Cicero Podcasts

Bernd Stegemann im Interview mit Ralf Hanselle: „Die Brandmauerdebatte ist die neueste Spielart des Historikerstreits“ 

27.08., 12:0000:35:36
Beschreibung der Episode
Cicero – Magazin für politische Kultur

Noch immer spuken die Dämonen des 2. Weltkriegs im kollektiven Unbewussten der Deutschen. Dramaturg und Autor Bernd Stegemann im Cicero Podcast Gesellschaft mit Ralf Hanselle über transgenerative Traumatisierungen und einseitige Erinnerungspolitik.

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Probieren Sie es einfach aus und lesen Sie die Cicero-Titelgeschichte im September von RAF-Experte Butz Peters: RAF 2.0 - Die Stille nach dem Brandanschlag

Bernd Stegemann: Meine deutschen Dämonen.Eine persönliche Kritik der Erinnerungskultur, Matthes & Seitz Berlin 2026

Inhalt Podcast:

07:33 "Es gibt sozusagen eine doppelte Blockade in dem Ganzen. Es gibt eine große, sag ich mal, erinnerungspolitische Blockade, die da heißt, wenn die Deutschen anfangen, über sich als Opfer zu sprechen, dann machen sie sich nochmal schuldig, weil sie damit eigentlich vermeiden, über sich als Täter zu sprechen. Das ist die große diskurspolitische Blockade. Und es gibt aber auch eine ganze individual psychologische Blockade, die dann heißt, es gab einfach kein Bewusstsein, es gab keine professionelle, aber auch gar keine empathische Hilfe für das ganze viele Elend, was die Deutschen selber erlebt haben." (Bernd Stegemann)

09:53 "Wenn wir uns immer nur über den Nationalsozialismus definieren und immer nur darüber, dass wir quasi alle einen latenten Faschismus in uns tragen und alle aufpassen müssen, dass das Dritte Reich nicht wieder ersteht, dann reduzieren wir unsere eigenen Möglichkeiten so dermaßen und instrumentalisieren sie auch im politischen Diskurs, sodass ein Erwachsenwerden der Nation damit verhindert wird." (Bernd Stegemann)

16:50 "Wer kennt in Deutschland diesen Wald der Erinnerungen Potsdam? Niemand kennt das. Ich habe das rum gefragt. Das ist völlig unbekannt. Das ist eine Gedenkstätte quasi in Potsdam für die toten Bundeswehrsoldaten. Das kennt keiner. Da geht auch keiner hin. Da gibt es keine Gedenkfreiern. Da ist kein Bundespräsident. Da ist gar nichts. Genauso, als die letzten Afghanistan-Soldaten zurückgekehrt sind, landeten die auf irgendeinem Flugplatz und das war's. Es war keine Meldung in der Tagesschau. Da wurde nicht darüber berichtet. Es wurde sozusagen totgeschwiegen. Also sprich, es gibt einen sehr, sehr unempathischen und damit würde ich sagen unerwachsenen Umgang der Deutschen mit sich selbst. Und das führt im Umkehrschluss zu diesen zynisch-hysterischen Übertreibungen von rechts, aber genauso auch von links." (Bernd Stegemann)

32:09 "Wir können nicht nur uns selber als Täter begreifen, wir können nicht die ganze Zeit vor uns selber Angst haben, im Sinne von wie ein trockener Alkoholiker quasi die ganze Zeit Angst davor haben, sobald wir nur einen winzigen Schluck aus irgendeiner rechten Pulle nehmen, sind wir sofort wieder alle Nationalsozialisten. Das ist ja quasi die Angst, die mit in der Brandmoor-Debatte die ganze Zeit geschürt wird. Sondern wir müssen es irgendwie schaffen, sowohl auf das eigene Leid, als auch auf das Wachstum zu schauen, dass wir nicht nur in diesen schwarz-weiß-Kategorien über uns selber nachdenken, sowohl als Nation wie als auch als Individuum, sondern dass wir es irgendwie schaffen, genau diese ganzen Grautöne, Zwischentöne und Kompliziertheiten des Lebens sehr viel ernster und wichtiger zu nehmen, damit wir rauskommen aus diesen Übertreibungsspielen." (Bernd Stegemann)