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729- Wie ökologisch lebten die Inkas?21.01., 06:0021.01.2026, 06:0000:02:46
Inka trieben keine Überweidung und setzten auf Vorratshaltung Oft werden die Inka als Ökowegweiser für unsere heutige Gesellschaft gesehen. Das Ressourcen-Management der Inka war selbstsuffizient und nicht im Übermaße ausbeuterisch und damit, wie man heute sagt, nachhaltig. Es gab keine Überweidung, die Landwirtschaft wurde experimentell betrieben, man hat sich drauf eingestellt, Vorräte zu halten, über alle Klimaperioden hinweg. Es wurden Hungersnöte vermieden, man hat aus der Geschichte gelernt. Die Vorgängerkulturen sind untergegangen deswegen, die Maya auch. Sie waren schon untergegangen, als die Spanier kamen. Die Azteken sind dafür bekannt, dass sie exzessiv Menschenopfer betrieben haben. Das haben die Inka nicht so exzessiv gemacht, wenn sie auch Bergopfer gebracht haben. Ihr intensiver Anbau in diesen steilen Andenbergen, die sie mit Terrassen übersät haben, was die Erosion verhindert hat, machte eine intensive Bewässerung nötig. Man musste die Bewässerungskanäle drei-, viermal im Jahr reinigen und bearbeiten. Die Inka haben dafür gesorgt, dass sie in Notzeiten durch tausende Speicher mit Mais, Kartoffeln, Quinoa und anderen Nahrungsmitteln gut versorgt waren. Die Inka betrieben also einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit der Natur, besaßen diplomatisches Geschick in der Politik und waren kunsthandwerklich und technisch eine sehr hochstehende Kultur? Genau. Und sie vermieden exzessiven öffentlichen Luxus, wie das in den Gräbern der Pharaonen, im alten Ägypten bis zu dem Gräbern der Maya oder anderen berühmten Gräbern der Fall ist, wo man sogar im Jenseits als der große Machthaber da stehen wollte. Das haben die Inka nicht gemacht. Sie haben sich mumifizieren lassen und lebten wie normale Menschen.
- Kann ein Mensch zum Atmen mit reinem Sauerstoff auskommen?20.01., 08:4520.01.2026, 08:4500:02:21
100 Prozent Sauerstoff: kurzfristig kein Problem beim Atmen Grundsätzlich ja – wir können reinen Sauerstoff einatmen, ohne dass wir gleich tot umfallen. Das ist nicht ganz selbstverständlich: Die normale Atmosphäre besteht zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff und nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff. Natürlich ist der Sauerstoff das, was wir brauchen, was für uns wichtig ist. Trotzdem: Reinen Sauerstoff zu atmen, ist für den Körper etwas anderes als eine Luft, in der der Sauerstoff nur 21 Prozent ausmacht. Kurzfristig ist das kein Problem – in der Notfallmedizin kommt reiner Sauerstoff ja auch zum Einsatz. Das heißt, der Mensch hält das vorübergehend aus. Sauerstoffgabe per Druckluft: Sauerstoffradikale können entstehen Auf Dauer ist es aber nicht gesund. Das gilt vor allem, wenn der Sauerstoff über Druckluftflaschen zugeführt wird. Denn normalerweise bilden die Sauerstoffatome Pärchen – immer zwei Atome bilden ein Molekül, deshalb auch die chemische Formel O2. Wenn wir viel Sauerstoff aufnehmen, steigt die Konzentration und damit auch der Partialdruck von Sauerstoff im Körper. Dann trennen sich diese Pärchen und es entstehen im Körper Sauerstoffradikale, also einzelne Atome. Die können zu Schäden in der Lunge und im Gehirn führen. Man spricht dann von einer Sauerstoffvergiftung. Der Druck ist also ein ganz wichtiger Faktor. Auch Taucher atmen übrigens keinen reinen Sauerstoff. Man spricht zwar landläufig oft von "Sauerstoffflaschen", aber auch in diesen Behältern ist ein Gasgemisch, bei dem bewusst die Druckverhältnisse in der Tiefe berücksichtigt werden: Je tiefer man vorhat zu tauchen, desto geringer ist der Sauerstoffanteil im Atemgas – und zwar meist deutlich geringer als in der Atmosphäre, gerade damit es unter erhöhtem Druck nicht zu einer Sauerstoffvergiftung kommt. Körper ist an natürlichen Sauerstoffgehalt der Luft von 21 Prozent angepasst Aus diesen Gründen wird reiner Sauerstoff normalerweise nur sehr kurzfristig in der Notfallmedizin zur Wiederbelebung eingesetzt. Ansonsten ist der menschliche Körper an den natürlichen Sauerstoffgehalt von 21 Prozent optimal angepasst. Sauerstoff ist reaktives Gas: Waldbrandgefahr bei zu hohem Anteil in der Luft Mehr Sauerstoff wäre also nicht besser. Im Gegenteil, denn wenn wesentlich mehr Sauerstoff in der Atmosphäre wäre, brächte das andere Gefahren mit sich: Sauerstoff ist ein sehr reaktives Gas. Hätte die Atmosphäre deutlich mehr Sauerstoff, wäre zum Beispiel die Waldbrandgefahr ungleich höher.
- Wie ist Jiddisch entstanden?20.01., 06:0020.01.2026, 06:0000:03:25
Kaum Quellen für das Jiddische vor 1350 Das Interessante an Jiddisch ist, dass das Hauptverbreitungsgebiet bis zum Zweiten Weltkrieg Osteuropa war – also Ukraine, Polen, Weißrussland, Litauen. Und die Sprache ist unverkennbar eng verwandt mit dem Deutschen. Das Jiddische hat sich aus dem Mittelhochdeutschen entwickelt, so viel ist klar. Doch ansonsten liegen die Ursprünge im Dunkeln, sagt Marion Aptroot, Professorin für Jiddische Sprache und Kultur an der Universität Düsseldorf, einer der wenigen Universitätslehrstühle für Jiddisch in Deutschland: "Es gibt kaum Quellen aus der Zeit vor 1350". SchUM-Städte Speyer, Mainz und Worms wohl nicht Ursprung des Jiddischen 1350 tobte die Pest in Europa, der Schwarze Tod. Es war die Zeit, als Juden als Brunnenvergifter beschimpft und verfolgt wurden. Andere Pogrome waren schon vorausgegangen. Viele Juden flohen aus Süddeutschland in den Osten. Lange Zeit haben die Fachleute hier eine klare Kontinuität gesehen. Am Rhein gab es im Mittelalter die berühmten SchUM-Städte Speyer, Mainz und Worms die Hochkultur jüdischen Lebens in Europa im Mittelalter, die aber spätestens mit der Pest endete. Also lag der Schluss nahe, dass die aus den SchUM-Städten Geflüchteten ihre deutsche Sprache mit Richtung Polen und Litauen nahmen. Doch ganz so war es wohl nicht. Denn die Sprache der Juden in den SchUM-Städten am Rhein zeigt nur wenig Ähnlichkeit mit dem späteren Jiddisch. Ursprung des Jiddischen vermutlich im Oberdeutschen Wenn nicht vom Rhein, woher kamen sie aber dann, die deutschsprechenden jüdischen Einwanderer in Osteuropa? Ganz klar ist es nicht, aber zumindest die Struktur des Jiddischen spricht für eine Herkunft im oberdeutschen Raum, also im Sprachgebiet des Alemannischen, vor allem aber Bairisch-Österreichischen bis hin zum Böhmischen. Die oberdeutschen Dialekte bilden zum Beispiel die Verkleinerungsform nicht auf -chen – sie sagen nicht Städtchen, sondern eben Städtle oder im Jiddischen Schtetl. Das Schwäbische und Bayerische kennt in der gesprochenen Sprache auch kein Präteritum. Man sagt nicht: "Ich war" und "Ich ging", sondern es gibt nur das Perfekt: "Ich bin gegangen" bzw. "bin gewesen". Im Jiddischen ist es analog. Wie im Bayerischen gibt es auch im Jiddischen die doppelte Verneinung. "Ich habe kein Geld" heißt im Jiddischen: "Ikh hab nisht keyn gelt." Und wie in den alemannischen und bairischen Dialekten gibt es im Jiddischen keinen Genitiv. Solche Parallelen sind es, die den Ursprung des Jiddischen im Oberdeutschen Sprachraum vermuten lassen. "Heutzutage denken wir, dass Orte wie Regensburg, vielleicht sogar Prag, eine bedeutende Rolle gespielt haben", sagt Marion Aptroot. Jiddisch: kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache Das Jiddisch hat sich dann aber weiterentwickelt und es ist eben kein deutscher Dialekt, sondern eine eigene Sprache, die auch Wörter aus dem Hebräischen, dem Aramäischen und nach der Flucht in den Osten auch aus den slawischen Sprachen übernommen hat.
- Warum haben Frauen so oft kalte Füße?19.01., 06:0019.01.2026, 06:0000:02:21
Männer haben Socken im Bett nicht nötig Mit solch pauschalen Behauptungen muss man in Zeiten von Sexismus-Debatten vorsichtig sein. "So oft" ist vielleicht übertrieben, aber es scheint Frauen zumindest statistisch öfter zu treffen als Männer. Und auch öfter, als es der Jahreszeit bzw. der tatsächlichen Temperatur entspricht. Frauen sind es auch eher, die die Socken im Bett anbehalten, Männer machen das seltener, und offenbar nicht nur, weil es uncool ist, sondern auch, weil sie es tatsächlich nicht so nötig haben. Mehr Muskelmasse, mehr Wärme Der Frauenkörper geht anders mit Wärme um. Männer haben mehr Muskeln – im Verhältnis zum Körpergewicht fast die doppelte Muskelmasse – und Muskeln produzieren nun mal viel Wärme. Diese Wärme verteilt sich im Körper. Außerdem haben Männer noch einen zweiten Vorteil: Sie haben im Schnitt ein größeres Körpervolumen und somit ein besseres Verhältnis von Körperoberfläche zur Masse. Der Körper gibt somit die Wärme weniger schnell ab. Frauen dagegen sind im Nachteil: Sie produzieren weniger Wärme und speichern diese auch noch schlechter. Beides führt dazu, dass ihr Körper öfter auf "Energiesparmodus" schaltet. Das macht er, indem er sich aufs Wesentliche konzentriert – die inneren Organe, die Körpermitte. Die Versorgung der äußeren Extremitäten dagegen – also Hände und Füße – wird heruntergefahren, weil die es nicht so nötig haben. Denn kalte Füße sind zwar unangenehm beim Einschlafen, aber ansonsten nicht weiter gefährlich. Weitere Ursachen sind möglich: Schuhe, Blutdruck, Ernährung und mehr Kalte Füße können natürlich auch noch andere Ursachen haben – enges Schuhwerk, dünne Sohlen, niedriger Blutdruck, Bewegung, Ernährung bis hin zu psychische Faktoren, Aufregung usw. – das spielt alles mit hinein. Allerdings kenne ich keine Studien dazu, ob es auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die sich auf den Fußwärmehaushalt auswirken.
- Wie entstehen Morgenrot und Abendrot?18.01., 06:0018.01.2026, 06:0000:03:08
Streuung des Sonnenlichts Die rötliche Färbung des Himmels – egal ob morgens oder abends – entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts. Wenn das Sonnenlicht durch die Atmosphäre auf die Erde scheint, werden die einzelnen Lichtstrahlen an den Gas-, Staub- und Wasserteilchen in der Atmosphäre gestreut, also umgelenkt. Dabei spaltet sich das weiße Licht in seine Bestandteile – die Regenbogenfarben – auf. Denn Lichtstrahlen der einzelnen Farben werden unterschiedlich stark abgelenkt. Je energiereicher das Licht, desto stärker die Ablenkung. Blaues Licht zum Beispiel ist kurzwellig und energiereich – es wird deshalb stärker umgelenkt als das energieärmere orangefarbene und rote Licht. Stellen wir uns nun die Sonne am Morgen- oder Abendhimmel vor. Von ihr gelangen vor allem die flachen Lichtstrahlen zu unserem Auge, die wenig abgelenkt werden – also die rötlichen. Die anderen – die blauen und grünen Anteile des Lichts sind zwar vorhanden, nur werden sie in ganz andere Richtungen gestreut. Deshalb sehen wir sie nicht. Aus diesem Grund erscheint die Abend- und die Morgensonne meist rötlich. Wenn aber der Himmel großflächig rot ist, kommt meist noch etwas hinzu, nämlich Staub und Wassertröpfchen in der Luft, an denen die flachen Lichtstrahlen noch einmal gestreut werden. Rot ist der Himmel also meist dann, wenn gleichzeitig auch Wolken vorhanden sind – und seien es Schleierwolken. Warum sagt man: "Abendrot: Schön-Wetterbot – Morgenrot: schlecht Wetter droht"? Das hängt damit zusammen, dass wir in unseren Breiten meistens Westwind haben und damit auch das Wetter tendenziell von Westen kommt. Beim Abendrot haben wir also meist folgende Situation: Die Sonne steht im Westen, dort am Horizont ist der Himmel klar und wolkenfrei – sonst hätte die Sonne keine freie Bahn. Gleichzeitig stehen zwischen uns als Beobachter und der Sonne irgendwo Wolken, die von der Sonne angestrahlt werden – das macht den Himmel rot. Steht nun die Abendsonne im Westen, befindet sie sich also tendenziell dort, wo gewissermaßen der Wind das Wetter von morgen her weht. Das heißt, dass der klare Himmel – dort, wo wir die Sonne am Abend sehen – morgen bei uns ist. Deshalb Schön-Wetter-Bot. Beim Morgenrot ist es genau umgekehrt. Dann ist das Wetter im Osten zwar schön, dort scheint die Sonne, aber das nützt nichts, weil von Westen her eine Wolkenfront kommt bzw. schon so weit da ist, dass sie die Sonnenstrahlen abfängt und den Himmel morgens rot erscheinen lässt. Insofern ist das Morgenrot wie ein Abschiedsgruß des schönen Wetters, das nach Osten wegzieht.
- Innerer Reichsparteitag: Ist das ein Nazi-Ausdruck?17.01., 06:0017.01.2026, 06:0000:02:30
Skandal bei der Fußball-WM 2010 Den Ausdruck hört man noch gelegentlich, und mancher zuckt da zusammen. Das wurde bei der Fußball-WM 2010 deutlich, als die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein den Ausdruck verwendete: Miroslav Klose, dessen Stürmerleistung vorher umstritten war, hatte ein Tor geschossen, worauf Müller-Hohenstein meinte, das müsse für ihn doch ein "innerer Reichsparteitag" gewesen sein – im Sinne einer großen Genugtuung; Klose müsse also innerlich gejubelt haben. Das war ein kleiner Skandal. Ein Mitglied des ZDF-Fernsehrats beschwerte sich mit den Worten: "Wir nehmen es nicht hin, wenn extremistische Terminologie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet wird." Die Moderatorin musste sich entschuldigen. Ist es eine "extremistische Terminologie"? Reichsparteitage waren eine Institution der Nazis und unstrittig ist, dass die Redewendung "das ist mir ein innerer Reichsparteitag" auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückgeht. Um den Ausdruck moralisch zu bewerten, lautet die entscheidende Frage aber: Von wem wurde dieser in welcher Form benutzt? Da ist die Quellenlage ambivalent. Klar ist: Es war kein Propagandaausdruck der Nazis, sondern der Ausdruck "innerer Reichsparteitag" entstand offenbar bald nach 1933 in der Studentenszene und wurde eher mit einer ironischen Distanz verwendet. Pompöse Jubelveranstaltungen: Reichsparteitage der Nazis Wenn jemand sagt: "Das ist mir ein innerer Reichsparteitag" bringt das ja zum Ausdruck, was die Reichsparteitage faktisch waren: Pompöse Selbstbeweihräucherungs- und Jubelveranstaltungen. In dem Ausdruck klang also eher ein gewisser Spott mit. Manche Zeitzeugen sagen allerdings, dass dieser Ausdruck auch in der Hitlerjugend verwendet wurde – und da wohl eher unironisch. Insofern ist die Verwendung heute ambivalent.
- Brennt mir etwas "auf den Nägeln", "auf die Nägel" oder "unter den Nägeln"?16.01., 06:0016.01.2026, 06:0000:01:59
Das hängt davon ab, ob man lieber die Rolle des Mönchs oder eines mittelalterlichen Folteropfers annehmen möchte. Denn die beiden Versionen haben unterschiedliche Ursprünge. Brennende Kerze trieb Mönche zum schnelleren Singen und Beten an Zu der Variante "auf den Nägeln": Es gab in der Tat und durch Holzschnitte belegt bei den Mönchen oder auch bei Priestern kleine Kerzchen, die auf den Daumennägeln befestigt waren. So konnten sie, wenn sie sehr früh Messe in der Messe waren, in ihrem Gebetbuch etwas lesen. Wenn das zu lange dauerte, dann brannte die Kerze immer weiter runter und sie mussten darauf schauen, dass sie schnell genug sangen. Deswegen war das eine unangenehme Situation, wenn einem etwas auf den Nägeln brannte. Foltermethode: brennender Kienspan unter den Nägeln "Unter den Nägeln" brennen hängt damit zusammen, dass es entsprechende Foltermethoden gab. Man steckte jemandem einen Kienspan unter die Nägel und zündete den an. Das war natürlich äußerst unangenehm und sehr, sehr widerlich. Also können Sie sowohl sagen "es brennt mir unter den Nägeln" als auch "das brennt mir auf den Nägeln".
- Warum erscheinen Sonne und Mond größer, je mehr sie sich dem Horizont nähern?15.01., 06:0015.01.2026, 06:0000:02:01
Den Mond mal zwischen zwei Finger nehmen Objektiv betrachtet sehen diese Himmelskörper, die Sonne oder der Mond am Himmel, gar nicht größer oder kleiner aus. Das heißt, sie nehmen praktisch die gleiche Größe im Sichtfeld ein, egal, ob sie jetzt hoch am Himmel stehen oder am Horizont. Wenn man den Arm ausstrecken und den Mond zwischen die Fingern nehmen würde, dann würde es keinen Unterschied machen, ob der jetzt hoch am Himmel steht oder am Horizont; er ist immer sozusagen zwischen den Fingern gleich groß. Der Mond ist zwar manchmal etwas näher an der Erde und manchmal etwas weiter weg, aber das macht nicht so viel aus und hat nichts mit der "Horizont-Frage" zu tun. Warum erscheint der Mond unterschiedlich groß? Da gibt’s zum einen die Erklärung, dass es eine optische Täuschung ist durch den Bezug zu Objekten am Horizont. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der wichtigste Grund ist, dass sich unser Gehirn täuschen lässt, was die Entfernung der Sonne oder des Mondes angeht. Wenn wir zum Horizont gucken, dann ist ja meistens eine ganze Menge dazwischen: Häuser, Bäume, Menschen – was auch immer. Und daraus leitet unser Gehirn unbewusst ab: "Dieser Horizont, der ist ja ganz schön weit weg." Wenn wir zum Mond gucken, wenn er hoch am Himmel steht, dann ist sonst nichts dazwischen. Und das interpretiert unser Gehirn so, als wäre er näher dran. Wenn man irgendwo draußen steht und sich ganz naiv den Himmel als Gewölbe vorstellt, als Käseglocke, dann hat es ja auch nicht den Anschein, als sei diese Käseglocke kugelrund, sondern sie ist eher abgeflacht. Der Zenit der Käseglocke, also oben, was direkt über uns ist, erscheint näher als der Horizont. Das liegt daran, dass beim Blick zum Horizont noch so viel dazwischen ist. Das heißt, der Horizont erscheint weiter weg, subjektiv, als der Zenit. Teleobjektive gaukeln Betrachter Nähe zu Objekten vor Umgekehrt: Wenn der Mond Richtung Horizont sinkt, nimmer er zwar im Sichtfeld immer noch die gleich Fläche ein wie wenn er oben steht. Aber unser Gehirn, unser optisches System sagt sich nun unbewusst: "Moment, der ist ja jetzt weit weg, das muss ich berücksichtigen, wenn ich überlege, wie groß ist der." Also meldet es unserem Verstand: "Du, dieser Mond da hinten, der ist so weit weg. Da muss der doch schon ganz schön groß sein". Und genau so entsteht diese Täuschung, dass der Mond bzw. eben auch die Sonne am Horizont so groß erscheinen. Wenn wiederum auf Fotos der Mond überdimensional groß erscheint, dann handelt es sich meist um Aufnahmen, die mit einem Teleobjektiv gemacht wurden. Was dabei passiert, kann man sich klar machen, wenn man seine Hand zwischen die Augen und einen größeren Gegenstand hält. Wenn wir die Hand dicht vor die Augen halten, verdeckt sie einen größeren Teil des Hintergrunds als wenn wir die Hand weiter wegstrecken. Wenn wir den Mond am Horizont betrachten, entspricht die "Hand" den Häusern und Bäumen. Was macht nun das Teleobjektiv? Es gaukelt dem Betrachter vor, er sei viel näher an den Häusern als er es in Wirklichkeit ist – ohne dass sich aber das Größenverhältnis zwischen Häusern und Mond ändert. Die Häuser erscheinen im Verhältnis zum Mond viel kleiner als wenn wir wirklich so nah dran wären, wie das Teleobjektiv uns glauben lässt – dadurch wird der Mond auf diesen Fotos so enorm groß. Und dann gibt es natürlich auch Fotomontagen, wo der Mond einfach mit Bildbearbeitung größer gemacht wurde als er ist.
- Warum ist Grönland eine Insel und Australien ein Kontinent?13.01., 07:3513.01.2026, 07:3500:02:10
Nach alter Tradition verläuft die Grenze zwischen Australien und Grönland. Grönland gilt gerade noch als Insel, ab Australien spricht man vom Kontinent. Beim Blick auf eine normale Weltkarte hat man manchmal den Eindruck, Australien und Grönland seien fast gleich groß. Das täuscht aber, weil die meisten Weltkarten die Größenverhältnisse verzerrt darstellen und dabei die Polarregionen viel größer erscheinen als gleich große Gebiete in den Tropen. In Wirklichkeit ist Grönland nur etwa ein Drittel so groß wie Australien, was ja einen deutlichen Unterschied darstellt. Ist es also reine Willkür, die Grenze zwischen Grönland und Australien zu ziehen? Hätte man auch sagen können: Wir zählen Australien noch als Insel und bezeichnen erst die Antarktis als Kontinent? Oder: Wir rechnen Grönland als eigenen Kontinent und die größte Insel wäre dann Neu-Guinea? Australien liegt auf eigener Kontinentalplatte Theoretisch wäre das möglich gewesen. Es gibt jedoch einen wesentlichen geologischen Unterschied zwischen Australien und Grönland. Es ist ja bekannt, dass die Erdoberfläche in mehrere große und kleine Kontinentalplatten unterteilt ist, die sich langsam in unterschiedlicher Richtung über den Globus bewegen. Und zu Australien gehört – zusammen mit Neuseeland und Tasmanien – tatsächlich eine eigene Kontinentalplatte. Das kann man für Grönland nicht sagen. Grönland ist geologisch gesehen ein Teil von Nordamerika; es gibt keine "grönländische" Platte. Insofern besteht also ein qualitativer Unterschied. Und da würde man heute die Grenze ziehen. Trotzdem ist das eine nachgeschobene Begründung, denn als die Kontinente definiert wurden, wusste die Wissenschaft noch nichts von Kontinentalplatten. Andererseits: Wenn man das konsequent zu Ende führen würde, müsste man auch Indien oder die arabische Halbinsel als Kontinente betrachten, denn sie befinden sich ebenfalls auf eigenständigen Platten. Sie sind aber gewissermaßen an den Großkontinent Eurasien "angehängt" und zählen somit nicht als eigene Kontinente.
- Wie sind die verschiedenen Blutgruppen entstanden?12.01., 06:0012.01.2026, 06:0000:03:24
Was sind Blutgruppen? Es geht hier vor allem um die roten Blutkörperchen, genau genommen um deren Zelloberfläche. An den Blutkörperchen haften bestimmte Eiweiße, die sogenannten Antigene. Nach denen sind die Blutgruppen benannt. Hat jemand Blutgruppe A, dann haften an den Blutkörperchen andere Antigene als im Blut von jemandem mit Blutgruppe B. Und Blutgruppe 0 heißt einfach: weder ... noch. An den Blutkörperchen hängen weder Antigene A noch B. Unser Körper wehrt sich allerdings gegen fremde Antigene, die er nicht kennt – deshalb wird bei Blutspenden auf die Blutgruppen geachtet, weil sonst der Körper des Empfängers das Blut des Spenders abstößt. Wie sind diese verschiedenen Blutgruppen entstanden? Sieht man sich das Verteilungsmuster der Blutgruppen auf der Welt an, dann kommen zwar heute alle Blutgruppen praktisch überall vor, aber es gibt bestimmte Häufungen: Blutgruppe 0 tritt gehäuft in Afrika und Amerika auf Blutgruppe A in Europa Blutgruppe B in Asien Das sind grobe Muster. Wie das gekommen ist, wird noch erforscht. Was aber bereits gut untersucht ist, ist der Einfluss von Malaria. An diesem Beispiel kann man deutlich machen, wie sich die Wissenschaft die Evolution der Blutgruppen grundsätzlich vorstellt. Warum sich in Afrika Blutgruppe 0 stärker durchgesetzt hat Man kann rekonstruieren, dass die Blutgruppe 0 sich durch einen ursprünglichen Gendefekt aus der Blutgruppe A entwickelt hat. Also: A war zuerst da, dann gab es beim Kopieren des Erbguts an einer bestimmten Stelle einen Fehler, eine Mutation. Das Resultat waren Menschen mit Blutgruppe 0. Das ist alles passiert in einer Zeit, als unsere Vorfahren noch in Afrika gelebt haben. Eigentlich waren es noch keine "Menschen" im heutigen Sinn, sondern allenfalls Vormenschen. In Afrika gibt es nun bekanntlich Malaria. Man hat herausgefunden, dass Träger der Blutgruppe 0 bei Malaria, insbesondere der gefährlichen Malaria tropica, höhere Überlebenschancen haben. Das liegt daran, dass sich der Erreger im Blut dieser Menschen nicht so schnell vermehren kann. Mit Malaria ist es also ein bisschen wie bei Covid-19 – auch da scheinen Menschen mit Blutgruppe 0 glimpflicher davonzukommen. Ein Prozess über Jahrmillionen Der Unterschied ist, dass es Malaria schon seit Jahrmillionen gibt. Wenn nun Menschen mit Blutgruppe 0 eine auch nur leicht erhöhte Überlebenschance in Malariagebieten haben, hat das dazu geführt, dass sich die Blutgruppe in Afrika im Laufe der Zeit immer stärker durchgesetzt hat. Das gilt vor allem für die feucht-tropischen Gebiete: Paradebeispiel ist das Nigerdelta. Dort ist der Anteil von Blutgruppe 0 in der Bevölkerung sehr hoch. In anderen Weltgegenden, wo Malaria nicht so eine große Rolle spielt, haben sich dagegen die Blutgruppen A und B gehalten. Auch andere Krankheitserreger spielen eine Rolle Dieser Einfluss des Malariaerregers erklärt die Evolution der Blutgruppen nicht komplett – schon gar nicht die Verteilung von A und B. Aber immerhin ist dieser Effekt so gut untersucht, dass man vermuten kann, dass generell Krankheitserreger der entscheidende Faktor bei der Herausbildung unterschiedlicher Blutgruppen und ihrer Verteilung sind, wenn sie jeweils die Träger der einen oder anderen Blutgruppe begünstigt haben. Gibt es auch bei Tieren verschiedene Blutgruppen? Ja, es gibt auch bei Tieren so etwas wie Blutgruppen. Gerade das AB0-System kennt man auch von anderen Primaten – es ist also älter als die Menschheit. Wir unterscheiden ja beim Menschen neben A, B und 0 auch den sogenannten Rhesusfaktor. Der heißt deshalb so, weil er ursprünglich beim Rhesus-Affen gefunden wurde. Unterschiedliche Blutgruppen sind auch bei Fischen nachgewiesen. Aber das sind dann nicht die Blutgruppen, die wir kennen – A, B und 0 oder der Rhesusfaktor – sondern ganz andere Typen als beim Menschen.
- Wovon hängt die Größe von Hühnereiern ab?11.01., 06:0011.01.2026, 06:0000:02:33
Eier gibt es in den Größen S bis XL – also extra groß. Diese Klassifizierung ist nach Gewicht definiert: Ein Ei der Größe S wiegt weniger als 53 g, Größe M geht bis 63 g, L bis 73 und alles, was darüber ist, ist XL. Alter und Rasse des Huhns entscheiden über Ei-Größe Die Eiergröße hängt von zwei Faktoren ab: Vom Alter und von der Hühnerrasse. Eier der Größe S stammen fast immer von Junghennen. Und je älter ein Huhn wird, desto größere Eier legt es. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Hühnerrassen. Ähnlich wie die Farbe des Eies eine Frage der Rasse ist, hängt auch die Größe von der Rasse ab. Besonders große Eier legen die braunen Hühner, während Zwerghennen, wie der Name schon vermuten lässt, eher kleine Eier legen. Hühner empfinden beim Eierlegen vermutlich keine Schmerzen Zur Frage, ob Hühner beim Eierlegen Schmerzen empfinden und bei großen Eiern gar größere Schmerzen: Es ist grundsätzlich schwierig, das wissenschaftlich herauszufinden, weil Schmerz eine innere Empfindung ist – und Hühner können weder sprechen noch können sie Schmerzen über den Gesichtsausdruck mitteilen. Es gibt deshalb kaum Hinweise darauf, dass ihnen das Eierlegen weh tut. Man kann sagen: Da die Größe vom Alter und der Rasse abhängt, also von natürlichen Faktoren, gibt es keinen Grund, einen Zusammenhang zwischen Eiergröße und Schmerz anzunehmen. Wenn man beim Eierkauf Tierschutzaspekte berücksichtigen will, spielt die Größe der Eier deshalb keine Rolle. Da sollte man lieber auf die Haltung achten, also Freiland- bzw. Bioeier kaufen.
- Woher kommt Seitenstechen?10.01., 06:0010.01.2026, 06:0000:02:26
Milz-Theorie überzeugt nicht Das ist eine der Fragen, bei der die Wissenschaft heute weniger "schlau" ist als früher. Früher war die Sportmedizin überzeugt, dass die Milz schuld sei. Die Milz spielt eine wichtige Rolle im Blutkreislauf, sie speichert Blut, sie produziert und recycelt weiße Blutkörperchen. Deshalb hieß es früher: Wenn sich untrainierte Menschen verausgaben, brauchen die Muskeln mehr Blut, also quetscht die Milz ihre letzten Reserven aus, zieht sich zusammen – und das verursacht das schmerzende Stechen. Das Problem dieser Erklärung ist: Die Milz liegt links im Bauch, Seitenstechen kann aber auch von rechts kommen; da stimmt also irgendwas nicht. Falsches Atmen: Welche Rolle spielt das Zwerchfell beim Seitenstechen? Inzwischen fällt der Verdacht eher aufs Zwerchfell, aber was genau sollte es zum Stechen bringen? Hier gibt es verschiedene Theorien. Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel und untrainierte Läufer atmen manchmal falsch; sie sind buchstäblich kurzatmig. Sie atmen schnell, achten vor allem aufs Einatmen, zu wenig aufs Ausatmen. Dadurch wird das Zwerchfell schlecht durchblutet, bekommt wenig Sauerstoff und verkrampft – auch das könnte das Seitenstechen verursachen. Zu viel essen oder trinken vor dem Sport beeinflusst ebenfalls das Zwerchfell Oder aber – auch die Theorie gibt es – es tut deshalb weh, weil das Zwerchfell von anderen Organen nach unten gezogen wird. Wer vor dem Sport zu viel isst oder trinkt, belastet unter Umständen die Leber, den Darm oder den Magen. "Belasten" ist in dem Fall wörtlich gemeint: Die Organe bekommen zu tun, werden schwerer. Weil sie aber über Muskelgewebe mit dem Zwerchfell verbunden sind, "reißen" sie es ein wenig nach unten, und auch das könnte Auslöser für das Seitenstechen sein – zumindest bei manchen Leuten.
- Dreht sich die Erde immer langsamer?09.01., 06:0009.01.2026, 06:0000:04:01
In 50.000 Jahren ist ein Tag eine Sekunde länger als heute Tatsächlich weiß man schon seit Längerem, dass die Erde im Lauf der Jahrmillionen sich immer langsamer um ihre eigene Achse dreht. Das geht allerdings so langsam, dass wir das in einem Menschenleben nicht zu spüren bekommen. Um mal die Größenordnung zu nennen: Innerhalb von 100 Jahren verlangsamt sich eine Erdumdrehung um etwa zwei Tausendstel Sekunden (genau sind es 1,7). Anders ausgedrückt: Wenn es so weitergeht, wird in 50.000 Jahren eine Erdumdrehung, also ein Tag, eine Sekunde länger dauern als heute. Das klingt nach nicht viel, aber es heißt natürlich auch, dass wenn man in Milliarden von Jahren rechnet – und die Erde ist ja fast 5 Milliarden Jahre alt – dass da schon etwas zusammenkommt. Wenn man annimmt, dass die Erdrotation gleichmäßig in dieser Größenordnung immer langsamer wird, käme man zum Ergebnis, dass der Tag in der Frühzeit der Erde nur 21 bis 22 Stunden gehabt hat. Und wahrscheinlich war das tatsächlich so. Geschwabbel an der Erdoberfläche: Einfluss der Gezeitenkräfte Dass sich die Erde immer langsamer dreht, liegt an den Gezeitenkräften. Also daran, dass wir zweimal am Tag Ebbe und Flut haben. Das führt dazu, dass die Erde durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne ständig etwas ihre Form verändert. Das heißt, es bilden sich ständig Flutberge und Ebbetäler. Das erzeugt Reibung und ein allgemeines "Geschwabbel" an der Erdoberfläche. Dadurch wird die Rotation der Erde immer ein bisschen gebremst. Das ist der Haupteffekt. Diese Abbremsung erfolgt aber nicht gleichmäßig, denn es kommen andere Kräfte ins Spiel. Zum Beispiel Eiszeiten. Wir hatten ja in den letzten 3 Millionen Jahren mehrere Eiszeiten. Eiszeit heißt immer, dass Wasser aus den Weltmeeren verschwindet und sich in Form von Eis und Gletschern auf die Kontinente niederschlägt, vor allem in den Polarregionen. Das heißt bei jedem Wechsel von Eis- zu Warmzeit wird in großem Umfang Masse auf der Erdobefläche umverteilt; auch so etwas beeinflusst die Eigendrehung. Antike Aufzeichnungen über Sonnenfinsternisse helfen bei Rekonstruktion Heute kann man das mit Atomuhren und genauer Himmelsbeobachtung ermitteln, aber das sagt ja nur etwas über die Veränderungen heute aus. Es gibt aber noch ein paar andere interessante Hinweise. Die Leute früher konnten die Zeit nicht so genau messen. Aber das mussten sie auch gar nicht. Sie haben Aufzeichnungen geführt über Sonnenfinsternisse. Eine Sonnenfinsternis ist ein fantastisches Spektakel. Wir können uns das heute erklären, der Mond schiebt sich vor die Sonne. Aber für die Menschen in der Antike war das ein unglaublicher Vorgang. Vor allem wenn es sich um eine totale Sonnenfinsternis handelt. Solche Ereignisse haben sie in ihren Chroniken festgehalten. Das Schöne ist nun: Die Astronomen können auch heute genau ausrechnen, wann an welcher Stelle der Erde eine totale Sonnenfinsternis stattfinden wird oder stattgefunden hat. Und sie können das mit den alten Aufzeichnungen vergleichen. Es gibt zum Beispiel eine totale Sonnenfinsternis im Jahr 136 v. Christus. Im Kernschatten dieser Sonnenfinsternis lag die Stadt Babylon. Dort gibt es auch Aufzeichnungen darüber. Aber wenn man rein astronomisch rechnet und davon ausgeht, dass die Erdentage heute und damals immer gleich lang gewesen wären, hätte diese Sonnenfinsternis nicht in Babylon zu sehen sein dürfen, sondern in Spanien. War sie aber nicht. Das liegt daran, dass sich die Erdrotation seitdem verlangsamt hat; der Zeitunterschied zwischen Babylon und Spanien beträgt etwa 3 Stunden. Vor 2000 Jahren war der einzelne Tag 4 Hundertstel Sekunden kürzer als heute. Wenn wir 2000 Jahre zurückgehen, dann sind das über 700.000 Tage – und auch wenn jeder dieser Tage nur Bruchteile einer Sekunde kürzer war, dann hat sich über die letzten 2000 Jahre doch vieles aufsummiert. Solche antiken Quellen sind ein Hinweis, dass sich die Rotation verlangsamt hat. Und sie bestätigen auf diese Weise die heutigen astronomischen Messungen.
- Warum ist der "globale Norden" reicher als der "globale Süden"?08.01., 10:0008.01.2026, 10:0000:03:41
Innerhalb Deutschlands ist es eher umgekehrt – wir haben hier ein Süd-Nord-Gefälle. Anders ist es in Italien, wo der Norden reicher ist als der Süden. Ein generelles Nord-Süd-Gefälle gibt es auch innerhalb Europas. Bessere Bedingungen für Landwirtschaft in gemäßigten Breiten Allerdings herrschten vor 2.000 Jahren – zur Zeit des römischen Reiches – umgekehrte Verhältnisse. Man kann also nicht sagen, dass es ein Naturgesetz gäbe, wonach nördliche Regionen immer reicher wären als südliche. Im Einzelfall spielen vielfach historische Entwicklungen eine Rolle. So war früher die Landwirtschaft ein entscheidender Wohlstandsfaktor — hierür herrschen in den gemäßigten Breiten einfach die besseren Bedingungen als in den Tropen. Die Böden und die Niederschlagsverhältnisse sind besser. Wir haben zwar auch immer wieder Trockenperioden, leiden aber längst nicht unter Dürreproblemen wie südlichere Länder das tun. Allerdings war das Mittelmeergebiet in der Antike grüner als heute – bis die Römer ihre Wälder abgeholzt haben, die bis heute nicht nachgewachsen sind. Aber die Frage nach Arm und Reich kann man sicher nicht nur auf solche naturräumlichen Einflüsse zurückführen. Kolonialgeschichte und Industrialisierung spielen eine Rolle Der Unterschied zwischen den reichen Industrieländern und den Entwicklungsländern lässt sich einerseits auf die Kolonialgeschichte zurückführen, andererseits auf die Industrialisierung. Aber auch damit verschiebt man die Suche nach der Ursache nur in die Vergangenheit, denn es bleibt ja die Frage: Warum gingen Kolonialisierung und Industrialisierung vom Norden aus? Warum die Europäer die Welt kolonisieren konnten An dieser Stelle kommt eine Theorie ins Spiel, die von dem US-Geographen Jared Diamond stammt. 1997 erschien sein Buch "Arm und Reich", im Englischen "Guns, germs and steel" – also Waffen, Krankheitserreger und Stahl. Darin stellt er die einfache Frage: Warum haben einst die Europäer den Rest der Welt kolonisiert und nicht umgekehrt? Seine Erklärung geht zurück bis in den Beginn der Landwirtschaft vor 10.000 Jahren in Vorderasien. Dass die Landwirtschaft dort ihren Anfang nahm und nicht sonst wo, hatte klare Gründe, denn dort herrschten Bedingungen wie nirgends sonst auf der Welt: Es gab eine gewisse Anzahl an domestizierbaren Pflanzen – was wir heute als Getreide bezeichnen – und domestizierbaren Tieren. Weil der eurasische Kontinent eine Ost-West-Achse hat, und weil es – anders als in Amerika – in Ost-West-Richtung keine großen Gebirgsbarrieren gibt, verlaufen auch die Klimazonen in Eurasien in Ost-West-Richtung, also konnte sich die Landwirtschaft leicht ausbreiten. Und damit auch alles, was mit ihr zusammenhing, denn die Landwirtschaft hatte ja Folgen: Sie war ja zugleich der Beginn komplexer Gesellschaften, in denen es so etwas wie Arbeitsteilung gab, Spezialisierungen. Und die Landwirtschaft führte zu weiteren technischen Innovationen: Töpfe aus Keramik, Pflüge und andere Spezial-Werkzeuge aus Metall wurden erfunden – und die Metallverarbeitung führte natürlich auch zu effizienten Waffen. Ein anderer, eher unbeabsichtigter Effekt der Landwirtschaft und der Tierhaltung waren die Krankheitserreger, die sich dort entwickeln konnten. Diese Krankheitserreger forderten natürlich viele Todesopfer, aber im Lauf der Jahrtausende wurden die Menschen in Europa dadurch auch gegen viele Erreger immun. Als sie sich dann aber anschickten, in der Frühen Neuzeit den Rest der Welt zu erobern, brachten sie viele Erreger auch in die Neue Welt. Es ist bekannt, dass die Indianer in Amerika nicht nur durch die Waffen der Europäer dezimiert wurden, sondern vor allem durch die Krankheitserreger. Natürlich kann man die Geschichte nicht nur dadurch erklären. Aber zumindest das grobe Muster der Menschheitsgeschichte – das letztlich bis heute nachwirkt. Ein Kollege von Diamond, Laurence Smith, tätig am gleichen Institut in Los Angeles, führt den Gedanken nun fort und sagt: Durch den Klimawandel werden die nördlichen Regionen, die bisher noch etwas abseits des Weltgeschehens standen – Kanada, Skandinavien, der Norden Russlands – in den nächsten Jahrzehnten einen großen Boom erleben, was natürlich den Begriff "reicher Norden" weiter am Leben halten würde.
- Warum führt scharfes Essen zu Schweißausbrüchen?08.01., 06:0008.01.2026, 06:0000:02:36
Im Capsaicin steckt die Schärfe Scharfes Essen kann tatsächlich zu einem leichten Anstieg der Körpertemperatur führen. Die chemische Verbindung, die Chilis und anderen Paprikagewächsen ihre Schärfe verleiht, ist Capsaicin. Schon kleine Mengen machen viel aus: Würde man ein Gramm Capsaicin in 10.000 Liter Wasser verteilen, könnte man die Schärfe immer noch schmecken. Und je mehr drin ist, desto schärfer wird es. Diese Capsaicin-Moleküle docken genau an jene Nervenrezeptoren im Mundraum an, die uns normalerweise melden, wenn wir uns verletzt oder verbrannt haben. Nervenrezeptoren melden "Feuer" Man könnte also sagen: Capsaicin täuscht eine Brandwunde vor, deshalb "brennt" es im Rachen. Der Körper reagiert daraufhin so, wie er auf Wunden reagiert: Er steigert die Durchblutung und erweitert die Blutgefäße. Dadurch steigt die Körpertemperatur – und um den Anstieg in Grenzen zu halten, leitet der Körper gleich die Gegenmaßnahme ein: Er fängt an zu schwitzen. Denn wenn der Schweiß auf der Haut verdunstet, wird dem Körper Wärme entzogen. Scharfe Speisen in tropischen Ländern: schwitzen kühlt! Manchmal wundert man sich ja, dass scharfe Speisen ausgerechnet in tropischen Ländern Tradition haben, wo es doch schon heiß genug ist – Indien, Indonesien, Mexiko. Die Erklärung könnte aber genau darin liegen: Das scharfe Essen wirkt zwar kurzfristig schweißtreibend, hat aber – über den ersten Hitzemoment hinaus – auch eine kühlende Funktion. Aufgrund dieser Zusammenhänge ist es kein Zufall, dass im Englischen das Wort "hot" sowohl "heiß" als auch "scharf" bedeutet. Im Deutschen kennen wir interessanterweise auch "heiß" als Synonym für "scharf" – aber bekanntlich mehr in Zusammenhang mit menschlichem Balzverhalten … Es handelt sich allerdings auch hier jeweils um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen "hot", das ebenfalls in diesem Kontext gebraucht wird.
- "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand" – woher kommt das?07.01., 14:2507.01.2026, 14:2500:00:47
Das kenne ich selbst von meinem Vater, der Seemann war und die ganze Welt umsegelt hat. Und der wusste auch genau dieses Problem. Also auf hoher See, da muss man natürlich immer auf Gott vertrauen, weil man in solcher Gefahr ist. Und das hat man verglichen mit dem Gericht. Der normale Mensch, der ist ja da auch völlig verloren. Der kennt sich nicht aus, fühlt sich in lauter Fallstricke gefangen. Und es gibt ein schönes Sprichwort, das heißt vor Gericht braucht man drei Säcke. Einen mit Papier, einen mit Geld und einen mit Geduld.
- Haben Vögel im Frühling mehr Hunger als im Winter?01.01., 07:0001.01.2026, 07:0000:02:03
Aufzucht der Jungen kostet im Frühjahr viel Energie Auf alle Fälle haben Vögel mehr Hunger, weil sie unter Umständen jetzt Junge betreuen müssen und nicht mehr viel Zeit übrig haben. So ein Weibchen oder auch ein Männchen, je nach Arbeitsteilung, muss den größten Teil des Tages auf dem Gelege zubringen, dem Gelege Wärme spenden, das heißt Energie, von ihren 42°C. Das kostet mehr Energie, das ist klar. Was ist ein guter Ort, um Vögel zu füttern? Ich habe im Winter Meisenknödel rausgehängt, die wurden gar nicht angenommen. Und ich glaube, dass da auch die Umgebung eine Rolle spielt. Das heißt, wenn die frei hängen und frei zugänglich sind für die Meise, aber unter Umständen auch für den Sperber, dann mögen die nicht über längere Strecken dort hin fliegen. Vögel vermeiden solche gefährlichen Flugstrecken, wo sie hin- und herfliegen. Besonders, wenn der Sperber schon ein paar Mal gekommen ist; sie gehen da dann unter Umständen nicht dran. Mehr Deckung und Gebüsch kann helfen. Wenn es irgendwo etwas Tolles gibt mit viel Weichfutter und Haferflocken oder die Nachbarn vielleicht einen Moment früher angefangen haben zu füttern, dann sind die Vögel dahin gebunden, wenn sie leichten Zugang haben.
- Woher kommen die Wörter "Katastrophe" und "Desaster"?31.12., 04:0031.12.2025, 04:0000:01:35
Katastrophe: verhängnisvolle Sternenkonstellation In beiden Wörtern stecken die Sterne drin, lateinisch Astra. Eine Katastrophe ist ein folgenschweres Unglück, etwas, was nach landläufiger Vorstellung über uns hereinbricht ober aber durch menschliches Versagen ausgelöst wird. Früher wurde die Verantwortung dafür den Sternen zugeschrieben, genauer: den Planeten. Man glaubte, dass sie die Erde umkreisen und dabei manchmal eine verhängnisvolle Konstellation einnehmen, bei der eine bestimmte Umdrehung (griechisch καταστροφή) auf die irdischen Verhältnisse so einwirkt, dass sie sich im Positiven oder Negativen verändern. Schon in der Antike waren die Menschen überzeugt, so wie der Mond Ebbe und Flut auslöst, so würden auch die Planeten den Lauf der Ereignisse bestimmen. Diese Vorstellungen herrschten schon in Mesopotamien und hielten sich bis in die Neuzeit. 1932 gab es ein schweres Erdbeben in Indien. Damals wurde unter Wissenschaftlern noch diskutiert, ob das durch eine bestimmte Sternenkonstellation ausgelöst wurde. Desaster: ein "Unstern" Beim Wort Desaster ist es ganz ähnlich. Auch das hat seinen Ursprung in der frühen Astrologie. Das Wort "disastro" geht auf die Vorstellung zurück, dass eine ungünstige Sternenkonstellation – in der Übersetzung also ein "Unstern", ein "Desaster" – einen negativen Einfluss auf irdische Verhältnisse ausübt.
- Warum zerfällt Käsefondue oft in seine Bestandteile und was tue ich dagegen?29.12., 07:0029.12.2025, 07:0000:01:48
Denaturierung im Fonduetopf Das kann leider immer passieren. Der Käse besteht im Wesentlichen aus Kaseinen; die Kaseine haben eine gewisse Denaturierungstemperatur. Beim Käse oder Rohmilchkäse sind die Kaseine noch nicht denaturiert. Aber sie denaturieren, wenn es ihnen im Fonduetopf zu warm wird. Dann trennt sich das Fett von den Eiweißen. Ein bisschen Schnaps senkt die Temperatur Deswegen geben Sie immer ein bisschen Schnaps dazu, weil der Alkohol bei 78 Grad Celsius verdampft. Das heißt, dass die Temperatur nicht ganz so schnell so hoch steigt. Sie können sich immer helfen, wenn Sie ein bisschen Schnaps nachgießen, weil der Alkohol verdunstet und damit die Temperatur wieder etwas gesenkt wird. Trennung von Fett und Kasein beginnt bei 138 °C Die kritische Temperatur im Fonduekessel liegt bei 138 bis 140 °C. Da beginnt diese Trennung von Fett und Kasein; diese Temperatur sollten Sie nicht erreichen. Allerdings passiert das an der Wand und am Boden sehr schnell. Deswegen müssen Sie gut umrühren und immer wieder mit etwas Alkohol nachhelfen – dann müsste es eigentlich klappen. Ansonsten hilft es, die Temperatur etwas zu reduzieren. Also immer mal das Stövchen niedriger setzen oder den Topf vom Feuer nehmen.
- Warum bringen Schornsteinfeger Glück?28.12., 20:0028.12.2025, 20:0000:02:46
Kaminkehrer sorgt für Sicherheit, macht mit rußigem Gesicht aber auch Angst Früher hatten die Leute ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Schornsteinfeger. Einerseits bringt er ja faktisch Glück: Er reinigt den Kamin und sorgt dadurch dafür, dass den Hausbewohnern keine Rußbrände, Gasvergiftungen oder Hausbrände drohen. Aber er war halt auch schwarz. Und das muss auf viele Leute furchteinflößend gewirkt haben. Früher glaubten die Leute noch an den Teufel, und da konnte ja schon der Verdacht aufkommen, dieser schwarze Mann könnte mit dem Satan im Bund stecken. Der Schornstein als geheimnisvoller Ort Außerdem war der Schornstein ein geheimnisvoller Ort. Noch heute erzählt man Kindern, dass der Nikolaus durch den Schornstein kommt. Und in Gruselgeschichten gehen die Gespenster durch die Kamine ein- und aus oder hausen dort. Das sind zwar aus heutiger Sicht harmlose Geschichten. Sie gehen aber darauf zurück, dass der Kamin in früheren Zeiten ein dunkler Ort war. Daher war er dafür prädestiniert, dass man dort etwas hineingeheimnissen konnte. Dunklen Ort von Ruß und bösen Geistern reinigen Aus all diesen Gründen war der Schornsteinfeger immer eine Respektsperson. Blöd wäre aber gewesen, wenn die Leute so viel Angst vor diesem schwarzen Mann gehabt hätten, dass sie ihn gar nicht mehr in ihre Wohnungen gelassen hätten. Dann hätten am Ende Häuser gebrannt und Menschen wären in ihren Feuerabgasen erstickt. Insofern hatte das Gerücht, dass Schornsteinfeger Glück bringen, schon Vorteile. Und so erzählten sich die Leute, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, weil er in diesen Kamin, diesen dunklen Ort vordringt und ihn von potenziell bösen Geistern reinigt. Und weil er – wenn er wirklich mit dem Teufel in Kontakt steht – mit dessen Hilfe sogar andere Geister bannen könnte. Ob jemand dieses Gerücht absichtlich in die Welt gesetzt hat, um die Leute zu beruhigen und um die Akzeptanz gegenüber dem Schornsteinfeger zu steigern – das ist nicht überliefert. Genauso gut ist möglich, dass das irgendwann einfach mal aufkam und sich dann verselbständigt hat. Schornsteinfeger bringt Glück fürs neue Jahr Der Schornsteinfeger ist auch eine "Neujahrs-Figur": Er taucht zum Jahreswechsel als Kuchen-Dekoration oder aus Marzipan geformt auf. Ein Zusammenhang besteht darin, dass früher der Schornsteinfeger traditionell an Neujahr herum ging und seine Jahresrechnung vorlegte – und bei der Gelegenheit natürlich gleich eine der ersten Personen war, die einem im neuen Jahr begegneten. Insofern war es aus praktischen Gründen gut zu glauben, dass er Glück bringt. Denn hätte er als Unheilsbote gegolten, wäre er als Neujahrsbesucher sicher nicht so willkommen gewesen.