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Interview - Die Pille für die Kuh? - Klimaschutz mit Zusatzstoffen
07.12., 08:1507.12.2025, 08:1501:11:17
Beschreibung der Episode
In dieser Folge spricht Willy mit Prof. Qendrim Zebeli, Leiter des Zentrums für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, über Methanemissionen von Wiederkäuern. Rund 60% der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Österreich gehen auf die enterische Fermentation zurück – den Verdauungsprozess im Pansen. Aber warum produzieren Kühe überhaupt Methan? Qendrim erklärt dir, dass das kein Fehler der Natur ist, sondern eine clevere Lösung: Im Pansen entsteht bei der Vergärung von Gras toxischer Wasserstoff. Spezielle Mikroorganismen, die Archäen, wandeln diesen in Methan um – eine natürliche Entgiftung, die das Überleben der Kuh sichert.
Die Zusammenhänge zwischen Fütterung und Emissionen sind komplex. Kraftfutter führt zu weniger Methan als Gras, aber eine Weidekuh frisst weniger und trägt gleichzeitig zur CO₂-Fixierung im Boden bei. Besonders überraschend: 1950 gab es in Österreich 1,5 Millionen Milchkühe, heute sind es nur 500.000 – bei vierfacher Milchproduktion. Die Gesamtmethanemissionen sind heute deutlich niedriger als vor 70 Jahren.
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um die Kontroverse um Bovaer. Das synthetische Additiv 3-NOP kann Emissionen um 20-30% senken, indem es die Archäen hemmt. Qendrim teilt seine Bedenken: Was passiert mit dem Wasserstoff, wenn Methan nicht mehr produziert wird? Fehlen nicht Langzeitstudien über Jahre hinweg? Die Forschung arbeitet an Alternativen wie Tanninen, Meeresalgen oder Impfungen – aber keine Lösung wird das Problem alleine beheben.
Dabei geht es um mehr als Futterzusätze. In Deutschland leben Hochleistungskühe im Durchschnitt nur fünf Jahre mit zwei Laktationen – eine Kuh mit zehn Laktationen hätte eine dramatisch bessere Klimabilanz. Dazu kommen Tierschutz, bessere Fütterung, weniger Lebensmittelverschwendung und bewusster Konsum.
Qendrim warnt vor einfachen Lösungen: "Für komplexe Systeme gibt es keine einfachen Antworten." Die Kuh ist ein komplexes System – wer an einer Schraube dreht, weiß nicht, was dabei herauskommt. Ein differenziertes Gespräch über die Frage, ob wir wirklich verstehen, was wir tun, wenn wir in natürliche Prozesse eingreifen.
INFOS ZUR FOLGE
Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften an der VetMed
www.vetmeduni.ac.at/tierernaehrung-und-tierschutzwissenschaften
DSM Firmenich
www.dsm-firmenich.com/en/home.html
Rumin8
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Offizielle EFSA-Bewertung von Bovaer (3-NOP)
https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2021.6905
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