
106: Jagdethik im Widerspruch – Tierschutzrecht vs. Jagdpraxis
Beschreibung der Episode
Reicht der Status als „jagdbar“ rechtlich und ethisch wirklich aus, um ein Wildtier zu töten? Diese Folge blickt hinter die Kulissen jagdlicher Leitlinien. Anlass sind das neue Ethikpapier der Jägerschaft und die jüngste Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz. Sabine spricht mit dem Diplom-Biologen und Artenschützer Dr. Martin Steverding, der unter anderem im Netzwerk Fuchs aktiv ist. Beide analysieren das Spannungsfeld zwischen Jagdrecht, Tierschutzgesetz und juristischer Realität. Die Episode sagt offen, welche grausamen und längst überholten Jagdpraktiken fernab der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden. Und sie zeigt, warum sich die Debatte nicht länger nur um das Wie, sondern zwingend um das Ob einer Tötung drehen muss.
Die Kernfragen dieser Episode:
Ist das neue Ethikpapier der Jagdverbände ein echter Schritt zur Selbstbeschränkung? Oder ist es nur ein Beruhigungsversuch angesichts schwindender gesellschaftlicher Akzeptanz?
Was geschieht tatsächlich in den Revieren? Es geht um die Tötung von Welpen, um die Baujagd mit Hunden und um Schliefenanlagen.
Was bedeutet der „vernünftige Grund“ im Tierschutzgesetz? Warum muss jede Tötung strenge Kriterien erfüllen: Geeignetheit, Erforderlichkeit als Ultima Ratio und nachweisbare Verhältnismäßigkeit?
„Herrenlos, aber nicht vogelfrei“: Was der wegweisende Fachaufsatz der Rechtsanwältin Christina Patt für die Praxis bedeutet und warum das Tierschutzgesetz (§ 44 BJagdG) Vorrang vor dem Jagdrecht hat.
Warum ist die anlasslose Bejagung von Fuchs, Waschbär und Wolf weder wissenschaftlich haltbar noch mit modernem Artenschutz vereinbar?
Welche Perspektiven gibt es für die Zukunft? Es geht um die Abschaffung des Bejagungszwangs, um jagdfreie Schutzgebiete und um den Übergang von anlassloser Freizeitjagd zu einem professionellen Wildhütersystem.
Eine unverzichtbare Episode für alle, die hinter die Fassade scheinbarer Traditionen schauen und begreifen wollen, warum echter Tier- und Artenschutz nicht bei der Hobbyjagd enden darf.
Der Wolfspodcast ist eine Produktion von Sabine Sebald
Der Podcast wird ehrenamtlich aus eigenen Mitteln produziert und finanziert. Er richtet sich gegen Falschinformationen und arbeitet auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und sorgfältig recherchierter Fakten. Es entstehen Kosten für die redaktionelle Arbeit, den Hoster, das webbasierte Aufnahmetool, Studiotechnik, Technikdienstleister sowie Marketing (Flyer & Co.).
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Kontakt zur Redaktion:
Redaktion: Sabine Sebald
Technik und Produktion: Thomas Ganswindt
Cover-Design und Foto: Matthias Kays
Sprecher: Steffen Schambach
Über den Gast dieser Folge:
Dr. Martin Steverding ist Diplom-Biologe und selbstständiger Gutachter für Faunistik und Artenschutz aus Rhede (NRW). Neben seiner fachlichen Arbeit engagiert er sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Natur- und Wildtierschutz – unter anderem als Mitgründer des bundesweiten Netzwerks Fuchs und der AG West des Freundeskreises freilebender Wölfe. Auf wissenschaftlicher und ethischer Grundlage setzt er sich für ein zeitgemäßes Wildtiermanagement ein und hinterfragt etablierte, oft tierschutzwidrige Jagdpraktiken wie die Baujagd, Schliefenanlagen oder die anlasslose Bejagung von Beutegreifern.
https://steverding-artenschutz.de/
Seite vom Netzwerk Fuchs mit Standorten und weiteren Informationen zu Schliefenanlagen in Deutschland einschließlich interaktiver Karte:
https://schliefenanlagen.info/
„Der Wolf gehört hierher“ Rheder Biologe Dr. Martin Steverding kämpft gegen neues Jagdgesetz:
Netzwerk Fuchs bei Instagram:
https://www.instagram.com/netzwerk_fuchs/
Fachliche und tierschutzrechtliche Kritik an grausamen Jagdmethoden unter Mitwirkung von Dr. Martin Steverding:
https://djgt.de/wp-content/uploads/2023/07/2023-07-Baujagd-Schliefanlagen-NRW-Netzwerk-Fuchs.pdf
DJV-Position: Jagdliche Ethik im Diskurs (Juli 2026):
https://www.jagdverband.de/djv-position-jagdliche-ethik-im-diskurs
Ein Thema dieser Folge ist der Fachaufsatz von Christina Patt: „Herrenlos aber nicht vogelfrei – Wildtiere zwischen Jagdrecht und Tierschutz“ (erschienen in: Natur und Recht, August 2026):
https://link.springer.com/journal/10357/volumes-and-issues/48-8
Der rechtliche Maßstab für die im Gespräch definierten Kriterien (Ziel, Geeignetheit, Erforderlichkeit/Ultima Ratio, Verhältnismäßigkeit):
https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__1.html
Die gesetzliche Klausel, die festschreibt, dass Tierschutz- und Naturschutzrecht durch die Jagdausübung unberührt bleiben:
https://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/__44a.html
Kritische Stellungnahme zum DJV-Ethikpapier:
https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/djv-jagdethik-vernuenftiger-grund
Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere:
https://wildbeimwild.com/studien-ueber-die-auswirkung-der-jagd-auf-wildtiere-und-jaeger/
Beispiel für YouTube-Videos zum Thema Fallenjagd:
https://www.youtube.com/watch?v=H2zaVCL3GLs
Modell für Europa: Luxemburg ohne Fuchsjagd:
https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/fuchs-luxemburg
Jagdverbot Kanton Genf:
https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/kanton-genf-jagd-artenvielfalt
Über Fallenjagd in der Jagdausbildung (Lebendfallen und Totschlagfallen):
https://jagdschein-vorbereitung.de/pruefungswissen-online/jagdbetrieb/jagdarten/fallenjagd/