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96- CL055 Gravitationswellen: Erschütterungen der Raumzeit20.03., 07:0020.03.2025, 07:0000:42:48
Die Episode über den Blopp! im Universum. Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon oder Paypal unterstützen! Gravitationswellen, Verzerrungen der Raumzeit, einst von Albert Einstein theoretisch vorhergesagt, sind eine der aufregendsten Entdeckungen der modernen Physik. Ihr Nachweis stellt eine enorme Präzisionsleistung dar. Doch was genau sind Gravitationswellen? Wie entstehen sie? Und warum dauerte es mehr als hundert Jahre, bis ihr Nachweis gelang? In dieser Episode tauchen wir tief in die Welt der Gravitationswellen ein und erkunden, warum ihre Erforschung für die Astronomie so wichtig ist. Einleitung In Folge 53 haben Eva und Jana über die Kollision Schwarzer Löcher gesprochen. Bei der Kollision solch massereicher und kompakter Objekte entstehen Gravitationswellen. Gravitationswellen sind Verzerrungen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Sie entstehen immer dann, wenn massereiche Objekte beschleunigt werden - wie eben bei der Kollision Schwarzer Löcher oder bei Supernova-Explosionen. Grund genug, ihnen eine eigene Episode zu widmen und genauer zu untersuchen, was sie sind, wie sie entstehen und warum es so lange gedauert hat, sie nachzuweisen. Im Allgemeinen werden drei Arten von Gravitationswellen unterschieden: Inspiral-Gravitationswellen: Werden von zwei massereichen Objekten erzeugt, die sich umkreisen - etwa zwei Neutronensterne oder Schwarze Löcher, die sich langsam spiralförmig annähern, bevor sie verschmelzen. Kontinuierliche Gravitationswellen: Werden von rotierenden Neutronensternen erzeugt, die aufgrund ihrer extremen Dichte winzige Unregelmäßigkeiten aufweisen und dadurch kontinuierliche Wellen aussenden. Explosive Gravitationswellen: Sie entstehen bei extremen kosmischen Ereignissen wie Supernovae oder anderen Prozessen, die noch nicht vollständig verstanden sind. Die Geschichte der Gravitationswellen Bereits 1916 sagte Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie die Existenz von Gravitationswellen voraus. Seine Theorie beschreibt die Gravitation nicht als klassische Kraft (wie bei Isaac Newton), sondern als Krümmung der Raumzeit. Er verstand die Gravitation als eine Eigenschaft des Raumes selbst, wobei jedes Objekt mit Masse den Raum krümmt. Nach Einstein ist die Gravitation also die Art und Weise, wie wir die Krümmung des Raumes wahrnehmen. Im Gegensatz zu Newton folgt daraus, dass sich eine Änderung der Gravitationskraft nicht unendlich schnell ausbreitet, sondern mit Lichtgeschwindigkeit. Und genau das beschreibt eine Gravitationswelle, eine sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Änderung der Raumkrümmung. Allerdings ist der Effekt so schwach, dass selbst Einstein skeptisch war, ob er jemals nachgewiesen werden kann. Trotz der geringen Erfolgschancen, begannen ab den 1970er Jahren Experimente zum Nachweis von Gravitationswellen. Der amerikanische Physiker Joseph Weber begann erste Versuche mit massiven Aluminiumzylindern. Seine vermeintlich positiven Ergebnisse konnten jedoch nicht reproduziert werden und wurden in der Fachwelt mit Skepsis betrachtet. Seine Versuche ebneten jedoch den Weg für weitere Forschungen in der Physik. Laserinterferometrie und LIGO Ab den 1990er Jahren begann die Entwicklung und der Bau von LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory), das schließlich den Durchbruch bringen sollte. Im Gegensatz zu Weber wurde hier der Nachweis der Messung von Gravitationswellen mittels Laserinterferometrie verfolgt. Ein Laserinterferometer arbeitet mit einer Laserlichtquelle. Das Laserlicht wird in zwei Strahlen aufgeteilt, die im rechten Winkel zueinander die gleiche Strecke zurücklegen, bevor sie an einem Spiegel reflektiert werden und so zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehren. Da beide Strahlen exakt den gleichen Weg (mit Lichtgeschwindigkeit) zurückgelegt haben, treffen sie gleichzeitig wieder ein. Das Interferometer wird nun so eingestellt, dass sich die beiden Laserstrahlen dort gegenseitig auslöschen, also nichts mehr zu sehen ist. Läuft nun eine Gravitationswelle durch den Detektor, verursacht sie eine Längenänderung, die gemessen wird. Die Abstände ändern sich, ein Laserstrahl legt eine etwas andere Strecke zurück und die beiden löschen sich nicht mehr aus. Und genau das ist am 14. September 2015 passiert: LIGO ist erstmals der direkte Nachweis von Gravitationswellen gelungen! Warum war der Nachweis so schwierig? Das Prinzip der Messung ist zwar einfach, aber die Umsetzung erfordert eine extrem hohe Präzision. Gravitationswellen sind extrem schwach: Die von LIGO gemessene Verzerrung der Raumzeit beträgt nur ein Zehntausendstel des Durchmessers eines Protons! LIGO ist riesig! Es ist kein Gerät, sondern im Grunde ein Gebäude: Es besteht aus zwei 4 km langen Laserarmen, die im rechten Winkel zueinander stehen. Eine Gravitationswelle verändert die Länge dieser Arme nur minimal, was durch Interferenzmessungen erfasst wird. Störungen durch seismische Aktivitäten oder Temperaturschwankungen mussten herausgefiltert werden, um sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um eine Gravitationswelle handelte. Die erste entdeckte Gravitationswelle: GW150914 Die von LIGO 2015 nachgewiesene Welle entstand vor 1,3 Milliarden Jahren, als zwei Schwarze Löcher mit 29 und 36 Sonnenmassen kollidierten und zu einem neuen Schwarzen Loch mit 62 Sonnenmassen verschmolzen. Die restliche Energie - das Äquivalent von 3 Sonnenmassen - wurde in Form von Gravitationswellen abgestrahlt. Für diesen bahnbrechenden Nachweis erhielten Rainer Weiss, Kip Thorne und Barry Barish 2017 den Nobelpreis für Physik. Gravitationswellen lassen sich als Frequenzverschiebung wahrnehmen - das berühmte „Blopp!“ wurde zur akustischen Signatur verschmelzender Schwarzer Löcher. Die Zukunft: Gravitationswellenforschung im All mit LISA Während LIGO auf der Erde arbeitet, plant die ESA mit LISA (Laser Interferometer Space Antenna) ein Gravitationswellen-Observatorium im Weltraum (Start ca. 2034). Warum im Weltraum? Dort gibt es keine seismischen Störungen, es können niedrigere Frequenzen gemessen werden, was den Nachweis von supermassiven Schwarzen Löchern und frühen kosmischen Ereignissen ermöglicht, und schließlich können Millionen Kilometer lange Laserarme (!) noch präzisere Daten liefern. Gravitationswellenastronomie: Ein neues Fenster zum Universum Gravitationswellen sind nicht nur eine neue Art, das Universum zu „sehen“, sondern auch ein völlig neuer Informationskanal: Kollisionen von Schwarzen Löchern und Neutronensternen sichtbar machen - auch wenn dabei kein Licht ausgesandt wird. Die Frühgeschichte des Universums erforschen: Gravitationswellen könnten Hinweise auf den Urknall und die kosmische Inflation liefern. Die Entwicklung von Galaxien besser verstehen Literatur und weiterführende Links: Collins, Harry: Gravity’s Kiss, The Detection of Gravitational Waves (Engl.) Boblest, Sebastian; Müller, Thomas; Wunner, Günter: Spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, 2. Auflage, Springer Spektrum; Kapitel 15 Gravitationswellen Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte Instagram Evi | Instagram Jana| Instagram Elka | Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL054 Unteilbare Sternenfrauen: Wissenschaft auf der Theaterbühne06.03., 07:0006.03.2025, 07:0000:55:59
Die Episode über die Lebensgeschichten bedeutender Wissenschafterinnen auf der Bühne - mit Gast Anita Zieher Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon oder Paypal unterstützen! In dieser Folge widmen wir uns den Lebensgeschichten inspirierender Frauen in Wissenschaft und Raumfahrt aus einer neuen Perpektiven, dem Theater. Mit dabei ist ein ganz besonderer Gast: die Schauspielerin Anita Zieher, die mit dem Wiener portraittheater die Lebensgeschichten bedeutender Frauen aus der Wissenschaft und der Forschung auf die Bühne bringt. Wissenschaft trifft Theater Bereits in früheren Folgen unseres Podcasts haben wir die Geschichten von Forscherinnen und Pionierinnen erzählt: Lise Meitner und die Kernspaltung (CL 046) Frauen, die nach den Sternen greifen (CL 029) Jocelyn Bell Burnell und die Entdeckung von Pulsaren (CL 025) Caroline Herschel, die Kometenjägerin (CL 020) Vera Rubin und die dunkle Materie (CL 013) Frauen in der Wissenschaft und der Matilda-Effekt (CL 012) Passend zum Internationalen Frauentag am 8. März betrachten wir das Thema aus einer neuen Perspektive: Wie können Wissenschaftlerinnen durch Theater einem breiten Publikum nähergebracht werden? Die Schauspielerin Anita Zieher gibt mit portraittheater genau diesen Frauen eine Stimme auf der Bühne. Anita Zieher ist Schauspielerin für Theater, Film, Improvisation und Kabarett. Mit portraittheater erweckt sie seit 2006 außergewöhnliche Frauenfiguren zum Leben. Die Produktionen basieren auf fundierter Recherche und werden international an Universitäten, in Museen, Theatern und Kulturforen aufgeführt. Bisher porträtierte Wissenschaftlerinnen und Intellektuelle, die in den Stücken von Anita Zieher auf der Bühne standen, sind unter anderem: Marie Curie – Nobelpreisträgerin und Entdeckerin der Radioaktivität Lise Meitner – Pionierin der Kernphysik Hedy Lamarr – Hollywood-Star und Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens Caroline Herschel – Kometenjägerin und erste Astronomin mit wissenschaftlicher Anerkennung Williamina Fleming – Pionierin der Sternenspektren-Klassifikation Sally Ride – erste US-Amerikanerin im All Valentina Tereshkova – erste Frau im Weltraum Theaterstücke über Pionierinnen der Wissenschaft Zwei herausragende Stücke von portraittheater passen perfekt zu den Themen von Cosmic Latte: Curie – Meitner – Lamarr: unteilbar Drei brillante Frauen aus Physik und Technik: Marie Curie, zweifache Nobelpreisträgerin und Entdeckerin der Radioaktivität, Lise Meitner, die an der Entdeckung der Kernspaltung maßgeblich beteiligt war, und Hedy Lamarr, Schauspielerin und Entwicklerin des Frequenzsprungverfahrens, das die Basis für heutige WLAN- und Bluetooth-Technologien bildet. Sternenfrauen: Astronominnen, Raumfahrerinnen & Weltraumexpertinnen Dieses Stück beleuchtet Frauen, die die Erforschung des Universums vorangebracht haben: von Caroline Herschel und Williamina Fleming über Valentina Tereshkova und Sally Ride bis hin zu heutigen Wissenschaftlerinnen wie Suzanna Randall und Barbara Imhof. Sie alle haben die Erforschung des Weltraums geprägt und ihre Spuren in der Wissenschaft hinterlassen. Anita Zieher im Gespräch In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Anita Zieher über ihre einzigartige Arbeit: Wie kam sie dazu, Wissenschaftlerinnen auf die Bühne zu bringen? Welche Forscherinnen hat sie bereits gespielt – und welche stehen noch auf ihrer Wunschliste? Wie bereitet sie sich auf ihre Rollen vor? Was macht das Zusammenspiel von Wissenschaft und Theater so besonders? Außerdem gibt sie spannende Einblicke in das Stück "Mathematische Spaziergänge mit Emmy Noether", das das Leben einer der bedeutendsten Mathematikerinnen aller Zeiten auf die Bühne bringt. Veranstaltungstipp Live-Vorstellung am 6. März in Baden: Wer Anita Zieher live erleben möchte, hat am 6. März im Cinema Paradiso in Baden die Gelegenheit dazu! Dort wird "Curie – Meitner – Lamarr: unteilbar" aufgeführt. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL053 Schwarze Löcher auf Kollisionskurs!20.02., 07:0020.02.2025, 07:0000:46:21
Die Episode über die heftigsten Kollisionen des Kosmos und warum zwei supermassive Schwarze Löcher eigentlich nicht verschmelzen dürften Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Schwarze Löcher gehören zu den extremsten Objekten im Universum. Doch was passiert, wenn zwei dieser kosmischen Giganten aufeinandertreffen? In dieser Episode tauchen Eva und Jana in das faszinierende Thema der Kollisionen von Schwarzen Löchern ein – von stellaren Schwarzen Löchern bis zu den supermassereichen Giganten in den Zentren von Galaxien, die eigentlich nicht kollidieren dürften - es aber trotzdem tun! Award zu gewinnen! Es gibt einen Award zu gewinnen! Der Ö3-Podcast Award geht in die nächste Runde und wird 2025 wieder verliehen. Und wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Stimme gebt! Bis 28. Februar 12 Uhr könnt ihr noch euren Lieblings-Podcast auf Ö3 nominieren! Hier geht's zur Nominierung: Ö3 Podcast Award Nominierung Einleitung mit Pauli-Effekt: 100 Jahre Quantenphysik Im Weihnachtsspecial von Cosmic Latte (Folge CL049 Weihnachten mit leuchtenden Waschbären und Wissenschaft erzählte Eva vom österreichischen Physiker Wolfgang Pauli, der neben seinen bahnbrechenden Erkenntnissen für die Quantenphysik, wie dem Pauli-Prinzip, auch für ein weniger wissenschaftliches Phänomen Namensgeber war, dem Pauli-Effekt: sobald sich Pauli in der Nähe von technischen Geräten befand, gingen sie kaputt. Sein Ruf eilte ihm derart voraus, dass ihm teilweise der Zugang zu Laboren untersagt wurde. Besagten Pauli-Effekt erlebte Eva nach absolvierter Prüfung in Quantenmechanik am eigenen Leibe. Nur ein paar Tage nach der Prüfung begannen technische Geräte in ihrer Nähe kaputt zu gehen. Bis sie herausfand, dass am 4. Februar das Jahr 2025 von der Unesco zum Jahr der Quantenforschung ( International Year of Quantum Science and Technology) ernannt wurde, denn die Beschreibung der Quantenphysik feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass gibt es an vielen Instituten und Universitäten ein vielfältiges Programm. Hier einige Links mit dem Programm zu 100 Jahre Quantenphysik: in Deutschland zum Beispiel bei der Max Planck Gesellschaft, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG und in Österreich etwa beim FWF. Zudem gibt es auch einen Dokumentarfilm aktuell im Kino zu sehen: "Tracing Light" beschäftigt sich mit dem Phänomen Licht und bringt dafür Kunst und Physik zusammen. Hier geht's zum Trailer auf Youtube. Kollidierende Schwarze Löcher Damit Schwarze Löcher kollidieren können, müssen sie sich zunächst als Paar finden. In stellaren Binärsystemen passiert das oft, wenn zwei massereiche Sterne gemeinsam entstehen, ihr Leben als Supernova beenden und schließlich als Schwarze Löcher weiterbestehen. Alternativ können sich Schwarze Löcher in dichten Sternhaufen durch dynamische Prozesse anziehen und ein Paar bilden Ein Beispiel für supermassereiche Binaries ist der aktive Kern der Galaxie NGC 6240 (auch bekannt als die “Seestern-Galaxie". Dort sind die beiden riesigen schwarzen Löcher wahrscheinlich noch recht weit voneinander entfernt. Man kennt aber auch Beispiele, wo die Verschmelzung fast fertig ist. Da sieht man zwar keine offensichtlichen zwei Kerne mehr, aber man findet im Spektrum der Galaxie doppelte Emissionslinien. Für supermassereiche Schwarze Löcher (SMBHs) ist der Weg zur Kollision noch dramatischer: Sie entstehen oft durch die Verschmelzung von Galaxien. Doch selbst wenn zwei Galaxien verschmelzen, ist es nicht garantiert, dass ihre Schwarzen Löcher kollidieren – hier spielt das sogenannte Final Parsec Problem eine entscheidende Rolle. Supermassive Black Hole Merger – kosmische Giganten auf Kollisionskurs Phase 1: Annäherung durch Galaxienkollisionen Wenn zwei Galaxien miteinander verschmelzen, ziehen sich ihre supermassereichen Schwarzen Löcher durch gravitative Wechselwirkungen langsam ins Zentrum der neuen Galaxie. Dieser Prozess kann Millionen Jahre dauern, und die Schwarzen Löcher können sich bis auf einige Parsec (einige Tausend Lichtjahre) annähern. Phase 2: Binäres System – die kritische Distanz Sobald die beiden SMBHs ein gebundenes System bilden, beginnt der nächste schwierige Schritt: Sie müssen sich weiter annähern. Dabei verlieren sie Energie, indem sie Sterne und Gas aus ihrer Umgebung herauskatapultieren. Dieses Phänomen nennt man stellar hardening. Doch sobald der Abstand unter etwa 1 Parsec sinkt, stößt das System auf das Final Parsec Problem – die Zahl der interagierenden Sterne reicht möglicherweise nicht mehr aus, um die Annäherung weiter voranzutreiben. Phase 3: Das Final Parsec Problem Obwohl die Gravitation sie eigentlich zusammenziehen müsste, bleiben viele SMBH-Paare in einer stabilen Umlaufbahn gefangen. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe: Fehlende Materie: In manchen Galaxien gibt es nicht genug Gas oder Sterne, um als „Bremse“ zu wirken. Ungleichmäßige Massenverhältnisse: Ein sehr massereiches SMBH könnte sein kleineres Gegenstück in eine stabile Bahn zwingen. Dynamische Effekte: Nur durch das Hinzukommen eines dritten Schwarzen Lochs oder durch extreme Störungen kann das System destabilisiert werden. Phase 4: Gravitationswellen übernehmen die Kontrolle Sobald der Abstand unter etwa 0,01 Parsec sinkt, werden Gravitationswellen zur dominierenden Energiequelle. Das bedeutet, dass die Schwarzen Löcher Energie in Form von Gravitationswellen abstrahlen, wodurch sie sich immer schneller spiralförmig annähern. Dieser Prozess kann einige Millionen Jahre dauern – im kosmischen Maßstab ist das jedoch ein Wimpernschlag. Phase 5: Die Kollision und der kosmische „Ringdown“ Wenn sich die beiden Schwarzen Löcher schließlich berühren, entsteht ein neues, noch massereicheres Schwarzes Loch. Dabei kommt es zu einem kurzen, aber extrem starken Ausbruch an Gravitationswellen. Obwohl Schwarze-Loch-Kollisionen normalerweise keine direkte elektromagnetische Strahlung aussenden, könnten Gasreste oder Akkretionsscheiben um die Schwarzen Löcher durch die gewaltige Energie freigesetzt werden. Ein solches Ereignis könnte sich als extrem heller Röntgenblitz oder sogar als Gammastrahlenausbruch bemerkbar machen. Ein spektakuläres Beispiel für ein fast verschmelzendes SMBH-Paar ist die Galaxie OJ 287, die regelmäßig starke optische Ausbrüche zeigt. Astronomen und Astronominnen vermuten, dass ein kleineres Schwarzes Loch in einem exzentrischen Orbit regelmäßig durch die Akkretionsscheibe eines massiveren SMBHs pflügt, dabei gewaltige Energiemengen freisetzt und innerhalb der nächsten 10.000 Jahre vollständig verschmelzen wird. Kollision Stellarer Schwarzer Löcher Während SMBH-Kollisionen über Milliarden Jahre dauern, laufen Kollisionen zwischen stellaren Schwarzen Löchern wesentlich schneller ab – und sie sind bereits mehrfach von Detektoren wie LIGO und Virgo nachgewiesen worden. Dieser Prozess wird ebenfalls in unterschiedlichen Phasen verstanden: Phase 1: Entstehung eines Schwarzen-Loch-Paares Zwei massereiche Sterne entwickeln sich zu einem binären Schwarzen-Loch-System. Oder zwei isolierte Schwarze Löcher treffen in einem dichten Sternhaufen durch dynamische Prozesse aufeinander und bilden ein Paar. Phase 2: Spiralförmige Annäherung durch Gravitationswellen Sobald sich die Schwarzen Löcher näher als einige tausend Kilometer kommen, wird die Gravitationswellen-Abstrahlung so stark, dass die Spirale sich rapide beschleunigt. Die Umlaufzeit verkürzt sich von Tagen auf Minuten oder Sekunden. Phase 3: Die finale Kollision Der eigentliche Zusammenstoß erfolgt in Sekundenbruchteilen – begleitet von einem sogenannten „Chirp“-Signal, das durch LIGO & Virgo messbar ist. Falls Materie oder Magnetfelder beteiligt sind, könnten diese Kollisionen auch elektromagnetische Strahlung freisetzen, z. B. in Form von kurzen Gammablitzen (sGRBs). Ein berühmtes Beispiel ist das Ereignis GW190521, das von LIGO/Virgo detektiert wurde: Zwei stellare Schwarze Löcher von 85 und 66 Sonnenmassen kollidierten zu einem neuen Schwarzen Loch mit etwa 142 Sonnenmassen – ein klarer Hinweis auf die Existenz sogenannter Intermediate Mass Black Holes (IMBHs). Das Mysterium der Intermediate Mass Black Holes (IMBHs) Während stellare Schwarze Löcher nur wenige Dutzend Sonnenmassen besitzen und supermassereiche Schwarze Löcher Millionen bis Milliarden Sonnenmassen aufweisen, gibt es eine schwer fassbare Zwischenkategorie: die Intermediate Mass Black Holes (IMBHs). Sie sind mit hunderten bis hunderttausenden Sonnenmassen weder klein noch extrem groß, und ihre Entstehung ist bis heute ein Rätsel. Eine Theorie besagt, dass IMBHs durch wiederholte Kollisionen in dichten Sternhaufen entstehen, wo sich mehrere stellare Schwarze Löcher nacheinander vereinen. Eine andere Hypothese geht davon aus, dass sie als sogenannte primordiale Schwarze Löcher kurz nach dem Urknall entstanden sind. Besonders mysteriös ist, dass einige supermassereiche Schwarze Löcher nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall bereits existierten – viel zu früh, um sich durch langsames Wachstum aus stellaren Schwarzen Löchern gebildet zu haben. Hier könnten IMBHs oder sogar völlig neue Mechanismen eine Rolle spielen. Weiterführende Links: Supermassive Black Hole Merger (SMBH-Merger): MPG, For whom the black hole rings Illustration: The three phases of black hole merger (courtesy Kip Thorne) Das Final Parsec Problem: BBC Sky Night Magazine, The Final Parsec Problem explained Quanta Magazine, How Do Merging Supermassive Black Holes Pass the Final Parsec? Stellar Black Hole Merger (SBH-Merger): Space.com, What happens when black holes merge? Das Mysterium der IMBH und frühen SMBH: NASA, Black Hole Types Tohoku University, The Formation of Intermediate Mass Black Holes in Globular Clusters Phys.org, How did supermassive black holes get so big, so early? They might have had a head start Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL052 Lady Computers: Die vergessenen Pionierinnen der Astronomie06.02., 07:0006.02.2025, 07:0000:47:44
Die Episode über die Ära der Rechendamen in der Astronomie Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon und Paypal unterstützen! Wie haben Frauen die Astronomie revolutioniert - und warum kennt kaum jemand ihre Namen? In dieser Podcast-Episode werfen wir einen Blick auf eine oft vergessene, aber bedeutende Gruppe von Frauen in der Astronomie: die „Lady Computers“. Diese Frauen haben zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert hochkomplexe Berechnungen durchgeführt und waren maßgeblich an der wissenschaftlichen Erforschung des Himmels beteiligt - allerdings meist unter prekären Arbeitsbedingungen, mit geringer Bezahlung und kaum Aufstiegschancen. Ohne ihre Arbeit wären viele astronomische Durchbrüche - von der Himmelskartierung bis zur Expansion des Universums - nicht möglich gewesen. Einleitung In dieser Folge werfen Eva und Elka nicht nur einen Blick auf die Rechenkünste weiblicher Astronomie-Computer und Rechenhilfen, sondern rechnen auch selbst. Denn unser Hörer Bernd hat uns neben anderen Hörern eine Mail zu Folge 51 von Cosmic Latte, "Die Energie der Sterne!" geschrieben und gefragt, wie viel Leistung eigentlich ein Kubikmeter Sonne hat, und zwar im Vergleich zu einem Komposthaufen - ein Vergleich mit überraschendem Ergebnis! Sonne vs. Komposthaufen vs. Mensch Die Sonne ist eine gigantische Kugel aus heißem Plasma, die durch Kernfusion unvorstellbare Mengen an Energie erzeugt. Ihre Gesamtleistung beträgt etwa 3,828×10^26 Watt - eine beeindruckende Zahl! Die Leistung der Sonne pro Kubikmeter ist jedoch erstaunlich gering: nur 0,27 Watt pro Kubikmeter. Ein gut durchlüfteter Komposthaufen kann 100-200 W/m³ erzeugen - das ist mehr als 10 mal so viel wie die Sonne pro Volumeneinheit! Die Wärme entsteht dabei durch die Zersetzung von organischem Material durch Mikroorganismen - ein biologischer, aber äußerst effizienter Prozess. Noch faszinierender ist der Vergleich mit dem Menschen: Ein Mensch setzt durch seinen Stoffwechsel bei leichter Aktivität etwa 100 Watt Wärme frei. Bei einem Gewicht von 70kg und einer Oberfläche von 2m² ergibt das eine Leistungsdichte von 1,4 Watt pro Kilogramm - die Sonne strahlt dagegen nur 0,0002 W/kg ab! Das bedeutet: Jeder Mensch erzeugt mehr Leistung pro Kilogramm als die Sonne! Dass die Sonne uns trotzdem mit Energie versorgt, liegt an ihrer schieren Größe! Berechnen können wir das Ganze übrigens mit dem Stefan-Boltzmann-Gesetz - benannt nach den beiden österreichischen Physikern Josef Stefan und Ludwig Boltzmann. Sie fanden heraus, dass die Strahlungsleistung eines Körpers mit der vierten Potenz seiner Temperatur zunimmt: Je heißer also ein Körper ist, desto mehr Energie strahlt er ab. Da die Leistung mit T^4 wächst, erhöht sich bei doppelter Temperatur die Strahlung um den Faktor 16! Damit konnten sie erstmals die Temperatur der Sonne mit 6000K erstaunlich genau berechnen. Observatorio del Teide Elka war im Urlaub auf Teneriffa und besuchte dort das Observatorio del Teide, das aufgrund seiner Lage (dem höchsten Berg Spaniens, dem Izaña, auf 2400 Meter Seehöhe) ursprünglich ein guter Ort zur Sternenbeobachtung war. Aufgrund der Lichtverschmutzung hat sich das Observatorium inzwischen auf die Sonnenbeobachtung spezialisiert. Es beherbergt zwei berühmte Teleskope: das Vakuum-Turm-Teleskop (VTT) zur Beobachtung der Sonnenatmosphäre und THEMIS zur Beobachtung des Magnetfelds der Sonne. Heute ist alles sehr modern und computergesteuert, aber wie war das früher in den Observatorien? Da gab es Computerfrauen, also Rechnerinnen. Weibliche Computer Bereits im 17. Jahrhundert gab es herausragende Astronominnen wie Maria Cunitz, die in ihrem Werk Urania Propitia die komplizierten Berechnungen Johannes Keplers vereinfachte und sogar Fehler in dessen Rudolfinischen Tafeln korrigierte. Im 19. Jahrhundert wurde die Berechnung astronomischer Daten immer wichtiger, vor allem mit dem Aufkommen großer Forschungsprojekte wie dem Astrographischen Katalog, einem internationalen Projekt zur Kartierung des gesamten Nachthimmels. Eine zentrale Figur dieser Zeit war Dorothea Klumpke, die am Pariser Observatorium arbeitete und 1899 auf dem Internationalen Frauenkongress in London die Rede “Women’s Work in Astronomy” hielt. Sie sprach über die wachsende Bedeutung der Frauen in der Astronomie und sah die vielen Astronominnen als Zeichen einer neuen Ära der Gleichberechtigung. Die Realität sah jedoch so aus, dass viele dieser Frauen nur eingeschränkte Karrieremöglichkeiten hatten. Warum es trotzdem so viele Rechenkünstlerinnen gab: Es gab viele Absolventinnen der neu gegründeten Frauenuniversitäten, aber auch in Wissenschaft und Politik wurden ihnen viele Positionen verwehrt. Außerdem entstand die “Großforschung” mit größeren Budgets und mehr Hilfskräften. Und als solches galten die Frauen. Die Bezahlung, das Ansehen und die Arbeitsbedingungen waren nicht sehr gut. Außerdem stellten Frauen keine Gefahr für ihre männlichen Kollegen dar, da sie kaum Aufstiegschancen hatten. Harvard, Greenwich & Co. Besonders bekannt wurde das Harvard-Computer-Team unter der Leitung von Edward Charles Pickering. Seine Rechnerinnen, darunter Williamina Fleming, Annie Jump Cannon und Henrietta Swan Leavitt, revolutionierten die Astronomie. Fleming entwickelte das erste System zur spektralen Klassifizierung von Sternen, Cannon verfeinerte es zum heute bekannten OBAFGKM-System, und Leavitt entdeckte die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung von Cepheiden, ein entscheidendes Werkzeug zur Messung kosmischer Entfernungen. Im Vergleich zu anderen Observatorien förderte Pickering seine Mathematikerinnen, indem er mit ihnen gemeinsam publizierte und ihre Leistungen öffentlich anerkannte. Trotzdem verdienten die Frauen nur 25 Cent pro Stunde. Männliche Assistenten bekamen fast das Doppelte. Auch am Observatorium in Greenwich in London wurden ab 1889 Frauen als Rechnerinnen beschäftigt, allerdings auch zu niedrigen Löhnen und ohne Anerkennung. Ähnlich erging es den Rechnerinnen in Australien, die ab 1902 per Gesetz nur 54 % des Gehalts ihrer männlichen Kollegen erhalten durften. Trotz dieser Widrigkeiten setzten sich einige Frauen für höhere Löhne ein - und erreichten schließlich erste Verbesserungen. Frauen waren die treibende Kraft hinter vielen astronomischen Großprojekten. Bis 1959 hatten sie mehr als 75 Prozent aller bekannten veränderlichen Sterne entdeckt. Ihre Arbeit legte den Grundstein für viele wissenschaftliche Durchbrüche, blieb aber lange Zeit unbeachtet. Weiterführende Links und Quellen: Reser, A., & McNeill, L. (2022). Frauen, die die Wissenschaft veränderten: Von der Antike bis zur Gegenwart (W. Krabbe, Übers.). Haupt Verlag. Film: Agora - Säulen des Himmels 8Spanien, 2009): historisches Drama über die spätantike Astronomin, Philosophin und Mathematikerin Hypatia von Alexandria (Rachel Weisz). Cosmic Latte Folge 29:In der Folge über Frauen, die nach den Sternen greifen!, erzählt Eva die Geschichte der australischen Physikerin Ruby Payne Scott, die zur Pionierin in der Radioastronomie wurde. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Evi | Instagram Elka | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL051 Die Energie der Sterne! Kernfusion in der Sonne und im Labor23.01., 07:0023.01.2025, 07:0000:45:28
Die Episode über die Atommaus, warum die Sonne leuchtet und die Frage, wie man Kernfusion auf der Erde hinbekommt Diese Folge nimmt am Fast Forward Science 2025 Wettbewerb teil! Unterstützt uns bei Steady, Patreon, oder Paypal! Warum leuchtet die Sonne? Das haben wir überraschend lange nicht gewusst. Mittlerweile wissen wir Bescheid: In ihrem Inneren findet Kernfusion statt. Und wenn wir das auch auf der Erde hinkriegen könnten, wäre das super. Das ist aber gar nicht so einfach. Wie die Kernfusion im Inneren der Sonne funktioniert und wo das Problem mit der künstlichen Kernfusion liegt, diskutieren Eva und Jana in dieser Folge. Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon oder Paypal unterstützen! Die Atommaus Am 23. Januar 1972 hat die "Sendung mit der Maus" ihren Namen bekommen. Und am 23. Januar 2025 ist nicht nur diese Podcastfolge erschienen, sondern es feiert auch Armin Maiwald, der Schöpfer der Maus, seinen 85. Geburtstag. Jana ist ganz besonders begeistert von der Folge mit der "Atommaus", in der das Konzept der Kernspaltung erklärt wird. Kernfusion Über Kernspaltung haben Eva und Jana aber schon in Folge 46 gesprochen. Diesmal geht es um die Kernfusion. Die ist zwar so ähnlich und auch hier wird Energie durch kernphysikalische Prozesse erzeugt. Allerdings nicht durch die Spaltung großer Atomkerne, sondern durch die Fusion von kleinen Atomen. Heute wissen wir, dass das der Grund ist, aus dem Sterne leuchten. Bis wir das herausgefunden haben, hat es aber gedauert. Zuerst dachten wir, die Sonne wäre einfach nur ein großes Feuer; eine riesige Kohlenkugel. Dann und etwas wissenschaftlicher, haben Gustav Kirchhoff und Robert Bunsen im 19.Jahrhundert vermutet, dass die Sonne ihre Energie bekommt, weil sie unter ihrer eigenen Gravitationskraft immer kleiner wird. Aber damit hätte sie höchstens ein paar Dutzend Millionen Jahre lang leuchten können. Anfang des 20. Jahrhunderts hat Arthur Eddington anhand Einsteins Erkenntnissen postuliert, dass es kernphysikalische Prozesse sein könnten, die im Inneren der Sonne dafür sorgen, dass Energie entsteht. Damit hatte er Recht, aber um die Details zu klären, hat es noch ein bisschen länger gedauert. Erst durch die Entwicklung der Quantenmechanik, konnten wir am Ende entschlüsseln, wie es läuft: In der Sonne werden Wasserstoffatome zu Heliumatomen fusioniert und das funktioniert nur deswegen, weil in ihrem Inneren die Temperatur und der Druck ausreichend hoch sind. Künstliche Kernfusion Es wäre toll, wenn wir diese saubere und effiziente Energieform auch auf der Erde nutzen können. Und wir haben die Kernfusion auch schon in den 1930er Jahren im Labor geschafft. Aber wir brauchen nicht nur Fusion, wir brauchen Fusion bei der Energie wirtschaftlich nutzbar freigesetzt wird. Daran arbeiten wir immer noch. Der österreichische Physiker Roland Richter hat zwar nach dem zweiten Weltkrieg behauptet, er hätte die kontrollierte Kernfusion geschafft, und sein Geldgeber, der argentinische Präsident Juan Perón, hat ihm das zuerst auch geglaubt. Aber es war natürlich Quatsch, was sich auch der amerikanische Astronom Lyman Spitzer gedacht hat, als er davon im Skiurlaub erfahren hat. Der hat aber länger darüber nachgedacht und dabei herausgefunden, wie man theoretisch Wasserstoffplasma tatsächlich heiß und dicht genug für eine Fusion kriegen kann. Er hat den Stellarator erfunden, einer von drei Wegen der künstlichen Kernfusion, die wir derzeit erforschen (die anderen beiden sind der Tokamak und die Trägheitsfusion). Es wird noch länger dauern, bis wir das hinkriegen - wenn überhaupt. Aber zumindest unsere Sonne wird noch ein paar Milliarden Jahre lang weiter leuchten. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL050 Angriff aus dem All, Riesenspinnen und eine 20-Meter-Frau! Science-Fiction Filme der 1950er Jahre09.01., 07:0009.01.2025, 07:0001:16:15
Die Episode über Marsmenschen, fliegende Untertassen und Laborunfälle in den Science-Fiction Filme der 1950er Jahre! Unterstützt uns bei Steady, Patreon, oder Paypal! In unserem 5. Science-Fiction Special werfen wir einen Blick auf ein besonderes Jahrzehnt in der Filmgeschichte: die 1950er Jahren. Missglückte Laborversuche, entlaufene Riesenspinnen, Angriffe aus dem All, fliegende Untertassen und Marsianer zeigen die Vielfalt der Filme aus den goldenen Jahren, in denen der Grundstein der Science-Fiction von heute gelegt wurde. Einleitung Wir beginnen das Jahr mit unserem 5. Science-Fiction Special. Und weil es auch die 50. Episode von Cosmic Latte ist, werfen Eva und Peter einen Blick in die goldenen Jahre der Science-Fiction, in ein Jahrzehnt, in dem das Sci-Fi Genre im Film seine Grundsteine legte: die 50er Jahre! Die Welt und die Science-Fiction der 1950er Jahre Die 1950er Jahre zeigen sich uns rückblickend von zwei Seiten: zum Einen präsentiert sich die Welt der Nachkriegszeit mit Fred Astaire, Dean Martin, Jerry Lewis und Esther Williams als heile Welt, während gleichzeitig das Atomzeitalter und der kalte Krieg begonnen haben. Die Raumfahrtambitionen sind hoch, das Space Race nimmt seinen Lauf als die USA mit Sputnik unter Schock geraten. Wissenschaft ist nicht mehr nur Fortschritt und Problemlösung. Die Angst vor den Folgen der Atomenergie oder vor dem Unbekannten wie außerirdischem Leben, führte auch zur Entstehung der modernen Science Fiction als Spiegel eben dieser Ängste und Hoffnungen. Die Science-Fiction-Filme der 1950er Jahre zeigen nicht nur thematisch, sondern auch wissenschaftlich eine große Vielfalt: Von Atomkraft und Radioaktivität über Astronomie bis hin zu Biologie und Genetik spielt die Wissenschaft eine große Rolle - nicht immer bietet sie einen Ausweg aus der Misere, oft verursacht sie durch Unfälle und Missgeschicke erst die Probleme! In unserem persönlichen und ganz subjektiven Ranking diskutieren wir, welche dieser Klassiker mit zeitlosen Themen glänzen und warum sie auch heute noch gesellschaftlich relevant sind. Wir beleuchten, welche Rolle die Wissenschaft in den Filmen spielt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse damals dargestellt wurden - und was wir heute darüber wissen. So wird zum Beispiel im Intro von Kampf der Welten (1953), Jupiter als feuriger Planet mit Vulkanen dargestellt. Dass Jupiter ein Gasplanet ist, wurde zwar aufgrund von Spektrakanalysen damals schon vermutet, bestätigt wurde dies aber erst in den 1970er Jahren. Frauenrollen in der frühen Science Fiction Natürlich können wir die Filme der 1950er Jahre nicht betrachten, ohne auf die Frauenrollen einzugehen. Viele weibliche Charaktere haben zwar Berufe wie Lehrerin (z. B. in Gefahr aus dem Weltall) oder sind Assistentinnen. Wissenschaftliche Berufe sind seltener, kommen aber in "Tarantula" und "Das Ding aus einer anderen Welt" vor. Die Frauen spielen oft unterstützende oder moralische Rollen und dienen als Motivationsfaktoren für die männlichen Protagonisten, in Aktion zu treten und sie bzw. die Welt zu retten. Frauen als aktiv handelnde und kompetente Charaktere bleiben eher die Ausnahme. Der Bechdel-Wallace-Test ist ein einfaches Maß zur Bewertung der Geschlechterdarstellung in Filmen. Ein Film besteht den Test, wenn er mindestens zwei weibliche Figuren hat, die miteinander über etwas anderes als Männer sprechen – oft ein Hinweis auf die Präsenz von weiblichen Charakteren mit eigenständigen Handlungssträngen. Forbidden Planet und When Worlds Collide "Gefahr aus dem Weltall" (Forbidden Planet, 1956) mit einem jungen Leslie Nielsen in der Hauptrolle, fällt zwar durch den Test (es gibt nur eine weibliche Klischee-Rolle), bietet aber visuell alles was das Sci-Fi Herz begehrt, von klassischen fliegenden Untertassen bis hin zu Robby, dem Roboter, der zur Ikone wurde. Der Film "Der jüngste Tag" (When Worlds Collide, 1951) bietet hier sowohl eine interessante weibliche Hauptrolle (und die damals üblichen weiblichen Computer) als auch viel Astronomie. Im Film droht eine Kollision mit einem wandernden Stern und zeigt damit zum ersten Mal eine globale Zerstörung durch kosmische Ereignisse. Der wandernde Stern wird von einem Planeten umkreist. Dieses Konzept ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Exoplaneten erst Mitte der 1990er Jahre entdeckt wurden. Und auch wenn wir heute wissen, dass so genannte Rogue Planets / Rogue Stars im All umherirren, ist es doch bemerkenswert, dass die Drehbuchautoren dieses Szenario für die Auslöschung der Erde gewählt haben. Auch einige Folgen der damals sehr bekannten Serie "The Twilight Zone" (sozusagen das "Black Mirror" der damaligen Zeit) zeigen die Weitsicht bzw. das gute Gespür mancher Drehbuchautoren der damaligen Zeit. Viele dieser Filme inspirierten Regisseure, Autorinnen und Filmemacher, die sie in ihrer Jugend sahen, ihren Weg im Filmgeschäft zu gehen. Die zahlreichen Remakes von Filmen aus dieser Zeit zeugen von ihrer Bedeutung und können als Hommage an eine Zeit gesehen werden, in der (wissenschaftlich) alles möglich schien. In der Folge erwähnte Filme: "Le Voyage dans la Lune" (auf deutsch: "Die Reise zum Mond") "Invaders from Mars" (auf deutsch: "Invasion vom Mars") "ParaNorman" (auf deutsch: "ParaNorman") "Forbidden Planet" (auf deutsch: "Alarm im Weltall") "Star Trek: The Motion Picture" (auf deutsch: "Star Trek: Der Film") "The Thing from Another World" (auf deutsch: "Das Ding aus einer anderen Welt") "The Thing" (auf deutsch: "Das Ding aus einer anderen Welt") "The War of the Worlds" (auf deutsch: "Kampf der Welten") "Tarantula" (auf deutsch: "Tarantula") "Invasion of the Body Snatchers" (auf deutsch: "Die Dämonischen") "Attack of the 50 Foot Woman" (auf deutsch: "Angriff der 20-Meter-Frau") "When Worlds Collide" (auf deutsch: "Wenn Welten zusammenstoßen") "Liu lang di qiu" (auf deutsch: "The Wandering Earth") "It Came from Outer Space" (auf deutsch: "Gefahr aus dem Weltall") "20,000 Leagues Under the Sea" (auf deutsch: "20.000 Meilen unter dem Meer") "People Are Alike All Over" (auf deutsch: "People Are Alike All Over") "The Fly" (auf deutsch: "Die Fliege") "The Fly" (auf deutsch: "Die Fliege") "The Day the Earth Stood Still" (auf deutsch: "Der Tag, an dem die Erde stillstand") Links und weiterführende Informationen: -Eine Folge des feministischen Filmppodcast "Ned Wuascht" mit ausführlichen Infos zu Bechdel-Test & Co Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL049 Weihnachten mit leuchtenden Waschbären und Wissenschaft26.12., 07:0026.12.2024, 07:0001:07:57
Die Episode über Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg, leuchtende Waschbären auf Motorrädern und warum Nobelpreisträger auch nur Menschen sind Begrüßung In unserem Feiertagsspecial lassen wir das Jahr 2024 gemeinsam ausklingen. Eva, Elka und Jana sprechen über einige der faszinierendsten Wissenschaftler:innen, die wir für ihre vielleicht übermenschlich erscheinenden Leistungen und Entdeckungen kennen. Aber dahinter stecken auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Wir erzählen von Wolfgang Pauli, der angeblich technische Geräte zum Versagen brachte, von Werner Heisenberg, der fast durch die Doktorprüfung fiel, und von leuchtenden Waschbären. Außerdem haben wir Buchempfehlungen für die Feiertage mitgebracht und Elka wirft für uns einen Blick in die Zukunft. Wissenschaftliche Genies sind auch nur Menschen Wolfgang Pauli und der Pauli-Effekt Der theoretische Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli, ist v.a. für das Pauli-Prinzip bekannt. Auch als Ausschließungs-Prinzip bekannt, erklärt es die Elektronenverteilung in Atomen und die Stabilität der Materie, und wird allen die ein Semester Physik an der Uni hatten, schon untergekommen sein. Der Pauli-Effekt ist den meisten hingegen eher weniger geläufig, macht den Physiker Wolfgang Pauli aber wieder sehr menschlich und sympathisch. Einige werden diesen Effekt vielleicht sogar aus dem eigenen Leben kennen: Technische Geräte fallen aus unerklärlichen Gründen aus, wenn Wolfgang Pauli sich in ihrer Nähe befand. Sein Ruf eilte ihm dabei so weit voraus, dass ihm der Physiker Otto Stern den Zugang zu seinem Labor verbot. Werner Heisenberg und seine Doktorprüfung Auch bei anderen Wissenschaftsgrößen wie Werner Heisenberg, der als einer der Begründer der Quantenmeachanik gilt und ebenfalls Nobelpreisträger ist, finden sich menschliche Seiten. Jana erzählt von seiner überraschend holprigen Doktorprüfung, bei der er fast durchgefallen wäre – ausgerechnet im Bereich der Experimentalphysik. Trotz seiner herausragenden theoretischen Begabung zeigte sich, dass Heisenberg kaum Interesse und Geschick für praktische Versuche hatte. Besonders kurios: Als er die Funktionsweise eines Fabry-Perot-Interferometers erklären sollte, scheiterte er ebenso wie bei der Frage, wie eine Batterie funktioniert. Dieses Scheitern zeigt, dass selbst die größten Genies in einigen Bereichen ihre Schwächen haben – auch Wissenschaftler:innen sind eben nur Menschen. Kary Mullis und der leuchtende Waschbär Dass Nobelpreisträger hingegen außerhalb ihres Fachgebiets manchmal fragwürdige Thesen aufstellen können verdeutlicht Elka mit ihrer Geschichte über Kary Mullis, dem Erfinder der PCR, der neben seinen wissenschaftlichen Leistungen auch für UFO-Geschichten und andere skurrile Aussagen bekannt ist, inklusive leuchtenden Waschbären. Noch mehr über Nobelpreisträger auf Holzwegen könnt ihr euch hier ansehen: Skeptics in the Pub Video Buchempfehlungen für die Feiertage Für die Feiertage haben wir noch unsere persönlichen Buchempfehlungen mitgebracht. Eva stellt das Buch „Waschbären, die im Dunkeln leuchten“ von Dan Schreiber vor, das mit kuriosen Geschichten aus Wissenschaft und Forschung unterhält. Elka empfiehlt „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöller, das über die oft übersehenen Beiträge von Frauen in Wissenschaft und Kunst aufklärt. Jana schlägt Carl Sagans „The Demon-Haunted World“ (deutscher Titel: Der Drache in meiner Garage) vor, ein Werk, das Hoffnung und Orientierung in schwierigen Zeiten bietet. Carl Sagan und das kosmische Jahr Zum Schluß werfen wir noch einen Blick auf Carl Sagan und seine beeindruckende Fähigkeit, die Weite und Komplexität des Universums verständlich zu machen. Besonders faszinierend ist sein Konzept des „kosmischen Jahres“, bei dem die gesamte Geschichte des Universums in einem einzigen Jahr dargestellt wird. Dieses Modell hilft dabei, die zeitlichen Dimensionen der kosmischen Entwicklung zu veranschaulichen – von der Entstehung der Milchstraße im Januar bis zur Menschheit, die erst in den letzten Sekunden des 31. Dezembers auftaucht. Sagan erinnert uns daran, wie klein, aber dennoch bedeutsam unsere Existenz im großen Gefüge des Kosmos ist. Weiterführende Links und Empfehlungen: Bibliothek Arbeiterkammer: https://www.arbeiterkammer.at/service/digitalebibliothek/AK_Bibliothek_digital.html Carl Sagan über Klimakrise: https://www.youtube.com/watch?v=6KcoPODwvW4 Kurzgesagt Human Era: https://www.youtube.com/watch?v=czgOWmtGVGs Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | X Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL048 Galaktische Kollisionen und das Schicksal der Milchstraße12.12., 07:0012.12.2024, 07:0000:57:03
Die Episode über Zusammenstöße zwischen Galaxien, die Kollision mit Andromeda und die Vergangenheit der Milchstraße Unterstützt uns bei Steady, Patreon, oder Paypal! Wenn die größten Objekte im Weltall kollidieren, dann passiert jede Menge. Eva und Jana reden dieses Mal über galaktische Kollisionen - denn wenn Galaxien zusammenstoßen, dann hat das Einfluss auf so gut wie alles, inklusive uns selbst. Was passiert, wenn zwei gewaltige Sternensysteme miteinander verschmelzen und was bedeutet das für das Schicksal unserer eigenen Milchstraße? Laserman und Weltraumfrauen Eva erzählt zu Beginn von ihrem Besuch bei der Aufzeichnung der Science Busters TV Folgen in Graz, wo sie auch die österreichische Reserveastronautin Carmen Possnig kennengelernt hat. Und erzählt von ihrer Recherche für ein Interview zum Thema "Leben auf der Raumstation". Die beiden Science Busters Folgen kann man hier und hier nachsehen. Galaktische Kollisionen Bevor man galaktische Kollisionen erforschen kann, hat man erst einmal herausfinden müssen, was Galaxien eigentlich sind. Das haben wir erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts getan. Henrietta Swan Leavitt hat entdeckt, wie man die Entfernung zu den "Nebeln" bestimmen kann und das hat Edwin Hubble genutzt, um zu zeigen, dass der Andromedanebel eine große Galaxie, außerhalb der Milchstraße ist, die selbst wieder nur eine von unzähligen dieser Sternensystemen im Kosmos ist. Hubble hat die Galaxien auch anhand ihrer Form klassifiziert. Es gibt elliptische Galaxien, (Balken)Spiralgalaxien und irreguläre Galaxien. Die Milchstraße ist eine Balkenspirale, aber Spiralgalaxien sind quasi nur der Anfang. Überall im Universum kollidieren Galaxien miteinander, was jede Menge Auswirkungen hat. Zuerst einmal auf die Form, wie man an prominenten Beispielen wie NGC 4676 (Die Mäuse) oder den Antennen-Galaxien sehen kann. Schon lange, bevor die Galaxien wirklich verschmelzen, beeinflussen sie sich mit ihrer Gravitationskraft. Die Interaktion wirbelt auch das ganze Gas in den Galaxien durch, was zu einer verstärkten Sternentstehung führt. Immer wieder durchdringen sich die Galaxien, bis sie schließlich miteinander verschmelzen und eine große elliptische Galaxie bilden. Es kommt aber auch vor, dass eine große Galaxie eine kleinere quasi "verschluckt". Die Spuren, die davon übrig bleiben, sind "Sternströme", also Strukturen aus Sternen, deren Dynamik sich von den normalen Sternen der großen Galaxie unterscheidet, wie zum Beispiel der Helmi-Strom, ein Rest der Verschmelzung unserer Milchstraße mit einer anderen Galaxie. Sie hat im Laufe der Zeit immer wieder kleinere Galaxien verschluckt und ist erst dadurch so groß geworden, wie sie es heute ist. Alle Galaxien wachsen - vermutlich - auf diese Weise. Die für uns vielleicht relevanteste Kollision dieser Art war die mit der Sagittarius-Zwerggalaxie, denn sie könnte vielleicht dafür gesorgt haben, dass die Sonne (und jede Menge andere Sterne) entstanden sind. Irgendwann kommt dann aber ein "major merger", also die Verschmelzung zweier annähernd gleich großen Galaxien. Unserer Milchstraße steht das in ein paar Milliarden Jahren bevor, wenn wir auf die Andromedagalaxie treffen. Dann wird zuerst unser Himmel sehr viel dramatischer werden. Und am Ende werden beide eine elliptische Galaxie gebildet haben, die man heute schon "Milkomeda" nennt. Wie das aussehen könnte, kann man sich hier ansehen. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|
- CL047 Das perfekte Universum: Kann das alles Zufall sein?28.11., 07:0028.11.2024, 07:0000:51:27
Die Episode über die Feinabstimmung des Universums, die überraschende Lebensfreundlichkeit des Universums und die Suche nach dem Grund für unsere Existenz CL047 Das perfekte Universum: Kann das alles Zufall sein? Es ist so wie es ist, weil wenn es anders wäre, dann wäre es anders. Das klingt trivial, ist es aber nicht, wenn es um das Universum geht. Warum ist das Universum genau so, wie es ist? Warum haben die Naturkonstanten genau die Werte, die sie haben und warum sind das noch dazu Werte, die dafür sorgen, dass menschliches Leben existieren kann. Denn wenn die Konstanten nur leicht andere Werte hätten, könnte es keine Sterne, keine Planeten und damit auch kein Leben geben. Dieses Phänomen nennt sich die "Feinabstimmung des Universums" und in der neuen Folge von "Cosmic Latte" gehen wir auf die Suche nach der Ursache. Der feministische Adventskalender Elka hat gemeinsam mit einigen Followern von @thesciencyfeminist einen "feministischen Adventskalender" gebastelt, den ihr bestellen hättet können, aber mittlerweile nicht mehr bestellen könnt. Aber dafür vielleicht gewinnen, wenn ihr euch per Mail bei uns meldet. Feedback zu ADHS Die Folge über ADHS hat euch zu jeder Menge Feedback angeregt, was uns enorm gefreut hat. Es gab eine Erwähnung im Podcast "Captain, it's Wednesday" und sehr viele Kommentare und Mails, die wir natürlich auch besprechen. Uns ist aber vor allem wichtig zu wiederholen, dass ADHS eine eine komplexe neurologische Störung mit psychischen und sozialen Auswirkungen ist. Es lässt sich im Gehirn messen, auch wenn die Diagnose meist über Verhaltenskriterien erfolgt. Die Feinabstimmung des Universums Elka hat sich vom Buch "Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum" von Heinz Oberhummer inspirieren lassen und sich das Thema der Feinabstimmung des Universums angesehen. Dieser Begriff beschreibt, wie scheinbar präzise die fundamentalen Naturkonstanten und physikalischen Bedingungen aufeinander abgestimmt sein müssen, damit Leben, wie wir es kennen, entstehen kann. Dazu gehören zum Beispiel die Gravitationskonstante. Die Kraft der Gravitation hält Sternen und Planeten zusammen. Wäre sie nur minimal anders, könnten entweder keine Himmelskörper entstehen oder alles würde zu schwarzen Löchern kollabieren. Auch die starke Wechselwirkung muss den richtigen Wert haben. Sie wirkt im Atomkern und sorgt dafür, dass Protonen und Neutronen zusammenhalten. Schon kleinste Abweichungen könnten stabile Atomkerne unmöglich machen. Auch die Elektronenmasse und ihr Verhältnis zur Protonenmasse ist entscheidend für die Stabilität von Molekülen und damit für komplexe chemische Prozesse wie die DNA-Struktur. Oder die Geschwindigkeit mit der das Universum expandiert. Läuft das zu schnell, und es können sich keine Galaxien bilden; geht es zu langsam, würde alles wieder in sich zusammenfallen. Besonders interessant ist der sogenannte Triple-Alpha-Prozess in Roten Riesen. Dabei entsteht Kohlenstoff, ein zentrales Element für Leben, unter extrem unwahrscheinlichen Bedingungen. Dieser Prozess funktioniert nur, weil die Naturkonstanten perfekt abgestimmt sind. Der Physiker Heinz Oberhummer hat das als „das Nadelöhr für das Leben“ bezeichnet, wissenschaftlich auf diesem Gebiet geforscht ("Stellar Production Rates of Carbon and Its Abundance in the Universe") und wurde dafür sogar für den Nobelpreis nominiert (vermutlich). Unser Universum ist offensichtlich genau so, wie ein Universum sein muss, damit wir Menschen darin existieren können. Aber was ist der Grund dafür? Es gibt mehrere mögliche Erklärungen für die Feinabstimmung: Multiversum-Theorie: Unser Universum ist vielleicht nur eines von vielen. Und nur in wenigen Universen sind die Bedingungen für Leben gegeben. Dann leben wir logischerweise in genau so einem und nicht in den anderen. Das Anthropisches Prinzip: Das Universum so beschaffen, das Leben existieren kann, weil wenn es das nicht wäre, gäbe es auch kein Leben wie uns, das sich darüber Gedanken machen könnte. Kohlenstoffchauvinismus: Die Annahme, dass Leben immer auf Kohlenstoff basieren muss, könnte zu kurz greifen. Vielleicht sind alternative Lebensformen möglich, die auf anderen Elementen wie Silizium beruhen. Dann wäre das Universum vielleicht gar nicht sehr auf uns feinabgestimmt. Unvollständiges Wissen: Es könnte physikalische Gesetze geben, die die Feinabstimmung als natürliche Folge erklären. Dann könnte das Universum gar nicht anders sein, als es ist. Um das zu bestätigen, müssten wir aber erst eine "Theorie von Allem" finden und davon sind wir noch weit entfernt. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL046 Lise Meitner und die Spaltung des Atoms14.11., 07:0014.11.2024, 07:0000:54:50
Die Episode über die Entdeckung der Kernspaltung und warum Lise Meitner eine unsichtbare Heldin der Wissenschaft ist Unterstützt uns gerne über Steady, Patreon oder Paypal! In dieser Folge werfen Eva und Jana einen Blick auf das beeindruckende Leben der Physikerin Lise Meitner und ihren Beitrag zur Entdeckung der Kernspaltung. Wir besprechen, was Kernspaltung ist und erörtern die bedeutenden Auswirkungen von Meitners Arbeit auf Physik und Astronomie. Einleitung In dieser Episode von Cosmic Latte spricht Eva mit Jana über ihre beeindruckende Reise nach Japan. Die Beiden diskutieren die Vielfalt der japanischen Kultur, von den hochmodernisierten Großstädten bis hin zu den traditionellen Tempeln. Zudem berichtet Jana von JAXAs aktuellem Projekt Lignosat. Der Satellit aus Holz ist am 5. November zur ISS gestartet und wird in den kommenden Monaten von dort eingesetzt. Der kreative Ansatz, einen Satelliten aus Holz zu bauen, soll nicht nur die Umwelt schonen, sondern ist auch ein Meisterwerk traditioneller japanischer Handwerkskunst. Darüber hinaus wird der erfolgreiche Verlauf der Hayabusa-Mission besprochen, die als erste eine Probe von einem Asteroiden zur Erde brachte. Lise Meitner und die Kernspaltung Im Hauptthema der Episode widmet sich Eva der österreichischen Physikerin Lise Meitner und ihrer Rolle bei der Entdeckung der Kernspaltung. Geboren am 7. November 1878 in Wien, kämpfte Meitner gegen die Hindernisse ihrer Zeit, um als Frau Physik zu studieren und eine wissenschaftliche Karriere zu verfolgen. Aufgrund der damaligen Restriktionen konnte sie erst 1901 ihr Physikstudium beginnen und promovierte als zweite Frau in Physik in Wien. Nach ihrem Abschluss und ihrer Promotion in Wien zog sie 1907 nach Berlin, wo sie mit dem Chemiker Otto Hahn eine produktive Zusammenarbeit begann. Zusammen forschten sie über die Struktur schwerer Atomkerne und ihre Reaktionen unter Neutronenbeschuss, ein Thema, das in der physikalischen Gemeinschaft viel Aufmerksamkeit erhielt. In den frühen 1930er-Jahren begannen Meitner und Hahn mit Experimenten zur Bestrahlung von Uran, bei denen sie unerwartet auf Zerfallsprodukte wie Barium stießen. Dies widersprach dem damaligen Modell der Atomstruktur. Nach ihrer Flucht nach Schweden 1938 – aufgrund der politischen Lage in Nazi-Deutschland – setzte Meitner die Forschung aus der Distanz fort und interpretierte die Beobachtungen Hahns. Die bahnbrechende Erkenntnis kam schließlich beim Spaziergang mit ihrem Neffen Frisch, der ebenfalls Physiker war: Der Uran-Kern könnte durch die Aufnahme eines Neutrons in zwei nahezu gleich große Teile zerfallen, was enorme Mengen Energie freisetzt. Meitners Berechnungen zeigten, dass dieser Zerfall etwa 200 Millionen Elektronenvolt (MeV) pro Kernspaltung freisetzt – ein Resultat, das später zur Grundlage der Nutzung der Kernkraft wurde. Doch trotz ihrer wesentlichen Beiträge wurde Meitner bei der Verleihung des Nobelpreises 1944 übergangen, der allein an Otto Hahn ging. Sie selbst war 49-mal für den Nobelpreis nominiert, erhielt ihn aber nie, was angesichts ihrer Leistung nicht nachvollziehbar ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich Meitner in Großbritannien für die friedliche Nutzung der Kernenergie ein und erhielt posthum große Anerkennung, wie die Benennung des Elements Meitnerium. Ihre Forschung beeinflusste nicht nur die Physik, sondern auch die Astronomie: Lise Meitners Entdeckung der Kernspaltung hat indirekt großen Einfluss auf unser Verständnis des Universums. Ihre Forschung an der Struktur des Atomkerns und die Erkenntnis, dass schwere Kerne in leichtere zerfallen und dabei enorme Mengen an Energie freisetzen, legten die Grundlage für das Verständnis der Prozesse die in Sternen ablaufen. Die Mechanismen, die Meitner und ihre Kollegen entdeckten, sind entscheidend für die Nukleosynthese – also die Bildung von Elementen in Sternen und Supernovae. In diesen extremen astrophysikalischen Umgebungen werden durch Fusion und Spaltung die schweren Elemente gebildet, die heute in unserem Universum existieren. Meitners Arbeiten trugen so entscheidend zur nuklearen Astrophysik bei, einem Bereich, der für die Entstehung und Entwicklung von Sternen und Galaxien zentral ist. Filmempfehlung: Einstein Junior, Australien 1988, aktuell auf Amazon erhältlich Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL045 Dimensionsportale und parallele Welten! Wurmlöcher in der Science Fiction31.10., 07:0031.10.2024, 07:0001:18:10
Die Episode über Tunnel durch Raum und Zeit, Parallelwelten und andere Dimensionen: Was steckt hinter Wurmlöchern? Unterstützt uns bei Steady, Patreon, oder Paypal! Pünktlich zu Halloween macht sich Cosmic Latte auf den Weg in andere Dimensionen, durch Tunnel in Raum und Zeit und in andere Welten. Dabei landen wir (fast) in der Hölle und diskutieren unterwegs darüber, wie wissenschaftlich die Darstellungen von Wurmlöchern und Dimensionsportale in der Science Fiction sind. Und wie immer wenn es um Science Fiction geht, ist der Drehbuchautor Peter Koller zu Gast. Wurmlöcher in der Science Fiction und die Wissenschaft dahinter In den bisherigen Science-Fiction-Specials hat Eva mit Regisseur und Drehbuchautor Peter Koller bereits den Bau von Zeitmaschinen, den (möglichen) Erstkontakt mit Außerirdischen und auch den Weltuntergang in Film und Wissenschaft beleuchtet. In unserem vierten Special tauchen wir in die Welt der Wurmlöcher ein, die als Tunnel durch die Raumzeit interstellare Reisen (zumindest im Film) ermöglichen - faszinierende Strukturen, die Science-Fiction-Filme und -Serien als Abkürzungen durch Raum und Zeit nutzen. Aber nicht nur Science-Fiction-Autoren, sondern auch die Wissenschaft lässt sich von diesem Konzept inspirieren. Was sind Wurmlöcher? Der erste Ansatz für ein Wurmloch findet sich in einer Arbeit des österreichischen Physikers Ludwig Flamm von der Universität Wien aus dem Jahr 1916. Albert Einstein und Nathan Rosen beschrieben das Konzept 1935 genauer, weshalb Wurmlöcher in der Fachliteratur auch "Einstein-Rosen-Brücken" genannt werden. Wurmlöcher sind in der Science-Fiction sehr beliebt. Man kann sie sich wie eine Abkürzung vorstellen, wie einen Tunnel durch einen Berg, oder wie ein Loch, das ein Wurm in der Mitte eines Apfels gefressen hat - daher übrigens der Name, der 1957 von John Wheeler geprägt wurde (der auch den Namen "Schwarzes Loch" erfand). Wenn wir durch ein Wurmloch reisen, könnten wir also (theoretisch) schneller als das Licht reisen, ohne ein Naturgesetz zu brechen. Denn interstellares Reisen ist, zumindest für uns Menschen, mit zwei großen Problemen verbunden: Erstens sind die kosmischen Entfernungen in menschlichen Zeitmaßstäben nicht zu bewältigen. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt (das entspricht 8 Lichtminuten oder einer "Astronomischen Einheit"), unser Nachbarstern Proxima Centauri ist bereits 4,2 Lichtjahre oder 39.900 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, zum Zentrum der Milchstraße sind es schon 26.000 Lichtjahre und zu den Magellanschen Wolken 160.000 bzw. 210.000 Lichtjahre - und das ist nur unsere „galaktische Nachbarschaft“. Um diese Entfernungen zu unseren Lebzeiten zu überwinden, müssten wir schneller als das Licht reisen - und genau hier liegt das Problem. Denn nach den Gesetzen der Physik kann nichts schneller sein als das Licht. Bei 299792,458 km/s ist die Grenze erreicht, Überlichtgeschwindigkeit ist nicht möglich. Wurmlöcher wären eine praktische Lösung für diese Probleme, sind aber bisher rein theoretische, mathematische Gebilde. Sie existieren bisher nur als mathematische Lösungen der Relativitätstheorie und wurden noch nicht experimentell nachgewiesen. Eine einfache Lösung der Einsteinschen Gleichungen ist die Schwarzschild-Lösung, die das Gravitationsfeld einer kugelförmigen, ungeladenen und nicht rotierenden Masse beschreibt. Für Objekte, die zu einem Schwarzen Loch kollabieren, reicht die Schwarzschild-Lösung jedoch nicht aus - es treten sogenannte Singularitäten auf. Die Wurmlöcher der Allgemeinen Relativitätstheorie sind jedoch sehr instabil. Ohne Quantenverschränkung würden sie sofort kollabieren sobald sich ihnen ein Teilchen nähert, noch bevor es sie durchqueren könnte. Diese Instabilität ist eine der größten Schwierigkeiten, ein Wurmloch offen für eine Durchquerung zu halten. Für große, passierbare Wurmlöcher, wie sie in Science-Fiction-Filmen verwendet werden, bräuchte man eine bizarre Materie mit negativer Energiedichte (sie müsste antigravitativ wirken), die es nicht gibt bzw. kennen wir keine Materie, die diese Eigenschaften besitzt. Der Astrophysiker Kip Thorne berechnete, dass für ein Wurmloch von einem Meter Durchmesser exotische Materie von der Masse des Jupiter erforderlich wäre. 1988 stellten Kip Thorne und Michael Morris in ihrem Aufsatz Wormholes in spacetime and their use for interstellar travel neun Regeln für ein passierbares Wurmloch auf: Statische Stabilität: Wurmlöcher müssen stabil und unveränderlich sein, damit sie sicher durchquert werden können. Einhaltung der Relativitätstheorie: Wurmlöcher müssen den physikalischen Gesetzen der Allgemeinen Relativitätstheorie gehorchen. Asymptotische Flachheit: Der Hals des Wurmlochs sollte flache Regionen der Raumzeit miteinander verbinden. Kein Ereignishorizont: Ein passierbares Wurmloch darf keinen Horizont haben, damit man nicht darin gefangen bleibt. Geringe Gravitationskräfte: Die Gravitation innerhalb des Wurmlochs muss gering sein, um eine „Spaghettifizierung“ zu vermeiden. Kurze Durchquerungszeit: Die Reisezeit durch das Wurmloch sollte minimal sein, im Idealfall kürzer als der konventionelle Weg. Erreichbare Materie: Das Wurmloch muss aus Materie bestehen, die im Universum existiert - exotische Materie mit negativer Energiedichte ist notwendig, aber bisher nicht nachweisbar. Stabilität: Das Wurmloch muss stabil genug sein, um eine sichere Passage zu gewährleisten. Praktische Konstruktion: Der Bau eines Wurmlochs sollte im Rahmen der Zeit und der Ressourcen des Universums machbar sein. Quantenverschränkte Wurmlöcher könnten das Problem der exotischen Materie lösen: Hier wird postuliert, dass Wurmlöcher (Einstein-Rosen-Brücken, ER) und quantenverschränkte Teilchenpaare (Einstein-Podolsky-Rosen-Paar, EPR) miteinander verbunden sind. Die ER-EPR-Vermutung von Juan Maldacena und Leonard Susskind benötigt keine exotische Materie mehr und würde auch das Informationsparadoxon der Schwarzen Löcher lösen. Wurmlöcher könnten demnach als kausale Verbindungen fungieren, durch die Informationen mittels Quantenverschränkung übertragen werden. Trotz dieser theoretischen Grundlagen bleibt die Existenz stabiler, durchquerbarer Wurmlöcher spekulativ. Forscher wie Daniel R. Terno zeigen in aktuellen Studien, dass sphärisch-symmetrische Wurmlöcher die Quanten-Energie-Ungleichungen verletzen und daher in der semiklassischen Gravitation instabil sind. Im Gegensatz zu den meisten Filmen sehen Wurmlöcher auch nicht wie ein Abfluss oder ein Loch aus, sondern sind kugelförmig und eher mit einer Seifenblase zu vergleichen. Der Film "Interstellar" zeigt das Wurmloch wissenschaftlich korrekt als kugelförmige Verzerrung im Raum. Und: Die Kurzgeschichte von Stephen King mit der Teleportation, die Peter erwähnt, ist "The Jaunt". Alle Filme die in dieser Folge erwähnt werden: Powers of Ten Interstellar 2001: A Space Odyssey Contact Inception 12 Monkeys Tenet Stargate The Abyss Monsters, Inc. Toy Story Doctor Strange in the Multiverse of Madness Coraline Alice in Wonderland Hostile Dimensions Event Horizon Smile 2 Dead Calm From Beyond Sliders Star Trek: Mirror, Mirror Links und weiterführende Informationen: Inaccessibility of traversable wormholes von Daniel R. Terno BBC Podcast In our time: Wormholes Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- ADHS und Astronomie: Neurodiversität als Superpower?17.10., 07:0017.10.2024, 07:0000:52:04
Die Episode über ADHS in der Wissenschaft und wie Neurodiversität die MINT-Welt beeinflusst Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon, Paypal unterstützen! In dieser Episode diskutieren Eva und Elka über ADHS und Autismus in den MINT-Fächern wie Physik und Astronomie. Wir sprechen über die Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit ADHS, die Diagnose, die Symptome und die häufigsten Vorurteile. Zudem beleuchten wir, wie sich Neurodiversität positiv auf wissenschaftliche Karrieren auswirken kann und wie durch passende Rahmenbedingungen die Stärken neurodivergenter Menschen optimal gefördert werden können. Einleitung In dieser Episode werfen wir zunächst einen Blick auf die ORF Astrologie-Show "Blick in die Sterne". Eva und Elka besprechen, warum es problematisch ist, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der ORF eine eigene Astrologie Sendung unter dem Deckmantel der Unterhaltung produziert. Damit wird der Astrologie, einer Pseudowissenschaft, nicht nur eine Plattform gegeben, sondern auch zu einer Legitimation verholfen, anstatt sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen (siehe auch hier). Space News: planetare Verteidigung Bessere Nachrichten kommen von Eva, die über den erfolgreichen Start der Raumsonde Hera mit einer Falcon 9 von SpaceX berichtet. Hera fliegt nun zum binären Asteroidensystem Dydimos (bestehend aus Dydimos und seinem Begleiter Dimorphos). Dort wurde vor zwei Jahren im Rahmen der DART-Mission ein kontrollierter Einschlag auf Dimorphos durchgeführt, um dessen Umlaufbahn zu verändern. Damit sollte getestet werden, ob es möglich ist, die Bahn eines Asteroiden zu verändern, um im Falle einer Gefahr für die Erde (die weder von Dimorphos noch von Dydimos ausgeht!) reagieren zu können. Tatsächlich waren die Auswirkungen des Einschlags stärker als in den Modellen vorhergesagt. Hera soll im Herbst 2026 bei Didymos ankommen und nachsehen, wie es dort jetzt aussieht. Mit ihren Messinstrumenten wird Hera unter anderem die Tiefe des Kraters, die Verformung des Asteroiden und seine genaue Zusammensetzung untersuchen. Ein weiterer Schritt zur planetaren Verteidigung. Oktober: Der Monat für ADHS-Awareness Jedes Jahr im Oktober wird im Rahmen des ADHD Awareness Month weltweit auf ADHS aufmerksam gemacht (symbolisiert durch die orangefarbene Schleife). Es ist ein wichtiges Thema, nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch persönlich für viele Betroffene - wie Eva und Elka, die mit ADHS diagnostiziert wurden. Für uns beide hat die eigene, späte Diagnose das Leben verändert und wir möchten es anderen ersparen, jahrelang ohne Klarheit zu leben. Deshalb ist Aufklärung wichtig. Was genau ist ADHS? ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder Attention Deficit Hyperactivity Disorder) ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist. Diese Symptome variieren je nach Alter, Geschlecht und individuellen Lebensumständen, weshalb ADHS vor allem bei Erwachsenen oft erst spät diagnostiziert wird. Bei Erwachsenen und besonders bei Frauen wird ADHS oft spät erkannt, weil es sich nicht "auswächst", wie lange angenommen wurde. Eva zum Beispiel hat die Symptome lange kompensiert - überdurchschnittliche sprachliche, logische und numerische Fähigkeiten haben ihr geholfen, viele Herausforderungen zu meistern, aber dabei auch sehr viel Energie verschlungen. Die späte Diagnose hat geholfen, die Vergangenheit zu verstehen und Strategien zu entwickeln, die ihr Leben nachhaltig verbessern. Vor allem bei Frauen äußert sich ADHS oft anders als bei Männern: Während Jungen in der Regel im Alter von etwa 7 Jahren diagnostiziert werden, tritt ADHS bei Mädchen meist später auf, oft erst in der Pubertät. Das erschwert die Diagnose. ADHS wird häufig durch drei Hauptsymptome definiert: Unaufmerksamkeit: Oft als „Unaufmerksamkeit“ diagnostiziert, sind viele Betroffene eher “überaufmerksam”, da sie mehr Reize gleichzeitig wahrnehmen. Hyperaktivität: Häufig körperliche Unruhe, ständiges Zappeln oder exzessives Sprechen. Impulsivität: Geduldsschwierigkeiten und impulsives Verhalten ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Merkmale sind bei Männern und Frauen oft unterschiedlich stark ausgeprägt: Männer zeigen in der Regel mehr Hyperaktivität, während Frauen häufiger unter Unaufmerksamkeit leiden, was oft zu einer späten Diagnose führt. ADHS bei Erwachsenen wurde erst in den 1970er Jahren ernsthaft erforscht. Diese Form äußert sich häufig durch Innere Unruhe und das ständige Bedürfnis, beschäftigt zu sein. Schwierigkeiten beim Planen und Strukturieren von Aufgaben. Impulsives Verhalten im Alltag, z.B. beim Einkaufen oder in sozialen Interaktionen. Ursachen und neurologische Besonderheiten ADHS ist eine Regulationsstörung im Gehirn, bei der Neurotransmitter wie Dopamin zu schnell abgebaut werden, was zu Defiziten in Konzentration, Antrieb und Impulskontrolle führt. Obwohl ADHS häufig vererbt wird, können auch Umweltfaktoren wie die frühkindliche Entwicklung und familiäre Umstände eine Rolle spielen. Untersuchungen mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigen, dass bestimmte Hirnregionen bei ADHS-Betroffenen schlechter durchblutet sind. ADHS in der Wissenschaft: Besonderheiten in MINT-Fächern Neurodivergente Menschen, darunter solche mit ADHS, bringen oft kreative Denkweisen und Fähigkeiten in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit. Studien zeigen, dass Jugendliche mit ADHS oft gute Leistungen in MINT-Fächern erbringen, wenn sie die richtigen Unterstützungsmechanismen erhalten. Die Forschung betont daher zunehmend, dass Menschen mit ADHS nicht nach traditionellen Maßstäben beurteilt werden sollten, sondern dass ihre Stärken gefördert werden müssen. ADHS ist mehr als eine Ansammlung von Symptomen - es beeinflusst das Leben von Millionen von Menschen und bringt sowohl Herausforderungen als auch Stärken mit sich. Es ist wichtig, das Bewusstsein zu schärfen und Vorurteile abzubauen, um den Betroffenen zu helfen, ihre Stärken zu nutzen und erfolgreich zu sein. Ob in der Schule, im Beruf oder im Alltag - mit der richtigen Unterstützung und Aufklärung kann ADHS ein Ansporn und keine Einschränkung sein. Die besprochenen Studien findet ihr hier: “It Seems Like I’m Doing Something More Important”—An Interpretative Phenomenological Analysis of the Transformative Impact of Research Experiences for STEM Students with ADHD, Zaghi, A.E.; Grey, A.; Hain, A.; Syharat, C.M., Educ. Sci. 2023, 13, 776., Link zum Download "Problematizing Perceptions of STEM Potential: Differences by Cognitive Disability Status in High School and Postsecondary Educational Outcomes", Shifrer D., Freeman DM, Socius, 2021, Link zur Studie Supporting Neurodivergent Talent: ADHD, Autism, and Dyslexia in Physics and Space Sciences, N. Turner, H. Haynes Smith, Trinity University, Physics and Astronomy Department, 2023, Link zum Download Hier noch der Link zum Paper über das Dunkle Materie Experiment mit dem Akronym ADHD: Perspectives of dark matter indirect search with ADHD in space, F Nozzoli, F Dimiccoli, P Zuccon, Journal of Physics, 2020 Link zum Download Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion.
- CL043 Kosmische Kollisionen: Was passiert, wenn Sterne zusammenstoßen?03.10., 07:0003.10.2024, 07:0000:52:33
Die Episode über stellare Kollisionen und ihre Auswirkungen: von der Super- bis zur Kilonova In dieser Episode gehen Eva und Jana den gigantischen kosmischen Kollisionen im All nach. Was passiert wenn Sterne zusammenstoßen? Welche Energien werden frei gesetzt, wenn Neutronensternen kollidieren? Welche Rolle spielen Schwarze Löcher dabei und was sind eigentlich blaue Nachzügler? Diesen Fragen und noch viel mehr gehen wir dieses Mal nach. Zudem: die Gewinner des Jubiläums-Quiz, die Gründung von Space Monkey Podcasts und ein Update zum Wow-Signal! Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon, Paypal unterstützen! Begrüßung & Einleitung: Wir beginnen diese Episode mit der Gewinnspielauflösung: Anlässlich des 2-jährigen Jubiläums von Cosmic Latte (das wir in CL036- Cosmic Latte hat Geburtstag gebührend gefeiert haben) geben Eva und Jana die Gewinner des Gewinnspiels bekannt und lösen das Rätsel auf. Die korrekten Antworten auf die gestellten Fragen lauten: Der Hex-Wert von Cosmic Latte: #FFF8E7 (aus Episode CL001). Die Fernsehserie, die Evi für Asteroideneinschläge interessierte: Akte X (Episode über das Tunguska-Event, CL008). Der Tag, an dem Elka „dank Jupiter“ alles bekommt, was sie möchte: 26.05.2024 (aus CL022). Observatorium, in dem Jana Exoplaneten beobachtete: Wendelstein Observatorium (aus CL026). Die Gewinner wurden bereits verständigt. Space Monkey News Eva hat mit 1. Oktober ihr eigenes Unternehmen, Space Monkey Podcasts gegründet. Mit ihrer Agentur für Wissenspodcasts, bietet sie Full-Service-Leistungen für Podcasts an, von der Idee über die Produktion bis zur Veröffentlichung. Anfragen könnt ihr gerne direkt an Eva per Mail an podcast@spacemonkey.at richten. Space News Es gibt ein Update zum Wow!-Signal, das Eva und Jana in CL028 - Botschaften von Aliens und das Rätsel des WOW-Signals! besprochen haben: es gibt eine neue Erklärung des Signals von 1977, das als potenzielles Zeichen außerirdischer Intelligenz galt. Neuere Forschungen deuten auf ein astrophysikalisches Ereignis hin, bei dem eine Wasserstoffwolke durch eine starke Strahlungsquelle plötzlich aufleuchtete. Das Paper dazu könnt ihr unter diesem Link downloaden. Sternenkollisionen Das Hauptthema dieser Folge sind Sternenkollisionen. Obwohl Sterne in den Weiten des Universums oft als weit voneinander entfernt gelten, gibt es bestimmte Umstände, unter denen sie miteinander kollidieren können. Dies geschieht vor allem in Regionen mit hoher Sternendichte, wie etwa in Kugelsternhaufen, und in Doppelsternsystemen, in denen zwei Sterne einander umkreisen. Kollisionen in Kugelsternhaufen: In den Zentren von Kugelsternhaufen sind Sterne so dicht gepackt, dass Kollisionen häufiger vorkommen. Während es im nahen Umfeld der Sonne etwa 0,1 Sterne pro Kubikparsec gibt, befinden sich im Zentrum eines Kugelsternhaufens zwischen 100 und 10.000 Sterne pro Kubikparsec. Dies führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass Sterne zusammenstoßen oder miteinander interagieren. Ein bekanntes Phänomen, das durch solche Kollisionen entstehen kann, sind die sogenannten Blauen Nachzügler – Sterne, die heißer und leuchtkräftiger sind, als es für ihr Alter typisch wäre. Diese entstehen durch die Verschmelzung älterer Sterne, die einen neuen, massereicheren und heißeren Stern bilden. Kollisionen in Doppelsternsystemen: In Doppelsternsystemen können Kollisionen durch den Verlust von Orbitalenergie geschehen. Dies geschieht beispielsweise durch die Abstrahlung von Gravitationswellen oder durch Wechselwirkungen mit der umgebenden Materie. Der massereichere Stern kann während seiner Entwicklung die sogenannte Roche-Grenze überschreiten, was dazu führt, dass seine Masse auf den masseärmeren Begleiterstern übertragen wird. Dies kann schließlich zu einer Verschmelzung führen. Abhängig vom Entwicklungsstadium der Sterne können dabei verschiedene Arten von Sternen entstehen, darunter: Main Sequence Merger: Die Verschmelzung zweier Hauptreihensterne führt zur Bildung eines neuen, verjüngt wirkenden Sterns. Riesenstern Merger: Wenn beide Sterne bereits die Hauptreihe verlassen haben, kann die Verschmelzung chaotisch ablaufen und viel Material ausgestoßen werden, das eine Hülle um den neu entstandenen Riesenstern bildet. Kollisionen mit kompakten Objekten: Besonders spektakulär sind Kollisionen, bei denen kompakte Objekte wie Neutronensterne oder schwarze Löcher beteiligt sind. Diese führen zu extrem energiereichen Ereignissen wie Kilonovae oder Supernovae Typ Ia. Kilonovae entstehen, wenn zwei Neutronensterne oder ein Neutronenstern und ein schwarzes Loch kollidieren. Die dabei freigesetzten Gravitationswellen und Strahlung sind extrem stark und können schwere Elemente wie Gold oder Platin erzeugen. Eine Kilonova leuchtet etwa 1000-mal heller als eine gewöhnliche Nova und wird durch den radioaktiven Zerfall der gebildeten Elemente angetrieben. Supernova Typ Ia tritt auf, wenn ein weißer Zwerg genug Masse von einem Begleiterstern aufnimmt, um die kritische Massegrenze zu erreichen. In der Folge entzündet sich die Fusion von Kohlenstoff und Sauerstoff im Kern des weißen Zwergs, was zu einer katastrophalen Explosion führt. Diese Explosion setzt enorme Mengen an Energie frei und hinterlässt keine Überreste des ursprünglichen Sterns, nur eine diffuse Wolke aus interstellarer Materie. Novae: Im Gegensatz zu Supernovae handelt es sich bei Novae um wiederkehrende Helligkeitsausbrüche in Doppelsternsystemen (auf sehr unterschiedlichen Zeitskalen), bei denen ein weißer Zwerg Materie von einem Begleiterstern ansammelt. Wenn genug Wasserstoff auf der Oberfläche des weißen Zwergs akkumuliert wird, kann dies zu einer thermonuklearen Explosion führen. Diese Explosion wirft das angesammelte Material ab, ohne jedoch den weißen Zwerg oder den Begleiterstern zu zerstören. Ein besonderes Beispiel für eine Nova ist T Coronae Borealis, eine Nova, die alle 78 bis 80 Jahre ausbricht. Der nächste Ausbruch wird noch in diesem Jahr erwartet. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion
- CL042 Mond Basis 2030: Werden wir bald auf dem Mond leben?19.09., 07:0019.09.2024, 07:0000:43:38
Die Episode über die realen Möglichkeiten der Mondbesiedelung und wie eine zukünftige Mondbasis aussehen könnte. Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon und Paypal unterstützen! Einleitung Der Sommer ist vorbei und wir blicken zurück auf Elka's Auftritte in den Medien, u.a. auch im österreichischen Fernsehen. Am Besten spricht es sich aber nach wie vor im Podcast! Mondkolonie, Mondbesiedelung oder Mondstadt? In dieser Episode sprechen Eva und Elka nicht nur über die Rückkehr des Menschen auf den Mond, wie sie im Rahmen der aktuellen Artemis-Mission der NASA geplant ist, sondern gehen einen Schritt weiter und fragen sich, wie eine dauerhafte Besiedlung des Mondes in der Zukunft aussehen könnte. Bill Nye the Science Guy, Leiter der Planetary Society betont in diesem Kontext, dass wir dabei nicht von Kolonisierung des Mondes sprechen sollten, sondern stattdessen besser von Settlement, also Besiedlung. Während der Begriff Kolonisierung geschichtlich negativ behaftet ist, sollten wir hier neue Wege gehen - auch in sprachlicher Hinsicht. Näheres dazu kann in dem Artikel von Space nachgelesen werden. Die Idee, den Mond zu besiedeln, ist noch gar nicht so alt, aber sie hat eine lange Geschichte. In der Literatur haben berühmte Schriftsteller wie Jules Verne oder Isaac Asimov schon früh ihre Gedanken dazu zu Papier gebracht. In der Wissenschaft ist der russische Erfinder Konstantin Ziolkowski (1857-1935) zu nennen. Er gilt als Vater der Raumfahrt und beschrieb bereits 1895 einen Weltraumaufzug. Er war auch der erste, der sich Gedanken darüber machte, wie man Raketen in den Weltraum schießen könnte - schließlich galt es, die Schwerkraft der Erde zu überwinden. Ziolkowski stellte dazu auch mathematische Berechnungen an, die sogenannte Ziolkowski-Raketengleichung. Er war einer der Ersten, der über die Errichtung von Raumstationen und Weltraumkolonien nachdachte. In seinen Arbeiten beschrieb er die Idee von permanent bewohnten Strukturen im Weltraum, die als Zwischenstationen für interplanetare Reisen dienen könnten. Für ihn war der Mond der erste Schritt der menschlichen Expansion in den Weltraum. Besiedlung des Mondes: Wie realistisch ist die Vision? Nach der historischen Mondlandung 1969 ebbte die Begeisterung für bemannte Mondmissionen in den folgenden Jahrzehnten ab. Seit der letzten Mondlandung 1972 mit Apollo 17 hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Doch nun plant die Menschheit die Rückkehr - und mehr noch: die dauerhafte Präsenz auf unserem Trabanten. Werden wir eines Tages wirklich dauerhaft auf dem Mond leben können? Bisherige Mondmissionen, wie die der Apollo-Programme, beschränkten sich auf Kurztrips, bei denen sich die Astronauten nur wenige Tage auf der Mondoberfläche aufhielten. Die Herausforderungen der Mondbesiedelung Eine dauerhafte Besiedlung des Mondes ist mit großen Herausforderungen verbunden. Der Mond besitzt weder eine Atmosphäre noch ein Magnetfeld und ist damit der kosmischen Strahlung und extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Während tagsüber auf dem Mond Temperaturen von bis zu +130°C erreicht werden können, sinken diese in der Nacht auf -160°C ab. Auch der Tag-Nacht-Rhythmus ist anders als auf der Erde: Ein Tag auf dem Mond dauert etwa 14 Erdtage, gefolgt von 14 Erdtagen Nacht. Weitere Herausforderungen sind die geringe Schwerkraft, die nur etwa ein Sechstel der Erdschwerkraft beträgt, und der Mangel an Wasser. Dabei ist Wasser überlebenswichtig - ob als Trinkwasser, zur Sauerstoffgewinnung oder als potenzielle Energiequelle. Wasser auf dem Mond! Die Entdeckung von Wasser auf dem Mond in den letzten Jahrzehnten hat das Potenzial für eine Mondkolonie enorm erhöht. Während man früher davon ausging, dass der Mond völlig trocken ist, haben Missionen wie Chandrayaan-1 und der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) in den 2000er Jahren Wasser in Form von Eis vor allem in den permanent beschatteten Kratern an den Mondpolen nachgewiesen. Im Jahr 2020 bestätigte das Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy (SOFIA) die Existenz von Wasser auch auf der sonnenbeschienenen Mondoberfläche. Strategische Orte für eine Mondkolonie Zwei Regionen sind für eine Mondkolonie besonders geeignet: die Polregionen und die Äquatorregionen. Die Polregionen bieten durch ihre nahezu konstanten Lichtverhältnisse eine zuverlässige Energiequelle in Form von Sonnenenergie. Besonders interessant ist der Shackleton-Krater, der durch seine permanenten Eisvorkommen eine ideale Basis für eine Kolonie bieten könnte. Die äquatorialen Regionen könnten wegen ihrer höheren Konzentration an Helium-3, einem potenziellen Energieträger, und ihrer besseren Erreichbarkeit von Interesse sein. Außerdem gibt es dort Gebiete wie Reiner Gamma, die über ein natürliches Magnetfeld verfügen, das den Sonnenwind ablenken könnte. Technologien für eine Mondbasis Für den Bau einer Mondbasis gibt es verschiedene Ansätze. Eine Möglichkeit besteht darin, Strukturen unter der Mondoberfläche zu errichten, um Schutz vor Strahlung und Temperaturschwankungen zu bieten. Auch natürliche Höhlen, so genannte Lavaröhren, könnten genutzt werden. Auf der Oberfläche könnten künstliche Magnetfelder und das Einbetten von Strukturen in Mondstaub zusätzlichen Schutz bieten. Moderne Technologien wie der 3D-Druck ermöglichen es, Baumaterialien direkt aus dem Mondregolith herzustellen. Die In-situ Resource Utilization (ISRU) Technologie soll zudem lokale Ressourcen wie Wasser nutzen, um Atemluft und Raketentreibstoff vor Ort zu gewinnen. Das Artemis-Programm: Der nächste Schritt zurück zum Mond Mit dem Artemis-Programm strebt die NASA bis 2025 die Rückkehr von Menschen auf den Mond an, um dort langfristig eine dauerhafte Präsenz zu etablieren. Diese Missionen sollen den Grundstein für zukünftige Mondkolonien legen. Geplant sind unter anderem das Artemis Base Camp am Südpol des Mondes sowie die Raumstation Lunar Gateway im Mondorbit, die als Zwischenstation für Mondlandungen und zukünftige Marsmissionen dienen soll. Die Besiedelung des Mondes ist dank internationaler Zusammenarbeit und technologischer Innovationen in greifbare Nähe gerückt. Mit den ehrgeizigen Plänen des Artemis-Programms könnte eine erste Mondbasis bereits in den 2030er Jahren Realität werden. Diese Entwicklungen markieren nicht nur einen Meilenstein in der Raumfahrt, sondern auch einen symbolischen Schritt der Menschheit als Ganzes, die jenseits nationaler Interessen gemeinsame Träume und Ziele verfolgt. Die Besiedelung des Mondes bleibt eine Vision, die dank neuer wissenschaftlicher und technischer Errungenschaften mehr als nur Science Fiction sein könnte. Weiterführende Infos: Mehr über die Pläne der NASA einer permanenten Mondbesiedlung kann in dem Folder NASA's Plan for Sustained Lunar Exploration and Development nachgelesen werden. Auf ARTE gibt es die Dokumentation "Können wir auf dem Mond leben?" in ihrer Mediathek zu sehen. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|for Susatined
- CL041 Der Mond: Die Geschichte einer kosmischen Kollision05.09., 07:0005.09.2024, 07:0000:44:30
Die Episode über den Zusammenprall der Erde mit Theia und weitere Theorien zur Entstehung des Mondes. Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon oder Paypal unterstützen! Einleitung Dieses Mal dreht sich alles um den Mond und seine Entstehung. Denn obwohl uns der Mond so nahe ist, gibt er uns immer noch einige Rätsel auf. Selbst die Frage nach seiner Entstehung ist nicht vollständig geklärt. Eva wirft daher mit Jana einen genaueren Blick auf unseren Begleiter. Vom Astronomy High zum Cyclers High Läufer erleben ein High nach ihrem sportlichen Lauf, Jana spürt das Astronomy High wenn sie sich intensiv mit astronomischen Themen beschäftigen kann und Eva entdeckte das Cyclers High nach ihrem Raderfolg, dem Bezwingen des kleinen Hausberges. Sie berichtet zudem auch von ihrer neuen Radsport-Leidenschaft auf Zwift. Mars Simulation beendet Indoor-Sport haben auch die vier Menschen in der Marssimulation regelmäßig gemacht. Nach zwölf Monaten, ging die amerikanische Mission zu Ende: das Chapea-Programm simulierte in einem isolierten Habitat am Johnson Space Center 378 Tage eine Marsmission. Besonders interessant sind die Habitate aus dem 3D-Drucker, die auf der Website der NASA begutachtet werden können. Über Analoge Mars-Missionen haben wir in Cosmic Latte bereits mit der Analog-Astronautin Annika Mehlis vom ÖWF(dem Östereichischen Weltraum Forum) gesprochen. Ihr könnt euch die Folge gerne nochmal anhören: CL016- Analoge Missionen zum Mars Die Entstehung des Mondes Der Mond weist eine interessante Entstehungsgeschichte auf. Denn der Mond ist im Vergleich zur Erde außergewöhnlich groß. Er übertrifft sogar Merkur und ist der fünftgrößte Mond im Sonnensystem. Während die anderen terrestrischen Planeten entweder gar keine Monde (Merkur, Venus) oder nur sehr kleine, unregelmäßig geformte Monde (Mars) haben, bleibt die Größe und Existenz unseres Mondes ein Rätsel. Theorien zur Mondentstehung: Einfang: Diese Theorie schlägt vor, dass der Mond einst ein eigenständiger Planet war, der von der Erde eingefangen wurde. Allerdings passt diese Idee nicht zur geologischen Ähnlichkeit von Erde und Mond. Abspaltung: Eine weitere Idee besagt, dass die Erde sich so schnell drehte, dass sich ein Teil von ihr abspaltete und den Mond bildete. Doch das Alter und die Beschaffenheit des Mondgesteins widersprechen dieser Theorie. Akkretionstheorie: Hier hätten sich Erde und Mond gleichzeitig als Doppelsystem gebildet. Diese Theorie erklärt jedoch nicht den kleinen Eisenkern des Mondes und den hohen Drehimpuls des Systems. Die Giant-Impact-Hypothese Die am meisten akzeptierte Theorie ist die Giant-Impact-Hypothese. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren kollidierte die junge Erde mit einem marsgroßen Protoplaneten namens Theia. Dieser Einschlag führte dazu, dass große Mengen Material ins All geschleudert wurden, die sich zu einem Trümmerring um die Erde formten und schließlich den Mond bildeten. Diese Hypothese erklärt viele der Besonderheiten unseres Mondes. Zum Beispiel hat der Mond, im Vergleich zur Erde, einen sehr kleinen Eisenkern, da das meiste Eisen von Theia in den Erdkern gelangte. Außerdem ist das Mondgestein erstaunlich arm an flüchtigen Elementen, die bei den hohen Temperaturen des Impakts ins All entweichen konnten. Zudem weisen Untersuchungen der Sauerstoffisotope in Mondgestein eine fast identische Zusammensetzung wie das Gestein der Erde auf, was darauf hinweist, dass der Mond tatsächlich größtenteils aus Material der Proto-Erde besteht. Die Entstehung des Mondes fand in einer Zeit statt, als das junge Sonnensystem ein chaotischer Ort war, geprägt von häufigen Kollisionen zwischen Planetesimalen, die die Grundlage für Planeten, Monde und andere Himmelskörper bildeten. Obwohl die Giant-Impact-Hypothese weitgehend akzeptiert ist, bleiben einige Fragen offen, wie die Unterschiede zwischen der erdzu- und abgewandten Seite des Mondes und die genaue Herkunft von Theia. Es wird spekuliert, dass Theia entweder aus den äußeren Regionen des Sonnensystems stammte oder im L4-Punkt der Erde entstand und durch gravitative Störungen auf Kollisionskurs mit der Erde ging. Die Zukunft der Mondforschung Die Erforschung des Mondes ist noch lange nicht abgeschlossen. Künftige Missionen, wie die Artemis-Missionen, werden weitere Daten liefern, die uns helfen, die Entstehung des Mondes und seine Rolle in der Geschichte des Sonnensystems besser zu verstehen. Unser Mond ist nicht nur ein treuer Begleiter der Erde, sondern ein Schlüssel zur Geschichte unseres Sonnensystems – ein Puzzle, das uns auch in Zukunft beschäftigen wird. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|
- CL040 Mission All: Eine kurze Geschichte der Menschen im Weltraum22.08., 07:0022.08.2024, 07:0000:39:03
Die Episode über Kosmonauten, Astronautinnen, Space Shuttles und die Rückkehr zum Mond Ihr könnt uns gerne bei Steady, Patreon und Paypal unterstützen! Einleitung Dieses Mal wirft Eva mit Elka einen Blick in die Geschichte der Raumfahrt. Davor berichtet Eva noch vom Flyby-Manöver von ESA JUICE. Denn am 20. August näherte sich die Sonde der Erde bis auf 6807km um Schwung für ihren Flug zum Jupiter zu holen, wo sie die eisigen Monde erforschen wird! Über die JUICE Mission (Jupiter Icy Moons Explorer) haben wir bereits in CL011 gesprochen - die Folge könnt ihr hier nochmal hören. Der Vorbeiflug ist was Besonderes, denn es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Mond-Erde Flyby durchgeführt wurde. Die Sonde wurde dabei mithilfe der Schwerkraft der Erde auf eine, so seltsam das klingen mag, Abkürzung zum Jupiter durch das innere Sonnensystem in Richtung Venus geschickt. Der Flug von JUICE kann übrigens auf der ESA Website Where is Juice now? live verfolgt werden. Eine kleine Geschichte der Raumfahrt Im Hauptteil erzählt Elka von den ersten Schritten der Menschheit ins Weltall. Die Ära der bemannten Raumfahrt begann in den 1960er Jahren, einer Zeit des Kalten Krieges. Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten wetteiferten darum, wer als erster einen Menschen in den Weltraum schicken würde. Am 12. April 1961 gelang dem sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin ein historischer Meilenstein, als er als erster Mensch die Erde umrundete. Sein Flug an Bord der Wostok 1 dauerte 108 Minuten und bewies, dass Menschen sicher in den Weltraum reisen und zurückkehren konnten. Der erste Amerikaner im All war Alan Shepard, der aber nur einen suborbitalen Flug unternahm. Erst 1962, zehn Monate nach Juri Gagarin, gelang es einem Amerikaner, die Erde zu umkreisen. John Glenn umkreiste in einer Mercury-Kapsel dreimal die Erde. Die erste Frau im All war 1963 Valentina Tereshkova. Mit gerade mal 26 Jahren umrundete sie 49 Mal die Erde. Ihre Mission ist bis heute die einzige Solo-Mission einer Frau. Erst 20 Jahre später, 1983, flog die erste Amerikanerin, Sally Ride, ins All. Ein interessantes Bild der NASA auf ihre ersten Astronautinnen wirft das 1978 von der NASA entworfene Schminktäschchen, inklusive Lipgloss und Lidschatten. NASA-Programme Das Gemini-Programm (1965-1966) legte das Fundament für die zukünftige Raumfahrt und die Mondlandung. In dieser Phase wurden Raumfahrttechniken erprobt. Das Apollo-Programm (1961-1972) Die USA reagierten mit dem Apollo-Programm auf die Sowjetunion. Ihr ultimatives Ziel war es, einen Menschen auf den Mond zu bringen und sicher wieder zur Erde zurückzubringen. Dafür wurde die gewaltige Trägerrakete Saturn V entwickelt, die über genügend Schubkraft verfügte, um die neue Drei-Mann-Raumkapsel "Apollo" sowie eine Landefähre zum Mond zu transportieren. Apollo 8 umkreiste den Mond und machte das berühmte "Earthrise"-Foto. Am 20. Juli 1969 erreichte Apollo 11 das Ziel des Programms, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betraten. Sie verbrachten 2,5 Stunden auf der Mondoberfläche und sammelten Mondgestein. Im Jahr 1970 erlebte die Apollo 13-Mission eine Explosion eines Sauerstofftanks, wodurch die geplante Mondlandung verhindert wurde. Eine spektakuläre Rettungsaktion folgte, bei der die Astronauten in die Mondlandefähre umstiegen. Mit der Apollo-17-Mission endete schließlich das amerikanische Mondprogramm. Die ersten bescheidenen Raumstationen waren Saljut (UdSSR) und Skylab (USA). In den 1980er Jahren baute die Sowjetunion die berühmte Raumstation Mir. 1975 gab es das erste Mal eine gemeinsame Mission der UdSSR und der USA inklusive eines historischen Handschlags im All: das Apollo-Sojus-Projekt. Die Space Shuttle-Ära (1981-2011) Das Space Shuttle war die erste wiederverwendbare Raumfähre. Es spielte eine wesentliche Rolle beim Bau der Internationalen Raumstation (ISS), transportierte Satelliten und ermöglichte zahlreiche wissenschaftliche Experimente. Doch das Programm wurde auch von Tragödien überschattet: bei dem Challenger-Unfall 1986 und dem Columbia-Unfall 2003 kam jeweils die gesamte Besatzung ums Leben. Die Internationale Raumstation (ISS) Die ISS wird von fünf Raumfahrtagenturen betrieben: NASA (USA), Roskosmos (Russland), ESA (Europa), JAXA (Japan) und CSA (Kanada). Jede Organisation ist für ihr Modul zuständig, Vollbetrieb ist aber nur durch Kooperation möglich. Seit dem Jahr 2000 ist die ISS kontinuierlich von Menschen besetzt und dient als Labor für Wissenschaft und Forschung in Schwerelosigkeit. Beginn des Weltraumtourismus 2001 fliegt der erste Weltraumtourist ins All. Ein amerikanischer Milliardär reist für 20 Mio. Dollar zusammen mit zwei Kosmonauten zur ISS. Gegenwart der Raumfahrt Zur Zeit gibt es drei Raumfahrtnationen, die bemannte Missionen mit eigenen Raumfahrzeugen durchführen: Russland, USA und China. China betreibt seit 2021 eine ständig besetzte Raumstation. Indien bereitet mittlerweile auch bemannte Flüge mit dem Gaganyaa-Raumschiff vor. Heutzutage hat die bemannte Raumfahrt neue Höhen erreicht. Private Unternehmen wie Blue Origin, das kurze suborbitale Flüge anbietet, sowie SpaceX und Boeing, die ISS-Zubringerflüge testen, arbeiten eng mit der NASA zusammen. Ihr Ziel ist es, Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) zu transportieren und zukünftige Missionen zum Mond und Mars zu planen. SpaceX hat bereits mehrere erfolgreiche bemannte Flüge mit der Crew Dragon-Kapsel durchgeführt. Zusätzlich soll SpaceX ein Deorbit-Fahrzeug entwickeln, um die ISS im Jahr 2030 kontrolliert zum Absturz zu bringen. Artemis Missionen Die aktuelle Artemis-Mission der NASA verfolgt das Ziel, nach 1972 erneut Menschen auf den Mond zu bringen, eine dauerhafte Infrastruktur auf dem Mond zu errichten und eine Raumstation im Mondorbit zu bauen. Bei diesen Missionen soll 2026 erstmals eine Frau, Christina Hammock Koch, zum Mond fliegen! Serientipp: For all Mankind, USA 2019-2024, zu streamen bei Apple TV+ Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|
- CL039 Terraforming Venus - Können wir die Venus in ein Dschungelparadies verwandeln?08.08., 07:0008.08.2024, 07:0000:43:42
Die Episode über schwebende Städte in den Wolken, gezielte Asteroideneinschläge und weitere Methoden, um die Venus in ein bewohnbares Paradies zu verwandeln. Ihr könnt uns bei Paypal, Steady und Patreon gerne unterstützen! Einleitung In dieser Episode beschäftigt sich Jana mit dem Ursprung der Symbole, die wir Menschen den Planeten zugeordnet haben. Besonders bekannt sind die Symbole für Mars und Venus, die für Männlichkeit und Weiblichkeit stehen. Das Marssymbol bildete sich aus der Darstellung eines Schildes und eines Speeres und wurde urprünglich mit Eisen assoziiert. Weniger eindeutig ist hingegen die Venus, ihr Zeichen wird als Handspiegel der Göttin interpretiert. Da Spiegel in der Antike oft aus Kupfer waren, wird die Venus mit diesem Element in Verbindung gebracht. Ein weiteres bekanntes Symbol ist jenes von Merkur, das heute teilweise in der LGBTQ+ Szene genutzt wird, um non-binäre Geschlechter darzustellen. Terraforming Venus Inspiriert von Janas Erzählungen über die Venus in Cosmic Latte 35 geht Eva in dieser Folge der Frage nach, ob sich die Venus terraformen lassen könnte. In der Science-Fiction ist das Konzept des Terraforming, also einen Planeten für uns Menschen mittels Technologie lebensfreundlich zu machen, längst angekommen. Der Begriff Terraforming wurde bereits in den 1940er Jahren von Jack Williamson erfunden und später von der Wissenschaft übernommen. Und Poul Anderson ließ bereits 1954 in "The Big Rain" die Venus zu einem lebensfreundlichen Planeten werden. Die Ausgangslage ist dabei bei der Venus auf den ersten Blick jedoch äußerst schlecht: die Oberflächentemperatur liegt bei 460 Grad Celsius. Der Druck auf der Oberfläche ist 90-mal stärker als auf der Erde, da ihre Atmosphäre so dicht ist - diese besteht zudem fast komplett aus Kohlendioxid. Wenn wir auf der Venusoberfläche stehen würden, wäre das also in etwa so, wie wenn wir uns auf der Erde in über 900 Meter Meerestiefe aufhalten. Die Frage, warum wir also die Venus terraformen sollten, ist daher durchaus berechtigt. Allerdings gilt die Venus in mancherlei Hinsicht auch als Zwillingsschwester der Erde: sie ist ihr sowohl in Größe als auch in der Masse ähnlich, und daher ist auch die Anziehungskraft ähnlich. Dies ist sehr praktisch für den menschlichen Körper, da wir dann nicht z.B. mit Muskelschwund zu kämpfen hätten, wie dies etwa auf dem Mars der Fall wäre. Zudem kommt die Venus der Erde regelmäßig sehr nahe, was für wiederkehrende Reisen praktisch ist. Was müssten wir auf der Venus ändern, um sie bewohnbar zu machen? Um auf der Venus zu leben, müssten wir v.a. drei Dinge ändern, die uns momentan das Leben auf ihr nicht nur schwer sondern unmöglich machen: Zunächst müssten wir die Oberflächentemperatur der Venus senken, von aktuell 464 Grad Celsius auf gemütliche 15 Grad. Im nächsten Schritt müsste die Beseitigung des größten Teils der dichten Kohlendioxid- und Schwefeldioxidatmosphäre des Planeten erfolgen und schließlich müsste atembarer Sauerstoff der Atmosphäre hinzugefügt werden. Venus Terraforming in der Wissenschaft In der Wissenschaft hat man sich erstaunlich viele Gedanken darüber gedacht. Bereits in den 1960er Jahren schlug Carl Sagan vor, Mikroorganismen auf der Venus auszusetzen, um mittels Fotosynthese Kohlendioxid in der Atmosphäre in Sauerstoff umzuwandeln und so den starken Treibhauseffekt zu stoppen. Sagan erkannte bereits, dass die Hauptprobleme die enorm dichte CO2-Atmosphäre, der extreme Treibhauseffekt und die damit verbundenen hohen Temperaturen sind. Allerdings ging man damals noch von anderen, milderen Bedingungen auf der Venus aus und wußte nicht, dass es so gut wie kein Wasser auf ihr gibt, der Atmosphärendruck derart hoch ist und es sogar Schwefeldioxid in der Luft gibt; Kurzum: die von Sagan vorgeschlagene Methode würde so nicht funktionieren! Er selbst sagte später dazu, dass dies von ihm zu naiv gedacht war. Später fand eine Studie heraus, dass selbst wenn man Organismen hätte, die das Co2 binden könnten, würde der Prozess mindestens elf Tausend oder bis zu einer Million Jahre dauern. Immerhin müsste man 99% der Atmosphäre abbauen! Um das zu bewerkstelligen, könnte das Kohlendioxid durch chemische Reaktionen mit Oberflächengestein in Karbonatgestein umgewandelt werden. Immerhin ist auf der Erde ebenfalls viel CO2 im Gestein gebunden. Allerdings müsste man dafür absurd hohe Mengen an Magnesium und Kalzium auf die Venus zu bringen (die CO2 binden und es somit aus der Atmosphäre entfernen). Die Atmosphäre könnte auch durch gezielte Asteroideneinschläge weggepustet werden. Dafür wären ungefähr 2000 10km-Asteroiden notwendig - die zwar vorhanden sind, allerdings fehlt es uns derzeit an der dafür notwendigen Technologie derartiges zu bewerkstelligen. Eine weitere Idee sieht die Verwendung eines großen Schattenschildes vor, der im Lagrange-Punkt L1 zwischen Venus und Sonne platziert wäre. Dadurch könnte die Sonneneinstrahlung reduziert werden, damit der Planet so weit abkühlt, dass das Kohlendioxid als Trockeneis ausfriert. Eine Alternative zu den oben genannten Methoden, die nicht nur aufwendig sondern auch sehr lange dauern, wären schwebende Habitate. Denn die Temperatur nimmt mit der Höhe ab. Dadurch ergibt sich auf einer Höhe von 54km ein sogenannter "sweet spot", bei dem die Temperatur laue 20 Grad beträgt und der Atmosphärendruck dem der Erde gleicht. Diese Tatsache, und die vorhandene Gravitation geben der Venus einen gehörigen Vorteil in Sachen Space Colony. Aber es gibt euch jede Menge zusätzliche Herausforderungen: so müsste man jede Menge Wasser zur Venus bringen. Und dann gibt es auch noch die ätzenden Schwefelsäurewolken, die man irgendwie loswerden müsste. Zuletzt stünden wir immer noch vor der Tatsache, dass die Tage auf der Venus 117 Erdentage lang sind. Um langfristig einen 24-Stunden Zyklus zu etablieren um die hohen Tag-Nacht Temperatur-Differenzen auszugleichen, könnte theoretisch die Rotation mittels Asteroideneinschläge beschleunigt werden. Dass diese Methode riskant ist und dafür riesige Energiemengen notwendig sind, muss nicht extra betont werden. Eine weitere Lösung wäre die Schaffung eines künstlichen Tag-Nacht-Zyklus, etwa durch Spiegel im All. Aber da dies alles Technologien aus der Zukunft sind, über die wir Menschen noch lange nicht verfügen werden, werden wir die Venus wohl nicht in absehbarer Zeit bewohnbar machen können - besser also, auf unsere Erde gut Acht zu geben! Das Paper von Geoffrey Landis über Terraforming auf der Venus kann man hier nachlesen Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|
- CL038 Alien-Invasion! Erstkontakt in der Science-Fiction25.07., 07:0025.07.2024, 07:0000:59:22
Die Episode über die vielen Möglichkeiten, wie der erste Kontakt mit Aliens stattfinden kann - Science-Fiction Special mit Gast Peter Koller Einleitung In dieser Folge spricht Eva wieder mit Drehbuchautor und Regisseur Peter Koller über Science-Fiction Filme. Im dritten Cosmic Latte Sci-Fi-Special sprechen wir über den Erstkontakt zwischen Menschen und Aliens. Nachbesprechung Furiosa Davor sprechen wir aber noch über den aktuellen Mad Max Film, "Furiosa", und den gemeinsamen Kinobesuch mit Hörern und Hörerinnen von Cosmic Latte. Das Prequel zu Mad Max "Fury Road" erzählt die Geschichte von Furiosa. Der Film beginnt in ihrer Kindheit und liefert nicht nur die Vorgeschichte, sondern auch Hintergrund und Kontext, was der Mad Max Reihe mehr Substanz verleiht. Erstkontakt in der Science-Fiction Der Film begegnet dem Thema des Erstkontakts durchaus sehr unterschiedlich. Peter beginnt mit seinem Lieblings-Erstkontakt-Film "Predator", der eine gewaltsame Erstbegegnung zeigt, in der eine militärische Einheit (u.a. mit Arnold Schwarzenegger) mit voller Feuerkraft auf ein unsichtbares Alien im Dschungel schießt. Wesentlich friedlicher und diplomatischer ist die Darstellung in anderen Filmen, wie etwa in einer von Evas Favoriten, Star Trek "First Contact", in dem die erste Begegnung der Menschheit mit den Vulkaniern geschildert wird. "Krieg der Welten" und die rote Gefahr In den Sci-Fi-Filmen der 1950er und 1960er Jahre über außerirdische Besucher, spiegeln sich politische Themen, besonders der Kalte Krieg wider. Deutlich wird dies etwa in "Der Tag, an dem die Erde stillstand", in dem der Alien Klaatu die Menschheit vor den Gefahren des Krieges warnt. Auch in „Krieg der Welten“ von 1953 kann der Angriff der Marsianer auf die Menschheit (obwohl von H.G. Wells ursprünglich nicht in der Absicht geschrieben) als Gefahr des Kommunismus bzw. der Sowjetunion gesehen werden, wie sie die USA wahrnahm. Ebenso wie in „Die Körperfresser kommen“, in der die USA von einer außerirdischen Rasse von innen infiltriert wird, und die Paranoia jener Zeit sehr gut reflektiert. Kommunikationsprobleme Ganz andere Probleme ergeben sich im Versuch mit einer anderen Spezies zu kommunizieren. In "2001: Odyssee im Weltraum" wird die Schwierigkeit der Kommunikation mit einer völlig fremden Spezies thematisiert, repräsentiert durch den mysteriösen Monolithen, der die Menschheit beeinflusst. Besonders deutlich wird dies in "Arrival" herausgearbeitet, der sich mit der Herausforderung befasst, die komplexe Sprache der Aliens zu entschlüsseln. Die Frage ist, ob es überhaupt möglich wäre, mit einer völlig fremden Spezies zu kommunizieren. Denn, obwohl wir Menschen auf dem gleichen Planeten wie z.B. Insekten leben, können wir nicht mit ihnen kommunizieren. Für Eva und Peter stellt sich dann auch die Frage, ob eine hochentwickelte Spezies uns überhaupt als würdig erachten würde, mit uns zu kommunizieren, oder ob sie uns als zu primitiv betrachten würde. Gut vs. Böse Natürlich ist die Begegnung zwischen Menschen und Aliens im Film stets von der Frage geprägt, ob es sich um freundliche oder bösartige Wesen aus dem All handelt. Während uns in "E.T." ein äußerst liebenswerter und guter Außerirdischer begegnet, finden wir in "Independence Day" eine klassische Alien-Invasion, bei der sich die Menschheit gegen die Bedrohung wehrt. Abhilfe bei der Einschätzung einer potentiellen Gefahr von Außen liefert die RIO-Skala: sie stuft die potenziellen Auswirkungen eines extraterrestrischen Signals auf die Menschheit ein. Diese Skala reicht von 0 (kein Signal) bis 10 (Raumschiffe im Orbit). Momentan steht die Skala auf 0. Aliensignale Sollen wir, als Menschen überhaupt den Versuch unternehmen, Kontakt mit einer fremden Spezies aufnehmen? Mit "SETI" (Search for Extraterrestrial Intelligence) und "METI" (Messaging Extraterrestrial Intelligence) entstanden durchaus Kontroversen um das aktive Senden von Signalen ins All. So warnte etwa Stephen Hawking vor den Gefahren eines solchen Kontakts. Carl Sagan hingegen sah die Sache optimistischer und glaubte, dass fortschrittliche Zivilisationen friedlich sein würden. Solange wir aber weder einen tatsächlichen Kontakt noch den Beweis für außerirdisches Leben haben, können wir über die möglichen Auswirkungen auf die Menschheit nur spekulieren, wie ein tatsächlicher Erstkontakt das Selbstverständnis und die Kultur der Menschheit verändern würde und ob wir als globale Gemeinschaft in der Lage wären, angemessen darauf zu reagieren. Die beinahe vollständige Liste der besprochenen Filme: Mad Max Fury Road (2015) Furiosa (2024) Predator (1987) Star Trek: First Contact (1996) Der Tag, an dem die Erde still stand (1951), (2008) 2001: Odyssee im Weltraum (1968) Arrival (2016) Independence Day (1996) Solaris (1972,(2002) Mars Attacks! (1996) E.T. – Der Außerirdische (1982) Starman (1984) Das Ding aus einer anderen Welt (1982) Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) Contact (1997) Body Snatchers – Die Körperfresser kommen (1956), (1978) Apocalypto (2006) Under the Skin (2013) Resident Alien (2021, TV-Serie) The Man from Mars (Kurzgeschichte von Stanislaw Lem) The X-Files (1993-2018, TV-Serie) Paul – Ein Alien auf der Flucht (2011) Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. 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- CL037 Von der Supernova zur Coladose: Woher Aluminium, Gold und Co. kommen11.07., 07:0011.07.2024, 07:0000:42:52
Die Episode über Sternen-Explosionen, den Ursprung der Elemente und was das alles mit unserem Alltag zu tun hat Einleitung Eva und Elka haben das Ö3-Podcast-Festival in Wien besucht. Neben interessanten Talks, sind wir dort auf einen Podcast gestoßen, der die Stimme seines Sprechers mittels KI reproduziert. Fasziniert von der technischen Möglichkeiten, besprechen Jana und Eva ob dies auch eine Möglichkeit für sie wäre, ihre Podcasts zu gestalten. Spoiler: nein, wir wollen uns den Spaß des Podcasts Einsprechen nicht nehmen lassen und werden auf jeden Fall auch weiterhin persönlich unsere Podcasts sprechen. Venus: Feedback aus der Hörerschaft Wir haben zahlreiches Feedback aus der Hörerschaft zur Episode über die Venus erhalten. Jana geht daher u.a. nochmal auf die besondere Herausforderung der hohen Temperaturen auf unserem Nachbarplaneten ein, und was das für künftige Venus- Missionen bedeutet, die auf der Oberfläche landen möchten. Entstehung schwerer Elemente in einer Supernova In dieser Folge diskutieren wir, woher die schweren Elemente wie Aluminium, Gold, Platin und Co. stammen und wie genau Supernova-Explosionen zur Bildung der Elemente beitragen, die wir im täglichen Leben verwenden. Bis 1950 hielt sich die Vorstellung, dass die Elemente in ihrer heute beobachteten Verteilung bereits beim Urknall entstanden sind. Die Häufigkeitsverteilung der Elemente sprach jedoch dagegen. Das B²FH Paper "Synthesis of the Elements in Stars" von E. Margaret Burbidge, Geoffrey. R. Burbidge, William A. Fowler und Fred Hoyle aus dem Jahr 1957 gilt als bahnbrechend und legte den Grundstein für viele weitere Erkenntnisse. Ihre Arbeit beschreibt den Ursprung und die Verteilung der chemischen Elemente im Universum sowie die Entstehung von Elementen schwerer als Eisen. Sie erkannten, dass in den Sternen selbst "nur" Elemente bis hin zu Eisen entstehen können. Für schwerere Elemente braucht es andere Prozesse - zum Beispiel eine Supernova. Eine Supernova ist ein gewaltiges kosmisches Ereignis, das das explosive Ende eines massereichen Sterns darstellt. Diese Explosion spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Verteilung der chemischen Elemente im Universum. Der Prozess beginnt mit der Erschöpfung des Brennstoffs im Inneren des Sterns, wobei Wasserstoff nacheinander zu Helium, Helium zu Kohlenstoff und schließlich zu Eisen fusioniert. Da die Eisenfusion keine Energie freisetzt, wird der Stern instabil. Der Eisenkern erreicht die Chandrasekhar-Grenze von etwa 1,4 Sonnenmassen, woraufhin der Druck der Elektronenentartung der Schwerkraft nicht mehr standhält und der Kern innerhalb von Sekunden kollabiert. Bei diesem Kollaps verschmelzen Protonen und Elektronen zu Neutronen, wodurch ein extremer Neutronendruck entsteht. Dieser Druck führt zu einem Rückstoß, der die äußeren Schichten des Sterns nach außen schleudert und die eigentliche Supernova-Explosion auslöst. In dieser Phase entstehen durch schnellen Neutroneneinfang, dem so genannten r-Prozess, viele schwere Elemente, die im Periodensystem weiter oben stehen, wie Gold, Platin und Uran. Dieser Prozess erfordert extrem hohe Neutronenflüsse und Temperaturen, wie sie bei einer Supernova auftreten. Nach der Explosion bleiben die Überreste des Sterns zurück, die zu einem Neutronenstern oder - bei noch massereicheren Sternen - zu einem Schwarzen Loch werden können. Die äußeren Schichten des Sterns bilden eine expandierende Supernova-Überrestwolke, die reich an neu entstandenen Elementen ist. Diese Überreste tragen zur Anreicherung des interstellaren Mediums bei und spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung neuer Sterne und Planetensysteme. Weiterführender Link Das Periodensystem mit den Entstehungsorten der Elemente ist aus diesem Buch: Felicitas Mokler: Die Evolution des Universum(Kosmos, 2022) Gewinnspiel Wir feiern immer noch Geburtstag! Bis 31. Juli könnt ihr noch an unserem Gewinnspiel teilnehmen. Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen. Aber nur, wenn zuerst ein paar Fragen beantwortet werden, die zeigen, ob ihr in den bisherigen Folgen gut aufgepasst habt: Frage 1: Wie ist der Hex-Wert von Cosmic Latte? Frage 2: Welche Fernsehserie hat Evi schon früh für Asteroideneinschläge interessiert? Frage 3: An welchem Tag bekommt Elka "dank Jupiter" alles was sie möchte? Frage 4: An welchem Observatorium hat Jana Exoplaneten beobachtet? Schickt uns eure Antworten bis 31. Juli 2024 an kontakt@cosmiclatte.at und mit ein wenig Glück gewinnt ihr das Buch "Alien Earths" von Lisa Kaltenegger. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana|
- CL036 Cosmic Latte hat Geburtstag: Auf der Suche nach dem Astronomy High27.06., 07:0027.06.2024, 07:0001:07:51
Die Episode mit der Partywolke und einem Gewinnspiel Cosmic Latte hat Geburtstag! Am 23. Juni 2024 hat Cosmic Latte seinen 2. Geburtstag gefeiert. Die erste Folge ist am 23. Juni 2022 erschienen und seitdem hat sich viel getan. Teresa, mit der Eva den Podcast damals im Rahmen einer Uni-Lehrveranstaltung gestartet hat, ist mittlerweile nicht mehr mit dabei, weil sie sich auf ihre Masterarbeit konzentrieren musste. Dafür sind Elka, Jana und Peter mit dazu gekommen. Seit es Cosmic Latte gibt, sind die Folgen ungefähr 130.000 Mal runtergeladen worden und Podcasts haben sich ganz allgemein gut entwickelt. Eine Analyse hat ergeben, dass 2022 weltweit circa 4 Millionen Podcasts existiert haben, davon sind aber nur 4% aktiv, nämlich 156.000. Das heißt: Cosmic Latte ist schon mal besser dabei als 96% aller Podcasts weltweit! Astronomy High: Warum wir Podcasts machen! Wer läuft, kennt das "Runners High", das von uns aber bis jetzt nur Elka erlebt hat. Was wir aber alle kennen ist das "Astronomy High" und das wollen wir gerne teilen. Astronomie kann einen Perspektivwechsel auslösen; kann neugierig machen und faszinieren und all das wollen wir gerne mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Geburtstagsgeschenk 1: Russells Teekanne Weil es unsere Geburtstagsfolge ist, haben wir alle Geschenke mitgebracht. Eva möchte gerne eine Teeparty machen und präsentiert deshalb Russells Teekanne. Diese Idee stammt vom Philosophen Bertrand Russell und aus dem Jahr 1952. Stellen wir uns vor, wir würden behaupten, da wäre eine kleine Teekanne, die in einer elliptischen Bahn um die Sonne zwischen Erde und Mars kreist. Niemand könnte das beobachten, auch nicht mit dem größten Teleskop der Erde. Es kann also niemand widerlegen, dass die Kanne NICHT da ist. Aber das ist noch lange kein Grund, an die Existenz der Teekanne zu glauben. Natürlich geht es nicht wirklich um eine Teekanne, Russell hat die Geschichte als Argument dafür gebracht, dass die Beweislast bei der Person liegt, die eine Behauptung aufstellt, und nicht bei denjenigen, die die Behauptung anzweifeln. Russells Teekanne wird oft in Diskussionen über Religion und Wissenschaft zitiert, um zu verdeutlichen, dass es unvernünftig ist, von anderen zu verlangen, den Nichtnachweis von etwas Unbeweisbarem zu liefern. Das ist natürlich wichtig, wenn es um wissenschaftliche Belege geht, aber auch wenn wir um so etwas wie Astrologie nachdenken… Geburtstagsgeschenk 2: Der Overview-Effekt Elka hat zur Party einen Blick von oben mitgebracht. "Raumfahrt macht links" könnte man ihre Geschichte zusammenfassen; tatsächlich geht es um den Overview-Effekt, den Frank White 1987 beschrieben hat: Wer einmal die Erde aus dem All gesehen hat, ändert dadurch auch seine gesamte Einstellung gegenüber dem Planeten. Es entwickelt sich ein Gefühl der "Verbundenheit allen Lebens auf der Erde" und eine Verantwortung für die Umwelt. Der syrische Astronaut Mohammed Faris meinte zum Beispiel: „Aus dem Weltall sah ich die Erde – unbeschreiblich schön, die Wunden durch nationale Grenzen verschwunden.“ Und der erste Mensch im All, Juri Gagarin, sagte: „Ich sah, wie schön unser Planet ist. Leute, lasst uns diese Schönheit erhalten und vermehren, nicht zerstören.“ Geburtstagsgeschenk 3: Apollo 13 Jana hat für die Party die Geschichte von Apollo 13 mitgebracht. Eigentlich wollte man zum Mond fliegen und dort landen. Aber dann explodierte ein Treibstofftank. Die drei Astronauten an Bord konnten nur durch eine sehr aufwendige Operation gerettet werden und waren dabei weiter von der Erde entfernt als alle anderen Menschen bisher. Weltweit erweckte die Mission durch ihre Dramatik natürlich großes Aufsehen. Selbst sowjetische Schiffe näherten sich am 17. April 1970, während des kalten Kriegs der Landestelle im Pazifik, um Hilfe zu leisten, falls nötig. Jack Gould von der New York Times sagte damals, dass Apollo 13, die so nah einer schrecklichen Tragödie kam, womöglich die Welt in gemeinsamer Sorge wohl mehr vereint hat als jede erfolgreiche Mondlandung es jemals gekonnt hätte. Auf in die Partywolke Für eine Geburtstagsparty brauchen wir natürlich auch ein bisschen Sekt. Also machen wir uns auf in die Partywolke. Oder besser gesagt: Wir fliegen zu Sagittarius B2, eine riesige Molekülwolke nur 390 Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt. Die Wolke hat 3 Millionen Mal so viel Masse wie die Sonne und besteht im Wesentlichen aus Wasserstoff. Dort finden sich aber auch jede Menge komplexe Moleküle, unter anderem Ethanol. Das ist das, was wir als Alkohol kennen und gerne trinken (wenn auch selten pur). Die Zusammensetzung der Wolke wurde mit Hilfe eines Spektrographen entdeckt, als man versuchte, Aminosäuren zu finden. Es wurde auch ein Ester, Ethylformiat, entdeckt, der ein wichtiger Vorläufer der Aminosäuren ist. Dieser Ester ist auch für den Geschmack von Himbeeren verantwortlich und für das typische Rum-Aroma verantwortlich. In der Wolke ist also alles da, was man für einen ordentlichen Party-Cocktail braucht. Party auf der ISS Auf der Raumstation herrscht eigentlich Alkoholverbot. Aber kreative Menschen haben es immer wieder geschafft, ein bisschen Cognac oder Vodka ins All zu schmuggeln. Hochoffiziell an Bord gebracht wurde 2019 ein Bordeaux-Wein (Château Petrus, Jahrgang 2000) um herauszufinden, wie die Mikrogravitation den Reifeprozess beeinflusst. Nach 438 Tage im All kehrte der Wein zur Erde zurück und wurde mit einem gleichartigen Wein verglichen, der auf der Erde gealtert war. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Weltall-Wein weiter gereift war, als der auf der Erde. Prost! Wünsch dir was! Für die romantische Stimmung erzählt uns Elka noch ein wenig was über die Sternschnuppen. Eine Sternschnuppe entsteht, wenn kleine Partikel aus dem Weltraum in die Erdatmosphäre eintreten und dort verglühen. Diese Partikel, oft nicht größer als ein Sandkorn, werden Meteoroiden genannt. Der sichtbare Lichtstreifen wird als Meteor oder umgangssprachlich als Sternschnuppe bezeichnet. Größere Meteoroiden, die nicht vollständig verglühen und die Erdoberfläche erreichen, werden Meteoriten genannt. Meteorströme, wie die Perseiden im August, entstehen, wenn die Erde die Bahnen von Kometen oder Asteroiden kreuzt, die große Mengen an Staub und Trümmern hinterlassen haben. Andere Meteorschauer sind zum Beispiel die Geminiden Mitte Dezember, verursacht durch den Asteroiden Phaethon oder die Quadrantiden, Anfang Januar, verursacht durchden Asteroiden 2003 EH1 (der Name stammt vom ehemaligen Sternbild Mauerquadrant). Luftballons Jede Party braucht Luftballons und Jana erzählt uns etwas darüber, was sie zum fliegen bringt, nämlich Helium. Helium ist ein geruch-, geschmack- und farbloses Edelgas. Es wird erst nahe 0 Kelvin flüssig und ist die einzige Substanz, die bei 0 K und Normaldruck nicht fest wird, was es für Kühlzwecke, z.B. bei Teleskopen oder in der Supraleitung, unverzichtbar macht. Der Name stammt vom Sonnengott "Helios". Helium wurde am 18. August 1868 von Jules Janssen in Indien bei einer Sonnenfinsternis entdeckt. Helium entstand größtenteils in den ersten drei Minuten nach dem Urknall und macht 23% der Masse der baryonischen Materie aus. In Sternen mittlerer Masse (bis 2,2 Sonnenmassen) kann es zum sogenannten Helium Flash kommen, einem explosionsartigen Fusionsprozess, bei dem Helium zu Kohlenstoff wird. Dies geschieht, wenn im Kern kein Wasserstoff mehr für die Proton-Proton-Reaktion übrig ist, was zu einer Kontraktion des Sterns und einem Anstieg der Kerntemperatur führt. Bei etwa 100 Millionen Kelvin beginnt das Heliumbrennen explosionsartig, erzeugt enorme Energiemengen und stabilisiert schließlich. Bei massereicheren Sternen (über 2,2 Sonnenmassen) zündet das Heliumbrennen ohne diese explosive Phase. Ein Großteil des Heliums auf der Erde entsteht allerdings ganz anders, und zwar durch den radioaktiven Zerfall von Uran und anderen Elementen. Dabei entstehen Alpha-Teilchen, die Elektronen einfangen und so zu Heliumatomen werden. Wenn man Helium einatmet, klingt die Stimme etwa 2,5 Oktaven höher, da Helium weniger dicht als Luft ist und Schallwellen sich schneller bewegen, was die Frequenz der Stimme erhöht. Gewinnspiel Natürlich gibt es auch für die Hörerinnen und Hörer ein Geschenk. Aber nur, wenn zuerst ein paar Fragen beantwortet werden, die zeigen, ob ihr in den bisherigen 35 Folgen gut aufgepasst habt: Frage 1: Wie ist der Hex-Wert von Cosmic Latte? Frage 2: Welche Fernsehserie hat Evi schon früh für Asteroideneinschläge interessiert? Frage 3: An welchem Tag bekommt Elka "dank Jupiter" alles was sie möchte? Frage 4: An welchem Observatorium hat Jana Exoplaneten beobachtet? Schickt uns eure Antworten bis 31. Juli 2024 an kontakt@cosmiclatte.at und mit ein wenig Glück gewinnt ihr das Buch "Alien Earths" von Lisa Kaltenegger. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Instagram Elka | Instagram Evi | Instagram Jana| Redbubble Evi