
Noch keine Episoden ausgewertet.
Episoden
79- Scham, Leid und Resilienz – müssen wir mit unserer Behinderung im Reinen sein?25.09., 12:0025.09.2026, 12:0001:14:56
Sich für den Körper schämen; sich dafür schämen, dass man andere Leistungsgrenzen hat - darüber sprechen Karina Sturm, Raúl Krauthausen und Jonas Karpa gemeinsam mit Achtsamkeitstrainerin und Yogalehrerin Mechthild Kreuser. In Folge 79 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Karina Sturm, Raúl Krauthausen und Jonas Karpa gemeinsam mit Achtsamkeitstrainerin und Yogalehrerin Mechthild Kreuser über Scham, Leid und Resilienz. Dabei hinterfragen wir auch die Grenzen des sozialen Modells von Behinderung: Werden wir wirklich immer nur behindert – oder sind wir manchmal auch behindert? Denn neben fehlender Barrierefreiheit und alltäglicher Diskriminierung gibt es auch ganz persönliche Erfahrungen mit Behinderung. Schmerzen, Fatigue, Kontrollverlust oder fortschreitende Einschränkungen verschwinden nicht, nur weil Barrieren abgebaut werden. Gleichzeitig ist es für behinderte Menschen oft schwierig, über diese Erfahrungen zu sprechen, ohne damit ableistische Erzählungen vom „tragischen Schicksal“ zu bedienen. Gemeinsam mit Mechthild Kreuser (https://inklusiveachtsamkeit.de/), die selbst einen Rollstuhl nutzt, sprechen wir darüber, welche Rolle Scham dabei spielt und wie gesellschaftliche Erwartungen unser Verhältnis zum eigenen Körper und zur eigenen Behinderung prägen. Es geht um den Druck, leistungsfähig zu sein, um den Umgang mit Diagnosen und um die Frage, ob Resilienz eigentlich immer etwas Positives ist. Und wir sprechen darüber, warum Selbstakzeptanz kein Zustand sein muss, den man irgendwann erreicht, sondern ein Prozess mit Höhen und Tiefen sein kann. Am Ende stellen wir uns selbst die Frage: Sind wir mit unserer Behinderung im Reinen? Wie würdet ihr diese Frage für euch beantworten? Schreibt es uns in die Kommentare. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Gaming: Zocken bis zur ersten Barriere28.08., 12:0028.08.2026, 12:0000:59:40
Wie inklusiv ist Gaming? Gibt es spezielle Hardwareoptionen? Werden Menschen mit Behinderung in Spielen repräsentiert? Zu Gast ist Melanie Eilert von der Initiative Gaming ohne Grenzen. In Folge 78 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir über Gaming. Gemeinsam mit Expertin Melanie Eilert klären wir die Fragen: Wie barrierefrei und inklusiv ist Gaming für Menschen mit Behinderung? Und wird Behinderung in Spielen repräsentiert und sichtbar? Melanie Eilert ist Aktivistin, Bloggerin und ein Teil der Initiative Gaming ohne Grenzen und des Inclusive GameLab und beschäftigt sich seit 2018 mit dem Thema barrierefreies Gamen. Wir haben Melanie bereits vor vielen Jahren zum Thema interviewt. Sie ist eine von rund 41,2 Millionen Menschen, die in Deutschland Computer- oder Videospiele spielen. Der deutsche Gaming-Markt setzte 2025 rund 9,4 Milliarden Euro um. Gaming ist also schon lange kein Nischenthema mehr und auch behinderte Menschen wollen zocken! Zu Beginn des Podcasts sprechen die Hosts gemeinsam mit Melanie über ihre Spielerfahrungen. Karina erzählt, dass sie wenig zockt, aber gerade am Anfang ihrer Erkrankung Planungsspiele, wie Theme Hospital oder CityVille gespielt hat. Außerdem mag sie Escape Rooms. Allerdings schläft Raúl hierbei gerne ein. Letzterer hat schon immer viel gespielt, von Counter-Strike, Rainbow Six, Command & Conquer, über Mario Kart und Overcooked. Für Raúl war Gaming relativ barrierefrei, allerdings verliert er schnell die Lust, weil er ständig verliert. Jonas hat in der Vergangenheit meist Sportspiele wie FIFA gespielt, sich dann aber behinderungsbedingt angepasst. Heute spielt er Hitster oder schaut dabei zu, wie Schilder gereinigt werden. Das findet er besonders entspannend. Raúl, Jonas und Melanie diskutieren, welche Hardwareoptionen es gibt, wenn Standard-Controller Barrieren sind. Melanie erklärt, wie der Xbox Adaptive Controller funktioniert und dass es mittlerweile auch ähnliche Produkte von Playstation oder Sony gibt. Außerdem gibt es von einem Drittanbieter den Hori Flex Controller. Außerdem sprechen wir über Repräsentation in Spielen. Jonas erwähnt Videos auf Instagram, die sich Spielewelten anhand von DIN-Normen anschauen. Eine recht deutsche Art zu Zocken? https://www.instagram.com/reel/DaP1XmuI6g3/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA== Am Schluss versuchen wir noch alle ein gemeinsames Spiel zu finden. Doch das ist bei der Vielfalt der Behinderungen gar nicht so einfach. Wir sprechen über den neuen Trend hinter Meccha Chameleon, das so gar nicht barrierefrei ist, und einigen uns auf eine Partie Backgammon. Und wenn ihr wissen wollt, warum Raúl am liebsten "alle Waffen" hätte, niemand mit Karina spielen will und Jonas’ Höhenangst nichts mit tatsächlicher Höhe zu tun hat, dann hört mal rein in Episode 78!
- Werkstätten für behinderte Menschen (Teil 2) – Verhindert das System einen inklusiven Arbeitsmarkt?31.07., 12:0031.07.2026, 12:0001:16:02
Mindestlohn ist eine der Forderungen für die Arbeit in Werkstätten für behinderte Menschen. Welche anderen strukturellen Probleme gibt es? Zu Gast: Anne Gersdorff von JOBinklusive und Dr. Oliver Gosolits von der Bundesarbeitsgemeinschaft BAG-WfbM. In Folge 77 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir erneut über Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Dafür haben wir unsere Kollegin Anne Gersdorff, Leiterin von JOBinklusive, und Dr. Oliver Gosolits, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG-WfbM), eingeladen. Gemeinsam sprechen wir über die strukturellen Probleme von WfbMs. Während wir in der vorherigen Folge mit dem ehemaligen Werkstättenmitarbeiter Wolfgang Raczkowsky über seine ganz persönlichen Erfahrungen gesprochen haben, fokussieren wir in der aktuellen Folge mehr auf die strukturellen Probleme, die das System WfbMs mit sich bringt, beispielsweise die Arbeit für ein Taschengeld und die Forderung, dass auch die Menschen in Werkstätten mindestens Mindestlohn erhalten müssen, sowie die Alternativen zu Werkstätten, wie z. B. Inklusionsunternehmen. Außerdem sprechen wir über inklusive Bildung und wie sie gelingen kann, und über Schokolade, also vor allem darüber wie bekannte Süßwarenhersteller ebenfalls in WfbMs produzieren lassen. Außerdem diskutieren wir, warum es in WfbMs so viel häufiger zu Gewalt kommt. Weitere Links: Projekt #AbleismusTötet (Rechercheprojekt zu Gewalt in stationären Einrichtungen): www.ableismus.de Buch “Stoppt Ableismus”: www.stopptableismus.de
- Werkstätten für behinderte Menschen – wie man rein und wieder rauskommt26.06., 12:0026.06.2026, 12:0000:55:51
Warum muss das System der Werkstätten dringend verändert werden? Zu Gast ist Wolfgang Raczkowsky, der über 30 Jahre in einer Werkstatt gearbeitet hat: wie es dort war, wie wenig Geld er verdiente und warum er kündigte. In dieser Folge unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen über Werkstätten für behinderte Menschen – und darüber, warum dieses System dringend grundlegend verändert werden muss. Zu Gast ist Wolfgang Raczkowsky, ein Kollege bei den Sozialheld*innen, der über 30 Jahre in einer Werkstatt gearbeitet hat und erzählt, wie er dorthin kam, welche Arbeit er dort gemacht hat, wie wenig Geld er verdiente und warum er während der Corona-Zeit schließlich kündigte. Wir sprechen über fehlende Alternativen, blockierte Berufswünsche, geringe Löhne, mangelnde Wahlmöglichkeiten und die Frage, warum der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt so selten - nämlich bei weniger als einem Prozent aller Menschen in Werkstätten - gelingt. Außerdem ordnen sie zentrale Kritikpunkte ein: die niedrige Übergangsquote, die Debatte um Mindestlohn, die Klage von Jürgen Linnemann mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte, der Redaktion des ZDF Magazin Royale und Sozialhelden e.V. sowie die Frage, wer eigentlich von Werkstattarbeit profitiert. In der nächsten Folge schauen wir noch genauer auf das System Werkstätten, seine Strukturen, seine Rechtfertigungen und seine Probleme. Die Neue Norm Podcast zum Thema Arbeitsmarkt Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Deutsche Bahn – mit viel Verspätung für behinderte Menschen bald barrierefrei?29.05., 12:5029.05.2026, 12:5001:21:01
Fortschritte und Frustmomente - beides erleben Menschen mit Behinderung bei Bahnreisen. Hosts Jonas Karpa, Raúl Krauthausen und Karina Sturm fragen, warum Mobilität für behinderte Menschen noch immer zu oft von Glück, Personal und Technik abhängt. In Folge 75 unseres Bayern 2 Podcasts geht es um Mobilität, genauer: die Hosts Jonas Karpa, Raúl Krauthausen und Karina Sturm sprechen über das Reisen mit der Deutschen Bahn. Und nein, wir betreiben hier kein Bahnbashing - auch wenn es vielleicht so einfach wäre. Vielmehr sprechen wir über Fortschritte, Frustmomente und die Frage, warum Mobilität für behinderte Menschen noch immer zu oft von Glück, Personal und Technik abhängt. In dieser Folge bringen wir neben unserer noch weitere Perspektiven mit: Bastian Arning, Leiter der Kontaktstelle für barrierefreie Mobilität der Deutschen Bahn, erklärt in mehreren O-Tönen, was sich beim digitalen Ticketkauf, bei kostenfreien Sitzplatzreservierungen, Rollstuhlplatzbuchungen und beim spontanen Reisen verändert hat. Kay Macquarrie, Journalist bei der Deutschen Welle, der sich unter anderem für barrierefreie Bahnfahrten einsetzt, spricht in einem Interview mit Karina über Bordhublifte, niveaugleichen Einstieg, die Kampagne und dazugehörige Klage „Jederzeit mit Bahn“ und darüber, warum Barrierefreiheit nicht von Anmeldung und Sonderwissen abhängen darf. Außerdem berichten Zauberbärin und Frankyman von ihren Erfahrungen als Vielfahrer*innen: von Servicezeiten, vergessenen Anmeldungen, technischen Ausfällen, diskriminierenden Situationen, aber auch von Schulungen, Verbesserungen und ihrem Einsatz dafür, dass Hublifte einfacher und zuverlässiger bedient werden können. Weitere Episoden unseres Podcasts, in der wir ganz grundlegend über Mobilität und über Reisen gesprochen haben. Was sind eure Erfahrungen mit der Deutschen Bahn? Schreibt es uns in die Kommentare! Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Behindertengleichstellungsgesetz: Lieber kein Gesetz als dieses Gesetz?24.04., 12:2024.04.2026, 12:2001:02:16
Die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes sorgt für viel Kritik von Menschen mit Behinderung. Für viele gilt: So darf dieses Gesetz nicht kommen. In Folge 74 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen über die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) – und warum viele behinderte Menschen sie als Rückschritt sehen. Statt mehr Barrierefreiheit zu schaffen, könnte das Gesetz in seiner aktuellen Form vor allem die Privatwirtschaft entlasten. Für viele gilt deshalb: So darf dieses Gesetz nicht kommen. Gemeinsam mit Stimmen aus der Community, unter anderem von Richterin Nancy Poser, ordnen wir die Kritik ein. Außerdem geht es um die Proteste und Kampagnen gegen die Reform – unter anderem gemeinsam mit AbilityWatch – und darum, warum einige inzwischen sagen: Lieber kein Gesetz als dieses. Die gesamte AbilityWatch Social Media Kampagne findet ihr entweder auf Instagram (offene Untertitel, Transkripte und Audiodeskription in Textform) oder auf YouTube Shorts (offene Untertitel). Wichtige Links zur BGG-Reform: Die vollständigen Texte der UN-Behindertenrechtskonvention und der BGG-Reform. Die Seiten von AbilityWatch e. V. und dem Journalisten René Schaar zur BGG-Reform, sowie die dazugehörige Petition. Am 5. Mai finden anlässlich des Europäischen Prozesstages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen – unter anderem in Hamburg und Berlin – weitere Demonstrationen statt. Andere relevante Podcastfolgen, die wir erwähnt haben: Leipziger Buchmesse über Demokratie mit Arne Semsrott Mediziner*innen mit Behinderung Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Demokratie - Nicht ohne uns! Von der Leipziger Buchmesse27.03., 12:0027.03.2026, 12:0000:47:23
Was hat Demokratie eigentlich mit Inklusion zu tun - und warum funktioniert das eine nicht ohne das andere? Zusammen mit Aktivist und Politikwissenschaftler Arne Semsrott war Die Neue Norm bei der Leipziger Buchmesse. In Folge 73 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen live von der Leipziger Buchmesse 2026 mit dem Aktivisten, Journalisten und Politikwissenschaftler Arne Semsrott über die Frage: Was hat Demokratie eigentlich mit Inklusion zu tun – und warum funktioniert das eine nicht ohne das andere? Ausgehend vom Titel "Demokratie – nicht ohne uns!" geht es um den aktuellen Zustand von Demokratie und Inklusion in Deutschland – und darum, wer eigentlich mitgemeint ist, wenn von Teilhabe gesprochen wird. Schnell wird klar: Während Deutschland demokratisch vielleicht im Mittelfeld liegt, hinkt es bei Inklusion oft hinterher. Besonders deutlich zeigt sich das etwa bei der geplanten Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), die statt Fortschritt eher Rückschritte befürchten lässt. Raúl beschreibt, wie Barrieren im Alltag nicht nur bestehen bleiben, sondern teilweise sogar wieder zunehmen – etwa wenn Menschen mit Behinderung aus vermeintlichen "Sicherheitsgründen" von Orten ausgeschlossen werden. Gleichzeitig geht es um die große Frage: Wie sieht eine inklusive Gesellschaft eigentlich aus? Eine, in der wirklich alle Räume zugänglich sind – und in der Menschen mit Behinderung nicht nur teilhaben, sondern auch gestalten und entscheiden. Karina bringt eine Perspektive ein, die oft übersehen wird: die von Frauen mit unsichtbaren Behinderungen, die selbst mit Diagnose nicht ernst genommen werden – mit teils gravierenden Folgen. Es geht um Machtverhältnisse, Hierarchien und die Frage, warum bestimmte Erfahrungen systematisch ignoriert werden. Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um Aktivismus und die Rolle der Zivilgesellschaft. Arne spricht über sein Buch "Gegenmacht. Die Zivilgesellschaft schlägt zurück. Eine Anleitung für die demokratische Offensive. Demokratie, Widerstand und Optimismus." und darüber, warum Veränderung oft nicht am Verhandlungstisch entsteht, sondern durch Druck von außen. Anhand von Beispielen wie den sogenannten Tennisball-Protesten im Fußball zeigt er, wie wirksam kollektiver Widerstand sein kann – und warum Konflikt ein wichtiger Bestandteil demokratischer Prozesse ist. Dabei wird auch diskutiert, wie Protest für alle zugänglich sein kann – denn klassische Demonstrationen schließen viele Menschen aus. Welche neuen, kreativen Formen von Protest braucht es also? Und wie können auch Menschen mit Behinderung wirksam politische Veränderungen anstoßen? Am 5. Mai findet zum Beispiel anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Berlin eine große Demonstration unter dem Motto "Neustart Inklusion" statt. Außerdem geht es um konkrete Initiativen und Projekte wie Frag den Staat, die sogenannten PRÜF!-Demos oder das Format "Fun Facts", die zeigen, wie demokratisches Engagement heute aussehen kann – niedrigschwellig, kreativ und gemeinschaftlich. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen – und Inklusion entscheidet darüber, wer das überhaupt kann. Oder anders gesagt: Demokratie gibt es nicht ohne uns. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier https://www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Über Glasknochen: mit Leonard Grobien und Kübra Sekin27.02., 12:0027.02.2026, 12:0001:06:55
Raul Krauthausen, Leonard Grobien und Kübra Sekin - alle drei haben Glasknochen. Welche ähnlichen Erfahrungen haben sie? Und warum sind eigentlich so viele mit Glasknochen in kreativen Berufen tätig? In Folge 72 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen gemeinsam mit den Gäst*innen Kübra Sekin und Leonard Grobien über Glasknochen (Osteogenesis imperfecta) – und darüber, was diese Behinderung jenseits von Diagnose-Details im Alltag bedeutet. Es geht um Themen wie Kindheit mit Brüchen und Schmerzen, um Krankenhaus-Erfahrungen, um Crip Empowerment, Sichtbarkeit, – und warum gerade so viele Menschen mit Glasknochen in Medien- und Kulturräumen präsent sind. Raúl, Kübra und Leonard sprechen darüber, wie sie mit dem Begriff "Glasknochen" umgehen, wie vielfältig die Diagnose "Glasknochen" ist, wie man mit dem Frust in der Kindheit und Jugend aufgrund der vielen Brüchen und langen Krankenhauszeiten umgeht. Ein großes Thema ist Sichtbarkeit: das "als behindert gelesen werden" – bis hin zu ganz konkreten Erfahrungen wie Verwechslungen in der Öffentlichkeit (Leonard wird häufig für Raúl gehalten und Raúl wird oft mit dem Politiker Edwin Greve oder den Schauspieler Erwin Aljukic verwechselt). In der zweiten Hälfte verlagert sich der Fokus auf Repräsentation und Arbeitsrealität in Film und TV: Kübra und Leonard beschreiben, wie oft Behinderung weiterhin klischeehaft erzählt und nicht authentisch besetzt wird – und wie man Repräsentation vor und hinter der Kamera verbessert werden kann. Außerdem erwähnen Kübra und Leonard den Verein Cast Me In, die Schauspieler*innen Saioa Alvarez, Jana Zöll, und Jan Kampmann. Außerdem sprechen wir über Karinas (englischer) YouTube-Serie Props No More zu Repräsentation und Kübras Serie “Ruby” auf ZDF Neo. Live-Hinweis: Die Neue Norm ist am 21. März auf der Leipziger Buchmesse live zu hören – mit dem Schwerpunkt Demokratie und Inklusion (u. a. im Gespräch mit Arne Semsrott).
- Von Alltagshelfern bis Lifehacks – Wie Hilfsmittel Menschen mit Behinderung unterstützen30.01., 11:4530.01.2026, 11:4501:02:08
Ist Rauls Rollstuhl gepimpt? Karinas verziert? Was macht man, wenn der Akku des E-Rollis unterwegs leer ist? Warum benutzt Jonas keinen Langstock? Diesmal sprechen Jonas Karpa, Raúl Krauthausen und Karina Sturm über Hilfsmittel und persönliche "Lifehacks”, die den Alltag mit Behinderung erleichtern. In Folge 71 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen Jonas Karpa, Karina Sturm und Raúl Krauthausen über Hilfsmittel und persönliche "Lifehacks", die den Alltag mit Behinderung erleichtern. Von absolut notwendigen Rollstühlen über Küchenhelfer und komplexe Routenplanung zeigen die Hosts die kreativen Lösungen der Disability Community. Raúl erzählt, was er an seinem Elektrorollstuhl "pimpen" würde (u. a. pannensichere Reifen, Klapptisch, Regenverdeck und bessere Software) und berichtet über praktische Grenzen wie Akku-Reichweite und fehlenden Nutzerzugriff auf Einstellungen – inklusive Kritik an kostenpflichtigen Feature-Freischaltungen (bis zu mehreren hundert Euro) und schlechter Beratung durch manche Sanitätshäuser. Karina schildert, wie stark Hilfsmittel vom Tageszustand und der Situation abhängen (Halskrause, Bandagen, Routenplanung mit Toiletten-Stopps) und welche Probleme entstehen können, wenn ein Rollstuhl falsch ausgewählt oder angepasst ist. Jonas beschreibt das Smartphone als zentralen Alltagshelfer bei Sehbehinderung (Vergrößerung, Navigation, Satellitenansicht) und spricht über die Abwägung, Behinderung sichtbar zu machen (z. B. Langstock) – zwischen Sicherheit, Orientierung und Vulnerabilität. Mehr über Hilfsmittel erfahren? Hört euch auch Episode 8 dazu an! Ergänzend teilen die Hosts und die Community kreative Alltagstricks: Greifer als günstige Alternative zur Kassenversorgung, Haushaltshelfer wie Saug-/Wischroboter und Küchenmaschinen, Magnet-Laden fürs Handy, modulare Transportlösungen am Rollstuhl, sowie Routinen- und Planungssysteme im Familienalltag; außerdem wird die unterstützende Rolle von Tieren thematisiert. Zusätzlich haben wir unsere Hörer*innen auf Instagram nach deren kreativen Alltagshelfern gefragt und deren Kommentare wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Einsamkeit - Warum Menschen mit Behinderung öfter betroffen sind19.12., 09:3019.12.2025, 09:3001:04:42
Einsamkeit betrifft viele Menschen - quer durch alle Altersgruppen. Doch manche Personengruppen sind mehr betroffen, darunter zum Beispiel behinderte Menschen. Aber was genau ist Einsamkeit eigentlich? Wann haben wir uns eigentlich das letzte Mal einsam gefühlt? Einsamkeit betrifft viele Menschen – quer durch alle Altersgruppen. Doch manche Personengruppen sind mehr betroffen, darunter zum Beispiel behinderte Menschen. Aber was genau ist Einsamkeit eigentlich? Wann haben wir uns eigentlich das letzte Mal einsam gefühlt? In Folge 70 unseres Bayern 2 Podcast sprechen Jonas, Raúl und Karina über Einsamkeit. Wir gehen ins siebte Jahr von Die Neue Norm und nehmen das zum Anlass, nochmal zurückzublicken. Insbesondere auf die letzte Folge, in der wir über Disability Studies sprachen. Inzwischen hat die Universität Köln verkündet, den entsprechenden Arbeitsbereich zu streichen. Jonas, Raúl und Karina nähern sich dem Thema Einsamkeit persönlich: Was verbinden wir eigentlich mit Einsamkeit? Wann fühlen wir uns allein – und ist das dasselbe wie einsam sein? Anschließend hören wir ein Interview mit Univ.-Prof. Dr. Susanne Bücker, Professorin für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Universität Witten/Herdecke. Sie forscht seit vielen Jahren zu Einsamkeit über die Lebensspanne hinweg, mit besonderem Fokus auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. In ihren aktuellen Studien untersucht sie unter anderem, wie sich Einsamkeit früh zeigt und wie man rechtzeitig gegensteuern kann. Im ersten Teil des Gesprächs erklärt sie, wie Einsamkeit wissenschaftlich definiert wird und warum sie mehr ist als bloßes Alleinsein. Jonas spricht mit ihr über Risikofaktoren: persönliche Lebensumstände, gesellschaftliche Bedingungen und strukturelle Barrieren. Prof. Dr. Bücker ordnet ein, welche Menschen stärker von Einsamkeit betroffen sind, welche Auswirkungen Einsamkeit auf psychische und körperliche Gesundheit haben kann und welchen Einfluss soziale Medien dabeihaben. Im zweiten Teil der Folge diskutieren Jonas, Raúl und Karina die Verbindung von Einsamkeit und Behinderung. Es geht um Ableismus, Barrieren, soziale Ausgrenzung – aber auch um intersektionale Faktoren wie Armut oder Migrationsgeschichte. Podcast-Episode über FOMO Im weiteren Interview spricht Prof. Dr. Bücker darüber, wie sich Einsamkeit in einer digitaleren und stärker individualisierten Gesellschaft verändert hat. Wir sprechen über wirksame persönliche Strategien gegen Einsamkeit und darüber, warum individuelle Tipps allein nicht ausreichen. Auch politische und gesellschaftliche Ansätze zur Einsamkeitsprävention kommen zur Sprache. Wir erwähnen: - den Newsletter von Theresa Bäuerlein: "Wie du nicht den Verstand verlierst". - die “Im Aufzug” mit Monika Jiang zum Thema Einsamkeit. - das Kompetenzzentrum Einsamkeit. - die Dokuserie "Exit Einsamkeit" in der ARD-Mediathek. - eine Studie zu Einsamkeit. Hilfe & Unterstützung: - Telefon Seelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123 (24/7 erreichbar, anonym & kostenlos) - Nummer gegen Kummer (für Kinder & Jugendliche): 116 111 Habt ihr Feedback, eigene Erfahrungen oder Themenvorschläge für den Podcast? Dann schreibt uns oder schickt uns eine Sprachnachricht: +49 (0)155 66 19 49 07 podcast@dieneuenorm.de Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Disability Studies - Nichts über uns, ohne uns28.11., 15:2028.11.2025, 15:2001:08:52
Forschung von und mit behinderten Menschen. Was genau sind Disability Studies eigentlich? Und welchen ganz konkreten Unterschied machen sie im Alltag von Menschen mit Behinderungen? Diese Fragen klären Jonas, Karina und Raúl in der aktuellen Folge gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Saerberg, einer der zentralen Stimmen der Disability Studies in Deutschland. In Folge 69 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir über Disability Studies – Forschung von und mit behinderten Menschen. Was genau sind Disability Studies eigentlich? Warum betrachten sie Behinderung anders als die Medizin? Und welchen ganz konkreten Unterschied machen sie im Alltag von Menschen mit Behinderungen? Diese Fragen klären Jonas, Karina und Raúl in der aktuellen Folge gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Saerberg, einer der zentralen Stimmen der Disability Studies in Deutschland. Zu Beginn erzählt Prof. Dr. Siegfried Saerberg, Soziologe und langjähriger Professor an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie in Hamburg, wie er selbst zu den Disability Studies gefunden hat. Er erklärt, wie Disability Studies Behinderung definieren, warum sie sich vom medizinischen Modell unterscheiden und warum Forschung mit statt über behinderte Menschen für das Feld zentral ist. Wir schauen auf die historische Entwicklung: Wo die Disability Studies international ihren Ursprung haben, warum sie in Deutschland später Fuß gefasst haben – und welche Themen hier besonders im Fokus stehen. Außerdem geht es darum, wie nah Disability Studies an der Lebensrealität behinderter Menschen sind und inwiefern der Forschungsbereich selbst barrierefrei ist. In einem zweiten Schwerpunkt diskutieren wir aktuelle politische Entwicklungen. An der Hochschule in Hamburg soll das Disability-Studies-Programm eingestellt werden. Wir sprechen darüber, was die Hochschule plant, wie es weitergeht, warum Disability Studies gesellschaftlich relevant sind und wo sie bereits zu konkreten Verbesserungen geführt haben. Drei Zentren für Disability Studies in Deutschland ZeDiS. – Zentrum für Disability Studies in Hamburg BODYS – Das Bochumer Zentrum für Disability Studies iDiS – Internationale Forschungsstelle Disability Studies in Köln Im internationalen Kontext blicken wir auf die USA, wo viele Diversity-Initiativen eingestellt werden und damit auch Disability-Studies-Programme bedroht sind. Medienforscherin Prof. Beth Haller ordnet die Entwicklungen ein. Zum Abschluss fragen wir: Was braucht es, damit Disability Studies in Deutschland dauerhaft bestehen können? Was können Hochschulen, Politik und Studierende dafür tun? Außerdem erwähnen wir das Buch von Vincent Herr und Martin Speer: "Wenn die letzte Frau den Raum verlässt”. Wir sprechen auch über unsere Podcastfolgen zu den Themen Religion, Leipziger Buchmesse, Medienrepräsentation, Barrierefreiheit, und Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, die ihr alle hier finden könnt. Petition Disability Studies Hamburg retten Wenn ihr noch ein Thema habt, über das wir hier im Podcast unbedingt mal sprechen sollten, dann schickt uns gerne eine Sprachnachricht und schlagt uns dieses Thema vor an die 0155-66194907. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Vorbilder: Auch jenseits von Behinderung31.10., 13:0031.10.2025, 13:0000:55:54
Menschen, die man bewundert, die einen inspirieren. Das können welche mit und ohne Behinderung sein. Oder sollte man als Mensch mit Behinderung vor allem Idole ebenfalls mit Behinderung haben? In Folge 68 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir über Vorbilder – oder sind das Idole? Jonas, Raúl und Karina bringen verschiedene Vorbilder mit in die Show, die sie aus den unterschiedlichsten Gründen bewundern. Aber sind das denn alles Menschen mit Behinderungen? Müssen das vielleicht gar behinderte Vorbilder sein? Oder bewundert Raúl vor allem Usain Bolt? Alle diese Fragen beantworten wir in unserer Folge „Vorbilder“. Karina hat drei Vorbilder mit in die Show gebracht. Sie erzählt davon, dass sie Niloofar Hamedi, eine iranische Journalistin, für ihren Mut über die Ermordung von Mahsa Amini bewundert. Der Graphic Novel „Frau, Leben, Freiheit“ hat sie dabei tief bewegt. Außerdem findet Karina Keanue Reeves für seine Bodenständigkeit und Bescheidenheit toll. Das dritte Vorbild ist Beth Haller, Disability Studies Professorin, die Karina schon während der Masterarbeit als Mentorin begleitet hat. Raúl hat auch drei Vorbilder mitgebracht. Zu Beginn spricht Raúl über Ruth Bader Ginsburg, ehemalige Supreme Court Richterin in den USA und ausgesprochene Feministin. Er empfiehlt den Dokumentarfilm „RGB”. Eine Person, die Raúls ganzes Leben geprägt hat, war Roger Willemsen, ein Moderator, Autor und naher Freund von Raúl. Willemsen hat Raúls Weg in die Medienwelt geebnet und später das Vorwort zu Raúls erstem Buch „Dachdecker wollt ich eh nicht werden” geschrieben. Als drittes Vorbild nennt Raúl die Juristin, Menschenrechtsaktivistin und Professorin Theresia Degener, die eine der Mitautor*innen der UN-Behindertenrechtskonvention ist. Raúl hat außerdem kleine Crushes auf Mai Thi Nguyen, Aladin El-Mafaalani und Hazel Brugger, die alle bei ihm im Podcast „Im Aufzug” zu Gast waren. Jonas hat als Vorbild Stella Young mitgebracht, eine amerikanische Journalistin und Komikerin, die in ihrem TED-Talk den Begriff „Inspiration Porn“ geprägt hat. Andere Menschen, die wir erwähnt haben, sind z. B. Judy Heumann, Friedrich Küppersbusch, Helmut Schmidt und das Buch „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt", Hape Kerkeling, Peter Lustig, Pumuckl, Karlsson vom Dach, Pippi Langstrumpf, Siebenstein, Christoph von der Sendung mit der Maus, Ian Harding, Jameela Jamil und Tom Beck. Was habt ihr für Vorbilder oder Idole? Schreibt uns das gerne in die Kommentare und wenn ihr noch ein Thema habt, über das wir hier im Podcast unbedingt mal sprechen sollten, dann schickt uns gerne eine Sprachnachricht und schlagt uns dieses Thema vor an die 0155-66194907. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Haft – wie barrierefrei sind Gefängnisse in Deutschland?26.09., 17:0026.09.2025, 17:0001:01:18
Ein Ort voller Barrieren: das Gefängnis. Wie ist das Leben für Menschen mit Behinderung dort? Wir sprechen mit einem Inhaftierten, dem Pflegeleiter der JVA, Dirk Rautenberg, und der Anwältin Pamela Pabst darüber, was passiert, wenn jemand mit Behinderung im Strafvollzug landet.
- Multiple Sklerose: Leben mit der “Krankheit der 1000 Gesichter”29.08., 12:0029.08.2025, 12:0000:42:02
MS: eine Krankheit, die oft unsichtbar und dynamisch verläuft und zu Behinderungen führen kann. Multiple Sklerose wird viel erforscht, aber ist man dadurch privilegierter als andere Menschen mit Einschränkungen? In Folge 66 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir über eine Krankheit, die oft unsichtbar und dynamisch verläuft und als die "Krankheit der 1000 Gesichter" zählt: Multiple Sklerose (MS). Gemeinsam mit Sibylle Schwarz, die selbst mit MS lebt, gehen wir der Frage nach, was es bedeutet, mit dieser chronischen Erkrankung zu leben, welche Herausforderungen sie mit sich bringt – und was das alles mit Inklusion, Barrierefreiheit und gesellschaftlichen Vorurteilen zu tun hat. MS betrifft rund 280.000 Menschen in Deutschland, vor allem junge Erwachsene. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) beschreibt MS als eine entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Aufgrund der enormen Bandbreite an Symptomen und Verläufen wird MS oft auch als “Krankheit der 1000 Gesichter” bezeichnet. Mit Sibylle Schwarz sprechen wir darüber, wie sich das Leben nach der Diagnose verändert – beruflich, sozial und persönlich. Wie geht man mit einer Krankheit um, die man den meisten Menschen nicht ansieht? Was passiert, wenn die eigene Leistungsfähigkeit schwankt oder der Körper sich langsam verändert? Und wie verändert sich der Blick auf sich selbst, wenn man früher Marathon gelaufen ist und es heute an manchen Tagen nicht zum Supermarkt nebenan schafft? Die Neue Norm Podcast über chronische Erkrankungen Wir thematisieren auch die gesellschaftliche Repräsentation von MS: Wie steht die MS in der Öffentlichkeit da und welche Rolle spielen Prominente wie Selma Blair. MS ist eine Erkrankung, zu der vergleichsweise viel geforscht wird – auch das werfen wir gemeinsam mit Sibylle auf: Wie privilegiert ist man eigentlich als Betroffene einer bekannten Erkrankung? Im letzten Teil erzählt uns Sibylle, welche strukturellen Bedingungen es vor allem im Job bräuchte, damit Menschen mit dynamischen Behinderungen inklusiv am Arbeitsleben teilhaben können. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – Anspruch, Wirklichkeit, Perspektiven30.07., 13:0030.07.2025, 13:0000:59:38
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Welche Bereiche betrifft es konkret, ab wann gilt es und wer kontrolliert die Umsetzung? Zu Gast Michael Wahl, Leiter der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund). In Folge 65 unseres Bayern 2 Podcasts sprechen wir über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Das Gesetz soll Barrierefreiheit in Deutschland voranbringen – und zwar nicht nur im öffentlichen, sondern erstmals auch im privaten Bereich, etwa bei Onlineshops, Bankautomaten oder E-Books. Doch welche Bereiche betrifft es konkret, ab wann gilt es und wer kontrolliert die Umsetzung? Darüber sprechen wir mit Michael Wahl, Leiter der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund). Michael Wahl ist selbst blind und kennt Barrierefreiheit sowohl aus beruflicher als auch aus persönlicher Perspektive. Er erzählt uns, dass das BFSG die EU-Vorgaben aus dem European Accessibility Act (EAA) in nationales Recht umsetzt. Seit dem 28. Juni 2025 müssen bestimmte Produkte und Dienstleistungen barrierefrei gestaltet sein. Das betrifft größtenteils digitale Angebote, wie z. B. Bankautomaten, Zahlungsterminals, Onlineshops und Apps. Wir sprechen über die Rahmenbedingungen und für wen das Gesetz gilt. Das BFSG ergänzt bestehende Regelungen wie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV). Dabei illustriert Michael Wahl das Gespräch mit diversen Fallbeispielen. Außerdem sprechen wir darüber, wie die Einhaltung kontrolliert wird und welche Sanktionen möglich sind. Für den öffentlichen Bereich ist dafür die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik zuständig, für den privaten Bereich gibt es eigene Marktüberwachungsbehörden, die auch Sanktionen verhängen können. Auch Privatpersonen können dabei helfen. Sie können z. B. Barrieren melden, die ihnen im Onlinebereich auffallen. Denn je mehr Barrieren gemeldet werden, desto sichtbarer wird das Gesetz. Natürlich wollen wir auch Michael Wahls persönliche Einschätzung hören. Er spricht darüber, welche Chancen er sieht, welche Kritikpunkte auch aus seiner Perspektive berechtigt sind und was er sich von Politik und Wirtschaft wünscht. Klar ist am Ende: Barrierefreiheit hilft allen, vor allem den Anbietern, die ihre Dienste so einem größeren Publikum zugänglich machen. Insofern ist das BFSG ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange kein Zielpunkt. Wenn ihr mehr über das Thema hören wollt, könnt ihr dies ab Herbst auch in Michael Wahls neuem Podcast Unlimited. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier: www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- USA: Diskriminierung per Gesetz - Wie behinderte Menschen um ihre Rechte fürchten27.06., 12:0027.06.2025, 12:0001:04:18
Die aktuelle politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten: Was würde die Abschaffung des Americans with Disabilities Act (ADA) für Menschen mit Behinderung bedeuten? Oder Änderungen bei Medicare und Medicaid? Und warum sollte jetzt Deutschland genau hinsehen, was in den USA passiert? Interviews mit den Behindertenvertreter*innen Jim LeBrecht, Jan Groh und Day Al-Mohamed. In Folge 64 unseres Bayern 2 Podcast schauen wir auf die aktuellen politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Wir sprechen mit mehreren Behindertenrechtsaktivist*innen darüber, was die Abschaffung des Americans with Disabilities Act (ADA), Medicare/Medicaid und der Diversity, Equity, Inclusion (DEI)-Initiativen für die behinderten Menschen vor Ort bedeuten würde und warum auch Deutschland jetzt genau hinsehen sollte. Dieser Podcast ist in drei Themenblöcke aufgeteilt, die für uns von besonders großer Relevanz schienen. Den Anfang macht ein Interview mit Jim LeBrecht, Co-Regisseur des bekannten Films “Crip Camp”, der für einen Oscar nominiert war und mittlerweile auf Netflix zu sehen ist. Im Interview mit Jim sprechen wir vor allem über den ADA und die damit assoziierten 504-Regelungen, die wichtigsten gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Barrierefreiheit und Inklusion von behinderten Menschen in den USA. Der ADA wurde auch in vielen anderen Ländern als Vorbild für lokale Gesetze genutzt und gilt als Vorbild und “Best Practice” Beispiel. Jim spricht darüber, was sich nach Einführung des ADA und 504 für behinderte Menschen im Land getan hat, und was es bedeuten würde, wenn diese Rechte wieder abgeschafft werden würden. Jim spricht im Interview von der Klage Texas vs. Kennedy. Eine Gruppe von 17 Bundesstaaten hat die US-Regierung verklagt und fordern das Gericht auf, die 504-Regelungen sowie die im Jahr 2024 aktualisierten Regelungen aufzuheben, die Menschen mit Behinderungen vor Diskriminierung im Gesundheitswesen und in sozialen Diensten schützen. Die Staaten fechten die 504-Regelungen als verfassungswidrig an. Teil der Klage war, dass unter dem Schirm des 504 auch trans Personen und spezifisch Genderdysphorie als Behinderungsform inkludiert waren. Diese Regelung wollten die 17 Staaten wieder ändern. Mittlerweile hat sich die Lage verändert. Nach unserem Gespräch mit Jim haben die Staaten zumindest den Teil fallen gelassen, indem sie die 504-Regelungen als verfassungswidrig anfechten. Die Klage selbst ist aber nicht zurückgezogen und das Gesundheitsministerium hat sich angeschlossen. Eine wichtige amerikanische Organisation, die gegen solche diskriminierenden Handlungen vorgeht, ist der Disability Rights Education and Defense Fund (DREDF). Außerdem versucht die derzeitige US-Regierung auch Programme abzuschaffen, die chronisch kranken und behinderten Menschen eine einigermaßen bezahlbare medizinische Versorgung gewährleisten und ihnen die Teilhabe am Leben ermöglichen, durch z. B. Pflege, ambulantes Wohnen usw. Diese staatlich geförderten Programme heißen Medicare und Medicaid. Medicare versorgt vor allem Menschen ab 65 Jahren sowie bestimmte jüngere Menschen mit Behinderungen, während Medicaid einkommensschwache Personen und Familien mit medizinischen Leistungen unterstützt. Für diesen Themenblock haben wir mit Patient*innenvertreterin Jan Groh gesprochen. Jan ist Autorin und betreibt den Blog ohtwist. Sie lebt außerdem mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom und ist eine gute Bekannte von Karina. Mit Jan haben wir darüber gesprochen, was Medicare und Medicaid eigentlich bedeutet, welche akuten Veränderungen drohen und welche persönlichen Auswirkungen das auf die Community hätte. Jan erwähnt in ihrem Interview die Organisation adapt.org, die sich für die Rechte von Betroffenen einsetzt. Vor welchen Herausforderungen chronisch kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen im heutigen Gesundheitswesen stehen, darüber haben wir auch in zwei kürzlichen Podcastfolgen gesprochen: https://dieneuenorm.de/podcast/medizinerinnen-mit-behinderung-teil-1/ https://dieneuenorm.de/podcast/medizinerinnen-mit-behinderung-teil-2/ Im letzten Teil des Podcast sprachen wir mit Day Al-Mohamed. Day war während der Biden-Harris-Regierung als Leiterin der Behindertenpolitik im Weißen Haus tätig und ist außerdem blinde, preisgekrönte Filmemacherin und Creator der PBS-Serie RENEGADES. Mit Day sprachen wir über sogenannte DEI-Initiativen und was diese für behinderte Menschen bewirken. Außerdem erzählt uns Day davon, wie sich die derzeitigen Änderungen auf behinderte Menschen auswirken. Wir thematisieren drei Verordnung von Präsident Trump (“executive orders”): ● “Beendigung radikaler und verschwenderischer Regierungsprogramme zu DEI und Präferenzen”. ● “Schutz von Frauen vor Extremismus der Gender-Ideologie”. ● “Beendigung illegaler Diskriminierung und Wiederherstellung von leistungsbasierten Chancen.” Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- ME/CFS - die stille Krankheit30.05., 12:0030.05.2025, 12:0000:54:59
ME/CFS ist weit weit mehr als "ein bisschen erschöpft sein". Betroffene Menschen stoßen an zahlreiche Barrieren im Gesundheits- und Sozialsystem. Alina Snowwhite und andere können dazu viel erzählen. In dieser Folge unseres Bayern 2 Podcast widmen wir uns einem der von der Medizin lange ignorierten Thema: ME/CFS. Wir sprechen mit Gästin Alina Snowwhite darüber, was ME/CFS überhaupt bedeutet, wie der Alltag mit der Erkrankung aussieht und welche Wünsche Betroffene haben. Alina ist von moderatem ME/CFS betroffen und auf Instagram als Alina Snowwhite unterwegs. Sie ist außerdem Model, Aktivistin, frühere Athletin und Host des Podcasts “Spoons Out Of Control” Podcast, bei dem Karina auch schon mal zu Gast war. Wir sprechen mit Alina darüber, warum ME/CFS überhaupt nichts mit Müdigkeit zu tun hat, sondern eine schwere neuroimmunologische Erkrankung ist. ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom und betrifft den ganzen Körper. Neben der schweren und dauerhaften Erschöpfung (Fatigue), die auch durch Ausruhen nicht besser wird, leben die Betroffenen mit einer Vielzahl anderer Symptome, die ihre Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen, wie kognitive Dysfunktion und orthostatische Intoleranz. Als zentrales Leitsymptom gilt die post-exertionelle Malaise (PEM), eine Zustandsverschlechterung nach jeglicher Belastung - oft auch als “Belastungsintoleranz” bezeichnet - die Tage oder Wochen anhält und in einem Crash enden kann. Alina erzählt uns, welche Aktivitäten in ihrem Fall zu einem Crash führen kann und wie schwierig es war als Frau mit unsichtbaren Symptomen überhaupt eine Diagnose zu bekommen. Alina teilt mit uns die Barrieren im Gesundheits- und Sozialsystem. Sie erzählt davon, wie sie von mehreren Mediziner*innen gaslighted wurde. Über Gaslighting und die Herausforderungen im Gesundheitssystem haben wir auch in Episode 61 gesprochen. Außerdem wurde Alina der Pflegegrad verweigert, als sie schwer betroffen war. Da es für nicht betroffene Menschen sehr schwierig ist, sich vorzustellen, was es bedeutet, schwer(st) betroffen zu sein und die Betroffenen keine Plattform haben, weil sie meist bettlägrig sind und daher oft keine Stimme haben, haben wir die O-Töne von 20 Betroffenen eingebunden. Wir haben in dieser Folge zwei 7-minütige Einspieler, in dem schwer(st) Betroffene von ihrem Alltag mit ME/CFS erzählen und von ihren Wünschen für die Zukunft. Wir verstehen, dass wir ein einer einstündigen Folge nicht sämtliche Schweregrade und Perspektiven darstellen können und auch nicht 20 O-Töne in ihrer Vollständigkeit zeigen konnten. Doch wir wollten auch nicht Teil des Problems sein und gerade die schwer Betroffenen weiter silencen. Daher haben wir uns entschieden alle Ausschnitte aus allen O-Tönen als Transkript komplett anonymisiert zum Lesen bereitzustellen. Wir sprechen mit Alina weiter über ihre Lebensqualität als mittlerweile moderat Betroffene. Selbst bei einem milden Verlauf ist das Aktivitätsniveau der Betroffenen bereits um etwa 50 Prozent im Vergleich zu gesunden Menschen reduziert. Bei einem moderaten Verlauf sind die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzugehen und können das Haus nicht verlassen. Sie sind in allen Bereichen eingeschränkt. Beim schweren Verlauf sind einfache Tätigkeiten wie Duschen oder Zähneputzen kaum noch möglich. Bei sehr schwerem ME/CFS können die Betroffenen meist ihr Bett nicht mehr verlassen und benötigen umfassende Pflege. Ein schwerer Verlauf von ME/CFS ist mit der Lebensqualität von Krebserkrankungen im Endstadium vergleichbar. Wir haben Alina gefragt, welche Ressourcen ihr geholfen hat, und sie hat uns folgende empfohlen: Instagram: @mecfs_research @me_cfs_portal @fatigatio.mecfs @dg_mecfs @mmissinggermany @liegenddemo @nichtgenesen Websites: https://www.mecfs.de/ https://www.liegenddemo-bodensee.de/ https://www.fatigatio.de/ Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier https://www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Literatur und Behinderung - Live von der Leipziger Buchmesse25.04., 11:3525.04.2025, 11:3501:09:24
Protagonist*innen mit Behinderung: Wie authentisch werden sie in "Fourth Wing" von Rebecca Yarros, in "Hey, Guten Morgen, wie geht es dir?" von Martina Hefter, und in "Nacht der Schildkröte" von Greta Olivo dargestellt? In Episode 62 brechen wir mal wieder mit der “Norm”, denn sie besteht aus zwei Teilen: Raúl und Karina, live von der Leipziger Buchmesse und Jonas mit Karina, aus dem Studio! Wir sprechen über Literatur mit behinderten Protagonist*innen und typische Klischees über Behinderung in Medien. Ob den Autor*innen, der von uns gelesenen Büchern, die Darstellung behinderter Menschen geglückt ist, erfahrt ihr in dieser Folge unseres Bayern 2 Podcasts. Leider ist die Darstellung von Behinderung auch heute noch oft stereotyp. Oft werden behinderte Menschen auf ihre Behinderung reduziert und diese dann genutzt, um für nicht-behinderte Menschen zum einen als Inspiration zu dienen (Inspiration Porn bzw. Held*innengeschichten). Wir erwähnen im Podcast als Beispiel für Inspiration Porn den Film “Ziemlich beste Freunde”. Auf der anderen Seite werden behinderte Menschen in Filmen auch häufig zu endlos leidenden Opfern gemacht, so z. B. in der Kinderserie “Heidi”. Ein weiteres genutztes Narrativ ist die Erlösung, was in der Regel das Sterben der behinderten Person bedeutet. Ein klassisches Beispiel, das wir diskutieren, ist “Million Dollar Baby”, aber genauso “Ein ganzes halbes Jahr”. Manche Autor*innen nutzen auch eine abwertende Sprache, die Menschen mit Behinderung als “minderwertig” oder eine Last darstellt. So z. B. das Zitat am Anfang der Podcastfolge, das aus dem Buch “Brüderchen” von Clara Dupont-Monod stammt. Es gibt aber auch positive Beispiele, wie Raúl auf der Buchmesse sagt, z. B. die kürzlich erschienene Serie “Echo”, deren Hauptcharakter eine indigene, taube Frau mit Beinprothese ist, die von einer Schauspielerin gespielt wird, die eben auch all das ist. Ob Filme Menschen mit Behinderung akkurat darstellen, kann man z. B. mit dem Tyrion-Lannister-Test, eine Art Bechdel-Test nur für Behinderung, überprüfen. In dieser Folge haben wir geschaut: Welche Bücher, vor allem Belletristik, nutzen denn nicht die gängigen Stereotypen und wo kommen behinderte Charaktere ganz selbstverständlich vor - Stichwort: Disability Mainstreaming. Folgende Bücher aus dem Bereich Belletristik sind uns dabei positiv aufgefallen: ● “Fourth Wing", “Iron Flame" und “Onyx Storm" von Rebecca Yarros: eine derzeitige Trilogie, in der die Hauptdarstellerin mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom lebt. ● “Nacht der Schildkröte“ von Greta Olivo: ein Coming-of-Age-Roman, in dem die Hauptdarstellerin eine progressive Augenerkrankung hat, die zur Erblindung führt. ● “Hey, Guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter - ein Roman in dem einer der Hauptprotagonisten mit Multipler Sklerose lebt und Pflege benötigt. Gleichzeitig haben wir natürlich auch einige Sachbücher zum Thema Behinderung gelesen und besonders spannend fanden wir: ● “Mit Kindern über Diskriminierung sprechen” von Olaolu Fajembola & Tebogo Nimindé-Dundadengar. Wir haben das Buch auch schon gereviewt. ● “Eugenische Phantasmen – Eine deutsche Geschichte“ von Dagmar Herzog. Hier als Review. ● “Angry Cripples“ von Luisa L‘Audace und Alina Buschmann. Zum Thema Angry Cripple haben wir auch schon eine Podcastfolge gemacht. Außerdem haben wir das Buch reviewt. Außerdem haben Raúl und Karina selbst Bücher geschrieben. Raúls aktuelles Buch heißt “Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden.”. Karinas letztes Buch hat den Titel “Stoppt Ableismus”. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Mediziner*innen mit Behinderungen (Teil 2) - Wie barrierefrei ist die medizinische Versorgung?28.03., 11:0028.03.2025, 11:0000:48:18
Praxen ohne Rampen, Ärzt*innen, die sich mit Glasknochen und seltenen Erkrankungen nicht auskennen... Wie gut bzw. schlecht ist die Gesundheitsversorgung für behinderte Menschen in Deutschland? Und was hat alles mit dem Begriff Gaslighting zu tun? In Folge 61 unseres Bayern 2 Podcasts haben wir zum zweiten Mal Dr. Leopold Rupp und Hannah Hübecker zu Gast. In dieser Fortsetzung von Episode 60 sprechen darüber, wie gut bzw. schlecht die Gesundheitsversorgung für behinderte Menschen in Deutschland ist. Wir schauen unter anderem, welche Barrieren es im Gesundheitssystem gibt, wie sie sich je nach Behinderungsart oder Geschlecht verändern und was das alles mit dem Begriff Gaslighting zu tun hat. Hannah ist Medizinstudentin in Essen, Klimaaktivistin und lebt mit Friedreich’s Ataxie. Ihr könnt ihr auf Instagram folgen. Leopold ist Arzt in Weiterbildung zum Allgemeinarzt an der Berliner Charité, 3x Deutscher Meister im Schießen und Rollstuhlfahrer. Auch Leopold könnt ihr auf Instagram folgen. In dieser Folge sprechen wir über mehr als nur die physischen Barrieren in Praxen, die auch heute immer noch nicht weitreichend barrierefrei sind. Karina erwähnt, dass es für Menschen mit seltenen Erkrankungen, wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS), noch ganz andere Barrieren gibt, über die kaum gesprochen wird. Zum Beispiel gibt es für Menschen mit EDS mittlerweile kaum noch kassenärztliche Versorgung, weil viele der Expert*innen aufgrund der Komplexität und des Zeitaufwands nur noch privatärztlich tätig sind. Viele Betroffene können sich solche Termine nicht leisten, weil sie z. B. erwerbsunfähig sind. Andere können die weiten Wege zu Expert*innen nicht zurücklegen. So sind Menschen mit komplexen Erkrankungen wie EDS in Deutschland häufig unterversorgt. In diesem Zusammenhang sprechen wir auch darüber, dass es in Deutschland eine klare Zwei-Klassen-Medizin gibt, die es Menschen mit seltenen und komplexen chronischen Erkrankungen noch schwerer macht, gut behandelt zu werden. Wir diskutieren mit unseren Gäst*innen außerdem das Thema Gaslighting, was besonders für Frauen mit Behinderung ein besonders großes Problem ist. Sie sind in der Medizin häufig einem Gender Bias ausgesetzt. Gender Bias bezeichnet die systematische Benachteiligung eines Geschlechts aufgrund von Stereotypen, Vorurteilen oder gesellschaftlichen Normen. Ein häufiges Vorurteil in der Medizin und in Bezug auf Frauen ist, dass Frauen bei Schmerzen emotional übertreiben, was dazu führt, dass ihre Beschwerden häufiger nicht ernst genommen, als psychisch abgetan oder unzureichend behandelt werden. Dazu gibt es verschiedene Studien. Gender Bias führt häufig zu Gaslighting. Gaslighting ist eine Art der emotionalen Misshandlung, bei der die Betroffenen so lange manipuliert werden, bis sie ihre eigene Wahrnehmung und Realität in Frage stellen. “Medical Gaslighting” wird häufig im Kontext mit Machtstrukturen, Abhängigkeitsverhältnissen und Gender verwendet, wie z. B. im Kontakt zwischen Mediziner*innen und deren Patient*innen. Dank COVID und Long-Covid war Gaslighting das Wort des Jahres 2022. Außerdem haben wir in dieser Folge Raúls Buch „Als Ela das All erobert” erwähnt, als auch die App “Broken Lifts”. Falls ihr uns spontan live erleben wollt, am 29. März sind wir um 15.15 Uhr auf der Leipziger Buchmesse und sprechen dort über Literatur und Behinderung. Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html
- Mediziner*innen mit Behinderungen (1): Über Berufung und Heilung28.02., 13:3028.02.2025, 13:3000:48:47
Mit Behinderung Medizin studieren und im Krankenhaus arbeiten, davon erzählen Hannah Hübecker und Dr. Leopold Rupp. Und: muss man Behinderung eigentlich heilen bzw. was hat das alles mit dem medizinischen Modell von Behinderung zu tun? In Episode 60 unseres Bayern2-Podcasts Die Neue Norm haben wir gleich zwei Gäst*innen: Hannah Hübecker und Dr. Leopold Rupp, beide Mediziner*innen mit Behinderung, die uns in der ersten Folge einer zweiteiligen Reihe aus ihrem Alltag in der Klinik erzählen. Wir sprechen unter anderem darüber, wie schwierig es ist, mit Behinderung Medizin zu studieren und dann als Ärzt*in zu arbeiten, ob man Behinderung eigentlich heilen muss und was das alles mit dem medizinischen Modell von Behinderung zu tun hat. Hannah ist Medizinstudentin in Essen, Klimaaktivistin und lebt mit Friedreich’s Ataxie. Ihr könnt ihr auf Instagram folgen. Leopold Arzt in Weiterbildung zum Allgemeinarzt an der Berliner Charité, 3x Deutscher Meister im Schießen und Rollstuhlfahrer. Auch Leopold könnt ihr auf Instagram folgen. In dieser Folge sprechen wir unter anderem über Modelle von Behinderung, vor allem über das medizinische und das soziale Modell. Das medizinische Modell sieht Behinderung als individuelles Problem an, das durch eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung verursacht wird. Hauptziel ist die Heilung oder Linderung der Behinderung durch medizinische Interventionen oder Rehabilitation. Menschen mit Behinderungen werden oft als “Patient*innen“ betrachtet und auf die Diagnose reduziert. Dieses Modell wird häufig im medizinischen Bereich angewandt und ist veraltet und ableistisch. Das soziale Modell sieht Behinderung als ein gesellschaftlich erzeugtes Problem an. Die Behinderung resultiert nicht nur aus individuellen Beeinträchtigungen, sondern aus den Barrieren, die die Gesellschaft errichtet. Man wird behindert; nicht man ist behindert. Es geht darum, die Barrieren in der Gesellschaft abzubauen, sei es in Form von physischen Hindernissen, diskriminierenden Einstellungen oder fehlenden Unterstützungsstrukturen. Das medizinische Modell von Behinderung ist tief verankert in der Gesellschaft. Jonas erwähnt in dem Zusammenhang z. B. eine besonders ableistische Kampagne “Helft uns wach zu küssen!”, die darauf ausgelegt ist, Menschen mit Lernschwierigkeiten zu “heilen”. Auch gab es vor Kurzem einen großen Skandal über “Jule Stinkesocke”, ein Fake Account auf Social Media, der lange Zeit aus dem Leben einer angeblich jungen Ärztin mit Behinderung berichtet hat - bis herauskam, dass die Person hinter dem Account gar keine junge Frau war… Im ZDF lief dazu eine Dokumentarfilmreihe “WTF is Jule?!“. Die Neue Norm hat mit einer der Autor*innen der Serie ein Interview geführt. Außerdem sprechen wir in dieser Folge auch darüber, wie Ärzt*innen Behinderung oft nicht wirklich begreifen. Jonas erwähnt ein Beispiel von Ninia LaGrande, die in Raúls Talkshow "Krauthausen Face To Face” zu Gast war und dort über einen Besuch bei einer Gynäkologin spricht. Das Thema Medizin haben wir auch in unserer Folge “Stadt oder Land” angeschnitten. Falls euch unser Podcast gefällt, dann kommt doch am Samstag, 29. März, auf die Leipziger Buchmesse. Ab 15.15 Uhr werden wir auf der Bühne des Forums offene Gesellschaft live über Behinderung und Literatur sprechen. Wir freuen uns auf euch! Übrigens: Die Transkripte zu allen Die Neue Norm-Folgen findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/die-neue-norm-transkripte-102.html