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79- Urlaub - Reisen ohne Barrieren23.07., 12:0023.07.2021, 12:0000:49:32
Sand im Rollstuhl, Rollstuhl auf dem Taxidach, Erlebniswürdigkeiten statt Sehenswürdigkeiten für Blinde, Aufzüge oder Rampen im Colosseum und in Schlössern - Alles rund um Urlaub machen mit Behinderung und Reisen ohne Barrieren. Wir sind dann mal im Urlaub - aber nur rein thematisch. In unserem Bayern 2-Podcast beleuchten wir, ob und wie Menschen mit Behinderung Urlaub machen. Außerdem klären wir, ob ein Sandstrand der natürliche Feind für Rollstuhlfahrer*innen ist. In unserem Podcast haben wir mit einer echten Reiseexpertin gesprochen: unserer Kollegin Adina Hermann. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie den Reiseblog mobilista.eu und informiert dort und auf Ihrem Instagram-Kanal über Reisen mit Rollstuhl. Weitere Reiseblogs: Wheelie Wanderlust barrierefrei.reisen.info Reisen mit Behinderung Blog Eine Übersicht von 23 weiteren Reiseblogger*innen mit Behinderung Weitere Links: Woman Whose Wheelchair Delta Broke Reveals Hellish Truth About Flying While Disabled, Huffpost Airbnb Experiences: Affordable Wheelchair Accessible Tours, Activities & Photo Shoots, wheelchairtravel.org Tourismusbranche in Bewegung: Reisen ohne Barrieren, Rehacare.de
- Nachteilsausgleiche - Gleichen die Diskriminierung nicht aus25.06., 10:0525.06.2021, 10:0500:46:15
Nachteilsausgleiche gleichen nur einen Bruchteil der Nachteile von Menschen mit Behinderung aus. Der kostenlose ÖPNV ist ja trotzdem oft nicht rollstuhlgerecht. Sie zaubern aus einer Welt voller Barrieren eben keine barrierefreie. Der Schwerbehindertenausweis – unser ständiger Begleiter. Durch ihn sind wir im ‘Club der Behinderten’ aufgenommen worden, durch ihn werden wir daran erinnert, dass mit uns wohl etwas “nicht stimmt”, durch ihn können wir sogenannte Nachteilsausgleiche wahrnehmen. Ein Nachteilsausgleich ist zum Beispiel das Merkzeichen “B” im Ausweis, das uns dazu berechtigt, eine Begleitperson im öffentlichen Personennahverkehr oder ins Kino mitzunehmen. In der Folge stellen wir allerdings fest, dass das Wort “Nachteilsausgleich” eigentlich zu viel verspricht. Wir stoßen trotz des Nachteilsausgleiches auf Barrieren. Nachteilsausgleiche zaubern aus einer Welt voller Barrieren keine barrierefreie. Auch das Recht auf Nachteilsausgleiche geltend zu machen kostet Kraft, Zeit und Geld und es gibt keine Garantie auf Anerkennung. Der “Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ Das Wort Schwerbehindertenausweis erinnert uns an den Schwertransport, es ist ein Wort, was schwer wiegt und uns markiert. Aus ähnlichem Grund hat die Schülerin Hannah Kiesbye die Idee des „Schwer-in-Ordnung-Ausweises“ gehabt. Allerdings ist die Aktion mit einer guten Intention zu einem PR-Gag der Behörden verkommen. Warum wir beim Wort (Schwer-) Behinderung bleiben sollten, hat Jonas in einem Kommentar aufgeschrieben: https://dieneuenorm.de/gesellschaft/schwer-in-ordnung-schwerbehinderung/ Für alle, die wissen wollen, ob Raul nun für seine Wertmarke zu viel bezahlt oder nicht, empfehlen wir die Seite der Berliner Verwaltung. Die Merkzeichen in Schwerbehindertenausweisen: aG – außergewöhnliche Gehbehinderung G – Gehbehinderung H – Hilfslosigkeit Bl – Blindheit Gl – Gehörlosigkeit RF – Rundfunkbeitragsbefreiung oder -ermäßigung TBl – Taubblindheit B – Begleitperson 1. Kl – 1. Klasse EB – Entschädigungsberechtigt Kriegsbeschädigt VB — Versorgungsberechtigt HS — Hochgradig Sehbehindert (Mecklenburg-Vorpommern) T — Teilnahmeberechtigung am Sonderfahrdienst (Berlin) Im Podcast erwähnte Links: 1. Die Kosten einer Behinderung von Prasanna Venkatesh 2. Die Grade der Behinderung aufgedröselt von Jules Blog 3. Überblick über die Nachteilsausgleiche vom Sozialverband Deutschland 4. Ellen Samuels über Criptime 5. Imani Barbarin über ein demütigendes Bewerbungsgespräch
- Behindertenwohnheime - Realität und Alternativen28.05., 12:0028.05.2021, 12:0000:43:18
Vier Bewohner*innen wurden in einem Pflegeheim in Potsdam getötet. Wie haben die Medien darüber berichtet? Welche grundsätzlichen Probleme bei der Heimunterbringung werden deutlich? Und es gibt sie, die Alternativen! Nachdem vier Bewohner*innen in einem Pflegeheim in Potsdam getötet wurden, ist der mediale Aufschrei verklungen. Wir beleuchten in unserem Bayern 2-Podcast, wie über die Tat berichtet wurde. Außerdem stellen wir uns die Frage, welche strukturellen Probleme in solchen Einrichtungen herrschen und welche alternativen Wohnformen es gibt. Am Abend des 28. April wurden in einer Wohn- und Pflegeeinrichtung für behinderte Menschen in Potsdam-Babelsberg fünf Bewohner*innen angegriffen - vier von ihnen tödlich verletzt. Der Tat verdächtigt wird eine Pflegemitarbeiterin aus der Einrichtung, die inzwischen in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wurde. https://dieneuenorm.de/gesellschaft/vier-menschen-sind-tot-der-ableismus-lebt/ Berichterstattung über die Tat und die Berichterstattung Holger Klein spricht im Übermedien-Podcast mit Judyta zu dem Thema „Wie können Medien besser berichten?“ „Zuhören, bevor wieder Blut fließt“ - eine Kolumne von Margarete Stokowski bei Der Spiegel „Entsetzen und Trauer nach Schreckenstat“ - rbb Spezial vom 29. April „Der gefährliche Versuch, Gewalt gegen Menschen mit Behinderung nachvollziehbar zu machen“ - Kommentar auf Übermedien Behinderte Menschen selbst zu Wort kommen lassen Was wir leider beobachten mussten: in der Berichterstattung kommen kaum behinderte Menschen, die in solchen Wohnformen wie dem Oberlinhaus leben, zu Wort. Deshalb haben wir hier ein paar Quellen gesammelt: In einem Clubhouse-Talk berichtet Lisa, Bewohnerin einer Wohnstätte, von Stalking, das sie im Oberlinhaus in Potsdam von einem anderen Mitbewohner erlebt hat. https://www.youtube.com/watch?v=9gQDky4haNQ Raúl begab sich vor knapp fünf Jahren undercover in ein Wohn- und Pflegeheim und berichtete in seinem „Heimexperiment“ von seinen Erlebnissen. https://youtu.be/qebtBzuQ_mo Wir sprachen auch mit Pierre Zinke - der übrigens auch einen eigenen Podcast hat - über seine Entscheidung, in einer eigenen Wohnung zu leben: „Mein Name ist Pierre. Ich komme aus Dresden und bin 31 Jahre alt. Ich wohne in meiner eigenen Wohnung seit einem halben Jahr. Davor habe ich drei Jahre in einer inklusiven Wohngemeinschaft gelebt und kann dementsprechend nur davon schwärmen. Die WG, in der ich gelebt habe, war selbstorganisiert. Die Gründungsmitglieder waren vier Leute und in der WG haben sechs Menschen mit und vier ohne Behinderung gelebt. Also inklusiv. Ich bin ausgezogen, weil es mir letztlich viel zu viel Trubel war. Zehn Leute machen eine Menge Betrieb und es war mir dann einfach zu laut nach drei Jahren. Davor habe ich im Elternhaus gelebt. Mich hat dann bewogen in kein klassisches Wohnheim zu ziehen, da dort nicht so viel Selbstbestimmung gelebt wird. Da das aber enorm wichtig ist, war das keine Option für eine Wohnmöglichkeit für mein Leben.“ Alternativen zum Heim Tobias Polsfuß von der Online-Plattform WOHN:SINN für inklusives Wohnen nennt einige Initiativen als Alternative: Gemeinsam Leben lernen e.V. (erste integrative WG seit 1989) Inklusiv Wohnen Köln e.V. (Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf in einer Hausgemeinschaft mit Menschen ohne Behinderung) Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe gGmbH (Träger der mittlerweile eigene Heime auflöst und ausschließlich Angebote entwickelt, die in der Beratung von Menschen mit Behinderung genannt werden) Inklusive WG Bremen e.V. Offene Hilfen Heilbronn „Inklusives Wohnen am Südbahnhof“
- Inklusion in der Schule: Wie kann sie gelingen?23.04., 12:0023.04.2021, 12:0000:36:32
Menschenrechte dürfen nicht scheitern + Inklusion ist ein Menschenrecht = Inklusion darf nicht scheitern. Was bedeutet das für die Schulen in Deutschland? Erlebnisse aus der eigenen Schulzeit zeigen, wie Inklusion gelingen kann. In der Folge #15 sprechen wir ein großes Thema an: Schule und Inklusion. Judytas und Raúls Erfahrungen dazu liegen schon einige Jahre zurück und stammen teilweise noch aus dem vergangenen Jahrhundert... deshalb blicken wir nach ein paar persönlichen Erinnerungen auf die heutige Zeit. Kann Inklusion an Schulen scheitern? Sprachlich bewegt sich die Diskussion um die schulische Inklusion oftmals zwischen "Scheitern" und Aussteigen, obwohl das Recht auf Bildung in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist. Expert*innen bestätigen, dass es durch die Corona-Pandemie zu weiteren Ausschlüssen kommen könne: https://dieneuenorm.de/gesellschaft/schule-behinderung-home-schooling/ Inklusive Schule in der Pandemie Die vorhandenen Strukturen inklusive der Schulhelfer*innen auf das Home-Schooling übertragen? Das sei nicht vorgesehen, berichten Betroffene. Auch Eva-Maria Thomas vom Verein Mittendrin erzählt uns im Vorgespräch, dass Förderschulen im Umgang mit der Pandemie buchstäblich demaskiert wurden. https://dieneuenorm.de/arbeit/inklusion-bildung-schulbegleitung/ Wichtig sei die Herangehensweise der Akteur*innen, bestätigt uns im Vorgespräch auch die Pädagogin Jutta Schöler. Sie bringt die Debatte mit folgenden Worten auf den Punkt: Inkludierfähig müssen die Schulen werden - die Kinder müssen nicht ihre "Inkludierbarkeit" beweisen. Prof. Jutta Schöler, Pädagogin Im Podcast erwähnte Links und weitere Informationen: 1. Die Kinder der Utopie - Dokumentationsfilm von Hubertus Siegert 2. Inklusionsfakten.de - eine Plattform mit Fakten zur Inklusion in der Schule 3. "Stern des Sports" an den Pfeffersport e.V. verliehen 4. "Für Gymnasien gibt es eine besondere Vorgabe: Sie dürfen nur noch Inklusionsschüler aufnehmen, die eine Chance auf das Abitur haben", heißt es in einem Artikel der Welt zu den Plänen der schwarz-gelben Landesregierung Nordrhein-Westfalens im Jahr 2018. 5. Wheelmap macht Schule - ein Projekt der Sozialheld*innen
- Mobilität: Wie barrierefrei sind Bahn, Bus und Bordsteine?26.03., 12:0026.03.2021, 12:0000:37:38
Rollstuhlfahrer*innen müssen 48h vorher ihre Reise bei der Bahn anmelden und trotzdem klappt es nicht immer. Gleisansagen sind für blinde Menschen oft verwirrend. Aber es gibt auch gute Lösungen wie beispielsweise Sammeltaxis. Barrierefrei von A nach B zu kommen ist für Menschen mit Behinderung oft keine Selbstverständlichkeit. In unserem Bayern 2 Podcast sprechen wir über unsere Erfahrungen mit Bus und Bahn und wie die Utopie einer „Smart City“ aussehen könnte. Auch die Deutsche Bahn hat „Neue Normen“. Zum Beispiel für die Höhe ihrer Bahnsteige, die durch die Eisenbahn-, Bau- und Betriebsordnung geregelt ist. Die festgelegten 76 cm passen jedoch nicht mit allen Zugtypen zusammen: https://youtu.be/1acza7XeMQ4 Für Menschen, die im Rollstuhl unterwegs sind, bedeutet das, dass sie eine Einstiegshilfe benötigen. Diese muss aber mindestens 48 Stunden vor Antritt der Reise und über eine kostenpflichtige Telefonnummer gebucht werden. https://twitter.com/kaymacquarrie/status/1143546158989611009 Verschiedene Organisationen und Hilfsmittel unterstützen Menschen mit Behinderung bei ihrer Reise mit der Bahn: ? Die Initiative Barrierefreie Bahn fordert eine barrierefreie Bahn für Alle. ? Die HaSe App hilft beim Anfragen von Hilfeleistungen bei der Deutschen Bahn. ? Die Seite Refund Rebell unterstützt beim Einfordern von Fahrgastrechten. Foto Einbettung: https://gesellschaftsbilder.de/media/detail/2843 BU: Barrierefrei für Rollstuhlfahrer*innen: der „Berlkönig“. Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de https://gesellschaftsbilder.de/media/detail/2442 BU: taktile Streifen erleichtern blinden Menschen die Orientierung. Foto: Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de Auch in den Städten gibt es Möglichkeiten, sich barrierefrei fort zu bewegen. In Teilen des Berliner Stadtgebietes ist das, von den Verkehrsbetrieben betriebene, Sammeltaxi „Berlkönig“ unterwegs. Manche Fahrzeuge sind rollstuhlgerecht. In New York bietet der E-Scooter Verleiher LIME nun auch Dreiräder und Handbikes im Sortiment an. Die Utopie ist eine „Smart City“, in der die verschiedensten Bereiche der Mobilität - Ampelphasen, Aufzüge, Routenplanung, uvm. - miteinander verknüpft sind und Menschen helfen, den optimalen und barrierefreien Weg zu finden. Teil dieser Smart City könnte zum Beispiel die Wheelmap sein - ein Projekt des Sozialhelden e.V. - auf der weltweit Orte aufgrund ihrer Rollstuhlgerechtigkeit auf einer Karte markiert werden können. Foto Einbettung: https://flic.kr/p/ejtkaQ BU: Auf der Wheelmap können weltweit barrierefreie Orte markiert werden. Grafik: Sozialhelden e.V.
- Internalisierter Ableismus: Wenn Menschen Diskriminierung verinnerlichen19.02., 12:1519.02.2021, 12:1500:26:27
Die innere Stimme übernimmt, was von außen gesagt wird. Wer ständig hört, er könne weniger und sei weniger wert, internalisiert das. Die Folge: Menschen mit Rollstuhl schämen sich, wenn die Busfahrer*in die Rampe ausklappen muss. Oder sie fangen an, selbst Behindertenwitze zu erzählen. Internalisierter Ableismus – dieses Phänomen tritt auf, wenn behinderte Menschen die Vorurteile und Diskriminierungen, die sie erleben, unbewusst verinnerlichen oder ihnen sogar bewusst zustimmen. Darüber sprechen wir in der neuen Folge unseres Bayern2 -Podcasts. Able - Was ? Die Journalistin Rebecca Maskos definiert Ableismus in ihrem Text "Warum Ableismus Nichtbehinderten hilft, sich 'normal' zu fühlen" wie folgt: "Ableismus zeigt sich, wenn wir als kompetentes Subjekt auf Augenhöhe gar nicht vorkommen, wenn wir unsichtbar scheinen, wenn über unseren Kopf hinweg über uns entschieden wird. Wenn unsere Freund*innen und Partner*innen als unsere „Betreuer*innen“ angesprochen werden. Ableistische Denkmuster führen alles, was wir tun, auf unsere Behinderung zurück: Wir sind schlecht gelaunt, mürrisch und einzelgängerisch oder aber neugierig, freundlich und nett, vermeintlich weil wir behindert sind. Oder aber, wir tun alles trotz unserer Behinderung – unser Leben sei einzig und allein darauf ausgerichtet, unsere Behinderung zu überwinden. Ableismus lässt uns als vielschichtige Person verschwinden, hinter einer Wand von stereotypen Annahmen. Zum Beispiel, dass unsere Behinderung uns verbittert und depressiv macht, und dass es deshalb viel Mut braucht, wenn wir ein 'ganz normales Leben' führen. Oder, dass wir in allen Lebensbereichen hilflos und unfähig sind. Ableistisch ist die Anerkennung, die es regnet, wenn wir 'trotzdem rausgehen', 'auch auf der Party dabei sind', 'uns nicht von unserer Behinderung aufhalten lassen', oder ihr 'die Stirn bieten'. Ableistisch ist aber auch die Missgunst, die wir für Behindertenparkplätze, Schwerbehindertenausweise und zusätzliche Urlaubstage bekommen. Oder die Frage, ob unser Leben überhaupt lebenswert sei und wir nicht hauptsächlich eine Last für unsere Familien darstellen." Der internalisierte Ableismus legt eine Schippe drauf und hat seinen Ursprung in den behinderten Menschen selbst. Gefühle wie Scham oder auch Schuld für die Behinderung und für den Aufwand von nahestehenden Personen gehören dazu. Aber auch der Vergleich unter den behinderten Menschen selbst, wen es vermeintlich "besser getroffen" hat, spielt eine Rolle. Der internalisierte Ableismus ähnelt im Mechanismus dem internalisierten Rassismus. Instagram-Posts https://www.instagram.com/p/CCkH7qcltl5/?utm_source=ig_embed https://www.instagram.com/p/CKbU2ClDWif/?utm_source=ig_embed https://www.instagram.com/p/CLXHCP4JAPR/?utm_source=ig_embed Wie können wir den internalisierten Ableismus überwinden? Im Podcast sind wir uns einig, dass dies ein individueller Prozess ist. Dafür muss man die Scham überwinden, die zum Beispiel dafür empfunden wird, mit Assistenz zu leben oder in einigen Situationen Hilfe zu benötigen. Der internalisierte Ableismus kann durch Selbstakzeptanz in den Hintergrund rücken – leichter gesagt, als getan. Wir arbeiten dran. Viel Spaß beim Hören oder Lesen des Podcast! Links zum Weiterlesen: 1. Was bedeutet internalisierter Rassismus? - RosaMag 2. Wir müssen uns über internalisierten Ableismus in der Behindertencommunity unterhalten - The Mighty (englischer Link) 3. Austausch mit der Peergroup ist wichtig, um den internalisierten Ableismus zu überwinden - The Mighty (englischer Link) 4. Der Versuch, die Behinderung zu überspielen - Huffpost (englischer Link)
- FOMO - die Angst, etwas zu verpassen29.01., 13:5829.01.2021, 13:5800:35:35
Zuhause bleiben, niemanden treffen: Was viele in der Corona-Zeit erleben, ist für Menschen mit Behinderung Normalität. Wenn sie in Konzerte, Kinos etc. gehen wollen, stoßen sie meist auf Barrieren. Kommen sie deswegen gerade besser zurecht? FOMO - Fear Of Missing Out oder: die Angst, etwas zu verpassen Gerade zu Zeiten von Corona kennen vielleicht viele Menschen dieses Gefühl, für behinderte Personen ist diese Empfindung nicht neu. Zuhause bleiben, niemanden treffen - diese Corona-konformen Empfehlungen erreichen uns jeden Tag durch die Nachrichten. Für viele behinderte Menschen ist das auch ohne eine weltweite Pandemie Normalität. Orte, die andere Menschen in ihrer Freizeit besuchen, sind für behinderte Personen nicht barrierefrei. Videokonferenzen barriereärmer? Die Chance in der Krise könnte sein, dass die Betreiber*innen die Barrierefreiheit von Videokonferenzsystemen ausbauen. Automatisch erstellte Untertitel sind zwar vermehrt möglich, doch es sind weitere Verbesserungen nötig. In zwischenmenschlicher Interaktion spielt Mimik eine große Rolle, die blinde Bloggerin Elin Williams schreibt in einem Eintrag von vielen kleinen Situationen, in denen ihr diese Komponente fehlt und wie sie gelernt hat, mit der Angst, etwas zu verpassen, umzugehen. https://twitter.com/RachelCDailey/status/1333464463278825476 Löffel und Besteck am Abendbrottisch Die Entscheidung darüber, was man als behinderter Mensch verpasst, wird oft durch die Außenwelt gefällt, in dem der Ort nicht barrierefrei ist. Doch auch die eigenen Kräfte spielen dabei eine Rolle. Dieser Aspekt wird in der Löffeltheorie beschrieben. Jeder Mensch hat eine bestimmte Anzahl an Löffeln, also Energie für den Tag zur Verfügung. Menschen mit Behinderung müssen dabei viel mehr Löffel für den Aufwand alltäglicher Dinge verwenden und haben so weniger Löffel für andere Aktivitäten zur Verfügung. Und dann kommen noch die Gabeln, die man zur Verfügung hat, um sich zu wehren, oder die Messer, um sich zu verteidigen, aufgedröselt in der Besteck-Theorie. Taube Menschen kennen das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, auch von dem eigenen Abendbrottisch in der Familie, wenn Eltern oder Geschwister keine Gebärdensprache sprechen können. Dafür gibt es natürlich auch einen Namen, das "Dinner-Table-Syndrome". Wie überwinden wir FOMO? Die Bloggerin "Wheelchairrapunzel" gibt handfeste Tipps, u.a. gutes Essen und gut zu sich selbst zu sein. Wir empfehlen außerdem das im Podcast angesprochene Gespräch zwischen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Raul Krauthausen, in dem es neben vielen wichtigen Dingen, wie die Impfpriorisierung von behinderten Menschen und Barrierefreiheit, auch um Karottensaft geht: https://www.youtube.com/watch?v=fhGT-GWcvY0 Im Podcast erwähnte Links: 1. "Zoom-Fatigue" - über die Anstrengung durch ständige Videokonferenzen und die Barrieren für taube Menschen auf Quartz.com (englisch). 2. Über Barrierefreiheits-Features in Videokonferenzsystemen - Text auf ravepubs.com (englisch). 3. FOMO als blinde Person - Text von der Bloggerin Elin Williams (englisch). 4. Die Löffel-Theorie, die Besteck-Theorie (englisch) und das Dinner Table Syndrome (englisch). 5. Die Aktivitäts-Falle, nachzulesen bei Disability Rights UK (englisch). 6. Und zu guter Letzt: 5 Tipps gegen FOMO von Wheelchairrapunzel (englisch).
- Behinderte Eltern... haben ähnliche Gedanken wie alle Eltern27.11., 13:1027.11.2020, 13:1000:47:45
Wird das Wickeln klappen? Und die Nächte? Wenn mein Kind weg rennt, kann ich (bind) es dann erwischen? Schaffe ich es, ein toller Vater zu sein? Werde ich eine gute Mutter? Und wenn der Sand auf dem Spielplatz meinen Rollstuhl lahmlegt? Antworten bekommen nur die, die sich trauen, Eltern zu werden - auch mit Behinderung. Wir gehen mit unserem Bayern 2-Podcast in Elternzeit – aber nur gedanklich. Wir lassen Mütter und Väter mit Behinderung zu Wort kommen und sprechen über Ängste, Vorurteile, Hilfsmittel und das große Glück, Eltern zu werden. Frei nach dem Motto "Nicht ohne uns, über uns" lassen wir in dieser Folge mehrere Väter und Mütter mit Behinderung zu Wort kommen: Lydia Zoubek, blind Ninia LaGrande, kleinwüchsig Anna Gerwinat, Rollstuhlfahrerin Andrea Lauer, Rollstuhlfahrerin Die gehörlosen Marian Richter und Benedikt Sequeira Gerado haben uns ihre Erfahrungen als Video-Statement mitgeteilt: https://youtu.be/vladQgbEqUc https://youtu.be/_6zXA1Qz39s Lydia Zoubek sprach von den immer gleichen Fragen, die blinde Eltern gestellt bekommen. Auf ihrem Blog schreibt sie darüber. Auch Ninia LaGrande spricht im Interview auf Die Neue Norm über so manch skurrile Begegnung mit Eltern ohne Behinderung: https://dieneuenorm.de/gesellschaft/ninia-lagrande-mutter-behinderung/ Immer mehr Vorbilder gibt es im Internet zu sehen. Zum Beispiel Hülya und Dennis, die auch einen gemeinsamen Instagram-Kanal haben: https://www.ardmediathek.de/swr/video/leeroys-momente/mama-ohne-beine-oder-leeroys-momente/swr-de/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEzMTUzNDI/ https://www.instagram.com/p/CHDyTw3pKz8/?utm_source=ig_web_copy_link Weitere Links: 1. „Ich will denen nicht sagen: Ich hab ein Kind, holt es euch“ - über die Angst, sich Hilfe zu holen 2. "Saarland: Kein Dolmetschanspruch für Elternabende" - in der Deutschen Gehörlosen Zeitung 3. "What Blind Parents Want Us to See" - auf parents.com 4. "Eltern mit Behinderungen: Elternassistenz – ein Teil unserer Familie" - auf wheelymum.com 5. "Wie Eltern mit Behinderung von einer Elternassistenz profitieren können" - auf ze.tt 6. "Disabled Parenting in an Ableist World" - Kara Ayers | TEDxCincinnatiWomen auf YouTube 7. "Parenting from a Wheelchair: Explaining Disability to Our Kids" - auf newmobility.com 8. ABC Radio Show We've Got This: Parenting with a disability 9. "Blinde Mutter, sehbehindeter Vater – jo geht denn das?" Der Familienblog auf familieallinclusive.wordpress.com 10. www.disabledparenting.com 11. Informations-PDF des Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben NRW 12. Tipps für den richtigen Kinderwagen mit Rollstuhl auf spinalcord.com 13. Bundesverband behinderter Eltern e.V.
- Behinderung und Sprache - Wie sagt man es denn nun?23.10., 12:0023.10.2020, 12:0000:25:50
Alleine schon das Wort Handicap... Warum es den Begriff Behinderung nicht ersetzen kann und sollte. Wie wird über Menschen mit Behinderung gesprochen und berichtet? Wie diskriminierend kann Sprache sein? Und: Ideen für Alternativen! Behinderung und Sprache - Wie sagt man es denn nun? Sprache bedeutet Macht, klischeehafte Begriffe halten sich hartnäckig. In Folge 10 sprechen wir darüber, wie Sprache diskriminierungsfrei und sensibel benutzt werden kann. Es beginnt schon bei Behinderung - dafür gibt es viele verschiedene Bezeichnungen: Einschränkung, Beeinträchtigung, besondere Bedürfnisse, Handicap. Wir erklären in der aktuellen Folge, warum man doch beim Wort "Behinderung" bleiben sollte: https://dieneuenorm.de/gesellschaft/warum-handicap-das-falsche-wort-fuer-behinderung-ist/ Sensible Sprache ist die Aufgabe aller Sensible und diskriminierungsfreie Sprache zu benutzen, schafft man allerdings nur, wenn man im Austausch bleibt. Wir sprechen über Ausdrücke, "die man halt mal sagt", wie "blinder Fleck" oder "auf dem rechten Auge blind" und fragen euch und uns, womit wir sie in Zukunft ersetzen können. Außerdem sprechen wir ganz praktisch über die sich hartnäckig haltenden Formulierungen wie "an den Rollstuhl gefesselt" und "an einer Behinderung leiden" und welche Alternativen es dazu gibt. Außerdem beantworten wir die Frage, ob Raul schwer in Ordnung ist, oder nicht. https://dieneuenorm.de/gesellschaft/schwer-in-ordnung-schwerbehinderung/ Im Podcast erwähnte Links: 1. Warum wir eine politisch korrekte Sprache brauchen - Anatol Stefanowitsch beim Bayerischen Rundfunk 2. Disability Language Styleguide - auf English 3. Interview mit Kübra Gümü?ay zu ihrem Buch "Sprache und Sein" auf Die Neue Norm 4. Begriffe von A-Z über Behinderung - auf Leidmedien.de
- Stereotyp oder authentisch? Behinderung im Film25.09., 12:1025.09.2020, 12:1000:32:13
Von Forrest Gump bis Tyrion Lannister - Es gibt zwar Menschen mit Behinderung in Filmen, aber: Wie oft? Wie realistisch? Und wie sieht es hinter der Kamera aus? Wie divers ist die Filmbranche? Behinderung im Film Wie oft tauchen eigentlich Menschen mit Behinderungen im Film auf? Im Schnitt nicht allzu häufig und wenn, dann in sehr klischeehaften Rollen. In dieser Folge unseres Bayern2-Podcasts zeigen wir, welche positiven Beispiele es gibt und wie man selbst überprüfen kann, ob die Rollen in einem Film vielfältig sind. Im Podcast #9 wird es erstmal düster: Wir reden über den Tod. Disability Death Porn heißt das Phänomen, wenn Charaktere in Filmen eine Behinderung erwerben und ab diesem Zeitpunkt sterben wollen. Das beste Beispiel dafür ist die Liebesschnulze “Ein ganzes halben Jahr”. Authentische Darstellung? Wir setzen uns in unserer Arbeit stets für die authentische Besetzung von Charakteren mit Behinderung ein. Bei der Verfilmung des Lebens von Stephen Hawking unter dem Titel "Die Entdeckung der Unendlichkeit" war es, so dass mit Eddie Redmayne, ein Schauspieler ohne Behinderung den Physiker verkörperte. Raul meint dazu im Podcast, dass es unter Schauspielstundent*innen den Witz gebe, dass man nur eine Rolle eines behinderten Charakters bekommen müsse, schon bekomme man einen Oscar. Doch Stephen Hawking selbst fand Redmaynes Darstellung passend. Video: https://www.youtube.com/watch?v=_f1Cg2SCfXE Immer nur der nette Kumpel Der Schauspieler Erwin Aljukic erzählt im Interview mit Raul Krauthausen, dass seine Rolle in der Vorabendserie "Marienhof" darauf angelegt war, nur der nette Kumpel und nicht ein Liebhaber zu sein. Im Podcast sprechen wir auch darüber, wie wir diese Rollenbilder aufbrechen können. Eine Möglichkeit: Die Plots daraufhin zu untersuchen, welche Klischees sie transportieren. Dies gelingt z.B. mit dem Bechdel-Wallace -Test oder dem Tyrion -Test. Eingebettetes Video: https://www.youtube.com/watch?v=uAkPHWtbptQ Vielfalt bei Netflix und den Oscars Doch es gibt Produktionen, die Vielfalt abbilden, wie z.B. der Streaming-Anbieter Netflix, der auch selbst Serien produziert. Wir erwähnen im Podcast die Netflix-Serie "Stranger Things," aber auch "Sex Education" kann in Puncto Vielfalt punkten. Auch die Oscars wollen nun Diversität schaffen - und sie sogar zur Voraussetzung für einen Preis machen. Wenn es um eine authentische und vielfältige Besetzung in Deutschland geht, können wir die Datenbanken Rollenfang und Amelinde empfehlen. Unser Partnerprojekt Leidmedien.de hat gemeinsam mit vielen anderen Gruppierungen die Initiative "Vielfalt im Film" ins Leben gerufen. In einer UmFrage unter Filmschaffenden soll die Diversitöt in der Filmbranche untersucht werden. Weitere Links: 1. "Wir finden einfach niemanden" - diese und andere Mythen über Schauspieler*innen mit Behinderung fassen wir auf Leidmedien.de zusammen. 2. Nachdem es den Hashtag #OscarsSoWhite gab, positionieren sich nun auch Schauspielende mit Behinderung zur fehlenden Repräsentation. 3. "Diversität ist das Thema unserer Zeit", sagt Schauspielerin Christine Urspruch im Interview mit Judyta Smykowski bei "Leidmedien im Gespräch." 4. Das britische Filminstitut möchte nicht mehr Filme fördern, in denen die Bösewichte Narben ins Gesicht geschminkt bekommen. Viel Spaß beim Hören oder Lesen!
- Hilfsmittel: Fluch oder Segen?28.08., 14:0028.08.2020, 14:0000:25:09
Zahlreiche Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung sollen ihnen ihr Leben erleichtern. Aber viele sind nicht gut oder zu Ende gedacht Und zeugen nicht von Respekt - Oder warum haben Rollstühle Namen wie Squirrel und Easylife? Hilfsmittel - ein Wort, dass zunächst passiv und verstaubt wirkt. Doch welche von ihnen nutzen wir? Welche finden wir sogar modisch und welche sind das Gegenteil von Inklusion? Neben den klassischen Sanitätshaus-Produkten gibt es auch Hilfsmittel, die uns helfen. Zunächst wären da die Rollstühle von Judyta und Raul. Aber schon beim Zubehör hört es auf; die Taschen und Kaffeebecherhalter für ihre Rollstühle haben sich beide in anderen Läden gekauft. Add-Ons, die sinnvoll sind: Die israelischen NGOs Milbat und Access Israel haben zusammen mit Ikea Knäufe, Griffe und Erhöhungen für Sofas entwickelt, damit Menschen mit motorischen Einschränkungen die vorhandenen Möbel besser nutzen können. https://youtu.be/a0PA_VpLlDw In sogenannten Makerspaces, also Laboren für Tüftler*innen, wird mit Hilfe des 3D-Druckers einiges erfunden und produziert, dass behinderten Menschen den Alltag einfacher macht. Doch bei all diesen Projekten muss darauf geachtet werden, dass Menschen mit Behinderung wirklich daran beteiligt werden und die Erfindung sinnvoll für sie ist und gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt wird. Wietere Links: 1. How To Make Hearing Aids As Cool As Glasses – New York Times 2. The Danger of Erasing Disability – Novak Education 3. 11 Gadgets für Rolllstuhfarer*innen – raul.de 4. Sieht aus wie Chucks, sind aber keine – taz.de 5. Crowdfunding, eine schleichende Gefahr – raul.de 6. Werbespot für Amazon Alexa (ohne Audiodeskription): https://youtu.be/Fdh8jpTLPzg
- Dinge, die ich meinem jüngeren Ich über Behinderung am liebsten mitgegeben hätte24.07., 15:0024.07.2020, 15:0000:26:55
"Zieh nicht die Behindertenkarte", also sag nicht: "Ich kann das nicht" oder "Mich mag eh keiner"- Das ist ein Tipp, den die heute Erwachsenen ihrem Kinder-Ich geben würden. Denn "Es ist gut wie du bist." Dinge, die ich meinem jüngeren Ich über Behinderung am liebsten mitgegeben hätte In dieser Episode unseres Bayern2-Podcasts begeben wir uns auf eine kleine "Zeitreise". Wir fragen uns, was wir im Laufe der letzten Jahre über uns und unsere Behinderung gelernt haben und welches Wissen und welche Erfahrungen wir gerne unserem früheren Ich mit auf den Weg gegeben hätten. Zu Beginn unserer kleinen "Zeitreise" wurde uns einmal mehr bewusst, wie unterschiedlich man als Kind an das Thema Behinderung herangeführt werden kann. Während Raúl von seinen Eltern häufig in Kontakt mit anderen Kindern mit Behinderung gebracht wurde, sollte Judyta sich an der nicht-behinderten Mehrheitsgesellschaft orientieren. Jonas wiederum hatte in seiner Jugend noch keine Sehbehinderung und stellt infrage, dass ein früherer Kontakt mit behinderten Kindern seinen persönlichen Umgang mit der Behinderung gebessert hätte. https://www.instagram.com/p/B3-f89fF4WO/# Einig waren wir uns bei der Ansicht, dass es einem hilft, wenn man zu spüren bekommt, dass es gut ist, wie man ist und dass es auch in Ordnung ist, wenn man nach Hilfe fragt. Wenn die Aussage "Es ist gut wie du bist" aber mit einem pädagogischen Hintergrund genannt wird, dann würde man das als Kind sehr schnell merken. Besser ist es da, wenn auch andere Menschen mit Behinderung im Umfeld sichtbar sind. Das kann zum Beispiel auch im Fernsehen sein, so wie sich Judyta an die Rolle des "Leon" aus der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" erinnerte. Dass die Rolle (gespielt von Daniel Fehlow) nicht authentisch besetzt war und es im Laufe der Serie zur "Heilung" kam, interessierte da als Kind noch nicht so sehr. Ähnliches empfand Jonas bei der Tragikkomödie "Bomber und Paganini" (1976, mit Mario Adorf und Tilo Prückner), die er gerne als Kind gesehen hat. https://www.youtube.com/watch?v=NGIQapcl7_o&feature=youtu.be In den letzten Jahren, seit unserer Jugend, hat sich aber schon einiges getan, wenn es um Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung geht. Für Kinderbücher gibt es zum Beispiel das KIMI-Siegel für mehr Vielfalt in Kinderbüchern. Weitere Tipps haben wir in unserer Podcastfolge Kinder und Behinderung angesprochen. Was wir gelernt haben ist, dass die Behinderung nie zum Grund für etwas gemacht werden sollte. Zu schnell würde man dann zum "Angry Cripple" werden, wie wir in unserer letzten Podcastfolge erklärt haben. Im Umlauf sind häufig sogenannte Check-Lists, die Eltern Empfehlungen geben, was sie ihren Kindern mit Behinderung schon früh auf den Weg geben sollten. 7 Things You Can Do to Teach Kids About Other Children With Disabilities 1. Make disabled kids and adults a regular part of your child’s world now 2. If you’re not sure how they’ll respond when meeting a disabled person for the first time, mention the upcoming get together and show a picture of who you’re visiting. 3. Watch your words. 4. Model good behavior. 5. Make sure your child knows he doesn’t have to become my son’s best friend or helper. 6. Wheelchairs and medical equipment make a disabled child or adult more independent. 7. If you want to spread awareness to a group of kids (scouts, club, classroom) use reliable resources created by disabled adults. (The Mighty:https://themighty.com/2018/10/teaching-kids-about-disabled-kids) Und: 10 Things I Wish I Could Tell My Childhood Self About Cerebral Palsy 1. It will all be worth it. 2. Don’t be afraid to go after what you want. 3. Don’t limit yourself. 4. Don’t be ashamed or embarrassed about who you are. 5. Learn to be approachable. 6. You’re not less of a person. 7. It’s OK to laugh at yourself. 8. Stand up for yourself and be an advocate for others. 9. Don’t take your life for granted. 10. And lastly, love yourself. (The Mighty: https://themighty.com/2015/09/10-things-i-wish-i-could-tell-my-childhood-self-about-cerebral-palsy) Diese Listen können zwar nützlich sein, aber auch schnell dazu führen, dass auf Eltern oder Kinder ein Druck aufgebaut wird. Wir belassen es da einfach bei unserer kleinen Faustregel: "Sei kein Arsch!" ;-) Weitere Links: 1. "21 life lessons in my 21 years" - Life being little 2. "Things I wish I’d known when growing up with a vision impairment" - Life o a blind girl 3. "6 Things That Have Helped Me Grow As Parent of Kids With Disabilities" - The Migthy 4. "6 Dinge, die man wissen sollte, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben." - raul.de 5. "Zurück in die Zukunft" - raul.de
- Angry Cripple: Verbitterung und Zorn26.06., 17:0026.06.2020, 17:0000:25:32
Wann dürfen sich Menschen mit Behinderung aufregen? Meckern sie zu viel? Oder eher zu Recht? Stoßen sie doch ständig auf Hindernisse, die sie -unnötig- behindern. Angry cripple, also verbitterte und/oder zornige Menschen mit Behinderung. Krüppel - ein Wort, dass wir meist im negativen Kontext kennen. Damit wird oft auch umgangssprachlich eine Person genannt, in den Augen vieler minderwertig ist. Doch betroffene Menschen haben sich dieses Wort mittlerweile als stärkende Selbstbezeichnung gegeben. Die Krüppelbewegung und das Krüppeltribunal stehen für eine politische Bewegung und den Kampf um Selbstbestimmung. Wütend machen behinderte Menschen äußere Umstände, Barrieren in der Umwelt aber auch die Ignoranz von nichtbehinderten Menschen. Eine häufige Reaktion von Mitmenschen auf Wut ist Beschwichtigung 'Hab dich nicht so', 'Du musst auch das Positive sehen' - dies sind Reaktionen, die die Wut eher verstärken können. Behinderte Menschen haben in einer Welt voller Barrieren auch das Recht, wütend zu sein. Mitgemeint statt mitgedacht In öffentlichen Diskussionen kommen behinderte Menschen oft nicht vor, wie zuletzt auch im TV-Beitrag "Männerwelten", der sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen thematisiert. Behinderte Menschen müssen der Allgemeinheit ihre Existenz ständig in Erinnerung rufen, ihre Rechte einklagen und auf Diskriminierung hinweisen. In dieser Folge erzählen wir auch, was uns ganz persönlich wütend macht. Im Podcast erwähnte Links: 1. "Sie nannten sich Krüppel" - Ein Porträt bei Zeit Online über die Behindertenrechtsaktivistin und Professorin Swantje Köbsell, das auch die historischen Ereignisse der Krüppelbewegung aufgreift. 2. "Behinderte Menschen haben ein Recht darauf, wütend zu sein" - The Mighty, englischsprachiger Link. 3. "In 'Männerwelten' gibt es keinen Regenbogen" - Unsere Autorin Eliza Gawin kommentiert das ProSieben-Video über sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen, in dem keine Frau mit Behinderung vorkommt.
- Behinderung - Superkraft oder Kryptonit?26.05., 10:0526.05.2020, 10:0500:26:02
Was macht Menschen mit Behinderung stark? Was schwach? Wie prägt sie der Kampf um ihre Rechte? Manchmal ist der Rucksack Behinderung schwer, manchmal leicht. Aber sie wachen nicht jeden Tag mit dem Wunsch auf, keine Behinderung zu haben.
- Dürfen Menschen mit Behinderung scheitern?24.04., 12:0024.04.2020, 12:0000:30:55
Haben Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen, aus Fehlern zu lernen wie Menschen ohne? Oder werden ihre Fehler immer nur auf ihre Behinderung geschoben? Über ehrliches Feedback und echte Förderung.
- Liebe auf den zweiten Blick - Über Partnerschaft und Beziehungen27.03., 16:0027.03.2020, 16:0000:25:00
Menschen mit Behinderung hören seltsame Fragen wie "Kannst du eigentlich Sex haben?" Bekommen Abfuhren mit den Worten "Es liegt aber nicht an deiner Behinderung". Und überlegen, ob sie beim Onlinedating die Behinderung offenlegen sollen.
- Wenn Kinder Menschen mit Behinderung anstarren... Wie reagieren?21.02., 07:0021.02.2020, 07:0000:22:04
"Mama, warum sitzt der Mann im Rollstuhl?" Kinderfragen sind direkt und für die Eltern womöglich peinlich. Ist dann Einfach-mal-fragen ok oder eine Grenzüberschreitung? Wie empfinden Menschen mit Behinderung solche Fragen?
- Rollstuhlparcour und andere Barriere-Simulationen24.01., 15:3424.01.2020, 15:3400:21:54
Schüler*innen sollen Empathie für Menschen mit Behinderung lernen, in dem sie spielerisch Runden mit dem Rollstuhl drehen. Doch wie das Leben mit Behinderung wirklich ist, kann man nicht simulieren. Für offenes Miteinander und Inklusion wäre es besser, wenn auch Lehrer*innen im Rollstuhl an gewöhnlichen Schule unterrichten.
- Inspiration Porn20.12., 10:0020.12.2019, 10:0000:24:37
Wenn Menschen mit Behinderung bewundert werden für alltägliche Dinge, die für sie ganz normal sind, ist das Inspiration Porn. Damit holt sich die Mehrheitsgesellschaft ein gutes Gefühl ab - auf Kosten behinderter Menschen.