Die Nuklearfalle", die die Abhängigkeit der USA von russischem Uran für ihre KI- und Energie-Ambitionen aufzeigt. Abschließend wird ein Film von Wim Wenders kritisiert, der eine problematische Analogie zwischen der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg und dem heutigen Ukraine-Konflikt zieht. 00:43:12 Trumps demographische Siegeserklärung Stefan beleuchtet die weitreichenden Folgen von Donald Trumps Politik, die erstmals seit 50 Jahren zu einer negativen Migrationsbilanz in den USA geführt hat. Er skizziert, wie Einwanderung seit den 1960er Jahren das enorme Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum der USA befeuert und die amerikanische Softpower gestärkt hat. Die Abkehr von dieser Politik gefährdet ein prognostiziertes BIP-Wachstum von fast neun Billionen Dollar und schwächt den Wissenschafts- und Technologiesektor, der stark von "importierter Kompetenz" abhängig ist – über die Hälfte der promovierten Informatiker und Ingenieure sind nicht in den USA geboren. Die zentrale These lautet, dass die gigantischen Investitionen in KI auf der spekulativen Hoffnung beruhen, dieser von Menschen verursachte demografische und ökonomische Aderlass könne durch Maschinen kompensiert werden. 00:58:57 Salon für Juli 2025 Ein kurzer Übergang zum Hauptteil des Salons. 00:59:54 Empire of AI & Sam Altman Im Zentrum steht die Diskussion zweier Bücher über OpenAI und seinen Gründer Sam Altman. Die Debatte dreht sich um die quasi-religiöse Überzeugung der Tech-Elite, eine künstliche Superintelligenz (AGI) erschaffen zu können, die alle Probleme der Menschheit löst. Dieser Glaube rechtfertigt einen neuen, digitalen Kolonialismus: die rücksichtslose Ausbeutung von globalen Daten, menschlicher Arbeitskraft in Billiglohnländern (Clickworker) und natürlichen Ressourcen wie Wasser. Sam Altmans manipulative und lügenhafte Führungskultur sowie die internen Machtkämpfe, die zu seiner kurzzeitigen Entlassung führten, werden detailliert nachgezeichnet. Kritisiert wird auch das enge Bündnis zwischen den Tech-Konzernen und dem US-Staat, das weit über normale Lobbyarbeit hinausgeht. Die ökonomische Vision, menschliche Arbeit durch KI zu ersetzen und die Bevölkerung mit einem Grundeinkommen zu versorgen, wird als fundamental fehlerhaft und nicht-kapitalistisch entlarvt, da sie die Quelle der Wertschöpfung – die menschliche Arbeit – eliminiert. 03:00:30 Dorothee Elmiger: Die Niederländerinnen Wolfgang empfiehlt den Roman "Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger. Das Buch besticht durch seine komplexe Erzählstruktur: Es handelt sich um die Mitschrift einer Poetikvorlesung, in der eine Schriftstellerin über ihre Teilnahme an einem Theaterprojekt berichtet, das wiederum das Verschwinden zweier Frauen im Dschungel untersucht. Das gesamte Werk ist in indirekter Rede verfasst, wodurch mehrere Reflexionsebenen entstehen. Trotz dieser intellektuellen Konstruktion gelingt es dem Roman, eine unmittelbare und ergreifende Wirkung zu entfalten und zentrale Fragen über Literatur, Verantwortung und die Möglichkeit ekstatischer Erfahrung zu stellen. 03:14:12 Carlott Bru: Wohnungstausch: Ich will deine, nimm du meine Basierend auf einem Artikel aus "Die Zeit" analysiert Stefan, warum das Konzept des Wohnungstauschs in Deutschland scheitert. Das Hauptproblem ist ökonomischer Natur: Ältere Menschen in großen, günstigen Altbauwohnungen haben keinen Anreiz, in deutlich teurere, kleinere Wohnungen mit neuen Mietverträgen zu ziehen. Statistiken belegen das Missverhältnis: Auf eine Person, die sich verkleinern will, kommen fünf Parteien, die eine größere Wohnung suchen. Staatliche Tauschprogramme haben nur marginalen Erfolg. Das Fazit: Wohnungstausch ist eine gut gemeinte Idee, die an der Realität des Mietmarktes und den finanziellen Anreizen zerschellt. 03:20:31 Ted Kaczynskis Manifest Wolfgang wirft einen Blick auf das 30 Jahre alte Manifest des "Unabombers" Ted Kaczynski und zeigt dessen verblüffende Aktualität auf. Kaczynskis Hauptfeind war nicht nur die Technologie, sondern der von ihm definierte "Leftismus", der Feminismus, Homosexuellen-Rechte und Political Correctness umfasst. Viele seiner Argumente – die Kritik an einer übersozialisierten Gesellschaft, der Hass auf westliche Zivilisation und Rationalität – finden sich heute eins zu eins in den Diskursen der Neuen Rechten und im Kulturkampf wieder. Wolfgang dekonstruiert Kaczynskis Denken als inkohärent, da es den Kapitalismus ignoriert und paradoxerweise ein hochmodernes Konzept wie "Selbstverwirklichung" einfordert, um die Moderne zu bekämpfen. 03:43:17 Isolde Ruhdorfer: Es ist kein Zufall, dass Russland ukrainische Kinder entführt Stefan präsentiert alarmierende demografische Zahlen aus einem Krautreporter-Artikel. Die Bevölkerung der Ukraine ist seit den 90er-Jahren von über 50 Millionen auf heute geschätzte 38 Millionen oder weniger geschrumpft. Allein zwischen 2022 und 2023 gab es einen Rückgang von 8,1 Prozent. Gleichzeitig kämpft auch Russland mit einer demografischen Krise und hat die Veröffentlichung von Geburten- und Sterblichkeitsstatistiken eingestellt. Der Text legt nahe, dass Russlands demografischer Kollaps ein zentraler, uneingestandener Kriegsgrund sein könnte, um durch die Annexion der Ukraine die eigene Bevölkerung zu vergrößern. 03:47:30 Marie-Kristin Boese: Als kolumbianischer Söldner im Ukraine-Krieg Wolfgang fasst einen Tagesschau-Bericht über kolumbianische Söldner zusammen, die für die Ukraine kämpfen. Hauptmotivation ist das Geld: Statt 400 Dollar in der heimischen Armee verdienen sie 3.000 Dollar im Monat. Der Artikel schildert die brutale Realität des Krieges, insbesondere die erdrückende russische Überlegenheit bei Drohnen. Diese Söldner werden als "Kanonenfutter" eingesetzt und riskieren zudem, bei einer Gefangennahme von Russlands Verbündeten wie Venezuela direkt an Moskau ausgeliefert zu werden. 03:51:01 Carl Zimmer: For Some Patients, the ‘Inner Voice’ May Soon Be Audible Stefan erörtert einen Artikel der New York Times über Fortschritte bei Gehirn-Computer-Schnittstellen. Forscher können inzwischen Sprache mit hoher Genauigkeit direkt aus der Gehirnaktivität von gelähmten Patienten dekodieren. Die Technologie wirft jedoch grundlegende ethische Fragen zur "mentalen Privatsphäre" auf: Wie stellt man sicher, dass nur bewusst zur Kommunikation gedachte Gedanken ausgelesen werden und nicht die unkontrollierte "innere Stimme"? Die Forschung stößt dabei an die Grenzen des Verständnisses, wie das Gehirn überhaupt denkt, bevor Gedanken in Sprache formuliert werden. 04:00:47 Tichys Einblick: Friedrich Merz, hör die Signale, es ist das letzte Gefecht Im Rahmen einer "Feindbeobachtung" seziert Wolfgang einen Artikel des rechtskonservativen Magazins "Tichys Einblick". Der Text attackiert Bundeskanzler Friedrich Merz scharf von rechts, macht ihn für die steigende Zahl von Insolvenzen verantwortlich und wirft ihm Wortbruch bei Steuersenkungen vor. Wolfgang identifiziert als treibende Kraft dahinter den reaktionären Lobbyverband "Die Familienunternehmer" und interpretiert den Artikel als Versuch, eine Brücke für enttäuschte konservative Unternehmer zur AfD zu bauen. Die im Artikel geäußerte Kritik an der Staatsverschuldung wird als ökonomisch ignorant entlarvt, da sie verschweigt, dass diese Ausgaben größtenteils wieder in die Privatwirtschaft zurückfließen. 04:08:54 Novus Quartet spielt Brahms Streichquartette Zum Abschluss gibt es eine musikalische Empfehlung von Wolfgang: eine neue Einspielung der drei Streichquartette von Johannes Brahms durch das Novus Quartet. Er erläutert, wie sehr Brahms unter dem Erbe Beethovens litt und sich lange schwertat, seine eigenen Quartette zu veröffentlichen. Die Interpretation des Novus Quartetts wird für ihren vollen, symphonischen "Schönklang" gelobt, der die dichte motivische Arbeit und die komplexe Struktur der Werke zugänglich macht und auch Brahms-Skeptiker begeistern kann. Literaturliste Erleben wir einen neuen Kolonialismus? Ja, sagt Karen Hao und erklärt in ihrem Buch “Empire of AI. Dreams and Nightmares in Sam Altman’s OpenAI”, wie die KI-Konzerne sich die digitale sowie analoge Welt einverleiben und wie Altman immer mächtiger werden konnte. penguin.co.uk Wer ist der Erfinder von ChatGPT? Keach Hageys Biografie “Sam Altman. OpenAI, Künstliche Intelligenz und der Wettlauf um unsere Zukunft” erzählt die erstaunliche Geschichte des neuen Silicon-Valley-Gurus. bastei-luebbe.de Zwei Holländerinnen verschwinden bei einer Wanderung durch den lateinamerikanischen Regenwald. Eine Schriftstellerin und eine Truppe um einen Theatermacher spüren ihnen nach. Abgründe und existenzielle Erfahrungen tun sich in dem grandiosen Roman “Die Holländerinnen” von Dorothee Elmiger auf. hanser-literaturverlage.de Der Wohnungstausch ist eine Verlegenheitslösung in der Wohnkrise, die es nur in Form von Hoffnung und Glauben gibt. Carlotta Brühwiler hat darüber geschrieben. zeit.de Vor 30 Jahren erschien das Unabomber-Manifest von Ted Kaczynski. Liest man es heute erneut, begegnet man nahezu sämtlichen aktuellen rechten Diskursen. edition-nautilus.de Demografie bestimmt den Ukraine-Krieg, schreibt Isolde Ruhdorfer. Um beide Länder steht es dramatisch schlecht. krautreporter.de Wer kämpft eigentlich in der Ukraine außer Ukrainern? Zum Beispiel kolumbianische Söldner, berichtet Marie-Kristin Boese. tagesschau.de Künstliche Intelligenz liest neuerdings menschliche Gehirne aus. Zum medizinischen Fortschritt und unserer “mentalen Privatsphäre” schreibt Carl Zimmer. nytimes.com Was denkt der konservative und rechte Mittelstand über Friedrich Merz? Offenbar will man schon bald eine AfD-Regierung. tichyseinblick.de Johannes Brahms hat drei große Streichquartette komponiert, das faszinierende Novus Quartet hat sie neu eingespielt. aparte.lnk.to
- Katholische Mode, Gaza & Epstein, Fabian Köster, Thiels Antichrist, Fetisch Identität, Wirtschaft und Migration31.07., 19:4731.07.2025, 19:4705:22:58
Live-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Tickets per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. Juli-Ausgabe Zu Beginn diskutieren Wolfgang und Stefan die zunehmende Aushöhlung der Privatsphäre im öffentlichen Raum, ausgelöst durch die "Kiss-Cam"-Affäre beim Coldplay-Konzert. Sie kritisieren den damit einhergehenden Moralismus, der Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz problematisiert. Das Gespräch beleuchtet die Absurdität, intime Momente einer öffentlichen und beruflichen Bewertung zu unterwerfen, und warnt vor einer Kultur, die aus Extremfällen von Machtmissbrauch pauschale Verbote ableitet. 00:06:10 Salon-Ankündigung In diesem Segment kündigen sie die Lektüre für den kommenden August-Salon an. Es werden zwei Bücher über die Schlüsselfigur der KI-Welt, Sam Altman, besprochen: die große Studie "Empire of AI" von Karen Hao und die deutschsprachige Biografie "Sam Altman: OpenAI, Künstliche Intelligenz und der Wettlauf um unsere Zukunft". Zudem wird auf den Live-Salon am 23. August in Frankfurt hingewiesen. 00:08:38 Gaza & Epstein Der Podcast thematisiert den spürbaren Wandel in der öffentlichen Debatte über den Gaza-Krieg, markiert durch einen Aufruf von 200 Prominenten, die Waffenlieferungen an Israel zu stoppen. Dieser komplexe Prozess des Umdenkens wird mit der Situation der Trump-Anhänger in den USA verglichen, die nach den Epstein-Enthüllungen ihre eigene Weltsicht hinterfragen müssen. In beiden Fällen stehen Menschen vor der Herausforderung, sich einzugestehen, auf der falschen Seite gestanden zu haben – sei es bei der Unterstützung einer rechtsradikalen Regierung oder eines Pädophilenrings. Anhand von Audio-Clips von Jessica Tarlov und Scott Galloway wird analysiert, wie schwierig, aber notwendig dieser Meinungswandel ist. 00:26:07 Kösters Podcast, Wehrpflicht in der Schule Wolfgang übt scharfe Kritik am Politikverständnis, das im Podcast "Schlag und Fertig" von Fabian Köster und im Satire-Format "heute-show" propagiert wird. Er argumentiert, dass Politik hier auf reine Unterhaltung und die Performance von Politikern reduziert wird, anstatt Inhalte zu bewerten. Figuren wie Philipp Amthor werden durch solche Formate nicht kritisiert, sondern für die Medienwelt produziert und normalisiert. Anschließend wird eine Kindersendung von "logo!" seziert, die das Thema Wehrpflicht behandelt. Sie kritisieren das Format als manipulativ, da es Kinder gezielt dazu drängt, einen Dienst für das Land als erstrebenswert zu betrachten, anstatt kritische Fragen zu stellen. Dieser inszenierten Debatte werden die realen ökonomischen Sorgen junger Menschen gegenübergestellt, wie die explodierenden Kosten für Pflegeplätze, die eine weitaus größere Bedrohung darstellen. 01:27:56 Thiels, Fleischhauers, Weimers Antichrist Dieser Abschnitt analysiert ein Interview mit dem Tech-Milliardär Peter Thiel, in dem er seine Angst vor einem totalitären Weltstaat entfaltet, den er mit der biblischen Figur des "Antichristen" gleichsetzt. Für Thiel ist die Klimabewegung, personifiziert durch Greta Thunberg, die größte Gefahr, die zu diesem globalen Superstaat führen könnte. Sie dekonstruieren dies als durchschaubare Ideologie eines Milliardärs, der lediglich globale Regulierungen und Steuern fürchtet und deshalb die Zersplitterung politischer Macht wünscht, während er für die Wirtschaft Monopole fordert. Thiels Thesen werden in Verbindung gebracht mit deutschen Kommentatoren wie Wolfram Weimar und Jan Fleischhauer, die Thunberg ebenfalls mit extremen Vorwürfen überziehen und damit eine ähnliche anti-universalistische Agenda verfolgen. 01:49:41 Politische Macht ohne juristisches Fundament Hier wird die systematische Untergrabung des Rechtsstaats in den USA unter Donald Trump beleuchtet. Ein Whistleblower aus dem US-Außenministerium enthüllt die intern ausgegebene Doktrin, Gerichtsurteile bei Abschiebungen schlicht mit einem "Fuck you" zu ignorieren. Diese Praxis, politische Macht über juristische Grundlagen zu stellen, wird als neue Realität beschrieben, in der Beamte gezielt belogen und unter Druck gesetzt werden. Sie ziehen eine Parallele zur deutschen Politik und argumentieren, dass die autoritäre Wende bereits im Gange ist, auch ohne eine Regierungsbeteiligung der AfD. Anstatt die AfD als zukünftige Gefahr zu behandeln, sollte man die aktuelle Politik so analysieren, als würde die AfD bereits mitregieren, um die gegenwärtigen antidemokratischen Tendenzen klarer zu erkennen. 02:27:49 Es wird nicht mehr gelesen Ausgehend von einem Bericht der OECD über sinkende Lesekompetenz in entwickelten Ländern, diskutieren Stefan und Wolfgang über das "Sterben der Literatur". Der Rückgang des Lesens aus Vergnügen wird als Symptom für das Ende der "Kultur des Buches" und den Aufstieg der "Kultur des Bildschirms" gedeutet. Damit einher geht die Flut an minderwertigem, KI-generiertem Inhalt ("AI Slop"), der Social-Media-Plattformen dominiert und von Tech-Konzernen wie Meta gezielt gefördert wird. Dies führe zu einer allgemeinen "Kultur der Dumpfheit" und einem Angriff auf die Imaginationskraft der Gesellschaft, wie es die Autorin Mitya Mamturek formuliert. Die Folge ist eine Verarmung der ästhetischen und emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen. 03:27:31 Dilemma: Wirtschafts- und Migrationspolitik Der Podcast kehrt zum unauflösbaren Widerspruch in der aktuellen Politik zurück: Obwohl wirtschaftliche Stabilität entscheidend ist, dominiert eine schädliche Migrationsdebatte den Diskurs. Anhand der Analysen von Robin Alexander wird gezeigt, wie die AfD kulturelle Themen gezielt zur Spaltung der politischen Mitte einsetzt. Währenddessen ignorieren etablierte Parteien und Medien die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen einer restriktiven Migrationspolitik, die von Instituten wie dem Cato Institute auf Billionen-Dollar-Verluste beziffert werden. Das Gespräch mit dem Polen-Beauftragten Knut Abraham dient als Paradebeispiel für diese Schizophrenie: Er gibt zu, dass die Grenzkontrollen der Wirtschaft schaden, verteidigt sie aber als notwendiges "politisches Zeichen". 04:31:51 Fetisch Identitätspolitik Anhand der Ikone Amanda Lear wird eine Kritik an fundamentalistischer Identitätspolitik geübt. Lears lebenslanges Spiel mit ihrer Herkunft und Geschlechtsidentität wird als Akt radikaler Selbstschöpfung gewürdigt. Eine neue HBO-Dokumentation von einer Trans-Regisseurin wird dafür kritisiert, genau dieses Mysterium zerstören zu wollen, indem sie Lear gegen ihren Willen als Trans-Person zu vereinnahmen versucht. Sie sehen darin eine paradoxe Wendung: Das investigative "Outing", das früher von konservativen Medien betrieben wurde, wird nun von einer vermeintlich progressiven Seite fortgesetzt. Anstatt den performativen Akt der Selbstbestimmung zu akzeptieren, wird hier versucht, eine Person auf eine bestimmte Identität festzunageln. Als Gegenbeispiel wird eine französische Doku gelobt, die Lears Biografie als bewussten Mythos respektiert. 05:07:25 Zeitgeist: Dolce & Gabbana Zum Abschluss analysieren die beiden eine Modenschau von Dolce & Gabbana in Rom, die sich stark an der Ästhetik des Katholizismus orientiert. Models in Soutanen und Messgewändern, Weihrauchfässer und Kreuze prägen das Bild. Dies wird nicht als bloße Provokation, sondern als Hommage und intelligente Form der kulturellen Aneignung interpretiert. Der "gottlose Katholizismus" der Show löst die Ästhetik von der Religion und feiert deren zivilisatorische Kraft und historische Tiefe. Dass dies im Kontext des Christentums ohne größere Kontroversen möglich ist, wird als Zeichen einer besonderen kulturellen Errungenschaft gewertet. 05:15:37 Salon-Hinweise & Termine Die Folge schließt mit Hinweisen auf kommende Veranstaltungen, insbesondere den Live-Podcast am 23. August in Frankfurt, und weiteren Terminen von Wolfgang. Es folgt der Aufruf, den Podcast finanziell über den Salon zu unterstützen, wo im nächsten Monat zwei Bücher über Sam Altman und OpenAI besprochen werden. Abschließend werden die verschiedenen technischen Möglichkeiten zum Abonnieren des Salons (Steady, Apple Podcasts, Patreon) erläutert.
- Robin Alexander, Dominik Graf, Stehlen Schimpfen Spielen, MIT zu ChatGPT, Apples KI-Kritik, Simply Quartett05.07., 06:0005.07.2025, 06:0000:56:17
Live-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Tickets per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. Literatur Springer-Journalist Robin Alexander erzählt in „Letzte Chance. Der neue Kanzler und der Kampf um die Demokratie“ das Scheitern der Ampel nach und versucht sich an Erklärungen für den ganz auf Migration ausgerichteten Wahlkampf. Das Sittenbild der Politik ist unfreiwillig auch eines des Journalismus. penguin.de Der große Regisseur Dominik Graf legt mit „Sein oder Spielen. Über Filmschauspielerei“ ein anekdotenreiches Erinnerungsbuch über seine Arbeit mit Schauspielern vor, das zugleich ein Kompendium über Schauspielerei und ein persönlich gehaltenes Lexikon großer Momente der Filmgeschichte ist. chbeck.de Sam Altman verkauft uns seine KI als „Gentle Singularity“. Wenn die Versprechen so gut aufgehen wie alle vorherigen des Silicon Valley, wird es schlimm. blog.samaltman.com Wie ist es, wenn man plötzlich durch Krypto-Investments einen Klassensprung vollzieht? In seinem Buch „Tausendmal so viel Geld wie jetzt“ trifft sich der Schriftsteller Juan S. Guse mit ungewöhnlichen Krypto-Millionären: Sie protzen nicht in Dubai oder auf Yachten, sie sind Sleeper. fischerverlage.de In der NYT diskutieren die Demoskopen Nate Silver und Kristen Soltis Anderson über Trumps Umfragewerte. Wir ziehen auch Lehren für die Bundesregierung daraus. nytimes.com Die Schriftstellerin Barbi Marković nennt ihre Poetikvorlesungen „Stehlen, Schimpfen, Spielen“ und erklärt ihr Schreiben so geistreich wie amüsant. rowohlt.de MIT-Forschung zu KI als Assistenz im Schreibprozess zeigt das Phänomen kognitiver Verschuldung. Was sich einfach anfühlt, wird doch recht schnell belastend. media.mit.edu Tausende indische Studenten liefern auf Fahrrädern Essen aus: Ein Abkommen zwischen Deutschland und Indien hat vielen ein Studium in Berlin und in anderen Städten ermöglicht. Nina Scholz erzählt in der „taz“ unglaubliche, aber wahre Geschichten der Ausbeutung. taz.de Apple hat sich kritisch mit LLMs befasst. Es gebe „fundamentale Grenzen“ für die neuen KIs, die offensichtlich die Produktentwicklung erschweren. machinelearning.apple.com Wozu noch Journalismus, wenn doch alles offensichtlich ist? Tyler Pager mit einem sehr wichtigen Pointen-Kommentar zu Donald Trump. nytimes.com Das preisgekrönte Simply Quartet interpretiert furios Streichquartette von Mendelssohn und Dvořák. genuin.de Shownotes 00:00:00 Vor dem Salon Wolfgang und Stefan beginnen den Podcast mit einer Diskussion über die sommerliche Hitzewelle und die unterschiedlichen Strategien, damit umzugehen – von der heimischen Klimaanlage bis hin zur KI-gestützten Planung des perfekten Schattenplatzes im Freibad. Diese Alltagsbeobachtung leitet über zur zentralen Frage, wo Technologie wirklich hilft und wo sie unnötig verkompliziert. Das Hauptthema der Folge wird vorgestellt: eine kritische Auseinandersetzung mit dem Buch „Letzte Chance“ des Journalisten Robin Alexander. Die Gastgeber kritisieren bereits im Vorfeld den von Alexander repräsentierten Politikjournalismus, der auf Emotionalisierung und personalisierte Storys setzt, anstatt strukturelle Probleme zu analysieren. Anhand eines Vergleichs von Alexanders Auftritten bei „hart aber fair“ und „Table Media“ wird dessen argumentativer Opportunismus aufgezeigt. Ein Exkurs zum Magier Penn Jillette dient als philosophische Grundlage, um über Wahrheit, Erinnerung und die Notwendigkeit von Vertrauen zu reflektieren. Diese Kritik wird auf die mediale Berichterstattung zu Ereignissen wie den Attentaten in Magdeburg und Aschaffenburg ausgeweitet, bei denen die emotionale Reaktion von Politikern wie Friedrich Merz im Mittelpunkt steht, während die Rolle der Medien, insbesondere des Springer-Verlags, unreflektiert bleibt. 00:57:15 Robin Alexander: Letzte Chance Im Hauptteil der Folge sezieren Wolfgang und Stefan das Buch „Letzte Chance“. Sie kritisieren die narrative Strategie, Politik als eine Abfolge von persönlichen Krisen und emotionalen Reaktionen darzustellen. Als zentrales Beispiel dient die Szene, in der Friedrich Merz durch das Video von Selenskyjs Demütigung im Oval Office angeblich zur Reform der Schuldenbremse bewegt wird – eine Darstellung, die die Gastgeber als vorgeschobene Rechtfertigung für einen längst geplanten Politikwechsel entlarven. Das Buch, so die Kritik, biete keine tiefgehende Analyse, sondern eine oberflächliche Chronik der Ampel-Koalition, um Friedrich Merz als alternativlose Führungsfigur zu inszenieren. Dabei werden wichtige politische und soziale Themen wie die Kindergrundsicherung oder die tatsächliche Substanz des CDU-Wirtschaftsprogramms komplett ausgeblendet. Auch die Darstellung der Greichen-Affäre und des Heizungsgesetzes wird als beispielhaft für einen Journalismus kritisiert, der die Rolle der eigenen Medien bei der Skandalisierung ignoriert. Ein besonderer Fokus liegt auf der undurchsichtigen Rolle der FDP beim Bruch der Koalition und der bemerkenswerten Zusammenarbeit der Union mit der Linkspartei, um Merz' Kanzlerwahl zu sichern. Die Analyse gipfelt in der Feststellung, dass das Buch ein Paradebeispiel für einen Journalismus ist, der in seiner eigenen Blase gefangen ist und durch seine Fixierung auf Insider-Geschichten die eigentlichen Machtverhältnisse und gesellschaftlichen Probleme verschleiert. 02:58:40 Dominik Graf: Sein und Spielen Wolfgang stellt das Buch „Sein oder Spielen“ des Regisseurs Dominik Graf vor. Es ist keine systematische Abhandlung, sondern ein sehr persönliches Kompendium und eine Sammlung von Anekdoten und Beobachtungen zur Kunst der Filmschauspielerei. Graf teilt seine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Schauspielern wie Götz George und analysiert die Techniken von Ikonen wie James Dean oder Alain Delon. Dabei werden gegensätzliche Ansätze wie Method Acting und reines Handwerk gegenübergestellt. Ein zentraler Gedanke ist die Bedeutung von Verletzlichkeit und emotionaler Instabilität als kreative Ressource, die durch moderne Tendenzen zur Selbstoptimierung und „Resilienz“ verloren zu gehen droht. Das Buch wird als eine Fundgrube für Film- und Schauspiel-Enthusiasten beschrieben, die Lust darauf macht, die besprochenen Filme und Szenen neu zu entdecken. 03:11:46 Sam Altman: The Gentle Singularity Stefan analysiert einen Text von OpenAI-CEO Sam Altman, in dem dieser seine Vision einer „sanften Singularität“ skizziert. Stefan äußert von Beginn an fundamentale Skepsis gegenüber Altmans optimistischem Zukunftsbild. Altman prophezeit, dass künstliche Superintelligenz bald zur Routine gehören und enorme Fortschritte in Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichen wird, angetrieben von einem Überfluss an Intelligenz und Energie. Stefan kritisiert diese Vorhersage als naiv und gefährlich, da sie die realen Probleme der Machtkonzentration, der wirtschaftlichen Ungleichheit und der gesellschaftlichen Verwerfungen, die durch KI entstehen könnten, völlig ausblendet. Der Text dient als Dokumentation einer bedenklichen Ideologie aus dem Silicon Valley. 03:31:39 Juan S. Guse: Tausendmal so viel Geld wie jetzt Wolfgang bespricht das Buch von Juan S. Guse, eine literarische Reportage über die verborgene Welt der Kryptomillionäre. Guse porträtiert nicht die lauten Neureichen, sondern die sogenannten „Sleeper“ – Menschen, die im Stillen durch Krypto-Investitionen reich geworden sind und oft mit der daraus resultierenden Perspektivlosigkeit und Verunsicherung kämpfen. Das Buch ergründet die Motivationen junger Menschen, die in alternativen Vermögensbildungen eine letzte Chance sehen, den ökonomischen Abstieg zu verhindern. Besonders eindrücklich schildert Guse die Atmosphäre einer Kryptokonferenz in Barcelona, die er als quasi-religiöses Ereignis für eine Gemeinschaft von Eingeweihten beschreibt, die an einen bevorstehenden technologischen und gesellschaftlichen Umbruch glauben. 03:48:51 Nate Silver und andere zu Trumps Umfragewerten Stefan fasst eine Diskussion aus der New York Times mit den Analysten Nate Silver und Kristen Soltis Anderson über die politische Lage von Donald Trump zusammen. Obwohl Trumps Zustimmungswerte relativ stabil sind, zeigen sich deutliche Schwächen bei zentralen Wirtschaftsthemen wie der Inflation. Das Thema Einwanderung hingegen ist eine Stärke, da er hier von vielen als entscheidungs- und handlungsstark wahrgenommen wird. Die Experten diskutieren mögliche Strategien für die Demokraten, die sich von ihrem Image des „Insider-Spiels“ lösen und mit jüngeren, radikaleren Kandidaten und Themen punkten müssten, um eine Chance zu haben. 03:56:59 Barbi Marković: Stehlen, Schimpfen, Spielen Wolfgang stellt begeistert die Poetikvorlesungen der Schriftstellerin Barbi Marković vor. Das Buch ist humorvoll als Countdown zur Abgabe der Vorlesung gestaltet und reflektiert auf brillante Weise den Schreibprozess selbst. Marković demonstriert ihren spielerischen Umgang mit Sprache und Literatur, etwa durch einen Remix eines Thomas-Bernhard-Textes oder die Verwendung von Disney-Figuren als universelle Identifikationsfiguren für ihre Alltagsbeobachtungen in Wien. Im Kern des Buches steht die komplexe Beziehung zwischen Realität, Fiktion und der subjektiven Wahrheit des Textes, was es zu einer intelligenten und unterhaltsamen Lektüre über das Wesen des Schreibens macht. 04:10:55 MIT: Your Brain on ChatGPT Stefan diskutiert eine Studie des MIT Media Lab, die die neuronalen Auswirkungen der Nutzung von ChatGPT beim Verfassen von Texten untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Probanden, die KI-Hilfe nutzten, zeigten eine geringere Gehirnaktivität und eine stärkere Entfremdung vom eigenen Text. Originalität und Vielfalt der Texte nahmen ab, während die Konformität stieg. Die Studie legt nahe, dass die Bequemlichkeit von KI-Werkzeugen einen kognitiven Preis hat und die tiefere Auseinandersetzung mit einem Thema behindern kann. Interessanterweise wird in der Studie die Google-Suche, einst selbst als oberflächlich kritisiert, nun als positiver Vergleichsmaßstab zur LLM-Nutzung herangezogen. 04:22:19 Nina Scholz: Das Geschäft mit den Studis Wolfgang fasst eine umfangreiche Recherche der Journalistin Nina Scholz für die taz zusammen. Der Artikel beleuchtet das Geschäft mit indischen Studierenden in Deutschland. Diese werden von privaten Hochschulen wie der IU mit hohen Studiengebühren und dem Versprechen auf eine exzellente Ausbildung nach Deutschland gelockt. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Die Studierenden landen in teuren, überfüllten möblierten Wohnungen und müssen hauptsächlich an Online-Kursen teilnehmen. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeiten viele unter prekären Bedingungen als Lieferfahrer. Der Text kritisiert die mangelnde Verantwortung von Bildungsinstitutionen und Politik. 04:31:14 Apple: The Illusion of Thinking Stefan bespricht ein bemerkenswertes Forschungspapier von Apple, das die Grenzen der aktuellen KI-Modelle aufzeigt. Entgegen dem Hype um die „Reasoning“-Fähigkeiten von LLMs demonstriert Apple, dass diese Systeme bei neuartigen und komplexen Problemen oft versagen. Die Modelle neigen zu „Overthinking“ oder geben bei schwierigen Aufgaben vorschnell auf. Mit dieser Veröffentlichung positioniert sich Apple als ein Unternehmen, das auf robuste und verlässliche technologische Lösungen abzielt, anstatt auf die unberechenbaren „Gimmicks“ der Konkurrenz. Es ist eine deutliche Kritik an der aktuellen Praxis, unausgereifte KI-Produkte auf den Markt zu bringen. 04:41:14 NYT: Online and IRL, Trump Offers a Window Into His Psyche Stefan verweist kurz auf einen Artikel der New York Times, der argumentiert, dass man für das Verständnis von Donald Trumps Politik keine tiefschürfenden Deutungsbücher brauche. Alles Wesentliche sei direkt in seinen öffentlichen Äußerungen und Handlungen sichtbar. 04:41:42 Simply Quartet: Streichquartette von Mendelssohn und Dvořák Zum Abschluss empfiehlt Wolfgang eine Aufnahme des Simply Quartet. Im Mittelpunkt steht Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett Nr. 6 in f-Moll, op. 80. Das Werk entstand als direkte Reaktion auf den plötzlichen Tod seiner geliebten Schwester Fanny und ist ein Ausdruck tiefsten Schmerzes. Es ist ein dramatisches, leidenschaftliches und fragmentiertes Stück, das mit den klassischen Konventionen bricht und in seiner harmonischen Kühnheit bereits auf das 20. Jahrhundert vorausweist. Wolfgang lobt die außergewöhnliche Dynamik und Präzision der Interpretation durch das Simply Quartet.
- Bürgergeldstudie, Wehrpflicht in Podcasts, Trumps Kindergarten, Erik Ahrens, Iran28.06., 17:1728.06.2025, 17:1705:03:06
Wolfgang und Stefan besprechen den Juni KÄS-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Salon-Zugänge Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). 00:00:00 Es ist Juni Wolfgang und Stefan eröffnen den Podcast mit einer Diskussion über die bevorstehende Hitzewelle in Deutschland, bei der Temperaturen bis zu 36 Grad erwartet werden. Sie thematisieren die Grenzen der körperlichen Anpassung an Hitze und die Notwendigkeit von Klimaanlagen, trotz deren Umweltauswirkungen. Ein zentraler Kritikpunkt ist die mangelhafte Stadtplanung in kleineren Städten, die zu wenig auf kühlende Grünflächen und Bäume setzt. Dies verschärfe die Situation insbesondere für ältere Menschen und führe zu der Forderung nach einer umfassenden kommunalen "Klima-Hitzeplanung". 00:04:37 Bürgergeldstudie: Hunger in Deutschland Im Hauptteil dieses Kapitels steht die alarmierende Studie des Vereins "Sanktionsfrei" zur Armut von Bürgergeld-Empfängern im Fokus. Zuvor kontrastieren die Podcaster dies mit einer Meldung über eine Erbschaftssteuer-Zahlung in Höhe von 3,65 Milliarden Euro durch die Familie Thiele (Knorr-Bremse), was zeige, dass enorme Steuerleistungen für Superreiche möglich sind. Die Studie offenbart, dass in der Hälfte der Bürgergeld-Haushalte gehungert wird und Eltern zugunsten ihrer Kinder auf Mahlzeiten verzichten. Kritisiert wird die politische Rhetorik von Arbeitsministerin Bärbel Bas, die ohne Belege von "mafiösen Strukturen" spricht. Dem gegenüber stehen die Forderungen von "Sanktionsfrei": ein sanktionsfreier Regelsatz von 813 Euro und der Verzicht auf Totalsanktionen, die bei Betroffenen vor allem die Angst vor Obdachlosigkeit auslösen. Der Betroffene Thomas Wasilewski schildert eindrücklich die täglichen Entbehrungen und die Demütigung, wenn seine Kinder nicht einmal die Schulbücher bezahlen können. 00:26:58 Wehrpflicht in Podcastgesprächen Stefan und Wolfgang analysieren und kritisieren die oberflächliche Diskussion zur Wehrpflicht im Podcast "Gemischtes Hack". Sie werfen Felix Lobrecht und Tommi Schmidt eine privilegierte und unreflektierte Haltung vor. Als Kontrastprogramm dient ein Ausschnitt aus "Alles Gesagt", in dem der Theaterregisseur Thomas Ostermeyer die Debatte differenziert führt und ehrlich zugibt, dass er im Kriegsfall fliehen würde. Die Diskussion weitet sich auf die schlechten Rahmenbedingungen für deutsche Soldaten und die strategische Ausrichtung der Bundeswehr aus, die laut Generalinspekteur Breuer bis 2029 "kriegstüchtig" sein müsse – eine Zeitplanung, die von den Podcastern infrage gestellt wird. 00:47:57 Kindergarten rund um Trump Die Berichterstattung deutscher Medien über Donald Trump wird scharf kritisiert. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Podcasts ("Apokalypse & Filterkaffee", "Politico") zu Trumps Treffen mit Friedrich Merz sowie dem G7- und NATO-Gipfel wird eine "Infantilisierung der Macht" bemängelt. Journalisten würden sich auf die "Stimmung", "warme Atmosphäre" und Trumps Launen konzentrieren, anstatt seine gefährliche Machtpolitik zu analysieren. Diese oberflächliche Rezeption wird mit einem Text von NATO-Chef Mark Rutte kontrastiert, der sich in einer Nachricht an Trump unterwürfig zeigt. Dem gegenüber stehen ernste Analysen aus US-Podcasts, die Trumps systematische Untergrabung des Rechtsstaats durch die Ausnutzung von Notstandsgesetzen und Gerichtsurteilen thematisieren. 01:22:35 Salon-Ankündigung Die Moderatoren geben einen Ausblick auf kommende und vergangene Inhalte ihres Bezahl-Salons. Sie blicken auf einen Live-Salon aus Frankfurt zurück, in dem es um Matthias Döpfner, Polen, "Hoss & Hopf" und eine Debatte zwischen Maximilian Krah und Götz Kubitschek ging. Für den nächsten regulären Salon kündigen sie die Besprechung von Robin Alexanders neuem Buch "Letzte Chance" an, das die Rolle der CDU im Umgang mit der AfD beleuchtet. Stefan plant zudem, kritische Studien zum Thema Künstliche Intelligenz vorzustellen. 01:27:41 Iran Dieses ausführliche Kapitel behandelt den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Ausgehend von der völkerrechtlichen Einordnung durch den Experten Kai Ambos wird die Logik des structural realism nach John Mearsheimer diskutiert: In einem anarchischen internationalen System können Atomwaffen aus strategischer Sicht ein rationales Mittel zur Abschreckung sein. Der zentrale Teil widmet sich dem US-Angriff auf iranische Atomanlagen. Die Podcaster analysieren die Berichterstattung, die menschliche Katastrophe für die Zivilbevölkerung und das diplomatische Theater. Der Vergeltungsschlag des Irans auf eine US-Basis wird als inszenierter, symbolischer Akt interpretiert, bei dem beide Seiten ihre Fähigkeiten demonstrieren, ohne eine totale Eskalation zu riskieren. 03:26:50 Erik Ahrens Wolfgang setzt sich kritisch mit einem vierstündigen Interview des rechten Strategen Erik Ahrens auseinander, das als "verbotenes Interview" vermarktet wurde und eine enorme Reichweite erzielte. Er analysiert, wie Ahrens durch anschlussfähige Themen wie Pornokonsum-Kritik eine Normalisierung rechtsextremer, völkischer und rassistischer Positionen betreibt. Ahrens nutzt selektiv wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Genforschung, um eine Erzählung von genetisch determinierten Rassen und Völkern zu konstruieren. Diese Ideologie wird als gefährliche Fanfiction entlarvt, die jegliche sozioökonomische und historische Kontexte für Ungleichheit ignoriert und in gefährliche politische Forderungen mündet. 04:59:14 Salon-Hinweise Zum Abschluss der Folge bekräftigen Wolfgang und Stefan die Themen des nächsten Salons und geben detaillierte Hinweise, wie Hörer den Podcast unterstützen können: durch ein Abonnement des Salons über die Webseite, Steady, Apple oder Patreon. Sie bitten um Bewertungen, Weiterempfehlungen und das Abonnieren ihres neuen YouTube-Kanals, um den Algorithmus zu unterstützen. Zudem wird auf die letzten verfügbaren Karten für den Live-Auftritt am 23. August in Frankfurt hingewiesen.
- Live in Frankfurt: Hoss & Hopf vs Rockefeller, Krah vs Kubitschek, Dopfner, Dobrindt21.06., 09:4321.06.2025, 09:4300:09:03
Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). KÄS-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier 00:00:00 Aus der Garderobe Vor dem Live-Auftritt kündigen Wolfgang und Stefan das nächste Buch an, das sie besprechen werden: "Letzte Chance" von Robin Alexander. Das Buch analysiert, welche Rolle die CDU spielen muss, um die AfD zu verhindern, und bietet somit einen wichtigen Perspektivwechsel. Anschließend geben sie einen Ausblick auf die Themen des Abends: ein strategisches Gespräch zwischen Maximilian Krah und den Kubitscheks, eine kritische Auseinandersetzung mit einem Auftritt von "Hoss & Hopf", die jüngste Präsidentschaftswahl in Polen und ein Persönlichkeitsinterview mit dem Medienmanager Matthias Döpfner. 00:06:39 Live-Salon Die Show beginnt mit einer humorvollen Anspielung auf einen gemeinsamen Opernbesuch. Das Zitat aus Wagners "Parsifal" – "Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug" – wird als mögliches Motto für den Podcast vorgeschlagen, da man sich hier oft intensiv mit kontroversen Persönlichkeiten auseinandersetzt, um sie zu analysieren. Die Themen des Abends werden erneut kurz vorgestellt: Krah, Kubitschek, Hoss & Hopf und Döpfner. 00:10:01 Hoss und Hopf feiern Rockefellers Weisheit Dieser Abschnitt beginnt mit einem Audio-Ausschnitt aus einer vierstündigen Live-Show von "Hoss & Hopf", in der banale Ratschläge wie die Vermeidung von Fluorid in Zahnpasta oder Schimmel im Schlafzimmer gegeben werden. Im Hauptteil wird eine Podcast-Folge der beiden analysiert, in der sie die Lebensweisheiten von John D. Rockefeller preisen. Dessen Lehren, wie "Dein Schicksal hängt von deinen Taten, nicht von deiner Herkunft ab", werden mit historischen Fakten aus einer Arte-Dokumentation konfrontiert. Diese zeigt, dass Rockefeller seinen Reichtum und seine Macht durch eine strategische Heirat und den Aufbau einer Dynastie sicherte – das genaue Gegenteil der propagierten Weisheit. Auch Rockefellers angebliche Philanthropie entpuppt sich als strategischer Schachzug zur Steuervermeidung. 00:42:46 Krah in Schnellroda Hier wird ein Streitgespräch zwischen AfD-Politiker Maximilian Krah und dem neurechten Verleger Götz Kubitschek beleuchtet. Kubitschek wirft Krah vor, nach den "Correctiv"-Recherchen eine zu liberale Haltung eingenommen zu haben, insbesondere beim Thema "Remigration". Im Zentrum der Debatte steht die Unterscheidung zwischen dem "Staatsvolk" (alle Bürger) und dem "ethnischen Volk". Krah argumentiert juristisch, dass alle Staatsbürger gleich seien, schlägt aber gleichzeitig eine Segregation vor, um eine "Durchmischung" zu verhindern und die deutsche ethnische Identität zu bewahren. Kubitschek fordert hingegen ein klares Bekenntnis zur "Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes". Krahs Haltung wird als Versuch einer "Melonisierung" der AfD interpretiert – eine Normalisierungsstrategie, um Koalitionsfähigkeit zu signalisieren und einem Parteiverbot zu entgehen. 01:28:06 Dobrindt vs. Polen Thema ist die knappe Präsidentschaftswahl in Polen und deren Verbindung zur deutschen Politik. Der Sieg des nationalistischen Kandidaten, der im Wahlkampf stark auf antideutsche Ressentiments setzte, wird auf die harte Migrationspolitik der neuen deutschen Regierung unter Kanzler Merz und Innenminister Dobrindt zurückgeführt. Obwohl ein deutsches Gericht die von Dobrindt angeordneten Zurückweisungen von Asylsuchenden für rechtswidrig erklärte, hält die Regierung an der Praxis fest und bezeichnet das Urteil als "Einzelfallentscheidung". Diese Politik heizt die antideutsche Stimmung in Polen weiter an und führt zu einer Blockadehaltung im polnischen Parlament, wo dem liberalen Regierungschef vorgeworfen wird, ein "Handlanger Deutschlands" zu sein. 01:52:13 Döpfner bei Matze Der letzte Abschnitt widmet sich einem Interview von Springer-CEO Matthias Döpfner im Podcast "Hotel Matze". Das Gespräch wird dafür kritisiert, dass es den "Menschen" Döpfner in den Vordergrund stellt und dessen Macht und Einfluss als Medienmanager ausblendet. Döpfners Selbstinszenierung als naturverbundener, widerspruchsliebender und fast anti-autoritärer Charakter wird als grotesk und realitätsfern dargestellt. Als Fehler in der Causa Reichelt nennt Döpfner sein eigenes "Vertrauen". Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass solche Interviews die wahren Machtverhältnisse verkennen und durch eine "Verkitschung" von den eigentlichen Problemen ablenken.
- Geoökonomie, Apple in China, Thomas Mann, Zeitgemäße Liebe, Synkretismus, Junge Ukrainer, Jazz Under the Surface05.06., 18:0505.06.2025, 18:0500:48:43
Wolfgang und Stefan treffen sich vorm Salon Geoökonomie – das klingt nicht nur aus Versehen etwas nach Geopolitik, nur mit anderen Mitteln. Der junge Professor für Politische Ökonomie, Milan Babić, hat schlicht nachgezeichnet, wie die großen Ideen der Globalisierung heute in einen kleinteiligen Apparat politischer Methoden zergliedert werden: Ausschlüsse vom gemeinsamen Zahlungssystem, Sanktionen, Investitionsentscheidungen. Politik wird heute mit Staatsfonds, Zentralbanken und mit Gerichtsentscheidungen gemacht. Die Hoffnung ist, irgendwie noch Herausforderungen zu meistern. Die Gefahr ist allerdings, das während der Globalisierung verloren gegangene (nationale) Wählerpublikum nun vollends aus dem Bild zu drängen. Letztlich befinden wir uns auf einem neuen Weg in dunkle Zeiten, gäbe es nicht wieder anschlussfähige politische Ideen, die wir alle teilen – die Bekämpfung des Klimawandels zum Beispiel oder die Bekämpfung der (diesmal westlichen) Armut. Wir besprechen es ausführlich. Dann führt uns Wolfgang in die neue Liebe in Familien und Stefan zu Apple in China. Weitere Literatur folgt und zum Schluss heute Jazz. KÄS-Termine 2025 Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. Literaturliste Erleben wir gerade die Rückkehr der Geopolitik? Nein, sagt der politische Ökonom Milan Babić. Sein Buch “Geoökonomie. Anatomie einer neuen Weltordnung” macht nicht nur einen anderen Begriff, sondern auch einen anderen Blick auf die Welt stark. suhrkamp.de In diesem Monat feiern wir den 150. Geburtstag von Thomas Mann. Dutzende Biographien gibt es schon über den vielleicht wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Tilmann Lahme hat eine weitere verfasst, die intime Einblicke gewährt und sich mit der konservativen Germanistik anlegt. dtv.de Das amerikanische Außenministerium hat ein Märchen über das westliche Erbe geschrieben, um Europa auf MAGA-Linie zu bringen. statedept.substack.com Hinein ins absurde, anstrengende, schöne Leben mit Kindern: Katharina Bendixen legt mit ihrem Band “Eine zeitgemäße Form der Liebe” beeindruckende Geschichten und experimentelle Kurzprosa rund um das Thema Mutterschaft vor. edition-nautilus.de Patrick McGee hat ein erschütternd aufklärerisches Buch über Apples Arbeit in China geschrieben. simonandschuster.com Andrea Jeska hat für “Die Zeit” mit jungen Ukrainern gesprochen, die keine Helden sein wollen und sich ein Ende des Krieges wünschen. Ein erschütterndes Dokument. zeit.de Axios hat sich erkundigt, wie es um den drohenden Abbau von Einstiegsarbeitsplätzen steht. Tenor: Blutbad. axios.com Was halten Rumänen von der EU? Florentin Cassonnet schreibt darüber in “Le Monde diplomatique”. monde-diplomatique.de Wo leben die glücklichsten Menschen und was macht sie glücklich? Nicht wir, nicht hier! Eric Galbraith klärt aufschlussreich auf. spektrum.de und pnas.org Filigraner, ungeheuer einfallsreicher Jazz: “Under The Surface” heißt das neue Album des Julia Hülsmann Quartetts, zu dem sich dieses Mal noch ein Ziegenhorn gesellt. ecmrecords.com Shownotes [00:00:00] Vor dem Salon Stefan und Wolfgang starten mit einem Blick auf aktuelle politische Ereignisse, darunter der Besuch des deutschen Kanzlers in Washington D.C. und die Debatte um Joe Bidens Gesundheitszustand, angestoßen durch ein Buch von Jake Tapper. Sie diskutieren George Clooneys Reaktion auf Bidens Zustand und die Rolle der Medien, insbesondere CNN. Es folgt eine breite Medienkritik, die sich mit der Oberflächlichkeit und dem Sensationalismus im Journalismus auseinandersetzt, am Beispiel von Spiegel Online und der allgemeinen Podcast-Produktion. Das Thema Vertrauensverlust in Medien und Politik wird anhand verschiedener Beispiele wie der Impfstoff-Kommunikation, Ursula von der Leyens SMS-Affäre und der Nord Stream 2-Sprengung vertieft. Stefan kritisiert die mangelnde Tiefe aktueller Berichterstattung und vergleicht sie mit der schnellen Informationsbeschaffung durch KI-Tools wie GPT. Die Diskussion weitet sich auf die Rolle von Journalisten im politischen System und die "Bankrotterklärung" bestimmten Journalismus aus, illustriert am Buch von Jake Tapper und der Kritik von Jon Stewart. Wolfgang und Stefan parodieren die Vorhersehbarkeit mancher Politik-Podcasts. Es wird die These aufgestellt, dass deutsche Politiker wie Friedrich Merz im Grunde "gebändigte Donald Trumps" seien, deren Egozentrik nur durch das deutsche System eingehegt werde. Ein zentraler Punkt ist die immense wirtschaftliche Macht von Konzernen wie Apple, dessen Wertsteigerung unter Tim Cook die Dimensionen traditioneller politischer Macht sprengt und die Notwendigkeit eines "Containments" roher Marktkräfte aufzeigt. Die Einführung des Buches "Apple in China" von Patrick McGee dient als Beispiel für diese gewaltigen ökonomischen Realitäten. Abschließend gibt es einen Ausblick auf die Themen im Salon-Teil, darunter Geoökonomie, eine Thomas-Mann-Biografie, zeitgemäße Liebe, Synkretismus, junge Ukrainer und Jazz. Stefan erwähnt zudem eine interessante Rückmeldung zum Thema "atheistisches Christentum" und die inklusive Sprache päpstlicher Enzykliken. Die Diskussion schließt mit Überlegungen zur Organisationsform und dem "Containment" durch Institutionen wie die katholische Kirche, auch ohne direkten Gottesbezug, und der Freude an gut funktionierenden Systemen und deren ästhetischer Inszenierung. Buch: Buch von Jake Tapper über Joe Biden Personen: Joe Biden, Jake Tapper, George Clooney, Jon Stewart, Elmar Thewissen, Friedrich Merz, Johannes Wadepuhl, Jens Hanefeld, Ursula von der Leyen, Rutger Bregman, Lars Klingbeil, J.D. Vance, Dario Amodei, Steve Bannon, Mark Zuckerberg, Jonas (Hörer), Thomas von Aquin, Tim Cook, Patrick McGee Medien/Artikel: CNN, Spiegel Online, GPT, Substack (State Department), Axios, Spektrum der Wissenschaft Konzepte: Geoökonomie, Synkretismus, Atheistisches Christentum, Tod-Gottes-Theologie, Containment Institutionen: Steady, Patreon, Apple Podcasts [00:48:04] Salon für Mai 2025 Der kostenpflichtige Teil des Podcasts, der "Salon", beginnt. [00:48:58] Milan Babić: Geoökonomie. Anatomie einer neuen Weltordnung Wolfgang und Stefan diskutieren ausführlich das Buch "Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung" von Milan Babić. Sie beleuchten die These des Buches, dass die neoliberale Globalisierung zwar beendet sei, die Globalisierung an sich aber in einer neuen Form – der Geoökonomie – fortbestehe. Dabei geht es nicht mehr nur um wirtschaftlichen Profit, sondern Staaten nutzen wirtschaftliche Verflechtungen und Abhängigkeiten gezielt für politische Zwecke (z.B. Sanktionen, Ausschluss aus SWIFT). Das Konzept des "Interregnums" wird vorgestellt – eine Übergangsphase ohne klare neue Hegemonie, in der China trotz seiner Wirtschaftsmacht (noch) nicht die kulturelle Softpower der USA erreicht hat. Die Rolle des Staates ist wieder präsenter, und es kommt zu einer "Weaponization" von Interdependenzen. Die Diskussion streift historische Periodisierungen der Globalisierung, die Bedeutung der WTO-Aufnahme Chinas 2001 und die Finanzkrise 2008 als Wendepunkte. Auch die Rolle von Persönlichkeiten wie Jake Sullivan und die Kritik am "Washington Consensus" fließen ein. Es wird thematisiert, wie Unternehmen wie Apple in China agieren und wie deren Strategien (z.B. Diversifizierung der Lieferketten) paradoxerweise zu einer weiteren globalen Verflechtung führen können. Der "falsche Populismus" wird als Reaktion auf die Verwerfungen der neoliberalen Ära und die aktuellen Unsicherheiten analysiert. Weitere Aspekte sind die Rolle von Staatsfonds, Zentralbanken, der Inflation Reduction Act und die Geopolitisierung der EU. Die Herausforderungen der Klimakrise und die Grenzen des Wachstumsmodells (Degrowth-Debatte) werden ebenso erörtert wie die Erosion des Vertrauens in demokratische Prozesse und die zunehmende Kluft zwischen politischen Eliten und der Bevölkerung. Die Gefahr eines Rechtsrucks und die Notwendigkeit einer "revolutionären Attitüde" für progressive politische Projekte werden debattiert, wobei die Frage aufkommt, ob Innen- oder Außenpolitik der Hebel für Veränderungen sein sollte. Buch: Milan Babić: "Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung" (Suhrkamp) Buch: Brad Smith: "Tools and Weapons" Buch: Aaron Benanuff (implizit erwähnt durch Thema Überkapazitäten) Personen: Milan Babić, Tony Blair, Bill Clinton, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Jake Sullivan, Francis Fukuyama, Quinn Slobodian, Ursula von der Leyen, Lindsey Graham, Adam Tooze, Anthony Scaramucci, Margaret Thatcher, Alex Karp, Donald Trump, Ulrike Herrmann, Albrecht von Lucke, Pistorius, Daniel Deutney, John Ikenberry, Stephen Gill, Isabella Weber, Martin Wolf, Thomas Friedman, Röttger Brechmann, Jordan Peterson, Kevin Kühnert, Sandra Maischberger, Heidi Reicheneck, Markus Lanz, Jan van Aken, Carlo Masala, Strack-Zimmermann, Paul Ronzheimer, Daniel Gerlach. Konzepte: Geoökonomie, Geopolitik, Neoliberalismus, Globalisierung, Interregnum, Softpower, Weaponization, SWIFT, Sanktionen, WTO, Washington Consensus, Degrowth, falscher Populismus, Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), Inflation Reduction Act (IRA), Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), Technonationalismus. [02:58:00] Geoökonomie in 1 Minute Wolfgang fasst die Kernthesen von Milan Babićs Buch "Geoökonomie" zusammen: Die neoliberale Globalisierung ist vorbei, aber die Globalisierung geht als Geoökonomie weiter, in der Staaten wirtschaftliche Verflechtungen für politische Ziele nutzen. Dies führt zu Verunsicherung und dem Aufstieg des "falschen Populismus". Stefan ergänzt, dass das Buch trotz der ernsten Lage Hoffnung mache und als inspirierende Analyse der Zeit von 1945 bis 2025 diene, die Auswege aus der drohenden Krise aufzeige. Buch: Milan Babić: "Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung" [03:00:15] Tilmann Lahme: Thomas Mann Wolfgang stellt Tilmann Lahmes Biografie "Thomas Mann, ein Leben" vor. Der Fokus des Buches liegt auf dem privaten Thomas Mann und wie seine unterdrückte Homosexualität und seine ungelebten Lieben sein Werk prägten. Die Bedeutung seiner Tagebücher, auch der zensierten und erst spät veröffentlichten Teile, wird hervorgehoben. Ein wichtiger Aspekt ist die Beziehung zu seinem Jugendfreund Otto Krauthoff und die bisherige Zurückhaltung der Thomas-Mann-Forschung bezüglich seiner Homosexualität. Das komplexe und oft unglückliche Familienleben der Manns (mit Katja, Klaus, Erika, Golo, Monika) und deren eigene Auseinandersetzungen mit Liebe und Sexualität werden detailliert geschildert. Beispiele wie Thomas Manns Essay über die Ehe, seine Verliebtheit in Klaus Häuser und die Verarbeitungen dieser Erlebnisse im Werk (z.B. im "Doktor Faustus" oder die Figur Peperkorn im "Zauberberg" nach Gerhard Hauptmann) illustrieren die enge Verschränkung von Leben und Literatur. Auch Susan Sontags frühe Begegnung mit Thomas Mann und ihre Texte darüber finden Erwähnung. Wolfgang lobt Lahmes eleganten Stil und die Tatsache, dass er Thomas Mann nicht imitiere, stellt aber auch die Frage, inwieweit dieser intime Blick das Verständnis des literarischen Werks an sich erweitert oder eher auf einen Spezialfall einengt. Buch: Tilmann Lahme: "Thomas Mann, ein Leben" Personen: Thomas Mann, Tilmann Lahme, Katja Mann, Klaus Mann, Erika Mann, Golo Mann, Monika Mann, Otto Krauthoff, Pamela Wedekind, Gustav Gründgens, Klaus Häuser, Gerhard Hauptmann, Susan Sontag. Werke von Thomas Mann: Die Buddenbrooks, Der Zauberberg, Doktor Faustus, Felix Krull, Tagebücher. [03:21:00] State Department: The Need for Civilizational Allies in Europe Stefan analysiert einen Artikel von Samuel Samson aus dem US State Department, veröffentlicht auf Substack, mit dem Titel "The Need for Civilizational Allies in Europe". Der Text konstruiert eine direkte genealogische Linie von Athen und Rom über das mittelalterliche Christentum und das englische Common Law bis zur amerikanischen Gründung und Europas Zukunft, um ein gemeinsames westliches Zivilisationserbe zu postulieren. Diese Traditionslinie wird als Argument für eine engere, wertebasierte Allianz genutzt, wobei Europa kritisiert wird, von diesen gemeinsamen Werten abzuweichen (digitale Zensur, Massenmigration, Einschränkung der Religionsfreiheit). J.D. Vances Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird zustimmend zitiert. Stefan kritisiert die selektive und historisch oft unhaltbare Nutzung von Konzepten wie dem Naturrecht. Er stellt verschiedene theoretische Begriffe vor, um dieses Phänomen der zweckdienlichen historischen Rekombination zu fassen: Synkretismus, genealogische Fabrikation, Bricolage, hegemoniale Appropriation, strukturelle Kopplung heterogener Semantiken und ideologische Sutur. Die Übersetzung des Textes durch DeepL und Claude wird ebenfalls kurz thematisiert, wobei Claude auf eine ideologische Glättung des aggressiven Originaltons durch die Übersetzung hinweist. Artikel: Samuel Samson: "The Need for Civilizational Allies in Europe" (State Department Substack) Personen: Samuel Samson, J.D. Vance, Francis Fukuyama, Aristoteles, Thomas von Aquin, Adam Smith-Connor, Livia Tosicci-Bold, Minister Rubio, Niklas Luhmann, Levi-Strauss, Gramsci, Žižek. Konzepte: Naturrecht, Synkretismus, Genealogische Fabrikation, Bricolage, Hegemoniale Appropriation, Ideologische Sutur, Historische Aneignung. Institutionen/Gesetze: EU Digital Services Act. [03:38:07] Katharina Bendixen: Eine zeitgemäße Form der Liebe Wolfgang bespricht Katharina Bendixens Buch "Eine zeitgemäße Form der Liebe. Parentale Prosa". Das Buch versammelt Kurzprosa, Geschichten, Träume, Fragebögen und sogar Chatverläufe, die sich experimentell und facettenreich mit Mutterschaft, Elternschaft und dem Leben mit Kindern auseinandersetzen. Ein Beispiel ist eine fiktive Abschlussprüfung mit Aufgaben zu Elterngeld oder der Armut von Alleinerziehenden. Besonders hebt Wolfgang die erzählerische Kraft der Geschichten hervor, wie die von Rosa Freitag, der eine Sonnenblume aus dem Ohr wächst, oder "Der Spalt", die das Unheimliche im Vertrauten der elterlichen Wohnung thematisiert. Die Geschichte "Soviel Glück" wird ausführlicher vorgestellt: Eine Mutter wird Zeugin eines Unfalls, während sie mit ihren eigenen alltäglichen Sorgen (Kind nicht einschlafen lassen, Pappröhren für den Kindergarten besorgen) und Müdigkeit kämpft. Die Erzählung fängt meisterhaft die Überlagerung von dramatischen Ereignissen und banalen Alltagsgedanken ein, inklusive einer Reflexion über den Bechtel-Test. Wolfgang lobt Bendixens Fähigkeit, das Alltägliche literarisch zu verdichten und dabei authentisch zu bleiben. Buch: Katharina Bendixen: "Eine zeitgemäße Form der Liebe. Parentale Prosa" (Edition Nautilus) Konzepte: Bechtel-Test (Alison Bechtel). [03:49:08] Patrick McGee: Apple in China Stefan stellt das Buch "Apple in China" von Patrick McGee vor und untermauert die Diskussion mit beeindruckenden Zahlen: 90% der Apple-Produkte werden heute in China hergestellt, mit enormen Produktions- und Verkaufssteigerungen über die Jahre. Apple erreichte unter Tim Cook eine Marktkapitalisierung von 3 Billionen Dollar, was einem durchschnittlichen täglichen Wertzuwachs von 700 Millionen Dollar über elf Jahre entspricht. Das Buch beleuchtet, wie Apple durch seine hohen Qualitätsansprüche und Investitionen die Fertigungsindustrie in Südostasien und später massiv in China prägte. Die Rolle von Foxconn und dessen Gründer Terry Gou wird als entscheidend dargestellt, der Apple billige Produktion ermöglichte und eine "klebrige Beziehung" schuf. Schon 2005 erkannte Steve Jobs, dass es für Apple keinen Weg zurück aus der China-Produktion gab. Apple wurde zum weltgrößten Hersteller ohne eigene Fabriken. Unter Xi Jinping änderte sich das politische Klima in China hin zu einer "Rule by Law"-Tradition, die westliche Unternehmen zu "freiwilligen" Anpassungen zwang. Eine interessante Strategie Apples war es, seine chinesischen Zulieferer zu ermutigen, auch den Android-Markt zu beliefern, um eine Überabhängigkeit von Apple zu vermeiden und gleichzeitig die Produktionskapazitäten auszulasten – damit "gebar" Apple quasi die chinesische Smartphone-Industrie. Das Buch argumentiert, dass Peking Apple erlaubte, seine Arbeiter auszubeuten, damit China im Gegenzug Apple für den eigenen technologischen Aufbau ausbeuten konnte. Eine Abkehr Apples von China hält Stefan für nahezu ausgeschlossen. Buch: Patrick McGee: "Apple in China" Personen: Patrick McGee, Steve Jobs, Steve Wozniak, Patty Jobs, Robert Brunner, James Fallows, Terry Gou, Tim Cook, Xi Jinping. Unternehmen: Apple, Foxconn (Hon Hai), Huawei. Konzepte: Geoökonomie, Rule by Law. [04:11:03] Andrea Jeska: ""Dann soll man uns fliehen lassen, dann ist die Ukraine eben verloren Wolfgang zitiert aus einem Artikel von Andrea Jeska in "Die Zeit", der junge Ukrainer zu Wort kommen lässt, die nicht mehr kämpfen wollen. Sie äußern sich desillusioniert über ihre Regierung, die EU und den Krieg. Viele sehen Gebietsverluste als kleineres Übel im Vergleich zu weiterem Sterben und werfen der eigenen Führung Machtgier und Täuschung vor. Die jungen Männer fühlen sich von der EU und westlichen Politikern benutzt und kritisieren, dass Konzepte wie Land, Stolz und Ehre missbraucht würden, um sie zu manipulieren. Einige sehen in Donald Trump eine Figur, die zumindest handelt, während sie die EU-Politiker als Versager betrachten. Die Angst vor dem Tod, die brutale Realität an der Front und die Sorge vor einer Zunahme von Gewalt und Nationalismus im eigenen Land nach dem Krieg prägen ihre Aussagen. Sie betonen, dass es die Ukrainer sind, die den Preis für die politischen Forderungen nach Durchhalten und Nicht-Aufgeben zahlen. Artikel: Andrea Jeska: ""Dann soll man uns fliehen lassen, dann ist die Ukraine eben verloren"" (Die Zeit) Personen: Andrea Jeska, Wolodymyr Selenskyj, Donald Trump, Wladimir Putin, Roderich Kiesewetter. [04:17:05] Axios: Behind the Curtain: A white-collar bloodbath Stefan diskutiert einen Axios-Artikel über die drohenden massiven Jobverluste im Bürobereich durch KI. Dario Amodei, Chef von Anthropic, warnt davor, dass 50% der Einstiegsjobs wegfallen könnten, die Politik diese Gefahr aber nicht erkenne oder ernst nehme. Steve Bannon prognostiziert, dass dies den US-Präsidentschaftswahlkampf 2028 prägen wird. Amodei betont die Notwendigkeit, den durch KI geschaffenen Wohlstand umzuverteilen, und schlägt eine "Tokensteuer" auf die Nutzung von KI-Modellen vor (z.B. 3% der Einnahmen an den Staat). Wolfgang äußert Skepsis gegenüber solchen Steuermodellen und vergleicht sie mit der Finanztransaktionssteuer, deren Ertragspotenzial oft überschätzt werde. Stefan argumentiert, dass trotz der aktuellen Vollbeschäftigung die Ersetzung von menschlicher Arbeit durch KI zu einem Wegfall von Lohn- und Steuerzahlungen führen werde, dessen Volumen man genau beobachten und politisch gegensteuern müsse, möglicherweise durch radikale Gewinnbesteuerung von Unternehmen, die von KI profitieren. Er verweist darauf, dass die großen KI-Anbieter bereits teure Premium-Modelle anbieten, die auf eine Professionalisierung und Monetarisierung der KI-Nutzung hindeuten. Artikel: Axios: "Behind the Curtain: A white-collar bloodbath" Personen: Dario Amodei (Anthropic), Steve Bannon, Mark Zuckerberg, Joe Rogan, Albert Wenger (implizit). Unternehmen/Technologien: Anthropic, OpenAI (GPT), Claude 4, Gemini, Microsoft, Walmart, CrowdStrike. Konzepte: KI-Jobverluste, Tokensteuer, Robotersteuer, Umverteilung, One-Man-Unicorn. [04:32:48] Florentin Cassonnet: Was Rumänen von Europa halten Wolfgang zitiert aus einem Artikel von Florentin Cassonnet in "Le Monde Diplomatique" über die EU-Skepsis in Rumänien. Ein Vertreter der rechtsextremen Partei AUR, Marius Tudori, äußert sich kritisch zur EU, sieht die nationale Souveränität bedroht und findet Vorbilder in Donald Trump und Viktor Orbán. Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Kosten verstärken diese Haltung. Trotz eines verdreifachten BIPs seit dem EU-Beitritt 2007 fühlen sich viele Rumänen als Verlierer der Globalisierung, was auch an der hohen Inflation und der massiven Auswanderung (6,5 Millionen Rumänen im Ausland) liegt. Das Land muss Arbeitskräfte aus Asien anwerben. Die Geschichte von Dina Bumbac, die in Italien unter prekären Bedingungen gearbeitet hat und nun eine minimale Rente erhält, illustriert die Enttäuschung. Der Artikel macht deutlich, dass die EU-Feindlichkeit auch durch das Versäumnis Rumäniens genährt wird, den erwirtschafteten Wohlstand gerechter umzuverteilen. Artikel: Florentin Cassonnet: "Was Rumänen von Europa halten" (Le Monde Diplomatique) Personen: Florentin Cassonnet, Marius Tudori, Donald Trump, Viktor Orbán, Nicolae Ceausescu, Marcel Ciolacu, Dina Bumbac. Parteien/Institutionen: AUR (Allianz für die Vereinigung der Rumänen). [04:37:49] Eric Galbraith: Arme Gesellschaften zählen zu den glücklichsten der Welt Stefan stellt eine Studie von Eric Galbraith (McGill University) vor, die in "Spektrum der Wissenschaft" besprochen wurde. Die Forschung, basierend auf Interviews mit fast 3000 Menschen in 19 indigenen Gemeinschaften, die von weniger als 1000 Dollar im Jahr leben, zeigt, dass diese Gruppen oft eine höhere Lebenszufriedenheit aufweisen (durchschnittlich über 8 von 10 Punkten) als Menschen in wohlhabenden Ländern. Dies widerspricht der Annahme, dass wirtschaftlicher Wohlstand direkt zu mehr Glück führt (Easterlin-Paradox). Die Studie fand eine nur geringe Korrelation zwischen Geld und Glück. Entscheidender für die Zufriedenheit in diesen Gemeinschaften scheinen soziale Beziehungen, Naturverbundenheit und Gleichheit zu sein. Stefan sieht darin eine Bestätigung für die Notwendigkeit, materielle Grundlagen und das Narrativ vom wachstumsbasierten Glück neu zu überdenken und erkennt Parallelen zu befreiungstheologischen Ansätzen und der Idee eines "gottlosen Katholizismus". Artikel/Studie: Eric Galbraith (McGill University), besprochen in Spektrum der Wissenschaft. Konzepte: Lebenszufriedenheit, Easterlin-Paradox, Cantril-Leiter, Geld-Glücks-Korrelation. [04:43:18] Julia Hülsmann Quartet: Under The Surface Zum Abschluss empfiehlt Wolfgang die neue CD "Under The Surface" des Julia Hülsmann Quartetts, erschienen bei ECM Records. Das Quartett, diesmal erweitert zum Quintett durch Hildegunn Øiseth an Trompete und dem seltenen Ziegenhorn, liefert vielschichtigen Jazz. Wolfgang hebt besonders den lyrischen und zugleich fragilen Klang des Ziegenhorns im Stück "Bubbles" hervor. Die Musik zeichnet sich durch komplexe Rhythmen, filigrane Passagen und eine Dynamik aus, die Aufmerksamkeit erfordert. Er lobt die handgemachte Qualität des Albums und die Art, wie es Stimmungen evoziert und mit der Form arbeitet, was es auch für Nicht-Jazz-Hörer zugänglich mache. Album: Julia Hülsmann Quartet: "Under The Surface" (ECM Records) Musiker: Julia Hülsmann, Hildegunn Øiseth. Instrument: Ziegenhorn. Titel: "Bubbles".
- Wehrpflicht im Feuilleton, US Geoökonomie, ESC, Ostmullen, katholische KI, totes Internet31.05., 06:0031.05.2025, 06:0004:25:06
Wolfgang und Stefan besprechen den Mai 2025 In Amerika ist vieles durcheinander, hört man aber den Chefberatern des Sicherheitsapparats damals nochmal zu, klingen sie wie die Sicherheitsarchitekten von heute. Wir hören Jake Sullivan unter Biden und ordnen die Sachlagen mithilfe einer aktuellen Rede von Adam Tooze ein. Es gibt doch große Linien über die Präsidenten hinweg, sogar heute. Dann stellen wir uns grundsätzliche Fragen: Ein neuer Papst, viele alte Ideen und KI, die nicht nur mit Menschen redet, sondern auch Selbstgespräche führt. Sollten wir die alten Lehren nochmal neu schätzen lernen, auch unter Atheisten? Einladend sind die ersten Äußerungen von Leo XIV. allemal. Gegen Ende befassen wir uns mit Ostmullen und dem Ende des Internets. Wenn ihr Hinweise auf hübsche Büroräume in Frankfurt habt: mail@stefanschulz.com, thx. 00:00:53 ESC ungesehen Thema: Eurovision Song Contest (ESC). Sänger J.J. (Johannes Pietsch) und dessen Gesangslehrerin Linda Watson (im Transkript als Linda Wurzen bezeichnet). Stimmlicher Vergleich: ESC-Darbietungen und klassische Musik, insbesondere Barockopern. Referenz: Paul Potts und dessen Bekanntheit durch Castingshows. 00:03:21 Wehrpflichtdebatte im Feuilleton Thema: Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland. Auslöser: Interview von Verteidigungsminister Boris Pistorius in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Diskutanten im Feuilleton: Nele Pollatschek und Myrna Funk. Kontroverse Punkte: Wehrpflicht für Frauen, Emanzipation, Rolle der Frau für den Staat (Reproduktion), Kollektivgedanke. Begriff: "Aufwuchsfähigkeit" im militärischen Kontext laut Carlo Masala. Perspektive: Friedrich Merz zur Beendigung von Kriegen durch militärische Erschöpfung. 00:32:32 Gaza Thema: Situation in Gaza und Äußerungen von Friedrich Merz auf der re:publica zum Vorgehen Israels. Medienberichterstattung: Tagesschau und Darstellung durch das Bundeskanzleramt auf Instagram. Podcast-Analyse: Paul Ronzheimer diskutiert mit Daniel Gerlach über den israelischen Diskurs und PR-Aspekte. Kritik an Berichterstattung: Robin Alexander lobt SPD und Grüne für zurückhaltende Israel-Kritik. 00:59:42 Salon-Anmerkungen Ankündigungen: Live-Podcast-Event am 23. August in Frankfurt. Weitere Termine von Wolfgang M. Schmitt: Zürich (6.6., Filmvorführung "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann"), Kilchberg (7.6., Thomas Mann Tag), Berlin (11.6., Gespräch mit Franz Friedrich über "Die Toten Seelen"). Stefan Schulz: Auftritt im WDR3 Forum zum Thema Spotify. Bürosuche in Frankfurt für Bürogemeinschaft 1789. Podcast-Unterstützung: Aufruf zur Mitgliedschaft im "Salon". Nächstes Buch im "Salon": "Geoökonomie, Anatomie der neuen Weltordnung" von Milan Babic. Abonnement-Möglichkeiten: neue20er.de, Steady, Apple Podcasts, Patreon. 01:05:35 Präsidentenberater erklären US Geoökonomie Thema: US-Geoökonomie und -Geopolitik. Analyse eines Vortrags von Joe Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan. Kritik an den Folgen der Globalisierung für die USA. Verkündigung eines "New Consensus", der den "Washington Consensus" ablöst. Fokus auf heimische Industriepolitik und "Außenpolitik für die Mittelklasse" als Anti-China-Strategie. Bedeutung kritischer Mineralien und das Risiko ihrer "Weaponization" durch China. Aufforderung an Partner, sich der US-Strategie anzuschließen. Lob für Ursula von der Leyens "De-Risking"-Ansatz. Vergleich mit der Politik Donald Trumps, insbesondere dessen Zollpolitik. Analyse von Adam Tooze: Chinas wirtschaftlicher Aufstieg als historischer Entwicklungserfolg und Destabilisierungsfaktor für die USA ("ontologische Sicherheit", "China Shock"). Nachhaltigkeitspolitik als geopolitisches Instrument und potenzielle Herausforderung für die US-Hegemonie. Das "China/Houthi-Problem": Entwicklung und kostengünstige Technologien (z.B. Drohnen) als Herausforderung für globale Machtstrukturen. Kritische Betrachtung des Pariser Klimaabkommens und der US-amerikanischen Haltung dazu. Feststellung, dass China bei der Reduktion von CO2-Emissionen und dem Ausbau erneuerbarer Energien führend ist. 02:12:20 Katholische KI Thema: Fehlende politische Fundamente und moralische Orientierung. Kritik an der Rhetorik Friedrich Merz'. David Brooks (im Gespräch mit Scott Galloway) über den Unterschied zwischen Konservatismus und "Anti-Links"-Haltungen sowie die Auswirkungen von Donald Trumps Präsidentschaft auf traditionelle Werte. Konzepte moralischer Verankerung: John Bowlby ("Secure Base") und Walter Lippmann (Gefahr privatisierter Moral). Vorschlag von Stefan Schulz: Rückbesinnung auf Ordensregeln (Benediktiner, Dominikaner, Franziskaner, Augustiner) als moralische Orientierungspunkte. Neuer Papst Leo XIV. (fiktive Figur im Podcast für das Jahr 2025): Positionierung zu Risiken durch Künstliche Intelligenz (KI) für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Arbeit. Bezugnahme auf Papst Leo XIII. und dessen Sozialenzyklika "Rerum Novarum" im Kontext industrieller Revolutionen. Verbindung zu Augustinus' Werk "Gottesstaat" ("City of God"). Paolo Benanti (Franziskanermönch und KI-Berater des Vatikans und der italienischen Regierung): Betrachtet KI als potenzielle neue "Götzen", die antike Orakel ersetzen könnten. Thomas Luckmanns Konzept der "unsichtbaren Religion" und dessen Anwendung durch Befreiungstheologen wie Gustavo Gutiérrez auf Kapitalismus und Nationalismus. KI-Entwicklungen: "Spirituelle" Selbstgespräche von Anthropics KI Claude 4 über Bewusstsein und Liebe. Mark Zuckerbergs Vision von KI als persönlichem Gesprächspartner (Meta AI). Scott Galloways Bedenken zu KI-Companions und deren Auswirkungen auf menschliche Beziehungen. 03:42:59 Ostmulle Thema: Das Internetphänomen "Ostmullen" – junge ostdeutsche Frauen, die sich online in einer rechten Ästhetik inszenieren. Diskussion und Analyse des Phänomens in rechten Kreisen: Martin Sellner: Sieht darin einen metapolitischen Erfolg. Ellen Kositza: Beschreibt die Frauen als oft perspektivlos und aus schwierigen Verhältnissen stammend, sieht sie aber auch als "Nemesis der BRD". Joachim Paul (AfD-Politiker): Beglückwünscht die Bewegung und hofft auf eine Ausweitung auf den Westen ("Westmullen"). Lukas Kubicki (YouTuber, im Transkript als Lukas Kurtial): Thematisiert eine vermeintliche Gottlosigkeit und die Verantwortung, diesen Frauen zu helfen, da sie "Nachwuchs gebären" werden. 04:12:39 Das Internet stirbt Thema: Die "Dead Internet Theory" und Veränderungen der Internetnutzung. Daten von SimilarWeb: Anstieg der Nutzung von ChatGPT, das Wikipedia in den Zugriffszahlen überholt hat. Rückläufiger Traffic bei etablierten Webseiten wie Google, YouTube, Facebook und Instagram. Verändertes Suchverhalten: Google beantwortet einen Großteil der Anfragen direkt, ohne auf Quellseiten zu verlinken. Verhältnis von KI-Crawlern zu menschlichen Besuchern (Beispiele: Google 15:1, OpenAI 250:1, Anthropic 6000:1). Implikationen: Schwindende ökonomische Anreize zur Erstellung neuer Inhalte für das offene Web. 04:20:39 Salon-Hinweise Abschließender Hinweis auf das nächste Buch im "Salon": "Geoökonomie, Anatomie der neuen Weltordnung" von Milan Babic. Weitere Lese- und Hörempfehlungen der Moderatoren: Stefan Schulz ("Apple in China"), Wolfgang M. Schmitt (Jazz-Musik). KÄS-Termine 2025 Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Alles hören Komm' in den Salon. 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- Nächste Salonlektüre: Geoökonomie22.05., 19:1622.05.2025, 19:1600:11:28
Im nächsten Salon lesen wir „Geoökonomie – Anatomie der neuen Weltordnung“ von Milan Babic, erschienen bei Suhrkamp. Das Buch könnte einen neuen Grundbegriff für die Analyse unserer Zeit vorschlagen: Geoökonomie statt Geopolitik. Die Welt der neoliberalen Globalisierung sei nicht länger die Wirklichkeit, in der wir leben – das Verhältnis von Markt, Staat und Macht müsse neu gedacht werden. Unternehmen würden laut Babic auch in Zeiten globaler Verwerfungen zentrale Akteure bleiben. Die Kluft zwischen medialer Dramatik und alltäglicher Normalität ließe sich so womöglich besser erklären. Ob das theoretische Versprechen des Buches eingelöst wird, werden wir im Gespräch klären. KÄS-Termine 2025 Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.
- Abundance, Welt nach Kapital, KI nach Marx, Fertilitätspolitik, Jo Ann Beards Cheri, konservative Orientierungslosigkeit09.05., 17:3409.05.2025, 17:3400:59:50
Wolfgang und Stefan besprechen die Lektüren des April 2025 Ezra Klein und Derek Thompson sind bekannt für kluge Gedanken die häufig gerade so den Korridor des Konventionellen verlassen. Diesmal schreiben sie aber über das Offensichtlichste - zu wenig Wohnung, zu wenig Infrastruktur, zu wenig Forschung. Man wartet auf den Markt und der liefert nicht. Man wartet auf den Staat und der fühlt sich nicht verantwortlich. Das Unkonventionelle ist diesmal die politische Gegnerschaft. Die Republikaner sind schon abgeschrieben. Aber die Demokraten, die könnten noch was erreichen, wenn sie sich von ihrem bisherigen Plan von Politik vollständig verabschieden und ins Zeitalter des konstruktiven Überflusses einstiegen. Das Buch ist auch für uns Deutsche hoch interessant. Wir lesen es dennoch kritisch. Dann stellt uns Wolfgang Literatur vor, die ihren Leser nicht vergisst. Stefan spricht über Trumps Fertilitätspolitik. Zum Abschluss gibt es eine Empfehlung für Nachtmusik. Hinweise Der kürzlich erwähnte vernünftige Fitness-Influencer ist: Colin! Folgt bei der Gelegenheit doch bitte auch uns. Ihr findet Wolfgang bei Instagram. Und Stefan braucht endlich 10.000 Follower… KÄS-Termine 2025 Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. Kontakt per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Alles hören Komm' in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. Literaturliste des April-Salons 00:00:00 Vor dem Salon 00:59:50 Salon für April 2025 01:00:46 Ezra Klein, Derek Thompson: Abundance. How We Build a Better Future. Fülle und Wohlstand wünschen sich Ezra Klein und Derek Thompson in ihrem Buch "Abundance. How We Build a Better Future". In liberalen Demokratien wird immer weniger gebaut, erfunden und verteilt. Warum ist das so? Das Buch richtet sich primär an und gegen Liberale und Linke. simonandschuster.com 03:10:43 Albert Wenger: Die Welt nach dem Kapital. Risikoinvestor Albert Wenger beschreibt in seinem Buch "Die Welt nach dem Kapital" eine eigenartige Vision von einer Zukunft, in der es außer bei der Aufmerksamkeit keine Knappheiten mehr gibt und ein BGE die Rettung sein soll. piper.de 03:34:27 Peter Schadt: Künstliche Intelligenz im Zeitalter ihrer ökonomischen Nutzbarkeit. "Künstliche Intelligenz im Zeitalter ihrer ökonomischen Nutzbarkeit" heißt ein hochinteressanter Essay von Peter Schadt, der als Maro-Heft erschienen ist und von Luise Schaller illustriert wurde. Die Dystopie, so die These des Autors, ist bereits da. maroverlag.de 03:45:49 NYT-Autoren zu Trumps widersprüchlicher Fertilitätspolitik. Donald Trump hat eine ausgefeilte Fertilitätspolitik. Aber seine bürokratiefeindliche Politik steht dieser entgegen. Die New York Times beobachtet es detailliert. nytimes.com Meinungsbeitrag der New York Times über Trumps Fertilitätspolitik und Sexismus. nytimes.com Artikel der New York Times über Trumps Fertilitätspolitik im Gesundheitsbereich. nytimes.com 03:56:57 Jo Ann Beard: Cheri. Die amerikanische Schriftstellerin Jo Ann Beard schlägt in ihrem Erzählungsband "Cheri" (übersetzt von Anke Caroline Burger) einen unvergleichlichen Ton an, der von Alltagsbetrachtungen ausgehend ins Abgründige schwingt und doch heiter bleiben möchte. harpercollins.de 04:06:15 Andreas Püttmann: Zwischen Christdemokratie und Rechtspopulismus. Andreas Püttmann hat in den "Blättern" das Christliche, Soziale und Konservative der CDU/CSU historisch erörtert. blaetter.de 04:15:23 Sebastian Friedrich: Droht die Establishmentisierung der Linken? Die Linke hat den zweiten Wahlgang ermöglicht, sodass Friedrich Merz nach wenigen Stunden doch noch zum Kanzler gewählt wurde. Eine Formalie? Nein, sagt Sebastian Friedrich in "Jacobin". jacobin.de 04:34:12 Norbert Walter-Borjans: „Zum fünften Mal mussten wir auf Verteilungsgerechtigkeit verzichten". Norbert Walter-Borjans kritisiert das SPD-Verhandlungsergebnis im Koalitionsvertrag. Wir vergleichen den Koalitionsvertrag und das SPD-Wahlprogramm. freitag.de 04:38:54 Katharina Pistor: Für Trump und Musk sind Universitäten Parasiten. Die Rechtswissenschaftlerin Katharina Pistor spricht in einem "Handelsblatt"-Interview über die Repressionen an US-Universitäten. handelsblatt.com 04:44:46 Alice Sara Ott spielt Nachtmusik von John Field. John Field ist der Erfinder des Nocturnes, aber der Komponist ist bis heute völlig unbekannt. Pianistin Alice Sara Ott legt nun eine wundervolle Einspielung seiner Nachtstücke vor. deutschegrammophon.com
- Wolfram Weimer, Trumps Niedergang, Papst-Prozession, EU-Außenpolitik, neue Zeitrechnung und Sportideologie30.04., 21:0230.04.2025, 21:0205:04:18
Wolfgang und Stefan besprechen den April 2025 Welche Qualifikation braucht ein Kulturstaatsminister? Pah, das ist ja nicht mal ein richtiger Minister. Also eigentlich keine. Vielleicht wäre etwas mit Medien schön in der Biographie. Will uns die neue Bundesregierung ärgern? Ist Kultur von dort aus gesehen wirklich nur noch ein linksgrünversifftes Projekt, das ein paar hinter die Löffel bekommen soll? Oder ist die Ernennung von Wolfram Weimer einfach Sinnbild für die neue Herangehensweise, für die Modernisierung des Staates auf Verkaufsflächendesigner zu setzen, als Wirtschaftsministerin eine Unternehmensmanagerin zu wählen und überall Juristen zu platzieren, außer im Innenministerium? Wir gehen dem Denken von Wolfram Weimer heute im Detail nach, Wolfgang hat sein Buch gelesen. Danach begutachten wir die Signatur-Politik von Donald Trump. Einfach "Zölle" zu sagen, greift viel zu kurz. Hier klammern Leute am Staat, die ihn zerstören, was sie sich nicht eingestehen können, weil dann die anderen gewonnen hätten. Im Wirtschaftskrieg Amerika gegen China sind es nun die Amerikaner, die den Gesichtsverlust fürchten. Anschließend sehen wir einsame Sportler im Wald, die mal keinen Blödsinn erzählen. KÄS-Termine 2025: Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier 00:00:57 Wolfgangs Smartphone Wolfgang erzählt, wie er durch den Kauf eines neuen Autos dazu gezwungen wurde, sich ein Smartphone anzuschaffen. Sein altes Nokia reichte nicht mehr aus, um die modernen Funktionen des Autos zu nutzen. Er beschreibt den Kauf eines iPhones als Verlust seiner Autonomie und Freiheit, da er sich nun der Technologie unterwerfen muss. Stefan versucht, ihm die praktischen Seiten des Smartphones näherzubringen, wie die Navigationsfunktion, die nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit navigiert, indem sie die Ankunftszeit vorhersagt. Wolfgang will das Smartphone jedoch nur für das Nötigste nutzen und nicht für soziale Medien oder ständige Erreichbarkeit. 00:09:06 Strafen für Apple und Meta Passend zu Wolfgangs neuem iPhone wird über eine EU-Strafe gegen Apple berichtet. Die EU-Kommission wirft Apple vor, im App Store andere Anbieter benachteiligt zu haben, indem es Hinweise auf günstigere Angebote außerhalb des Stores verhinderte. Apple soll 500 Millionen Euro Strafe zahlen. Stefan hält die Strafe für längst überfällig, aber angesichts des Lock-in-Effekts, den Apple über Jahre ausgenutzt hat, für zu gering. Wolfgang rechnet vor, dass die Strafe nur einen Bruchteil (0,15%) des möglichen Strafmaßes von bis zu 10% des globalen Jahresumsatzes ausmacht. Auch Meta (Facebook, Instagram) erhielt eine Strafe von 200 Millionen Euro wegen der Praxis, Nutzer vor die Wahl zwischen personalisierter Werbung oder einem Bezahl-Abo zu stellen. Beide Strafen werden als symbolisch und wenig abschreckend kritisiert. Es wird diskutiert, dass die EU sich zwar nicht scheut, US-Tech-Konzerne zu bestrafen, aber die Abhängigkeit von deren digitaler Infrastruktur (Google Suche, Cloud-Dienste etc.) eine härtere Gangart verhindert. Matt Binder von Mashable erklärt, warum Meta die Strafe als "Tariff" (Zoll) bezeichnet, um negative Assoziationen in den USA zu wecken. 00:22:19 Papst beerdigt Stefan berichtet von seinem Wien-Besuch und der dortigen Schatzkammer, wo die Verschmelzung von staatlicher und sakraler Macht sichtbar wird. Im Kontrast dazu steht die als eher schlicht empfundene Beerdigungszeremonie für Papst Franziskus im Petersdom. Ein besonderer Moment war jedoch der Trauerzug mit dem Leichnam des Papstes durch das historische Zentrum Roms zur Basilika Santa Maria Maggiore, wo er beigesetzt wurde. Dieser Akt wurde selbst von nicht-religiösen Menschen als Gänsehautmoment empfunden und als letzter weltlicher Einschlag des Papstes gewertet. Wolfgang erinnert an die Tradition in Wien, verstorbene Burgschauspieler im Sarg um das Burgtheater zu tragen. Es wird auch die politische Dimension des Papsttums angesprochen, etwa die Rolle von Johannes Paul II. im Kalten Krieg oder Franziskus' Appelle gegen Aufrüstung. 00:28:15 Was denkt Wolfram Weimer Wolfram Weimer, ehemaliger Chefredakteur der Welt und Verleger (u.a. Cicero), wurde zum neuen Kulturstaatsminister ernannt. Die Entscheidung von Friedrich Merz löste viel Kritik aus, auch aus konservativen Kreisen. Jürgen Kaube (FAZ) bezweifelt Weimers Interesse an Kunst oder Geist. Die enge Verbindung zwischen Merz und Weimer (Golfpartner, Ludwig-Erhard-Gipfel, gegenseitige Lobpreisungen) wird beleuchtet. Wolfgang hat Weimers "Konservatives Manifest" gelesen, um dessen Denken zu verstehen. In einem Lanz-Auftritt von 2018 erklärt Weimer, Konservatismus sei wieder modern und bedeute nicht das Hängen am Gestern, sondern das Leben aus Werten, die immer gelten (Treue, Anständigkeit, Ehrlichkeit). Wolfgang kritisiert die Beliebigkeit dieser Definition. Stefan sieht Weimer als Gallionsfigur eines verlotternden Untergangs, der Chaos als Normalität verkauft. Weimers Buch wird analysiert: Er beklagt den Niedergang linker Weltanschauungen, interpretiert Böckenförde und Max Weber eigenwillig, fordert eine minimale Gesellschaft, kritisiert die "Bemutterung" durch den Staat (z.B. Verkehrsüberwachung) und sieht die Steuererklärung als "Marsch ins Freiheitsdefizit". Diese libertären Züge werden kritisiert. Weimer beklagt eine "Kleinkariertheit" durch Compliance-Regeln, die Geschenke und Geschäftsessen erschweren. Wolfgang hält das für Jammern auf hohem Niveau. Weimer stellt das Individuum über die Gesellschaft, fordert aber gleichzeitig Patriotismus und unterscheidet zwischen staatsbürgerlichem und natürlichem (Abstammungs-) Vaterland. Diese Widersprüche und die Nähe zum Ethnopluralismus werden diskutiert. Weimer bezieht sich positiv auf Oswald Spengler und beklagt die "biologische Selbstaufgabe" Europas durch niedrige Geburtenraten, spricht vom "eigenen Blut". Er kritisiert die Fokussierung auf die "dunkle Seite" des Kolonialismus in Lehrplänen. Die "Tugendrepublik" der "Gutmenschen" mit ihren Verboten (Fleisch, Kaminfeuer) und Quoten wird angeprangert. Am Ende plädiert er für eine Rechristianisierung Europas durch die Kultur. Abschließend äußern sich Michael Bröker und Micky Beisenherz zur Personalie. 02:20:54 Salon-Anmerkungen Es wird auf den kostenpflichtigen "Salon"-Teil des Podcasts hingewiesen, der die Sendung finanziert. Hörer werden gebeten, den Podcast zu teilen und zu bewerten, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Im nächsten Salon werden die Bücher "Abundance: How We Build a Better Future" von Esra Klein & Derek Thompson und "Die Welt nach dem Kapital" von Albert Wenger besprochen. Es wird erklärt, wie man den Salon über Steady, Patreon oder Apple Podcasts abonnieren kann. Man kann den Salon auch verschenken. Wolfgang kündigt Live-Termine in Zürich und Stuttgart an. Stefan erwähnt einen Termin in Mainz. Leseempfehlungen für den nächsten Salon werden gegeben. 02:26:38 Trumps Fanboys reden über Trumps Zölle Das Hauptthema ist Donald Trumps Zollpolitik. Es wird betont, dass dies seine "Signature Policy" ist, über die er seit Jahrzehnten spricht. Die aktuelle Situation mit Handelskriegen und Marktverwerfungen wird als direkte Folge dieser Politik gesehen. David McWilliams beschreibt Trumps Zoll-Formel als amateurhaft und inkompetent, basierend auf einer Formel, die ökonomisch keinen Sinn ergibt. Wolfgang erläutert den Unterschied zwischen früherer politischer Inkompetenz, die von Institutionen abgefangen wurde, und der heutigen Situation, in der Inkompetenz direkt an den Schalthebeln sitzt und zu chaotischer Politik führt. Stefan ergänzt, dass die Politik normalerweise durch die Verwaltung abgeschottet ist, dieser Mechanismus aber unter Trump zusammenbricht. Trumps Fokus auf Zölle ignoriert die Stärke Amerikas im Bereich digitaler Dienstleistungen und das Dollar-Privileg. Die Reaktion der Kapitalmärkte (steigende Zinsen für US-Staatsanleihen) wird als einziger wirksamer "Check" gegen Trumps Politik diskutiert, da sie die Staatsverschuldung und Kredite verteuert. Trump-Anhänger im "All In"-Podcast versuchen, die Politik zu rechtfertigen, räumen aber ein, dass das versprochene Wirtschaftswachstum ausbleibt. Hoss und Hopf sehen Trumps Handeln als Beschleunigung einer unvermeidbaren Rezession, damit er am Ende seiner Amtszeit als Gewinner dasteht – eine Logik, die als absurd kritisiert wird. Die Notwendigkeit, die heimische Landwirtschaft (Sojabauern) mit Milliardensummen zu subventionieren, um Wählerstimmen zu sichern, wird erwähnt. China reagiert mit der Drohung, westliche IP-Rechte zu ignorieren und Produkte selbst billiger anzubieten. Der Personalmangel in wichtigen Sektoren (Energieversorgung, U-Boot-Bau) in den USA wird thematisiert. Ben Shapiro plädiert für "Rugged Individualism" und lehnt staatliche Eingriffe ab, obwohl der Staat gleichzeitig Grenzen schützen soll. 04:10:24 Krieg: Gaza, Ukraine Die Berichterstattung über den Gaza-Krieg wird kritisiert. Es sei schwierig, seriöse Bilder und Informationen zu erhalten, ohne auf antisemitische Kanäle zu stoßen, die das Leid in Gaza zwar zeigen, aber gleichzeitig Hetze verbreiten. Seriöse Medien würden sich scheuen, die dramatische Lage abzubilden, was wiederum Antisemiten Vorschub leiste. Die Tagesthemen berichten über einen israelischen Angriff auf ein Krankenhaus, bei dem eine Hamas-Kommandozentrale getroffen worden sei, wobei jedoch medizinisches Gerät zerstört wurde. Diese Darstellung wird mit der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg verglichen, wo eine solche Übernahme der russischen Darstellung undenkbar wäre. Ein Bericht über die Tötung von palästinensischen Sanitätern durch die israelische Armee, deren Leichen verscharrt wurden, wird erwähnt. Israel weist die Vorwürfe zurück und behauptet ohne Belege, es seien Hamas-Mitglieder gewesen. Ein israelischer Reserve-Offizier äußert sich besorgt über den zunehmenden Einfluss rechtsextremer Minister auf die Armee. Es wird die Entkopplung von Soldaten vom zivilen Leben und der Politik im Krieg thematisiert, illustriert durch Aussagen eines ukrainischen Soldaten, der nur noch seinen Frontabschnitt und seine Leute sieht. Die psychischen Folgen und die Verrohung durch den Krieg werden angesprochen. 04:28:46 EU und Aserbaidschan Die EU-Außenbeauftragte Kaya Kallas besucht Aserbaidschan. Stefan merkt an, dass Kallas im Westen kaum bekannt ist, in Russland aber neben Trump als Hauptgegnerin wahrgenommen wird. Kallas bezeichnet China als Schlüssel für den russischen Krieg, da es Russland wirtschaftlich und mit Dual-Use-Gütern unterstütze. Ihr Besuch in Baku wird kritisiert, da Aserbaidschan unter Präsident Aliyev einen Angriffskrieg gegen Armenier in Bergkarabach geführt hat, die Zivilgesellschaft unterdrückt und politische Gefangene hält. Dustin Hoffmann wirft der EU-Kommission vor, Werte zu ignorieren und sich brutalen Diktatoren anzubieten. Kallas lobt Aserbaidschan hingegen als wichtigen und verlässlichen Energiepartner, der der EU geholfen habe, sich von russischer Energie zu lösen. Es wird enthüllt, dass Aserbaidschan russisches Gas an die EU weiterleitet und somit von den Sanktionen profitiert. Kallas spricht dennoch von gemeinsamen Werten wie Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit und begrüßt eine Einigung im Friedensprozess mit Armenien. Der aserbaidschanische Außenminister Bayramov betont die guten Beziehungen zur Türkei und kritisiert die Biden-Administration als zu pro-armenisch. Er zeigt sich hoffnungsvoll bezüglich der neuen Trump-Administration. Aserbaidschan pflegt trotz seiner muslimischen Prägung enge Beziehungen zu Israel, bezieht Waffen und liefert Erdöl. Das Verhältnis zu Russland wird als "normal" beschrieben, wobei man die territoriale Integrität der Ukraine respektiere. Aserbaidschan wird als Beispiel für neue globale Akteure gesehen, die pragmatisch mit allen Seiten kooperieren und Einmischung ablehnen. 04:48:15 Neue Zeitrechnung Der Erfolgscoach Ed Mylett präsentiert ein Konzept zur Zeitmanipulation: Er teilt seinen Tag in drei 6-Stunden-Abschnitte (6-12 Uhr, 12-18 Uhr, 18-24 Uhr) und gewinnt so angeblich 21 Tage pro Woche. Wolfgang entlarvt dies als simple Einführung von Doppelschichten. Stefan meint, dass KI solche individuellen Zeitrechnungen problemlos in Standardzeit übersetzen könnte. 04:51:08 Neue Sportideologie Es wird eine aufkeimende Gegenbewegung zur rechten Vereinnahmung von Fitness und Männlichkeit beobachtet. Als Beispiel dient ein Fitness-Influencer, der in einem Video klarstellt, dass das Heben von Gewichten einen nicht zum "Warrior" oder Beschützer macht. Er kritisiert "Douchbags wie Andrew Tate", die Männern einreden, Frauen und Immigranten seien ihre Probleme. Er analysiert, wie rechte Ideologien über harmlos erscheinende Aktivitäten wie Fitness normalisiert und Fitness selbst radikalisiert wird. Der wahre Feind seien nicht andere Gruppen, sondern die Superreichen und CEOs, die von der Ungleichheit profitieren ("The enemy is up"). Er ruft Männer dazu auf, sich als Arbeiterklasse zu erkennen und sich nicht länger von den Eliten spalten zu lassen, um echten Wandel zu ermöglichen. Wolfgang hofft, dass solche Stimmen lauter werden. Stefan erwartet einen großen Backlash gegen die aktuelle politische Situation, die von Partikularinteressen und offensichtlicher Dummheit geprägt sei. Die Rolle von superreichen Geldgebern und Netzwerken innerhalb der CDU wird angesprochen. Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.
- Die 2 Bücher des nächsten Salons21.04., 19:0621.04.2025, 19:0600:16:51
Wolfgang und Stefan sagen, was sie im nächsten Salon besprechen Im nächsten Salon lesen wir zwei Bücher, die sich mit der Frage beschäftigen, wie eine Zukunft jenseits von Mangel, Knappheit und dem Primat des Kapitals aussehen könnte: Ezra Klein & Derek Thompson Abundance: The Inner History of the Future New York: Avid Reader Press, 2025. Albert Wenger Die Welt nach dem Kapital München: Vahlen, 2023. (Originaltitel: World After Capital, frei verfügbar unter worldaftercapital.org) Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.
- Trumps Panik, Wirtschaftskrieg, Aufrüstungsdebatte, SALON-Teaser12.04., 06:0012.04.2025, 06:0000:40:59
Wolfgang und Stefan treffen sich vorm Salon Am meisten überrascht von Spotifys Erfolg ist offenbar die Gründerriege von Spotify selbst. Junge Menschen, die technikaffin sehr reich wurden, davon träumen, den Tod auszutricksen und zum Teil seit Jahren keine Arbeit mehr in die Plattform stecken, sondern nur noch von ihrer Rendite leben - haben es mit einer Kundschaft zu tun, die einfach von Moment zu Moment einen guten Soundtrack sucht. Sie starteten als Werbeplattform, verstanden sich als Musiksuchmaschine, überzeugten mit einem Instant-Play-Button und stellten dann fest, dass das jahrzehntelang bewährte Konzept der Kuration auch für ihre Plattform taugt. Also überschreiben sie jetzt Suchanfragen und kümmern sich um "perfect fit content". Der für alles zentrale Grundbegriff lautet: Flattening. Wir reden ausführlich darüber. Dann besprechen wir Romane und weitere Literatur zum Atomkrieg, Trumps Zollplan und seine Panikattacke, Nachkriegssoziologie, Smart-Homes und GPT als Fernsehzuschauer. Außerdem heute die Legitimation: Ihr dürft eure Podcasts schneller hören! Termine KÄS-Termine 2025: Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Literatur Spotify hat unser Hören verändert, macht den Musiker zum Content-Creator und verändert die Emotionen und Stimmungen der Gesellschaft. In ihrem Buch "Mood Machine. The Rise of Spotify and the Cost of the Perfect Playlist" untersucht Liz Pelly detailliert, wie KIs und Algorithmen immer mehr die Musikproduktion dominieren. simonandschuster.com Christian Kracht legt mit "Air" einen rätselhaften Roman vor: Moderne und archaische Welten überlagern sich, die Schrift gerät abhanden, der Minimalismus ist plötzlich nicht nur eine Mode. kiwi-verlag.de Donald Trump fantasiert seit Jahrzehnten über Zölle. Jetzt wurde es ernst und er bekam eine Panikattacke. Wir lesen von seinen Beratern und ein Lagebild von Yannis Varoufakis. stefanschulz.notion.site "Abenteuer der Moderne. Die großen Jahre der Soziologie. 1949 - 1969" heißt das neue Buch von Thomas Wagner, in dem er keine trockene Einführung in die Soziologie der frühen Bundesrepublik bietet, sondern anhand der schwierigen bis freundschaftlichen Beziehung zwischen dem rechten Arnold Gehlen und dem linken Theodor W. Adorno zeigt, wie ein Fach seine Renaissance erlebt und die Kunst Gegenpole verbindet. klett-cotta.de Human Nagafi hat Fernsehen geschaut und sich die Argumente einer "Hart aber fair"-Sendung von GPT kartographieren lassen. linkedin.com Brauchen wir dringend mehr atomare Aufrüstung? Spielt Putin nur mit unserer Angst? Wie hilfreich ist die Spieltheorie? Diese und weitere Fragen beantwortet der analytische Philosoph Olaf Müller in seinem lesenswerten Buch "Atomkrieg. Eine Warnung". reclam.de Lena Bültena sagt, ihr dürft eure Podcasts schneller hören. Im Zweifel macht es euch noch klüger. zeit.de Das Smart-Home ist inzwischen in jeder Neubausiedlung angekommen, die Superreichen aber rücken plötzlich von der Technologie ab, erläutert Alexandra Abramian. hollywoodreporter.com Werden wir von einer Minderheit regiert? Ja, sagt Ash Sarkar und klärt über eine Paradoxie auf. Wir warten mit ihr auf die angekündigte Revolution. bloomsbury.com Die aus Kairo stammende Sopranistin Fatma Said verliebte sich schon als Kind in das deutsche Kunstlied. Auf ihrem neuen sensationellen Album "Lieder" präsentiert sie Werke von Schubert, Mendelssohn, Brahms und Schumann. warnerclassics.com Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.
- Green Deal?, Wortbruch, neue Rüstungsindustrie, DOGE, handlungsfähiger Staat, rechtes und linkes Denken, echter Krieg29.03., 06:0029.03.2025, 06:0005:10:42
Stefan und Wolfgang besprechen den März 2025 Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens findet sich für einige gerade die Antwort: Sinnvoll wäre doch eine sinnvolle Verwendung. Von wegen Bürokratieabbau und Kürzungsideologie – die Rüstungsindustrie läuft heiß. Gebraucht werden Munition, Gerät zum Schießen, Soldaten und die neue, alles überspannende Idee von „Muss ja!“. Interessanterweise fährt man zweigleisig: Die große Aufrüstung wird begleitet von Doge, der amerikanischen Staats-Version von „Effizienz“, die im Grunde als Aus-dem-Weg-Räumen praktiziert wird. Und auch in Deutschland kursieren neue Ideen, die von ehemaligen Bundesministern und Verfassungsgerichtspräsidenten überall vorgetragen werden. Die Initiative für einen handlungsfähigen Staat hat sich auch bei Elon Musk Inspiration geholt. Wir gehen es heute Schritt für Schritt durch. Zumindest in einem Punkt versucht es Stefan optimistisch: Könnte doch sein, dass sich die neueste Verfassungsänderung als ein Green Deal entpuppt. KÄS-Termine 2025: Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.
- Live in Frankfurt: Vorab aus der Garderobe16.03., 09:4916.03.2025, 09:4900:05:18
Stefan und Wolfgang sind in der Garderobe und geben die nächste Salon-Lektüre bekannt Wir treffen euch in Frankfurt, um Podcasts zu hören. Zuerst geht es um den neuen Luxus. Dinner auf einer entlegenen Eisscholle – das ist ganz normal. Die Superreichen wollen doch auch nur ihr gewöhnliches Leben führen, mit jedem Tag etwas mehr Action. Gleichzeitig erzählen uns die Handlanger der Reichsten, dass ein Leben in der Stadt schon Luxus für alle bedeutet. Mehr ist nicht drin, damit für die Superreichen das superreiche Extra bleibt. Ebenso verwundert hören wir uns durch die deutsche politische Podcast-Bubble. Und dann begeben wir uns noch in den echten Karneval und hören uns die weisen Worte von der Bühne der Mainzer Sitzung an. Wer also noch nie einen Witz über Habeck und Heizungen gehört hat, ist dort – und damit auch bei uns – ganz richtig. Helau! Nächste Salon-Lektüre: MOOD MACHINE: The Rise of Spotify and the Costs of the Perfect Playlist von Liz Pelly KÄS-Termine 2025: Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl, auch bei Apple Podcasts und Spotify). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein.