Cicero Podcasts

Necla Kelek im Interview mit Clemens Traub – „Wir säkularen Deutsch-Türken wurden im Stich gelassen“ 

20.08., 15:4500:46:23
Beschreibung der Episode
Cicero – Magazin für politische Kultur

Necla Kelek erzählt in ihrem neuen Buch „Glückskind“ von ihrem Aufwachsen als Kind türkischer Gastarbeiter. Im Cicero Podcast spricht sie mit Clemens Traub über den damaligen Einfluss konservativer Familien aus Anatolien und ihre Wut darüber, dass säkulare Deutsch-Türken bereits damals im Stich gelassen wurden.

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Necla Kelek: Glückskind. Aufwachsen zwischen Istanbul und Bückeburg, Herder 2026

Inhalt Podcast:

7:25 "Und das war dann dieser Traum. Wir arbeiten dann woanders nochmal und kaufen uns einen Eigenschaftswohnung am Bosporus und kommen zurück. Das war der Traum und mit diesen Gedanken sind wir in Bückeburg angekommen. Und ich muss wirklich sehr, sehr immer wieder so unterstreichen, wie wichtig das war. Bestimmte Vorstellungen zu haben, so ist Europa, so sind wir, und beeinflusst auch durch diese vielen Märchen, die ich auch im Radio gehört habe, also der gestiefelte Kater, Heidi, (…) wir kommen also in dieser Kleinstadt an und dachten, das ist ja hier Märchenland!" (Necla Kelek)

17:35 "Und da habe ich gemerkt, ah, wenn man sich politisch engagiert und die Rechte gut einsetzt, die man so hat. Dann tut das ja nicht nur mir gut, sondern auch der Gesellschaft,(…) das war eine sehr, sehr wichtige Erkenntnis für mich, dass man sich also in diesem Land für die eigenen Interessen sich einsetzen kann, besonders als die Schwächsten, ganz unten, Arbeiter, Mädchen, Frau, Auszubildende" (Necla Kelek)

23:43 "Ich bin ein Kind diesen Spruchs von Willy Brand, 'mehr Demokratie wagen' hieß ja auch Chancengleichheit, für einfache Verhältnisse nach oben zu kommen. Also ich konnte dann tatsächlich über den zweiten Bildungsweg studieren. Und mein Gedanke war, ich will auch Gewerkschaftssekretärin werden und weiter diese Unterstützung anderen anbieten" (Necla Kelek)

29:06 "Das werfe ich tatsächlich dieser Gesellschaft vor, dass sie einseitig für sich diesen Anspruch genommen haben, 'ach, das ist doch, je bunter, desto schöner für uns.' Aber was das für diese neue Generation, die Kinder und Jugendlichen, aber auch für die Frauen, bedeutet, dazu zu bleiben, wie sie gekommen sind, damit ich hier bunt in Kreuzberg was Buntes erleben darf, das ist eine für mich verlorene Chance und Zeit für sehr, sehr viele Migranten, Mädchen, Kinder, die weiterhin in ​dieser Tradition stecken geblieben sind. (…) All diese alten Traditionen sind ja konserviert wurden. Und die Schule, gut immer ist die Schule schuld, ich weiß, aber die Schule hat kein Plattform angeboten. Die Politik hat kein Platz für die Reflektion, um diese Tradition zu überwinden geboten. Und je mehr sich die Gruppen sich unter sich aufhielten und zurückzogen, die Tradition unter sich, die Binnenmigranten unter sich die Säkularen unter sich findet ja auch nicht so viel Mischung statt, desto haben sie große Schwierigkeiten, finde ich. Das zu reflektieren, was das Leben oder die Familie mit mir macht." (Necla Kelek)

33:45 "Solange diese Religion nicht sich von sich selbst reformiert und wirklich überprüft, wie kann man muslimisch sein, aber trotzdem in der moderne leben und diese tief mittelalterlich aus dem 11. Jahrhundert stammende Tradition aufrechterhält, wird es keine Integration geben, kann nicht. Das war immer unsere Message als Säkulare. Und wir sind nicht gehört worden oder doch schon gehört worden, aber die anderen sind getragen worden." (Necla Kelek)