Archivradio – Geschichte im Original

Aufruf an die Landsleute in Deutsch-Ostafrika | 5.8.1914 / 3.12.1921 | Erster Weltkrieg

05.08., 06:0000:02:34
Beschreibung der Episode
Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Heinrich Schnee, wendet sich an seine Landsleute. Diese Aufnahme wurde, wie viele andere Reden des Ersten Weltkriegs, nachträglich aufgezeichnet, in diesem Fall im Dezember 1921. Deutscher Einfluss im heutigen Tansania, Burundi, Ruanda und Mosambik bis 1918 "Deutsch-Ostafrika" war die Bezeichnung einer in der Zeit von 1885 bis 1918 bestehenden deutschen Kolonie. Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi, Ruanda und ein Teil von Mosambik. Es war mit rund 7,75 Millionen Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches.
Auch England hat unserem Vaterlande den Krieg erklärt.
Wir müssen damit rechnen, dass der Feind in Deutsch-Ostafrika einzudringen versucht. Den ungeschützten Städten an der Küste, in erster Linie Daressalam, das so viele deutsche Frauen und Kinder beherbergt, wird, wie wir hoffen, der Schrecken des Krieges erspart werden. Durch Verstärkung der Polizeitruppe auf das Doppelte und andere Anordnungen ist für die allgemeine Sicherheit auch dann gesorgt, wenn die wehrpflichtigen Männer ihrer Pflicht bei der Fahne genügen. Von allen Bürgern wird erwartet, dass sie die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit getroffenen Maßnahmen durch ihr Verhalten unterstützen werden. Deutsche Ostafrikas! Der in Europa zweifellos bereits ausgebrochene Kampf wird die schwersten Opfer an Gut und Blut von unseren Brüdern daheim fordern.
Auch von uns wird erwartet, dass wir, obschon fern von der Heimat, den uns anvertrauten deutsch-ostafrikanischen Boden treu bis zum Tode behaupten.
Jeder tue seine Schuldigkeit für unseres Volkes Ehre.

Quelle: Heinrich Schnee

Geprägt war Schnees Amtszeit durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Als Gouverneur stand ihm die oberste militärische Befehlsgewalt zu. Allerdings kam es um die Verteidigung des Schutzgebietes bald zu Differenzen zwischen ihm und dem Kommandeur der 'Schutztruppe' General Paul von Lettow-Vorbeck, der sich letztlich mit seiner Taktik des Guerillakrieges durchsetzen konnte und mehr und mehr die Leitung der Operationen an sich zog. Mit seiner Taktik des "Buschkriegs" zog Lettow-Vorbeck den Krieg in der Kolonie bis zum 25.11.1918 hin und wurde dadurch ein gefeierter Nationalheld in Deutschland. Er führte 1919 das Freikorps, welches den Hamburger Spartakusaufstand niederschlug. Andere deutsche Kolonien kapitulierten bereits ab 1914 Die anderen deutschen Kolonien kapitulierten bereits lange vor dem Ende des Ersten Weltkriegs: Im afrikanischen Togo passierte dies bereits Ende August 1914 nach Kämpfen mit britischen und französischen Truppen. In Deutsch-Südwestafrika (Namibia) kämpft die deutsche Schutztruppe bis August 1915 gegen südafrikanische Unionssoldaten. In Kamerun kapitulieren die deutschen Truppen im Februar 1916, nachdem sie sich in das Landesinnere zurückgezogen hatten. In Asien wird Tsingtau von britischen und japanischen Truppen angegriffen, die Deutschen kapitulieren im November 1914, in Kiautschou geht den eingeschlossenen deutschen Verteidigern gegen die japanische Armee im November 1914 die Munition aus, woraufhin die Übergabe und die Besatzung erfolgt. Die deutschen Südsee-Kolonien ergeben sich 1914 australischen, neuseeländischen und französischen Truppen: Samoa Ende August 1914, Neuguinea Ende September 1914, Mikronesien im November 1914. Kaiser-Wilhelms-Land und Bismarck-Archipel kapitulieren im September 1914. Lediglich in der Provinz Morobe hält sich bis November 1918 eine kleine deutsche Einheit. Aufnahmedatum: 3.12.1921 (nachgesprochen)
Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)