Podcast

Kiezmenschen

Hamburger Morgenpost

Society & Culture

150 Episoden · neueste 30.09.

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Episoden

150
  1. Niko Albers - Wilde Zeiten als DJ in den 90ern
    30.09., 12:3001:01:08

    Erste Regel des Chefs: ‚Hier macht kein DJ nüchtern Musik.‘ Die jungen Männer tragen Säbel, Baseballschläger und Stangen. Vor dem „Network Café“ stehen sie dicht an dicht auf dem Hans-Albers-Platz. Drinnen sitzen die Gäste fest. Auch Niko Albers (55) kommt nicht mehr raus. Eine halbe Stunde zuvor hatten die Türsteher eine Gruppe junger Männer abgewiesen. Jetzt sind sie wieder da. Und sie sind nicht allein. Niko Albers hat viele Nächte auf dem Kiez erlebt. Als DJ im „Network Café“ und „Skyy“ sah er, wie der ganze Laden zerlegt wurde, bekam Schnaps als Arbeitsanweisung und musste vor allem eins sein: kräftig. Im Podcast erzählt Niko, wie er damals DJ wurde, welch entscheidende Rolle seine Oma dabei spielte und warum im „Network Café“ kein DJ nüchtern auflegen durfte. Er berichtet von Nächten, in denen der Laden auseinanderflog. Von Massenschlägereien und der Nacht, in der eine Horde junger Männer mit Säbeln und Knüppeln vor der Tür stand. Niko spricht über flüchtige Bekanntschaften, eine unvergessliche Begegnung im Hinterhof, und seine Rückkehr ans DJ-Pult.

  2. Vanity Trash - Drag Queen und Party-Biest
    27.08., 12:3001:06:04

    Die Dragqueen mit der großen Klappe Vanity Trash ist schrill, bunt und laut. Hinter der Dragqueen mit der großen Klappe, den prallen Hüften und 250 Fummeln im Schrank steckt Kevin Wick (48). Seit fast 20 Jahren verwandelt er sich regelmäßig in die „Kiez-Wuchtbrumme“, tritt auf Bühnen auf und führt Touristen als KultKieztour-Guide über den Kiez. Vanity erzählt von ihren ersten unbeholfenen Auftritten in Minirock und Pfennigabsätzen. Sie spricht über Sexkinos, ihre Zeit als „kleiner Homolord“ auf dem Kiez und darüber, wie aus einer großen Klappe eine erfolgreiche Bühnenkarriere wurde. Doch hinter dem lauten Auftreten steckt auch eine bewegende Geschichte: Vanity berichtet von ihrer Krebserkrankung, der schweren Zeit während der Chemotherapie und homophoben Anfeindungen. „Kiezmenschen“ wird von KultKieztouren.de unterstützt – dem wahrscheinlich bekanntesten Anbieter von Führungen über die Hamburger Reeperbahn. Zusammen erzählen wir die Geschichten der Menschen, die St. Pauli ausmachen, aber in der Öffentlichkeit oft zu kurz kommen. Viele der KultKieztouren-Guides waren als „Kiezmenschen“ selbst schon im Podcast zu Gast (u. a. Veuve Noire, Fabian Zahrt, Olli Zeriadtke u.v.m.). Die ganze Liste unter: www.kult-kieztouren.de/kiezmenschen

  3. Hubert „Hubi" Neubacher - vom Kellner zum Barkassen-Chef
    02.07., 11:5601:02:14

    Der Aussenminister des Hafens. Zwischen Brücke 1 und Brücke 10 kennt ihn jeder, den „Hubi“, der seine ersten Einsätze als Kellner bei Barkassen-Meyer hatte. Heute ist Hubert Neubacher (54) Chef der traditionsreichen Reederei, Geschäftsführer der Abicht Elbreederei und für viele so etwas wie der Außenminister der Branche. Einer, der Leute zusammenbringt, gefragt wird, wenn es um Barkassen geht und Kunst, Kultur und Stars wie Robbie Williams und Tina Turner in den Hafen holt. Hubi berichtet von seinem Weg aus den österreichischen Bergen nach Hamburg. Von seiner Freiheit in der großen Stadt, seinem unfreiwilligen Coming-out und dem Tag, an dem er plötzlich Chef von Barkassen-Meyer wurde. Er spricht über die Fusion mit der Konkurrenz Anfang des Jahres und über seine Begegnungen mit Promis und Stars. Und er verrät, wie der Hafen tickt, warum die Landungsbrücken die „Püppi“-Seite genannt werden und welche Plätze er im Hafen am liebsten hat.

  4. Michael Ehnert (58) ist Schauspieler, Polizistensohn und neuerdings auch Autor.
    27.05., 16:3001:04:06

    In seinem Roman erzählt er von der kleinen, dreckigen Schwester der Davidwache Die Wache 15 auf dem Kiez kennt jeder. Klar: die Davidwache. Mythos, Filmkulisse, Hamburg-Symbol. Doch die 16 an der Budapester Straße? Die kennt heute kaum noch einer. Dabei sei sie früher für die „besonders harten Fälle“ zuständig gewesen, sagt Michael Ehnert (58). Der Hamburger Schauspieler hat ein Buch über „die kleine, dreckige Schwester der Davidwache“ geschrieben. In „Hamburg, Wache 16“ erzählt er vom Kiez der 70er-Jahre. Von Gewalt, Rotlichtmilieu, Hells Angels, Trinkerkneipen und den Menschen, die dort Dienst taten. Zugleich ist es eine sehr persönliche Geschichte. Die seiner Familie. Der Schauspieler und Autor berichtet von seiner Kindheit in Mümmelmannsberg. Eine heile Welt, die schwer ins Wanken geriet, als seine Mutter ihr Coming-out hatte. Von seinem Vater, dem Polizisten an der Wache 16. Von brenzligen Einsätzen, Prostituierten „mit breitgeschlagenen Gesichtern“ und halbseidener Ganovenromantik. Von seiner Zeit als Punk auf St. Pauli und von seinem Weg vom Schulabbrecher zum Schauspieler.

  5. Petra Roitsch (50) aka Panik Petra
    22.04., 16:5501:02:47

    Hebamme der Panik City Auf dem Kiez ist sie bekannt als Panik-Petra, die Frau mit den pinken Haaren und den Nerven aus Stahl. Udo Lindenberg taufte sie einst die „Hebamme der Panik City“. Jahrelang war Petra Roitsch (50) Betriebsleiterin seines Multimedia-Museums im Klubhaus St. Pauli an der Reeperbahn. Als Teil seiner „Panik-Familie“ lebte sie zwischen genialen Geistesblitzen, spontanen Aktionen und Nachrichten, die der Panikrocker gerne mal nachts um 3 Uhr verschickte, wenn er zu „Hochtouren“ auflief. Panik-Petra berichtet von ihrem ersten Treffen mit Udo und dem Moment, als er die Brille abnahm. Von seiner besonderen Art, seinem Perfektionismus und den nächtlichen Nachrichten. Sie spricht über schöne und skurrile Situationen mit dem Panikrocker und seinen Fans und warum eine Dame einmal zusammenbrach, nachdem sie mit Udo in der Panik City auf Rundgang war.

  6. Ricarda Belmar - Die Apartmentqueen von St.Pauli
    25.03., 16:0001:18:01

    In ihren Ferienwohnungen beherbergt sie die skurrilsten Gäste. Ricarda Belmar ist Gastgeberin, Hausmeisterin, Psychologin und manchmal auch Tatortreinigerin. Auf dem Kiez kauft sie alte Bordelle, baut sie zu Ferienwohnungen um und sammelt nebenbei Social-Media-Material für die skurrilsten Stories über „Dinkel-Dörte“ und „Hafer-Hans“, zurückgelassene Drogen, verwüstete Wohnungen und Gäste, die mit Chauffeur vorfahren. „Das ist hier ein Mikrokosmus. Eine Welt, in der es ganz schön irre zugeht“, sagt die 35-Jährige und grinst. Die Herbergsmutter berichtet, warum der Kiez für sie eine Kindheitserinnerung ist, wie sie anfangs mit viel Elan und wenig Ahnung anfing und dabei erst mal „die halbe Reeperbahn“ unter Wasser setzte. Sie erzählt vom schlimmsten Partyvolk, von der Spezies, die sie am wenigsten erträgt, von skurrilsten Fundstücken wie einem Huhn, welche Aufgabe sie auf keinen Fall mehr erledigt. Und von ihrem großen Traum.

  7. Thomas Stutzki - Gastgeber vom Dollhouse und Hooters
    04.03., 21:1201:18:01

    Ich sortiere die Gäste nach Gefühl. Das ist wie Tetris mit Menschen Wenn Thomas Stutzki (59) von früher erzählt, klingt es wie zwei Leben. Das eine spielt zwischen Börsentelefonen, Millionenbeträgen und schlaflosen Nächten im Anzug. Das andere zwischen Prominenten, Skandalen und durchfeierten Nächten im Tabledance-Club. Vor 28 Jahren wurde der heutige Kiez-Gastronom das Gesicht des „Dollhouses“ an der Großen Freiheit - dabei war er eigentlich Börsenmakler. Thomas Stutzki berichtet von Standleitungen zur Börse in Chicago und New York, von Hundertmillionen und Entscheidungen im Sekundentakt. Was das mit ihm gemacht hat und wie er danach ausgerechnet im „Dollhouse“ an der Großen Freiheit landete. Er erzählt von der harten Anfangszeit und dem Moment, in dem die Lawine losbrach. Der 59-Jährige spricht über lange Nächte, Partys mit Prominenten wie Eminem und über einen internationalen Star, der für einen handfesten Skandal sorgte. Thomas Stutzki berichtet von den Jahren danach, als er auf einmal Theaterdirektor wurde und von seinem Leben als Gastronom und Chef des „Hooters“, das momentan wegen einer Brandstiftung geschlossen ist.

  8. Jan Schütt - Rotlichtexperte und Ex-Wirtschafter
    28.01., 19:3001:08:59

    Wenn ich heute eine Frau kennenlerne, scanne ich sie nicht ab, ob da Potenzial hinter ist. Das ganze Video auch bei YouTube unter https://youtu.be/xIXHmB58uj4

  9. Susanne Fink-Knodel (62) - Nachbarschaftsheim St Pauli
    22.12., 12:3001:11:16

    Ich kann nicht wegsehen, wenn ich die Not her sehe. An Weihnachten trifft es sie am härtesten. Kein funkelnder Baum, kein Duft von Festessen, keine liebevoll verpackten Geschenke. Niemand, der am Esstisch Platz nehmen wird – wie die meisten Tage im Jahr. Nur die Stimmen aus dem Radio durchbrechen die Stille. Susanne Fink-Knodel (62) weiß, wie schmerzhaft das Fest für viele ihrer Senioren ist. Als Leiterin des Nachbarschaftsheims St. Pauli an der Silbersackstraße erlebt sie ihre Not jeden Tag. Für manche Kiezianer ist der Treffpunkt mehr Zuhause als die eigenen vier Wände und der einzige soziale Halt, der ihnen nach einem bunten Leben auf St. Pauli geblieben ist. Die Leiterin des Nachbarschaftsheims berichtet von ehemaligen Sexarbeiterinnen, Wirtschaftern, Barbesitzern und Kellnern. Von Armut, Erkrankungen und fehlenden Hilfsangeboten. Von bunten Nachmittagen mit Brettspielen, lautem Lachen und manchmal auch mit mächtig Zoff. Susanne erzählt von schweren Schicksalen, der Einsamkeit, dem demenzkranken Mann, dessen Leben ein tragisches Ende nahm und dem unermüdlichen Engagement ihres Teams.

  10. Annette Kaiser vom CaFee mit Herz
    27.11., 12:3001:16:29

    Über das Überleben auf der Strasse und ein Eine Frau streckt den anderen Gästen mit einem zahnlosen Lachen ihren Hintern entgegen. Ein Mann drückt sich im Flur schimpfend an ihr vorbei: „Ich hab schon tausend Mal gesagt, dass ich nicht angefasst werden will.“ Ein anderer ruft fröhlich dazwischen. „Wem gehören diese Socken?“ Mittendrin steht Annette Kaiser (56) vor einer weißen Klotür. Dahinter das Wimmern einer Frau. Mit sanfter Stimme fragt die Sozialarbeiterin, ob sie helfen könne. Es sind Szenen voller Leid, voller Kuriositäten, Hoffnung und Wärme, die sich jeden Tag im „CaFée mit Herz“ an der Seewartenstraße auf St. Pauli abspielen. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht. Für die Einen Lichterglanz, für die Anderen Überlebenskampf. Annette Kaiser berichtet von den härtesten Momenten in ihrem Job, von schweren Schicksalen, Rückschlägen und ihrer Wut auf die Sucht. Sie erzählt von ihrer eigenen, höchst skurrilen Abhängigkeit und Momenten des Glücks. Wie hart das Leben auf der Straße ist, davon berichtet ihr Schützling „Gabi“, der nach dem Knast obdachlos wurde und mit Hilfe des „CaFée mit Herz“ zurück ins Leben fand.

  11. Inkasso-Ingo - Influencer und Kiez Comedian
    29.10., 12:3000:54:21

    Lässt die Stimme von Inkasso-Henry weiterleben Breitbeinig, die Arme vor der Brust verschränkt, sitzt er auf dem roten Ledersofa. Schwere Goldkette, Tätowierungen an Hals und Händen. Der Blick gespielt finster. Ein ganz schön harter Kerl, mag man meinen. Besonders, wenn seine laute raue Stimme erklingt. Doch hinter dem harten Kerl steckt Inkasso-Ingo. Ein Comedian und Influencer, der Millionen mit seinen Videos erreicht, in denen er die verstorbene Kiez-Größe „Inkasso-Henry“ imitiert. Der 34-Jährige berichtet von seinen Anfängen auf dem Kiez, als er gerade mal 16 war, von seiner Drogensucht wenige Jahre später, als er manchmal vier Tage am Stück arbeitete. Er erzählt von dem Moment, den er als seinen Durchbruch bezeichnen würde, von Menschen, die ihm auf dem Kiez hinterherbrüllen und solchen, die nicht checken, dass er Comedian ist. Inkasso-Ingo spricht über sein Leben im Rampenlicht und seinen großen Traum.

  12. Pastor Frank Hoffmann
    06.10., 13:1401:14:10

    „Ich belehre nicht permanent. Da hab‘ ich gar keinen Bock drauf.“ Lächelnd steht der Mann in schwarzen Turnschuhen, Jeans und Sakko auf der mit rotem Samt bezogenen Drehscheibe. Normalerweise rekeln sich hier verführerisch die Damen. Eigentlich kein Ort, an dem Männer etwas zu suchen haben. Doch bei Frank Hoffmann (56) ist das was anderes. Der darf. Er ist Kiez-Pastor und die Bühne in „Susis Show Bar“ seine „Kanzel“. Regelmäßig feiert der Pastor in dem Stripclub Gottesdienste. Und nicht nur dort. Mit seiner mobilen Kiez-Kirche verbreitet er den Glauben auf St. Pauli. Egal bei wem, egal in welchem Etablissement. Der Pastor berichtet von dem „lästigen Glauben“, den er als Kind aufgezwungen bekommen hat und den er nicht spüren konnte. Er spricht über seine „Gotteserlebnisse“, über seine Streifzüge über den Kiez und warum die Menschen des Viertels gläubiger sind als anderswo. Der Kiez-Pastor erzählt von den Momenten, die ihn besonders berührt haben, den Problemen seiner Schäfchen, wie er einen Kiezianer aus der „Versklavung“ rettete und von seinen Gottesdiensten im Stripclub.

  13. Maren Dickers - vom Frieda B.
    21.08., 12:3001:07:00

    Die "Löwenmutter" vom "Baggerschuppen" Mit dem Frieda B. ist das so eine Sache. Der Club am Hans-Albers-Platz ist stets rappelvoll, jeder kennt ihn. Doch dort gewesen sein will niemand. „Wir sind halt ein Baggerschuppen“, sagt Betriebsleiterin Maren Dickers (54), die gerne mal als die „Löwenmutter“ des Ladens bezeichnet wird. In ihren 35 Jahren in der Gastronomie hat sie so einiges erlebt. Nächte mit ausgeschlagenen Zähnen und Platzwunden. Mit Promis, von denen einer ihr stundenlang beim Gläserspülen half. Diebe mit Heizkörper unterm Arm und Partyvolk mit Paarungsdrang. Die Betriebsleiterin berichtet von Promis und Normalos. Von „Vollmondnächten“, Diebstählen und Fundsachen. Sie erzählt von sexuellen Übergriffen und ihrer Reaktion darauf. Welche Gäste sie nicht abkann und wer dringend ein Veilchen braucht, damit es eine gelungene Nacht war. Und sie berichtet von ihrer Herzenssache, dem Tierschutz und vom kleinen Dackel Kurt, der alleine vor einem Supermarkt hockte.

  14. Micha Fritz - daueraktiver Mitbegründer von Viva con Agua
    27.07., 11:0601:11:02

    Ohne ADHS wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin Wenn es hart auf hart kommt, steht er um drei Uhr nachts auf oder macht drei Nächte am Stück durch. Anstrengend, aber kein Problem. Schließlich ist „Viva con Agua“ wie ein Kind für Micha, und zwar eines, „dass man ein Leben lang an der Backe hat“. Die Identifikation ist riesig. Nicht nur für ihn. Viele Unterstützer haben sich das Logo des Vereins tätowieren lassen. Auch Micha trägt es mit Stolz – an besonderer Stelle. Und hat es sogar schon selbst einem bekannten Musiker tätowiert. Michael Fritz (42) ist Mitbegründer des Vereins „Viva con Agua“. Einer, dessen Energie unerschöpflich scheint, der auf Social Media Hunderttausende mitnimmt in seine Welt, geprägt von dem unbedingten Wunsch, etwas zu verändern. Und seiner „Superpower“: ADHS. Micha berichtet von Tattoos, Leichen, Superstars und ADHS Micha berichtet, warum er sich das „Viva con Agua“-Logo von einem sehr vermögenden Kumpel an intimer Stelle tätowieren ließ und welchem bekannten Musiker er das Logo auf den Arm tätowierte. Er erzählt, warum er schon als Kind etliche Leichen gesehen hat, welchen Berufswunsch er hatte und wie er zum Gründungsmitglied von „Viva con Agua“ wurde. Er spricht über die Unterstützung von Superstars wie Ed Sheeran, seine Reisen zu den Wasserprojekten, den kleinen Jungen in Ruanda, den er nicht vergessen wird und über seine „Superpower" ADHS.

  15. Ivonne Knappe (57) - White Rabbit
    26.06., 12:3000:59:00

    Vor mehr als 30 Jahren fing alles mit einer Peep-Show an, heute ist sie Club-Chefin Verführerisch rekelten sich die Damen auf einer Drehscheibe. Die Männer drumherum in Kabinen, sie starrten durch kleine Fenster auf nackte Haut. 30 Sekunden für eine Mark. Dann ging die Jalousie wieder runter. Wieder eine Mark. Wieder 30 Sekunden freier Blick. Was für eine Sensation, nackte Frauen außerhalb der eigenen vier Wände. Vor mehr als 30 Jahren standen die Männer für die Peepshows Schlange. Und mittendrin Ivonne Knappe. Eine junge Frau aus Westfalen, die nur durch Zufall auf dem Kiez gelandet war und sich nun als Chefin behaupten musste. Eine Welt, damals fest in Männerhand, der die 57-Jährige bis heute treu geblieben ist. Ivonne berichtet von den Anfängen in der Peepshow „Sexy Land“, als es noch keine anderen Chefinnen im Rotlicht-Milieu gab. Sie erzählt von ihrem Leben in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen und ihrer ganz persönlichen Freiheit, die sie in Hamburg fand. Die Kiezianerin berichtet von dem Tag, als sie in ein Hinterhofbüro zitiert und eingeschüchtert wurde. Von ihrem Rodeo-Bullen, den besonders gerne entblößte Engländer ritten und von ihrem Club „The White Rabbit“ und den aktuellen Problemen auf dem Kiez, der nichts mehr für junge Frauen sei.

  16. Inge Malewitsch (69) - die Frau hinterm Tresen im Gretel & Alfons
    29.05., 12:0001:04:46

    Mit Herz und Backs: Kiez-Wirtin führte 30 Jahre die Beatles-Stammkneipe Alles, bloß nicht Mutti. „Bei Mutti krieg ich Pickel. Das wissen die Gäste“, sagt Inge mit tiefer, donnernder Lache. Dabei wäre der Kosename durchaus passend gewesen. 30 Jahre lang kümmerte sich Inge Malewitsch (69) um die Gäste im „Gretel & Alfons“ an der Großen Freiheit. Sie schenkte aus, hörte zu und teilte auch mal aus, wenn es nötig war. Die gerade mal 1,54 Meter große Frau hatte den legendären Laden im Griff. Einst war er Wohnzimmer der Star-Club-Musiker. Die Stammkneipe der Beatles, in der sie zwischen ihren Auftritten schnell mal ein Bier kippten und in der die Pilzköpfe 20 Jahre lang Schulden hatten. Inge berichtet von den alten Zeiten, als Gretel noch stets Eintopf und Mettbrötchen für die Star-Club-Musiker bereithielt. Die Beatles über der Kneipe wohnten und einmal ihren „Deckel“ nicht bezahlten. Die Schulden beglich erst Jahrzehnte später einer der Pilzköpfe. Die Wirtin erzählt von der Zeit, als ihr Mann verstarb, sie mit drei Kindern alleine da stand und zufällig vom Gast zur Kellnerin im „Gretel & Alfons“ wurde. Sie berichtet von ihrer „automatischen Aufstehhilfe“ und dem ein oder anderen Backs. Von übergriffigen Gästen, wilden Partynächten und der Veränderung auf dem Kiez. Und sie spricht über ihren Ruhestand und ihren großen Wunsch für die Zukunft. „Kiezmenschen“ wird von KultKieztouren.de unterstützt – dem wahrscheinlich bekanntesten Anbieter von Reeperbahn-Führungen. Zusammen erzählen wir die Geschichten der Menschen, die St. Pauli ausmachen, aber in der Öffentlichkeit oft zu kurz kommen. Viele der KultKieztouren-Guides waren als „Kiezmenschen“ selber schon im Podcast zu Gast (u. a. Veuve Noire, Fabian Zahrt, Olli Zeriadtke uvm.). Die ganze Liste unter: www.kult-kieztouren.de/kiezmenschen

  17. Dennis Schmidt - Security-Chef der Olivia Jones-Familie
    16.04., 13:1301:05:35

    Drogen, Inkasso-Aufträge, Schlägereien: Das krasse Leben eines Kiez-Türstehers Hätte er doch mal eine Vorstrafe kassiert. Ein Dämpfer wäre gut gewesen, da ist sich Dennis Schmidt (50) sicher. „Verdient hätte ich es auf jeden Fall.“ Drogen, Inkasso-Aufträge, „Hamburger Zuwendungen“ – der 50-Jährige hat so einiges hinter sich. Seit fast 30 Jahren ist er auf dem Kiez als Türsteher, Bordell-Wirtschafter und heute Security-Chef der Olivia Jones-Familie und Kult Kieztouren-Guide. Ein richtig harter Kerl, mag man meinen. Aber da sind ja auch noch die Kirchenfreizeiten, die Arbeit als ehrenamtlicher Richter und sein Job als Betriebsratsvorsitzender der Hamburger Wasserwerke. Dennis berichtet von Spaß an der Tür, aber auch von penetranten und aggressiven Gästen. Er spricht von „Hamburger Zuwendungen“, die er früher häufiger mal verteilt hat, von brenzligen Situationen und dem einen Mal, als er sich nicht unter Kontrolle hatte. Der Security-Chef erzählt von Attacken, Drogeneskapaden, höchst fragwürdigen Inkasso-Aufträgen mit Zuhälter Thomas „Karate-Tommy“ Born und seinem Job im Bordell. Aber er berichtet auch von seinem sozialen Engagement, was die Wende in seinem Leben brachte und seinem Job als Betriebsratsvorsitzender.

  18. „Star-Club"-Groupie Carmen Doose (75)
    20.03., 12:3000:58:50

    Seit 60 Jahren auf dem Kiez auf Männerjagt auf dem Kiez. Morgens um zehn in der „Ritze“. Am Stammtisch hinten links sitzt eine kleine Frau mit langen blondierten Haaren unter einem stylischen Strick-Beanie. Rote Lederhose, schwarze Lederjacke, Stiefel in Leopardenoptik. „Geilo-scheilo Bootis, oder? Ich bin nicht so der Faltenrocktyp“, sagt Carmen schmunzelnd. Müde ist sie. Die Nacht war kurz. Mal wieder. Den Abend zuvor war die Frau bei einer Geburtstagsparty. Einen draufmachen – das kann sie noch immer gut mit ihren, wie sie selber sagt, „knackigen 75“. Seit mehr als 60 Jahren ist Carmen Doose auf dem Kiez unterwegs. Schon im zarten Alter von 14 Jahren ging sie im legendären „Star-Club“ auf „Männerjagd“ und verdrehte so manch bekanntem Musiker den Kopf. Die flippige Frau berichtet von den „Leckerchen“ im „Star Club“. Wie sie auf „Männerjagd“ ging und es trotz ihres zarten Alters von 14 Jahren schaffte, nicht ein einziges Mal rauszufliegen. Mit großen Gesten und ständig in Bewegung spricht sie von den Stars, die sie in dem legendären Musikclub erlebte und vom Aus des Ladens. Wie es danach für sie an der Seite ihres Verlobten weiterging – seinem Vater gehörte St. Paulis ältestes Bordell. Carmen berichtet, wie sie einmal eine Prostituierte zusammenschlug und was das für Folgen hatte. Sie erzählt von ihrem luxuriösen Leben an der Seite verschiedener Männer, dem Moment, als ihr Mann in den Knast wanderte, von einer Nacht mit „Depeche Mode“ und dem großen Bruch. Und sie spricht über ihr nach wie vor buntes Leben auf dem Kiez.

  19. Ronny Petzet - von Chez Ronny
    27.02., 12:3001:44:24

    Von der Nationalen Volksarmee, zum Betreiber eines Männer-Puffs und nun Kultgastgeber Ronny liebt das „puffige“. Ein Hauch Rotlicht-Flair, ein bisschen Glitzer, schwere Möbel, goldene Rahmen, die ein oder andere Skulptur. Und dazu ein aufwendiges Lichtkonzept. „Alles, was man sieht, was mich umgibt, reflektiert mein Inneres“, sagt der Mann, der sich selber als Paradiesvogel bezeichnet. Vor 36 Jahren über die Prager Botschaft in den Westen geflüchtet, machte er sich auf die Suche nach der Freiheit. An der Seite eines Millionärs. In einer Schwulenbar. Und als „singender Kellner“. Seine Freiheit fand er schließlich auf dem Kiez. Anfangs als Betreiber eines Männer-Puffs, betreibt Ronny Petzet (58) heute die Pension „Chez Ronny“ an der Reeperbahn und die Cocktailbar „Chez Ronnys Lounge“ an der Silbersackstraße. Von der Volksarmee zum Betreiber eines Männer-Puffs Der Paradiesvogel berichtet von seiner Arbeit bei der Nationalen Volksarmee, dem Moment, als er spontan entschied, in den Westen abzuhauen. Wie er die historische Balkonrede von Genscher und seine Einreise mit Bananen und Haribo im Westen erlebte. Er erzählt von seinem Job in einer Schwulenbar, dem Leben an der Seite eines alternden Millionärs und seinem Weg auf den Kiez als Inhaber eines Männer-Puffs. Und Ronny berichtet, was man so alles erlebt, als Betreiber einer Bar und einer Pension mitten an der Reeperbahn.

  20. Domina Aurora Nia Noxx (nicht jugendfrei. Frei ab 18)
    30.01., 12:3001:11:44

    Es bringt mir Spaß, anderen Schmerzen zuzufügen Ach herrje. Wie konnte das nur passieren? Aurora Nia Noxx hat ihren BH vergessen. „Und die Nippelpads auch“, sagt die Frau mit den Katzenaugen verführerisch lächelnd und zieht die perfekt geschwungenen Augenbrauen empor. In ihrem transparenten Spitzen-Kleid mit knappem Jäckchen darüber nimmt sie auf einem Barhocker Platz. Früher arbeitete die studierte Marketing-Managerin bei einer Krankenkasse, heute ist sie eine der bekanntesten Dominas Deutschlands. Beim Live-Podcast im „KultKieztürchen“ an der Friedrichstraße gab sie den Gästen tiefe Einblicke in eine Welt voller Demütigungen, Schmerzen und Lust – faszinierend und schockierend zugleich. An ihrer Seite: Einer ihrer Sklaven. Domina berichtet von krassen Wünschen, Fetischen und Tabus Aurora berichtet davon, wie sie von der Marketing-Managerin zur Domina wurde. Wie Familie und Freunde reagierten. Sie berichtet detailliert von den krassen Wünschen ihrer Sklaven. Von Fetischen, Tabus und „Behandlungen“, die sogar sie ekeln. Sie erzählt von Kunden, die sich in sie verliebten. Und dieses eine Mail, als auch sie Gefühle entwickelte. Und sie spricht über ihren Job auf St. Pauli – als „KultKieztouren“-Guide. Die Redaktion empfiehlt: Dieser Podcast ist für Hörer unter 18 Jahren nicht geeignet!

Von Rotlicht bis Blaulicht, von Glamour bis Gosse – jede Woche trifft die MOPO Menschen, die den Hamburger Kiez prägen. Sie nehmen uns mit in ihre Welt, plaudern offen über Persönliches und legendäre Geschichten. Diese Menschen sind es, die den weltweiten Ruf von St. Pauli ausmachen. Herzlich, persönlich, nah dran. Der Podcast erscheint begleitend zur Serie „Kiezmenschen“ in der Wochenendausgabe der Hamburger Morgenpost.