
Die Loreley – Der Bauplan einer Sage
Worüber gesprochen wird
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Beschreibung der Episode
Rheinkilometer 555, rechtes Ufer: ein Schieferfelsen, eine enge Flusskurve und eine Passage, die Schiffer über Jahrhunderte vor besondere Herausforderungen stellte. Um diesen realen Ort hat sich eine Geschichte gelegt, die heute fast untrennbar mit ihm verbunden ist.
Die Loreley mit dem goldenen Haar scheint aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit zu stammen. Tatsächlich lässt sich die Entstehung dieser Frauengestalt ungewöhnlich genau verfolgen. Vor Clemens Brentanos Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ von 1801 ist sie nicht belegt. Wenige Jahrzehnte später galt sie bereits als alte Rheinlegende.
In dieser Folge trenne ich zwischen historischen Befunden, literarischen Texten, späteren Überlieferungen und modernen Deutungen. Ich gehe der Frage nach, welche Geschichten schon vor Brentano mit dem Felsen verbunden waren, wie Reiseführer und Dichter die neue Figur weiterentwickelten und weshalb Heinrich Heines Loreleylied schließlich wie überliefertes Volksgut wirkte.
Außerdem geht es um das historische Echo, die tatsächlichen Gefahren der Rheinschifffahrt, die Rheinromantik, die nationalsozialistische Auslöschung von Heines Namen und den häufig behaupteten, bisher jedoch nicht belegten Vermerk „Dichter unbekannt“. Auch die Schiffsunglücke der MS Loreley im Jahr 2003 und des Tankmotorschiffs Waldhof im Jahr 2011, das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und der heutige Umgang mit dem Loreleyfelsen sind Teil der Geschichte.INHALTSWARNUNG
Diese Folge behandelt unter anderem den Todeswunsch und den tödlichen Sturz einer literarischen Figur, Ertrinken und Schiffsunglücke mit Todesopfern sowie Nationalsozialismus und Bücherverbrennungen. Die Schilderungen sind nicht grafisch.MEHR VON CHRONIK DER SCHATTEN
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Recherche, Skript, Stimme, Aufnahme, Schnitt und Produktion: Antje
Stimme und Stimmrechte: Antje
Die Stimme dieser Folge ist meine eigene und wurde nicht künstlich erzeugt. Sämtliche Rechte an den Sprachaufnahmen liegen bei mir. Eine Nutzung zur Nachbildung oder künstlichen Erzeugung meiner Stimme ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung nicht gestattet.
Die Titelmelodie, das Titelbild und die in dieser Folge verwendeten Sounds wurden von mir mithilfe von KI erstellt.QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR
Onlinequellen zuletzt geprüft am 29. August 2026. Literarische Handlungen wurden nach den Originaltexten wiedergegeben. Aktuelle Angaben beruhen möglichst auf amtlichen oder institutionellen Quellen. Wo Quellen voneinander abweichen, wurde auf scheinpräzise Angaben verzichtet.
LITERARISCHE PRIMÄRQUELLEN
Clemens Brentano: Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. Ein verwilderter Roman von Maria, Band 2, Bremen 1801; darin „Zu Bacharach am Rheine“. Digitalisat: https://archive.org/details/bub_gb_lUBXAAAAcAAJ
Freies Deutsches Hochstift: Werkhinweise zu Brentanos Godwi. https://freies-deutsches-hochstift.de/en/mediaguide/romantik-ausstellung/2-obergeschoss/brentano-am-rhein/godwi-oder-das-steinerne-bild-der-mutter-ein-verwildeter-roman-von-maria/
Clemens Brentano: Die Rheinmärchen, entstanden etwa zwischen 1810 und 1812, erstmals 1846 herausgegeben. https://projekt-gutenberg.org/authors/clemens-brentano/books/clemens-brentano-rheinmaerchen/
Alois Wilhelm Schreiber: Handbuch für Reisende am Rhein, Ausgabe von 1812; erweiterte zweite Ausgabe 1818. Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10468113?page=5
Joseph von Eichendorff: „Waldgespräch“, entstanden um 1812, veröffentlicht 1815 in Ahnung und Gegenwart.
Otto Heinrich Graf von Loeben: „Der Lurleyfels“, 1821. https://gedichtsuche.de/gedichte/der-loreleyfels-o-h-g-v-loeben.html
Heinrich Heine: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“, Erstdruck 1824; später in „Die Heimkehr“ und im Buch der Lieder von 1827.
Mark Twain: A Tramp Abroad, 1880.
Guillaume Apollinaire: „La Loreley“, in: Alcools, 1913.
FORSCHUNG ZUR LORELEY UND IHRER WIRKUNG
Katrin Kober: „Zur Loreley-Sage“, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz. https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/aufsaetze/kober-katrin/kober-zur-loreley-sage.html
Arno Pielenz und Christian Liedtke: „Die Wehrmacht singt die ‚Loreley‘“, in: Heine-Jahrbuch 2013. Forschungsstand zur Formel „Dichter unbekannt“. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-476-01198-5_9
Klassik Stiftung Weimar: „Die Loreley – Ein frühes Lied Franz Liszts nach Heinrich Heine“. https://blog-archiv.klassik-stiftung.de/die-loreley-ein-lied-franz-liszts-nach-heinrich-heine/
Peter Lentwojt: Die Loreley in ihrer Landschaft. Romantische Dichtungsallegorie und Klischee, Frankfurt am Main 1998.
Mario Kramp und Matthias Schmandt (Hrsg.): Die Loreley. Ein Fels im Rhein. Ein deutscher Traum, Mainz 2004.
Rotraud Ehrenzeller-Favre: Die Loreley in Sage und Dichtung, Zürich 1948.
Richard M. Dorson: „Folklore and Fake Lore“, in: The American Mercury, 1950.
Hans Moser: „Vom Folklorismus in unserer Zeit“, in: Zeitschrift für Volkskunde, 1962.
Eric Hobsbawm und Terence Ranger (Hrsg.): The Invention of Tradition, Cambridge 1983.
GEOLOGIE, ARCHÄOLOGIE UND WELTERBE
Ortsgemeinde Bornich: „Geologie“ – Entstehung des Rheinischen Schiefergebirges und des Mittelrheintals. https://www.bornich.de/touristik/wissenswertes/geologie/
regionalgeschichte.net: „Der Loreleyfelsen in St. Goarshausen“ – archäologische Befunde, mittelalterliche Belege und Kulturdenkmal. https://www.regionalgeschichte.net/mittelrhein/sankt-goarshausen/kulturdenkmaeler/loreley.html
Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters: Nachweis der Vita sancti Goaris. https://geschichtsquellen.de/werk/4694
regionalgeschichte.net: „Zur Geschichte von St. Goar“. https://www.regionalgeschichte.net/mittelrhein/sankt-goar/geschichte.html
UNESCO World Heritage Centre: „Upper Middle Rhine Valley“, Eintragung 2002, Kriterien II, IV und V. https://whc.unesco.org/en/list/1066/
UNESCO World Heritage Committee: Entscheidung 37 COM 7B.75 von 2013 zur Sommerrodelbahn. https://whc.unesco.org/en/decisions/5087
KuLaDig: „Freilichtbühne Loreley“ – Planung, Bau und Nutzungsgeschichte. https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-95092-20140625-2
SCHIFFFAHRT, UNFÄLLE UND GEGENWART
Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice des Bundes: Rheinschifffahrtspolizeiverordnung § 12.02, Wahrschau und Lichtsignale zwischen Oberwesel und St. Goar. https://www.elwis.de/DE/Schifffahrtsrecht/Binnenschifffahrtsrecht/RheinSchPV/Zweiter-Teil/Kapitel-12/12-02/12-02-node
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt: Untersuchungsberichte zur Havarie des Tankmotorschiffs Waldhof vom 13. Januar 2011. https://ccr-zkr.org/index.php?folder=de&id_art=44&page=10110000
Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt: Umbenennung der früheren MS Loreley in MS RheinVision nach dem Umbau 2024. https://www.k-d.com/en/2024/09/eventschiff-ms-rhein-vision-runderneuert/
Loreleystadt St. Goarshausen: „Loreleystatue“. https://www.sankt-goarshausen.de/loreley/loreley-statue/
Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft: BUGA Oberes Mittelrheintal 2029 – Zeitraum, Budget und räumlicher Umfang. https://www.bundesgartenschau.de/buga-iga/buga-oberes-mittelrheintal-2029/
BUGA 2029: Übersicht der BUGA-Parks. https://www.buga29.de/buga-parks/
Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz: Beschluss vom 29. November 2012, Aktenzeichen 1 B 11201/12.OVG, zum Eilantrag gegen die Sommerrodelbahn.
URHEBERRECHTLICHER HINWEIS
Die in der Folge vollständig wiedergegebene Fassung von Heinrich Heines Loreleygedicht sowie die verwendeten historischen Originaltexte sind in Deutschland gemeinfrei. Nach § 64 UrhG erlischt das Urheberrecht grundsätzlich siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__64.html
Moderne Übersetzungen, Notenausgaben, Tonaufnahmen, Fotografien, Filmaufnahmen und Bearbeitungen können unabhängig vom gemeinfreien Ausgangswerk weiterhin geschützt sein. Aus Sylvia Plaths „Lorelei“ wird deshalb nicht zitiert. Die Nennung von Werktiteln, historischen Tatsachen und Quellen ist urheberrechtlich unproblematisch. Dieser Hinweis ist eine redaktionelle Einordnung und keine individuelle Rechtsberatung.
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