
Johann Georg Schrepfer - Der Geisterbeschwörer von Leipzig
Beschreibung der Episode
Achtung Triggerwarnung:
In dieser Folge geht es um Täuschung, Manipulation, psychischen Druck, angebliche Geistererscheinungen und den Tod eines Menschen. Außerdem sprechen wir über eine offiziell als Selbsttötung protokollierte Todesursache und spätere Zweifel an dieser Darstellung.
Bitte achtet beim Hören gut auf euch. Falls euch das Thema zu nah geht, macht eine Pause oder hört die Folge zu einem anderen Zeitpunkt weiter.
In dieser Folge reisen wir ins 18. Jahrhundert — nach Nürnberg, Leipzig und Dresden.
Es geht um Johann Georg Schrepfer, einen Mann aus einfachen Verhältnissen, der in Leipzig als Weinschenk und später als Kaffeehauswirt greifbar wird. Doch Schrepfer will offenbar mehr sein als ein gewöhnlicher Gastwirt. Er baut an einer größeren Identität, bewegt sich im Umfeld freimaurerischer Kreise und behauptet, Zugang zu höheren Graden, geheimen Orden und verborgenen Mächten zu haben.
Besonders gefährlich wird seine Geschichte, als er Männer aus dem Umfeld der Leipziger Loge Minerva zu den drei Palmen für sich gewinnt. In seinem Kaffeehaus im Barfußgäßchen veranstaltet er Abende, die an freimaurerische Zusammenkünfte erinnern, aber vollständig auf seine Wirkung zugeschnitten sind.
Im Mittelpunkt stehen angebliche Geistererscheinungen.
Aus heutiger Sicht spricht vieles für eine sorgfältige Inszenierung: Dunkelheit, Rauch, Stimmen, Erwartung, psychischer Druck und optische Technik aus dem Umfeld der Laterna Magica. Für Menschen des 18. Jahrhunderts konnte daraus jedoch etwas entstehen, das wie ein Blick in eine verborgene Welt wirkte.
Wir sprechen in dieser Folge über:
- Johann Georg Schrepfer und seine frühen Jahre in Nürnberg
- seinen Weg nach Leipzig
- das Kaffeehaus im Barfußgäßchen
- die spätere Verbindung zum heutigen Zill’s Tunnel
- die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen
- die Strikte Observanz, Jesuiten und Rosenkreuzer
- Schrepfers eigene „Loge der ächten Maurerey“
- angebliche Geistererscheinungen und mögliche optische Tricks
- die Laterna Magica als frühe Projektionstechnik
- den Konflikt mit der Loge Minerva
- Schrepfers Aufstieg bis nach Dresden
- die Geschichte um angebliche Cammercreditcassen-Scheine
- seinen Tod im Leipziger Rosental
- spätere Zweifel an der offiziellen Selbsttötungsdarstellung
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Bleibt wachsam — für die Geschichten hinter den Geschichten.Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Hinweis zur Verwendung künstlicher Intelligenz
Das Titelbild sowie der Gesang und die musikalische Umsetzung der Titelmusik wurden mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erstellt. Der Liedtext stammt vollständig von mir.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.Quellen und weiterführende Hinweise
Archivalische Quellen und dokumentierte Primärüberlieferung
• Taufbuch der St.-Sebald-Kirche Nürnberg, Eintrag vom 26. März 1738. Belegt ist damit Schrepfers Taufe als frühester sicherer Fixpunkt seines Lebens. Evangelisches Kirchenarchiv Nürnberg.
• Stadtarchiv Leipzig: Bürgereintrag Johann Georg Schrepfer, August 1761; Heiratseintrag Johann Georg Schrepfer und Johanna Katharina Herr, September 1761; Akten der gerichtlichen Untersuchung nach Schrepfers Tod am 8. Oktober 1774; Obduktionsbericht.
• Protokolle der Loge Minerva zu den drei Palmen, Leipzig. Teilweise erhalten beziehungsweise in späteren Sekundärquellen zitiert.
• Brief Johann Georg Schrepfers an den Rat der Stadt Leipzig, 1773. Original im Stadtarchiv Leipzig; auszugsweise dokumentiert bei Otto Werner Förster.
• Abschiedsbriefe Schrepfers vom 7./8. Oktober 1774: an seinen Bruder Johann George, an Belling und an den Freimaurer und Kaufmann Du Bosc. Dokumentiert bei Otto Werner Förster.
• Päpstliches Breve „Dominus ac Redemptor“ von Papst Clemens XIV., 21. Juli 1773. Aufhebung der Gesellschaft Jesu.
Wissenschaftliche, historische und zeitgenössische Literatur
• Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011. Grundlegendes Werk mit Originaldokumenten; enthält unter anderem die spätere rechtsmedizinische Begutachtung des Obduktionsberichts.
• Moses Mendelssohn: Anmerkungen über einen schriftlichen Aufsatz, die Wunderthaten des berüchtigten Schröpfers betreffend. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek, 1775. Zeitgenössische aufklärerische Analyse der Schrepfer’schen Wunderberichte.
• Johann Salomo Semler: Samlungen von Briefen und Aufsätzen über die Gaßnerischen und Schröpferischen Geisterbeschwörungen. Halle, 1776. Zeitgenössische Auseinandersetzung mit Schrepfer und Johann Joseph Gaßner.
• Nachricht von dem berüchtigten Johann Schroepfer in Sachsen und seinen Geisterbeschwörungen. 1775. Zeitgenössische Quellenschrift.
• Gustav Wustmann: Schrepfer, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 32, 1891, S. 490–491. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Online abrufbar über Deutsche Biographie / Wikisource.
• Walter Kunz: Johann Georg Schröpfer, ein Magier des 18. Jahrhunderts. Rechtshilfe-Verlag, Zürich, 1957.
• Joachim Kalka: Phantome der Aufklärung. Von Geistern, Schwindlern und dem Perpetuum Mobile. Berenberg Verlag, Berlin, 2006.
• Eugen Sierke: Schwärmer und Schwindler des 18. Jahrhunderts. Leipzig, 1874, S. 288–332.
• Eugen Lennhoff / Oskar Posner: Internationales Freimaurer-Lexikon. Wien, 1932. Herangezogen über spätere Online-Zitierungen, insbesondere zu Schrepfer und zur Loge Minerva zu den drei Palmen.
• Arnold Marx: Die Gold- und Rosenkreuzer. Ein Mysterienbund des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Deutschland. Ergänzende Literatur zum historischen Hintergrund der Gold- und Rosenkreuzer.
Freimaurerei, Minerva, Jesuiten und Rosenkreuzer
• Deutsche Biographie / Allgemeine Deutsche Biographie: Eintrag zu Johann Georg Schrepfer. Ergänzend genutzt für ältere biografische Darstellungen und die zeitgenössische Einordnung als Figur zwischen Aufklärung, Mystizismus und Betrug.
• Freimaurer-Wiki: Johann Georg Schrepfer. Ergänzend genutzt für freimaurerische Überlieferungen, den Konflikt mit der Loge Minerva, den Bericht Bischoffwerders und den Ablauf der späteren Affäre.
• Freimaurer-Wiki: Minerva zu den drei Palmen. Ergänzend genutzt für die Leipziger Logengeschichte und den Bezug zur Strikten Observanz.
• Loge Minerva zu den drei Palmen / historische Darstellungen zur Logengeschichte: Gründungslinie von Aux trois compas, Minerva zum Cirkul und Minerva zu den drei Palmen.
• Portal to Jesuit Studies / Vatican.va: Dominus ac Redemptor, 1773. Ergänzend genutzt zur Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV.
• Literatur und Online-Nachweise zu den Rosenkreuzern und Gold- und Rosenkreuzern. Ergänzend genutzt zur Einordnung der Rosenkreuzer-Idee, der Rosenkreuzer-Manifeste und der Gold- und Rosenkreuzer im Umfeld der Hochgradfreimaurerei.
Orte, Museen und Sammlungen
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Laterna Magica aus dem Linck’schen Bestand. Das Museum beschreibt die Laterna Magica als frühe Projektionsvorrichtung und verweist auf den Einsatz solcher Apparate bei vermeintlichen Geistererscheinungen mit künstlichem Nebel und Rezitationen. Außerdem nennt es Aufführungen im Leipziger Gartenhaus von Johann Heinrich Linck dem Jüngeren mit Johann Georg Schrepfer. Beim konkreten Objekt ist jedoch vorsichtig zu formulieren, da das Museum darauf hinweist, dass im Linck-Index zwei Laternae Magicae belegt sind und unklar bleibt, welche davon dem erhaltenen Objekt entspricht.
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Informationen zum Kunst- und Naturalienkabinett der Leipziger Apothekerfamilie Linck.
• Linckianum: Schrepfer und der Leipziger Löwenapotheker Johann Heinrich Linck. Online-Auszug beziehungsweise Kontextmaterial zu Otto Werner Försters Darstellung.
• Leipzig-Lese: Zill’s Tunnel. Ergänzend genutzt zur Geschichte des Hauses im Barfußgäßchen, zur Weißleder’schen Kaffeewirtschaft ab 1753, zur Übernahme durch Schrepfer 1769 und zur späteren Namensgeschichte von Zill’s Tunnel.
• Bildlexikon Leipzig / ergänzende Leipzig-Quellen: Zill’s Tunnel und Leipziger Stadtgeschichte. Ergänzend genutzt zur Einordnung des Ortes.
Optische Technik, Laterna Magica und Phantasmagorie
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Laterna Magica. Ergänzend genutzt zur technischen und musealen Einordnung.
• Magic Lantern Society / Crangle, Richard; Heard, Mervyn; van Dooren, Ine: Devices and Desires. In: Realms of Light. London, 2005. Ergänzende Literatur zur Geschichte der Laterna Magica und zur späteren Phantasmagorie.
• Filmlexikon / medienhistorische Darstellungen zur Phantasmagorie. Ergänzend genutzt zur Einordnung späterer Geisterprojektionen mit beweglichen Laternen, Rückprojektion, Rauch und Geräuscheffekten.
Literarische Quellen und Nachwirkung
• Friedrich Schiller: Der Geisterseher. Aus den Memoiren des Grafen von O**. Romanfragment, erschienen in der Zeitschrift Thalia, 1787–1789; spätere Buchausgaben ab 1789 beziehungsweise 1798. Erwähnt als literarischer Nachhall von Geisterbeschwörung, Täuschung, Geheimbünden und Manipulation.
• Zeno.org / digitale Textausgaben: Friedrich Schiller, Der Geisterseher. Ergänzend genutzt für Entstehungs- und Textkontext.
• Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 3, Havelland, Kapitel zu Schloss Marquardt und General Hans Rudolf von Bischoffwerder. Enthält eine spätere literarisch-historische Einordnung der Schrepfer-Affäre.
• Projekt Gutenberg / Zeno.org: Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Ergänzend genutzt für die Passage zu Bischoffwerder, Marquardt und Schrepfer.
• Wilhelm von Kügelgen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Erwähnt als spätere Erinnerungsliteratur mit Bezug auf Schrepfer und seine Nachwirkung.
Hinweis zur Quellenarbeit
Bei Johann Georg Schrepfer gibt es gut belegte historische Fixpunkte, aber auch abweichende Angaben, spätere Deutungen und Überlieferungen. In dieser Folge wird deshalb zwischen belegbaren Fakten, zeitgenössischen Berichten, späteren Interpretationen und offenen Fragen unterschieden.
Besonders wichtig ist: Die Taufe am 26. März 1738 ist ein belegter früher Fixpunkt, aber nicht automatisch ein gesichertes Geburtsdatum. Auch die Deutung seines Todes bleibt vorsichtig zu formulieren. Die offizielle Version lautete Selbsttötung. Spätere Auswertungen, besonders bei Otto Werner Förster, verweisen auf Zweifel an dieser Darstellung. Das rechtsmedizinische Gutachten zum Obduktionsbericht ist eine fachliche Einschätzung aus dem Jahr 2011, veröffentlicht bei Förster. Es ist kein Gerichtsurteil und kein gerichtlicher Mordnachweis.
Dort, wo Berichte auf Zeitzeugenerzählungen, freimaurerischen Überlieferungen oder späteren Deutungen beruhen, wird dies im Skript kenntlich gemacht. Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSCDu möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
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