CEO 500 - NOBODY IS CLOSER

Der Exit war nicht das Ziel – die Skalierungsentscheidung hinter Tubulis.

13.08., 01:0001:27:26
Beschreibung der Episode
Focus Edition "NEW Generation CEO" - Die Perspektiven der Macher.

Deutschland produziert exzellente Forschung. Aber aus exzellenter Forschung entstehen noch lange keine global relevanten Unternehmen. Was fehlt zwischen wissenschaftlichem Durchbruch und international skalierbaren Unternehmen?

In dieser CEO 500 Focus Edition „NEW Generation CEO“ gemeinsam mit dem HTGF (High-Tech Gründerfonds) betrachten wir genau diese Schnittstelle. Im ersten Teil spreche ich mit Achim Plum, Geschäftsführer des HTGF, über die Zukunft von Venture Capital und Deep Tech in Deutschland.

Die zentrale These: Europa hat nicht primär ein Ideenproblem. Es muss besser darin werden, wissenschaftliche Exzellenz in skalierbare Unternehmen zu übersetzen. Dafür braucht es Unternehmen mit echtem Outlier-Potenzial, starke Gründerteams und Kapitalgeber, die bereit sind, technologische Risiken über lange Zeiträume mitzutragen. Dabei reicht Technologie allein nicht.

„Gute Wissenschaft trumpft alles“ – aber erst in Verbindung mit einem klaren Marktbedarf, einem skalierbaren Geschäftsmodell und einem Team, das bereit ist, den ursprünglichen Weg immer wieder infrage zu stellen, entsteht ein Venture Case.

Im Deep Dive wird diese Logik konkret. Dominik Schumacher, CEO und Co-Founder von Tubulis, und Frank Hensel vom HTGF zeichnen gemeinsam den Weg von Tubulis nach. Die Geschichte beginnt lange vor der eigentlichen Unternehmensgründung.

Aus wissenschaftlicher Forschung entsteht zunächst eine Technologieplattform. Der ursprüngliche Gedanke: anderen Unternehmen diese Technologie zur Verfügung stellen. Dann kommt eine entscheidende Kursänderung. Tubulis entscheidet sich, selbst Medikamente zu entwickeln. Aus einem Forschungsprojekt wird ein Unternehmen. Aus einer Technologie wird eine Pipeline. Aus ersten Fördermitteln entstehen Finanzierungsrunden mit internationalen Investoren. Und aus einem deutschen Biotech-Startup wird innerhalb weniger Jahre ein Unternehmen von globaler strategischer Relevanz.

Besonders spannend ist dabei nicht nur, wie Tubulis gewachsen ist – sondern warum sich das Unternehmen schließlich für den nächsten Schritt mit Gilead entschieden hat. Dominik Schumacher beschreibt diese Entscheidung als eine der schwierigsten seiner bisherigen Laufbahn. Tubulis wollte weiter wachsen und bereitete bereits die nächste Finanzierungsrunde vor. Dann kam das Angebot und die erste Reaktion: Nein.

Doch neue Daten veränderten die Perspektive. Die Frage war plötzlich nicht mehr: Wie groß können wir Tubulis alleine machen? Die Frage war nun: Wie können wir möglichst schnell möglichst viele Patienten erreichen?

Und genau dort verändert sich die strategische Logik. Denn irgendwann reicht die Frage Build nicht mehr. Dann wird Partner oder Buy Teil der Unternehmensstrategie.

In dieser Episode geht es aber noch um viel mehr, unter anderem um:

  • warum wissenschaftliche Exzellenz notwendig, aber nicht ausreichend ist
  • weshalb Venture Capital ein Outlier Business ist
  • warum der Marktbedarf vor der Technologie kommen muss
  • weshalb das Gründerteam wichtiger sein kann als der ursprüngliche Plan
  • wie aus akademischer Forschung ein skalierbares Geschäftsmodell entsteht
  • warum Tubulis früh Beziehungen zu Investoren aufgebaut hat
  • weshalb unterschiedliche Unternehmensphasen unterschiedliche Kapitalgeber benötigen
  • warum rund die Hälfte des aufgenommenen Kapitals aus Europa kam
  • welche Rolle strategische Pharma-Partnerschaften für Biotech-Unternehmen spielen
  • warum Unternehmen früh mit potenziellen Industriepartnern sprechen sollten
  • weshalb der Gilead-Deal nicht einfach als Exit verstanden werden sollte
  • warum die Fähigkeit, den eigenen Erfolg loszulassen, manchmal die wichtigste CEO-Entscheidung ist
  • und was Deutschland von der Innovationslogik der Pharmaindustrie lernen kann

Die zentrale CEO-Frage dieser Episode:

Bauen wir unser Unternehmen noch immer in der Struktur, die seinen größtmöglichen Impact ermöglicht – oder halten wir an einer Struktur fest, weil sie uns gehört?