ADHwaS

«Es ist nicht eingebildet.» – ADHS, der Darm und der Vagusnerv

22.09., 12:2000:47:46
Beschreibung der Episode

Du hast seit Jahren einen Bauch, der nicht tut, was er soll. Du warst bei Ärztinnen und Ärzten, es wurde untersucht, und am Schluss stand jedes Mal: Reizdarm, funktionell, wahrscheinlich Stress. Und was ankommt, ist: Da ist nichts. Du bildest dir das ein.

Am 10. September 2026 ist eine Arbeit erschienen, die genau das widerlegt. Forschende der Universität Warwick haben 23 Untersuchungen aus 11 Ländern zusammengerechnet, mit über 1,9 Millionen Menschen. Das Ergebnis: Menschen mit ADHS haben deutlich häufiger Magen-Darm-Beschwerden. In dieser Folge erkläre ich dir, was da gefunden wurde, wie Kopf und Bauch biologisch zusammenhängen, und was das für deinen Alltag bedeutet. Ich erzähle dir dabei auch etwas, das ich lange nicht erzählt habe: Ich war als Kind ständig krank am Bauch, und ich habe diese beiden Dinge in meinem eigenen Leben jahrzehntelang nie zusammengelegt.

Wir sprechen darüber:

• Was die Warwick-Studie genau gefunden hat, in Alltagssprache statt in Fachbegriffen, und warum die stärkste Verbindung ausgerechnet bei einem Thema liegt, das fast immer als Erziehungsproblem gedeutet wird

• Was «erhöhtes Risiko» wirklich bedeutet und was es ausdrücklich nicht bedeutet, damit diese Zahlen dich entlasten statt beunruhigen

• Der Vagusnerv als Leitung zwischen Kopf und Bauch, und die Überraschung dabei: rund 80 Prozent der Fasern melden von unten nach oben, nicht umgekehrt

• Warum Dopamin und Noradrenalin nicht nur im Gehirn arbeiten, sondern auch im Darm, und warum Verstopfung und Durchfall beide häufiger sind, ohne dass das ein Widerspruch ist

• Die drei Ebenen, auf denen diese Beschwerden entstehen: die Biologie, dein ADHS-Alltag mit unregelmässigem Essen und aufgeschobenen Toilettengängen, und die Medikamente

• Warum ich beim Mikrobiom deutlich weniger verspreche, als du vielleicht erwartest, und was ich von teuren Darmflora-Tests und monatelangen Verzichtsdiäten halte

• Warum sich bei manchen Menschen ein ganz normales Bauchgefühl anfühlen kann wie etwas Ernstes, und warum das nichts mit Wehleidigkeit zu tun hat

• Drei konkrete Dinge für den Alltag: das lange Ausatmen vor dem Essen, Regelmässigkeit sichtbar machen statt sie dir merken zu müssen, und mehr Pflanzenvielfalt ohne daraus ein Projekt zu machen

Diese Folge ist für dich, wenn du ADHS hast und dazu einen Bauch, über den nie jemand mit dir geredet hat. Für Eltern, deren Kind seit Jahren Beschwerden hat und die dafür Blicke ernten. Und für Fachpersonen, die ab jetzt eine Frage mehr stellen möchten. Du musst danach nichts umstellen. Es reicht, wenn du beim nächsten Arzttermin eine einzige Frage mitnimmst.

────────────────

DU BRAUCHST UNTERSTÜTZUNG?

Du musst damit nicht alleine bleiben. Im ADHwaS-Fachnetzwerk findest du geprüfte Coaches, Praxen und Fachpersonen für ADHS, Autismus und Neurodivergenz, in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich, online und vor Ort. Das Erstgespräch ist kostenlos.

Fachperson finden: https://adhwas.com/coaches

Alle Angebote: https://adhwas.com

────────────────

WICHTIGER HINWEIS

Dieser Podcast ist ein Gespräch, keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung. Die Inhalte dienen der Information und dem Erfahrungsaustausch und ersetzen weder eine Diagnose noch eine Behandlung. Das gilt besonders für alles, was in dieser Folge zu Medikation gesagt wird: Änderungen bitte immer mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Neue oder sich verändernde Magen-Darm-Beschwerden, Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder starke, plötzliche Schmerzen gehören immer ärztlich abgeklärt.

Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast oder dich in einer belastenden Situation befindest, wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Fachperson.

In einer akuten Krise:

Schweiz 143 (Dargebotene Hand) · Deutschland 0800 111 0 111 (Telefonseelsorge) · Österreich 142 (Telefonseelsorge)

Notruf: 144 (CH) / 112 (EU)