
Archivradio – Geschichte im Original
Hannah Arendt und die "Banalität des Bösen" | 9.11.1964
02.10., 21:0002.10.2026, 21:0000:52:10
Beschreibung der Episode
Hannah Arendt beobachtet Prozess gegen Adolf Eichmann
Hannah Arendt (1906 – 1975) ist eine der bekanntesten deutschen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Die einstige Heidegger-Schülerin wurde einer breiten Öffentlichkeit Anfang der 1960er-Jahre bekannt, für ihre Berichte vom Prozess gegen den ehemaligen NS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Eichmann wurde 1961 in Jerusalem zum Tod verurteilt. Kurz danach begannen auch die berühmten Frankfurter Auschwitzprozesse, und 1963 erschien Hannah Arendts Buch "Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Diese Banalität des Bösen wurde zum geflügelten Wort und spielt auch in diesem Gespräch eine zentrale Rolle.
Gespräch mit Joachim Fest am Jahrestag der Reichspogromnacht
Auch der Interviewer ist erwähnenswert: Es ist Joachim Fest, bekannt als ehemaliger Mitherausgeber der FAZ und Autor von Biografien über Hitler und über dessen Chefarchitekten und Rüstungsminister Albert Speer. Doch hier, im November 1964, war er noch Redakteur im NDR; das Interview führt er aber im Auftrag des Südwestfunks. Es wird am 35. Jahrestag der Reichspogromnacht gesendet. Die Aufnahme beginnt mit der damaligen Anmoderation.
Der 2025 verstorbene Publizist Micha Brumlik sagte im SWR-Gespräch über das Interview: "So recht Hannah Arendt im Grundsätzlichen hat, hat doch die historische Forschung inzwischen herausgefunden, dass sie sich in Adolf Eichmann getäuscht hat. Das war nicht nur ein Funktionär, sondern ein hasserfüllter und ressentimentgeladener Antisemit. Er hat damals in Jerusalem, flapsig gesprochen, eine Show abgezogen, auf die Arendt hereingefallen ist."