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Archivradio – Geschichte im Original

SWR

1013 Episoden · neueste 12.10.

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Episoden

1013
  1. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen
    20.04., 14:1900:55:01

    Das Kernkraftwerk Tschernobyl war im Ukraine-Krieg schon früh Angriffsziel der russischen Streitkräfte. Das weckte bei vielen Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe vom 26.4.1986. Gábor Paál und Miriam Mörtl sprechen über Tonaufnahmen von damals (SWR 2011/2026) Mehr zur Sendung: http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: @daswissen@ard.social

  2. Frühe Atom-Euphorie – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (1/2)
    18.04., 08:3000:36:10

    In Deutschland war die Begeisterung für die Atomkraft zunächst groß: unerschöpfliche Energie! 1960 wird im Kernkraftwerk Kahl am Main "das atomare Feuer entfacht", wie der Reporter damals schwärmt. Die Kritik war eher leise und kam vor allem von rechts. Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

  3. Vom Widerstand zum Atomausstieg – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (2/2)
    18.04., 08:3000:31:02

    Der Widerstand gegen das AKW Wyhl in den 1970ern war die Keimzelle der großen Anti-Atomkraft-Bewegung. Am Ende hat sie gesiegt, die letzten Meiler sind 2023 vom Netz gegangen – anders als im Ausland. Wie kam es dazu? Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

  4. Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter zum Umgang mit der Atom-Angst | 12.12.1986 | Tschernobyl
    17.04., 11:1500:16:17

    Irrglaube: Gefahren durch Technik beherrschen Im Dezember 1986 gab der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923 - 2011) ein Interview im NDR. Er sprach über den Umgang mit der Angst nach der Reaktorkatastrophe. Er warnte vor dem Glauben, alle Gefahren mit dem Fortschritt der Technik beherrschen zu können. Appell an Politiker: der Öffentlichkeit die Wahrheit zutrauen NDR-Reporter Ralph Ludwig (1943 - 2017) sprach im Interview mit dem bekennenden Friedensaktivisten Richter über den Umgang mit der Angst nach einer solchen Umweltkatastrophe. Am wichtigsten sei es, offen miteinander zu sprechen. Das gelte vor allem auch für Politiker, die einen Hang zu Vormundstellung hätten und der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit zutrauten. Warnung vor größenwahnsinnigem Missbrauch der Technik Horst-Eberhard Richter glaube an eine "tiefe Fehlhaltung der Menschen", wenn sie glaubten, sie könnten die energiepolitischen Probleme mit der Weiterentwicklung der Technik lösen. Es gehe darum, zu einer anderen Grundhaltung zu finden: Wenn dieses bescheidene Lebensgefühl, die maßvolle Selbsteinschätzung nicht wieder hergestellt wird, dann wird dieser größenwahnsinnige Missbrauch der Technik nicht aufhören. Quelle: Horst-Eberhard Richter

  5. Walter Wallmann (CDU) wird erster Bundesumweltminister | 4.6.1986 | Tschernobyl
    17.04., 10:0000:19:20

    Infolge des Reaktorunglücks in der Sowjetunion schuf die Bundesregierung eine neue Behörde: das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Erster Bundesumweltminister wurde Walter Wallmann (1932 - 2013) von der CDU; er trat das Amt am 6. Juni 1986 an. Hier ein Interview mit ihm im Hessischen Rundfunk vom 4. Juni 1986, also kurz vor dem Amtsantritt. Ausstieg aus Kernenergie nicht verantwortbar Wallmann bekräftigt in dem Interview die Position der CDU, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie nicht verantwortbar sei und ein neues Anwerfen von alten Kohlekraftwerken gesundheitliche Schäden bewirken könne. Sobald es eine neue Energie gebe, die die Kernenergie ersetzen könne und die sicherer, umweltschonender und wirtschaftlicher sei, würde die Union sie einsetzen. Er plädierte in dieser Position für Nachdenklichkeit und Offenheit bezüglich alternativer Energiequellen. Gleichzeitig wies er die Forderungen nach einem raschen Ausstieg aus der Kernenergie als "unrealistisch" zurück und bezeichnete deutsche Reaktoren wegen ihres Sicherheitsstandards als "verantwortbar".

  6. Großdemo gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf
    17.04., 09:0000:17:33

    Nach Tschernobyl-Katastrophe verstärkt sich Widerstand gegen Wackersdorf Die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in der Oberpfalz sollte die zentrale Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland werden. Der Protest gegen den Bau der WAA formierte sich schon Ende des Jahres 1985. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verstärkte sich der Widerstand. An Pfingsten versammelten sich Zehntausende Atomkraftgegner im Taxöldener Forst bei Wackersdorf, um gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage zu demonstrieren. Hunderte Verletzte und Sachschaden in Millionenhöhe Wie in Brokdorf (1977) und Gorleben (1980) kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Vermummte Demonstranten versuchten, über den Eisengitterzaun auf das WAA-Gelände zu gelangen, beschossen die Polizisten mit Stahlkugeln und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Staatsmacht ihrerseits provozierte mit tieffliegenden Hubschrauberflügen und Reizgasgranaten, die sie in die Mengen warfen. Die Bilanz des Wochenendes: Hunderte von Verletzten auf beiden Seiten, Sachschäden in Millionenhöhe. Rohmaterial des Journalisten Ulrich Böken Der Hörfunkjournalist Ulrich Böken war an diesem Pfingstwochenende mit seinem Mikrofon vor Ort. Hier zu hören das von ihm aufgenommene Rohmaterial in voller Länge. Lied: "Bayernland" Hubert Weinzierl (O-Ton), Vorstand des BUND: "Es ist Zeit, über die Grenzen der Großtechnologie nachzudenken." Atmo: Rhythmisches Klopfen am Bauzaun, Pfiffe, Durchsagen im Hintergrund Demonstranten reden auf Polizisten ein: "Gewalt entsteht durch Hilflosigkeit". Im Hintergrund sind Hubschrauber zu hören. Demonstranten beschreiben das Vorgehen der Polizei Hubschrauber werfen Gasgranaten in die Menschenmenge. Demonstranten: "Schau hi, der wirft oba ... geh mer." Aufhören-Rufe. Im Hintergrund: Hubschraubergeräusche. Reportage von Ulrich Böken: Er beschreibt die Situation. Empörte Demonstranten nach dem Gaseinsatz vom Hubschrauber.

  7. Stellungnahme von Gorbatschow nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl | 14.5.1986 | Tschernobyl
    17.04., 08:0000:26:48

    Zwei Wochen nach der Havarie schildert Michael Gorbatschow die sowjetische Sicht der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl. In einer knapp halbstündigen Fernsehansprache weist er auf den "außerordentlichen und gefährlichen Charakter der Geschehnisse" vor Ort hin. Er erläutert, wie es zu dem Unfall kommen konnte und versichert, dass alle Anstrengungen unternommen worden seien, um die Menschen zu informieren, die Havarie zu beseitigen und die schweren Folgen zu begrenzen. Erste Bilanz der Katastrophe Trotz der eingeleiteten Maßnahmen seien bei der Havarie zwei Menschen ums Leben gekommen. 299 lägen mit Strahlenerkrankungen unterschiedlichen Grades in Krankenhäusern, davon seien bereits sieben Menschen in Folge der Verstrahlung gestorben. Gorbatschow spricht allen Betroffen sein Mitgefühl aus und versichert, dass die sowjetische Regierung für die Familien der Todesopfer und Geschädigten sorgen werde. Er könne "mit Fug und Recht [...] sagen, bei aller Schwere des Geschehenen konnte der Schaden in entscheidendem Maße, dank des Mutes und des Könnens der Menschen, dank ihrer Pflichttreue, Dank der Dynamik der Handlungen aller, die sich an der Beseitigung der Folgen der Havarie beteiligten, in Grenzen gehalten werden." Kritik an der "Hetze" des Westens Gorbatschow würdigt die Anteilnahme des Auslands, in erster Linie von Seiten der sozialistischen Länder. An den "Regierungen, Politikern und Massenmedien einiger NATO-Länder, besonders der USA" übt er heftige Kritik. Sie hätten eine "zügellose antisowjetischen Hetze entfacht. Was sie in diesen Tagen nicht alles redeten und schrieben, von tausenden Opfern, Massengräbern, vom ausgestorbenen Kiew, davon dass der ganze Boden der Ukraine vergiftet ist. Alles in allem haben wir es fürwahr mit einem aufgetürmten Berg gewissenloser und böswilliger Lügen zu tun." In Bezug auf die vom Westen kritisierte Informationspolitik der Sowjetunion verwies Gorbatschow an die Adresse der USA: "Alle erinnern sich noch daran, dass die amerikanischen Behörden zehn Tage brauchten, um den eigenen Kongress zu informieren, und Monate, um die Weltöffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, welche Tragödie sich 1979 im Kernkraftwerk Three Miles Island ereignet hatte." Ost-West-Dialog in Gefahr Durch dieses Vorgehen behinderten die USA und ihre engsten Verbündeten den Dialog zwischen Ost und West und hätten eine Möglichkeit gefunden, das nukleare Wettrüsten zu rechtfertigen. Im Gegensatz dazu verstehe die Sowjetunion den Unfall im Kernkraftwerk als "weiteres Alarmsignal dafür, dass die nukleare Epoche ein neues politisches Denken erfordere." Der außenpolitische Kurs der Sowjetunion, der auf dem 27. Parteitag der KPdSU ausgearbeitet worden war, sei der richtige: Die vollständige Beseitigung der Kernwaffen und die Schaffung eines allumfassenden Systems der internationalen Sicherheit. Gorbatschow führte weiter aus: "Heute sind in verschiedenen Ländern der Welt mehr als 370 Kernreaktoren in Betrieb. Das ist die Realität. Man kann sich die Zukunft der Weltwirtschaft ohne die Entwicklung der Kernenergie schwer vorstellen. In unserem Land sind heute 40 Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von mehr als 28 Millionen Kilowatt in Betrieb. Bekanntlich bringt das friedliche Atom der Menschheit nicht wenig Nutzen. Es versteht sich aber, dass wir alle verpflichtet sind, mit noch größerer Umsicht vorzugehen und die Anstrengung von Wissenschaft und Technik auf die Gewährleistung einer sicheren Meisterung der gewaltigen und ungeheuren Kräfte zu konzentrieren, die im Atomkern stecken." Das Atomzeitalter fordere mit Macht ein neues Herangehen an die internationalen Beziehungen. Es gehe um die Beendigung des "todbringende Wettrüstens" und eine radikale Verbesserung des internationalen Klimas. Reaktionen auf die Rede Die verspätete Rede fand im Westen unterschiedliche Aufnahme. Das Echo aus Washington war vergleichsweise milde. Führende amerikanische Zeitungen gestanden dem Parteichef sogar zu, dass seine Kritik an den maßlosen Übertreibungen verschiedener westlicher Medien ihre Berechtigung habe. Quelle: 14. Mai 1986: Ansprache Gorbatschow im sowjetischen Fernsehen zum Reaktor-Unglück (Russisch, darüber deutsche Übersetzung).

  8. Bundestagsdebatte zu Tschernobyl und Atomkraft | 14.5.1986 | Tschernobyl
    17.04., 07:0004:11:01

    Diskussion nach Reaktorunglück: sichere Atomkraft vs. Anti-Atom-Haltung Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist am 14. Mai 1986 Thema im Bundestag. Die Debatte ist für 2 Stunden angesetzt und dauert mehr als doppelt so lang. Sie zeigt, welche Zäsur das Ereignis bedeutete. Auf der einen Seite Union und FDP, die sich durch Tschernobyl nicht davon abbringen ließen zu beteuern, dass in Deutschland die sichersten Atomkraftwerke der Welt stehen und sich auch sonst Umweltprobleme am besten mit Technik lösen lassen – Helmut Kohl spricht gar von umweltfreundlichen Autos. Er meint die mit Katalysatoren. Auf der anderen Seite die Grünen, die sich durch Tschernobyl in ihrer Anti-Atom-Haltung bestätigt sehen, und die SPD, die, wie die Rede des damals noch jungen Gerhard Schröder zeigt, nun auch auf diesen Kurs einschwenkt. Waldsterben: noch kein Klimawandel in Sicht Interessant, dass vom Klimawandel noch gar keine Rede ist. Das Umweltproblem der damaligen Zeit ist das durch Schadstoffe verursachte Waldsterben. Es geht los mit einer Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Wir hören dann den Oppositionsführer von der SPD, Hans-Jochen Vogel, Gerhart Baum, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP und Joschka Fischer, der sich ein Jahr zuvor in Hessen in Turnschuhen zum ersten grünen Umweltminister hat vereidigen lassen. Nach ihm die Erwiderung von Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber. Kinder und Schwangere ausreichend geschützt? Hörenswert auch die Reden am Ende von Renate Schmidt von der SPD sowie Rita Süssmuth von der CDU, die sich gegen den Vorwurf wehrt, Kinder und Schwangere nicht ausreichend zu schützen. Aus den Reden von Kohl und Vogel haben wir einige Passagen entfernt, die nichts mit Tschernobyl zu tun hatten. Rednerinnen und Redner Helmut Kohl, Bundeskanzler, CDU Hans-Jochen Vogel, Fraktionsvorsitzender, SPD Alfred Dregger Fraktionsvorsitzender, CDU Hannegret Hönes, Fraktionsvorsitzende, GRÜNE Gerhart Baum, Fraktionsvorsitzender, FDP Joseph "Joschka" Fischer, Landesumweltminister in Hessen, GRÜNE Heinz Riesenhuber, Bundesforschungsminister, CDU Gerhard Schröder, MdB, SPD Otto Graf Lambsdorff, MdB, FDP Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister, CSU Renate Schmidt, MdB,SPD Rita Süssmuth, Bundesfamilienministerin, CDU

  9. Nach der Giftwolke: Was darf man noch essen? | 6.5.1986 | Tschernobyl
    16.04., 13:0000:07:05

    Spargel, Salat, Kinderspielplatz: Gefahren nach dem Reaktorunglück? In den zwei Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war die Verunsicherung groß. Was kann die Giftwolke anrichten? Es wurde davor gewarnt, bei Regen rauszugehen oder Kinder im Sandkasten spielen zu lassen. Auch Salat und Blattgemüse sollten lieber nicht gegessen werden. Und dann war ja gerade Spargelzeit – darf der Spargel geerntet und verkauftet werden? Am 6. Mai 1986 brachte der Südwestfunk eine Live-Sendung aus Schifferstadt, in der Hörerinnen und Hörer ihre Fragen stellen konnten. Im Bild: Am 11.5.1986 wird in der Groߟmarkthalle in Bruchsal Spargel auf Belastung mit Radioaktivität überprüft

  10. Berichterstattung in der DDR über das Reaktorunglück in Tschernobyl | 29. und 30.4.1986 | Tschernobyl
    16.04., 12:0000:16:39

    Auch die Medien in der DDR berichteten über die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Sie fühlten sich dem großen Bruder verpflichtet und hielten sich an die offiziellen Mitteilungen der sowjetischen Regierung. Die Berichterstattung der westlichen Medien sei aufbauschend und irreführend. Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz beruhigt Wie in der Bundesrepublik vermeldete auch die DDR am Abend des 29. April 1986 das Unglück von Tschernobyl. Der Sprecher des staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz in der DDR, Dr. Wolfgang Rüder, erklärte beruhigend: "Im Gebiet der DDR erfolgt kontinuierlich eine ständige Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt. Der Präsident des staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz, Prof. Dr. Sitzlack, hat bereits in einer Pressemitteilung betont, dass diese Messungen mit äußerster Gründlichkeit erfolgen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Zusammenhang mit der Havarie im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl keine Gesundheitsgefährdung für Bürger der DDR besteht. Es muss weiter darauf verwiesen werden, dass in der DDR ein ganz anderer Reaktortyp zum Einsatz kommt als in Tschernobyl. Ich kann versichern, dass die Einhaltung der für die Kernkraftwerke in der DDR geltenden strengen Sicherheitsvorschriften durch das staatlichen Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz ständig kontrolliert und strikt durchgesetzt wird." Wissenschaftler: Kritik an Sowjetunion ist üble Hetzkampagne des Westens Es folgt ein Gespräch der DDR-Wissenschaftler Prof. Dr. Günther Flach (Direktor des Zentralinstituts für Kernforschung) und Prof. Dr. Karl Lagius (Direktor des Instituts für Hochenergiephysik an der Akademie der Wissenschaften in der DDR) im Radio DDR 1 am 30. April 1986. Die Wissenschaftler sprechen im Interview über den Zustand der sowjetischen Atomkraftwerke. Sie gehen in ihrer Beurteilung der Katastrophe von der offiziellen Mitteilung der sowjetischen Regierung aus. Komplexe Systeme unterlägen immer einem Risiko, der Reaktortyp sei "im Prinzip" sicher. Beide Wissenschaftler äußerten absolutes Unverständnis an der westlichen Kritik an der Sowjetunion und betrachteten die Forderungen nach mehr Information und Aufklärung als "üble Hetzkampagne". Kommentar zur Berichterstattung westlicher Medien Am 2. Mai 1986 warf Klaus Dieter Kröber in Radio DDR 1 einen Blick in die westliche Presselandschaft. Die Berichterstattung sei unglaubwürdig, übertrieben und verleumderisch. Besonders die bundesdeutsche Zeitung "Bild" bekam ihr Fett weg: "Hier sehen Sie, gewissermaßen wie in einem Prisma, zugegeben in einem besonders üblen Blatt, aber eben mit Riesenauflage, hinter dem Vorwand von Sorge um Menschen und ihre Gesundheit, die billige Absicht von Brunnenvergiftern, die man leider nicht nur in der bundesdeutschen Massengazette "Bild" findet." Jugendaustausch mit Baden-Württemberg abgesagt In den Nachrichten des Berliner Rundfunks vom 7. Mai 1986 geht es um die Absage eines Jugendaustauschs. Die DDR nutzte jede Gelegenheit für einen Propagandaschlag gegen die BRD: Nach dem Reaktorunglück sagte das baden-württembergische Kultusministerium einen Jugendaustausch mit der DDR ab. Das, so der DDR-Rundfunk, bekräftige den Eindruck, dass führende Kreise der BRD nicht an einer Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses interessiert seien.

  11. Erste internationale Reaktionen auf den Reaktorunfall in Tschernobyl | 29.4.1986 | Tschernobyl
    16.04., 11:0000:18:27

    Atomkraftwerk-Großanlage bei Tschernobyl in der Nähe von Kiew defekt In der RIAS Rundschau am Mittag des 29. April 1986 versuchte Moderatorin Christine Rackuff mit ihrem Gesprächspartner Harro Zimmer Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Informationen aus der Sowjetunion kamen nur spärlich an. Harro Zimmer vermutete zunächst, dass "Schlimmeres passiert sein muss". Nach Angaben der Korrespondenten in Kopenhagen, Warschau und Moskau, wie auch des Experten des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin, schien die Wolke harmlos zu sein. Skandinavien: Atomwolke löst sich langsam auf In der ersten Schalte mit Reinhold Dey in Kopenhagen gab der Korrespondent Entwarnung. Man entzittere sich langsam in den skandinavischen Ländern, so Dey. Gleichzeitig werde die Kritik an der Informationspolitik der Sowjetunion lauter. Schweden und Dänemark protestierten heftig gegen diese "Schlamperei" und forderten den Aufbau eines Benachrichtigungssystems. BRD: Zur radioaktiven Strahlung in der Berliner Luft In einem Telefon-Interview kommt auch Entwarnung aus Berlin. Thomas Robertson vom Hahn-Meitner-Institut in Berlin (heute Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. ) hat keine Hinweise auf eine radioaktive Belastung der Luft in Deutschland. Der Wissenschaftler beruhigt: "Und es ist auch nicht zu erwarten, dass wir Messwerte bekommen, die Radioaktivität aus dem Kernkraftsunfall in der Sowjetunion nach Berlin bringen." Die gemessenen radioaktiven Werte lägen bisher in dem Bereich, der auch in der Natur vorkommt. Polen: Der Nordosten von radioaktiver Wolke überquert In der zweiten Auslandsschalte berichtete der Kollege Friedrich Wilhelm Kramer aus Warschau, dass auch in Polen keine Werte gemessen wurden, die für Menschen gefährlich werden könnten. Trotzdem habe die Regierung eine Sonderkommission eingesetzt, deren Aufgabe es sei, Messungen radioaktiver Strahlung ständig zu bewerten und die Lage zu analysieren. Diese Sonderkommission, so Kramer, würde normalerweise nur bei ernsten Zwischenfällen eingesetzt, die Gefahr sei noch nicht vorbei. Im polnischen Żarnowiec hatte man 1982 mit der Errichtung eines Atomkraftwerks begonnen. Proteste gegen den Bau von Atomkraftwerken hatte es bis zum Gau in Tschernobyl in Polen nie gegeben, nach dem Unglück stieg der Widerstand. Die Regierung gab das Vorhaben 1990 auf. UdSSR: Bevölkerung der UdSSR bleibt uninformiert BR-Korrespondent Johannes Grotzky berichtete aus Moskau, dass in Kiew, 130 km südlich von Tschernobyl, kein Ausnahmezustand herrsche. Das Stadtbild sei ruhig: "Eine Reaktion vom Außenministerium liegt im Moment noch nicht vor. Angaben über Ausmaß und Ursache des Unglücks sind deshalb nicht möglich. Die sowjetische Presse meldet heute das Unglück mit keiner Zeile. Die kurze TASS-Meldung ist bislang nirgends nachgedruckt. Auch die Rundfunknachrichten sind, soweit überschaubar, noch nicht auf das Unglück eingegangen." Erst im vergangenen Jahr hatte die Sowjetunion ein Abkommen mit der internationalen Atomenergiebehörde in Wien unterzeichnet. Damit sei sie auch eine Meldepflicht über Störungen im normalen Betrieb der Atomkraftwerke eingegangen. Dass sich sowjetische Behörden mit der Information landeseigener Katastrophen zurückhalte, sei typisch, so Johannes Grotzky. Harro Zimmer zur Schwere des Reaktorunglücks Noch, so Harro Zimmer, sei es zu früh, den Super-GAU, den größtmöglichen Unfall in einem Kernkraftwerk, anzunehmen. Nach genauer Betrachtung der gegenwärtigen Situation fiele ihm in der gesamten Geschichte der friedlichen Nutzung der Atomenergie kein vergleichbares Beispiel ein. Denn im Gegensatz zum Kraftwerksunfall in Harrisburg sehe es beim Kernkraftunfall in Tschernobyl danach aus, dass der Reaktorkern möglicherweise durchgebrannt und aufgebrochenes Material in die Umgebung entwichen sei. Quelle: RIAS: Rundschau am Mittags vom 29.4.1986 Im Bild: Eine Spezialistin des Warschauer Instituts für Meteorologie und Wasserkontrolle entnimmt am Dienstag, 29. April 1986, in Warschau Luftproben, um die Strahlung einer radioaktiven Wolke zu testen, die nach dem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl über Polen ging.

  12. Das Reaktorunglück in Tschernobyl wird bekannt | 28.4.1986 | Tschernobyl
    16.04., 10:0000:03:31

    Am 26. April 1986 explodierte um 1.24 Uhr Ortszeit einer der vier Reaktorblöcke im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe dem Ort Prypjat in der Ukraine. Bei der Explosion wurden radioaktive Stoffe rund 1.200 Meter hoch in die Luft geschleudert. Drei großen Wolken verteilten die radioaktiven Partikel in den darauffolgenden Tagen über Europa. Die Öffentlichkeit war bis zum Abend des 28. April 1986 ahnungslos. Nachrichten des Südwestfunks um 19 Uhr Die erste Meldung über ein vermeintliches Reaktorunglück in der Sowjetunion lief beim Südwestfunk in den Nachrichten um 19 Uhr: "In Teilen Schwedens, Finnlands und Norwegens ist eine ungewöhnlich hohe radioaktive Strahlung gemessen worden. Die Behörden wiesen darauf hin, dass Menschen nicht gefährdet seien. Als Ursache wird ein Defekt an einem sowjetischen Atomreaktor vermutet. Ein sowjetischer Atombombenversuch wird als Grund für die überhöhte Radioaktivität ausgeschlossen. Die Atomenergiebehörde in Moskau teilte der schwedischen Botschaft mit, sie wisse nichts von einem möglichen Zwischenfall in einem Kernkraftwerk, von dem sie in jedem Fall Kenntnis haben müsste." Nachrichten des Südwestfunks um 21 Uhr Aufgrund der Schwere des Unglücks und dem zunehmendem Druck der Weltöffentlichkeit konnte die Sowjetunion nicht länger dementieren. Über die amtliche Nachrichtenagentur TASS gab die Sowjetunion schließlich zu, dass es in einem Atomkraftwerk in der Ukraine zu einem Unglück gekommen war. Um 21 Uhr meldete der Südwestfunk: "Bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk der Sowjetunion sind nach offiziellen Angaben mehrere Menschen zu Schaden gekommen. Die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldete, einer der Reaktoren der Anlage Tschernobyl bei Kiew in der Ukraine sei beschädigt worden. Den Betroffenen werde Hilfe geleistet. TASS machte keine genaueren Angaben darüber, wie viele Menschen bei dem Unfall verseucht wurden, ob das Unglück auch Tote gefordert hat und wann es sich ereignete. In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass es sich um das erste derartige Unglück in der Sowjetunion handele, während es in anderen Ländern schon mehrfach ähnliche Unfälle gegeben habe. In diesem Zusammenhang wurde auf den nuklearen Unfall in dem amerikanischen Atomkraftwerk "Three Miles Island" im Jahre 1979 verwiesen. Die sowjetischen Medien berichten nur sehr selten über technische oder natürliche Katastrophen. Dies geschieht gewöhnlich nur, wenn es viele Verletzte und erheblichen Sachschaden gegeben hat. Skandinavische Stellen hatten bereits ein Reaktorunglück in der Sowjetunion vermutet, nachdem in den letzten Stunden von Dänemark bis Finnland eine erhöhte Radioaktivität gemessen worden war. Im Norden Finnlands wurden bis zu sechsmal höhere Werte als üblich gemessen. Die skandinavischen Experten sehen aber bislang keine Gefahr für die Bevölkerung."

  13. Hitlers Luftschiff-Propaganda 1936 – Zwei Zeppeline über Hamburg | 27.3.1936
    27.03., 06:0000:12:10

    Wahlen eine Farce, aber "deutsche Technik" soll beeindrucken Am 29. März 1936 ließen die Nationalsozialisten im Deutschen Reich noch einmal sogenannte Wahlen stattfinden. Es gab allerdings nur eine Einheitsliste. Dort konnte man sein Kreuzchen machen. Stimmzettel ohne Kreuzchen wurden ebenfalls als Zustimmung gewertet. Das Ganze war also eine Farce, und trotzdem war es Hitler und seiner NSDAP wichtig, Wahlkampf zu machen. Dazu schickten sie die beiden großen Luftschiffe, die "Hindenburg" (LZ 129) und die "Graf Zeppelin" (LZ 127) auf spektakuläre Deutschlandfahrt von Kiel über Hamburg über Helgoland nach Bremen. Über Kurzwelle wurden Live-Gespräche geführt zwischen der Bodenstation bzw. dem Funkhaus in Hamburg und der "Hindenburg". Es war die gleiche "Hindenburg", die ein Jahr später in Lakehurst auf tragische Weise abstürzte – die Reportage vom Absturz haben wir auch im Archivradio. Hier nun die Propagandafahrt vom 27. März 1936 – zwei Tage vor den "Wahlen". Viele weitere Tonaufnahmen aus der Geschichte der frühen Luftfahrt gibt es im Archivradio. Im Bild: Die Luftschiffe LZ 129 "Hindenburg" und LZ 127 "Graf Zeppelin" am 28.3.1936 über Berlin

  14. Rudi-Carrell-Witz führt zu diplomatischer Krise mit Iran | 18. bis 20.2.1987
    17.03., 09:3000:14:23

    "Rudis Tagesschow": Witz über Ayatollah Khomeini empört iranische Führung Rudi Carrell (1934 - 2006) war einer der großen Showmaster der alten Bundesrepublik. Bekannt vor allem durch seine Samstag-Abend-Spielshow "Am laufenden Band". Daneben hat er die Satire-Sendung "Tagesshow". Er tritt darin als Nachrichtensprecher auf, in der er unter anderem schlichte Nachrichten mit skurrilen Filmschnipseln konterkariert. Am 15. Februar 1987 verliest er eine Nachricht zum achten Jahrestag der islamischen Revolution im Iran. Die Nachricht endet mit einem Satz zum damaligen Revolutionsführer: "Ayatollah Khomeini wurde von der Bevölkerung gefeiert und mit Geschenken überhäuft", sagt Carrell, dazu zeigt er eine Bild-Montage, die den Eindruck vermittelt, Khomeini sei von weiblichen Fans mit BHs und Slips beworfen worden. Die Empörung in Teheran ist groß, Rudi Carrell entschuldigt sich drei Tage später. Diplomatische Verstimmung kommt ungelegen Doch zu diesem Zeitpunkt liegt der Fall längst in der Politik. Denn trotz ihrer kritischen Haltung zur iranischen Führung ist die Bundesregierung auf sie angewiesen. Im Libanon sind nämlich zwei Deutsche entführt worden und die Regierung hofft auf den Iran als Vermittler. Eine Verstimmung wegen einer Fernsehsatire kommt da ungelegen. Zwei Tage später lädt der iranische Botschafter zu einer Pressekonferenz und verlangt eine offizielle Entschuldigung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Eine offizielle Entschuldigung von Kohl gibt es nicht, dennoch klingt die Aufregung allmählich ab. Doch als das niederländische Fernsehen über den Fall berichtet und dabei die skandalöse Szene mit Carrell noch einmal zeigen will, greift das dortige Außenministerium ein.

  15. Jürgen Habermas über Wissenschaft und Ideologie | 5.8.1974
    14.03., 16:0500:37:53

    Jürgen Habermas: Theorie und Politik Jürgen Habermas (1929 – 2026) gehört zu den bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er war ein politischer Philosoph, Forschungsassistent bei Theodor W. Adorno und Max Horckheimer und wird somit der zweiten Generation der sogenannten „Frankfurter Schule“ zugerechnet. Sein bekanntestes Werk ist die „Theorie des kommunikativen Handelns“, er nahm aber häufig auch zur Tagespolitik Stellung. Habermas starb am 14. März 2026. Wenige Rundfunkauftritte Er hatte eine angeborene Sprachbehinderung. Aufgrund einer angeborenen Gaumenspalte war seine Aussprache sehr nasal. Er blieb deshalb bis zuletzt deshalb vor allem über seine Schriften bekannt, während er in Radio und Fernsehen selten zu hören war. Eine Ausnahme ist dieser Vortrag über Wissenschaft und Ideologie vom 5. August 1974.

  16. Podcast-Tipp: NEIN DANKE? – Warum Atomkraft uns spaltet
    11.03., 06:0000:01:32

    "Nach dem schweren Beben und dem Tsunami in Japan hat sich die Situation ... " Fukushima, vor 15 Jahren. Danach ist klar: "Genau aus diesem Grunde werden wir die erst kürzlich beschlossene Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke aussetzen." Ich bin damals erleichtert über den Ausstieg. Denn schon seit Tschernobyl steht Atomkraft bei uns für Gefahr. Aber keine 3 km von meinem Elternhaus weg, hinter der saarländischen Grenze, sieht‘s ganz anders aus. Frankreich denkt nicht ans Aussteigen: "Präsident Macron hat heute beim Besuch einer Turbinenfabrik in Belfort eine Renaissance der Atomkraft angekündigt." Was ist da los? Wieso ticken Deutschland und Frankreich so unterschiedlich beim Thema Atomkraft? Ich bin Lisa Krauser, Journalistin beim Saarländischen Rundfunk, und ich nehme euch mit auf eine Reise – zu Reaktoren: "Hast du immer so nervös auf den Geigerzähler geguckt? – Immer!" Atommüll: "Niemand kann ein Endlager für 1 Million Jahre garantieren. Das ist Hybris." Und zu Perspektiven auf dieser und auf der anderen Seite der Grenze: "In Frankreich lernt man von klein auf, Atomkraft zu lieben." – "Schlimm, ganz schlimm. Und dann hab ich auch Angst gehabt um mein Kind." NEIN DANKE? – Warum Atomkraft uns spaltet. Ein Podcast über Perspektiven, Prägung und Widersprüche. In ARD Sounds und überall, wo es Podcasts gibt. https://kurz.sr.de/neindanke

  17. Kretschmanns Triumph – Baden-Württemberg wählt ersten grünen Ministerpräsidenten | 28.3.2011
    09.03., 15:3000:04:53

    Jahrzehntelang war Baden-Württemberg CDU-Land. Von 1953 bis 2011 stellten die Christdemokraten den Ministerpräsidenten. Doch dann kommt Winfried Kretschmann an die Macht. Nach Streit um S 21: Winfried Kretschmann setzt auf "Politik des Gehörtwerdens" Sein Wahlsieg hat mehrere Gründe. In den Jahren vor 2011 haben sich viele Wähler von der CDU abgewandt. Ministerpräsident Stefan Mappus genießt wenig Sympathien. Ein Grund ist die Art, wie er den Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 eskaliert hat. Viel Konfrontation, viel Polizei, wenig Diskurs. Winfried Kretschmann ist gegen das Bahnprojekt, er verspricht zwar im Wahlkampf keinen Ausstieg, wohl aber einen anderen Umgang – eine Politik des Gehörtwerdens. Reaktorunglück in Fukushima begünstigt Wahlsieg der Grünen Und noch etwas begünstigt den Wahlsieg der Grünen, nämlich das Reaktorunglück von Fukushima zweieinhalb Wochen später. Der CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus stand plötzlich mit seiner Atompolitik ziemlich einsam da, nachdem selbst Kanzlerin Angela Merkel schon ein Moratorium für die Kernenergie angekündigt hatte. So wählt Baden-Württemberg am 27. März 2011 erstmals in Deutschland einen Grünen zum Ministerpräsident. Der kündigt gleich eine Koalition mit der SPD an. Der Bericht stammt vom 28. März 2011 Winfried Kretschmann gewinnt noch zwei weitere Wahlen. Doch weil die SPD im Land immer mehr schwächelt, wechselt er nach der ersten Legislatur, also nach 5 Jahren, den Koalitionspartner und regiert weitere zehn Jahre mit der CDU. Wieder ein Grüner: Cem Özdemir gewinnt Landtagswahlen 2026 Zur Wahl 2026 tritt Kretschmann nicht noch einmal an. Nun kandidiert für die Grünen Cem Özdemir. Trotz schlechter Ausgangswerte der Grünen setzt der sich durch, und die Grünen gewinnen erneut die Wahlen am 8. März 2026.

  18. Erdbeben, Tsunami, Reaktorunglück – Die Katastrophe von Fukushima | 11.3.2011
    08.03., 07:0000:17:35

    Naturkatastrophe in Japan: Mehr als 20.000 Menschen sterben Am Morgen des 11. März 2011 melden die deutschen Nachrichten ein schweres Erdbeben vor der japanischen Küste. Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami – der bis dahin größte der japanischen Geschichte, soweit bis dahin bekannt. Durch diese Naturkatastrophen kommen in Japan mehr als 20.000 Menschen zu Tode. Doch im Ausland und auch in Deutschland ist das Ereignis bis heute vor allem wegen der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Gedächtnis, die dann auch noch folgt. Sie hat politische Auswirkungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel entschied bald nach dem Unglück den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Im Folgenden hören wir Berichte von jenem ersten Tag der Katastrophe. Beginnend mit den Frühnachrichten um 8 Uhr morgens, etwas mehr als eine Stunde nach den ersten Erdstößen. Reporter ist Korrespondent Peter Kujat. Vier Stunden später stand dann vor allem der Tsunami im Mittelpunkt des Berichts von Korrespondentin Nicola Glass. Bedrohungslage im Kernkraftwerk Fukushima wird deutlich Im Laufe des Nachmittags schließlich richtete sich die Aufmerksam zunehmend auf die Bedrohungslage im Kernkraftwerk Fukushima. Axel Weiß aus der SWR-Umweltredaktion weist auf die Gefahren hin, die sich zunehmend abzeichnen. Am Abend schließlich greift die Hintergrundsendung "Thema heute" in SWR1 die Ereignisse in Japan auf.

  19. Islamische Revolution – Ayatollah Khomeini kehrt in den Iran zurück | 1.2.1979
    03.03., 09:0000:09:26

    Ajatollah Khomeini kommt aus Pariser Exil zurück Am 16. Januar 1979 hatte der Schah, der fast 50 Jahre lang über den Iran herrschte, das Land verlassen. Zuvor hatte er noch Schapur Bachtiar zum Premierminister ernannt. Bachtiar blieb im Land, konnte aber die Entwicklung nicht aufhalten. Am 1. Februar kommt Ajatollah Khomeini aus seinem Exil in Paris zurück, er landet in Teheran. Zunächst ein Bericht von ARD-Korrespondent Ulrich Encke, anschließend ein Hintergrundbericht im Süddeutschen Rundfunk.

  20. Der Schah verlässt Persien | 16.1.1979
    03.03., 08:5000:16:56

    Schah herrscht autokratisch, der Westen hält sich mit Kritik zurück 48 Jahre lang herrschte Schah Reza Pahlavi über den Iran, den damals die meisten Deutschen noch Persien nannten. Er regierte autokratisch, Oppositionelle wuden verfolgt. Die USA unterstützten ihn, primär aus sicherheitspolitischen Gründen, und rüsteten den Iran auf. Sie sahen in ihm einen wichtigen Gegenspieler zur nördlich angrenzenden Sowjetunion. Das iranische Erdöl spielte dabei auch eine wichtige Rolle. Insgesamt hielten sich die westlichen Regierungen deshalb auch mit Kritik an den Menschenrechtsverletzungen zurück. Widerstand wächst – im Iran und im Ausland Das wiederum trieb 1967 die deutschen Studierenden auf die Straße – die Proteste gegen den Schahbesuch war eine der Initialzündungen der 1968er-Bewegung. Der Schah blieb jedoch noch mehr als zehn Jahre an der Macht, bis auch im eigenen Land der Widerstand wächst und ein Gegenspieler am Horizont erkennbar wird: Der im Pariser Exil lebende schiitische Geistliche Ajatollah Ruhollah Khomeini war seit den 1960ern ein Widersacher des Schahs, 1978 ruft er zu dessen Sturz auf. Im Lauf dieses Jahres nehmen die Proteste zu, obwohl der Schah das Kriegsrecht verhängt. Der Schah flieht, Iran wird unter Ayatollah Khomeini zur Islamischen Republik Bei einer Kundgebung am 2. Dezember 1978 in Teheran fordern 2 Millionen den Rückzug des Schahs. Im Januar entziehen ihm auch die USA, Frankreich, die Bundesrepublik und Großbritannien ihre Unterstützung. Am 16. Januar ist es soweit: Der Schah flieht nach Ägypten. Zwei Wochen später kehrt Ayatollah Khomeini aus Frankreich in den Iran zurück, übernimmt die Macht und verwandelt das Land in eine Islamische Republik.

Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog