Einfach natürlich Gärtnern

Gründüngung - Bodenkur im Spätsommer

07.08., 14:5100:17:23
Beschreibung der Episode
So wird der Boden bis zum Frühjahr locker und humusreich.

Gründüngung im Spätsommer/Herbst

Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter www.neudorff.com

Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an sabine.klingelhoefer@neudorff.com

Der Spätsommer steht vor der Tür. Zeit für eine Ruhepause im Gemüsegarten oder Zeit für ein Projekt?

  • Natürlich für ein Projekt!
  • Spätsommer = bester Zeitpunkt für Boden-Wellness.

Warum sollte ich mich ausgerechnet jetzt um den Boden kümmern?

  • Meisten Gemüsebeete sind abgeerntet. Viele denken: Gartenjahr endet langsam.
  • Tatsächlich jetzt ein idealer Zeitpunkt für Bodenpflege.

Warum das?

  • Boden noch warm, Samen von Gründüngung keimen schnell.
  • Ohne Gründüngung kann der Herbstregen Nährstoffe auswaschen.
  • Offene Böden verschlämmen außerdem über den Winter leicht.
  • Und die Mikroorganismen sind besser geschützt über den Winter
  • Gründüngung wirkt wie eine schützende Decke fürs Beet.
  • August bis Anfang Oktober = perfekte Zeit für Gründüngung.
  • Achtung bei spätem Start: Ab Mitte Oktober lieber winterharte Arten wie Winterroggen wählen. Abfrierende Pflanzen wachsen dann nicht mehr genug.

Was ist Gründüngung eigentlich?

  • Pflanzen werden nicht zur Ernte angebaut, bleiben nur vorübergehend auf dem Beet.
  • Vorteil: Pflanzendecke schützt vor Erosion und unterdrückt Unkraut; Wurzeln lockern den Boden.
  • Im nächsten Jahr: Mikroorganismen und Regenwürmer werden durch die zusätzliche organische Substanzaktiviert -> fördert Humusbildung.

Wann lohnt sich Gründünung besonders?

  • Eigentlich immer. Aber besonders, wenn du das hier willst:
  • Tiefenlockerung des Bodens, besonders nach dem Bauen.
  • Mehr Humus im Boden, weil aus den im Boden bleibenden Wurzeln Humus wird.
  • Mehr Mikroorganismen, Regenwürmer etc. Denn die brauchen Futter, sonst wandern sie ab.
  • Mehr Bodenorganismen machen den Boden lockerer, denn ihre Ausscheidungen verkleben Bodenteilchen und führen zu stabiler Krümelbildung.
  • Durch Leguminosen wie Lupine und Klee reichert sich Stickstoff im Boden an.
  • Unkraut unterdrücken.

Welche Gründüngungspflanzen eignen sich für Einsteiger?

  • Am einfachsten: Arten, die im Winter von selbst abfrieren.

Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia)

  • Wächst rasant, lila Blüten, Insektenmagnet.
  • Aussaat bis Ende Oktober möglich, optimal aber bis Mitte September – kommt auch auf die Gegend an.
  • Unter 5-8 Grad in der Nacht, stellt Phacelia das Wachstum fast völlig ein.
  • Friert bei Aussaat im Herbst sicher ab, Beet lässt sich im Frühjahr leicht bearbeiten.
  • Fruchtfolge-neutral.

Gelbsenf (Sinapis alba subsp. Alba)

  • Bildet extrem schnell viel Grünmasse, leuchtend gelbe Blüte, gute Bienenweide.

  • Aussaat bis Ende September möglich, wächst auch bei kühlen Temperaturen zügig.

  • Friert sehr leicht und zuverlässig ab, Reste zerfallen zu einer dünnen Schicht.

    Buchweizen (Fagopyrum esculentum)

  • Bedeckt den Boden im Handumdrehen, hält den Boden mit feinen Wurzeln fest, Insektenweide (bei Aussaat bis Mitte August).

  • Aussaat im August nötig, damit er vor dem Frost ausreichend Laub und Wurzeln bildet; sehr frostempfindlich.

Was gibt es sonst noch für den Herbst?

Die Stickstoffsammler (Leguminosen): binden Stickstoff aus der Luft und düngen das Beet für Starkzehrer im nächsten Jahr.

  • Winterwicke: Extrem winterhart, bildet lange Ranken. Lockert den Boden tief auf.
  • Wintererbse: Bringt viel organische Masse, liefert im Mai zusätzlich eine frühe Ernte.
  • Inkarnatklee: Schützt den Boden im Winter, blüht im Frühjahr karmesinrot. Lockert den Boden.
  • Luzerne: Extrem tiefe Pfahlwurzeln, bricht selbst harte Bodenverdichtungen auf. Mehrjährig.

Die Doppelnutzer (Gründüngung & Ernte): kann man im Winter oder Frühjahr sowohl essen als auch als Bodenschutz nutzen.

  • Spinat: Schnellwachsend, schützt vor Erosion. Liefert frisches Grün für die Küche.
  • Feldsalat: Bodenschutz für den Winter, Ernte bis in das Frühjahr möglich.

Die Humus- und Strukturverbesserer:

  • Rauhafer: Sehr robustes Gras, bildet extrem dichte Wurzeln, unterdrückt Unkraut hervorragend. Stirbt bei starkem Frost (unter -5 °C) manchmal ab.
  • Gemeiner Lein (Flachs): Verträgt leichten Frost. Sehr filigranes Wurzelsystem, hinterlässt eine feine Bodenkrümelung.

Wichtiger Unterschied zu Buchweizen, Gelbsenf und Bienenfreund:

  • Überleben i.d.R. den Winter
  • Müssen im Frühjahr (März/April) händisch abgemäht, untergegraben oder eingearbeitet werden, bevor man neues Gemüse pflanzen kann.

Es gibt auch Mischungen. Sind die besser als einzelne Pflanzenarten?

  • Oft ja.
  • Mehr Biodiversität im Beet -> mehr Nahrung für verschiedene Nützlinge.
  • Vielseitige Bodenverbesserung -> Tiefwurzler (Ölrettich, Ackerbohne) lockern den Unterboden. Flachwurzler (Gelbsenf, Phacelia) stabilisieren die Krume.
  • Optimale Nährstoffnutzung: Schmetterlingsblütler/Leguminosen (z.B. Erbsen, Kleearten) sammeln Stickstoff aus der Luft. Kreuzblütler/Brassicaceae (Gelbsenf und Ölrettich) schließen Phosphor auf. (besitzen spezielle Wurzelausscheidungen, die im Boden festsitzenden, blockierten Phosphor lösen und ihn für nachfolgende Gemüsepflanzen verfügbar machen.
  • Höhere Ausfallsicherheit: Wächst eine Art wegen Trockenheit schlecht, füllt eine andere die Lücke.
  • Ganzheitlicher Erosionsschutz: Unterschiedliche Blattformen bedecken den Boden lückenlos.

Schritt für Schritt: Wie wird ausgesät?

  • Pflanzenreste entfernen.
  • Boden mit dem Rechen oberflächlich lockern, nicht umgraben.
  • Saatgut gleichmäßig verteilen, möglichst dicht aussäen.
  • Je dichter der Bewuchs, desto besser der Schutz.
  • Samen leicht einharken (Phacelia ist Dunkelkeimer).
  • Für guten Bodenschluss leicht andrücken und angießen.
  • In Trockenzeiten erstmal feucht halten
  • Danach übernimmt die Natur.

Muss man vorher noch mal düngen?

  • Nein. Pflanzen sollen vorhandene Restnährstoffe aus dem Boden aufnehmen.
  • Ziel: vorhandene Nährstoffe im Boden halten.
  • Zusätzlicher Dünger ist normalerweise unnötig.

Fun Fact: Ölrettich – so stark wie ein Presslufthammer („Bio-Drilling“)

  • Wurzel von Ölrettich knackt selbst Beton-ähnliche Bodenverdichtungen.
  • Bildet kräftige Pfahlwurzeln 150 Zentimeter tief.
  • Hat sich die Wurzel erst mal platziert, dehnt sie ihren Durchmesser aus und sprengt den Boden
  • Nach dem Absterben bleiben kleine Luft- und Wasserkanäle im Boden zurück.
  • In die können die Gemüsewurzeln im nächsten Frühjahr gut wachsen.

Was passiert im Winter?

Abfrierende Arten (z.B. Phacelia, Gelbsenf):

  • Pflanzen sterben bei Frost ab.
  • Laub und Stängel bleiben als schützende Mulchschicht liegen.
  • Schützen den Boden vor Regen und Erosion.
  • Zerfallen über den Winter immer mehr, im Frühjahr ist kaum noch was übrig

Winterharten Arten (z.B. Luzerne, Winterwicke):

  • Wachsen langsam weiter.
  • Müssen im Frühjahr entfernt oder eingearbeitet werden.

Warum abfrierende Arten für Anfänger praktisch sind:

  • Bei später Aussaat keine Samenbildung und keine Gefahr der unkontrollierten Aussaat.
  • (Bei früher Aussaat vor der Samenbildung unbedingt runterschneiden).
  • Weniger Arbeit im Frühjahr.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Gleiche Familie:

  • Senf und Ölrettich gehören zu den Kreuzblütlern.
  • Kohl, Radieschen und Rucola ebenfalls.
  • Nicht direkt hintereinander anbauen.
  • Gefahr gemeinsamer Krankheiten wie Kohlhernie.
  • Alternative: Phacelia – ist neutral und passt fast immer.

Zu spät aussäen:

  • Ab November lohnt sich die Aussaat oft nicht mehr, Gründüngung wächst dann zu langsam.

Wintergemüse geplant?

  • Wer bald noch Wintergemüse pflanzen will, sollte auf Gründüngung verzichten.

Was passiert im Frühjahr mit den Resten?

  • Zwei bis vier Wochen vor neuer Aussaat Pflanzenreste oberflächlich einarbeiten. Nicht tief umgraben.
  • Bodenleben möglichst wenig stören.
  • Mikroorganismen zersetzen Pflanzenmaterial. Daraus entsteht neuer Humus.

Was ist am Ende der Gewinn?

  • Lockerer, krümeliger Boden.
  • Mehr Humus.
  • Mehr Regenwürmer und andere Organismen, die den Boden fruchtbarer machen
  • Mehr gespeicherte Nährstoffe.
  • Weniger Düngebedarf im Frühjahr.
  • Weniger Arbeit beim Start in die nächste Gartensaison durch perfekt vorbereiteten Boden.

3 Tipps

  • Gründüngung wann immer möglich aussäen – der Boden sagt Danke.
  • Abfrierende Arten nutzen und den Frost für sich arbeiten lassen.
  • Im Frühjahr die Biomasse nur oberflächlich flach einarbeiten, Wurzeln im Boden belassen.