Einfach natürlich Gärtnern

Maden im Apfel? Schade, Made!

17.09., 04:0000:17:25
Beschreibung der Episode
Die eigene Ernte wird von Apfelmaden gegessen? Das muss nicht sein!

Maden im Apfel – was nun?

Der Podcast für Garten-Nerds und Pflanzenfreunde und alle, die es noch werden wollen.

Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter www.neudorff.com

Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an sabine.klingelhoefer@neudorff.com

Es geht um etwas, das in meinen Äpfeln wohnt – eine Made! Nicht so lecker. Wer ist das – und wie geht das wieder weg??

  • Der Apfelwickler oder die Obstmade, ist einer der wichtigsten Schädlinge an Obstgehölzen
  • Das erwachsene Tier ist ein unscheinbarer braun-grauer Falter von ca 2 cm, mit hellen Streifen
  • Vor allem in der Dämmerung unter 20 °C aktiv
  • Die Falter selbst machen keinen Schaden – aber ihre Babys, die Raupen, die sich in die Früchte bohren

Haben die gar keine natürlichen Feinde, die sie dezimieren?

  • Doch, klar. Z.B. Hühner. Sie picken die Raupen aus Rinde und befallenen Früchten
  • Auch andere Vögel sind scharf auf die Raupen, und die Falter dienen Fledermäusen als Speise
  • Außerdem werden sie von Schlupfwespen, Ohrwürmern und auch Wanzen dezimiert. Leider nicht genug.
  • Kleiner Tipp noch: Befallene Äpfel täglich absammeln, oder schon vom Baum pflücken, wenn ihr Bohrlöcher erkennt.
  • Und nicht kompostieren – die Biotonne ist der richtige Ort für sie!

Sind die befallenen Äpfel dann eigentlich ungenießbar?

  • Na ja. Viele fallen vor der Reife einfach runter
  • Oft wird auch das Loch in der Schale von Pilzkrankheiten benutzt, wie der Fruchtfäule
  • Wenn der Apfel reif wird und sonst gesund, kannst du natürlich den befallenen Bereich wegschneiden und z.B. noch Apfelmus draus machen
  • Blöd ist halt, dass sie nicht mehr lagerfähig sind.

Wie funktioniert das mit den Raupen? Leben die die ganze Zeit im Apfel?

  • Wir können uns gern mal mit seinem Leben beschäftigen
  • So Mitte Mai schlüpfen die ersten Falter. Kurz danach legen die befruchteten Weibchen ihre Eier, 20-80 Stück, einzeln an Blättern und jungen Früchten ab
  • Nach 2 Wochen schlüpfen die winzigen Räupchen und bohren sich ins Innere des Apfels. Sie können bis 20 mm lang werden und sind cremefarben bis rosa
  • Sie ernähren sich von der Schale und auch vom Fruchtfleisch und sogar von Kernen
  • Der Kot wird z.T. durchs Bohrloch geschoben, bleibt aber teilweise auch in den Gängen – nicht so schön

Bleiben die Raupen die ganze Zeit im Apfel?

  • Nach drei bis vier Wochen verlassen die ausgewachsenen Raupen den Apfel, fallen teilweise auch mit dem Apfel runter
  • Sie suchen sich einen geschützten Ort, meist unter der Rinde des Stammes oder dicker Äste – da ist sie besonders borkig.
  • Sie verpuppen sich in einem Kokon, ein Teil schlüpft etwa Mitte Mai als neue Falter. Sie können eine zweite Raupen-Generation hervor bringen – damit sie zweimal Schaden anrichten können
  • Die restlichen Larven bleiben bis zum Frühjahr unter der Rinde

Geht der eigentlich nur an Äpfel?

  • Leider nein. Äpfel sind seine Leibspeise, aber er geht auch an Birnen, Quitten und – selten – an Pflaumen, Aprikosen und Kirschen

Kann ich die Falter nicht irgendwie wegfangen?

  • Doch, das geht. Wir haben solche Pheromon-Fallen, die Neudomon ApfelmadenFallen
  • Die locken die männlichen Falter mit Hilfe von einem Sexuallockstoff in die Falle.
  • Dann weißt du schon mal, dass sie da sind. Einen Befall reduzieren kannst du damit, aber es ist keine wirkliche Bekämpfungsmaßnahme.
  • Du könntest die Raupen wegfangen. Und zwar im Juni. Dann legst du einen Wellpappe-Streifen um den Stamm, mit der glatten Seite nach außen und der welligen nach innen.
  • Da kriechen die Raupen auf der Suche nach einem Überwinterungsquartier rein und du kannst sie absammeln
  • Wir hatten sogar mal ein Produkt dafür – haben nur leider zu wenige gekauft
  • Die bekannten Leimringe funktionieren hier übrigens nicht, die wirken nur gegen Frostspanner

Also kannst du gar nichts empfehlen??

  • Doch – sonst würden wir ja nicht hier sitzen
  • Und zwar gibt es die nützlichen SF-Nematoden, die du einsetzen kannst
  • Das sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die in die Kokons mit den überwinternden Raupen eindringen und sie abtöten

Kann ich die einfach so im Laden kaufen?

  • Direkt nicht. Du kaufst da eine Bestell-Karte für die Nematoden und lässt sie dir schicken
  • Auch wenn sie winzig sind, würden sie die wochenlange Lagerung im Geschäft nicht überstehen.
  • Du kriegst sie also ganz frisch per Post geschickt, sie passen in jeden Briefkasten

Ach ja – und wie kriege ich sie dahin, wo sie hinsollen??

  • Die werden gespritzt
  • Was du bekommst, ist ein Beutel mit 5 Mio. SF-Nematoden, und ein Beutel mit Netzmittel
  • Das Netzmittel dient dazu, die Nematoden möglichst lange an Ort und Stelle zu halten – sonst würden sie den Stamm runterfließen und die Aktion wäre umsonst
  • Falls der Baum trocken ist, erstmal Stamm und Äste mit Wasser einsprühen
  • Dann Nematoden und Netzmittel in Wasser einrühren, gibst es in eine Gartenspritze, und sprühst damit sehr intensiv und tropfnass den Stamm und die dicken Äste ein
  • Zwischendurch umrühren, damit sich die Nematoden nicht absetzen
  • Die SF- Nematoden töten die Apfelwickler-Raupen ab – und die nächste Ernte gehört dir

Hört sich gut an. Wann mache ich das denn am besten?

  • Am allerbesten im Herbst, Ende September. Es geht aber bis Ende März, bevor die Falter schlüpfen
  • Es sollte halt mindestens 8 °C haben, optimal 12 – 28 °C – das kann im Frühjahr kritisch werden.
  • Wichtig: am späten Nachmittag, abends oder bei Regen spritzen, damit die Stämme und Äste lange feucht bleiben.

3 Tipps

  • Erstmal genau gucken, ob es der Apfelwickler ist – also Bohrloch finden
  • Behandlung gegen Abend durchführen
  • Den Stamm und die dicken Äste richtig intensiv einsprühen