Podcast

Das Klima

Florian Freistetter, Claudia Frick

News · Science

182 Episoden · neueste 12.10.

Episoden

182
  1. DK161 - Hoffnung, Angst und Aggression in der Klimakrise
    05.01., 07:0000:49:59

    Mit Podcasts aus der Klimapsychologie DK161 - Hoffnung und Angst in der Klimakrise Mit Podcasts aus der Klimapsychologie "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. Zu Jahresbeginn gibt es ein Special: Ihr hört eine Folge des Podcasts “Klimagefühle”, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der LMU München entstanden ist. Franzi, Greta und Lea erzählen von der Hoffnung. Und danach gibt es 2 Folgen von “Mind the Planet”; ebenfalls ein Podcast aus der Lehrveranstaltung in München. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klimagefühle: Hoffnung Der Podcast “Klimagefühle” ist im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Mitho Müller (bekannt aus Episode DK134 und Florian Freistetter an der LMU München entstanden. Die Teilnehmer:innen sollten Themen aus der Klimapsychologie in Form einer Podcastfolge ausarbeiten. Das Resultat einer Gruppe könnt ihr in dieser Spezialfolge hören. Das Intro/Outro von “Klimagefühle” ist “Good Vibe Background Music by SethMakesSounds”, Creative Commons 0 Mind the Planet Leon und Dorothee haben im Rahmne der Lehrveranstaltung den Podcast “Mind the Planet” konzipiert, aus dem ihr hier 2 Episoden hören könnt: Über Climate Anxiety und den Zusammenhang zwischen Hitze und Aggression. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  2. DK160 - Der Klimawandel auf der Weihnachtsinsel
    22.12., 07:0000:22:59

    Krabben, Kekse und das Klima Der Klimawandel auf der Weihnachtsinsel Krabben, Kekse und das Klima "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In dieser speziellen Folge für den WissPod-Adventskalender geht es um den Klimawandel auf der Weihnachtsinsel. Die ist zwar klein, aber dafür wird sie von sehr, sehr vielen Krabben bewohnt. Die führen ein sehr spezielles Leben und das könnte durch die Klimakrise beeinflusst werden. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Weihnachtsinselkrabben und Klimakrise Über die klassischen Weihnachtsthemen haben wir schon in der Folge DK101 gesprochen. Heute geht es deswegen zur Weihnachtsinsel. Die Weihnachtsinsel liegt im Indischen Ozean, etwa zwischen Australien und Java. Sie ist nur rund 135 Quadratkilometer groß und gehört zu Australien. Die “Hauptstadt” heißt Flying Fish Cove – die Bucht der fliegenden Fische. Rund 1700 Menschen leben dort, fast alle in der Hauptstadt. Ihren Namen verdankt die Insel übrigens der britischen Ostindien-Kompanie, die am 25. Dezember 1643 an ihr vorbeisegelte. Der Entdecker und Pirat William Dampier landete dort 1688 – und rund 200 Jahre später fand man Phosphat, woraufhin die Insel 1888 von England annektiert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Japan besetzt, danach wieder an Großbritannien übergeben und schließlich 1958 Teil Australiens. Bekannt ist die Insel heute nicht nur als früheres Quarantänezentrum, sondern vor allem für ihre berühmtesten Bewohnerinnen: die Weihnachtsinsel-Krabben (Gecarcoidea natalis). Diese leuchtend roten Landkrabben leben ausschließlich auf der Weihnachtsinsel und den Kokosinseln – und das in beeindruckender Zahl: 2022 waren es rund 190 Millionen Tiere! Jede einzelne etwa 12 Zentimeter groß, in knalligem Rot, Orange oder Purpur. Sie ernähren sich vom Laub des Regenwalds – denn Regenwürmer gibt’s dort nicht – und fressen gelegentlich auch tote Vögel, Schnecken oder sogar andere Krabben. Im November, zu Beginn der Regenzeit, beginnt eines der spektakulärsten Naturereignisse der Welt: die Massenwanderung der Weihnachtsinsel-Krabben. Millionen von ihnen machen sich gleichzeitig vom Wald auf den Weg zur Küste, um ihre Eier im Meer abzulegen. Wie sie sich orientieren, ist bis heute nicht ganz klar – ihre Wanderung hängt jedenfalls auch von den Mondphasen ab. Wie so eine Wanderung aussieht, kann man in diesem Video sehen. Jedes Weibchen legt rund 100.000 Eier, die im Meer freigesetzt werden. Nach dem Schlüpfen wandern die winzigen Babykrabben vom Ozean zurück in die Wälder. Die Krabben sind eine Schlüsselart auf der Insel. Sie halten den Regenwald gesund, indem sie Laub zersetzen und Nährstoffe im Boden recyceln. Natürliche Feinde haben sie kaum – nur eine eingeschleppte Ameise macht ihnen zu schaffen. Für die Menschen auf der Insel ist die Krabbenwanderung allerdings Fluch und Segen zugleich: Sie ist ein unglaubliches Naturschauspiel – aber auch ein logistischer Albtraum. Die Tiere krabbeln über Straßen, Autos und alles, was im Weg steht. Doch wie wirkt sich der Klimawandel auf dieses empfindliche Ökosystem aus? Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 hat sich die Auswirkungen veränderter Salzgehalte im Küstenwasser auf die Entwicklung der Krabbenembryonen angesehen. Denn stärkere Regenfälle im Monsun könnten das Meerwasser verdünnen. Also testeten Forschende, wie sich unterschiedliche Salzgehalte auf die Entwicklung im Ei auswirken – gemessen wurden unter anderem Herzschlag, Schlüpfzeitpunkt und Bewegungen der Larven. Das Ergebnis: überraschend positiv. Der Salzgehalt hatte keinen Einfluss auf die Entwicklung der Krabbenlarven. Ein kleines Happy End also – zumindest fürs Erste. Aber: Die Studie lief nur über 24 Stunden, und nur ein Faktor – der Salzgehalt – wurde getestet. Andere Stressfaktoren wie Temperatur, Sauerstoffgehalt oder pH-Wert sind noch nicht untersucht. Schon frühere Studien, etwa aus dem Jahr 2013, zeigen, dass die Krabbenwanderung stark von Niederschlagsmustern und damit vom El-Niño-Phänomen abhängt. Wenn sich diese klimatischen Zyklen verschieben, kann das auch den Zeitpunkt der Fortpflanzung durcheinanderbringen – mit möglicherweise drastischen Folgen für die Art. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Unterstützung Man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  3. DK159 - Hinter den Eisbergen (kommt der Meeresspiegelanstieg)
    08.12., 07:0000:34:17

    Und: Wie schmilzt die Antarktis eigentlich genau? DK159 - Hinter den Eisbergen (kommt der Meeresspiegelanstieg) Und: Wie schmilzt die Antarktis eigentlich genau? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 159 geht es um Eis. Und zwar das Eis der Antarktis, das schmilzt. Soweit ist alles klar, aber neue Forschung hat jetzt gezeigt, wie das Abschmelzen genau funktioniert und was das für die Entstehung von Eisbergen und den Anstieg des Meeresspiegels bedeutet. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Eis der Antarktis Wir sprechen in dieser Episode über ein neues Forschungspapier zu antarktischem Schelfeis (“Damage development on Antarctic ice shelves sensitive to climate warming”). Und wir erklären, weshalb diese riesigen, schwimmenden Eisplatten für den zukünftigen Meeresspiegelanstieg so entscheidend sind. Es geht um den grundlegenden Unterschied zwischen dem antarktischen Eisschild und dem Schelfeis: Während der Eisschild fest auf dem Kontinent aufliegt, schwimmt das Schelfeis bereits auf dem Meer, ist aber noch mit dem Eisschild verbunden. Diese Verbindung wirkt wie ein Stützpfeiler, der den Abfluss der Gletscher verlangsamt. Sobald Schelfeis geschwächt wird und Kalben einsetzt, fällt dieser Stützeffekt weg. Dadurch beschleunigt sich der Fluss des Eises nach außen, was wiederum den Meeresspiegel stärker ansteigen lässt. Die neue Studie hat erstmals mit umfangreichen Beobachtungsdaten und modernen Bildauswertungsmethoden quantifiziert, wie sich Schäden im Schelfeis entwickeln und welche Rolle sie für zukünftige Veränderungen spielen. Mithilfe von hochauflösenden Satellitendaten und Machine-Learning-Verfahren wurden Risse, Spannungslinien, Eisflüsse und die Dicke des Schelfeises über zwei Jahrzehnte hinweg erfasst. Diese Daten erlauben, die Mechanismen hinter dem Fortschreiten der Schäden viel besser zu verstehen. Die Analyse zeigt, dass geschädigtes Schelfeis mit höherer Wahrscheinlichkeit kalbt. Bricht es ab, fließt der Gletscher dahinter deutlich schneller nach, wodurch wiederum neues Schelfeis entsteht, das ebenfalls schneller geschädigt wird. Diese Rückkopplungsschleife beschleunigt sich mit steigenden Temperaturen. Im globalen Überblick ergibt sich ein heterogenes Bild: Manche Regionen verlieren Schelfeisfläche, in anderen wächst sie, allerdings meist mit zunehmender Schädigung. Insgesamt ist die geschädigte Fläche seit den späten 1990er-Jahren zurückgegangen, weil auch die Gesamtfläche des Schelfeises kleiner geworden ist. Wie schaut es in Zukunft aus, bis zum Jahr 2100? Unter dem optimistischen Emissionsszenario (RCP 2.6) bleiben Veränderungen moderat. Unter dem Hoch-Emissionsszenario (RCP 8.5) jedoch zeigen viele Schelfeisregionen drastisch zunehmende Schäden. Besonders stark betroffen ist die Ross Sea, deren riesige Schelfeisflächen im Modell nahezu durchgehend stark geschwächt erscheinen. Die Folge ist ein deutlich beschleunigter Eisabfluss vom antarktischen Kontinent, der den Meeresspiegel stärker steigen lässt, als es allein durch die Schmelze von Eisbergen erklärbar wäre. Auch wenn die Studie selbst keine konkrete Zahl zum zusätzlichen Meeresspiegelanstieg liefert, wird klar, dass dieser Mechanismus künftig in Klimamodellen stärker berücksichtigt werden muss. Die Forschung zeigt, dass die Dynamik des antarktischen Eises weitaus sensibler reagiert als lange angenommen. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  4. DK158 - Retten wir Wein und Schokolade mit Geoengineering?
    24.11., 07:0000:38:19

    Und: Warum die deutsche Weinwirtschaft schwere Zeiten haben wird DK158 - Retten wir Wein und Schokolade mit Geoengineering? Und: Warum die deutsche Weinwirtschaft schwere Zeiten haben wird "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 158 geht es um Wein, Kaffee und Schokolade. Denn diese Luxusgüter werden, wie alles andere, durch die Klimakrise Probleme kriegen. Ob wir das mit Geoengineering in den Griff kriegen können, hat sich eine aktuelle Studie angesehen. Spoiler: Eher nicht und für den deutschen Wein wäre das alles andere als gut. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Die Zukunft von Wein und Schokolade Wir starten diese Folge am Weihnachtsmarkt, aber es fehlen nicht nur Schnee und winterliche Stimmung – in Zukunft könnten auch Glühwein, Schokolade und Kakao knapp werden. Aber vielleicht können wir das mit Geoengineering lösen! Es gibt eine aktuelle Studie mit dem Titel “Macroclimate Growing Conditions for Luxury Crops after Stratospheric Aerosol Injection”, in der untersucht wird, wie sich die Ausbringung von Schwefeldioxid in die Stratosphäre – die sogenannte Stratospheric Aerosol Injection (SAI) – auf die globalen Temperaturverläufe und insbesondere auf landwirtschaftliche Bedingungen auswirken könnte. SAI soll die Sonneneinstrahlung reduzieren, ähnlich wie es natürliche Vulkanausbrüche tun. Im Modell der Studie wird von 2035 bis 2069 jährlich Schwefeldioxid an vier Punkten nahe und etwas entfernt vom Äquator ausgebracht, sodass sich die globale Temperatur auf 1,5 Grad oder sogar 1 Grad Erwärmung stabilisieren soll. Die Modelle basieren auf dem sozioökonomischen Pfad SSP2-4.5, der moderate Klimaschutzmaßnahmen annimmt. Während die globale Temperatur in den Simulationen tatsächlich sinkt, verändern sich regionale Klimamuster stark. Genau diese regionalen Verschiebungen sind für den Anbau der drei untersuchten Luxusfrüchte entscheidend. Ausgangspunkt der Analyse sind agrarmeteorologische Indizes, die etwa Temperaturgrenzen, Kältestunden, Feuchtigkeit, Schädlinge oder Niederschlagsmengen abbilden. Ein Jahr gilt in der Studie dann als ungeeignet für die jeweilige Pflanze, wenn einer der relevanten Grenzwerte überschritten oder unterschritten wird. Die Forschenden verbinden diese Klimaprojektionen anschließend mit historischen Exportdaten aus 18 wichtigen Anbauländern, um mögliche wirtschaftliche Effekte abzuschätzen. Die Ergebnisse zeigen ein komplexes und regional stark variierendes Bild. Während die für den Weinanbau geeigneten Flächen global betrachtet leicht zurückgehen, profitieren einige Regionen vom Geoengineering überraschend deutlich. Spanien zählt im Modell zu den Gewinnern: In rund 80 Prozent der Simulationen verbessern sich die Bedingungen für den Weinanbau. Deutschland hingegen hat fast ausschließlich negative wirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten und verliert deutlich an geeigneten Anbauflächen. Auch Kalifornien und Australien profitieren, während Chile beim stärkeren Geoengineering einen massiven Einbruch seiner Exportmöglichkeiten erleidet. Beim Kaffee ist die Lage noch unübersichtlicher. Besonders Brasilien, Uganda und Vietnam verlieren in beiden Geoengineering-Szenarien deutlich an Eignung. Nur Kolumbien und Indonesien profitieren in der Tendenz, wobei die Spannweite der Simulationsergebnisse groß bleibt. Der Kakaoanbau reagiert ebenfalls sehr unterschiedlich. Während die globalen Eignungsflächen leicht zunehmen, verschieben sich die Anbauzonen. Kamerun profitiert klar, während die Hauptproduzenten Côte d’Ivoire und Ghana stark verlieren. In der fernen Zukunft (2056–2065) verstärken sich viele dieser Trends. Ecuador etwa verliert wieder, nachdem es in der nahen Zukunft noch profitiert hatte, und Kamerun bleibt zwar im Plus, doch der positive Effekt fällt geringer aus. Auch beim Kaffee verschärfen sich negative Trends – Vietnam hat in der späten Projektionsperiode nahezu keine geeigneten Jahre mehr. Die Studie betont, dass Geoengineering zwar die globale Temperatur senken könnte, aber keineswegs verlässlich positive Effekte auf den Anbau von Wein, Kaffee oder Kakao mit sich bringt. Diese Kulturen reagieren empfindlich auf Niederschläge, Feuchtigkeit und jahreszeitliche Temperaturverläufe – Faktoren, die sich durch SAI regional stark und teils unvorhersehbar verändern. Besonders der Niederschlag lässt sich nicht so leicht ausgleichen wie Hitze; während Trockenheit oft mit Bewässerung begegnet werden kann, sind Starkregenereignisse oder Überschwemmungen kaum kontrollierbar. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Studie kommen zu dem Fazit, dass SAI wegen der hohen regionalen Variabilität keine zuverlässige Maßnahme ist, um den Anbau dieser Luxusfrüchte zu sichern. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  5. DK157 - Was glaubt die Welt über das Klima?
    10.11., 07:0000:35:50

    Und: Warum glaubt man in Österreich was anderes als in Deutschland? DK157 - Was glaubt die Welt über das Klima? Und: Warum glaubt man in Österreich was anderes als in Deutschland? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 157 geht es um Glauben. Wir beschäftigen uns mit Klimaglaubenssätzen. Was glauben wir über das Klima, wie hängen unsere Glaubenssätze zusammen und was bedeutet das für die Bewältigung der Klimakrise? Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Was sind Klimaglaubenssätze? Claudia erklärt, dass Klimaglaubenssätze Aussagen sind, an die Menschen glauben oder denen sie vertrauen – etwa die Überzeugung, dass die Klimakrise real ist oder dass sie vom Menschen verursacht wird. Dabei geht es nicht um religiösen Glauben, sondern um Vertrauen in Quellen, Wissenschaft und Information. Diese Überzeugungen bilden zusammen Netzwerke, die das Verhalten und die Einstellung der Menschen gegenüber der Klimakrise prägen. Ob jemand handelt, protestiert oder politische Maßnahmen unterstützt, hängt stark von diesen Glaubenssätzen ab. Erforscht wurde das Thema in der aktuellen Arbeit “Variations in Climate Change Belief Systems Across 110 Geographic Areas”. Die Studie untersucht, wie Klimaglaubenssätze in 110 Regionen der Welt miteinander verknüpft sind. Sie beschreibt diese als Netzwerke aus acht zentralen Überzeugungen, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten. Zu den abgefragten Klimaglaubenssätzen gehören unter anderem: Glaube an die Existenz des Klimawandels Glaube an den menschlichen Einfluss auf die Klimakrise Besorgnis über die Klimakrise Wahrgenommene Bedrohung für sich selbst und für künftige Generationen Meinung über die Nutzung fossiler Brennstoffe und erneuerbarer Energien Einschätzung, wie hoch die Priorität des Klimawandels für Regierungen sein sollte Ein Netzwerk der Überzeugungen Die Forscherinnen und Forscher betrachten diese Glaubenssätze als miteinander verknüpfte Knotenpunkte in einem Netzwerk. Zwischen diesen Punkten bestehen Verbindungen – starke, wenn Überzeugungen häufig gemeinsam auftreten, und schwache oder widersprüchliche, wenn sie sich gegenseitig ausschließen. Besonders interessant sind dabei sogenannte „Inkonsistenzen“: etwa, wenn jemand mehr erneuerbare Energien befürwortet, aber gleichzeitig nicht weniger fossile Brennstoffe nutzen möchte. Für die Studie wurden 99.000 Teilnehmende aus 110 Ländern befragt. Die Datenerhebung erfolgte 2022 über Facebook, was zwar eine gewisse Verzerrung durch die Plattformnutzung bedeutet, aber eine große Stichprobe ermöglichte. Die Länder wurden zehn Weltregionen zugeordnet, darunter Asien, Europa, Nordamerika und der Mittlere Osten. Als repräsentative Beispiele dienten: USA für Nordamerika Australien für Ozeanien Deutschland für Europa Guatemala für Zentralamerika Haiti für die Karibik Brasilien für Südamerika Nigeria für Subsahara-Afrika Indien für Asien Saudi-Arabien für den Mittleren Osten und Nordafrika Dichte und Inkonsistenz Die Studie unterscheidet zwei zentrale Eigenschaften der Glaubensnetzwerke: “Dichte” beschreibt, wie stark die Überzeugungen miteinander verknüpft sind, und “Inkonsistenz”, wie stark sie sich gegenseitig widersprechen. Europa, Nordamerika und Australien weisen besonders dichte Netzwerke auf – die Überzeugungen hängen eng zusammen. In Ländern wie Brasilien oder Saudi-Arabien hingegen finden sich mehr widersprüchliche Verbindungen, etwa die gleichzeitige Zustimmung zu erneuerbaren Energien und zur fortgesetzten Nutzung fossiler Brennstoffe. Der globale Norden zeigt generell stabilere, also dichtere Glaubensnetzwerke als der globale Süden. Das bedeutet jedoch auch, dass diese Überzeugungen schwerer zu verändern sind – stabile Systeme reagieren weniger auf neue Informationen. Die Forschenden ordnen die Ergebnisse in vier Kategorien ein: stabiler Support, stabiler Widerstand, instabiler Support und instabiler Widerstand. Europa befindet sich großteils im stabilen Bereich, wobei 55 % der Länder stabilen Support und 41 % stabilen Widerstand zeigen. Österreich zählt laut Studie zum stabilen Support, Deutschland hingegen zum stabilen Widerstand. In Asien sind die Netzwerke lockerer und daher instabiler – dort besteht die Möglichkeit, Überzeugungen durch Information zu verändern. Das macht Regionen mit instabiler Unterstützung besonders ansprechbar für positive Kommunikation über die Klimakrise. Inkonsistenzen treten laut Studie vor allem dort auf, wo Länder wirtschaftlich stark von fossilen Energien abhängen. Der häufigste Widerspruch liegt zwischen dem Wunsch nach mehr erneuerbarer Energie und dem gleichzeitigen Festhalten an fossilen Brennstoffen. Auch widersprüchliche Einstellungen zwischen der Reduktion fossiler Energien und der Priorität, die Regierungen dem Klimaschutz einräumen sollten, kommen häufig vor. Einflussfaktoren: Bildung, Information und Wirtschaft Die Autorinnen und Autoren untersuchten auch, welche Faktoren die Glaubensnetzwerke beeinflussen. Je mehr Zugang Menschen zu Informationen über die Klimakrise haben, desto kohärenter werden ihre Überzeugungsnetzwerke. Je stärker ein Land hingegen wirtschaftlich von fossilen Energien abhängig ist, desto mehr Widersprüche treten auf. Das Bildungsniveau spielt ebenfalls eine Rolle: Es beeinflusst, wie dicht und stabil die Netzwerke sind. Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass Informationsräume entscheidend sind: Menschen müssen Zugang zu verständlichen, verlässlichen Klimainformationen haben. Kommunikation sollte gezielt dort ansetzen, wo Überzeugungen schwach verbunden oder widersprüchlich sind. In Regionen mit geringer Dichte können Informationen Brücken schlagen zwischen „es passiert“ und „es ist menschengemacht“. Zudem ist es wichtig, ökonomische Übergänge für Länder zu gestalten, die stark von fossilen Brennstoffen abhängen. Nur so lassen sich soziale und wirtschaftliche Konflikte verringern. Die Studie basiert auf einer Facebook-Umfrage und spiegelt daher nicht alle gesellschaftlichen Gruppen gleichmäßig wider. Auch werden die Ergebnisse auf Länderebene gemittelt, wodurch individuelle Unterschiede und Bildungseffekte verwischt werden können. Trotzdem eröffnet die Untersuchung neue Perspektiven: Sie zeigt, dass gesellschaftliche Überzeugungen über den Klimawandel als Netzwerke verstanden werden können – stabil, widersprüchlich oder veränderlich. Ein dichtes Netzwerk ist dabei weder gut noch schlecht: Es zeigt nur, wie fest Überzeugungen miteinander verbunden sind. Instabile Überzeugungen bieten die Chance, proklimatische Einstellungen zu fördern. Information hilft, Abhängigkeiten zu überwinden und Widersprüche zu verringern. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  6. DK156 - Day Zero: Die Wasserknappheit ist schon da
    27.10., 07:0000:41:10

    Und: Wie verhindern wir die kommende Trockenheit? DK156 - Day Zero: Die Wasserknappheit ist schon da Und: Wie kriegen verhindern wir die kommende Trockenheit? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 156 wird es trocken. Wir reden über die durch die Klimakrise verursachte Wasserknappheit. Eine neue Studie zeigt: Das wird kein Problem, das wir in Zukunft bekommen, sondern ist ein Problem, das wir jetzt schon haben. Das Wasser wird knapp werden, auch bei uns in Europa. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Wasser wird knapp Wir reden über die Studie “The first emergence of unprecedented global water scarcity in the Anthropocene”, die sich mit “Day Zero Droughts” beschäftigt. Der Begriff „Day Zero“ steht, vereinfacht gesagt, für den Tag, an dem kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Er wurde 2018 bekannt, als Kapstadt in Südafrika kurz vor einem solchen Tag stand. Nach drei extrem trockenen Jahren (2015–2018) waren die Reservoirs nahezu leer. Nur durch unerwartete Regenfälle im Winter konnte die Stadt den „Day Zero“ knapp vermeiden. Dieses Beispiel zeigt, wie kritisch die Wasserversorgung werden kann, wenn Dürre und hohe Nachfrage zusammentreffen. Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Dürre und Wasserknappheit: Dürre beschreibt meteorologische Phänomene wie ausbleibenden Niederschlag und sinkende Bodenfeuchtigkeit, während Wasserknappheit zusätzlich technische, soziale und wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt – etwa Wasserqualität, Infrastruktur, Speicherung und Verbrauch. Die Studie: Beispiellose Wasserknappheit im Anthropozän Die Studie untersucht, wann und wo auf der Erde Wasserknappheit erstmals eindeutig auf menschlichen Einfluss zurückgeführt werden kann. Dazu verwendet sie mehrere Indizes: SPEI₄₈ (Standardized Precipitation Evapotranspiration Index): misst Trockenheit, also Niederschlag minus Verdunstung. SRFI₄₈ (Standardized River Flow Index): beschreibt den Rückgang des Flussabflusses. SWSI₄₈ (Standardized Water Scarcity Index): Verhältnis von Wasserangebot zu Verbrauch – Werte unter 1 deuten auf Knappheit hin. Die Forschenden nutzten zwei Klimaszenarien, um die Entwicklung bis zum Jahr 2100 zu simulieren: SSP2-4.5 (moderate Klimaschutzmaßnahmen) und SSP3-7.0 (hohe Emissionen). Ein Blick in die Zukunft Abbildung 1 zeigt deutlich: Gegen Ende des 21. Jahrhunderts werden fast alle Regionen einem hohen Risiko für schwere, langanhaltende Dürreperioden ausgesetzt sein. Besonders betroffen sind: der Westen der USA die Mittelmeerregion Nord- und Südafrika Indien Nordchina Südaustralien In vielen dieser Gebiete treten künftig mehrere Extremereignisse gleichzeitig auf: mehrjährige Niederschlagsdefizite, geringere Flussabflüsse und akute Wasserknappheit. Damit entsteht das, was die Forschenden als Day Zero Drought (DZD) bezeichnen – ein zusammengesetztes, mehrjähriges Extremereignis. Der Zeitpunkt des ersten Auftretens (Time of First Emergence) Die Studie führt ein zentrales Konzept ein: die Time of First Emergence (ToFE). Sie beschreibt das erste Jahrzehnt, in dem mit mindestens 99 % Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann, dass eine DZD vom Menschen verursacht wurde. Grundlage ist der FAR (Fraction of Attributable Risk) – der Anteil des Risikos, der auf menschliche Einflüsse zurückgeht. Ein FAR von 1 bedeutet, dass ein Ereignis ohne menschliches Zutun gar nicht aufgetreten wäre. Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse: Bereits zwischen 2020 und 2030 erleben 19 % der Landfläche der Erde ihre erste vom Menschen verursachte DZD. Bis 2030 steigt der Anteil auf 35 %, und bis zum Ende des Jahrhunderts werden rund 75 % der Landoberfläche mindestens einmal ein solches Ereignis erfahren. Wenn Dürre zur Dauerkrise wird Ein weiterer entscheidender Parameter ist die Waiting Time – die Zeitspanne zwischen dem Ende einer DZD und dem Beginn der nächsten. In vielen Regionen ist diese Wartezeit kürzer als die Dauer des Ereignisses selbst. Das bedeutet: Die Erde hat keine Zeit zur Erholung. Besonders kritisch sind der Mittelmeerraum, Südafrika, Australien und Teile Asiens. In etwa 12 % der betroffenen Gebiete herrscht fast durchgehend Wasserknappheit. In Amerika und Nordafrika treten DZD-Ereignisse seltener auf, dauern dann aber besonders lange. Millionen Menschen ohne Wasser Laut der Studie werden unter dem Szenario SSP3-7.0 mehr als 753 Millionen Menschendirekt von DZD-Ereignissen betroffen sein – davon 467 Millionen in Städten und 286 Millionen auf dem Land. Städte sind besonders gefährdet, da dort die Wassernachfrage durch Bevölkerungswachstum und Wirtschaftstätigkeit schneller steigt als das Angebot. Auch wenn urbane Infrastrukturen meist besser ausgebaut sind, bleibt die Anfälligkeit groß – mit Folgen für Energieversorgung, Hygiene und soziale Stabilität. Bei einer globalen Erwärmung von nur 1,5 °C – also dem Ziel des Pariser Klimaabkommens – wären immer noch 488 Millionen Menschen betroffen. Selbst bei Einhaltung dieses Ziels bleibt das Problem also bestehen. Strategien gegen die Wasserkrise Die Forschenden betonen, dass die Lösung nicht allein in technischen Maßnahmen liegt. Es braucht ein Zusammenspiel von lokalem Wissen, kooperativem Wassermanagement, angepasster Governance und vielfältigen Strategien: Neuplanung und Anpassung von Wasserreservoirs Entsalzung von Meerwasser Regenwassernutzung Abwasserwiederverwertung Gleichzeitig müssen Investitionen in klimaresiliente Infrastrukturen steigen, um einen nachhaltigen Zugang zu Wasser zu sichern – auch in Mitteleuropa. Denn, wie der Wasserexperte Thorsten Wagener von der Universität Potsdam erklärt: „Andere Regionen sind zwar trockener, aber wir haben uns an eine hohe Wasserverfügbarkeit angepasst und sind daher oft empfindlicher für zukünftige Dürren.“ (Quelle: scinexx.de – Städten könnte schon bald das Wasser ausgehen) Er verweist auf aktuelle Beispiele: Die Reisernte im Norden Italiens ist wegen niedriger Wasserstände im Po eingebrochen, Frankreich musste Kraftwerke drosseln, da Flusswasser zu warm wurde, und der Rhein war streckenweise nicht mehr schiffbar. Fazit: Wir leben mitten im Zeitalter der “First Emergence of Unprecedented Global Water Scarcity”. Die beispiellose Wasserknappheit ist keine Zukunftsvision mehr – sie passiert jetzt. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  7. DK155 - Globale Gletscherschmelze
    13.10., 07:0000:34:08

    Und: Brauchen wir mehr Skipisten in Island? DK155 - Globale Gletscherschmelze Und: Brauchen wir mehr Skipisten in Island? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 155 geht es ins Eis. Zumindest so lange noch etwas davon da ist. Wir schauen in eine neue Studie, die sich die globale Gletscherschmelze angesehen und dafür vor allem einen neuen Ansatz zur Datengewinnung entwickelt hat. Damit sollen die Methoden verbessert werden, die beim letzten IPCC-Bericht benutzt worden sind. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Auf zu den Gletschern! Claudia hat für diese Folge ein Paper mitgebracht, das einen neuen globalen Datensatz zur Veränderung der Gletschermassen von 2000 bis 2023 vorstellt: Community estimate of global glacier mass changes from 2000 to 2023 (Nature, 2024) Das Paper stammt aus dem GLAMBIE-Projekt – dem Glacier Mass Balance Intercomparison Exercise (glambie.org). Ziel des Projekts ist es, die vielen verschiedenen Messmethoden, die weltweit zur Erfassung von Gletschermassen genutzt werden, zu harmonisieren. Bisher waren die Daten stark fragmentiert: Unterschiedliche Regionen, Messzeiträume und Verfahren erschwerten den globalen Vergleich. GLAMBIE bringt über 35 Forschungsteams und 450 Datensammler*innen zusammen, um aus Satelliten-, Radar-, Gravimetrie- und Geländemessungen einen konsistenten Datensatz zu erstellen. Diese Arbeit bildet eine neue Basis für den kommenden IPCC-Sachstandsbericht (AR7). Vier Wege, die Gletscherschmelze zu messen Insgesamt werden vier Messmethoden für das GLAMBIE-Projekt kombiniert: Direkte glaziologische Messungen – Stangen und Bohrkerne vor Ort, hochpräzise, aber nur an wenigen Gletschern möglich. Digitale Höhenmodelle (DEM) – aus Satelliten- oder Flugzeugaufnahmen; sie zeigen Höhenveränderungen über Jahre hinweg. Altimetrie – Satelliten messen die Oberflächenhöhe mit Laser oder Radar, allerdings nur entlang ihrer Flugbahn. Gravimetrie – Satelliten wie GRACE oder CryoSat erfassen Massenänderungen direkt über winzige Unterschiede im Schwerefeld der Erde. Jede Methode hat Vor- und Nachteile in Genauigkeit, Auflösung und Abdeckung. Das Besondere an GLAMBIE ist, dass alle vier Ansätze in einem globalen Datensatz kombiniert werden – ein Meilenstein der Klimaforschung. Die Ergebnisse: Ein globales Bild des Gletscherschwunds Die Studie zeigt deutlich:Alle 19 untersuchten Gletscherregionen verlieren an Masse. Besonders betroffen sind kleine Gletscher, etwa in den Alpen, die relativ zur Gesamtmasse den größten Verlust verzeichnen – über ein Drittel ihrer Eismasse seit dem Jahr 2000. Auch global fällt die Bilanz deutlich aus: Der globale Massenverlust beträgt rund 18 Millimeter Meeresspiegelanstieg. Alaska trägt mit etwa vier Millimetern am stärksten zum globalen Anstieg bei. Grönland und Kanada (Arctic Canada North) folgen mit jeweils über zwei Millimetern. In Mitteleuropa beträgt der Beitrag hingegen nur 0,13 Millimeter, was jedoch den massiven relativen Verlust der kleinen alpinen Gletscher nicht relativiert. Verbesserung für den nächsten IPCC-Bericht Im sechsten IPCC-Bericht (AR6) stützten sich die Gletscheranalysen noch weitgehend auf Höhenmodelle. Mit dem neuen GLAMBIE-Datensatz soll der nächste Bericht präzisere und methodisch vielfältigere Daten verwenden können. Ziel ist zudem eine höhere zeitliche Auflösung – von jährlichen auf monatliche Daten –, um auch saisonale Schwankungen besser zu erfassen. Das neue Vorgehen reduziert Fehlerbalken und erhöht die Genauigkeit erheblich. Die Autor*innen betonen, dass der Datensatz noch weiterentwickelt wird und in Zukunft eine noch bessere Grundlage für Prognosen zur Gletscherschmelze und zum Meeresspiegelanstieg bieten soll. Fazit: Schmelzende Gletscher und wachsende Erkenntnisse Die Gletscher der Erde verlieren weiterhin rasant an Masse. Der neue Datensatz liefert nun erstmals ein homogenes, globales Bild dieser Entwicklung und schafft damit eine präzisere Grundlage für zukünftige Klimamodelle. Auch wenn der Trend eindeutig negativ bleibt, zeigt die Forschung, wie eng Zusammenarbeit, Datenaustausch und technologische Fortschritte miteinander verknüpft sind – und wie wichtig sie für das Verständnis des Klimawandels sind. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  8. DK154 - CO2-Speichern im Auenland
    29.09., 07:0000:32:10

    Und: Wo gibt es eine schöne Au? DK154 - CO2-Speichern im Auenland Und: Wo gibt es eine schöne Au? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 154 geht es in die Au. Diese Feuchtgebiete sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt und als Hochwasserschutz, sondern können auch sehr gute CO2-Speicher sein und noch dazu sehr resilient. Das zumindest hat aktuelle Forschung gezeigt und genau darüber reden wir heute. Und über Eddies. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Auen – unterschätzte CO₂-Speicher Wenn über Kohlenstoffspeicher gesprochen wird, fallen meist zuerst Bäume und Wälder ein. Doch nicht überall wachsen Wälder – und es gibt andere Landschaften, die eine ebenso wichtige Rolle für das Klima spielen. Moore etwa sind riesige Kohlenstoffspeicher (ein Thema für sich). Heute geht es jedoch um ein Mittelding zwischen Moor und Wald: die Auen. Auen sind Uferlandschaften von Bächen und Flüssen, die in ständigem Austausch mit dem Wasser stehen. Sie sind dynamische Lebensräume, geprägt vom Wechsel zwischen Überflutung und Trockenheit. Ihre ökologische Bedeutung ist vielfältig: Hochwasserschutz, Abbau von Nitraten und dadurch Verbesserung der Wasserqualität, Lebensraum für eine enorme Artenvielfalt usw. Eine Übersicht über Auen findet man im [https://www.bmluk.gv.at/service/publikationen/wasser/Aueninventar-Oesterreichs---Karte.html](Aueninventar Österreichs) oder beim BfN in Deutschland Die Funktion der Au als CO2-Senke wurde in einer aktuellen Arbeit (“Impact of various flood conditions on the CO2 ecosystem exchange as a component of floodplain grassland restoration”) anhand des WWF-Auenreservat Marchegg untersucht. Das ist ein rund 1.100 Hektar großes Schutzgebiet an der Grenze zwischen Österreich und Tschechien. Seit 1978 steht die Aue unter Naturschutz. Seit Kurzem steht dort eine Messstation der BOKU Wien, die Teil des EU-Projekts Rewet ist. Ziel: Das Potenzial von Feuchtgebieten als Kohlenstoffsenken erfassen. Während es in Europa bereits viele Daten zu Mooren gibt, sind Auen bislang kaum untersucht. In Marchegg wurde ein Jahr lang auf einer beweideten Auwiese gemessen – sogar während extremer Bedingungen wie einer vier Meter hohen Überschwemmung im Jahr 2024. (Bilder kann man in diesem Artikel sehen). Zum Einsatz kam die Methode der Eddy Covariance: Sie erfasst winzige Luftwirbel („eddies“), die Gase wie CO₂ transportieren. So lässt sich die Treibhausgasbilanz direkt messen. Das Ergebnis war überraschend positiv: Trotz Überschwemmungen – inklusive des Jahrhunderthochwassers im September – blieb die Fläche eine CO₂-Senke. Am Jahresende lag die Bilanz bei –17,6 Gramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter. Was bei einer Überflutung mit der Auwiese passiert, zeigt Abbildung 8) aus der Arbeit. Auch die Weidetiere hatten kaum negative Auswirkungen. Die Ergebnisse zeigen: Auen können auch unter Extrembedingungen CO₂-Senken bleiben. Das macht Hoffnung, dass die Wiederherstellung von Feuchtgebieten nicht nur für Artenvielfalt und Hochwasserschutz wichtig ist, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  9. DK153 - Schwitzende Bäume und kühle Köpfe
    15.09., 07:0000:51:02

    Und: Wo ist der richtige Ort für den richtigen Baum? DK153 - Schwitzende Bäume und kühle Köpfe Und: Wo ist der richtige Ort für den richtigen Baum? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 153 geht es um Bäume in Städten. Bäume sind kein Allheilmittel, aber mächtige Verbündete beim Kampf gegen die urbane Hitze. Es reicht aber nicht, einfach wahllos irgendwo Bäume hinzupflanzen. Es müssen die richtigen Bäume am richtigen Ort sein. Wie Bäume sinnvoll eingesetzt werden können, schauen wir uns in dieser Folge anhand aktueller Forschung an. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Warum Bäume kühlen Bäume sind mehr als nur schön anzusehen – sie wirken wie natürliche Klimaanlagen. Sie spenden Schatten, reflektieren Sonnenstrahlen, speichern weniger Wärme als Asphalt und kühlen durch Transpiration, also das „Schwitzen“ ihrer Blätter. Dabei verdunstet Wasser, was der Umgebung Wärme entzieht und die Luft spürbar erfrischt. Ein einzelner großer Baum kann an einem heißen Tag bis zu 100 Liter Wasser verdunsten. Dieser Effekt ist so stark, dass ganze Parks oder Alleen merklich kühlere Mikroklimata schaffen. Allerdings können Bäume auch Wärme speichern und nachts die Abkühlung behindern, wenn dichte Kronendächer die Wärmestrahlung blockieren. Ob sie kühlen oder eher wärmen, hängt also stark vom Standort und der Baumart ab. Die Metastudie zur Kühlleistung von Stadtbäumen Wir schauen uns die Studie Cooling Efficiency of Trees Across Cities is Determined by Background Climate, Urban Morphology and Tree Traits an, die 182 Einzelstudien ausgewertet hat. Sie kommt zu dem Schluss: Bäume sind kein Allheilmittel, aber sie können entscheidend zur Hitzeminderung beitragen – wenn man die richtigen Faktoren beachtet. Die Studie identifiziert drei zentrale Einflussgrößen: Hintergrundklima: In heißen, trockenen Regionen erzielen Bäume durch Verdunstung besonders große Kühleffekte – bis zu 12 Grad Temperaturunterschied. In feuchten Tropen verpufft dieser Effekt, da die Luft schon gesättigt ist. Stadtstruktur: Enge Altstädte mit hohen Gebäuden (Local Climate Zones 1–3) profitieren weniger von zusätzlichem Schatten, da ohnehin wenig direkte Sonneneinstrahlung den Boden erreicht. Hier können dichte Baumkronen sogar für Hitzestau sorgen. Effektiver sind lockere Pflanzungen oder Alternativen wie Dachbegrünungen. Baumarten und Eigenschaften: Laubbäume kühlen besonders im Sommer, immergrüne Arten wirken das ganze Jahr über, aber weniger stark durch Transpiration. Eine Mischung verschiedener Baumarten – hoch und niedrig, Laub- und Nadelbäume – erzielt die beste Kühlwirkung und erhöht gleichzeitig die Biodiversität. Die Empfehlung der Forschenden lautet daher: Right Tree, Right Place – der richtige Baum am richtigen Ort. Mehr zu den Local Climate Zones findet ihr in dieser Studie. Stadtplanung mit Weitblick Die Pflanzung von Stadtbäumen ist ein langfristiges Projekt. Bäume brauchen Jahrzehnte, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Deshalb müssen Stadtplanerinnen und -planer berücksichtigen, wie sich das Klima in 20 bis 30 Jahren entwickeln wird. Bäume, die heute gepflanzt werden, müssen auch in einer wärmeren Zukunft widerstandsfähig sein und ihre Kühlleistung erbringen können. Darüber hinaus ist die Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend. Alte Bäume werden oft emotional verteidigt, selbst wenn jüngere oder andere Arten für die Klimaanpassung geeigneter wären. Stadtgrün ist also nicht nur eine Frage der Wissenschaft, sondern auch ein sensibles gesellschaftliches Thema. Interaktive Karte Zur Studie gehört auch eine interaktive Karte. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  10. DK152 - Solarstrom aus dem Weltall
    01.09., 07:0000:40:33

    Und: Ab wann wird Weltall-Power wirtschaftlich? DK152 - Solarstrom aus dem Weltall Und: Ab wann wird Weltall-Power wirtschaftlich? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 152 sind wir wieder im Normalbetrieb. Und heben gleich ab ins Weltall: Dort scheint die Sonne ständig und es wäre wesentlich einfacher, Solarstrom zu erzeugen. Das würde natürlich viel kosten, aber selbst wenn der Solarstrom aus dem All teurer ist als der von der Erde, könnten wir damit in Zukunft quasi unseren gesamten Bedarf damit decken. Denn am Ende wäre das für die Stromnetze besser (und damit auch insgesamt billiger) als die Alternativen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das österreichische Klimagesetz Nach zehn Wochen intensiver Auseinandersetzung mit dem österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel schauen wir zu Beginn nochmal, was das alles gebracht hat. Der Entwurf des österreichischen Klimagesetzes enthält leider nicht die erhofften ambitionierten Ziele enthält. Sonnenenergie aus dem Weltall Auf der Erde ist Sonnenenergie zwar eine der wichtigsten erneuerbaren Quellen, doch die Atmosphäre sorgt dafür, dass mehr als die Hälfte der Strahlung schon auf dem Weg nach unten verloren geht. Bei Nacht oder Bewölkung kommt überhaupt nichts an. Die Idee ist also: Sonnenenergie direkt im Weltall sammeln und zur Erde übertragen. Ursprünglich tauchte diese Vision in Isaac Asimovs Kurzgeschichte Reason (1941) auf. In den 1970er-Jahren entwickelte der Ingenieur Peter Glaser das erste wissenschaftliche Konzept für „Space-Based Solar Power“ (SBSP) und ließ es 1973 sogar patentieren. Die Grundidee ist, die Energie im All in Mikrowellen umzuwandeln, zur Erde zu strahlen und dort mit sogenannten Rectennas wieder in Strom umzuwandeln. Erste Experimente der japanischen Raumfahrtagentur JAXA und ein Caltech-Prototyp von 2023 haben gezeigt, dass die Technik prinzipiell funktioniert – auch wenn bisher nur „detectable power“ ankam). Neue Studie: Potenzial für Europa Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit vom 21. August 2025, durchgeführt vom King’s College London und der Jiaotong-Universität in China, untersucht, wie SBSP in ein europäisches Stromnetz eingebunden werden könnte: Assess space-based solar power for European-scale power system decarbonization. Das europäische Netz ist besonders komplex und politisch geprägt, weshalb eine wetterunabhängige, kontinuierliche Energiequelle wie SBSP attraktiv erscheinen könnte. Dank technischer Fortschritte – effizientere Solarzellen, drahtlose Energieübertragung und wiederverwendbare Raketen – könnte SBSP ab den 2030er-Jahren technisch machbar werden. Für die Modellierung nutzten die Forschenden das Energiemodell PyPSA-Eur sowie die ENTSO-E 2050 Vision (vision.entsoe.eu). Zwei grundlegende Konzepte Die NASA hat zwei Referenzdesigns beschrieben (NASA-Report 2024): RD1 – Heliostat-Schwarm: Spiegel leiten Sonnenlicht auf zentrale Kollektoren. Technisch noch wenig erprobt (niedriges TRL), aber fast durchgängig verfügbar (~99,7 %). Könnte nahezu Grundlast liefern. RD2 – Planar Array: Flache Solarpaneele im geostationären Orbit. Technisch reifer, aber nur ~60 % Verfügbarkeit. Wirtschaftlichkeit und Szenarien bis 2050 Die NASA schätzte 2024 die Kosten auf 0,61 bis 1,59 US-Dollar pro kWh. Mit fallenden Startkosten, effizienterer Produktion und längerer Lebensdauer könnten die Preise theoretisch auf 4–8 Cent sinken. Zum Vergleich: Für Wind- und Solarenergie am Boden wird 2050 ein Preis von rund 2 Cent erwartet – also weiterhin deutlich günstiger. Die neue Studie modellierte SBSP für Europa in verschiedenen Szenarien bis 2050. Ergebnis: 2020: Keine Wirtschaftlichkeit. 2050: Wenn SBSP rund 6–10 Mal (RD1) oder 10–14 Mal (RD2) teurer ist als Photovoltaik am Boden, lohnt es sich trotzdem als Ergänzung – vor allem wegen der hohen Verfügbarkeit von RD1. Bei sinkenden Kosten: Rund 9×/6× teurer: SBSP wird attraktiver, RD1 kann Wind- und Solaranteile verdrängen. Rund 3× teurer: RD1 könnte fast die gesamte Energieversorgung übernehmen. Saisonale Speicher würden weitgehend überflüssig. Das Modell zeigt also nicht, dass SBSP in naher Zukunft billig wird – aber es quantifiziert, wie stark die Kosten fallen müssten, damit die Technologie vom Nischenkonzept zur tragenden Säule der Energieversorgung wird. Auch die ESA denkt über SBSP nach. Im Rahmen des Programms SOLARIS sollen bis 2040 Demo-Satelliten getestet werden. Diese könnten langfristig 7–30 % des europäischen Energiebedarfs decken. Damit ist klar: Space-Based Solar Power ist kein bloßes Gedankenspiel mehr, sondern ein mögliches Element der künftigen Energiewende. Forschung zum Podcast Zum Schluss bitten wir unsere Hörerinnen und Hörer um Teilnahme an einer Umfrage zur Erforschung von Wissenschaftspodcasts. Die Befragung läuft anonym, ist an den Podcast gekoppelt und bietet die Chance, den Podcast in den Forschungsdaten explizit zu vertreten: Zur Umfrage. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. 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  11. DK151: Pseudowissenschaft, Weltall und Wissenschaftskommunikation
    18.08., 07:0000:43:23

    Und: Was ist eigentlich wichtig? DK151: Pseudowissenschaft, Weltall und Wissenschaftskommunikation Und: Was ist eigentlich wichtig? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung, jeden zweiten Montag. In Folge 151 machen wir noch einmal kurz Pause, zu hören gibt es aber trotzdem was. Und zwar eine Folge des Podcasts “Was wichtig ist” in dem Anna Wallner mit Florian über Wissenschaftskommunikation, Klima, Weltall, Geschlechterunterschiede in der Wissenschaft und andere Themen spricht. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Ins Weltall reisen mit Florian Freistetter von „Sternengeschichten“ In der Folge Ins Weltall reisen mit Florian Freistetter von „Sternengeschichten“ des Podcasts “Was wichtig ist” der Presse hat Anna Wallner mit Florian über alle möglichen Themen gesprochen. Es geht um die Faszination am Weltall und an Wissenschaft allgemein und die Frage, wie man so etwas vermitteln kann. Es geht ums Klima, um Pseudowissenschaft und das Einschlafen mit Podcasts. Es geht um die Frage, warum mehr Männer Podcasts hören als Frauen und noch viel mehr. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  12. DK150: Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich: Österreich und die Klimakrise
    11.08., 07:0000:51:35

    Und: Wie ist es so, einen Klimabericht zu schreiben? DK150: Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich: Österreich und die Klimakrise Und: Wie ist es so, einen Klimabericht zu schreiben? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 150 schließen wir die Reihe zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel ab. Wir reden mit Margreth Keiler und Daniel Huppmann, die als Co-Vorsitzende an der Verfassung des Berichts beteiligt waren und diskutieren die Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. Und dann haben wir noch ein paar Fragen zum Abschluss. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zur Zusammenfassung für politische Entscheidungsfindung. Abschlussgespräch zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel Daniel Huppmann war schon zweimal zu Gast bei uns und bei seinem dritten Besuch hat er Margreth Keiler von der Uni Innsbruck mitgebracht. Die beiden sind, zwei der vier Co-Vorsitzenden des Zweiten Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel (AAR2). Gemeinsam ziehen wir ein Resümee, schauen uns die Zusammenfassung für politische Entscheidungsfindung an und geben Einblicke in die Entstehung, den Inhalt und die Zielsetzung des Berichts. Noch viel ausführlicher haben die beiden über ihre wissenschaftliche Karriere und den Bericht in Folge 107 des Science Buster Podcast gesprochen. Fünf Leitfragen als Struktur Die Zusammenfassung ist in fünf Abschnitte gegliedert, die jeweils eine zentrale Frage beantworten: A – Ist Österreich auf Kurs zur Klimaneutralität? Der aktuelle Trend zeigt sinkende Emissionen um rund sieben Prozent pro Jahr, doch diese Entwicklung reicht nicht aus, um die Ziele für 2030 und 2040 zu erreichen. Vor allem für das Ziel der Klimaneutralität 2040 ist Österreich laut Projektionen derzeit nicht auf Kurs. B – Wie wirkt sich die Erderhitzung in Österreich aus? Die Zusammenfassung zeigt sowohl bereits beobachtete Veränderungen als auch Zukunftsprojektionen. Zentrale Themen sind Hitze, Dürren, Hochwasser, Vegetationsveränderungen, Biodiversitätsverluste und Kaskadeneffekte. Schäden könnten sich in Zukunft auf bis zu 10 Milliarden Euro jährlich summieren. Besonders betont wird der Gesundheitssektor als ein oft unterschätztes Schlüsselrisiko. C – Welche Optionen gibt es zur Emissionsvermeidung? Windkraft und Photovoltaik bieten das größte Potenzial, fossile Energieträger zu ersetzen. Wo Elektrifizierung nicht möglich ist, sollen klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels oder grüner Wasserstoff eingesetzt werden. Diese müssen jedoch überwiegend importiert werden, da der Ausbau erneuerbarer Energie in Österreich begrenzt ist. D – Wie kann Österreich die Emissionsreduktionsziele erreichen? Ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen ist nötig: Ausbau erneuerbarer Energien, Stärkung der Energieeffizienz und gezielter Einsatz klimaneutraler Kraftstoffe. Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich, um langfristige Infrastruktur- und Systemänderungen rechtzeitig umzusetzen. E – Welche Politikmaßnahmen unterstützen eine gerechte Klimagovernance? Strukturelle Hürden müssen abgebaut und klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist entscheidend – Maßnahmen müssen sozial gerecht sein und besonders einkommensschwache Haushalte berücksichtigen. Der Bericht zeigt zudem auf, dass Klimaschutz viele positive Nebeneffekte wie bessere Gesundheit und höhere Lebensqualität bringt. Reaktionen und Wirkung Aus Politik und Öffentlichkeit kommt überwiegend positives Feedback. Es gibt Anfragen für Vorträge und Beteiligungen an Steuerungsgruppen, auch über Österreich hinaus. Wie viel davon tatsächlich in konkrete Maßnahmen einfließt, bleibt jedoch abzuwarten. Persönliche Bilanz der Co-Vorsitzenden Trotz der intensiven und teils stressigen Arbeit würden Daniel und Margreth das Projekt wieder angehen. Positiv war auch der wissenschaftliche Nebeneffekt: eine engere Vernetzung innerhalb der Community und neue gemeinsame Projekte. Wichtigste Botschaften Welche Aussage finden Margreth und Daniel am wichtigsten? Diese hier: Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich – und wir wissen, welche es sind. Richtig umgesetzt, bringen sie zahlreiche Vorteile für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Schlüsseldiagramme Wir haben die beiden zum Abschluss noch gefragt, welche Abbildungen sie am wichtigsten finden: Daniel empfiehlt Abbildung 1 aus der Zusammenfassung, die die Entwicklung der Emissionen seit 70 Jahren sowie mögliche Zukunftsszenarien zeigt. Margreth verweist auf das Burning-Ember-Diagramm, das verdeutlicht, wie Schlüsselrisiken mit steigender globaler Temperatur zunehmen. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. 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  13. DK149: Nur ein Hauch von Gas: Wie gelingt Österreich die Transformation?
    04.08., 07:0001:02:28

    Und: Wann kriegen wir endlich mehr Windräder? DK149: Nur ein Hauch von Gas: Wie gelingt Österreich die Transformation? Und: Wann kriegen wir endlich mehr Windräder? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 149 geht es um die Zukunft. Wenn Österreich klimaneutral werden will, dann geht das zumindest in der Theorie. Wie es in der Praxis aussehen kann, was das alles kostet, wer die Transformation behindert und was helfen würde: Genau das ist das Thema des letzten Kapitels im Österreichischen Sachstandsbericht und Thema dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum achten Kapitel des Sachstandsberichts. Transformationspfade für den Klimaschutz in Österreich Im letzten Kapitel des Berichts dreht sich alles um mögliche Transformationspfade hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft. Es geht nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um tiefgreifende Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik – kurz: eine systemische Transformation. Was sind Transformationspfade? Transformationspfade sind langfristige, tiefgreifende Veränderungen, die über bloße technische Lösungen hinausgehen. Sie umfassen kulturelle, institutionelle und soziale Aspekte. Dabei werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, von technikorientierten bis hin zu gerechtigkeitszentrierten Perspektiven. Zentral ist die Abkehr vom Denken in Einzelmaßnahmen hin zu einem systemischen Verständnis: Wie muss sich die Gesellschaft als Ganzes verändern, um klimaneutral zu werden? Planetare Grenzen und die Dringlichkeit der Transformation Ein zentrales Argument für die Notwendigkeit tiefgreifender Transformationen liefert das Konzept der planetaren Grenzen. Diese ökologischen Belastungsgrenzen dürfen nicht überschritten werden, um die Lebensgrundlage der Menschheit zu sichern. Österreich hat bereits sechs von neun planetaren Grenzen überschritten – unter anderem bei CO₂-Emissionen, Phosphor- und Stickstoffeintrag sowie der Landnutzung. Diese Überschreitungen haben nicht nur ökologische, sondern auch soziale Folgen – von sinkender Lebenserwartung bis hin zu Gefährdungen der Demokratie. Von der Maßnahme zur Transformation Ein Umstieg vom Benziner auf ein E-Auto ist eine Maßnahme. Eine Transformation hingegen würde bedeutet, den städtischen Raum so zu gestalten, dass Fuß- und Radverkehr im Mittelpunkt stehen. Transformationen dieser Größenordnung werden notwendig, um innerhalb der planetaren Grenzen zu bleiben. Gleichzeitig bieten sie große Co-Benefits: Sie fördern Gesundheit, Gleichheit, Resilienz und Lebensqualität. Die Rolle der SDGs Die Sustainable Development Goals (SDGs) spielen eine wichtige Rolle: Viele der Maßnahmen, die dem Klimaschutz dienen, unterstützen gleichzeitig andere Nachhaltigkeitsziele. Besonders stark sind die Zusammenhänge bei den Zielen „nachhaltige Städte“, „Gesundheit und Wohlergehen“, „bezahlbare und saubere Energie“ und „weniger Ungleichheit“. Diese Synergien erhöhen die politische und gesellschaftliche Akzeptanz. Maßnahmen und Minderungspotenziale Diese Abbildung zeigt zum Beispiel: Windkraft bietet in Österreich das größte Minderungspotenzial. Gefolgt von Photovoltaik, Gebäudedämmung und Elektrifizierung des Verkehrs. Die kosteneffizientesten Maßnahmen sind oft auch die am schnellsten umsetzbaren – beispielsweise Gebäudedämmung oder der Ausbau des ÖPNV. Drei österreichische Szenarien im Vergleich Der Bericht vergleicht drei zentrale Szenarien: WEM (With Existing Measures): Status quo mit bereits beschlossenen Maßnahmen. Das reicht aber nicht aus. WAM (With Additional Measures): Geplante, aber nicht umgesetzte Maßnahmen. Fortschrittlicher, aber nicht 1,5-Grad-kompatibel. Transition 2040: Ein ambitionierter Transformationspfad mit umfassender Elektrifizierung, gesellschaftlichem Wandel und starkem Ausbau erneuerbarer Energien. Nur dieses Szenario schafft fast vollständige Klimaneutralität. Treibhausgasemissionen bis 2050 Die Abbildung macht deutlich: Nur das Transitionsszenario führt zu einer signifikanten Reduktion der Emissionen um bis zu 95% bis 2040. Besonders auffällig ist der drastische Rückgang im Verkehrssektor. Der Landwirtschaftssektor bleibt dagegen auch 2050 ein relevanter Emissionsfaktor. Obwohl der Gesamtenergiebedarf im Transitionsszenario sinkt, steigt der Strombedarf durch Elektrifizierung stark an. Das bedeutet: Der Strom muss möglichst emissionsfrei erzeugt werden. Zusammensetzung des Energiebedarfs 2040 Relevant ist auch noch Abbildung 8.9b, die uns zeigt, wo die Energie in Zukunft herkommen kann: In den Net-Zero-Szenarien ist der Anteil fossiler Energiequellen fast verschwunden. Strom und Wasserstoff dominieren, je nach Szenario in unterschiedlicher Zusammensetzung. Strommix in Österreichs Zukunft Und wo kommt der Strom her? Das zeigt Abbildung 8.11b Photovoltaik wird zur zentralen Säule der Stromproduktion – neben einem moderaten Ausbau der Wasserkraft. Windkraft spielt vor allem dann eine große Rolle, wenn Unabhängigkeit von Energieimporten angestrebt wird. Investitionen und ökonomische Effekte Tabelle 8.1 zeigt, was uns das alles kosten wird. Das Transition-2040-Szenario erfordert zusätzliche Investitionen von 6,2 bis 10,9 Milliarden Euro jährlich. Das entspricht etwa 1–2 % des österreichischen BIP. Teurer wäre das Nichtstun: Schäden durch die Klimakrise könnten 7,3 bis 14,6 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Zusätzlich entstehen im Transitionsszenario bis zu 50.000 neue Arbeitsplätze – deutlich mehr als im Szenario mit heutigen Maßnahmen. Hinderungsgründe und Ermöglichungsfaktoren Wer stört und was hilft? Das steht in Tabelle 8.2. Der Bericht benennt systematisch die wichtigsten Hindernisse (z. B. politische Kurzfristigkeit, Wissenschaftsskepsis, nationale Egoismen) und Faktoren, die Transformation fördern können: Bildung, neue Narrative, internationale Kooperation, gezielte Investitionen und partizipative Prozesse. Die Minimumanforderungen kann man in Tabelle 8.3 ansehen. Fazit: Transformation ist möglich – aber nur gemeinsam Der Bericht endet mit einer realistischen, aber klaren Botschaft: Transformation ist möglich, aber sie braucht Kompromissbereitschaft, Dialog und gesellschaftliche Beteiligung. Einzelmaßnahmen reichen nicht – nötig ist ein struktureller Wandel in Wirtschaft, Politik und Kultur. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll, aber der Nutzen – für Klima, Gesellschaft und Lebensqualität – überwiegt deutlich. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

  14. DK148: Windrad statt Gipfelkreuz: Die Alpen in der Klimakrise
    28.07., 07:0000:56:39

    Und: Wie leben wir in Zukunft in den Bergen? DK148: Die Alpen in der Klimakrise Und: Gibt es bald Alpenrüben? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 148 geht es in die Berge! Wir schauen uns die Alpen an, die ganz besonders wichtig für Österreich sind. Für das Land insgesamt aber natürlich auch angesichts der Klimakrise. Wir diskutieren, was sich dort in der Natur verändert, aber auch die Auswirkungen auf die Alpen als Wirtschafts- und Lebensraum. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum siebten Kapitel des Sachstandsberichts. Die Alpen im Klimawandel: Ein umfassender Überblick Kapitel 7 des österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beleuchtet die alpinen Regionen unter verschiedenen Aspekten – als Naturraum, Wirtschafts- und Versorgungsraum sowie als Lebensraum für Menschen. Wie gehen auf die klimatischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ein, die sich in den Alpenregionen durch den Klimawandel ergeben. Österreich und die Alpen Österreich besitzt mit 29 % den größten Flächenanteil der Alpen, rund 65 % der Landesfläche sind alpin geprägt. Dennoch leben dort nur etwa 40 % der Bevölkerung – mit regionalen Unterschieden: Während die Westregionen wie Tirol und Vorarlberg wachsen, sind viele östliche Seitentäler von Abwanderung betroffen. Die räumliche Enge, hohe Grundstückspreise und Herausforderungen bei der Infrastrukturplanung machen die alpine Siedlungsentwicklung besonders komplex. Der Begriff „Dauersiedlungsraum“ (DSR) hilft dabei, jene Gebiete zu beschreiben, die ganzjährig bewohnt und bewohnbar sind – ein wichtiger sozioökonomischer Faktor. Dreifacher Blick auf die Alpen: Natur, Wirtschaft, Lebensraum Die Betrachtung der Alpen erfolgt aus drei Perspektiven: Naturraum – mit Fokus auf Ökosysteme, Artenvielfalt und Naturgefahren. Wirtschafts- und Versorgungsraum – etwa durch Tourismus, Energie und Landwirtschaft. Lebensraum für Menschen – inklusive Mobilität und Siedlungsstrukturen. Die Alpen sind ein Biodiversitäts-Hotspot: 40 % der europäischen Flora sind hier beheimatet, darunter viele endemische Arten. Ihre besondere Geografie mit starken Temperatur- und Höhenunterschieden auf engem Raum macht sie besonders anfällig für klimatische Veränderungen. Klimatische Entwicklungen: Mehr als Gletscherverlust Die durchschnittliche Temperatur in den Alpen ist bereits um 3,1 °C gestiegen – doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. Die Null-Grad-Grenze verschiebt sich derzeit um rund 130 Meter pro Jahrzehnt nach oben, was weitreichende Folgen für Schnee, Niederschlag und Gletscher hat. Auch die Schneefallgrenze steigt: Im Süden um bis zu 88 Meter pro Jahrzehnt. Die Folge sind verkürzte Schneedeckendauern und eine deutliche Reduktion der Skisaisonen, wie man in Abbildung 7.3 sehen kann: Schon bei 4 °C globaler Erwärmung verschwinden die Gletscher nahezu vollständig. In Regionen wie Obergurgl könnte sich die Skisaison bis 2100 um bis zu 80 % verkürzen – ohne Kunstschnee. Auswirkungen auf Wasser, Biodiversität und Naturgefahren Der Rückgang der Gletscher hat weitreichende Konsequenzen für die Wasserversorgung Mitteleuropas. Frühere Hochwässer im Winter, längere Niedrigwasserphasen im Sommer und zunehmende Felsinstabilität durch tauenden Permafrost gefährden sowohl Ökologie als auch Infrastruktur. In den Alpen wird man sich an den Begriff: „GLOF“ – Glacial Lake Outburst Floods gewöhnen müssen. Solche Gletscherseeausbrüche, stellen eine wachsende Bedrohung dar. Wärmeliebende Arten verdrängen kälteangepasste wie das Schneehuhn. Gleichzeitig verschiebt sich die Baumgrenze nach oben, wodurch ein „Greening“ in 77 % der Alpen über der bisherigen Waldgrenze beobachtet wird. Ob kälteresistente Arten in sogenannten „Kälterefugien“ überleben können, ist Gegenstand aktueller Forschung. Tourismus und Wirtschaft im Wandel Der Alpenraum ist überdurchschnittlich vom Tourismus abhängig – in Tirol machen tourismusnahe Einnahmen bis zu 20 % des BIP aus. Mit dem Verlust der Schneesicherheit ist der klassische Wintertourismus gefährdet. Alternativen wie Ganzjahrestourismus (Wandern, Radfahren) gewinnen an Bedeutung, setzen aber ehrenamtliche Strukturen – z. B. im Alpenverein – unter zunehmenden Druck. Auch die Landwirtschaft wird sich verändern: Weideland schrumpft, Möglichkeiten für Ackerbau nehmen theoretisch zu. In der Forstwirtschaft drohen vermehrte Schäden durch Borkenkäfer, Stürme und Nährstoffmangel – mit negativen Folgen für die Schutzfunktion der Wälder gegen Erosion und Lawinen. Im Bereich Energie liegt großes Potenzial in Photovoltaik (hohe Strahlung in Höhenlagen) und Windkraft (vor allem im Westen). Doch auch hier stehen gesellschaftliche Widerstände im Raum. Wasserkraft wird durch sich ändernde Abflussmuster eingeschränkt. Lebensraum Alpen: Resilienz, Mobilität und Infrastruktur Die steigenden Naturgefahren, wirtschaftlichen Unsicherheiten und touristischen Umwälzungen erhöhen die Verwundbarkeit vieler alpiner Regionen. Abwanderung, saisonale Übernutzung und unzureichende Infrastruktur verschärfen die Situation. Besonders die Mobilität stellt eine Herausforderung dar: Durch die Topografie sind viele Orte auf das Auto angewiesen. Öffentlicher Verkehr muss gezielt mit E-Mobilität und besserer Planung ergänzt werden. Straßen und Bahntrassen, oft für Kälte konzipiert, müssen an neue Hitzeverhältnisse angepasst werden. Frühwarnsysteme, Monitoring und Notfallpläne sind essenziell, um Risiken wie GLOFs, Muren und Hangrutschungen besser begegnen zu können. Empfehlungen und Transformationsbedarf Das Kapitel endet mit einem Blick auf notwendige Maßnahmen und Transformationen. Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung naturbasierter Lösungen wie dem Erhalt von Schutzwäldern oder angepasstem Hochwasserschutz durch Begrünung und Retentionsflächen. Auch soziale Maßnahmen – etwa Versicherungen und Bewusstseinsarbeit – sind notwendig. Alle Details findet man in Tabelle 7.1 – Vermeidbare Risiken, notwendige Anpassungen und Verbesserungen Fazit: Früh handeln, gezielt unterstützen Die Alpen sind vom Klimawandel überdurchschnittlich betroffen. Aufgrund der enormen regionalen Unterschiede ist differenzierte Planung entscheidend. Frühzeitige Investitionen in Infrastruktur, Natur- und Katastrophenschutz, soziale Netze sowie Transformation der Tourismus- und Energiewirtschaft sind essenziell, um langfristige Schäden und Kosten zu vermeiden. Das Kapitel bietet eine ausgezeichnete Synthese der Herausforderungen und Chancen für den Alpenraum – auch über Österreich hinaus relevant. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  15. DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich
    21.07., 07:0001:00:38

    Und: Was kostet uns das Nichtstun? DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich Und: Was kostet uns das Nichtstun? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 147 geht es um die Politik! Aber auch um Bildung, Medien, Migration und was sonst noch alles im Rahmen der Klimapolitik eine Rolle spielt. Wir diskutieren, welche Möglichkeiten die Politik hat - und warum sie in Österreich nicht genutzt werden. Außerdem geht es um die Kosten der Transformation und die (viel höheren) Kosten des Nichtstuns. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum sechsten Kapitel des Sachstandsberichts. Klimagovernance als Schlüssel zur Transformation In Folge 147 geht es um Politik. Im Zentrum steht die Klimagovernance – also die politische, rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Steuerung der Transformation zur Klimaneutralität. Wir besprechen, warum effektive Klimaaktion immer mehrere Dimensionen verbinden muss: rechtliche Rahmen, wirtschaftliche Anreize, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Dynamiken. Drei große Problemkomplexe auf dem Weg zur Dekarbonisierung Zu Beginn geht es um drei zentrale Hindernisse, die laut Bericht einer effektiven Transformation entgegenstehen: Wachstumsorientierte Wirtschaftssysteme: Der Fokus auf Profit, Wettbewerb und Wachstum ist tief in der gesellschaftlichen Vorstellung von Wohlstand und Fortschritt verankert. Diese Logik erschwert strukturelle Veränderungen – zum Beispiel weg von fossilen Energien oder hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Macht- und Interessenskonflikte: Große Teile der Bevölkerung profitieren noch immer von einem nicht-nachhaltigen Lebensstil. Das erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz für weitreichende Veränderungen und begünstigt die Beibehaltung des Status quo. Trägheit politischer Prozesse: Politische Entscheidungen orientieren sich oft an bestehenden Strukturen und Machtverhältnissen. Mut zu tiefgreifenden Reformen fehlt meist – transformative Politik bleibt selten. Klimapolitische Rahmenbedingungen: Von Paris bis Wien Auf internationaler Ebene ist das Pariser Klimaschutzabkommen zentral. Österreich ist über die EU an das Ziel gebunden, bis 2030 die Emissionen um 55 % gegenüber 1990 zu senken und will selbst bis 2040 klimaneutral werden. Nationale Regelungen wie das „Nachhaltigkeitsziel“ in der Verfassung haben jedoch nur begrenzte Wirkung – unter anderem, weil das geplante Klimaschutzgesetz fehlt oder nicht bindend genug ist. Akteur:innen und Governance in Österreich Governance umfasst nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Unternehmen, NGOs und die Zivilgesellschaft. In Österreich zeigt sich ein Spannungsverhältnis zwischen einem ambitionierten Selbstbild und einer vergleichsweise schwachen Umsetzung. Exemplarisch ist die „Persistent Connotation of Automobility“ – also die enge kulturelle Verknüpfung des Autos mit Lebensqualität, was einen Wandel in der Mobilität erschwert. Interessant ist auch das Konzept der Exnovation: Gemeint ist die gezielte Abschaffung klimaschädlicher Technologien, etwa Kohlekraftwerke. Dieser Ansatz wird bislang zu wenig genutzt. Maßnahmen im Überblick: Eine umfangreiche, aber ernüchternde Bilanz Eine zentrale Tabelle des Kapitels zeigt auf, welche politischen Instrumente es in Österreich gibt – und wie wirksam sie sind. In Tabelle 6.2 – Politikinstrumente zur Minderung und Anpassung sieht man was alles möglich wäre. Grün darin bedeutet: wirksam umgesetzt. Gelb: vorhanden, aber unzureichend. Rot: nicht vorhanden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die meisten Felder sind gelb oder rot – insbesondere im Flugverkehr oder beim Tempolimit. Auch Anpassungsmaßnahmen wie Hitzeschutz oder Hochwasserschutz existieren oft nur in unzureichendem Maße. Und oft werden sinnvolle Gesetze durch Lobbyismus wieder ausgehebelt, wie im Fall des Corporate Average Fuel Economy (CAFE) targets der EU. Klimaklagen: Rechtliche Wege zu mehr Klimaschutz? Klimaklagen gewinnen an Bedeutung – auch wenn die Hürden hoch sind. In Österreich sind solche Klagen bislang meist am Verfassungsgerichtshof gescheitert. Ein Beispiel ist die Klage von zwölf Kindern und Jugendlichen, unterstützt von u.a. Florian Freistetter, die aus formalen Gründen abgewiesen wurde. Ein weiterer Fall – „Müllner gegen Österreich“ – ist derzeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Finanzierung der Transformation: Was kostet der Wandel – und was das Nichtstun? Für Österreich wird geschätzt, dass Investitionen in Höhe von 6 bis 11 Milliarden Euro pro Jahr notwendig wären, um Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Das entspricht etwa 1 bis 2,3 % des BIP. Gleichzeitig würde das Nichtstun jährlich Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Bis 2050 könnten das laut Bericht 4 bis 11 Milliarden Euro jährlich sein. Der wirtschaftliche Nutzen von Investitionen überwiegt also deutlich. Migration als Klimafolge Migration ist ein komplexes Thema mit vielen Ursachen – auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Der Bericht verweist auf „Managed Retreat“ – also geplante Umsiedlungen – etwa infolge von Hochwasser oder Bergstürzen. Diese Form der Binnenmigration wird bislang kaum als klimabedingte Migration wahrgenommen, obwohl sie stark zunehmen könnte. Bildung als soziales Kippelement Ein Hoffnungsschimmer liegt im Bildungsbereich. Climate Change Education (CCE) wird als Schlüssel zur gesellschaftlichen Transformation gesehen. Wichtig ist jedoch, dass nicht nur Kinder und Jugendliche geschult werden, sondern auch Lehrkräfte, Erwachsenenbildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger. Der Bericht kritisiert veraltete Schulbücher und mangelhafte Lehrer:innenbildung – und betont die Rolle informeller Bildung über Medien. Medien und Klimaberichterstattung Die mediale Darstellung der Klimakrise ist entscheidend – denn viele Menschen erfahren die Krise nur über Medien. In Österreich ist die Medienaufmerksamkeit zwar gestiegen, bleibt aber insgesamt niedrig. Der Boulevard dominiert die Medienlandschaft, was zu einer tendenziell verzerrten oder verkürzten Klimaberichterstattung führen kann – insbesondere bei mediennahen politischen Akteuren. Fazit: Ambitionen reichen nicht Am Ende steht eine klare Kernaussage des Berichts: ”Climate policies currently in place are insufficient to achieve the targets set out for Austria. (High confidence)“ Die bisherige Klimapolitik reicht nicht aus, um die eigenen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig zeigen viele Beispiele, dass es möglich wäre, gegenzusteuern – wenn die politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weichen richtig gestellt werden. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  16. DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können
    14.07., 07:0001:06:07

    Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 146 geht es um das, was wir tun können, um der Klimakrise sinnvoll zu begegnen. Wir schauen uns das fünfte Kapitel des Sachstandsbericht an, in dem es um die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und einer gesellschaftlichen Transformation geht. Und da lässt sich überraschend viel machen! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum fünften Kapitel des Sachstandsberichts. Vom individuellen Verhalten zum gesellschaftlichen Wandel Ein zentrales Thema des fünften Kapitel des Sachstandsberichts ist die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und strukturellen Rahmenbedingungen. Einzelpersonen treffen Entscheidungen nicht isoliert, sondern eingebettet in soziale, kulturelle und infrastrukturelle Kontexte. Das Kapitel verwendet zwei zentrale Modelle: COM-B-Modell: Betrachtet Fähigkeiten (Capabilities), Möglichkeiten (Opportunities) und Motivation (Motivation) als Einflussfaktoren für Verhaltensänderungen. Soziale Kipppunkte: Beschreiben, wie neue Praktiken durch kollektives Handeln und soziale Normveränderungen in die Breite wirken können. Wohlbefinden und Klimaschutz Wie hängt unser individuelles Wohlbefinden mit klimafreundlichem Verhalten zusammen. In der Abbildung 5.1 werden verschiedene Indikatoren für Wohlbefinden verglichen, darunter der OECD-Index „House Life“ und der „World Happiness Report“. Österreich schneidet im internationalen Vergleich in allen Bereichen überdurchschnittlich gut ab. Gleichzeitig wird betont, dass sich Wohlbefinden durchaus steigern lässt, ohne die Klimakrise zu verschärfen – etwa durch gemeinschaftliche Wohnformen, reduzierte Wohnflächen oder aktiven Klimaschutz. Tatsächlich kann ein Engagement für den Klimaschutz das subjektive Wohlbefinden sogar erhöhen. Ungleichheiten und Energiearmut Obwohl Österreich insgesamt gut aufgestellt ist, bestehen weiterhin soziale Ungleichheiten, insbesondere im Bereich der Energiearmut. Menschen mit niedrigerem Einkommen, Alleinerziehende oder Personen mit Migrationshintergrund sind besonders anfällig. Der Bericht mahnt, dass die Energiewende auch Verteilungsfragen berücksichtigen muss, um niemanden zurückzulassen. Einfluss von Lebensstil und Konsum Verhaltensänderungen entstehen nicht allein durch Wissen. Vielmehr braucht es unterstützende Strukturen, positive soziale Rückmeldung und neue soziale Normen. Faktoren wie der „Present Bias“ (Gegenwartspräferenz) oder Verlustängste beeinflussen unsere Entscheidungen. Auch Nudging-Maßnahmen wie voreingestellte Eco-Programme können helfen, klimafreundliches Verhalten zu fördern – vorausgesetzt, sie sind transparent und ethisch vertretbar. Kollektives Handeln: Wie gemeinsames Engagement entsteht In Abbildung 5.4 wird der Weg kollektiven Handelns dargestellt – von der Entstehung über Organisation bis hin zum transformativen Einfluss. Förderliche Faktoren wie Vertrauen, Umweltbewusstsein und Bildung stehen hemmenden wie fehlenden Ressourcen oder Unsicherheit gegenüber. Maßnahmen wie inklusive Projektgestaltung und transparente Kommunikation stärken kollektive Prozesse. Organisationen als Agenten des Wandels Organisationen – von Unternehmen über Hochschulen bis zu NGOs – können als Agents of Change wirken. In Österreich übernehmen viele bereits Verantwortung. Der Bericht hält jedoch fest: Nur 46 % der großen österreichischen Firmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte. Und dabei gilt: Nicht-Handeln verursacht jährlich einen geschätzten Schaden von 2,5 bis 5,2 Milliarden Euro bis 2030. Energiegemeinschaften als Baustein der Transformation Ein ausführlicher Abschnitt widmet sich Energiegemeinschaften, bei denen Bürger*innen gemeinsam Strom erzeugen und nutzen. Trotz hoher bürokratischer Einstiegshürden bergen diese Modelle enormes Potenzial. Der Bericht unterscheidet zwischen *Citizen Energy Communities* und Renewable Energy Communities und betont die Notwendigkeit besserer Informations- und Unterstützungsstrukturen. Circular und Sharing Economy: Beispiele aus Österreich Sehr interessant ist Tabelle 5.1, die das Avoid-Shift-Improve-Framework auf zehn Strategien zur Ressourcenschonung anwendet – von „Refuse“ bis „Recover“ und anhand praktischer Beispiele illustriert. Darunter finden sich Plattformen wie Zero Waste Austria, unverschwendet.at, Vinted.at oder Refurbed.at. Risiken und Rebound-Effekte Das Kapitel thematisiert auch mögliche Rebound-Effekte, z. B. wenn eingesparte Kosten durch nachhaltigen Konsum für emissionsintensive Aktivitäten verwendet werden. Auch der Einsatz von KI, Big Data und IoT wird ambivalent betrachtet – einerseits effizient, andererseits energieintensiv oder datenschutzproblematisch. Soziale Kipppunkte und Paradigmenwechsel Die Abbildung 5.6 zeigt verschiedene Ebenen gesellschaftlicher Veränderung – von individuellen Lebensstilentscheidungen (sehr schnell veränderbar) bis zu kulturellen Paradigmen (sehr langsam veränderbar). Der Bericht betont die Wirkung von sozialen Bewegungen und breiter Mobilisierung auf politische und technologische Entwicklungen. Soziale Gerechtigkeit und politische Akzeptanz Der Bericht verfolgt einen pragmatischen Ansatz: Nicht was sollte getan werden, sondern was kann getan werden – und wie. Verteilungsgerechtigkeit bedeutet dabei, dass Kosten, Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  17. DK145: Energie, Arbeit, Rohstoffe: Wie wird das Versorgungssystem klimafreundlich?
    07.07., 07:0001:04:56

    Und: Wo erholen wir uns in der Klimakrise? DK145: Energie, Arbeit, Rohstoffe: Wie wird das Versorgungssystem klimafreundlich? Und: Wo erholen wir uns in der Klimakrise? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 145 geht es um viel. Nämlich einerseits um fast alles, was in Österreich so produziert wird. Aber auch um andere Sachen, die wichtig für uns sind, zum Beispiel Erholung, Tourismus und Arbeit. Und weil das alles mit Energie zu tun hat, schauen wir uns die komplette Energieversorgung von Österreich auch noch an. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum vierten Kapitel des Sachstandsberichts. Die Struktur des Versorgungssystems Kapitel 4 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel trägt den Titel „Provision of Goods and Services in a Climate Resilient Economy via Materials, Energy and Work“. Das Thema ist komplex und umfasst zahlreiche ineinandergreifende Bereiche, die durch eine zentrale Grafik erläutert werden. Abbildung 4.1zeigt das Zusammenspiel zwischen ökologischer und gesellschaftlicher Sphäre. In der gesellschaftlichen Sphäre befindet sich das Versorgungssystem, das aus Bereichen wie Landwirtschaft, Mobilität, Gebäuden, Tourismus und Arbeit besteht. Dieses System ist auf Materialien, Energie und Arbeit angewiesen und beeinflusst sowohl das menschliche Wohlbefinden als auch die Umwelt. Die Darstellung verdeutlicht, wie stark diese Bereiche miteinander verknüpft sind und wie wichtig es ist, sie klimafreundlich zu gestalten. Materialflüsse und Emissionen in Österreich Ein weiteres zentrales Thema ist der Materialfluss in Österreich, wie in Abbildung 4.3 veranschaulicht: Hier zeigt sich: Der Großteil des eingesetzten Materials wird für Bauprojekte verwendet, ein kleinerer Teil für Konsumgüter wie Kleidung und Möbel. Ein erheblicher Teil der Materialien endet als Abfall oder wird als Treibhausgas in die Atmosphäre abgegeben. Das Problem: Österreichs Materialfußabdruck ist nur minimal gesunken und liegt im internationalen Vergleich sehr ungünstig. Der Fokus liegt derzeit zu stark auf technologische Lösungen statt auf systemischen Veränderungen und materialeffizientem Wirtschaften. Kreislaufwirtschaft als Schlüsselstrategie Ein zentraler Lösungsansatz ist die Kreislaufwirtschaft. Studien zeigen, dass durch verstärktes Recycling von Stahl, Aluminium und Plastik bis zu 56 % der CO2-Emissionen in der Schwerindustrie eingespart werden könnten. Auch Sharing-Modelle wie Carsharing und Coworking können zur Reduktion beitragen. Eine umfassende Umstellung auf Kreislaufwirtschaft würde nicht nur Emissionen senken, sondern auch Ressourcen schonen. In einer österreichischen Studie wurden vier Szenarien analysiert, wie sich bis 2040 der Gebäudesektor, der Transport und die Stromerzeugung dekarbonisieren lassen – je nach wirtschaftlichem Wachstum und politischer Ambition. Nur das ambitionierteste Szenario, das unter anderem keine neuen Straßen oder Gebäude auf unbebautem Land vorsieht, führt zu einer deutlichen Reduktion der Emissionen, wie Abbildung 4.5 zeigt. Tourismus im Klimawandel Der Tourismus ist für Österreich ein bedeutender Wirtschaftssektor – rund 7,5 % des BIP hängen direkt oder indirekt davon ab. Gleichzeitig verursacht Tourismus erhebliche Emissionen, vor allem durch Transport. Österreich ist ein sogenanntes „Net Origin Country“: Die Emissionen durch Auslandsreisen der Österreicher:innen sind höher als jene der ausländischen Tourist:innen im Inland. Die Klimakrise bedroht den tourismusrelevanten Naturraum: Wintertourismus leidet unter Schneemangel, Sommerhitze beeinträchtigt den Städtetourismus, und zunehmender Starkregen sowie veränderte Wasserqualität in Seen könnten weitere Auswirkungen haben. Mögliche Strategien zur Anpassung sind z. B. längere Aufenthalte statt häufiger Kurzreisen, Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder nachhaltiger Hotelbetrieb. Einige praktische Ideen: Hotels könnten Bahnreisen bewerben oder Rabatte für klimafreundliche Anreisen anbieten. Viele österreichische Hotels nutzen bereits heute überdurchschnittlich viel erneuerbare Energie – 54 % im Vergleich zu 34 % im nationalen Durchschnitt. Dennoch ist der Wintertourismus besonders gefährdet, da technologische Anpassungen wie Schneekanonen oft nicht mehr ausreichen werden. Industrie und Herstellung Österreich hat eine energieintensive Industrie mit hohem Anteil an Metall- und Papierproduktion. Zwar wird moderne, effiziente Technologie eingesetzt, der Gesamtenergiebedarf bleibt jedoch hoch. Besonders in der Stahlproduktion bestehen durch den Einsatz von Wasserstoff oder Recycling („Sekundärstahl“) Potenziale zur Emissionsminderung. Der Umbau erfordert allerdings große Investitionen und neue Energiequellen. Das Energiesystem Österreichs Der Anteil fossiler Energieträger am Energiemix ist in Österreich zwar leicht gesunken – von 75 auf 66 % – doch besonders beim Gasverbrauch gab es kaum Fortschritte. Wind- und Solarenergie haben stark zugelegt, vor allem durch den Ausbau von Biomasse, Windkraft und Photovoltaik. Trotzdem besteht weiterhin hoher Handlungsbedarf, insbesondere im Verkehrssektor, der nach wie vor stark von Öl abhängig ist. Windkraft gilt als besonders verlässlich und saisonal gut abgestimmt. Dennoch ist der Ausbau sehr ungleich verteilt: Über 800 von ca. 1400 Windrädern stehen in Niederösterreich, während es in Westösterreich (Tirol, Salzburg, Vorarlberg) gar keine gibt. Der Hauptgrund sind fehlende politische Vorgaben und mangelnde Akzeptanz auf Landesebene – nicht etwa geografische Einschränkungen. Der Bericht betont, dass Österreichs Energieinfrastruktur ein zentraler Hebel zur Dekarbonisierung ist. Investitionen von 6 bis 11 Milliarden Euro pro Jahr wären notwendig, um bis 2040 ein CO2-neutrales System zu etablieren. Hindernisse sind vor allem mangelnder politischer Wille, fragmentierte Gesetzgebung und geringe gesellschaftliche Akzeptanz. Arbeit, Gesellschaft und Klimagerechtigkeit Ein unerwarteter, aber wichtiger Aspekt in Kapitel 4 ist die Rolle von Arbeit im Kontext der Klimakrise. Der Bericht unterscheidet zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit (z. B. Pflege, Ehrenamt) und untersucht, wie beide mit Emissionen, Mobilität und gesellschaftlicher Transformation zusammenhängen. 90 % der österreichischen Bevölkerung sind in unbezahlte Care-Arbeit eingebunden, aber nur rund 50 % in bezahlte Erwerbsarbeit. Frauen übernehmen dabei den Großteil der unbezahlten Tätigkeiten. Zugleich sind viele Erwerbstätige überfordert: 17 bis 30 % fühlen sich als „over-employed“ – sie würden gerne weniger arbeiten. Dies beeinflusst auch die Bereitschaft, sich für Klimaschutz zu engagieren. Arbeit beeinflusst Mobilität: Etwa 50 % der in Österreich zurückgelegten Wege stehen in Zusammenhang mit Arbeit. Menschen, die „grüne“ Arbeitsplätze haben oder deren Unternehmen Umweltbewusstsein leben, engagieren sich häufiger für Nachhaltigkeit. Umgekehrt fällt es Menschen mit belastenden Arbeitsbedingungen oder wenig Kontrolle schwerer, klimafreundlich zu handeln. Der Bericht fordert daher strukturelle Veränderungen: Arbeitszeitverkürzung, bessere Bezahlung und Sichtbarkeit für Care-Arbeit, Förderung von grüner Beschäftigung sowie eine Verlagerung von Arbeit näher an Wohnorte. Gewerkschaften könnten als Akteure für Klimagerechtigkeit gestärkt werden, etwa durch Schutz vor Hitzebelastung oder faire Arbeitsbedingungen in der Transformation. Auch hier lautet das zentrale Fazit: Nur durch eine bewusste Umgestaltung von Arbeit wird der Wandel zu einer klimafreundlichen Gesellschaft gelingen. . Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  18. DK144: Asphalt und Abgase: Städte und Verkehr in der Klimakrise
    30.06., 07:0001:05:13

    Und: Warum kauft man in Österreich so viele SUVs? DK144: Asphalt und Abgase: Städte und Verkehr in der Klimakrise Und: Warum kauft man in Österreich so viele SUVs? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 144 geht es um zwei große Brocken am Weg in eine klimafreundliche Zukunft: Gebäude und Mobilität. Wir alle leben irgendwo und wir alle bewegen uns fort. Aber genau dadurch schaden wir derzeit dem Klima ziemlich stark. Das müssen wir ändern und wir schauen uns in dieser Folge an, wo die Probleme liegen und wie wir das hinkriegen können. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum dritten Kapitel des Sachstandsberichts. Gebäude und Mobilität Kapitel 3 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beschäftigt sich mit Gebäuden und mit Mobilität Beide sind tief in gesellschaftliche, politische und technologische Strukturen eingebettet. Die Vielzahl der beteiligten Disziplinen kann man sich in Abbildung 3.1 ansehen, die gleichzeitig auch zeigt, dass wir es mit einem komplexen Feld zu tun haben. https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2_fig-3-1.png Schon heute stammen 75 % der globalen Treibhausgasemissionen aus urbanen und suburbanen Siedlungen – ein Trend, der sich bis 2050 noch verstärken wird. Für Österreich prognostiziert man einen Anstieg der Urbanisierungsrate auf 71 %. Städte sind besonders anfällig für Hitzewellen und Starkregen, was durch Hitzeinseln, Bodenversiegelung und dichte Bebauung verschärft wird. Neben physikalischen Faktoren wird auch die soziale Dimension betont: Phänomene wie Gentrifizierung – insbesondere grüne Gentrifizierung – führen dazu, dass einkommensschwächere Gruppen aus ökologisch aufgewerteten Stadtteilen verdrängt werden. Ein besonders kritischer Aspekt ist die hohe Bodenversiegelung in Österreich. Aber auch der Landverbrauch (z. B. durch Freizeitnutzung oder Wirtschaftswald) ist ein Problem. Wie zersiedelt Österreich ist, kann man anhand der Abbildungen 3.5 und 3.6 sehen: https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2fig-3-5.jpg https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2fig-3-6.jpg Trotz EU-Zielen wie „No Net Land Take“ bis 2050 fehlt in Österreich eine bundesweite Strategie, was durch den föderalen Aufbau zusätzlich erschwert wird. In Tabelle 3.1 wird veranschaulicht, wie Österreich wohnt: Die Mehrheit der Gebäude gehört Privatpersonen, meist in Form von Einfamilienhäusern. Die Tabelle 3.2 zeigt den Energieverbrauch nach Energieträgern im Zeitraum 1990–2022. Fossile Brennstoffe, insbesondere Gas, sind rückläufig, aber weiterhin relevant. Insgesamt ist der Energieverbrauch 2021–2022 um 12 % gesunken – zum Teil aufgrund milderer Winter infolge des Klimawandels. Ein Umstieg auf klimafreundliche Gebäude erfordert mehr als nur Technologie. Es braucht qualifiziertes Personal: Handwerker:innen, Installateur:innen, Planer:innen, usw. Ohne gezielte Bildungs- und Arbeitsmarktinitiativen droht ein Fachkräftemangel. Der Bericht nennt die ambitionierte Ziele, die für eine Dekarbonisierung des Gebäudesektors nötig sind, wie die Verdopplung der Renovierungsrate auf 2,8 % bis 2030 sowie den Austausch von 700.000 Öl- und 1 Mio. Gasheizungen bis 2040. Technisch sei das machbar, aber nur mit passenden politischen Rahmenbedingungen, besserer Koordination im föderalen System und gezielter Förderung. Mobilität – Status quo und Probleme Der Transportsektor ist mit 30 % der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Österreich – und der einzige Sektor, in dem die Emissionen seit 1990 nicht gesunken sind. 99 % der Emissionen stammen aus dem Straßentransport. Besonders problematisch: Diesel-PKWs (42 %), LKWs (26 %) und Benzin-PKWs (23 %). Auch SUV-Neuzulassungen steigen drastisch – 2023 lag ihr Anteil bei über 44 %. Neue Mobilitätsformen wie E-Scooter oder Carsharing bringen aus Sicht des Klimas kaum Vorteile, da sie meist Wege ersetzen, die sonst zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt würden. Der Bericht betont, dass Pull-Maßnahmen (bessere Öffis, E-Mobilität) allein nicht ausreichen. Notwendig sind auch Push-Maßnahmen: CO₂-Preise, Geschwindigkeitslimits, höhere Steuern auf Autos. Die Transformation werde aber durch politische Hürden, Interessenskonflikte und tief verwurzelte soziale Normen (z. B. Auto als Statussymbol) erschwert. Trotzdem zeigt der Bericht viele Co-Benefits auf: bessere Luft, höhere Lebensqualität, weniger Lärm. Die Mobilitätsmuster unterscheiden sich stark: In Städten wie Wien ist der Anteil der Haushalte ohne Auto sehr hoch (47 %), während er in Gemeinden unter 10.000 Einwohnern bei nur 12 % liegt. Auch Mehrfachautobesitz ist am Land deutlich höher. Österreich hat zudem nicht den Trend, dass junge Menschen weniger Führerscheine machen – im Gegenteil: Die Zahl steigt, besonders außerhalb der Städte. Die Bahn ist in Österreich ein Positivbeispiel: Über 95 % des Stroms kommt aus erneuerbaren Quellen, primär Wasserkraft. Die Treibhausgasemissionen des Bahnsektors stammen fast ausschließlich aus Bau und Wartung der Infrastruktur. Mit rund 5.000 km Schienennetz und hohen Pro-Kopf-Investitionen (nach der Schweiz Platz 2 in Europa) ist Österreich gut aufgestellt – auch wenn Kürzungen drohen. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  19. DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft?
    23.06., 07:0000:52:37

    Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft? Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 143 geht es um die Landwirtschaft. Aber auch um den Wald, unsere Nahrung, unsere Gesundheit, unser Essen und unsere Freizeit. All das hängt mit der Landschaft zusammen und der Art und Weise, wie wir sie nutzen. In Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel wird diskutiert, wie sich die Klimakrise auf all diese Aspekte in Österreichs Zukunft auswirken wird. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum zweiten Kapitel des Sachstandsberichts. Landwirtschaft und noch viel mehr Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beschäftigt sich mit der Landwirtschaft. Aber nicht nur damit! Es geht auch um alles andere, was das Land so zu bieten hat. Es geht um Wälder und Forstwirtschaft, um Landnutzung und um Landnutzungsänderungen und um die “Ökosystemdienstleistungen”, also all das, was Land und Wald uns darüber hinaus noch bieten. Zum Beispiel Erholung, Tourismus und kulturelle Identifikation. Die Klimakrise wird das alles beeinflussen und was da genau passieren wird und wie wir damit umgehen, wird uns in Kapitel 2 beschäftigen. Die Landwirtschaft verursacht in Österreich etwa 10 % der gesamten Treibhausgasemissionen, wobei Methan (aus der Viehhaltung) und Lachgas (aus Böden) dominieren. Zusammengenommen mit der Forstwirtschaft betrugen die Emissionen aus dem Sektor 2023 fast 20 % der nationalen Gesamtemissionen. Grenzüberschreitende Auswirkungen Etwa 45 % der in Österreich konsumierten Agrarprodukte stammen aus dem Ausland. Zwei Drittel der damit verbundenen Treibhausgasemissionen entstehen außerhalb Österreichs – hauptsächlich in Europa, Asien und Lateinamerika. Ein besonders klimaschädliches importiertes Produkt ist Leder: Nur 0,7 % der Emissionen seiner Herstellung fallen in Österreich an, während 25 % in Indien entstehen. Auch Österreichs Bioenergieversorgung ist nicht autark – 39 % des energetisch genutzten Holzes stammen aus Importen. Diese Zusammenhänge verdeutlichen die globale Verantwortung nationaler Konsummuster. Ökosystemdienstleistungen und Klimawandel Eine zentrale Quelle dieser Episode ist Tabelle 2.2, die potenzielle Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosystemdienstleistungen bei 3 °C und 5 °C Erwärmung in verschiedenen Regionen Österreichs visualisiert. Klar wird: Die meisten Dienstleistungen werden negativ beeinflusst – etwa Wasserverfügbarkeit, Erholung, Schutz vor Naturgefahren oder Biodiversität. Zwar könnten verlängerte Vegetationsperioden gewisse Chancen eröffnen, doch die Geschwindigkeit des Wandels gefährdet diese wieder. Klimawandel, Wein und Marillen Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des Klimawandels im Bereich der Dauerkulturen wie Wein und Obstbau. Frühere Austriebe und eine Entkopplung von Pflanzen und Bestäubern gefährden Ernten – wie etwa beim Totalausfall der Marillenernte in der Wachau im Jahr 2023. Wetterextreme wie Hagel oder Spätfrost stellen ein zunehmendes Risiko dar. Gleichzeitig könnten durch den Klimawandel Regionen wie das Waldviertel oder Mühlviertel bis zum Ende des Jahrhunderts für Weinbau geeignet werden – ein Zeichen für den strukturellen Wandel, der bevorsteht. Freizeit und ästhetischer Wert der Landschaft Wintersportarten wie Skifahren oder Langlaufen sind durch die Erwärmung gefährdet. Für ein Erwärmungsszenario von +2 °C wird ein Rückgang der Schneetage auf 50 % prognostiziert. Gleichzeitig steigt in den Bergen durch tauenden Permafrost die Gefahr von Muren und Felsstürzen. Auch Sommertourismus leidet unter Niedrigwasser, Algen und Krankheitserregern in Badeseen. Die Ausbreitung von Wäldern in höhere Lagen sowie Gletscherschwund und Waldschäden durch Brände und Parasiten beeinträchtigen den ästhetischen und symbolischen Wert der Alpenlandschaften – mit Folgen für Tourismus und Identität. Klimarisiko Wald Die Wälder Österreichs waren lange Kohlenstoffsenken – doch in den Jahren 2018 und 2019 wandelten sie sich zeitweise zu Quellen von Treibhausgasen. Ursachen sind unter anderem höhere Temperaturen, Schädlinge und veränderte Wachstumsbedingungen. Angepasstes Waldmanagement, etwa durch Förderung klimaresilienter Baumarten und höhere Biodiversität, könnte diese Entwicklung umkehren. Doch: „Wald dauert“: viele Maßnahmen entfalten ihre Wirkung erst langfristig. Mehr Pflanze, weniger Schnitzel Österreich zählt zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Fleischkonsum. Die damit verbundenen Emissionen – insbesondere beim Rindfleisch – sind erheblich. Eine Umstellung auf die „Planetary Health Diet“, wie sie von der EAT-Lancet-Kommission empfohlen wird, könnte jährlich zwischen 5 und 15 Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Fleischersatzprodukte – ob pflanzenbasiert, insektenbasiert oder aus Zellkulturen – werden bis 2040 voraussichtlich bis zu 60 % des globalen Markts ausmachen. Eine detaillierte Tabelle 2.4 vergleicht Umweltwirkungen verschiedener Produkte. Gesundes Klima und gesunde Menschen Nicht nur das Klima wirkt auf unsere Gesundheit, auch unsere Ernährung. In Österreich sind 34,5 % der Erwachsenen übergewichtig und 16,5 % adipös. Eine Reduktion des Fleischkonsums hätte nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Vorteile: Sie würde das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und mehrere Krebsarten senken. Klimaschutz und Gesundheitsförderung gehen hier Hand in Hand. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

  20. DK142 - Österreich ist heiß(er)
    17.06., 12:0000:48:24

    Und: Warum wir uns von den Gletschern verabschieden müssen Hier ist der Link zum ersten Kapitel des Sachstandsberichts. Was macht Österreich besonders? Österreich nimmt aufgrund seiner Geografie eine besondere Stellung in Europa ein. Zwei Drittel des Landes sind von Gebirgen geprägt. Diese topografische Vielfalt bringt sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen mit sich. So reichen die Jahresmitteltemperaturen in verschiedenen Regionen von minus sechs bis plus zwölf Grad. In einem Land dieser Größe ist das außergewöhnlich. Gleichzeitig treten extreme Unterschiede auf – von Schneefall im Hochgebirge bis zu heißen Sommertagen in Tieflagen. Die Folge: Österreich reagiert besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen. Der doppelte Temperaturanstieg Besonders deutlich zeigt sich das am Anstieg der mittleren Lufttemperatur. Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,6 Grad gestiegen ist, beträgt die Erwärmung in Österreich bereits 3,1 Grad. Diese Erwärmung betrifft nicht nur das Flachland, sondern ist auch in mittleren Höhenlagen über 500 Meter sehr deutlich zu beobachten. Auch die Zahl tropischer Nächte – Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt – hat zugenommen. Österreich liegt also schon jetzt über dem globalen Mittel und wird laut Projektionen auch in Zukunft stets etwas stärker betroffen sein. Selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt würde, müsste Österreich mit rund zwei Grad Erwärmung rechnen. Bei zwei Grad globaler Erwärmung liegt die erwartete Erwärmung in Österreich bei etwa 2,6 Grad. Eine Faustregel, die der Bericht vorschlägt, lautet: Die österreichische Erwärmung beträgt etwa das 1,3-Fache der globalen Erwärmung – ein Verhältnis, das mit hoher wissenschaftlicher Sicherheit („High Confidence“) angenommen wird. Unsicherheiten beim Niederschlag Im Gegensatz zur Temperatur ist die Entwicklung des Niederschlags schwieriger vorherzusagen. Der Bericht geht davon aus, dass sich der Winterniederschlag erhöhen wird, während es im Sommer tendenziell trockener wird – besonders in den östlichen Landesteilen. Diese Projektionen basieren auf komplexen Modellen, die aufgrund der kleinräumigen Topografie Österreichs nur begrenzt genaue Aussagen auf lokaler Ebene zulassen. Gleichzeitig nimmt die Intensität kurzer, heftiger Niederschlagsereignisse zu – insbesondere zwischen Mai und September. Dies passt zur erhöhten Verdunstung durch steigende Temperaturen. Wasserhaushalt unter Druck Ein Thema, das Österreich besonders betrifft, ist der Wasserhaushalt. Durch die steigende Verdunstung in Folge höherer Temperaturen verlieren Flüsse und Seen zunehmend an Wasser. Besonders betroffen ist beispielsweise der Neusiedler See, der in den Jahren 2021 und 2022 stark unter Trockenheit litt. Obwohl der durchschnittliche Niederschlag in manchen Regionen sogar zugenommen hat, reicht das nicht aus, um die Verluste durch Verdunstung auszugleichen. Der Bericht betont, dass gleichbleibende Abflussmengen in Flüssen nicht automatisch bedeuten, dass sich der Wasserhaushalt nicht verändert hat – es kann sich auch der Prozess verändert haben, der zu diesen Mengen führt. Ein interessanter Punkt in der Diskussion ist der Zusammenhang zwischen Niederschlagsveränderungen und Flutrisiken. In der östlichen Hälfte Österreichs hat sich die Saison für Überschwemmungen bereits verschoben: Während früher der Winter die Hochwassersaison war, treten heute häufiger Sommerfluten auf. Die Veränderungen sind jedoch regional sehr unterschiedlich. Dies zeigt sich auch deutlich in Abbildung 1.12 des Berichts, die die erwarteten Veränderungen von Hoch- und Niedrigwasserereignissen in verschiedenen Regionen Österreichs visualisiert: Gletscher in Österreich: Ein Abschied auf Raten Besonders drastisch sind die Veränderungen bei den Gletschern. Seit 1969 hat Österreich rund 40 Prozent seiner Gletschermasse verloren. Der Bericht geht davon aus, dass eine nahezu vollständige Entgletscherung bis zum Ende des Jahrhunderts als nahezu sicher („virtually certain“) gilt – selbst bei Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. In diesem Szenario würden nur noch maximal sechs Prozent der heutigen Gletschermasse übrig bleiben. Diese Entwicklung wird in Abbildung 1.10 eindrucksvoll visualisiert: Die projizierten Kurven der Gletschermasse sinken unter allen betrachteten Erwärmungsszenarien steil ab. Naturgefahren im Wandel Die Klimakrise verändert auch die Naturgefahrenlage in Österreich. Hitzewellen, Starkregen, Waldbrände, Erdrutsche und Steinschläge nehmen zu oder werden zumindest intensiver. Der Bericht listet eine Vielzahl dieser Risiken in einer übersichtlichen Darstellung auf (Abbildung 1.18) und zeigt, welche Gefahren zunehmen, gleichbleiben oder eventuell sogar abnehmen könnten – wobei echte Entlastungen kaum zu erwarten sind: Besonders betroffen sind Regionen mit steilen Hängen, dort nehmen durch häufigere Extremniederschläge auch die Risiken für Murenabgänge und andere gravitative Naturgefahren zu. Wer sich näher mit diesen Themen befassen möchte, findet in Kapitel 1.7 und Abbildung 1.17 eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen Typen von Erdrutschprozessen und deren klimatische Auslöser. Burning Embers: Risiken grafisch greifbar Auch im AAR2 treffen wir die „Burning Embers“ – die Balkendiagramme, die das Risiko bestimmter Auswirkungen in Abhängigkeit vom Erwärmungsgrad zeigen. In Cross-Chapter Box 1, Abbildung 3, werden verschiedene Risikobereiche – etwa Hitzetote, Arbeitskraftverlust, Ernteausfälle oder Schneemangel – farblich gestaffelt dargestellt: Die Farben reichen von Weiß (kaum Risiko) über Gelb und Rot bis zu Dunkelviolett (sehr hohes Risiko). Besonders eindrucksvoll ist, wie schnell das Risiko in bestimmten Bereichen ansteigt. So steigt beispielsweise das Risiko für hitzebedingte Gesundheitsprobleme bereits bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad in den hohen Bereich. Gleichzeitig zeigen sich abrupte Übergänge – etwa beim Ernteverlust, wo das Risiko bei etwa 2,5 Grad plötzlich deutlich steigt. Das Diagramm enthält auch eine zweite Skala, die die jeweiligen Auswirkungen bei der österreichischen Durchschnittstemperatur abbildet – ein sehr hilfreiches Detail, da Österreich sich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2

Die Klimakrise ist umfassend und global. Sie hat Auswirkungen auf alle und alles und wird ohne Zweifel unser Handeln und unseren Alltag in den nächsten Jahrzehnten in sämtlichen Bereichen bestimmen. Darum ist es nötig, dass möglichst viele Menschen über das Klima und die Wissenschaft hinter der Klimakrise Bescheid wissen. Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht regelmäßig sogenannte “Sachstandsberichte” die das jeweils aktuelle Wissen zur Klimakrise zusammenfassen. Diese tausenden Seiten sind schwere Lektüre, die wir euch mit diesem Podcast ersparen wollen. Das gleiche gilt für die vielen anderen neuen Erkenntnisse der Klimaforschung. In jeder Folge wird aktuelle Forschung rund um die Klimakrise so vermittelt, dass sie auch ohne Studium der Klimawissenschaft verständlich sind. Ein Podcast von Florian Freistetter (Astronom und Autor) und Claudia Frick (Meteorologin und Professorin für Wissenschaftskommunikation). Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.