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90- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #5122.04., 06:0022.04.2023, 06:0001:05:21
No-Name-Lyrik, Muttermilchtinte und Herstellungsporn - Wir feiern Frühlingsbücher! Die Folge nach der Jubiläumsfolge! Wir sind zurück und freuen uns über die längst Tradition gewordene gemeinsame Zeit an Grauburgunder und Gelesenem und stellen fest: Der Wert der Lyrik hängt nicht von Namen ab. Doch kann man als junge Frau den Roman besser vermarkten als ein alter weißer Mann? Und schreibt die Dichterin von heute durch die Muttermilchtinte die Ikonen aus vorigen Jahrhunderten mit? Wir fragen mal wieder nach Familiengeheimnissen. Den düstersten im Verschwiegenen. Löst sich der Schmerz in schönen Sätzen auf? Und reden endlich offen über Geld. Diesmal über das beschämende Gefühl ein bisschen mehr zu haben als noch vor ein paar Jahren. Was macht das mit uns? Am Ende sehnen wir uns von den Alpen nach Hiddensee. Denn wir sind da zu Hause, wo uns der Buchsatz begeistert und die Illustrationen eine ganz eigene Geschichte erzählen. Alles Lieblingsbücher!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #5001.04., 06:0001.04.2023, 06:0001:28:40
Wir feiern unsere 50. Folge mit 50 Indiebooks! Nach etwas über vier Jahren feiern wir die 50. Folge unseres blauschwarzberlin Podcasts. Nicht zufällig am Indiebookday. Wir haben euch eingeladen, ins ocelot als Publikum mit direktem Blickkontakt oder wie immer im Livestream auf Instagram, um bei dieser Jubelfolge dabei zu sein. Und wie wir gefeiert haben. Hier und da. Und lange. Mit euch nah und fern. Tanzend. Spät noch am Tisch. Oder in Gedanken. Doch vorher haben wir (50 am 50.) beide jeweils 25 Bücher aus unabhängigen Verlagen besprochen, Lebenslektüren und neu Erschienenes, die Verbündeten und die Verstörung, eine Mischung an Büchern, die uns begeistert, beschäftigt, beeindruckt haben. Und es weiterhin tun. So, wie euch hoffentlich auch. Diese Folge ist ein Geschenk, das wir einander gemacht haben. Auf die nächsten 50!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #4918.02., 06:3018.02.2023, 06:3000:59:18
Die Folge vor der Jubiläumsfolge! Die Folge vor der Jubiläumsfolge. Wir feiern ein neues Buch von einer der besten Lyrikerinnen unserer Tage. Wir diskutieren Texte von überbordender Grausamkeit, die uns dennoch nicht loslassen und fragen uns dabei: Warum brauchen wir eigentlich ab und zu Ausflüge in diese Abgründe? Aber aus der Gewalt kann auch eine emanzipatorische Kraft erwachsen, die die Figuren befreit in ihren Geschichten. Und dann verspricht Literatur Heilung, so schwer die Zustände, die Diagnosen auch sein mögen. Selbst Psychiatrie ist nur Fiktion, wenn man schreiben kann. Und was für eine! Liebeskummer lässt sich nicht mit Benzos therapieren und Depression ist dann doch nur die gesunde Reaktion auf ein krankes System. Wir wollen anders bleiben. Am besten für alle. Und scheitern nicht an der kaputten Grammatik einer Familie. Nicht heute. Und was bringt die Zukunft? Vorfreude auf 50-50. Fünfzig Indiebooks zur fünfzigsten Folge blauschwarzberlin. Genau zum Indiebookday am 25. März 2023, live auf Instagram und live vor Publikum im ocelot in Berlin. Das wird ein Rausch!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #4828.01., 06:2528.01.2023, 06:2501:09:08
Wir feiern 4 Jahre blauschwarzberlin! Wir werden 4! Schon vier Jahre gibt es nun unseren blauschwarzberlin Literatur-Podcast. Vier Jahre Bücher lesen und bei Grauburgunder darüber sprechen. Zur Feier des Tages trinken wir blutigen Bernstein, schwimmen in der Karibik mit dem Kolonialismus um die Wette und fragen uns mehrfach, wie viel Differenz eine Liebe eigentlich aushält. Es geht viel um Wien, den queeren Untergrund dort und den schlimmsten Schießbuden-Techno, um herkunftstechnische Arschkarten und ob sie immer das Ende der Geschichte bedeuten müssen. Wie schön wäre es doch, man könnte sich manchmal zurückziehen, in einer einsamen Hütte. Ohne Mann. Zum Schluss fragt Ludwig in Neukölln und Maria mit Blick auf einen wesentlich jüngeren Mann, ob da nicht eigentlich viel mehr möglich gewesen wäre. Zumindest der Wein schmeckt wieder fantastisch!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #4717.12., 06:3017.12.2022, 06:3001:19:05
Die Folge mit den Fragen! Statt einer Weihnachtsfolge trinken wir kalten Sauvignon Blanc von Emil Bauer und fragen uns, ob auch Glühwein geht oder eher nicht. Maria tendiert zu Team Sophia, Ludwig bleibt kühl bei dem Thema. Wir folgen einem Dichter auf dem Lebensweg anderer Dichter und bewundern kluge Fragen. Mit der ganzen narrativen Wucht räumt ein Buch das literarische Feld des Jahres von hinten auf. Wer hätte das gedacht? Wir zählen die Bücher, die Monate und halten inne in voller Fahrt. Wir gleiten elegant ab zwischen privatem und beruflichen Lektüren und finden, die Zeit ist reif für bezahltes Lesen und Sushi im Weihnachtsgeschäft. Aber bitte ohne Haie! Die bleiben im Wasser und, ja, spenden Trost dort, wenn man gut über sie nachdenkt. Nachfühlt. Und dabei das Atmen nicht vergisst. Zum Schluss wird es dann nochmal richtig laut, weil wir bei der Wahl des richtigen Bestecks ganz unterschiedlicher Meinung sind. Wenn es um ein Boot geht, könnten große Planen helfen. Und in der Liebe? Morphium vielleicht? Letzte Zweifel lassen sich hier wohl nicht ganz beseitigen, aber das müssen wir vielleicht auch nicht. Dafür enden wir mit Klassikern und sagen Danke. Danke für eure Fragen, Danke für euer Zuhören und für dieses blauschwarze Literaturjahr 2022. Wir hören uns im Januar!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #4603.12., 07:0003.12.2022, 07:0001:18:53
Ananas? Wir versuchen zart zu bleiben. Haben das Nichtschwimmerbecken der Literaturkritik doch verlassen und akzeptieren Lücken im Kanon. Wir denken laut über Kleidung nach, über blaue und schwarze und darüber, wie sie uns schützt. Es scheint, unsere Bücher sprechen miteinander, über Mode und Statussymbole, über das Aufwachsen in migrantischen Milieus, über Arbeit und das Weggehen. Sie sprechen Dänisch und queer und außerirdisch. Völlig ungeplant sehen wir funkelnde Zusammenhänge zwischen den Zeilen. In der kirgisischen Steppe blicken wir schlussendlich gemeinsam in den Sternenhimmel, sehen dort Raumschiffe und Menschen als Maschinen. DAS ist gute Literatur.
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #4505.11., 06:3005.11.2022, 06:3001:17:55
Diesmal singen wir auch! Von Klimakrise zu Kümmerung. Wir überwinden die Genres und Stockholm hört endlich Marias Rufe. Wurde aber auch Zeit! Unter der Fahne der Autofiktion lesen wir von starken Frauen und spüren ihn auf, den Ehemann in uns. Wir sprechen über den Deutschen Buchpreis, der so sehr im Jetzt ist, wie lange nicht mehr. Von da aus lesen wir uns gedanklich auf eine Insel, auf der es brennt und das Düstere immer mehr zunimmt. Eine Metapher auf unsere Gegenwart? Dann lieber Städte aus Papier und ein ganz helles Lesen. Doch nicht in London, denn dort brennt es auch, also zumindest im Zoo, und der Kapitalismus wütet. Sind denn jetzt alle verrückt geworden? Nein, das nicht, aber die Gesellschaft ist immer noch nicht in der Lage, das Irrationale in sich zu dulden. Wir sperren unser Denken nicht ein, sondern bleiben offen für das Neue, Andere, Unvorhergesehene. Denn zwischen blau und schwarz passt ganz hervorragend noch rosa in grau. Hoch lebe die Buchkultur!
- blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #43 & #4408.10., 14:3308.10.2022, 14:3302:09:47
Eine Doppelfolge zum Herbstanfang! In unserer Doppelfolge zum Herbstanfang sprechen wir über zeitlose Gedichte aus Albanien, die brennend politisch sind. Es geht viel um Liebe, um Liebeskummer, um Onlinedating und die Ebene dahinter, um die Liebe zu Berlin und die Frage, warum wir uns genau hier begegneten. Sind wir vielleicht sogar geflohen? Aus einer Klasse und einem Milieu? Édouard Louis und Marlen Hobrack treffen sich in diesen Fragen, ganz ohne Scham, aber mit einem wachen, ehrlichen Blick. Den hat auch Christine Koschmieder, wenn sie (zu) tief ins Glas auf ihr eigenes Leben schaut. Mutig! Doch Geschichte kann auch ganz anders erzählt werden. Als Stimmgabe derer, die nicht mehr sprechen können, weil sie deportiert wurden oder auf ewig stumm gemacht sind in den Museen, nicht nur in Wien, aber dort ganz besonders. Und so hören wir aus der Ferne die Kaiserin, die jung Gestorbene, hören die Hufschläge ihrer Pferde als Echo in unserem Lesen. Dürfen wir darüber sprechen, auch wenn wir kein „von“ im Namen tragen? Gute Frage. Bis die geklärt ist, bleiben unsere Lektüren die schönste Aneignung. Viel Spaß beim Hören!
- blauschwarzberlin. Podcast #42 Juli 202206.08., 07:0006.08.2022, 07:0001:17:53
Endlich wieder vereint! In Folge 42 sind Ludwig und Maria nach sechs Wochen transatlantischer Trennung endlich wieder vereint. Das tröstet auch darüber hinweg, dass die Julifolge coronskibedingt bereits eine Augustfolge wurde. Über Liebeskummer tröstet ja manchmal Lyrik hinweg. Wie gut, wenn nicht nur New Yorker Buchhändlerinnen sich und uns viele Regalmeter Platz für Poetry leisten. Wir können uns hingegen vor allem nicht länger leisten, die Klimakrise zu ignorieren. Der Wald brennt längst nicht nur in unseren Büchern. Doch zurück nach New York, wo eine der größten Essayistinnen unserer Zeit darauf schaut, wie die Einsamkeit der Stadt ganze Seiten füllt. Während dieses Buch längst zu einem Klassiker geworden ist, beeindruckt uns hier ein blutbuchiges Debüt, das jeden Rahmen und jede Erwartung sprengt. Ludwig spürt nochmal eine literaturgewordenen, verlorenen Liebe nach. Und als Absacker begeben wir uns mit dem Fahrrad durch Big Apple, auf die Geschichte der New Yorker Börse und es gibt einen kleinen Überraschungsausflug zu den Wikingern zum Schluss.
- blauschwarzberlin. Podcast #41 Juni 202225.06., 03:2125.06.2022, 03:2101:19:38
Die Transatlantikfolge! Verbunden im Lesen sind wir uns nah, auch wenn Brooklyn und der Wedding kilometerweit entfernt sind. Mit Lyrik fängt immer alles an. Immer. New York erzählt jedoch ganz eigene Geschichten. Und eine Ikone des Punk hat die wohl traurigste geschrieben, die Ludwig in diesem Jahr gelesen hat. Mit anderen Augen spaziert er nun durch die Metropole, während Maria sich in Berlin ausgerechnet von einem Amerikaner die Liebe zu russischen Erzählungen wie eine literarische Immunkur verpassen lässt. In New York geht es um AIDS und die Kunst, die beide gesehen werden müssen und um einen Künstler, der auch hier bei uns viel bekannter sein und endlich ins Deutsche übersetzt werden sollte. Wir sprachen über weibliches Begehren jenseits der Lebensmitte und wo das alles je enden soll. Soll es überhaupt? Für literarische Absacker bleibt diesmal kein freier Moment, denn trotz der Überlänge wollen wir uns noch besser einfühlen, müssen noch voneinander erfahren, wie wir in Berlin die Tage verbringen und wie die New Yorker Nächte sind. Viel Spaß beim Hören!
- blauschwarzberlin. Podcast #40 Mai 202204.06., 08:3004.06.2022, 08:3001:20:47
Alles eine Frage der Entscheidung! Wir starten unsere 40. Podcastfolge mit überraschender nigerianischer Lyrik und gewohnt gutem Grauburgunder. Doch zuvor widmen wir uns dem verbotenen Gedanken, ob uns das exzessive Lesen eigentlich zu unsozialen Wesen werden lässt. Oder ist das Lesen unseren Mitmenschen in jeder Intensität zumutbar? Danach feiern wir eine Bachmannpreisträgerin, die - in einem Verlag von völlig unzweifelhaft schöner Gestaltung - ein postumes und sehr nachlesenswertes Gespräch mit einem Literaturnobelpreisträger führt. In der verwunschenen Einsamkeit Lapplands versuchen wir dann preisverdächtig einen Hecht zu fangen und kommen weder aus dem Staunen noch aus dem Lachen heraus. Bis uns das Begehren eines Bären auch als Klassiker ganz Neues über weibliche Lust erzählt. Was sehen wir jenseits unserer Augen? Wie überleben wir im Grauen der iranischen Revolution? Oder im eingekesselten Sarajevo? Literatur erzählt uns, was wir sonst nicht verstehen könnten. Und für alles andere gilt mindestens Regel #5 Beim Radfahren. Beim Lesen. Und eigentlich auch sonst.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Podcast #39 April 202223.04., 07:0023.04.2022, 07:0001:28:13
Wir brennen für gute Literatur In unseren letzten Lektüren wurde es sehr kalt aber auch sehr heiß. Da brennen die Menschen, vor Liebe, vor Wut oder ganz real, sie suchen einander in alten, versehrten Familien und in den erst frisch entstehenden. Sie schreiben sich Briefe und folgen sich bis an den Rand der Welt. Sie gehen nach Finnland, um zu erfrieren oder nach Afrika und ersticken dort fast. In Italien gibt es Tote und in Paris stirbt die Idee der Gemeinsamkeit. Letzter Ausweg Berlin. Aber auch dort wird vor Überhitzung gewarnt. Den kleinen Mädchen wurde das schon immer beigebracht. Und schon immer war das falsch. Nach all den Erfahrungen, dem Lesen und dem Nachdenken haben wir das Gefühl, trotzdem erst am Anfang zu stehen. Deswegen gehen wir jetzt erstmal spielen. Mit unseren Kindern, den Nichten und Neffen, den geliebten.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Podcast #38 März 202226.03., 07:0026.03.2022, 07:0001:11:35
Wir lesen unabhängig! Folge 38 unserer Letzten Lektüren beginnen wir mit einer Lyrik, die erzählt, was der Krieg noch alles mit sich bringt: Flucht und Vertreibung, die(se) Verbrechen. Ein Verbrechen war es auch, was im August 1949 im Negev geschah und von dem besonders genau berichtet werden kann, wenn nicht alles ausgesprochen wird. Aber holt uns das Verschwiegene nicht immer ein, auch nach über zwanzig Jahren noch? Ist die Verbundenheit einer Gruppe stark genug für die langen Schatten der Vergangenheit? Die Vergangenheit spricht übrigens Katalanisch. Das Gebirge, das sich faltete, der einschlagende Blitz, das Rehkitz, lebende und tote Stimmen erzeugen die Geschichte eine Pyrenäendorfes und bilden einen wunderbaren Chor. Aber niemals können Stimmen so eng miteinander verwoben sein wie Pilze. Ihre Schönheit und ihre weiche Widerständigkeit sind genug Gründe, sich so zu verlieben, dass es kein Halten mehr gibt. Liebe ist ein genaues Hinsehen, ein Tun und ein Verstehenwollen: Zum Schluss gehen wir dahin, wo wir gedanklich gerade immer sind. Und lesen uns ein in die Ukraine. Sehen, wie viel wir nicht wussten, hören den Stimmen zu, die dieses Land schon lange kennen und nehmen es als mehr wahr, als nur das aktuelle Trümmerfeld der Seele Europas.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Podcast #37 Februar 202225.02., 12:4225.02.2022, 12:4200:59:48
Wir glauben fest daran: Literatur ist wehrhaft. An so einem erschütternden Tag wie dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine ist es schwer, an gesetzten Terminen festzuhalten. Wie kann man über Literatur sprechen, wenn da gerade die Welt aus den Angeln fliegt? Aber aus welchem Grund sollten wir es ausgerechnet jetzt nicht tun? Und so sind wir bei euch und ihr bei uns, vereint in dem Gefühl des Unfassbaren und doch mit einem klaren Blick auf das, was Texte uns bieten können, um innerlich stabil zu bleiben, vielleicht sogar Trost zu finden. Wir lesen, was bereits vor über hundert Jahren über den Krieg gedichtet wurde, von einem der dabei war und der die Erbärmlichkeit des Krieges beschrieb wie noch keiner zuvor. Danach finden wir tierische Ablenkung: Nicht weil Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, sondern weil Schwein auf Gott trifft und mit grandiosen literarischen Mitteln davon erzählt. Von dort geht es direkt weiter, in die düstere Geschichte Argentiniens und in die okkulten Bräuche einer machthungrigen Familie. Doch auch von der Magie der Liebe, wird uns erzählt, die in diesem rauschhaften Leseerlebnis ein Gegengewicht bildet. Doch was, wenn man die Liebe zwischen Bratkartoffeln findet und ein uneheliches Kind dazu?. Wohin führt diese Offenbarung über den Vater im Leben und Schreiben einer Schriftstellerin? Zu einem Roman? Zu Wut? Könnte man Wut oder Unangepasstheit vielleicht herausoperieren und Menschen, Frauen vor allem, damit umgänglicher machen, leichter zu handhaben für eine patriarchale Gesellschaft? Apropos leicht: Welche Last trägt die Krankenschwester unter ihrer Tracht? In eilig fliegender Zeit gibt es dann noch hastig Bejubeltes: Die Bedeutung der Bücher für die Menschen führt den Kreis an den Anfang unseres Gesprächs zurück und ein ersehnter Roman ist genauso grandios wie erhofft.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Podcast #36 Januar 202222.01., 07:0022.01.2022, 07:0001:00:08
Wir feiern unseren dritten Geburtstag mit Euch! In Folge 36 unserer Letzten Lektüren beginnen wir den Januar ohne Alkohol, aber mit dem, was im letzten Jahr zu kurz gekommen ist: Liegen Gebliebenes oder zuunterst sicher für schlechte Zeiten Gestapeltes bietet überraschend berauschende Entdeckungsmöglichkeiten jenseits bekannter Sprach- und Themenfelder. Mit hungrigen Hunden lesen wir eine klein geschriebene, große Lyrik, die knapp und wie aus der Zeit gefallen, doch alles erzählt. Literatur als einzige Wegmarke, das eigene Schreiben als Anker, als Referenzpunkt, so wagen wir uns in intensive Liebesbeziehungen und ertragen auch ihr trauriges Ende, wenn die Krankheit zwischen alle Lebenspläne fährt. Doch was ist, wenn nicht nur die Liebe erkrankt? Was, wenn die ganze Welt krank geworden ist? Wenn Flüsse und Wälder verseucht sind, wohin ziehen wir dann mit unserem einzigen Kind, allein und zu Fuß? Und was begegnet uns auf diesem Weg? Gute Menschen und böse? Die Bösen erkennt man oft erst, wenn alles zu spät ist, wenn die Katastrophe über idyllisches Familienglück hinein bricht. Wenn aus pubertärem Gehabe Misogynie wird und wenn das Paradies untergeht, weil das Begehren kein Maß und die Sehnsucht keine Realität kannte. Fliehen wir schnell nach New York und in die queeren Clubs der Siebziger, wenn eine Lyrik-Ikone episodenhaft aus ihrem intensiven Leben erzählt. Zum Schluss singen wir einen mazedonischen Abgesang aufs Patriarchat und ziehen endlich das letzte Tabu vom Sprechen über Depression. Die Zeit verlangt es, und sie ist reif dafür.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Neue Texte Podcast #35 Dezember 202118.12., 07:0018.12.2021, 07:0001:36:54
Die Champagner-Folge zum Jahresende! 60 Bücher in 60 Minuten – wir blicken zurück auf ein Jahr, in dem unser Lesen sehr von ernsten Themen geprägt war. Vielleicht liegt es daran, dass es kein einfaches Jahr war. In unseren Letzten Lektüren geht es in diesem Jahr oft um den Verlust von Menschen, um Trauer und um das Alleinsein. Auch das allein Kindererziehen oder sich bewusst gegen Kinder entscheiden wollen oder müssen. Wir haben auch in diesem Jahr wieder die Geschichten von starken Frauen gesucht – und gefunden – die sich behaupten in einer Welt, die immer noch viel zu männlich buchstabiert wird. Wir haben Bücher gelesen, die für ein neues und besseres Verhältnis zwischen den Geschlechtern argumentieren und Texte, in denen die Autor:innen aufbegehren gegen die engen Schranken ihrer Herkunft. Das macht Lust auf Denken, auf Kritik und ermutigt zur Hingabe. Ein sehr prominentes Thema war die Macht kolonialer Strukturen, die bis in unsere Gegenwart hineinreichen. Ein Feld des Wissens, dass sich besonders aus unserer deutschen Perspektive immer noch zu sehr wie ein dunkler Kontinent anfühlt. Das wir dank der Literatur jedoch immer besser verstehen lernen. Überhaupt haben wir viel gelernt in diesem Jahr, haben durch die Lektüren unseren Blick geweitet und uns eingefühlt in die anderen. Die Bücher haben uns Halt gegeben, sie haben uns abgelenkt und sie haben uns als Gegenstände, als Kunst, als Ideen immer wieder daran erinnert, dass es Schönheit gibt in dieser Welt. Was für ein Geschenk!
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Neue Texte Podcast #34 November 202127.11., 07:0027.11.2021, 07:0001:18:12
Letzte Lektüren Podcast November 2021 Podcast heißt, lautes Denken. Von außen erkennt man es manchmal gar nicht auf den ersten Blick, aber unter der Oberfläche bricht etwas auf. Wir lesen Lyrik von Dóri Varga und verbinden uns dabei auf ungewohnte Weise. Schon weit vor Weihnachten entlarven wir Jesus´ Liebe nicht als Bewaffnung, sondern als verdammt gute Literatur. Um das zu sehen, müssen wir kurz innehalten. Das geht nicht, während wir rennen. Es braucht Stillstand und das Bewusstsein, nicht immer mitspielen zu müssen. So sehen wir viel klarer hinter die Kulissen dieser kälter werdenden Welt. Und dann sind wir uns ganz schnell einig, dass dieser kranke Spätkapitalismus endlich unter die Erde gehört. Nur nicht in die kalte Erde West-Virginias, da ist zwischen den vielen verschüttete Träumen und Scott McClanahans Verwandten kaum noch Platz. Wer jetzt allerdings hofft, der Boden auf Long Island wäre etwas sicherer, der irrt. Auch dort gilt es, postkoloniales Denken mit Lust und ohne Trauer zu verabschieden. Besonders dort. Wir kommen also nicht daran vorbei, die Welt anders zu denken. Besser für alle von uns, ehrlicher. Mit Traurigkeit, mit Scham, mit den besten Essays des Herbstes. Unter dem Schnee wird das Neue wachsen. Bis dahin lesen wir weiter. Wir wünschen gute Unterhaltung mit Folge 34 unserer Letzten Lektüren.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Neue Texte Podcast #33 Oktober 202130.10., 07:0030.10.2021, 07:0001:06:17
Letzte Lektüren Podcast Oktober 2021 Nach einer gefühlten Ewigkeit sprachen wir in Folge 33 unserer Letzten Lektüren über Literatur die von den Rändern her kommt. Wir remixen ein Gedicht auf der Suche nach dem einen, wahren Satz. Doch statt Worte zu Gold verwandelt sich Wut in Scham. Ganz am Rand unseres Bewusstseins flackert das Leben unserer Eltern vor unserer Geburt. Um das zu ergründen, muss man manchmal weit zurück, bis auf die langen Flure einer kommunistischen Kaderschmiede in Italien. Doch lass dir Filter wachsen für das, was du finden könntest in dieser Welt. Sonst landest du eventuell am Ende in der Psychiatrie, am Nullpunkt der Gefühle. Oder spritze dir Hasen-Gene und werde schneller besser weiter und bekomme gleich noch etwas dickes Fell. Doch wenn die Mutter den eigenen Vater umbringt, wird dir auch das nichts nützen. Dann bleibst du selbst am Rand, so sehr du auch schreist. Klingt nicht verlockend? Stimmt. Aber mit der Lolita auf dem Bauernhof wollen wir auch nicht tauschen. Trotz der schönen Sprache. Am Ende müssen wir erkennen, dass Lieben in Berlin schon damals fast unmöglich war. Also wieder fliehen, bis an den Rand der Welt?
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Neue Texte Podcast #32 September 202117.09., 07:0017.09.2021, 07:0000:58:25
Letzte Lektüren Podcast September 2021 In Folge 32 unseres Literaturpodcasts fragen wir uns in Gedichten, ob ein Diebstahl wenigstens dann moralisch vertretbar wird, wenn er dem nachhaltigen Möbelbau dient. Ökologie und Umweltschutz sind leider keine Wahl mehr, wenn in Zukunft die Klimakrise bereits Vergangenheit ist und die Katastrophe unsere Welt in Staub und Düsternis verwandelt hat. Doch die dunkelste Bedrohung geht wohl immer von den Menschen aus, die in einer groben und hoffentlich längst vergangenen Welt einem Waisenjungen und seinem gefiederten Freund das Leben zur Hölle machen. Schnell zurück ins Heute, wo selbst eine erfolgreiche Frau um die Fünfzig einen besonderen Humor braucht, wenn sie ihr Sehnen und Begehren nicht verstecken will. Sind die Wechseljahre vielleicht ein letztes Tabu in der Literatur? Wenigstens kann man den despotischen Vater mittlerweile getrost in den Abgrund werfen. Oder liegt da eine Täuschung zugrunde? Zum Abschluss weiten wir unseren Blick auf ein Nebelmeer und lesen, besprechen, rezensieren und entdecken endlich viel mehr Frauen und ihre Literatur.
- blauschwarzberlin: Letzte Lektüren - Neue Texte Podcast #31 August 202121.08., 07:0021.08.2021, 07:0000:59:51
Letzte Lektüren Podcast August 2021 Wir machen keine Sommerpause, sondern gehen mit Claudia Gabler und Jessica Lind in die Wälder. Das wirkt erstmal befreiend, die Vögel, die Wolken, die Stille. Wenn da nicht diese bedrückende Intimität zu diesem Wesen wäre. Doch wer ist das genau? Kann man einem Menschen denn näherkommen, als dem eigenen Kind in seinen ersten Jahren? Auf einer Straße in Chile führen wir den Beweis. In der einen Hand den Arztkoffer und in der anderen eine Zigarette erklärt uns eine 7-Jährige die Utopie von Gemeinschaft. Doch auch diese Nähe ist zerbrechlich und ihr Ende lässt sich nicht aufhalten. Da hilft es nur, weiterzulesen, neue Bücher aufschlagen und mit der Literatur das Aushalten, das Verstehen, das Tröstliche lernen. Wie wichtig das ist, begreifen wir, wenn eine Faust von innen in den Magen schlägt und plötzlich überhaupt nicht klar ist, ob es ein nächstes Kapitel geben wird. Dann brauchen wir den Arztkoffer plötzlich viel dringender als erwartet. Sonst kommt kein Winter nach dem Sommer mehr. Also schnell, Weltflucht, hoch in die Hütte, in die Wälder, die Berge, auf Blumen schauen und in die Weite. Ohne Pause.